Protest gegen Cannabis-Restriktionen

Cannabis-Shop in Bangkok. Foto: epa-efe/Narong Sangnak
Cannabis-Shop in Bangkok. Foto: epa-efe/Narong Sangnak

BANGKOK: Am Donnerstag (16. Mai 2024) versammelten sich Dutzende Cannabis-Befürworter in Thailand, um gegen die überraschende Ankündigung der Regierung zu protestieren, die eine Wiedereinstufung von Marihuana als illegales Betäubungsmittel plant – nur eine Woche nach der umstrittenen Bekanntgabe und zwei Jahre nach der Entkriminalisierung der Pflanze.

Unter der Führung des neu ernannten Premierministers Srettha Thavisin erlebt das Land eine dramatische politische Wende. Thavisin argumentiert, dass Marihuana ausschließlich für medizinische Zwecke genutzt werden sollte und vertritt eine strenge Anti-Drogen-Politik, die Sucht bekämpfen und die Jugend schützen soll.

Vertreter der Pro-Cannabis-Gruppen trafen sich mit Gesundheitsminister Somsak Thepsutin, um ihn zum Umdenken aufzufordern. Prasitchai Nunual, Generalsekretär von Thailands Cannabis Future Network, betonte die historische Bedeutung von Cannabis: „Selbst wenn es sich um eine medizinische Verwendung handelt, darf die Pflanze des Volkes nicht in das System aufgenommen werden. Das ist seit Hunderten von Jahren unser Rezept. Wenn man Lizenzen braucht, gibt es Korruption.“

Die Regierung unter General Prayut Chan-o-cha hatte 2022 Cannabis von der nationalen Betäubungsmittelliste gestrichen, was zu einem Boom im Freizeitkonsum und der Eröffnung von Tausenden Cannabis-Cafés und -Shops führte. Die Cannabisindustrie könnte bis 2025 einen geschätzten Wert von 1,2 Milliarden Dollar erreichen.

Kritiker meinen jedoch, dass die Liberalisierung überstürzt und ohne klare rechtliche Rahmenbedingungen erfolgt sei, was zu Verwirrung und Missbrauch geführt habe. Somsak Thepsutin bekräftigte, dass Cannabis nur für medizinische Zwecke verwendet werden sollte.

Sein Vorgänger, Dr. Cholnan Srikaew, hatte bereits versucht, durch strenge Gesetzgebung den Freizeitkonsum einzuschränken. Ein Gesetzentwurf sollte medizinische Verwendungszwecke klar definieren und nicht-medizinischen Konsum verbieten.

Unter den Cannabisunternehmern herrscht jedoch die Meinung, dass nicht der Konsum selbst, sondern die unklaren Regelungen das Problem darstellen. Chokwan „Kitty“ Chopaka, eine bekannte Aktivistin und Cannabis-Händlerin, fordert ein umfassendes Cannabisgesetz: „Wir sind nicht für einen wilden Westen des Marihuanas in Thailand, sondern für eine Politik, die Bauern, Einzelhändler und medizinische Nutzer unterstützt.“

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Thailand Fan 18.05.24 17:10
Dass man die Geister, die man rief, nun wieder einfangen muss, war von Anfang an klar. Aber es scheint schwer bis aussichtslos, den Konsum und Handel in geordnete Bahnen zu bringen. Ist das Rauchen am Strand zwar seit Jahren verboten, so schämt Farang sich nun nicht mal mehr, beim fliegenden Händler zuzuschlagen und sich im Liegestuhl neben mir einen Joint zu genehmigen. Je länger es dauert, um so größer werden die jeweiligen Parteien, bis sich keiner mehr so recht traut zu handeln. Das erinnert an D, wo man sich allwöchentlich über die Bengalos ärgert und zigtausende an Strafe zahlt. Bengalos einfach unter das Waffen- oder Sprengstoffgesetz zu stellen, denn welcher Zivilist braucht so etwas?, wäre die sofortige Lösung, an die sich aber niemand rantraut.
Reto Spiess 18.05.24 13:58
Wirtschaftszweig
Die Cannabis-Industrie ist weltweit auf dem Vormarsch, ich hoffe das Thailand die passenden Regelungen finden wird und diese Chance nicht verpasst. Wirtschaftlich wäre es für die thailändische Bevölkerung eine grosse Möglichkeit, wine neue Einkommensquelle zu schaffen. Bez. Dem Freizeitkonsum, ist leider die Vernunft nicht ausreichend, die Regelung war: Konsum nur in Privaten-Räumlichkeiten, nicht am Strand, nicht auf der Strasse, nicht an Konzerten, warum ist das so schwer zu begreifen? Genau solch ein Verhalten ist der Nährboden für die Kehrtwende im Thema Cannabis, eine tragischer Rückschritt mit massiven Auswirkungen auf tausende Existenzen.
Wenn ich die Kommentare hier lese sehe ich alte Männer die den Abschluss verpasst haben, nutzt eure Zeit und informiert euch anstatt einfach blabla zu machen..