Polizei beendet bedrohliche Situation in Aachener Klinik

Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdienst stehen vor einem Aachener Krankenhaus. Foto: Ralf Roeger/Dmp/dpa
Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdienst stehen vor einem Aachener Krankenhaus. Foto: Ralf Roeger/Dmp/dpa

AACHEN: Es brennt in einem Krankenhaus, eine 65-Jährige verschanzt sich in einem Raum des Aachener Luisenhospitals. Stundenlang bemühen sich Polizei und Feuerwehr, bis «ein Notzugriff» die diffuse Lage beendet.

Eine 65-jährige Frau hat am Montag mit einer Sprengstoff-Attrappe Angst und Schrecken in einem Krankenhaus in Aachen verbreitet. Stundenlang verschanzte sie sich in einem Raum des Luisenhospitals und sorgte für ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr. Nach derzeitigem Ermittlungsstand sei davon auszugehen, dass sie das Krankenhaus in suizidaler Absicht aufgesucht habe, teilte die Kölner Polizei am frühen Dienstagmorgen mit. «Sie wird sich in einem Strafverfahren wegen eines versuchten Tötungsdelikts verantworten müssen.» Zuvor soll die Frau ihre Wohnung in Brand gesetzt haben.

Im Polizeibericht heißt es: «Die 65-Jährige soll das Luisenhospital gegen 17 Uhr mit einer Waffe, die sich erst später als Schreckschusswaffe herausstellte, einem auffallend großen Gürtel und einem weiteren, bislang unbekannten, Gegenstand betreten und Angestellte der Physiotherapiepraxis bedroht haben.» Nachdem es einem Mitarbeiter gelungen sei, ihr die Waffe zu entziehen, soll sie sich in ein Patientenzimmer zurückgezogen, einen pyrotechnischen Gegenstand entzündet und auf den Gang geworfen haben.

Als sie um 22.38 Uhr den Raum verlassen und versucht habe, einen Gegenstand auf dem Gang abzubrennen, hätten die Polizisten die Schusswaffe gezogen, um die Gefahrenlage zu beenden, berichtete das Kölner Polizeipräsidium. Dabei habe die Frau schwere Verletzungen erlitten und sei medizinisch versorgt worden. Weitere Personen seien nach ersten Erkenntnissen nicht zu Schaden gekommen, berichtete eine Sprecherin der Polizei Köln.

Anlass des blutigen «Notzugriffs»: Der auffallend große Gürtel der 65-Jährigen sah für die Polizisten aus wie ein Sprengstoffgürtel. Zudem habe sie «einen verdächtigen Gegenstand» in der Hand gehalten und sich auf die Einsatzkräfte zubewegt. Da die Frau nicht auf Ansprache reagiert habe, sei es schließlich zum Schusswaffengebrauch gekommen. Erst später hätten Fachkräfte des Landeskriminalamts klären können, dass es sich bei dem Gürtel um eine Attrappe gehandelt habe.

Im Laufe des Einsatzes sei dann auch noch bekannt geworden, dass die Wohnung der Frau in Eschweiler am Montagnachmittag ausgebrannt war. «Die Wohnungsinhaberin wird verdächtigt, den Brand selbst gelegt zu haben», heißt es im Polizeibericht. Ermittler hätten einen entsprechenden Brief gefunden.

Gegen 23 Uhr hatten Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachtet, dass die Frau auf einer Krankenbahre aus der Klinik gerollt wurde, zugedeckt mit einer Wärmefolie. Noch vor Ort wurde sie in einem Krankenwagen ärztlich behandelt.

Der Aachener Feuerwehr war am späten Montagnachmittag ein Brand im Luisenhospital gemeldet worden. Erst am späten Abend meldete die Stadt Aachen, dass das Feuer im Bettenbereich der Klinik gelöscht werden konnte.

Demnach sind insgesamt fast 400 Leute vor Ort gewesen. Die Notfallseelsorge sei mit elf Personen vertreten gewesen. 73 betroffene Personen aus dem Luisenhospital seien betreut worden. «Vier Personen aus der Intensivstation müssen in andere Krankenhäuser transportiert werden», teilte die Stadt mit. 270 Patienten hätten im Krankenhaus bleiben können. In den Stunden vor dem Zugriff war zu sehen, wie der Klinikbetrieb hinter dem schmiedeeisernen Gitter der weiträumig abgesperrten Klinik zumindest teilweise weiterlief.

Der Klinikbereich im unmittelbaren Umfeld der Frau war sofort evakuiert worden. Patienten und auch das Personal seien in Sicherheit gebracht worden, berichtete der Aachener Polizeisprecher Andreas Müller. Ein Spezialeinsatzkommando war schwer bewaffnet im Einsatz, zeitweise kreiste ein Hubschrauber über dem Hospital. Immer wieder hatte es Spekulationen über eine mögliche Geiselnahme gegeben, die die Polizei aber nicht bestätigt hatte.

Während des mehrstündigen Einsatzes war es auch zu Einschränkungen des Straßen- und des Bahnverkehrs gekommen. Im Westen der Stadt war vorsichtshalber ein Streckenabschnitt der Bahn gesperrt worden, Züge warten an Bahnhöfen.

Das am Rand des Zentrums gelegene Krankenhaus wird von einem evangelischen Verein getragen. Nach eigenen Angaben werden in 15 Kliniken Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern behandelt.

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