Flüchtling in Heimat zurückgeschwommen

Dieses Foto zeigt einen Abfluss, der unter Stacheldrahtzäunen im nördlichen Teil der Insel Ganghwa, westlich von Seoul, verläuft und der möglicherweise von einem nordkoreanischen Überläufer zur Heimkehr benutzt wurde. Foto: epa/Yonhap
Dieses Foto zeigt einen Abfluss, der unter Stacheldrahtzäunen im nördlichen Teil der Insel Ganghwa, westlich von Seoul, verläuft und der möglicherweise von einem nordkoreanischen Überläufer zur Heimkehr benutzt wurde. Foto: epa/Yonhap

SEOUL: Drei Jahre nach seiner Flucht von Nordkorea nach Südkorea ist ein Mann nach Militärangaben vermutlich zurück in sein abgeschottetes Heimatland geschwommen. Südkoreas Militär ging am Montag davon aus, die Person identifiziert zu haben, die Nordkorea am Tag zuvor als zurückgekehrten «Ausreißer» bezeichnet hatte, der Symptome einer Coronavirus-Infektion aufweise. Nordkoreas Führung hatte wegen des ersten Corona-Verdachtsfalls im Land die Grenzstadt Kaesong komplett abgeriegelt und den Notstand über die Region verhängt.

Die südkoreanische Seuchenkontrollbehörde teilte mit, der mutmaßlich zurückgekehrte Nordkoreaner sei in Südkorea weder als Corona-Infektionsfall noch als Kontaktperson eines Infizierten registriert. Dass er Symptome aufweise, könne nicht bestätigt werden.

Der Mann sei am 19. Juli vermutlich von der grenznahen Insel Ganghwa aus nach Nordkorea hinübergeschwommen, sagte ein Sprecher der südkoreanischen Generalstabs. Er sei wahrscheinlich zuvor durch ein Abwasserrohr gekrochen, um nicht von Grenzposten gesehen zu werden. An dem Ort, von wo er hinübergeschwommen sein soll, wurde demnach seine Tasche gefunden.

Nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap handelt es sich um einen 24-Jährigen, dem 2017 die Flucht aus Nordkorea nach Südkorea gelungen war. Yonhap zitierte die Polizei, wonach gegen den Mann zuletzt wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt wurde. Die Polizei soll demnach Hinweise erhalten haben, wonach er das Land verlassen wollte.

Vor der Corona-Pandemie sind aus Nordkorea jedes Jahr zahlreiche Menschen wegen Hunger oder Unterdrückung geflüchtet. Die meisten setzen sich über die Grenze nach China ab. Über dritte Länder gelangen viele später nach Südkorea. Nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums kehrten in den letzten fünf Jahren nur elf nordkoreanische Flüchtlinge wieder in ihre frühere Heimat zurück.

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Ingo Kerp 28.07.20 14:04
Heimweh oder Angst vor einer Verurteilung, falls die vermutete Vergewaltigung stimmt? Das alles hoert sich ein bißchen an wie, RAF und ähnliche Menschen flohen aus der BRD in die DDR. Damit setze ich den Geflohenen nicht der RAF gleich.