Nur leicht gebremstes Wachstum

Unbeeindruckt von allen Krisen und Wirrungen in dieser Welt wächst die Sonderzone Pattaya munter weiter, wenn auch mit gedrosseltem Tempo. Wohin die Fahrt gehen soll, zeigt ohnehin keine Roadmap, wenn wir da nur schon an die Thappraya Road denken, die kurz nach der nur "leicht verspäteten" Ausbau-Vollendung mangels Wasser-Drainage schon wieder eingebrochen ist (siehe auch ausführliche FARANG-Reportage auf den Seiten 33 - 34).

Hingegen ist die Liste der geplanten Condo-Projekte sehr lang, obwohl noch ein reichliches Angebot an existierenden Einheiten vorhanden ist. Interessant ist hier gemäß den offiziellen Informationen zu vermerken, dass in Bangkok 91% der Condos von Thais gekauft werden, und, auf Pattaya bezogen, die Quote von 70% Thai-Käufern immer noch sehr hoch ist. Sind das alles echte Käufer oder nur "Investoren’’? Ein massiver Grund sind natürlich die Verkaufspraktiken, die so aussehen wie vor der Hypotheken-Krise, als wenn nichts geschehen wäre (siehe Foto). Alles ist "easy’’.

Es ist jedoch augenfällig, dass Pattaya bei den Bangkok-Thais stark an Attraktivität gewonnen hat, Condos (aber wenig Häuser) gekauft werden, und die Hotels an Wochenenden gut belegt sind. Im Gegensatz zur offiziellen Meldung aus Phuket, dass die Hotels derzeit gerade einmal zu 12 Prozent belegt sind, verglichen mit dem langjährigen April-Schnitt von 50%. Tragödie Euro, Pfund etc.

Die europäische Schuldenkrise und Wechselkurstragödie wird noch auf längere Zeit unser Leben beunruhigen und unsere Kaufkraft mindern. Die weniger verfügbaren Baht der Europäer werden sich negativ auf die Wirtschaft Pattayas auswirken. Die deutsche Exportwirtschaft wird mit dem für Exporteure vorteilhaften Eurokurs die ganze Euro-Zone aus dem Dreck ziehen müssen. Der Euro wird sich erst verbessern, wenn die Hedge-Fonds-Karawane sich auf das nächste Opfer stürzt, das in diesem Falle sehr wohl der US-Dollar sein könnte. Gold wird Papiergeld überlegen sein, war ja klar nach der Absetzung des Goldstandards. Noch ein wichtiger Hinweis: Falls Sie in den nächsten Tagen wieder einmal ein Geizhals oder sowas genannt werden, antworten Sie nur mit:

àºÕé¹éÍÂË͹éÍ = bi:a noi: ho:y noi: = kleine Rente, wenig Muscheln, oder ganz einfach "ich muss schmal durch’’. Wir gehen davon aus, dass Sie wissen, dass "ho:y" im Volksmund auch weitere Bedeutungen hat.

Nationalsport

Einem lieben, hier unheimlich glücklich verheirateten Freund musste ich kürzlich klarmachen, dass auch seine Frau einem thailändischen Nationalsport frönt, nämlich dem "An-der-Nase-herumführen’’, und dass es dabei wiederum zwei Disziplinen gibt, nämlich:

¶Ù¡ ¨Ù§ ¨ÁÙ¡ = Thu:k Chu:ng Chamu:k = falls der Büffel zu eigenwillig ist, greift man ihm ganz einfach in die Nase und zieht ihn, wohin er auch gehen soll. ¶Ù¡ ʹµÐ¾Ò = Thuk Sontaphai = das gilt für den Büffel, der schon einen Zugring durch die Nase hat. Ist eher für die permanente Kontrolle gedacht.

Ausrede des Monats

Thailand-Kenner können wertungsfrei schätzen, was der hochbeliebte Isaan-Bewohner Ruffert einst einmal beschrieb als "den frivolen Umgang der Thais mit der Wahrheit’’. Etwas, das von uns Schwarz-Weiß-Denkern zuerst adoptiert werden muss. Was wir jeweils bei polizeilichen Festnahmen als Ausreden zu hören bekommen, sollte jedoch unbedingt in Buchform erfasst werden.

Also, nachmittags, etwa um 5 Uhr, seitlich vor dem Mike Department Store, ein Polizist steht an einer Bar, diskutiert mit einem Kollegen, Brieftasche in der Gesäßtasche. Ein Katoei sieht die Chance, zieht die Brieftasche raus und macht sich davon, wird aber sehr bald vom Opfer gestellt. Auf der Polizei-Station gab der Katoei an, dass die Polizei sein Motorrad konfisziert habe, und er mangels Kundschaft kein Geld besitze, um das Bike aus dem Polizei-Zwischenlager auszulösen. So kam er auf die Idee, das Geld gleich an der Quelle zu holen. Der Richter wird sicher Verständnis zeigen.

Oder: ’’Nein, das Auto gehört nicht mir, und die Pistole im Handschuhfach gehört dem rechtmäßigen Auto-Besitzer, ich musste irgend ein Auto ‘nehmen’, um den Bruder zum Arzt zu fahren’’.

Kulinarische Empfehlung

Auch rein aus kulinarischer Sicht hat Pattaya in den vergangenen Jahren enorm an Statur und Breite gewonnen. Nicht zuletzt wegen der geografisch breiteren Fächerung der Urlaubnehmer und Residenten. Nun hat ein Freund mir kürzlich empfohlen, Miesmuscheln auf französische Art, das heißt, an einer Weißwein-Sauce mit reichlich Kräutern, begleitet von einer knusprigen Baguette, in einem kleinen feinen Mini-Resort an der Soi 16/2, Nakluea Road, zu genießen. Kann herzhaft weiter empfohlen werden. Aber nur freitags und samstags.

Wenn Sie uns auch eine persönliche Empfehlung für ein Test-Essen unterbreiten möchten, senden Sie uns doch eine Email. Apropos Empfehlungen: Von der Außenwelt praktisch unbemerkt hat sich an der Walking Street, direkt gegenüber vom Polo-Komplex, über der Champion GoGo, die neue Bar "Powers’’ mit sehr attraktiven Tänzerinnen eingenistet. Die Drinkpreise sind vernünftig, wie immer, wenn erst einmal eine Kundschaft hereingezogen werden muss, und die Bar ist überdurchschnittlich gut ausgerüstet mit feingliedrigen, ästhetisch formvollendeten Tänzerinnen, ohne Hamburger-Schäden, wie sie vor Jahren noch überall, aber in letzter Zeit nur noch im "Heaven Above’’ in der Soi Diamond zu finden waren. Die amerikanische Esskultur hat auch hier ihre unwillkommenen Spuren hinterlassen.

Wir möchten dazu noch anfügen, dass uns an den erwähnten Orten niemand kennt, und wir deshalb weder finanzielle noch materielle Vorteile erhalten. Dadurch wird die Urteilsfähigkeit nicht beeinflusst.

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