Reisen während Corona

​Virus durchkreuzt Pläne vieler armer Menschen

Foto: Pixabay
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LUXEMBURG/BERLIN: Seit Jahren können sich immer mehr Menschen in Deutschland eine Woche Urlaub weg von zu Hause leisten. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie könnte diese Entwicklung stoppen - und trifft vor allem die Armen.

Wegen der Corona-Krise können sich 2020 nach Einschätzung des Armutsforschers Christoph Butterwegge weniger Menschen einen Urlaub leisten als in den vergangenen Jahren. Ärmere Bürger würden wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit verzichten, sagte Butterwegge der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Fernreise ist für viele dieses Jahr keine Option. Das könnte Butterwegge zufolge dazu führen, dass mehr Menschen Urlaub in Deutschland machen und deshalb die Preise dort steigen. Menschen mit einem geringen Einkommen könnten sich eine einwöchige Reise dann nicht mehr leisten.

Zuletzt hatte sich der Anteil derer, die zumindest einen siebentägigen Urlaub weg von zu Hause bezahlen konnten, minimal erhöht. Allerdings war etwa bei jedem siebten in Deutschland auch das nicht drin: 2019 hatten nach vorläufigen Zahlen des EU-Statistikamts Eurostat 13,3 Prozent nicht genug Geld für einen siebentägigen Ferienaufenthalt, nach 13,6 Prozent im Jahr davor. Unter Alleinerziehenden lag der Anteil 2019 sogar bei 27,9 Prozent.

Wie Butterwegge erwartet auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass die Pandemie finanzielle Spielräume einschränkt. «Die Corona-Pandemie wird Ungleichheit und Armut in Deutschland weiter verschärfen», sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der dpa. Ersparnisse würden aufgebraucht, da viele Menschen etwa durch Arbeitslosigkeit weniger Geld hätten.

Verglichen mit anderen europäischen Ländern rangiert Deutschland nach vorläufigen Eurostat-Zahlen über dem europaweiten Durchschnitt von geschätzt 28,5 Prozent. Anders sieht es in den Urlaubsländern Kroatien und Griechenland aus. Dort kann sich jeweils knapp die Hälfte der Einheimischen keine siebentägige Reise leisten. Am geringsten ist der Anteil dagegen in Norwegen (7,2 Prozent), Schweden (10,2 Prozent) und Dänemark (10,8 Prozent).

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