Neues aus der Film-, Musik- und Promiwelt am Samstag

Foto: Pixabay
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«Elektra» in Salzburg - Frenetischer Premierenjubel mit Maske

SALZBURG: Die Salzburger Jubiläumsfestspiele 2020 sind am Samstagabend mit einer frenetisch bejubelten Neuinszenierung von Richard Strauss' einaktiger Oper «Elektra» eröffnet worden. Das weltgrößte Musik- und Theaterfestival, das in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert, findet wegen der Corona-Pandemie unter strengen Hygienebestimmungen statt. Es ist eines der wenigen Musikfestivals in Europa, das nicht abgesagt wurde, und dauert bis Ende August.

Die 1909 in Dresden uraufgeführte Oper auf ein Libretto von Hugo von Hofmannsthal (nach Sophokles' Tragödie) gleicht einer musikalischen Gewalttour. Unterbrochen von nur wenigen Inseln der Innigkeit ergießt sich ein fast pausenloser, orgiastischer Klangstrom über das Publikum, mit dem der Komponist das antike Drama um die blutige Rache der Königstochter Elektra an ihrer Mutter Klytämnestra, die ihrerseits ihren Gemahl Agamemnon auf dem Gewissen hat, genial in Töne setzte. Die drei weiblichen Hauptrollen wurden von den Sopranistinnen Ausrine Stundyte (Elektra), Asmik Grigorian (Chrysosthemis) und Tanja Ariane Baumgartner (Klytämnestra) unterschiedslos auf höchstem Niveau interpretiert.

Dirigent Franz Welser-Möst am Pult der Wiener Philharmoniker mit der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor gelang es, die Klangmassen ebenso kontrolliert zu forcieren, wie er sie in entscheidenden Momenten zu bändigen verstand, um die enorm geforderten Sängerinnen nicht zuzudecken. Regisseur Krzysztof Warlikowski hatte das Stück im Milieu eines Mafiaclans angesiedelt, der über Generationen hinweg in Blutrache verstrickt ist.


Uraufführung von neuem Handke-Stück bei den Salzburger Festspielen

SALZBURG: Bei den Salzburger Festspielen kommt am Sonntag ein mit Spannung erwartetes neues Werk von Literaturnobelpreisträger Peter Handke heraus. In dem Stück «Zdenec Adamec - Eine Szene» geht es um einen jungen Tschechen, der sich im Jahre 2003 auf dem Prager Wenzelsplatz aus Protest gegen den «Kapitalismus» mit Benzin übergoss und selbst verbrannte. Die Selbstverbrennung erinnerte an eine ähnliche Tat nach dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes zur Niederschlagung des «Prager Frühlings» im Jahre 1969.

Die Uraufführung findet unter der Regie von Friederike Heller im Salzburger Landestheater statt. Protagonisten des handlungsarmen Stücks, in dem sieben Darsteller die Tat Adamecs sowie zeitaktuelle Themen reflektieren, sind unter anderem der aus vielen TV-Krimis bekannte Hanns Zischler, die SWR-«Tatort»-Kommissarin Eva Löbau sowie Sophie Semin, Ehefrau des österreichischen Autors.

Handke wurde mit seinen zuweilen bizarren Sprachkunstwerken weltberühmt und ist politisch umstritten. Der Schriftsteller hatte sich im Jugoslawien-Konflikt stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. Die Zuerkennung des Literaturnobelpreises an ihn löste teils scharfe Proteste aus.


Papst tauscht einen Privatsekretär aus: Italiener Salerno ernannt

ROM: Papst Franziskus hat den italienischen Priester und Vatikan-Diplomaten Fabio Salerno zu einem seiner Privatsekretäre berufen. Das teilte Vatikansprecher Matteo Bruni am Samstag in Rom mit. Der 41-Jährige löse den Ägypter Ioannis Lahzi Gaid ab, der seit 2014 als persönlicher Sekretär im Dienste des katholischen Kirchenoberhauptes gestanden hatte. Es handle sich um eine «normale Rotation», betonte Bruni. Der koptisch-katholische Priester Lahzi Gaid werde weiter im Höheren Komitee zur Brüderlichkeit arbeiten, das sich um den muslimisch-katholischen Dialog bemüht, erläuterte der Vatikan. Er gilt als «arabische Stimme» des Papstes.

Bereits im Januar hatte der Argentinier Franziskus (83) den 40-jährigen Gonzalo Aemilius, einen Priester aus Uruguay, zu seinem neuen ersten Privatsekretär gemacht. Aemilius werde Fabio Salerno nun in die neuen Aufgaben einführen, schrieb das kirchliche Nachrichtenportal Vatican News. Salerno, geboren 1979 in Catanzaro in der süditalienischen Region Kalabrien, war bisher im Staatssekretariat für die Beziehungen zu anderen Staaten tätig. Er hatte den Vatikan zuvor auch beim Europarat in Straßburg vertreten.

Die Aufgabe des päpstlichen Privatsekretärs ist nach Angaben von Vatican News kein offizielles Amt. Trotzdem gilt die Position als wichtig. Sekretäre würden meist als Mitarbeiter des Staatssekretariats geführt. In Deutschland bekannt ist besonders der Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt, Georg Gänswein (64). Die Aufgaben des deutschen Kurienerzbischofs Gänswein als Präfekt des Päpstlichen Hauses hatte Franziskus 2020 umverteilen lassen, wie der Vatikan im Februar mitgeteilt hatte.


Morricones Musik für Opfer des Unglücks von Genua uraufgeführt

GENUA: Im Opernhaus in Genua ist im Gedenken an die Toten des Brückeneinsturzes von 2018 eines der letzten Werke des italienischen Komponisten Ennio Morricone uraufgeführt worden. Morricone war am 6. Juli in Rom gestorben. Anlässlich der Einweihung des Brückenneubaus, die für Montag in der ligurischen Hafenstadt geplant ist, hatte der Filmkomponist das Stück geschaffen. Es soll an die 43 Toten und das Leid ihrer Familien erinnern. Die Uraufführung des Werks «Tante pietre a ricordare» (Viele Steine zum Erinnern) am Freitagabend im Theater Carlo Felice sei von viel Beifall begleitet gewesen, schrieb die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Der Sohn der Kino-Komponisten, der Musiker Andrea Morricone, dirigierte.

Im Saal saßen als Zuhörer auch Vertreter der Opferfamilien. Sie betonten, der der Komponist habe den Fokus auf das Gedenken an die Toten gelegt, statt in den Jubel über die neue Brücke einzustimmen. «Ich danke dem Maestro Morricone, dass er an unsere Lieben erinnert», sagte eine Betroffene im regionalen Fernsehen. Die Morandi-Brücke war am 14. August 2018 plötzlich eingestürzt. Autos und Lastwagen fielen in die Tiefe. 43 Menschen starben. Rund zwei Jahre später feiert die Stadt am Montag die Fertigstellung der Brücke San Giorgio. Sie wurde vom italienischen Stararchitekten Renzo Piano entworfen.

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