Österreichischer Polizeitrainer erschießt Kollegen bei Übung

Symbolfoto: Freepik
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GRAZ: Ein Ausbilder der österreichischen Polizei hat bei einer Übung seine scharfe Waffe statt einer Trainingswaffe benutzt und einen Kollegen erschossen. Wie die Staatsanwaltschaft in Graz am Donnerstag mitteilte, hat der 39 Jahre alte Trainer ausgesagt, an die Teilnehmer der Einsatzsimulation sogenannte Rotwaffen ausgeteilt zu haben. Diese sehen demnach wie Dienstwaffen aus, können aber keine Munition abfeuern. Laut Staatsanwaltschaft vergaß er jedoch, dass er selbst noch seine geladene Waffe im Holster trug.

Die Gruppe übte in Graz die Suche nach einem gefährlichen Täter. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wollte der Ausbilder demonstrieren, dass einer der Beamten in einer gefährdeten Position stand. Dazu habe er seine Waffe gezogen und einem 27-jährigen Kollegen aus kurzer Distanz in den Rücken geschossen. Das Projektil habe eine lebenswichtige Ader getroffen.

Nach den bisherigen Ermittlungen und den Aussagen des Ausbilders bestünden keine Zweifel, dass es sich um ein Versehen gehandelt habe, sagte ein Sprecher der Justizbehörde der Deutschen Presse-Agentur. «Es wird davon ausgegangen, dass es sich um einen tragischen Unfall handelt», sagte er. Gegen den Ausbilder werde wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung ermittelt.

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Derk Mielig 16.09.22 14:30
@Wirth - um Fragen zu umgehen
Ich habe trotzdem eine Anmerkung dazu.
Bei der Bundeswehr wurde ich als Späher hauptsächlich an der P1 ausgebildet. Auch in absoluter Dunkelheit, auch unter Überfallbedingungen, also schnelles Ziehen und Feuern. In beiden Fällen haben Sie meist keine Chance, die Farbe der Pistole vor der Schussabgabe zu erkennen. Rotwaffen können übrigens Magazine mit echten Patronen aufnehmen, sie lassen sich nur nicht abfeuern. Aber das wissen Sie natürlich, schließlich haben Sie jahrelang Polizeibeamte in Waffenkunde und schießen ausgebildet.

Wir sollten also in solchen Fällen tatsächlich das Ermittlungsergebnis, oder wenigstens weitere Fakten zum Hergang, abwarten, bevor wir uns eine Meinung bilden.
Hartmut Wirth 16.09.22 14:00
Rotwaffen
Seltsam: Rotwaffen sehen zwar aus wie die echten Waffen, sind aber rot . Daher ja auch der Name "Rotwaffe".

Die echten Waffen sind "schwarz", also nicht zu verwechseln. Wenn ein Ausbilder anstelle der "Rotwaffe" eine schwarze Waffe "zieht", müsste er das bemerken (als Ausbilder sollte er Profi sein). Außerdem ist eine "Rotwaffe" leichter als eine echte Waffe: es fehlt das Gewicht des befüllten Magazines.

Fazit: ein solcher kapitaler Fehler dürfte einem Profi nicht unterlaufen.

Bleibt das Abwarten des Ermittlungsergebnisses
(um Fragen zu umgehen: ich habe u.a. jahre lang Polizeibeamte in Waffenkunde und schießen ausgebildet, hauptsächlich bei Waffenwechsel/Systemwechsel ==> Walther PPK, Heckler & Koch P2000, MP 5, G 3, etc.)