Neues aus der Raumfahrt am Dienstag

Im Rahmen des NASA-Programms Artemis wird die NASA versuchen, bis 2028 eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond und in seiner Umgebung zu etablieren. Foto: epa/Cristobal Herrera-ulashkevich
Im Rahmen des NASA-Programms Artemis wird die NASA versuchen, bis 2028 eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond und in seiner Umgebung zu etablieren. Foto: epa/Cristobal Herrera-ulashkevich

Probleme auch bei zweitem Bodentest von Nasa-Raketensystem «Artemis»

CAPE CANAVERAL: Das krisengeplagte Raketensystem für die «Artemis»-Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa hat auch einen zweiten unbemannten Bodentest nicht ohne technische Probleme absolviert. Zwar habe der Test diesmal abgeschlossen und die Rakete voll betankt werden können, teilte die Nasa am Dienstag mit. Aber zuvor sei bei dem mehrtägigen Test unter anderem ein Wasserstoff-Leck entdeckt worden, das nicht richtig repariert werden konnte.

Das System - bestehend aus der Rakete «Space Launch System» und der «Orion»-Kapsel - war Anfang Juni auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida für den zweiten unbemannten Test ausgerollt worden. Bei dem sogenannten «Wet Dress Rehearsal» werden bis auf den eigentlichen Start alle Abläufe getestet. Ein erster solcher Test hatte im März gleich mehrfach wegen unterschiedlicher technischer Probleme abgebrochen werden müssen. Der Start soll frühestens im August erstmals getestet werden.

Mit der «Artemis»-Mission sollten eigentlich bis 2024 wieder US-Astronauten auf dem Mond landen, erstmals auch eine Frau. Dies ist nun frühestens für 2025 geplant. Vier Astronauten sollen mit dem Raumfahrzeug «Orion» in die Mondumlaufbahn gebracht werden, wo zwei von ihnen dann auf ein Landegefährt umsteigen. Am Mond soll zudem eine Art Raumstation geschaffen werden, auch als Basis für einen bemannten Flug zum Mars - dies allerdings erst in fernerer Zukunft.

Im Rahmen der «Artemis»-Mission soll zudem auf dem Mond Atomkraft produziert werden. Die Design-Entwürfe dreier US-Firmen seien dafür ausgewählt worden, teilte die Nasa am Dienstag mit. Zum Ende des Jahrzehnts könnte die Technik auf dem Mond wohl erstmals getestet werden.


ILA richtet Blick auf militärische Luftfahrt und Klima

SCHÖNEFELD: Nach einer Corona-Pause 2020 beginnt an diesem Mittwoch in Schönefeld wieder die Luftfahrtmesse ILA. 550 Aussteller aus Luft- und Raumfahrt präsentieren am Flughafen BER ihre Neuheiten. Dabei geht es häufig um Lösungen, mit denen das Fliegen weniger dem Klima schadet. Wegen des russischen Krieges in der Ukraine steht daneben der militärische Teil der Messe im Blickpunkt. Zu sehen sein werden etwa künftige Kampfflugzeuge und Hubschrauber der Bundeswehr. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) will die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) am Mittag (12.30 Uhr) offiziell eröffnen.

Es ist die erste ILA seit der Inbetriebnahme des neuen Flughafens. Das Flugprogramm fällt deshalb kleiner aus als gewohnt. Zu Flugschauen werden Kampfflugzeuge und Militärhubschrauber abheben, außerdem die doppelstöckige Passagiermaschine A380 und der Airbus-Transporter Beluga. Die ILA findet alle zwei Jahre statt.


Südkorea schießt Satelliten mit eigener Rakete ins All

SEOUL: Südkorea hat eigenen Angaben zufolge erstmals erfolgreich Satelliten zur zivilen Nutzung mit einer selbst gebauten Trägerrakete in die Erdumlaufbahn befördert. Die dreistufige Weltraumrakete Nuri (KSLV-2) habe planmäßig am Dienstag vom Naro-Raumfahrtzentrum in Goheung im Süden des Landes abgehoben, teilte das Wissenschaftsministerium mit. Auf einer niedrigen Umlaufbahn habe ein 162,5 Kilogramm schwerer Satellit 40 Minuten später Kontakt mit einer Forschungsstation in der Antarktis aufgenommen.

Im vergangenen Oktober hatte Südkorea bereits eine KSLV-2 gestartet, jedoch erreichte der mitbeförderte Satellit nicht wie geplant den Orbit. Wissenschaftsminister Lee Jong Ho sprach daher diesmal von einem «denkwürdigen Moment» in der Geschichte der Wissenschafts- und Technologieentwicklung des Landes.

Im Rahmen seines ehrgeizigen Raumfahrtprogramms entwickelt Asiens viertgrößte Volkswirtschaft eigene Trägerraketen, um im Geschäft um die Beförderung von Satelliten mitmischen zu können. Mit der Nuri-Rakete wurden diesmal zudem eine 1,3 Tonnen schwere Satellitenattrappe und vier kleine, von Universitäten entwickelte Satelliten für Forschungszwecke auf eine Umlaufbahn gebracht.

