Pattayas neue Normalität deutlich weniger bunt

Nachtleben zwischen Schließung, Wiedereröffnung und Resignation

Lebhaftes Treiben in der Walking Street in Vor-Corona-Zeiten. Bis hier wieder alle Lichter leuchten, braucht es noch Zeit. Foto: epa/Diego Azubel
Lebhaftes Treiben in der Walking Street in Vor-Corona-Zeiten. Bis hier wieder alle Lichter leuchten, braucht es noch Zeit. Foto: epa/Diego Azubel

PATTAYA: Seit dem Inkrafttreten der fünften Aufhebungsphase der Corona-Beschränkungen für Lokalitäten mit hohem Infektionsrisiko am 1. Juli, dürfen Bars, Diskotheken und alle weiteren Bereiche des Nachtlebens nach mehrmonatiger Schließung wieder öffnen, wenn auch unter Beachtung strenger Vorschriften zur Corona-Prävention.

Da die Entertainment-Auflagen deutlich umfangreicher sind als jene, die für die Gastronomie gelten, blieben auch fünf Tage nach der Aufhebung der Schließungsanordnung viele Bars und Clubs dunkel. Bereits im Vorfeld hatte ein Großteil der Nachtlebenbetreiber angekündigt, hinsichtlich der vorherrschenden Situation von einer Wiedereröffnung bis auf weiteres abzusehen.

Rechnung geht nicht auf

Die meisten großen Diskotheken und Nachtclubs werden vor der Rückker der Touristen nach Thailand nicht öffnen. Im der Club Insomnia in Vor-Corona-Zeiten. Foto: Jahner

Die meisten großen Diskotheken und Nachtclubs werden vor der Rückker der Touristen nach Thailand nicht öffnen. Im der Club Insomnia in Vor-Corona-Zeiten. Foto: Jahner

Die Beweggründe der Betreiber sind so unterschiedlich wie die Lokalitäten auf Pattayas hart umkämpften Entertainmentmarkt. So weisen beispielsweise Diskotheken- und Nachtclub-Betreiber darauf hin, dass die Befolgung der neuen Auflagen für sie mit erheblichen Mehrkosten verbunden sei. Denn kurze Reinigungsintervalle und zusätzliche Hygienemaßnahmen, unter anderem die Bereitstellung von Waschgelegenheiten oder Desinfektionsspendern, bedeuten auch steigende Material- und Personalkosten. Da die neuen Regeln auch die Reduzierung der Gäste um 50 Prozent vorschreiben, die sich zur selben Zeit in den Räumlichkeiten der Lokalitäten aufhalten dürfen, muss man kein Mathematiker sein, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass diese Rechnung einfach nicht aufgeht. Erschwerend ist auch die Tatsache, dass bisher noch völlig in den Sternen steht, wann Thailand wieder seine Grenzen für Urlauber aus aller Welt öffnen wird. Denn geschlossene Grenzen bedeuten für Pattaya leere Diskotheken und Bars.

Fans von Pattayas einst blühendem Nachtleben dürfte bei Fotos wie diesem eine Träne über die Wange rollen. Foto: epa/Narong Sangnak
Fans von Pattayas einst blühendem Nachtleben dürfte bei Fotos wie diesem eine Träne über die Wange rollen. Foto: epa/Narong Sangnak

Fallzahlen bestimmen die Einreise

Weitaus mehr Klarheit herrscht bei der Beantwortung der Frage, für welche Nationalitäten sich Thailands Grenzen als erstes wieder öffnen werden. Zum Zeitpunkt der Drucklegung der vorliegenden Ausgabe am 29. Juni herrschte Konsens über Chinesen, Japaner und Südkoreaner – in Form einer sogenannten „Travel-Bubble“.

Die im Vergleich zu Thailand hohen Corona-Infektionszahlen in Amerika und Europa legen hingegen die Vermutung nahe, dass sich westliche Besucher, einschließlich Amerikaner, Briten, Deutsche, Österreicher und Schweizer, wohl kaum unter den Nationalitäten befinden werden, die das Königreich als erstes wieder willkommen heißen wird.


Schließungswelle erfasst Lady-Bar-Szene

Jahrzehntelang waren Pattayas Lady Bars ein weltbekanntes Markenzeichen der Stadt. Nun stehen immer mehr zum Verkauf. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Jahrzehntelang waren Pattayas Lady Bars ein weltbekanntes Markenzeichen der Stadt. Nun stehen immer mehr zum Verkauf. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Jahrzehntelang waren sie das Markenzeichen von Pattaya schlechthin: Die zumeist halboffen konzipierten Bierbars, deren Beliebtheit natürlich nicht in der zumeist sehr einfach gehaltenen Ausstattung begründet ist, sondern den aufreizenden und hier früher noch zahlreich anzutreffenden „Bar Girls“ zu verdanken ist. Für durstige Junggesellen auf Reisen sind sie die vermeintlich perfekte Frau: Die thailändischen Schönheiten zeichnen nämlich nicht nur dafür verantwortlich, dass der Bier-Nachschub für ihren „Teerak“ (Liebling) niemals versiegt, sondern sie schlüpfen auch gekonnt in die Rolle des Trinkkumpanen, des Vier-Gewinnt-Gegners oder der Beischlaf-Partnerin. Im britischen Sprachgebrauch werden die Kult-Kneipen deshalb auch „Lady Bars“ oder „Girly Bars“ genannt; während sich unter thailändischen Muttersprachlern die „thinglishe“ Bezeichnung – „Bar Beer“ – durchgesetzt hat.

