Regeln der Grammatik werden ignoriert

Ein Leserbrief erreichte die Redaktion zum Online-Bericht „20 Jahre Rechtschreibreform: Zerstörungsakt oder Vereinfachung?“:

Wie es um die Rechtschreibreform steht, fasst Josef Kraus, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, in nur einem Wort zusammen: Schlechtschreibreform. Die am 1. August 1998 verbindlich an Schulen und Behörden eingeführte Reform muss sich dieser Tage, zum 20. Jubiläum, stärker denn je kritischer Blicke unterziehen, – mit einem ernüchternden Ergebnis. Denn die ursprüngliche Idee zur Vereinfachung der Rechtschreibung scheiterte an strittigen Regeln, die auch in den nachfolgenden Revisionen nicht vollständig korrigiert werden konnten und vorwiegend Verwirrung stifteten. In einer Vergleichsstudie der Universität Siegen konnte belegt werden, dass sich die Fehlerquote von Viertklässlern zwischen den Jahren 1972 und 2002 verdoppelte. Hinzu kam, dass sich rund 90 Prozent der Deutschen von vornherein gegen die Rechtschreibreform aussprachen, schreibt Kraus und beruft sich auf Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Allensbach. Bis heute ist dieser Wert konstant geblieben. Die breite Ablehnung hatte zur Folge, dass die neue Rechtschreibung größtenteils boykottiert und ignoriert wurde. Privatpersonen, Verlage und auch immer mehr Zeitungen, darunter die FAZ, lehnten die Reform von vornherein ab oder kehrten nach kurzer Zeit zur „bewährten Rechtschreibung“ zurück, so der SPIEGEL, der sich selbst 2004 dem „ Akt des zivilen Ungehorsams“ anschloss. Der im gleichen Jahr mit dem Ziel, Ordnung ins Chaos zu bringen, gegründete Rat für deutsche Rechtschreibung, vermochte zu diesem Zeitpunkt nur noch wenig auszurichten. Im Gegenteil: Resignation, Ignoranz und Unverständnis scheinen seitdem beim Thema Rechtschreibung richtungsweisend zu sein, wie sich nicht nur an subversiven Erscheinungen wie der „Vong“-Sprache erkennen lässt. Besonders die aktuellen Debatten um eine geschlechtergerechte Schreibweise, die oftmals jegliche Regeln der Grammatik ignoriert, veranschaulichen, wie die Rechtschreibung systematisch abgelehnt wird.

Erich Lienhart, Bühl

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