Österreich heuert ehemaligen Geheimdienst-Experten der Kanzlerin an

Foto: epa/Robert Ghement
Foto: epa/Robert Ghement

WIEN (dpa) - Das österreichische Innenministerium hat den ehemaligen Geheimdienst-Beauftragten des deutschen Kanzleramts als Berater engagiert.

Wie das Innenministerium am Dienstag mitteilte, soll Klaus-Dieter Fritsche die «Weiterentwicklung des österreichischen Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT)» begleiten. Konkret soll sich Fritsche um die Informationsbeschaffung im präventiven Staatsschutz kümmern. «Ich freue mich, dass wir diesen ausgewiesenen Fachmann für eine so wichtige Aufgabe im Innenministerium gewinnen konnten», sagte Innenminister Herbert Kickl von der rechten FPÖ einer Mitteilung zufolge.

Fritsche war von 1996 bis 2005 Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz und wurde anschließend zum Geheimdienstkoordinator im deutschen Bundeskanzleramt ernannt. Nach einigen Jahren im deutschen Innenministerium wechselte er 2014 als Staatssekretär mit Zuständigkeit für die Geheimdienste zurück ins Kanzleramt. Im Frühjahr 2018 ging er in den Ruhestand.

Für Aufregung sorgte Fritsche bei seiner Aussage im NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag im Oktober 2012. Damals wies der 65-Jährige Vorwürfe gegen Sicherheitsbehörden und Regierung bei der Aufklärung der Neonazi-Mordserie vehement zurück und beklagte stattdessen die Preisgabe vertraulicher Informationen an die Medien. Die Parlamentarier reagierten verärgert, die Sitzung wurde zwischenzeitlich unterbrochen. Fritsche war zum Zeitpunkt der NSU-Mordserie Vizepräsident des Verfassungsschutzes.

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