Neues aus dem Ausland am Sonntag

Neues aus dem Ausland am Sonntag

Acht Jahre altes Mädchen in Atlanta erschossen

ATLANTA: Eine Achtjährige ist in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia von Schüssen getötet worden. Das Mädchen habe sich zum Zeitpunkt des Vorfalls mit seiner Mutter und einem Freund in einem Auto befunden, berichteten örtliche Medien am Sonntag (Ortszeit) unter Berufung auf die Polizei. Der Freund habe am Samstagabend mit dem Auto auf einen Parkplatz fahren wollen, als sich eine Gruppe Bewaffneter dem Fahrzeug genähert und ihm den Zugang versperrt habe, hieß es weiter. Aus der Gruppe heraus seien mehrere Schüsse auf das Fahrzeug abgefeuert worden. Dabei sei das Kind tödlich verletzt worden. Das Mädchen starb später im Krankenhaus.

Der Ort des Geschehens befand sich den Angaben zufolge nahe dem Schnellrestaurant, wo der Schwarze Rayshard Brooks Mitte Juni bei einem Polizeieinsatz getötet worden war. Des Restaurant war in der Nacht nach der Tat in Flammen aufgegangen. Seitdem wird der Ort von Demonstranten besetzt.

Die Bürgermeisterin von Atlanta, Keisha Lance Bottoms, sagte bei einer Pressekonferenz am Sonntagabend, mindestens zwei Menschen hätten Schüsse auf das Auto abgefeuert. Sie bat Zeugen, bei der Aufklärung der Tat zu helfen.


Baum fällt auf Gebäude - mindestens 19 Verletzte in den USA

PASADENA: Bei dem Einsturz eines Gebäudes in Pasadena im US-Bundesstaat Maryland sind mindestens 19 Menschen verletzt worden, darunter auch zwei Kinder. Die Opfer seien am späten Sonntagnachmittag (Ortszeit) in nahe gelegene Krankenhäuser gebracht worden, teilte die örtliche Feuerwehr bei Twitter mit. Eines der Opfer befinde sich in kritischem Zustand, fünf weitere in ernstem Zustand, die übrigen hätten nur leichte Verletzungen.

Der Feuerwehr zufolge war ein großer Baum auf die Garage gefallen, in der sich zum Zeitpunkt des Unglücks mehr als 20 Menschen befunden hätten. Einige der Betroffenen hätten ausgesagt, sie hätten in dem frei stehenden Gebäude vor einem Unwetter Schutz gesucht, berichteten örtliche Medien.

Die Gegend um Pasadena an der Ostküste der USA wird derzeit von heftigen Gewittern und Regenfällen heimgesucht. Das schlechte Wetter soll Meteorologen zufolge noch bis Mitte der Woche andauern.


Drei Raketen auf Israel abgefeuert - Luftangriffe gegen Hamas

TEL AVIV: Drei Raketen sind am Sonntag in Richtung Israel abgefeuert worden. Zwei der Geschosse seien eingeschlagen, ein weiteres sei von einem israelischen Raketenabwehrsystem abgefangen worden, teilten Israels Streitkräfte bei Twitter mit. Darauf habe die israelische Luftwaffe am Abend die «Untergrund-Terror-Infrastruktur» der islamistischen Hamas im Gazastreifen angegriffen, hieß es. Über eventuelle Opfer gab es keine Angaben.

Israel, die USA und die EU stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Die 1987 gegründete und vom Iran unterstützte Gruppe bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan. Ihr militärischer Arm hat wiederholt Terroranschläge auf Israelis verübt.

Israel hatte jüngst mögliche Annexionsschritte angedeutet. Als Grundlage dafür nimmt das Land einen Plan der US-Regierung. Dieser sieht vor, dass Israel sich rund 30 Prozent des 1967 im Sechstagekrieg eroberten Westjordanlands einverleiben kann. Die restlichen 70 Prozent sollen Teil eines Palästinenserstaates werden, allerdings unter strengen Auflagen. Die Palästinenser lehnen den Plan entschieden ab. Schritte zu einer Annexion kann die israelische Regierung seit dem 1. Juli einleiten, bisher sah sie jedoch davon ab.


