Papst lobt Dialog mit Orthodoxen Zyperns

​Hilfsgesuch wegen Teilung

Papst Franziskus leitet eine Heilige Messe im GSP-Stadion in Nikosia. Foto: epa/Katia Christodoulou
Papst Franziskus leitet eine Heilige Messe im GSP-Stadion in Nikosia. Foto: epa/Katia Christodoulou

NIKOSIA: Katholiken und Orthodoxe arbeiten auf Zypern sehr gut zusammen. Papst Franziskus lobt die Ökumene auf der Insel. Wenn es um die politische Situation auf der Insel geht, ist es mit der Harmonie aber vorbei. Der Pontifex hört ein Hilfsgesuch mit drastischen Worten.

Am zweiten Tag seines Besuchs auf Zypern hat Papst Franziskus die herzliche Zusammenarbeit der wenigen Katholiken und der orthodoxen Mehrheit auf der Insel gelobt. Der Pontifex hoffe, die Kirche durch den Dialog für die Zukunft zu wappnen. Er habe «das Bedürfnis, noch intensiver mit euch, liebe Brüder, zusammenzuarbeiten», sagte der 84-Jährige. Zugleich wurde Franziskus am Freitag aber auch mit der wenig harmonischen Gegenwart auf der seit fast fünf Jahrzehnten geteilten Mittelmeerinsel konfrontiert.

Der orthodoxen Erzbischof Chrysostomos bat seinen Gast aus Rom um Unterstützung im Kampf gegen die Folgen der türkischen Invasion im Norden Zyperns im Jahr 1974. Seit damals ist die Insel durch eine von UN-Blauhelmen bewachte Grenze getrennt. Viele griechisch-zyprische Einwohner mussten ihre Häuser und Gemeinden verlassen und in den Süden flüchten. Chrysostomos sprach von einer «barbarischen» Besetzung und einer ethnischen Säuberung durch die Türkei, die anstelle der Einheimischen im Norden Türken aus Anatolien ansiedle.

«Da wo einst griechische und christliche Kulturen blühten, herrscht jetzt fast ein halbes Jahrhundert lang die geistige Einöde der asiatischen Steppe», sagte der Geistliche und zog einen Vergleich mit der Geschichte: Die Türken hätten «die blutrünstige Barbarei des Hunnen Attila nicht nur imitiert; sie haben sie übertroffen».

Der Erzbischof bat Franziskus nicht nur um seinen spirituellen Beistand: «Wir wünschen uns auch ihre aktive Unterstützung.»

Die Spaltung der Insel wurde kurz darauf auch bei der Freiluftmesse im Stadion von Nikosia sichtbar. Während Franziskus vor rund 10.000 Gläubigen - darunter viele Katholikinnen von den Philippinen, die in Zypern vor allem als Haushaltshilfen arbeiten - einen Gottesdienst feierte, wehte über dem Stadion die griechische Flagge. Von der Tribüne aus hatte man einen guten Blick auf eine Bergkette im Norden der Stadt und auf der andere Seite der Pufferzone, auf der eine gigantische türkische Flagge gemalt ist. Daneben steht geschrieben: «Wie glücklich ist derjenige, der sich Türke nennen kann.»

Auf dem Podium wohnten auch zwei orthodoxe Geistliche der Messe des Papstes bei. «Hier auf Zypern atme ich ein wenig von der Atmosphäre, die für das Heilige Land typisch ist, wo die Ursprünglichkeit und Vielfalt der christlichen Traditionen den Pilger bereichern», sagte Franziskus.

Am Morgen war es zu einem Zwischenfall am Stadion gekommen, als ein Mann mit einem Messer die Arena betreten wollte. Er wurde von der Polizei festgenommen. Der 43 Jahre alte Nicht-Zyprer habe angegeben, sich mit dem Messer verteidigen zu wollen, hieß es von der Polizei.

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