Neues aus der Raumfahrt am Sonntag

Eine SpaceX Falcon 9-Rakete, Raumschiff Crew Dragon, ist in einer Falschfarben-Infrarotbelichtung zu sehen, als sie von der NASA-Station gestartet ist. Foto: epa/Bill Ingalls
Eine SpaceX Falcon 9-Rakete, Raumschiff Crew Dragon, ist in einer Falschfarben-Infrarotbelichtung zu sehen, als sie von der NASA-Station gestartet ist. Foto: epa/Bill Ingalls

Sechs Monate im All: Chinas historische Weltraummission

JIUQUAN: Sechs Monate soll eine dreiköpfige Astronauten-Crew aus China im All verbringen. Die Mission untermauert die hochgesteckten Ziele der Volksrepublik, die zur führenden Weltraumnation aufsteigen möchte.

Auf die Minute genau hob Chinas jüngste Weltraummission in der Nacht auf Samstag am Rande der Wüste Gobi ab. Landesweit wurde der Start der Rakete vom Typ «Langer Marsch 2F» im Fernsehen übertragen und von den Staatszeitungen mit patriotischem Stolz kommentiert. Die im Parteibesitz befindliche Zeitung «Global Times» war nicht müde zu betonen, dass sämtliche Astronauten der dreiköpfigen Crew Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas sind. Sie verkörpern den Stolz einer Nation, die nach den Sternen greifen möchte.

Die Mission von Zhai Zhigang (55 Jahre), Ye Guangfu (41) und Wang Yaping (41) ist zweifelsohne historisch: Sie werden die nächsten sechs Monate auf der sich im Bau befindlichen Raumstation «Tiangong» (Himmlischer Palast) verbringen - und damit die mit Abstand längste Weltraummission in der Geschichte des Landes absolvieren.

«Auf Geschäftsreise für das nächste halbe Jahr», postete die 41-jährige Wang Yaping in Chinas sozialen Medien, kurz bevor sie zu ihrem nach 2013 mittlerweile zweiten Flug ins All aufbrach. Der Mission wird eine besondere Ehre zuteil: Als erste Chinesin soll sie einen Weltraumspaziergang absolvieren.

Geplant ist auch, dass die dreiköpfige Crew bei ihrem Langzeitflug die Systeme des Kernmoduls «Tianhe» testen, außerhalb des Raumschiffs arbeiten und wissenschaftliche Experimente machen wird. Vor ihrem Aufenthalt waren Ende September bereits mit einem Cargoflug sechs Tonnen Versorgungsgüter, Treibstoff und Ausrüstung zum Kernmodul gebracht worden.

Chinas Weltraumprogramm ist vergleichsweise jung, allerdings überaus ambitioniert. Erst vor 18 Jahren hatte die Volksrepublik ihren ersten Astronauten ins Weltall geschickt. Der heute 56-jährige Yang Liwei, der seine Mission am 15. Oktober 2003 startete, gilt in seinem Heimatland nach wie vor als Volksheld.

Seit damals haben die Chinesen rasante Fortschritte erzielt. Das bisherige Highlight des nationalen Raumfahrtprogramms bildete 2019 die Landung eines Rovers auf der erdabgewandten Seite des Mondes. Dies war zuvor noch keinem Land gelungen. Der Staatsführung geht es bei ihren hochgesteckten Ambitionen im Weltall neben nationalem Prestige auch um eine technologischen Vorreiterrolle, die man den USA streitig machen möchte.


Nach Dreh auf der ISS: Russisches Filmteam zurück auf der Erde

SCHESKASGAN: Nach Dreharbeiten auf der Internationalen Raumstation ISS ist ein russisches Filmteam sicher zur Erde zurückgekehrt. Die Sojus-Kapsel mit der Schauspielerin Julia Peressild und dem Regisseur Klim Schipenko an Bord landete am Sonntagmorgen in der Steppe Kasachstans in Zentralasien.

Live-Bilder der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos zeigten, wie die MS-18 zunächst als kleiner Punkt am wolkenlosen Himmel zu sehen war. Die letzten Kilometer schwebte die Kapsel an einem großen Fallschirm, bevor sie am Boden aufschlug. Es gab eine Staubwolke.

«Willkommen zu Hause», twitterte Roskosmos. Der Crew gehe es nach dem mehr als dreistündigen Flug gut. Sie landete 148 Kilometer südöstlich der Stadt Scheskasgan. In der Raumkapsel saß auch der Kosmonaut Oleg Nowizki, der seit April auf der ISS war. Zum Landeplatz flogen neben Ärzten und anderen Experten auch Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin.

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt hatte sich ein Filmteam auf der ISS aufgehalten. Die Dreharbeiten dauerten zwölf Tage. Der als Weltraumdrama angekündigte Streifen trägt den Arbeitstitel «Wysow» (Herausforderung). Er erzählt von einer Ärztin, die zur Raumstation fliegen muss, um dort einem erkrankten Kosmonauten mit einer OP das Leben zu retten. Die Medizinerin wird von Peressild gespielt.

Sogar Kosmonauten kamen als Schauspieler zum Einsatz. Die Rolle des kranken Raumfahrers übernahm Nowizki. Roskosmos geht es bei dem Film nicht zuletzt um Werbung für die Branche, damit sich mehr junge Menschen für Arbeitsplätze in der Raumfahrt interessieren.

Kritiker monierten, dass viel Geld in das Projekt statt in Forschung gesteckt wurde. Wieviel es kostet, wurde zunächst nicht bekannt. Roskosmos-Chef Rogosin hofft, dass Einnahmen aus künftigen Flügen von Weltraumtouristen die Kosten decken könnten. Er habe bereits Anfragen von Interessenten bekommen, sagte er der Agentur Interfax.

Rund 35 Minuten des Films wurden auf der Station gedreht. Moskau ging es zugleich darum, vor den USA die Dreharbeiten im All zu beenden. Für das US-Projekt war der Schauspieler Tom Cruise im Gespräch, der zur ISS fliegen sollte. Ein Datum gibt es aber noch nicht.

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