Nun beißen die Menschen die Ameisen

Selbst beim Kompostieren muss man vor den roten Teufeln auf der Hut sein

Knusprig und zart werden unsere Gänse, wenn sie zuerst behutsam gesotten werden, danach erst in den Ofen. Fotos: hf
Knusprig und zart werden unsere Gänse, wenn sie zuerst behutsam gesotten werden, danach erst in den Ofen. Fotos: hf

Sie sind allüberall wie der Heilige Geist. Sie sind aber eher der Höllische Geist: Von Ameisen spreche ich. Ganz gleich ob rot, braun oder schwarz, in den Tropen muss man sich ganzjährig vorsehen.

Der Komposthaufen muss ja nicht stinken.
Der Komposthaufen muss ja nicht stinken.

Am Schluss von Gabriel Garcia Marquez Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ fressen Ameisen ein Frischgeborenes bei lebendigem Leib auf. Das ist ein starkes Bild für den Untergang, die Dekadenz von Macondo, dem einst so magischen Ort.

Schon mehrere frisch geschlüpfte Gänschen wurden bei uns im Pattaya Garten von Ameisen attackiert, vor allem an den Augen. Wir haben bislang alle retten können, aber eine Gans hat beim brutalen Angriff der bissigen Biester ein Auge verloren, auf diese Weise aber einen Namen erhalten: „Ta diau“ (Einauge).

Fallobst unbedingt rasch kompostieren

Wenn ich Kartoffelsalat mache, gebe ich die geschnittenen Stücke in heiße Fleischbrühe, die sie dann aufsaugen. Doch wenn ich die erkaltete Schüssel einfach in der Küche stehen lasse, ist sie in kürzes­ter Zeit von gierigen Ameisen übersät. Deshalb stelle ich sie in einen mit Wasser gefüllten Untersatz, denn Schwimmen können die Viecher glücklicherweise (noch) nicht.

Die Blüte der Malabar-Kastanie fasziniert.
Die Blüte der Malabar-Kastanie fasziniert.

„In der Regenzeit essen die Fische die Ameisen, in der Tro­ckenzeit fressen die Ameisen die Fische“, so das Thai Sprichwort: „Nam ma pla ghin mot, nam lot mot ghin pla“. Jetzt ist zwar noch nicht Regenzeit, so dass die Fische noch nicht in der Ameisenbekämpfung eingesetzt werden können, aber ein Nest der Viecher, das über dem Fischteich in einem Baum hing, habe ich abgeschnitten, auf dass die fleißigen Fische Proteine zu beißen bekamen.

Fallobst, das wir nicht verarbeiten können, wandert möglichst rasch in den Kompost. Lässt man die Früchte nämlich einfach am Boden liegen, sind sie in kürzester Zeit von Ameisen mit Beschlag belegt. Geht der ahnungslose Gärtner dann in seinen Latschen dort vorbei, wird er sofort als Störenfried identifiziert und von einer ganzen Armada der flinken Biester gnadenlos attackiert.

Endlich findet der Gegenangriff statt

Reiche Protein-Ernte nach der Ameisenjagd.
Reiche Protein-Ernte nach der Ameisenjagd.

Im Nong-Khai-Garten hat nun endlich einmal ein Gegenangriff stattgefunden, und zwar nicht mit der Giftkeule, sondern völlig organisch. Mit Körben und Säcken, die an langen Bambusstangen befestigt wurden, haben meine tapferen Krieger ganze Nester der besonders angriffigen Roten Ameisen von den Bäumen heruntergeholt und in Metalltöpfe verfrachtet, die vorher mit Mehl eingepudert wurden. Das Mehl hat denselben Effekt wie einst die Schmierseife in „Spiel ohne Grenzen“, die Ameisen rutschen ab. Dann wurden die Nestinhalte ins Wasser befördert, quasi die Spreu vom Weizen getrennt, und dann konnte eine reiche Ernte an Eiern und frisch geschlüpften Ameisen an Land gezogen werden.

Zusammen mit frisch geernteten Bambussprossen wurde daraus eine Isaan-Spezialität zubereitet. Ich bin sonst nicht so ein Freund von frittierten Heuschrecken, Maden und Ähnlichem, das kreucht und fleucht. Aber diese Ameiseneier haben durchaus etwas für sich. Kauft man sie auf dem Markt, haben sie mit 800 Baht pro Kilo übrigens einen stolzen Preis.

Und dass durch den massenweisen Verzehr der Ameiseneier die Biester im Bestand gefährdet werden könnten, ist völlig ausgeschlossen!


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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Norbert Schettler 22.05.20 22:22
Mot in allen Farben und Grössen
Leb auf dem Land, da kann ich ja mitreden. Mango sind bei den großen roten Beißern sehr beliebt aber auch die Met Mamuang (Cashewnuss) Bäume. Und die sind auf den Nachbargrundstücken reichlich vorhanden. Viel schlimmer finde ich allerdings die kleinere rote Variante, die nicht beißen sondern spritzen. Und die ganz winzigen, die irgendwo im Türrahmen sitzen und warten, das sie ein oder zwei Reiskörner umzingeln können. Und jetzt zu Beginn der Regenzeit wandern Tausende von einem Blumentopf zum nächsten um sich ein trockenes Plätzchen zu sichern. Muss man mit leben, allerdings achte ich auch darauf, nichts offen rumliegen zu lassen.
Michael Meier 22.05.20 19:48
@ Rote Ameisen
Für die Eier der Kei Mot daeng ( eier der roten ameisen ) bezahlt man im Isaan 3000 Baht für 500g . Rote Ameisen hab ich noch nie im Haus gesehen , nur draußen und es brennt höllisch .
Thomas Knauer 22.05.20 16:08
Ein schöner Spruch in unserer Region lautet: Lass mich für dich sein was die rote Ameise für die Mango ist.
Bei uns steht alles was nicht luftdicht verpackt ist und für Ameisen interessant sein könnte im Kühlschrank oder in einem Untersetzer mit Wasser. Kreidestriche um die Tischbeine verhindern auch das Ameisen daran hochklettern.