Theologe Hans Küng ist tot

Reform-Katholiken verlieren Vordenker 

Hans Küng, Präsident der Stiftung Weltethos. Foto: epa/Yoshiko Kusano
Hans Küng, Präsident der Stiftung Weltethos. Foto: epa/Yoshiko Kusano

TÜBINGEN: Seine vehemente Kritik an der Kirche und dem Papst hat Hans Küng berühmt gemacht. Vor allem an seinem früheren Weggefährten Benedikt XVI. hat er sich immer wieder gerieben. Jetzt ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

Einer der größten Querdenker in der katholischen Kirche ist tot: Der Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng starb am Dienstag im Alter von 93 Jahren in Tübingen. Das bestätigte die Sprecherin der Tübinger Stiftung Weltethos, Nadja Dornis. Küng sei friedlich in seinem Haus in Tübingen eingeschlafen. Als erstes hatte die «Südwestpresse» berichtet.

«Mit Hans Küng verlieren wir den charismatischen und menschlich beeindruckenden Gründer der Stiftung und einen visionären Vordenker für eine gerechtere und friedlichere Welt», teilte Eberhard Stilz, Präsident der Stiftung Weltethos, mit. «Mir war und bleibt es eine große Ehre, sein Werk in der Stiftung fortzuführen».

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat den gestorbenen Theologen Küng als «anerkannten und streitbaren Forscher» gewürdigt. «Hans Küng hat es sich nie nehmen lassen, für seine Überzeugungen einzutreten», sagte der Limburger Bischof nach einer Mitteilung der Bischofskonferenz. «Auch wenn es diesbezüglich Spannungen und Konflikte gab, danke ich ihm in dieser Stunde des Abschieds ausdrücklich für sein jahrelanges Engagement als katholischer Theologe in der Vermittlung des Evangeliums.»

Der Rektor der Universität Tübingen, Bernd Engler, ehrte Küng zu dessen Tod als produktiven Forscher, einen überaus schöpferischen Gelehrten und einen exzellenten Theologen. Mit seinem weltweit anerkannten Einsatz für Kirchenreformen und für den Dialog der Religionen habe er maßgeblich zum internationalen Ansehen der Universität Tübingen beigetragen.

Die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche» teilte mit, Küngs lebenslange Beharrlichkeit in der Erneuerung der römisch-katholischen Kirche sowie sein Einsatz für die Ökumene und den Dialog der Weltreligionen blieben Ermutigung, Inspiration und Ansporn zugleich. Küng habe wie kein anderer in unserer Zeit die Frage nach der Wahrheit im Christentum wachgerüttelt und wachgehalten, hieß es.

Weil Küng die Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramtes anzweifelte, ließ Papst Johannes Paul II. ihm 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entziehen. Der Tübinger Theologie-Professor prangerte aber auch danach immer wieder die mächtige Position des Papstes an und bezeichnete die Kirche deshalb als Diktatur. In seinen Büchern und Vorträgen trieb er den Dialog zwischen den Weltreligionen voran.

In den vergangenen Jahren hatte sich Küng wegen seines Gesundheitszustands zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Er litt unter anderem an Parkinson, wie er in seiner Autobiografie öffentlich gemacht hatte.

«Die katholische Kirche ist krank, vielleicht sterbenskrank», diagnostizierte er mit Blick auf den Priestermangel und den Mitgliederschwund. Den Päpsten und nicht zuletzt seinem früheren Weggefährten Benedikt XVI. warf er vor, den biblisch bezeugten Jesus durch ein «selbstfabriziertes Kirchenrecht» verdrängt zu haben. Seine Forderungen wie die Abschaffung des Zölibats, also des Heiratsverbots für Priester, die Zulassung von Frauen zum Priesteramt und die Stärkung der Laien machten ihn für viele Reformkatholiken zu einem Vordenker.

Küng wurde am 19. März 1928 in Sursee in der Schweiz geboren. Mit 20 Jahren begann er sein Studium an der Päpstlichen Universität in Rom. Er wurde Seelsorger an der Luzerner Hofkirche, entschied sich dann aber für eine akademische Laufbahn und ging als wissenschaftlicher Assistent nach Münster. 1960 wurde er Professor in Tübingen, wo er für den Rest seines Lebens wohnte. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) ernannte Papst Johannes XXIII. ihn zusammen mit Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., zum Berater.

Doch schon beim Erscheinen seiner Doktorarbeit 1957 legte die Glaubenskongregation ein Dossier über den Theologen an. 1967 kochte der Ärger dann endgültig hoch: Die Kurie verbot die Übersetzung von Küngs Buch «Die Kirche». Er hielt sich nicht daran, der Titel wurde zum Bestseller und Küng zu einem der prominentesten Theologen.

Sein großes Alterswerk wurde die von ihm ins Leben gerufene Stiftung Weltethos. Sie setzt sich für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung ein.

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