Südkorea gilt als das siebte Land nach den USA, Russland, Frankreich, China, Japan und Indien, das erfolgreich eine Trägerrakete entwickelt hat, die einen Satelliten mit über eine Tonne Gesamtmasse in eine Umlaufbahn bringen kann. Die Entwicklung der Trägerrakete hat das Land nach Berichten südkoreanischer Medien seit 2010 fast zwei Billionen Won (etwa 1,5 Milliarden Euro) gekostet. Entwickelt wird die Rakete vom Koreanischen Raumfahrt-Forschungsinstitut (Kari). Bis 2027 sind vier weitere Starts geplant.

Im März hatte Südkorea nach eigenen Angaben eine Trägerrakete aus eigener Entwicklung für hauptsächlich militärische Zwecke erfolgreich getestet. Die Rakete soll künftig kleinere Militärsatelliten für die Erdbeobachtung aussetzen.


Airbus will Geschäft mit Großraum-Transportern ausbauen

BERLIN: Der Flugzeugbauer Airbus will das Geschäft mit Großraum-Transportern für das Militär und zivile Anwendungen ausbauen. «Mit dem Ausfall der Antonow-Flotte ist jetzt ein Vakuum in dem Bereich für Großraum-Transportflugzeuge entstanden. Wir wollen uns mit der Beluga in diesem Markt bewähren», sagte der Chef der Airbus-Rüstungssparte, Michael Schöllhorn, der Deutschen Presse-Agentur vor der am Mittwoch beginnenden Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin. Ein «persönliches Highlight» der Messe werde für ihn der Airbus-Transporter Beluga XL sein.

«Wir müssen unsere Satelliten unter bestimmten Bedingungen nach Kourou in Lateinamerika bringen. Das haben wir bisher häufig mit der Antonow gemacht. Im Moment fliegt die Antonow nicht mehr», sagte er mit Blick auf den ukrainischen Flugzeugbauer, der Ziel russischer Angriffe wurde. «Es geht auch um das Thema militärische Verlegbarkeit, wo sich auch die europäischen Streitkräfte mehr Gedanken machen, wie sie Gerät von A nach B bringen können. Und da spielt natürlich die Beluga durchaus auch eine Rolle in den Überlegungen.»

Schöllhorn ist auch Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Rund 550 Aussteller präsentieren in Schönefeld von Mittwoch bis Sonntag ihre Lösungen für die Zukunft des Fliegens und der Raumfahrt. Neben weniger Schadstoffausstoß im Luftverkehr steht wegen des Ukraine-Kriegs der militärische Teil besonders im Blickpunkt. Die Branche hat dabei die geplanten zusätzlichen Militärausgaben Deutschlands von 100 Milliarden Euro im Blick.


Chef der Airbus-Rüstungssparte: Müssen widerstandsfähiger werden

BERLIN: Der Chef der Airbus-Rüstungssparte, Michael Schöllhorn, hält verstärkte Anstrengungen für nötig, um die Industrie gegen globale Lieferengpässe zu wappnen. «Die Behinderung wird spürbar. Das war vor einigen Monaten noch anders. Noch vor der Ukraine-Krise war es so, dass die Chipkrise die Luftfahrt nur in einzelnen Bereichen traf, aber nicht so wie die Automobilindustrie», sagte Schöllhorn, der auch Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) ist, der Deutschen Presse-Agentur vor der am Mittwoch beginnenden Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA).

Mittlerweile treffe es auch die großen Zulieferer der Luftfahrtindustrie, die größere Elektronikbaugruppen bauten. «Das ist mittlerweile schon eine gewisse Mangelverwaltung. Wenn die Lieferkette an mehreren Stellen nicht funktioniert, kommt es schnell zu einem Welleneffekt, und die Arbeitsabläufe müssen neu organisiert werden nach dem Motto: Was kann ich denn jetzt als Nächstes bauen», sagte der Chef von Airbus Defence & Space.

Als Reaktion suche Airbus neue Lieferanten, indem beispielsweise andere Quellen für Titan erschlossen würden. «Da bin ich zuversichtlich. Bereits mit der Annexion der Krim im Jahr 2014 haben wir begonnen, eine gewisse Bestandshaltung aufzubauen. Kurz und mittelfristig sind wir so abgesichert. Schwieriger ist die Chipkrise. Aber auch da sind wir dran.»

Ziel sei es allgemein, gegen Störfaktoren widerstandsfähiger zu werden. «Das ist die Lehre sowohl aus Covid als auch aus der Ukraine-Krise», sagte Schöllhorn. «Es gibt durchaus weitere geopolitische Themen in der Welt, die Europa sehr genau im Auge behalten muss, beispielsweise die Situation um Taiwan. Insofern gibt es ja überall Bestrebungen, auch mehr wieder zu redomestizieren.» Auf die Frage, ob es einen Auftragsrückgang wegen des Ausfalls von Flugverbindungen in Folge der Pandemie und nun wegen Personalmangels bei den Fluggesellschaften gebe, sagte er: «Nein. Die Order-Bücher sind gut gefüllt.»

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