Neues Wirecard-Kursbeben

Kein Verdacht gegen Firmenchefs

Foto: epa/Lukas Barth-tuttas
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MÜNCHEN (dpa) - Die Aktien des Dax-Neulings Wirecard sind zum Ziel von Spekulanten geworden. Nach dem dramatischen Kursbeben in der vergangenen Woche brechen die Papiere erneut ein. Für eine Beteiligung der Konzernspitze sehen die Ermittler aber keine Hinweise.

Nach einem mehrtägigen Aktienbeben beim Dax-Neuling Wirecard hat die Münchner Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf kriminelle Kursmanipulation durch die Konzernspitze. «Wir haben keinen ausreichenden Anfangsverdacht, um ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Wirecard einzuleiten», sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst am Donnerstag in München. Der Wirecard-Vorstand hatte sich selbst an die Staatsanwaltschaft München I gewandt.

Nur wenig später geriet die Wirecard-Aktie an der Frankfurter Börse erneut unter massiven Beschuss mutmaßlicher Spekulanten. Die Zeitung «Financial Times» hat mittlerweile drei Berichte mit dem Vorwurf krimineller Kontomanipulationen und Dokumentfälschungen gegen einen Wirecard-Mitarbeiter in Singapur veröffentlicht. Am Donnerstag verlor das Papier an der Frankfurter Börse mehr als zehn Prozent, nachdem der dritte Bericht erschienen war.

Darin werden dem Unternehmen Scheinumsätze mit verschobenen Geldern vorgeworfen. Wirecard dementierte ebenso scharf wie in den Vortagen: «Nichts an dem heute erschienenen Bericht ist wahr», hieß es in der Stellungnahme der Konzernzentrale.

Vergangene Woche hatte die Aktie des Zahldienstleisters zeitweilig mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren. Derart große Kursschwankungen sind bei Dax-Unternehmen sehr ungewöhnlich. Auch die Finanzaufsicht Bafin prüft, ob es sich um eine gezielte Attacke von Spekulanten handelte. Beide Behörden sind nun im Austausch: «Wir stehen im engen Kontakt mit der Bafin», sagte Kornprobst.

Wirecard war bereits in den vergangenen Jahren Ziel von Leerverkäufern geworden. Das sind Spekulanten, die mit fallenden Kursen Geld verdienen. Eine Methode dabei ist, geliehene Aktien zu einem hohen Kurs zu verkaufen und anschließend die Papiere mit Hilfe gezielt gestreuter Gerüchte oder Falschinformationen in den Keller zu schicken. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf der geliehenen Aktien können die Spekulanten anschließend eine größere Zahl der nun billigeren Papiere wieder kaufen. Nachdem sie die geliehenen Papiere zurückgegeben haben, verbleibt ihnen der Profit in Form günstig erworbener Aktien.

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