Reisen in die Ferne und Persönlichkeit

​Wie beides zusammenhängt

Foto: Christine Roy On Unsplash
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Fernreisen und Persönlichkeitsentwicklung verbinden die meisten Menschen zunächst nicht miteinander.Bei näherer Betrachtung allerdings fällt auf: Diese beiden Dinge gehören tatsächlich zusammen. Wer die Welt regelmäßig entdeckt, wird auch im gewohnten Leben zuhause Veränderungen feststellen. Das gilt sogar bis ins hohe Alter hinein.

Auf Fernreisen geben wir die Sicherheit des Vertrauten auf

Fernreisen sind für viele Menschen ein gewisses Wagnis. Keines der schlechten Sorte, sondern vielmehr eines, das mit dem so sehr gewünschten Fallschirmsprung vergleichbar ist. Wir verlassen unser gewohntes Umfeld und begeben uns in eine Situation, die wir bisher noch nicht kannten. Sich einer gewissen Unsicherheit hinzugeben und die Zeit weit in der Ferne zu genießen, zeigt: Ich bin auch außerhalb meiner Komfortzone dazu in der Lage, mich zurechtzufinden und mein Leben zu gestalten.

Der Kontrast ist dabei das, was den späteren Lerneffekt erzeug: Viele Menschen sind zuhause ganz besonders auf Sicherheit bedacht. Sie bevorzugen Casinos mit deutscher Lizenz, Online-Shops mit sicherer Bezahlfunktion und den festen Tisch im Stamm-Restaurant. Die Fernreise ist dabei ein geplantes und doch überraschendes Abenteuer außerhalb der Komfortzone, das am Schluss mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen schenken kann.

Wie viel sich Reisende dabei zutrauen, ist eine stets individuelle Frage. Während mancher Urlauber sich mit Pauschal-Angeboten und geplanten Ausflügen bereits bestens beraten fühlt, zieht es wiederum andere Reisende zum Individualtourismus hin. Sie entdecken ein Land am liebsten ganz auf eigene Faust und überlassen einen Großteil der Planung dem Zufall.

Neue Eindrücke können alte Gewohnheiten brechen

Wer sich in einem fernen Land mit einer vollkommen neuen Landschaft, klimatischen Besonderheiten und natürlich auch andersartigen kulinarischen sowie sprachlichen Eindrücken aufhält, gewinnt Abstand vom Leben in der Heimat. Dies passiert schon nach wenigen Tagen und birgt das Potenzial, unliebsame Gewohnheiten endlich anzupacken.

In der neuen Umgebung nämlich sind die meisten Menschen nicht mehr so sehr in ihrer strukturkonservativen Haltung gefangen. Dies macht es leichter, gefestigte Verhaltensmuster aufzulockern und Veränderungsprozesse anzustoßen. Ob Rauchstopp, eine moderatere Nutzung des Smartphones, endlich gesünderes Essen, Meditationen am Morgen oder Yoga vor dem Schlafengehen: Wer auf Reisen mit neuen Gewohnheiten startet, hat gute Chancen, diese als dauerhaftes Souvenir mit nach Hause zu bringen.

Dennoch ist es selbstverständlich wichtig, eine Fernreise in erster Linie zu genießen. Geplante oder auch gewünschte Veränderungen des persönlichen Lebensstils sollten nicht in Konflikt hiermit stehen. Für Reisende bedeutet dies, auch kleine Schritte und Entscheidungen wertzuschätzen und die wirklich großen Brüche mit alten Gewohnheiten für die Zeit nach der Rückkehr aufzusparen. Die Fernreise kann hier dennoch einen wertvollen Impuls setzen.

Kulturelle Lernaufgaben bergen Veränderungspotenzial

Reisen in ferne Länder bringen stets auch kulturelle Eindrücke mit sich. Dies dürfte auch erklären, warum Fernreisen in den vergangenen Jahren zunehmend an Beliebtheit gewinnen. Auch der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) berichtet hierüber: „Bei der Auswahl der Reiseziele setzt sich der Trend zu mehr Fernreisen auch 2020 fort. Selbst wenn diese etwas teurer sind, ist sich bereits jetzt mehr als jeder sechste Bürger sicher, ein Ziel außerhalb Europas zu besuchen.“ (Quelle: http://www.btw.de/tourismus-in-zahlen/branchenstudien-und-umfragen.html)

Foto: Dani Aláez on Unsplash
Foto: Dani Aláez on Unsplash

Fremde Kulturen mit all ihren Bräuchen und Gepflogenheiten bringen dabei stets die Möglichkeit mit sich, Teile von ihnen für das eigene Leben auszuwählen und auch nach der Reise noch zu leben. Hiervon profitieren Menschen vor allem dann, wenn sie ihr Leben vorab als etwas trist und wenig erfüllend erlebt haben. Wer sich vom Lebensgefühl einer anderen Kultur inspirieren lässt und geliebte Neuerungen aus dem Urlaub in die persönliche Kultur einfließen lässt, kann die eigene Situation verbessern.

Reisen füllen die Innenwelt mit Farbe

Irgendwann im Leben aller Menschen beginnt eine Zeit, in der Fernreisen kaum mehr möglich sind. Was zunächst traurig klingt, erscheint bei näherer Betrachtung jedoch weit weniger schlimm. So steigt das Lebensglück in der zweiten Lebenshälfte in den meisten Fällen sogar an, wie dieser Artikel von Spektrum aufzeigt.

Keine Frage: Fernreisen können auch bis ins hohe Alter noch Freude bereiten. Die individuellen Grenzen werden dabei stets von der persönlichen Gesundheit und den sich verändernden Vorlieben beeinflusst. Frühzeitig mit dem Reisen zu beginnen, lohnt sich daher vor allem auch im Hinblick auf diese Zeit spät im Leben. Wer irgendwann zu alt für weite Wege ist und die Jahrzehnte zuvor intensiv genutzt hat, kann von den gewonnenen Erinnerungen zehren.

Volle Alben mit Bildern vergangener Reisen, Urlaubstagebücher und vielleicht sogar Videos ermöglichen es, immer wieder einzutauchen in das aufregende Gefühl. Und nicht nur die betreffende Person selbst profitiert: Wer im Sommer mit den Enkeln Schutz vor der Mittagssonne sucht und die Pause mit Geschichten aus fernen Ländern füllt, bewirkt auch bei ihnen etwas. Schon die Kleinsten entdecken dann ihre ganz eigene Lust auf die Entdeckung der Welt, lernen wertvolle Dinge über ferne Kulturen und entwickeln einen wertschätzenden Blick auf die Vielfalt der Menschen.

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