Österreichs Ex-Kanzlerin Brigitte Bierlein ist tot

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein trifft zu einem EU-Gipfel in Brüssel ein. Foto: epa/Julien Warnand
Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein trifft zu einem EU-Gipfel in Brüssel ein. Foto: epa/Julien Warnand

WIEN: Sie war Verfassungsrichterin und Österreichs erste Frau an der Regierungsspitze. Mit 74 Jahren ist Brigitte Bierlein gestorben. Die Ibiza-Affäre brachte sie ins Amt.

Österreichs erste Kanzlerin Brigitte Bierlein ist im Alter von 74 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Das bestätigte am Montag das Kanzleramt in Wien. «Sie hat in einer schwierigen Zeit Verantwortung übernommen, aus Liebe zur Republik und ihrer Heimat Österreich. Unser Land ist ihr zu großem Dank verpflichtet!», schrieb Kanzler Karl Nehammer auf der Plattform X. Die Juristin war vom Juni 2019 bis zum Januar 2020 die erste Frau an der Spitze einer österreichischen Regierung. Sie stand einem Kabinett aus Beamten vor, das in der Öffentlichkeit oft als Expertenregierung bezeichnet wurde.

«Brigitte Bierlein hatte ihre beruflichen Stationen nie angestrebt, aber den Dienst am Land immer selbstbestimmt, mutig und optimistisch angenommen und vorangestellt», so Nehammer. Sie habe das Regierungsamt ohne jegliche Eitelkeit und mit großem Pflichtgefühl ausgefüllt. Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich tief betroffen. «Ich habe Brigitte Bierlein als mutige, disziplinierte Frau kennengelernt, die Verantwortung übernommen hat, als ihr Land sie gebraucht hat. Sie wird für viele Mädchen und Frauen, für uns alle, auch in Zukunft als Vorbild wirken.»

Bierleins Amtszeit fiel in die Phase zwischen den beiden Regierung des konservativen Politikers Sebastian Kurz (ÖVP). Infolge der Ibiza-Affäre war seine erste Regierung im Juni 2019 vom Parlament durch ein Misstrauensvotum gestürzt worden. Nach Neuwahlen im Herbst 2019 kam Kurz dann ab Anfang 2020 zu einer zweiten Amtszeit. «Brigitte Bierlein hat in einer turbulenten Zeit mit ruhiger Hand für Stabilität in Österreich gesorgt», schrieb Kurz auf X.

Die Karriere-Juristin war von 2003 bis 2018 zunächst Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes (VfGH) und von Februar 2018 bis zu ihrer Ernennung zur Bundeskanzlerin dessen Präsidentin. «Der Verfassungsgerichtshof verliert eine unparteiliche ehemalige Präsidentin und einen hochgeschätzten Menschen, Österreich eine entschlossene Verfechterin des Rechtsstaats», sagte VfGH-Präsident Christoph Grabenwarter.

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