Neues aus der Raumfahrt am Samstag

Foto: Pixabay/Wikiimages
Foto: Pixabay/Wikiimages

Russisches Filmteam kehrt von Raumstation ISS zur Erde zurück

SCHESKASGAN: Nach zwölf Tagen auf der Internationalen Raumstation ISS will ein russisches Filmteam am Sonntag (6.35 Uhr MESZ) zur Erde zurückkehren. Die Raumkapsel mit der Schauspielerin Julia Peressild und dem Regisseur Klim Schipenko an Bord soll in der Steppe von Kasachstan in Zentralasien landen. Sie werden begleitet von dem Kosmonauten Oleg Nowizki, der bereits seit April auf der ISS ist. Mehr als drei Stunden soll der Flug zur Erde dauern.

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt hat sich ein Filmteam für Dreharbeiten auf der ISS aufgehalten. Der als Weltraumdrama angekündigte Streifen hat den Arbeitstitel «Wysow» (Herausforderung). Er erzählt von einer Ärztin, die zur Raumstation fliegen muss, um dort einem erkrankten Kosmonauten das Leben zu retten.

Für die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos geht es dabei nicht zuletzt um Werbung für die Branche, damit sich mehr junge Menschen für Arbeitsplätze in der Raumfahrt interessieren. Kritiker monieren, dass viel Geld in das Filmprojekt statt in Forschung gesteckt wurde.


«Lucy in the sky!» - Erstmals Sonde zu Jupiter-Asteroiden gestartet

CAPE CANAVERAL: Die sogenannten Jupiter-Trojaner sind Asteroiden, die die Sonne auf der gleichen Bahn umkreisen wie der Planet. Nun ist mit «Lucy» erstmals eine Nasa-Sonde dorthin aufgebrochen. Forscher erhoffen sich Erkenntnisse über die Entstehung der Planeten.

Mit der Nasa-Sonde «Lucy» ist erstmals ein Raumfahrzeug zu den Asteroiden des Jupiters aufgebrochen. Mithilfe einer «Atlas V»-Rakete startete «Lucy» am Samstag vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Kurz danach twitterte die Nasa: «Lucy in the sky!» Die Mission ist auf zwölf Jahre angelegt, insgesamt soll «Lucy» rund 6,5 Milliarden Kilometer zurücklegen.

Die mehr als 14 Meter lange Sonde, die mit Treibstoff und via Solarzellen aufladbarer Batterien betrieben wird, soll an sieben der sogenannten Jupiter-Trojaner eng vorbeifliegen: Eurybates, Queta, Polymele, Leucus, Orus, Patroclus und Menoetius - alle benannt nach Protagonisten aus der Antikensage «Ilias» von Homer.

Die Jupiter-Trojaner sind Asteroiden, die die Sonne auf der gleichen Bahn wie der Jupiter umkreisen - ein Schwarm eilt ihm voraus, einer folgt ihm hinterher. Sie gelten als «Fossile der Formierung der Planeten», weswegen sich die Nasa von der Mission neue Erkenntnisse über die Entstehung der Planeten und unseres Sonnensystems erhofft.

Außerdem soll «Lucy» auch nah an einem Asteroiden im sogenannten Hauptgürtel zwischen Mars- und Jupiterbahn vorbeifliegen und - ebenfalls als erste Sonde in der Geschichte der Raumfahrt - auch noch dreimal in die Nähe der Erde zurückkehren, um sich für ihren Flug Unterstützung durch deren Schwerkraft zu besorgen. Der erste Asteroiden-Vorbeiflug ist für 2025 geplant, die anderen sollen zwischen 2027 und 2033 stattfinden.

Der Name der Sonde ist dem Beatles-Song «Lucy In The Sky With Diamonds» entnommen. Der soll aus einem Kassettenrekorder gedröhnt haben, als Forscher 1974 im äthiopischen Afar-Dreieck Teile des Skeletts eines weiblichen Vormenschen entdeckten. Mit dem Fund wurde erstmals bewiesen, dass die Vorläufer des heutigen Menschen bereits vor rund drei Millionen Jahren aufrecht gehen konnten. Das Fossil - und nun auch die Nasa-Sonde - bekamen den Spitznamen «Lucy». Der Grund ist laut Nasa einfach: «Genau wie das «Lucy»-Fossil einzigartige Einblicke in die Entwicklung des Menschen lieferte, verspricht die «Lucy»-Mission unser Wissen über die Entstehung der Planeten und des Sonnensystems zu revolutionieren.»


Chinesische Astronauten erreichen Raumstation

JIUQUAN: Chinas Astronauten-Trio hat rund sechseinhalb Stunden nach dem Start die Raumstation «Tiangong» (Himmlischer Palast) erreicht. Wie die Raumfahrtbehörde Chinas am Samstagmorgen mitteilte, sei die Kapsel mit der Crew um 6:56 Ortszeit am Kernmodul «Tianhe» (Himmlischer Frieden) der Raumstation angedockt, die sich noch im Aufbau befindet. Dort werden die Astronauten rund sechs Monate leben und arbeiten. Es ist die mit Abstand längste Raumfahrtmission Chinas.

Um 00.23 Uhr Ortszeit (Freitag 18.23 Uhr MESZ) hoben die Astronauten in der Rakete vom Typ «Langer Marsch 2F» vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan am Rande der Wüste Gobi ab. Neben dem 55-jährigen Kommandeur Zhai Zhigang und dem 41-jährigen Ye Guangfu ist Wang Yaping die erste chinesische Astronautin seit 2013. «Auf Geschäftsreise für das nächste halbe Jahr», postete die 41-Jährige auf Chinas sozialen Medien, kurz bevor sie zu ihrem nach 2013 mittlerweile zweiten Flug ins All aufbrach. Bei der Mission soll Wang zudem eine ganz besondere Ehre zuteil werden: Als erste Chinesin wird sie einen Weltraumspaziergang absolvieren.

Geplant ist auch, dass die dreiköpfige Crew bei ihrem Langzeitflug die Systeme des Kernmoduls «Tianhe» testen, außerhalb des Raumschiffs arbeiten und wissenschaftliche Experimente machen wird. Vor ihrem Aufenthalt waren Ende September mit einem Cargoflug sechs Tonnen Versorgungsgüter, Treibstoff und Ausrüstung zum Kernmodul gebracht worden.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.