Neues aus der Raumfahrt am Freitag

Eine SpaceX Falcon 9-Rakete, Raumschiff Crew Dragon, ist in einer Falschfarben-Infrarotbelichtung zu sehen, als sie von der NASA-Station gestartet ist. Foto: epa/Bill Ingalls
Eine SpaceX Falcon 9-Rakete, Raumschiff Crew Dragon, ist in einer Falschfarben-Infrarotbelichtung zu sehen, als sie von der NASA-Station gestartet ist. Foto: epa/Bill Ingalls

Mit «Lucy» fliegt erstmals eine Nasa-Sonde zu den Jupiter-Asteroiden

WASHINGTON: Die sogenannten Jupiter-Trojaner sind Asteroiden, die die Sonne auf der gleichen Bahn umkreisen wie der Planet. Nun soll mit «Lucy» erstmals eine Nasa-Sonde dorthin aufbrechen - und es gibt noch weitere Premieren.

Der Name stammt aus einem Song der Beatles und die neue Raumsonde teilt ihn sich mit einem weltberühmten Fossil. 1974 stieß das Team des amerikanischen Paläoanthropologen Donald Johanson im äthiopischen Afar-Dreieck auf Teile des Skeletts eines weiblichen Vormenschen und nannte es «Lucy». Mit dem Fund wurde erstmals bewiesen, dass die Vorläufer des heutigen Menschen bereits vor rund drei Millionen Jahren aufrecht gehen konnten. Weil angeblich gerade der Beatles-Song «Lucy in the sky with diamonds» aus einem Kassettenrekorder dröhnte, als die Forscher die Knochen fanden, bekam das Fossil seinen Spitznamen - und nun wurde auch eine Sonde der US-Raumfahrtagentur Nasa so benannt, die am Samstag (16. Oktober) erstmals zu den Asteroiden des Jupiter aufbrechen soll.

«Genau wie das «Lucy»-Fossil einzigartige Einblicke in die Entwicklung des Menschen lieferte, verspricht die «Lucy»-Mission unser Wissen über die Entstehung der Planeten und des Sonnensystems zu revolutionieren», heißt es von der Nasa. Die Asteroiden des Jupiter, die so genannten Jupiter-Trojaner, die «Lucy» besuchen soll, seien «die Fossile der Formierung der Planeten», sagte Nasa-Wissenschaftler Hal Levison.

Die vor mehreren Jahrzehnten entdeckten Jupiter-Trojaner umkreisen die Sonne auf der gleichen Bahn wie der Planet - ein Schwarm eilt ihm voraus, einer folgt ihm hinterher. Ursprünglich dachten Wissenschaftler, dass nur der Jupiter Trojaner habe, inzwischen sind sie aber auch bei anderen Himmelskörpern entdeckt worden. Wie viele Trojaner der Jupiter insgesamt hat, ist bislang unklar - entdeckt wurden bereits mehrere Tausend.

An sieben davon soll «Lucy» während ihrer auf zwölf Jahre angelegten Mission als erste Sonde in der Geschichte der Raumfahrt eng vorbeifliegen: Eurybates, Queta, Polymele, Leucus, Orus, Patroclus und Menoetius - alle benannt nach Protagonisten aus der Antikensage «Ilias» von Homer. Dazu soll «Lucy» auch noch nah an einem Asteroid im Hauptgürtel des Jupiter vorbeifliegen und - ebenfalls als erste Sonde in der Geschichte der Raumfahrt - auch noch dreimal in die Nähe der Erde zurückkehren, um sich Unterstützung der Schwerkraft zu holen. Der erste Asteroiden-Vorbeiflug ist für 2025 geplant, die anderen sollen zwischen 2027 und 2033 stattfinden. Insgesamt soll «Lucy» rund 6,5 Milliarden Kilometer zurücklegen.

«Mit «Lucy» fliegen wir mit einem einzigen Raumschiff zu acht noch nie zuvor untersuchten Asteroiden in zwölf Jahren», sagte Nasa-Wissenschaftler Tom Statler. «Das bietet uns eine fantastische Möglichkeit zu Entdeckungen, während wir in die tiefe Vergangenheit unseres Sonnensystems blicken.»

Die Sonde ist mehr als 14 Meter lang - vor allem wegen ihrer riesigen Solarzellen, mit denen die Batterien aufgeladen werden sollen. Daneben hat «Lucy» aber auch rund 725 Kilogramm Treibstoff an Bord. Zum Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral wird die Sonde in eine Art Kapsel gepackt, die sie wie eine Muschelschale umschließen soll. «Ein Raumschiff zu starten ist fast so, wie ein Kind aufs College zu schicken», sagte Nasa-Forscher Levison. «Man hat getan, was man konnte, um es bereit zu machen für den nächsten großen Schritt, den es alleine gehen muss.»


Norwegen baut Satellitenbasis: «Historischer Tag»

OSLO: Norwegen will künftig Satelliten ins All schicken und baut dafür eine Abschussbasis. Wie die Regierung in Oslo am Freitag mitteilte, ist die Finanzierung des 365,6 Millionen Norwegische Kronen (36,8 Mio Euro) teuren Projekts auf der Insel Andøya in Nordnorwegen nun gesichert. «Dies ist ein historischer Tag für Andøya und für Norwegen als Raumfahrtnation», sagte Ministerpräsidentin Erna Solberg. «Norwegen wird damit eines der wenigen Länder sein, das in der Lage ist, Satelliten von seinem eigenen Territorium aus zu starten.»

Die Basis werde ganz Nordnorwegen einen Schub verleihen, so die Regierung weiter. 150 neue Jobs sollen entstehen. Der erste Start ist im dritten Quartal 2022 geplant. Auch der Bremer Raumfahrtkonzern OHB will Andøya für Satelliten seines konzerneigenen Unternehmens Rocket Factory Augsburg (RFA) nutzen.

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