Regierungskooperation in Wales zerbrochen

Grafik: DER FARANG
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CARDIFF: Noch bis Dezember wollte die regierende Labour-Partei in Wales mit den Unabhängigkeitsbefürwortern von Plaid Cymru zusammenarbeiten. Nun beendet die kleinere Kraft das Bündnis.

In Wales hat die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru die Zusammenarbeit mit der Regierungspartei Labour aufgekündigt. Parteichef Rhun ap Iorwerth begründete den Schritt am Freitag vor allem damit, dass der neue Labour-Regierungschef Vaughan Gething eine Spende eines wegen Umweltverstößen verurteilten Unternehmens über 200.000 Pfund (233.400 Euro) nicht zurückgezahlt habe. Das zeige einen erheblichen Mangel an Urteilsvermögen. Aus der Summe sei nun auch Geld an die britische Labour-Partei geflossen, sagte ap Iorwerth.

Er prangerte zudem die Umstände rund um die Entlassung von Kabinettsmitglied Hannah Blythyn wegen angeblicher Durchstechereien an die Presse an. Die Politikerin weist die Vorwürfe zurück. Schließlich kritisierte der Plaid-Chef, dass Labour einige Teile des besprochenen Regierungsprogramms nicht umsetze.

Regionalregierungschef Gething zeigte sich enttäuscht. Man habe gemeinsam viel für den britischen Landesteil erreicht. Bei der Kooperation, die eigentlich noch bis Dezember dauern sollte, handelte es sich offiziell nicht um eine Koalition. Die beiden Parteien hatten vereinbart, dass die Unabhängigkeitspartei in einigen Politikfeldern mit Labour stimmen würde. Die Sozialdemokraten halten 30 der insgesamt 60 Sitze im Regionalparlament in Cardiff und müssen sich nun neue Mehrheiten bei Entscheidungen suchen.

Der plötzliche Bruch erinnert an die Entwicklung in Schottland. Dort war vor Kurzem ein ähnliches Konstrukt zerbrochen, als der damalige Regierungschef Humza Yousaf von der Schottischen Nationalpartei (SNP), der Schwesterpartei von Plaid Cymru, die Zusammenarbeit mit den Grünen aufkündigte. In der Folge musste Yousaf zurücktreten.

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