Neues aus der Raumfahrt am Donnerstag

Foto: Pixabay
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Europäische Rakete Ariane 6 durchläuft langen Heißlauftest

KOUROU: Die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 hat einen weiteren Schritt hin zu ihrem Erstflug absolviert. Ein achtminütiger Heißlauftest der Hauptstufe wurde am Donnerstagabend am europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana abgeschlossen, wie die europäische Raumfahrtagentur Esa mitteilte. Bei dem Probelauf für den Start wurde das Vulcain-2.1-Triebwerk gezündet, es verbrannte etwa 150 Tonnen Treibstoff. Die zwei Booster der Rakete wurden aber nicht gezündet, so dass die Rakete am Boden blieb.

Die Ariane 6 ist das Nachfolgermodell der Ariane 5, die ab 1996 im Einsatz war. Sie soll Satelliten für kommerzielle und öffentliche Auftraggeber ins All befördern und ist deutlich günstiger als ihre Vorgängerin. Europas Raumfahrt soll sie wettbewerbsfähiger machen.

Ursprünglich hatte die Ariane 6 bereits 2020 ins All starten sollen. Dies wurde mehrfach verschoben. Zuletzt visierte die Esa einen Erstflug im kommenden Jahr an. Esa-Chef Josef Aschbacher hatte in Aussicht gestellt, ein konkreteres Startfenster nach dem achtminütigen Heißlauftest bekannt zu geben.

Europas Raumfahrt durchlebt derzeit eine Krise bei den Trägerraketen. Die letzte Ariane 5 hob Anfang Juli in den Weltraum ab. Seitdem hat die Esa keine eigenen Mittel mehr, um große Satelliten ins All zu bringen. Probleme gibt es darüber hinaus auch bei den leichteren Satelliten: Nach dem Fehlstart der Vega C bei ihrem ersten kommerziellen Flug im vergangenen Dezember bleibt auch diese Rakete vorerst am Boden - voraussichtlich bis zum vierten Quartal des kommenden Jahres.


Russland plant zwei weitere gemeinsame ISS-Flüge mit den USA

MOSKAU: Trotz ihrer äußerst angespannten Beziehungen planen Russland und die USA Moskauer Angaben zufolge zwei weitere gemeinsame Flüge zur Internationalen Raumstation ISS. Das meldete die russische Agentur Interfax am Donnerstag unter Berufung auf den Chef des russischen bemannten Raumfahrtprogramms, Sergej Krikaljow.

Bereits zuvor war angekündigt worden, dass für Anfang 2024 ein sogenannter Kreuzflug geplant ist, bei dem der russische Kosmonaut Alexander Grebjonkin gemeinsam mit einer US-amerikanischen Crew an Bord einer SpaceX-Kapsel zur ISS fliegen soll. Die nun getroffene Vereinbarung ermögliche noch mindestens einen weiteren Flug, bei dem ein amerikanischer Astronaut in eine russische Sojus-Kapsel steige, hieß es in Moskau.

Die ISS ist eines der wenigen Objekte, bei denen US-Amerikaner und Russen trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine noch zusammenarbeiten. Zwar spricht Russland immer wieder über den Aufbau einer eigenen Orbitstation. Doch bis 2028 könnte die ISS noch gemeinsam betrieben werden. Auch fliegen Kosmonauten und Astronauten bislang immer wieder gemeinsam ins All.


Satelliten-Wolke wächst - Höchste Zeit für ein Verkehrsrecht im All

BERLIN: Die Zahl riesiger Satelliten-Konstellationen im All wächst rasant. Damit steige das Risiko für Zusammenstöße, die in Kettenreaktionen immense Schäden verursachen könnten, sagte der Generaldirektor der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Josef Aschbacher, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Ein global geltendes Weltraum-Verkehrsgesetz müsse das Ziel sein.

Aktuell befinden sich etwa 8800 aktive Satelliten im Erdorbit, wie es von der Esa heißt. Der mit Abstand größte Betreiber ist SpaceX mit inzwischen mehr als 5000 Starlink-Satelliten im Erdorbit, etwa 42.000 sollen es insgesamt werden.

Natürlich sei es im Interesse jedes Betreibers, Zusammenstöße zu vermeiden, betonte Aschbacher. Die Esa habe zu jedem Betreiber Kontakt, um in brenzligen Situationen klären zu können, wer ausweicht. «Allerdings kommen immer neue Player hinzu», erklärte der Esa-Chef. «Daher braucht es zuverlässige Verkehrsregeln im Weltall, bei denen in jeder Situation ganz genau klar ist, wer muss ausweichen, wer muss sich wie verhalten.»

Eine Aufgabe der Mega-Satelliten-Konstellationen - Anordnungen von Satelliten mit gemeinsamer Aufgabe - ist es, den gesamten Planeten mit Breitband-Internet zu versorgen. Die Zahl aktiver Satelliten im niedrigen Erdorbit vervielfacht sich dafür gerade innerhalb kürzester Zeit. Firmen wie One Web, SpaceX, Blue Origin und viele andere etwa auch aus China planen Zehntausende neue Satelliten, vielfach in der Gewichtsklasse zwischen 150 und 1200 Kilogramm - und so billig gebaut wie möglich.

Die Esa hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 das Entstehen von Weltraummüll drastisch einzuschränken. Jeder Satellit, der dann ins All geschickt wird, soll am Ende der Laufzeit wieder aus dem Orbit entfernt werden, wie Aschbacher sagte.

Wie verheerend sich Trümmerteile auswirken können, zeigte Chinas Abschuss eines ausgedienten Wettersatelliten im Jahr 2007. Nach Schätzungen entstanden dabei mehr als 40.000 Trümmerteile von mehr als einem Zentimeter Durchmesser - jedes zweite Kollisionsvermeidungsmanöver für Esa-Satelliten geht seither auf solche Stücke zurück.

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