Prozess wegen Missbrauchs von 109 Jungen - Arzt teils geständig

Foto: Pixabay/Sang Hyun Cho
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WELS: Ein 56 Jahre alter Arzt aus Österreich hat sich in einem Prozess wegen des sexuellen Missbrauchs von 109 Jungen großteils geständig gezeigt. «Ich habe im Rahmen der sexuellen Aufklärung Übergriffe auf pubertierende Burschen begangen», räumte der Angeklagte am Dienstag vor dem Landgericht Wels ein. Sein Mandant habe sich «ein bisschen als Aufklärungscoach gesehen» und sei zu rund 90 Prozent der Taten geständig, erklärte sein Anwalt. Sein Mandant bereue die Taten, so der Verteidiger. Der Prozess werde aber zeigen, dass er nicht pädophil sei.

Dem 56-Jährigen wird der teils schwere sexuelle Missbrauch der Jungen zur Last gelegt. 40 der mutmaßlichen Opfer waren laut Anklageschrift zum Tatzeitpunkt noch keine 14 Jahre alt. 30 Fälle sollen sich außerhalb der Arztpraxis abgespielt haben, unter anderem im Haus des Urologen. In fünf Fällen geht die Anklage von schwerem sexuellen Missbrauch aus, drei Jungen haben laut Gutachten wesentliche gesundheitliche Folgen davongetragen. Obendrein wird dem Arzt vorgeworfen, Personen angestiftet zu haben, pornografische Videos von Minderjährigen zu drehen.

Der Staatsanwalt sieht in dem Vorgehen des Mediziners «einen Tatplan, der darauf ausgerichtet war, seine berufliche Tätigkeit für regelmäßigen Missbrauch» zu nutzen. Der Anwalt des Angeklagten betonte, dass es keinen Sex mit Kindern gegeben habe, ebenso wenig Gewalt oder Zwang. Vielmehr gehe es um den Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses.

Dem Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft. Der Prozess wird zu großen Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Das Urteil wird für den 10. Juni erwartet.

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Peter Fässler 27.05.20 15:01
Ein bisschen als Aufklärungscoach .......
..... im Zweifel für den Angeklagten kann man ja in dem speziellen Fall wohl nicht anwenden. 109 Jungs sind bekannt - da gibts garantiert noch eine Dunkelziffer. Vor der offiziellen Gerichtsbewertung wird er aber schon als "nicht pädophil" gehandelt. Des teilweise schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt, mit z.T. wesentlichen gesundheitlichen Folgen, Praxisöffnungszeiten seinem Missbrauchtrieb angepasst ... aber alles ohne Zwang, Sex noch Gewalt. Da glauben aber einige noch ans Christkind.

Im Interesse der Gesellschaft gehören solche Personen permanent hinter Schloss und Riegel; die psychischen Schäden bei den Betroffenen bleiben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit permanent und unauslöschbar - halt wie Vergewaltigungen.

Man wird sehen, ob mit Geld und Beziehungen allenfalls "nur" 15 Jahre oder sogar weniger dabei rausspringen; wenn der Angeklagte richtig Schwein hat, gibts sogar Kiste auf Bewährung. Und genau an solchen Kuscheljustizen geht Europa ungebremst in Richtung des sozialen Kompetenzabgrund.