Probleme mit Dem Alter

​Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte 

Probleme mit Dem Alter

Meine Herzallerliebste hatte Geburtstag. Es war ihr achtunddreißigster, und am liebsten hätte sie ihn überhaupt nicht gefeiert. Niemand sollte erfahren, wie alt sie geworden war. Dabei ist sie, im Vergleich zu mir, noch blutjung.

Ich sagte zu ihr: "Ob du deinen Geburtstag feierst oder nicht, Schatz, das ändert doch nichts daran, dass du ein Jahr älter geworden bist."

Schließlich hatte ich sie überzeugt: "Okay, Callolo, aber nur wir zwei, und irgendwo in einem schönen Restaurant, wo uns niemand kennt."

Ich bestellte einen Tisch für uns in einem der besten Restaurants von Pattaya, orderte dazu eine Flasche Champagner und einen Strauß roter Rosen.

Als wir um 19 Uhr die vornehme Gaststätte betraten, führte uns der Oberkellner an unseren reservierten Tisch, erkennbar an dem üppigen Rosenstrauß in einer Kristallvase und der Champagnerflasche im Eiskübel daneben.

"Callolo, warum hat man uns diesen Tisch direkt vorm Klo reserviert?" fragte meine Herzallerliebste und weigerte sich, auf dem Stuhl, den der Oberkellner ihr anbot, Platz zu nehmen. Ich fragte ihn, ob es einen anderen freien Tisch gäbe.

"Selbstverständlich, Sir, dienstags ist es bei uns immer recht ruhig." Er dirigierte uns an einen anderen Tisch und ließ die Blumen und den Champagner bringen.

"Ist das Ihr Ernst?" fragte meine Herzallerliebste den Kellner mit ganz leiser Stimme, und ich wusste sofort, wie es jetzt in ihr brodelte. "Sie glauben doch nicht, dass wir hier am Küchen-Ein- und Ausgang unser Festmenü genießen wollen."

Er entschuldigte sich und fand dann doch noch einen Tisch am Fenster, den meine Herzallerliebste gnädig akzeptierte. Während ich die Speisekarte inspizierte, zählte Nai die Rosen: "Callolo!"

"Ja, mein Schatz?"

"Ich bin noch keine vierzig."

"Ich weiß, mein Schatz."

"Und warum hast du für mich vierzig Rosen bestellt?"

"Ich habe keine vierzig Rosen bestellt sondern vier Sträuße zusammenbinden lassen."

"Das glaube ich dir nicht, Callolo."

"Aber Schatz."

"Du hältst mich für älter als ich bin."

"Überhaupt nicht."

Der Oberkellner hatte den Champagner entkorkt und zwei Gläser eingeschenkt.

"Prost, mein Schatz."

"Callolo, hast du gesehen, wie der mich angeguckt hat? Der hält mich für deine Stundenbekanntschaft."

"Schatz, wir sind doch nicht wegen des Oberkellners hier." Dann stieß ich mit ihr an.

"Prost, meine herzallerliebste Nai. Ich wünsche dir alles Gute zu Deinem Geburtstag, und uns wünsche ich, dass wir zusammen noch viele fröhliche und glückliche Jahre vor uns haben."

Dann brachte ein anderer Kellner die Vorspeisen.

"Callolo, der guckt mich auch so blöde an. Was denkt der von mir?"

"Schatz", versuchte ich sie zu beruhigen, "ignoriere ihn einfach. Vielleicht kann er nicht anders gucken."

"Aber er respektiert mich nicht."

Schweigend aßen wir unsere Vorspeise. Nai schmollte. Die Hauptspeisen wurden serviert von zwei Kellnern, die gleichzeitig die silbernen Abdeckungen lifteten. Aber meine Herzallerliebste hatte es anders gesehen: "Callolo, die haben zuerst dein Essen aufgedeckt, und dann haben sie mich angesehen, als wollten sie sagen: Viel zu schade für Sie, bevor sie den Deckel von meinem Gericht nahmen. Ich mag hier nicht mehr essen."

"Schatz", unternahm ich einen letzten Versuch, "du siehst heute einfach alles negativ."

