Patumbah: Luxus basierend auf Tabak

Eine Märchenvilla in Zürich erinnert an einen Tabakbauern auf Sumatra

Noch in den 70er sollte diese Prachtvilla abgerissen und der Park im großen Stil überbaut werden. Fotos: hf
Noch in den 70er sollte diese Prachtvilla abgerissen und der Park im großen Stil überbaut werden. Fotos: hf

1869 reiste der Zürcher Bäckerssohn Carl Fürchtegott Grob aufs ferne und exotische Sumatra in Indonesien. 10 Jahre später kehrte er als steinreicher Mann nach Zürich zurück und baute sich eine Traumvilla namens Patumbah.

Die Villa Patumbah ist heutzutage ein geschütztes architektonisches Juwel in einer einzigartigen Parklandschaft. Momentan erinnert eine Ausstellung in deren Räumen an ihren Erbauer: „Patumbah liegt auf Sumatra“ lautet der Titel der Schau. Sie erinnert an einen Boom, der mir bislang völlig unbekannt war: Tabakanbau. Damit konnten Abenteurer wie Grob in kürzester Zeit ein immenses Vermögen verdienen.

Kolonialismus mit Schweiz-Bezug

Tabakblätter wurden in der Villa Patumbah aufgehängt, sie symbolisieren die Basis des Reichtums.
Tabakblätter wurden in der Villa Patumbah aufgehängt, sie symbolisieren die Basis des Reichtums.

Die Schweiz hatte zwar nie Kolonien, doch viele Schweizer Handelshäuser, Schokolade-Produzenten und Abenteurer wie Carl Fürchtegott Grob haben vom Kolonialismus und dessen ausbeuterischen Strukturen massiv profitiert. Seine gigantische Plantage mit Namen Patumbah umfasste eine Fläche von 25.000 Hektar und beschäftigte 2.500 chinesische und 1.800 javanische Wanderarbeiter in der Nähe von Medan auf der indonesischen Insel Sumatra. Dass die Arbeiter wie Sklaven gehalten wurden, sei in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen.

Heutzutage wird dort übrigens kaum noch Tabak angebaut. Ein anderes modernes Boom-Produkt, Palmöl, liefert stattdessen große Profite. Vor 30 Jahren wurde auch in Nong Khai noch viel Tabak angebaut. Ich denke, wir sollten im dortigen Discovery Garden dieses Thema abhandeln.

​Wie reich Carl Fürchtegott Grob geworden war, zeigt nicht nur seine Traumvilla, sondern eine andere Episode: Kurz nach Fertigstellung wurde die Nordostbahn gebaut und drohte mit Emissionen wie Lärm und Abgase der Dampflokomotiven die Idylle von Grob zu zerstören. Deshalb ließ er den geplanten Tunnel unter seinem Grundstück verlängern und überschütten. Die Kosten von 100.000 Franken bezahlte er aus der eigenen Tasche, also gleichsam aus der Portokasse.

Sehr bekannte Architekten angeheuert

Nach seiner Rückkehr aus Sumatra im Jahr 1879 kaufte Grob das 13.000 Quadratmeter Grundstück und heuerte die damals schon sehr bekannten Architekten Alfred Chiodera und Theophil Tschudy an. Die Villa Patumbah, im damals beliebten Historismus gebaut, wurde 1885 vollendet. Allzulange konnte Grob seine Traumvilla allerdings nicht mehr genießen, er starb 1893.

Auch die Gartenanlage und somit auch dieser Pavillon stehen nun unter Heimatschutz.
Auch die Gartenanlage und somit auch dieser Pavillon stehen nun unter Heimatschutz.

Lange Jahre diente die Villa Patumbah als Altersheim. Doch in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wollten die damaligen Besitzer dieses architektonische Juwel gar abreißen und den Park überbauen lassen. Dies wurde verhindert, indem die Stadt Zürich die Anlage kaufte und unter Heimatschutz stellte.

Heute ist Patumbah die wohl prachtvollste Villa in Zürich und ihr Park, der zur ursprünglich intendierten Form zurück gebaut wurde, ist eine eindrucksvolle Gartenanlage, die einen Besuch lohnt. Sie ist ein Zeitzeuge für eine Epoche, in der in kürzester Zeit riesige Vermögen angehäuft werden konnten. Das kommt einem irgendwie bekannt vor…


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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Wilfried Stevens 21.11.20 22:07
Verdammt cooler Beitrag Hans
Was für ein schöner Bau. Habe geduldige gute Tage im Hotel, die Uhr läuft rückwärts.