Perlenherstellung: Traditionelles Handwerk im Wandel der Zeit

Foto: Pixabay/Jamesdemers
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Perlen gehören schon seit Jahrtausenden zu den beliebtesten Schmuckstücken. Sie gelten als zeitlos, edel und elegant, da sie vielseitig kombiniert werden können und dank ihrer Geschichte als hochwertiges Gut angesehen werden. Wie sich in den vergangenen Jahrhunderten auch die Perlenherstellung verändert hat und wieso bis heute die Perle einen so hohen Stellenwert hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Die Perle in der Mythologie

Bereits das alte Griechenland beschäftigte sich mit der Schönheit der Perlen. Für die Griechen waren die glänzenden Schmuckstücke der „Tau vom Mond“, was ihnen zugleich einen mystischen und außergewöhnlichen Charakter verlieh. Ebenso hielten die Römer die schimmernden Stücke für die Früchte der Liebesgöttin Venus. Die Göttin, die für Sinnlichkeit, Liebe und Fortpflanzung steht, wird auch auf zahlreichen Gemälden stehend in einer geöffneten Muschelschale gezeigt.

Schmuckhistorie der Perle

Schon in der Antike wurde die Perle als Schmuckstück genutzt und für die Verzierungen von Ketten, Amuletten, Ringen oder Kronen verwendet. Sie gilt seit jeher als Statussymbol und war zunächst vor allem Monarchen und anderen mächtigen Personen vorbehalten. Bis heute ist die natürliche Perle kostbar und selten. Erst durch die Perlenzucht wurde sie schließlich auch einer breiten Masse zugänglich gemacht und ist seitdem zu erschwinglichen Preisen erhältlich. Naturperlen hingegen sind auch heute äußerst teuer und können je nach Form, Farbe und Beschaffenheit mehrere tausend Euro wert sein. 2014 wurde eine der größten Salzwasserperlen der Welt für über 800.000 Euro versteigert.

So entstehen Perlen in der Natur

Perlen werden in der Natur durch sogenannte Mollusken produziert. Dabei kommt die natürliche Schutzreaktion von Muscheln oder Schnecken zum Einsatz, die Fremdkörper durch die Bildung von Perlmutt fest umschließt. So wird der eingeschlossene Partikel unschädlich gemacht und eine Perle entsteht. Im Wesentlichen geschehen folgende Schritte im Muschelinneren:

  • Ein Fremdkörper dringt ein, gelangt gemeinsam mit dem Epithel der Muschel in das Innere und löst dort die Perlmuttbildung aus.
  • Durch das Mantelgewebe (Epithel) wird der eingedrungene Körper immer wieder mit neuen Perlmuttschichten umschlossen, wodurch die Muschel verhindert, dass der Eindringling Schaden anrichten kann.
  • Wichtig: Nicht jede Muschel bildet automatisch eine Perle im Inneren.

Zuchtperlen und Co.: So werden Perlen heute hergestellt

Seit etwa 100 Jahren werden Perlen in Zuchten „künstlich“ hergestellt. In einigen Staaten der Welt gehört der Zuchtperlenhandel daher auch zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen – darunter beispielsweise Australien, China, Japan, aber auch die Philippinen und Indonesien.

Um einen möglichst hohen Ertrag an Perlen zu generieren, werden die Wirtsmuscheln eingesammelt und in eine ideale Umgebung für die Perlenzucht gegeben. Diese muss vor allem zwei Bedingungen erfüllen: eine gute Wasserqualität und die passende Temperatur. In entsprechenden Muschelbänken werden schließlich Fremdkörper in die Muscheln – meist Zuchtaustern – gegeben, um die Bildung des Perlmutts anzuregen. Da es sich dabei um eine Art Operation handelt, wird diese von Fachleuten durchgeführt. Anschließend wächst die Perle zwischen zwei und fünf Jahren in der Auster heran, bevor diese geerntet werden kann. Da die Form der Perle von außen jedoch nicht beeinflusst werden kann, kommt es bei der Ernte nicht selten zu tropfen- oder knotenförmigen Exemplaren.

Neben den klassischen Perlen, die in Muscheln über Jahre heranreifen, gibt es inzwischen einige weitere Möglichkeiten, Perlen herzustellen. Neben der sehr günstigen Herstellung von Plastikperlen in Fabriken meist asiatischer Länder, stellen Manufakturen auf der ganzen Welt auch Glas- oder Lehmperlen her, wie die von Hand verzierten Exemplare der Kazuri-Perlen. Der besondere Vorteil: Sie sind günstiger als die meist teuren Originalperlen und stehen ihnen in Hinblick auf Schönheit sowie Individualität in nichts nach.

Klassifizierung der Perlen

Das im Muschelinneren entstandene Perlmutt besteht aus Aragonit und Conchin. Den typischen Glanz bzw. Schimmer der Perle beschreibt man im Fachjargon mit Lüster und Orient. Je höher der Oberflächenglanz (Lüster) der Perle, desto höher ist die Qualität einzustufen. Der Orient hingegen beschreibt den inneren Glanz der Perle, der durch die Schichtung des Perlmutts im Inneren entsteht. Neben Größe, Farbe, Form und Oberfläche gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Faktoren um Perlen zu klassifizieren und deren Wert zu bestimmen.

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