Prophezeiung

Ein Leser berichtet von einem Unfall in seiner Straße:

Es muss erst ein schwerer Unfall passieren, bevor etwas unternommen wird. Ich hatte fünf Tage kein Internet mehr, einen Tag funktionierte es, dann wieder nicht. Ein Kabel hing herunter. Die letzten Tage stellte ich meine Werbetafel mitten auf die Straße, sodass die Busse ausweichen mussten. Ein Fahrer stieg aus: Was machst du da? Ich zeigte nach oben. Er konnte es im Dunklen aus dem Bus nicht sehen. – Ich verstehe. Danke. Die Kabel hingen in der Kurve viel zu tief und mitten über der Fahrbahn. Nachbar Peter sagte: Die müssen einen neuen Lichtmast setzen, um die Kabel aus der Kurve zu bringen. Das ist eine gute Idee, sie einen Meter höher zu hängen. Die Werbetafel stellte ich nicht mehr raus. Wenn da so ein betrunkener Knallkopf dagegen fährt, habe ich noch die Schuld. Egal, dann habe ich eben keinen Strom und Internet.

Ich war draußen, um meine Werbetafel neu zu beschriften. Ein Moped fuhr vorbei. Ein Schrei, ein Knall. Ein Kabel wickelte sich um den Lenker, was von oben herunterhing. Die Frau flog über den Lenker. Sie stand selbst auf und heulte: Please help me! Sie erkannte einen Farang und sprach Englisch. Ich setzte sie auf einen Stuhl und gab ihr Wasser. Ihr Moped und ihr Telefon barg ich von der Straße. Ich beruhigte sie: Ein wenig Blut; das geht vorbei. Sie heulte noch mehr.

Meine Zähne! Bitte öffne Deinen Mund. Beide obere Schneidezähne waren abgebrochen. Ich holte einen Spiegel: Das kann man reparieren mit einer Krone, sagte ich, um sie zu beruhigen. Christian kam vom Essen zurück und ich schickte ihn zur Apotheke, um Desinfektionsmittel zu kaufen. Sie war an allen Gliedmaßen leicht aufgeschürft. Wir Deutschen können mit so einer Situation umgehen und machen genau das, was notwendig ist.

Inzwischen sammelten sich viele Nachbarn und andere Leute an. Ich stellte meine Werbetafel wieder mitten auf die Straße, um die Unfallstelle zu sichern. Die Thais stellten sie zweimal zurück: Gefährlich! Yes, schaut euch mal die Frau an. Es gab Ärger: Du bist dumm. Antwort: You are stupid leo! Ich versuchte, die Wunden zu desinfizieren. Die Frau hatte Schmerzen dabei. Drohende Gebärden kamen von den Möchtegernhelden. Christian fragte, ob er sie rauswerfen soll. Bitte mache es! Das tat er. Da war noch einer, der mit mir kämpfen wollte. Ich stand auf mit 180 Blutdruck. Komme zu mir! Dann war die Bande weg. Keiner dieser Unfähigen rief die Polizei.

Der Frau empfahl ich, hier auf die Polizei zu warten. Zwei Kronen kosten 10.000 Baht. Sie wurde abgeholt. Sie bedankte sich sehr bei mir. Opa vom Nachbarladen rief an. Ein Kranwagen kam und schnitt das herunterhängende Kabel ab, als ob damit das Problem erledigt wäre. Christian und ich lachten. Später holte ein junger Mann das Moped der Frau ab und bedankte sich ebenfalls sehr.

Es ist ein altes, hausgemachtes Problem und man will nur helfen. Der Dank ist, dass man fast noch in eine Schlägerei verwickelt wird. Heute sprach ich mit einem Polizisten vor Ort. Er versprach, das Problem zu besprechen und die zuständige Stelle bei der Provincial Electricity Authority (PEA) zu unterrichten.

Michael Wagner, Naklua

Die im Magazin veröffentlichten Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. DER FARANG behält sich darüber hinaus Sinn wahrende Kürzungen vor. Es werden nur Leserbriefe mit Namensnennung veröffentlicht!


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Leserkommentare

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Hansruedi Bütler 03.06.18 13:40
"Er versprach, das Problem zu besprechen und
die zuständige Stelle bei der Provincial Electricity Authority (PEA) zu unterrichten." Eigentlich fast immer das Gleiche. Kon Thai denkt in Problemen - Kon Farang in Lösungen! Dringende Handlungen zur Lösung akuter Probleme muss zuerst ausgiebig diskutiert werden! Man weiß ja nie, ob einem noch was einfällt, wo man dann doch nichts machen muss. Ich lernte, dass bei dieser Mentalitätseinstellung über ein Problem sprechen, genauso gewichtet wird, wie wenn man es schon gelöst und erledigt hätte.