"Überhaupt nicht, Callolo. Ich habe gute Augen, gute Ohren und kann beides sehr gut miteinander verbinden. Wenn du mir etwas Gutes tun willst, dann gehen wir jetzt."

Was blieb mir übrig? Ich zahlte und wir gingen. Zuvor griff ich noch die Champagnerflasche und drückte meiner Herzallerliebsten die Rosen in die Hand. Die Kellner schauten kopfschüttelnd hinter uns her. Was wissen die auch von den Problemen einer Frau, die Angst davor hat, alt zu werden und nicht mehr begehrenswert zu sein?

"Hallo, Schatz, hier möchte ich essen." Meine Herzallerliebste war an einer Garküche stehen geblieben, neben der ein einziger Tisch mit zwei Stühlen stand. Sie bestellte gebratenes Gemüse, Glasnudeln mit Rührei und Schweinefleisch, Shrimps in gelber Currysoße und gebratenes Hühnerfleisch mit Cashewnüssen. Es kostete, im Vergleich zu dem Restaurant, wo wir vorher waren, fast nichts, schmeckte aber ausgezeichnet. Dazu tranken wir unseren Champagner aus Wassergläsern. Die Besitzerin der Garküche, eine ältere, robuste Thai, schaute uns neugierig und lächelnd zu, bis Nai ihr, als wir gingen, fünf Rosen schenkte.

"Jetzt stimmt es", kicherte sie fröhlich vor sich hin und war sich ihrer Mogelei dabei durchaus bewusst.

Als wir zuhause waren sagte sie: "Callolo, es war herrlich, mit dir neben der Garküche zu essen.

Aber weißt du, in diesen feinen Restaurants da halten sie uns alle für Nutten. Okay, manchmal ist es ja auch so. Ich habe ihnen jedoch meinen Ehering deutlich vor die Nase gehalten, nur keiner hat hingesehen."

"Hauptsache, du schaust jetzt hin, Schatz." Und damit reichte ich ihr eine kleine Schachtel mit einem goldenen Buddha-Anhänger, den sie sich schon so lange gewünscht hatte.

Wer möchte mit mir eine Wette abschließen, wie dieser Abend endete?

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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peter zeller 10.01.21 16:24
39 plus.....
jetzt fangen die vor wechseljahre an :viel geduld und noch mehr nerfen.......-555
Thomas Sylten 10.01.21 12:07
Das sehe ich wie Wolfgang Mischel und kann für "Calolo" nur hoffen, dass er der Pointe wegen übertreibt - sonst hülfe wirklich nur eine neue Nai.

Gegen die jährliche Geburtstagskränkung des Älterwerdens habe ich folgende Strategie entwickelt: Es liegt ja nur daran, dass wir vorher noch nie so alt waren wie wir jetzt werden - reine Gewöhnung, stellt sich später zuverlässig anders dar. Seit ich bei meinem 40.Geburtstag feststellte, wie überflüssig meine panische Angst vor dem 30. war (der mir aus dieser Perspektive plötzlich wie ein Kindergebutstag erschien), stelle ich mir bei jedem Geburtstag vor, wie froh ich wohl in 10 Jahren wäre, noch mal so jung wie heute zu sein: Klappt ganz gut.. ;))
Dracomir Pires 10.01.21 11:07
Trotzdem ist die Herzallerliebste ...
... auf schweizerdeutsch gesagt ein Jammeri. Meine könnte so etwas mit mir nicht machen. Callolo muss offenbar recht unten durch. Mein Mitleid hält sich aber in Grenzen, denn er hat sich selbst über die Jahre hinweg in diese Situation manövriert.
Wolfgang Mischel 10.01.21 10:07
Mannomann .....
..... ist das ne Zicke. Der kann man aber auch gar nichts recht machen.
Hätte Callolo sie von sich aus zu einer Garküche gelotst, wäre bestimmt von ihr ein Spruch wie "Du schleppst mich zu einer Garküche ? Bin ich dir nicht mehr wert ?" gekommen.
Ulrich Herzog 10.01.21 04:52
40 Rosen
Alao mir wurde in meiner Kindheit beigebracht, Blumen nur in ungerader Zahl zu schenken.
Die Gesuld mit Deiner Herzallerliebsten ist beneidenswert.