Gerichtsvorsitz lässt Tatnacht wieder aufleben

​Pariser Terrorprozess 

Foto: epa/Christophe Petit Tesson
Foto: epa/Christophe Petit Tesson

PARIS: Zwei Tage nach Beginn des französischen Prozesses um die Anschlagsserie vom November 2015 hat das Gericht die Tatnacht und die Wege der Terroristen nachgezeichnet. Der Vorsitzende Richter Jean-Louis Périès ging am Freitag im Pariser Justizpalast auf die einzelnen Anschläge ein, bei denen 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt wurden. Opfer nannte er dabei auch mit ihrem Namen und Alter. Auch die anschließenden Festnahmen und Ermittlungen fasste Périès zusammen.

Bei der Anschlagsserie am 13. November 2015 hatten Extremisten insgesamt 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Sie richteten ein Massaker im Konzertsaal «Bataclan» an und beschossen Bars und Restaurants im Osten der französischen Hauptstadt. Außerdem sprengten sich drei Selbstmordattentäter an dem Abend während eines Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich am Stade de France in die Luft. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) reklamierte die Anschläge für sich.

In dem seit Mittwoch laufenden Prozess sind 20 Verdächtige angeklagt. Im Zentrum steht als einziger Überlebender des Terrorkommandos Salah Abdeslam. 13 Angeklagten wird die Unterstützung der Terroreinheit vorgeworfen. Sie sollen Papiere besorgt, Abdeslam außer Landes gefahren oder in zwei Fällen verhinderte Attentäter sein. Gegen sechs weitere Angeklagte wird der Prozess in Abwesenheit geführt. Fünf von ihnen kamen vermutlich in der Zwischenzeit in Syrien ums Leben, einer ist wegen Terrorvorwürfen in der Türkei inhaftiert. Der Mehrheit der Angeklagten droht in dem bis Mai 2022 angesetzten Verfahren 20 oder mehr Jahre Haft.

In den beiden ersten Prozesstagen ging es vor allem um Formalien. Einen Großteil der Zeit wurden die Namen der mehr als 1700 Nebenklägerinnen und Nebenkläger in dem Verfahren verlesen.

Ab kommender Woche will das Gericht tiefer in die Ereignisse einsteigen und Fachleute sowie Ermittlerinnen und Ermittler befragen. Im Anschluss sollen mehrere Wochen lang Betroffene der Anschlagsserie in dem Verfahren zu Wort kommen.

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