Nord Stream 2 entlässt alle Angestellten

Foto: epa/Philipp Schmidli
Foto: epa/Philipp Schmidli

GENF/ZUG: Erst das auf Eis gelegte Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2, dann die US-Sanktionen: Das Unternehmen hinter der umstrittenen Pipeline hat nach Behördenangaben massive Zahlungsschwierigkeiten.

Der Betreiber der russischen Pipeline Nord Stream 2 mit Sitz im Schweizer Kanton Zug soll nach Angaben einer Behördenvertreterin vor dem Aus stehen. Beim Sender Blick-TV sprach die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut am Dienstag von «Konkurs». Das Unternehmen reagierte auf Anfragen nicht.

«Nord Stream 2 hat massive Zahlungsschwierigkeiten aufgrund der verhängten Sanktionen», teilte das Departement später auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Aufgrund dessen sei eine Weiterbeschäftigung von 106 Entlassenen nicht möglich. «Offiziell wurde der Konkurs noch nicht angemeldet», hieß es weiter.

In dem Fernsehinterview hatte Thalman-Gut gesagt: «Es handelt sich aber nicht um eine Massenentlassung. Das ist es nur, wenn das Unternehmen weiter besteht», sagt sie. «In diesem Fall handelt es sich allerdings um einen Konkurs.» Ein Konkursverfahren kann in der Schweiz von Gläubigern oder dem Unternehmen selbst eingeleitet werden, «wenn es sich als insolvent betrachten muss», wie das Wirtschaftsministerium auf seiner Webseite schreibt. Die Volkswirtschaftsdirektion eines Kantons entspricht einem Wirtschaftsministerium in einem deutschen Bundesland.

Die kantonale Behörde will nach eigenen Angaben am Freitag berichten, wie der Kanton Zug reagieren werde. Der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin hatte am Montagabend im Fernsehen zunächst von 140 Entlassungen gesprochen.

Nord Stream 2 ist eine Tochtergesellschaft des russischen Gaskonzerns Gazprom und hat ihren Hauptsitz in Zug gut 30 Kilometer südlich von Zürich. Die durch die Ostsee verlegte und fertig gestellte Pipeline sollte russisches Gas nach Deutschland bringen. Die Bundesregierung hatte das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 angesichts der russischen Eskalation in der Ukraine vergangene Woche auf Eis gelegt. Die USA verhängten Sanktionen gegen die Nord Stream 2 AG und untersagten damit weitere Geschäfte mit dem Unternehmen.

Das von Nord Stream 2 gegründete Schweriner Tochterunternehmen Gas for Europe hat seinen Betrieb zunächst eingestellt. «Aufgrund der Situation bei der Nord Stream 2 AG sind die Aktivitäten der Gas for Europe GmbH gestoppt», sagte ein Sprecher am Dienstag. Das Tochterunternehmen war zuvor gegründet worden, um Vorgaben der Bundesnetzagentur zu erfüllen.

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Hardy Kromarek Thanathorn 02.03.22 14:10
Die Schweizer Banken haben dicht gemacht!!!
Nachdem sich die Schweiz, den EU-USA usw. Sanktionen gegen Russland angeschlossen hat, ist die letzte finanzielle Bastion gefallen! Das auch völlig zu Recht!!! Wie sagte " Präsident Biden " die Russen werden Ihren " Preis " bezahlen! Das ist erst der Anfang!
Ingo Kerp 02.03.22 13:40
Ein Privatunternehmen, das politisch ausgebremst wurde. Jetzt werden sich wohl die Anwälte zusammensetzen müssen und auseinander dividieren, wer für welche Regreßansprüche gerade stehen muß. Vom Verursacher RUS dürfte dabei wohl kaum mit Kostenübernahme zu rechnen sein. Dennoch, RUS bzw. Gazprom werden sicherlich den groeßten finanziellen Schaden dabei erleiden. Lt. Betreibergesellschaft sollen bisher mehr als 7 Mrd Euro angefallen sein. Neutrale Schätzungen gehen jedoch von bis zu 10 Mrd. Euro aus.
David Ender 02.03.22 12:52
Dumm gelaufen NS2 ...
Ueber 11 Milliarden Dollar in Nordstream2 Roehren - buchstaeblich versenkt. Schrott im Meer. Allen die zu diesem obszoenen Projekt politisch oder oekonomisch beigetragen haben, wuensche ich breit grinsend - Maximalen Schaden! Jedem Rationalisten war stets klar warum Oberst Putin so dringend eine Roehre um die Ukraine herum brauchte: Fuer freie Hand fuer Krieg gegen Kiev. Dieser Plan ist nun nicht aufgegangen. Putins "Blitzkrieg" steckt fest und die Roehre ist mausetot. Noch schlimmer fuer den Kreml: Das politische Berlin ist ueber Nacht wie aufgewacht - 180 Grad gewendet. Ein Paradigmenwechsel. Der Ponyhof ist nicht mehr. BRD ist nun auch emotional ein echtes NATO-Land. Spaet aber doch. Meine Empfehlung: Sendet diese Roehre und seine Unterstuetzer endlich dorthin zurueck wo sie herkommen: Zur Hoelle!