Reisbauern in Thailand

Thailand ist einer der größten Reisexporteure der Welt. Die Reisbauern in Thailand gehören jedoch in der Mehrheit zu den ärms­ten Menschen des Landes. Sofern sie nicht Eigentümer der Felder sind, müssen sie 30 Prozent der Ernte oder mehr an die Besitzer abliefern. Das allein würde schon ihre Armut begründen.

Aber dann überfällt die Dürre das Land, und die Ernte fällt aus. Oder der Regen schüttet soviel Wasser auf die Felder, dass der Reis verfault ehe er aufblühen kann. Gegen die Folgen der Klimaveränderung kommt niemand an. Da helfen auch Hilfsmaßnahmen der Regierung nichts. Wie soll eine Familie, die ausschließlich vom Reisanbau lebt, bis zur nächs­ten Ernte mit dreitausend oder maximal fünftausend Baht Zuschuss überleben? Das wäre unmöglich, wenn nicht weitere Familienmitglieder irgendwo in den Touristenstädten Geld verdienten, um ihre Angehörigen zu unterstützen. Letztlich ist diese Lebensweise aufgebaut auf Unsicherheit und die vage Hoffnung auf Hilfe von außen. Waren Sie schon einmal im Isaan, dem Armenhaus des Landes, wo der Großteil der Bewohner in den Dörfern vom Reisanbau lebt? Haben Sie die ärmlichen Hütten der Reisbauern gesehen, von denen einige immer noch ohne Strom- oder Wasseranschluss sind?

Ich habe mich dort sorgfältig umgesehen und einige Familien besucht. Ein Beispiel: Die Mutter schwer nierenkrank, weil sie und ihre Familie das Wasser aus einem nahen Bach trinken, der durch eine Fabrik oberhalb des Dorfes bleiverseucht ist. Der Vater arbeitet für ein Taschengeld nebenbei als Hausmeister in einer Schule. Die fünfzehnjährige Tochter muss sich um die jüngeren Geschwister kümmern. Der älteste Sohn, der auch nur vier Jahre in die Schule gehen durfte, lebt in Pattaya und schickt, wann immer es ihm möglich ist, den größten Teil seines kleinen Verdienstes an seine Mutter, die das Geld verwaltet. Auf welche Weise der Sohn sein Geld verdient, weiß die Familie nicht. Sie will es auch nicht wissen. Man kann das Leben dieser Familie als würdelos bezeichnen. Sie fristet ihr Dasein ohne Einfluss auf ihre Lebensumstände irgendwo zwischen Hoffen und Bangen. Wenn sie sich in höchster Not wieder einmal Geld leihen muss, ist sie abhängig von illegalen Händlern, die horrende Zinsen verlangen. Wie soll man diesem Teufelskreis entkommen? Einige sahen keinen anderen Ausweg mehr, als ihre Felder zu verkaufen. Davon zahlten sie ihre Schulden und sind in eine der größeren Städte gezogen, wo sie als Tagelöhner zu überleben versuchen. Einigen blieb nichts anderes übrig als Plastikflaschen zu sammeln, für die sie mit wenigen Baht abgespeist werden. Andere betteln oder versuchen, den Urlaubern irgendeinen Schnickschnack anzudrehen. Letzter

Ausweg ist der Fusel und der langsame Tod. Frühere Regierungen haben versucht, das schwere Los der Reisbauern zu verbessern, indem sie ihnen ihre Ernte zum Festpreis abkaufte. Leider blieben sie gelegentlich auf den eingelagerten Mengen sitzen, der Reis verfaulte, und die Reisbauern warteten vergeblich auf ihr Geld. Welche Möglichkeit bleibt ihnen? Vielleicht Selbstvermarktung in einer kommunalen Einrichtung? Erste Versuche sind schon gescheitert. Die Wohlstandsgesellschaft hat diese Menschen, die so viel zu ihrem Reichtum beigetragen haben, einfach vergessen und lässt sie in ihrem Elend allein. Da bleibt der Gedanke nicht aus, dass es in Zukunft diese Kleinbetriebe der Reisbauern nicht mehr geben wird. Stattdessen bewirtschaften Großunternehmer mit modernsten Maschinen das Land und werden unter Einsatz chemischer Mittel das Optimale aus dem Boden herausholen. Dadurch wird sich aber nicht nur das Land verändern, sondern auch seine Kultur. Aus dem Schachbrettmuster der nordöstlichen Landschaft wird ein bis zum Horizont reichender Farbklex, der keinen Touristen mehr anlockt. Die ländliche Idylle verschwindet, und bald wird auch der letzte Tempel mit seinen Klöstern geschlossen, weil niemand mehr da ist, der den Mönchen frühmorgens ihre Bettelschalen füllt. Dörfer veröden, die Bewohner der Kleinstädte siedeln sich in den großen Zentren des Landes an, die diesem Ansturm kaum gewachsen sind. Slums entstehen, das Proletariat nimmt zu, ebenso die Kriminalität. Ich frage mich, ob die Regierung in der Lage wäre, dieses Problem zu lösen, ob sie sich dieses Problems überhaupt bewusst ist.

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Thomas Knauer 08.10.19 20:40
Sicher gibt es diese Familien, das System ist auch nicht dazu angetan hier etwas zu ändern. Wir beobachten allerdings in den letzten Jahren eine Landflucht. Wir haben etwas Reisland im Isaan und Pächter die dieses bestellen. Es gibt nur eine Ernte und diese bringt kaum was ein. Pacht wird in Naturalien bezahlt und beträgt zwischen 40 und 50% der Ernte. Dünger, Saatgut und Spritzmittel kaufen die Pächter bei uns und lassen es anschreiben. Zinsen betragen seit Jahren 5% /Monat. Das heißt sie können die nie bezahlen und arbeiten die größtenteils ab. Es werden immer mehr Flächen zurück gegeben. Familienangehörige arbeiten entweder in den Touri Gebieten oder in der Industrie im Großraum BKK, schicken Geld um über die Runden zu kommen und die Familien sind trotzdem nicht in der Lage ihren, wenn auch niedrigen Level, zu halten. Ein Schulbesuch oder eine Ausbildung für die Kinder, eine KV usw, selbst eine Anstellung beim Staat ist kaum machbar. Es wird schon als Glück empfunden eine Festanstellung mit einem Monatssalär von 8000thb in Vollzeit zu erwischen.. Klar gibt es auch das krasse Gegenteil im Isaan, über die Kreditvergabe sowohl der Banken wie der privaten Verleiher wundere ich mich nicht mehr.
Norbert Kurt Leupi 08.10.19 20:35
Teure Autos... Herr Ben Kra8
vor den ärmlichen Hütten ! Geehrter Herr Ben . Ich kann Ihnen versichern , dass es nicht nur im Isaan so aussieht, wie Sie es geschildert haben , denn auch im Süden in den Tambons stehen neue und teure Autos vor den abbruchreifen Blechdach-Hütten ! Also nichts neues und bewegendes !