Parallel zum Wandel der Touris­tenschichten in Pattaya haben sich im Laufe der Jahre auch die Ansprüche der Besucher an das Nightlife maßgeblich geändert, weshalb heutzutage nur noch wenige Bierbars an den Ruhm lang vergangener Tage anknüpfen können. Denn für die neuen, deutlich jüngeren asiatischen Urlauberschichten wirken die in die Jahre gekommenen Freiluftkneipen wie ein vom Aussterben bedrohter Dinosaurier aus einem Nachtleben vor ihrer Zeit. Die Baht-Aufwertung der letzten Jahre versetzte Pattayas legendärer Lady-Bar-Szene schließlich den finalen Todesstoß: Denn das Fernbleiben der Touris­ten aus Amerika, Australien und Europa bedeutete für sie den Verlust ihrer Stammkundschaft. Die Schließungswelle von Lady Bars ließ nicht lange auf sich warten und erreichte mit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ihren traurigen Höhepunkt.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Francis Light 05.07.20 18:52
Markus, genau!
Mir fiele auch viel ein und lass es sein. Die chinesischen Strassenverstopfer, vorne der/die Wimpelträger/in. Kommt so eine Kolonne entgegen, kann man nur auf den Strassenrand ausweichen, weil die weichen nicht aus.
Wolfgang Renz 05.07.20 18:45
Chinesische Qualitätstouristen
Da hört und liest man permanent, dass sich Thailand in Zukunft auf "Qualitätstouristen" konzentrieren will. Nun will man als erstes wieder die Chinesen ins Land lassen? Ich habe gar nichts gegen Chinesen, weil ich selbst während einiger Jahre von Zeit zu Zeit dort gearbeitet hatte und liebe Kollegen und Freunde dort habe. Wenn ich mich aber an die Gespräche mit dem Personal im Nachtleben von Bangkok erinnere, weiß ich nicht so recht, ob man die Touristenhorden aus China als "die" Qualitätstouristen bezeichnen kann. Am meisten wird sich wohl der Konzern 7-Eleven über das Eintreffen dieser Qualitätstouristen freuen, da sich diese wie ich allenthalben gehört und gesehen habe vor allem dort mit Lebensmitteln eindecken und verköstigen aber kaum die Restaurants dazu frequentieren. Vom Besuch des Nachtlebens ganz zu schweigen, außer zum Flanieren dort und zum Schauen. Ob China auch tatsächlich praktisch infektionsfrei ist und damit als erster Kandidat für die Einreise nach Thailand vorgesehen ist (neben Korea und Singapur) lässt sich bezweifeln. Die nicht mehr dramatischen Zahlen aus den Europäischen Ländern sind wenigstens seriös und das Risiko Leute aus dieser Region rein zu lassen wohl gut kalkulierbar. Statt dessen bevorzugt man Massen von "Qualitätstouristen", die aus einem Land kommen, wo das Risiko ziemlich unkalkulierbar ist, weil die Seriosität der Zahlen bezweifelt werden muss.
Markus Boos 05.07.20 18:37
Oha!
Dazu gäbe es jetzt recht viel zu schreiben, was dann doch nicht hier zu lesen sein würde.

Aber wenn sie kommen, die Gelben. Dann haben alle Schweineaugen und die Männer Ringelschwänzchen.
Das wird man dann Schweinegrippe nennen.
Frank Kleiber 05.07.20 16:07
@Marco
Du siehst das überhaupt nicht falsch, denn die ganze Welt buckelt vor China, und keiner traut sich, irgendwas dagegen zu sagen. Und schon gar nicht Thailand! Sie werden wieder einfallen mit Bussen, alle 3 min einer über die Jomtien Beach Road, und damit hat es sich dann auch erledigt mit der neuen Strandidylle und Sauberkeit des Wassers....
Rainer Hi. 05.07.20 14:12
bin nicht ueberrascht dass man jetzt doch die "Qualitaetstouristen" wie die Chinesen reinlaesst, die hat man ja schliesslich noch im Februar willkommen geheissen und wenn die Airlines nicht die Fluege gestoppt haetten waeren sie auch noch im Maerz eingereist.