Italien hat keine Mitschuld an Attacke in Nizza

Roms Innenministerin 

Messerangriffe nach den Ereignissen von Nizza. Foto: epa/Sebastien Nogier
Messerangriffe nach den Ereignissen von Nizza. Foto: epa/Sebastien Nogier

ROM: Italiens Innenministerin Luciana Lamorgese hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass italienische Behörden mitverantwortlich sein könnten für die Messerattacke in Nizza. Zugleich bestätigte sie am Freitag in Rom, dass der tunesische Terrorverdächtige vor über einem Monat in Italien in die Europäische Union eingereist sei. Zuvor hatte die rechte Opposition um Lamorgeses Vorgänger, den Lega-Chef Matteo Salvini, die Mitte-Links-Regierung wegen einer angeblich zu laxen Migrationspolitik angegriffen. Salvini forderte den Rücktritt Lamorgeses, weil der mutmaßliche Attentäter nach bisherigen Angaben unbemerkt von Italien nach Frankreich weiterreisen konnte.

«Auf unserer Seite liegt keine Verantwortung», sagte Lamorgese vor Journalisten als Reaktion auf die Rücktrittsforderungen. Der Anschlag in der französischen Küstenstadt sei ein «Angriff auf Europa» gewesen. Der Verdächtige war nach ihren Angaben am 20. September mit einem Migrantenboot auf die Mittelmeerinsel Lampedusa angekommen. Er habe am 9. Oktober eine Ausweisung erhalten, die er ignoriert habe, sagte Lamorgese. Weder die tunesischen Behörden noch von Seiten der Geheimdienste habe es Warnungen an Italien vor Gefahren durch den Mann gegeben.

Oppositionsführer Salvini beschuldigte Lamorgese, für den Anstieg der Zahlen von Bootsmigranten verantwortlich zu sein. Lamorgese verweis unter anderem auf die Krisenlage in Tunesien. Nach offiziellen Angaben kamen in diesem Jahr bisher über 27.000 Migranten nach Italien, im Jahr davor waren es im gleichen Zeitraum rund 9650 gewesen.

Bei dem Angriff in einer Kirche in Nizza waren am Donnerstag drei Menschen getötet worden. Mehrere weitere wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Präsident Emmanuel Macron sprach von einem «islamistischen Terroranschlag».

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Frank Matthias 01.11.20 14:37
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