Welt-Aids-Konferenz startet

SAN FRANCISCO/OAKLAND: Tausende Experten und Interessierte wollen ab diesem Montag bei der Welt-Aids-Konferenz über Wege und Strategien im Kampf gegen die Epidemie diskutieren. Aus Sorge vor einer weiteren Verbreitung des Coronavirus findet die Konferenz in diesem Jahr erstmals im Internet statt. Bis zum 10. Juli gibt es online unter anderem Ansprachen, Diskussions- und Fragerunden. Auch die Coronavirus-Pandemie soll Thema sein.

Ursprünglich war das Treffen in den beiden kalifornischen Städten San Francisco und Oakland geplant gewesen. Die 1985 erstmals durchgeführte Konferenz gilt als das weltweit größte wissenschaftliche Treffen zum Thema Aids. 2018 waren zur bislang letzten Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam rund 15.000 Experten aus mehr als 160 Ländern angereist.


Mann vor Wahllokal in Dominikanischer Republik erschossen

SANTO DOMINGO: Am Tag der Präsidenten- und Parlamentswahl in der Dominikanischen Republik ist ein Mann vor einem Wahllokal erschossen worden. Vor einer Schule in Santo Domingo sei es zunächst zum Streit zwischen Anhängern verschiedener Parteien gekommen, teilte die Militärpolizei am Sonntag mit. Ein Mann habe daraufhin eine Waffe gezogen und auf sein Opfer gefeuert. Der Verdächtige war zunächst flüchtig.

Nach Medienberichten handelte es sich bei dem Opfer um ein Mitglied der Oppositionspartei PRM (Partido Revolucionario Moderno - Moderne Revolutionspartei). Bei der Präsidentenwahl galt PRM-Kandidat Luis Abinader als Favorit. Für die Regierungspartei PLD (Partido de la Liberación Dominicana - Partei der Dominikanischen Befreiung) trat der langjährige Kommunikationsminister Gonzalo Castillo an. Auch Ex-Präsident Leonel Fernández wagte noch einmal einen Anlauf. Im Mittelpunkt des Wahlkampfes stand die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise.


Iran hat am Golf angeblich unterirdische «Raketenstädte»

TEHERAN: Der Iran behauptet, am Persischen Golf unterirdische «Raketenstädte» errichtet zu haben. «Die Revolutionsgarden (IRGC) haben an den südlichen Küsten des Landes On- und Offshore-Raketenstädte», zitierten mehrere iranische Medien am Sonntag IRGC- Marinekommandeur Aliresa Tangsiri. Falls notwendig werden die IRGC-Truppen laut Tangsiri diese zur Schau stellen. Dies sollte die Feinde des Irans von militärischen Aggressionen abhalten, sonst erwarte sie ein Alptraum, so der Kommandeur laut Nachrichtenagentur Tasnim.

Immer wieder gibt es im Iran Berichte über neue militärische Errungenschaften, besonders im Zusammenhang mit den IRGC. Die meisten sind geheim und können daher nicht unabhängig verifiziert werden.


Überreste von 24 Widerstandskämpfern beigesetzt

ALGIER: Mehr als 170 Jahre nach ihrer Revolte gegen die französische Kolonialherrschaft sind in Algerien die Überreste von 24 Widerstandskämpfern beigesetzt worden. Sie hatten im Jahr 1849 gegen französische Truppen aufbegehrt, die Algerien im Jahr 1830 besetzt hatten. Die Überreste wurden am Sonntag bei den Feiern zur Unabhängigkeit in dem nordafrikanischen Land beigesetzt. Neben Algeriens Präsident Abdelmadjid Tebboune erschienen ranghohe Regierungsvertreter und Militärs auf dem Friedhof in der Hauptstadt Algier, wie die staatliche Nachrichtenagentur APS berichtete.

Französische Truppen hatten die Kämpfer enthauptet und die Schädel mit nach Frankreich genommen. Dort wurden sie im Naturkundemuseum in Paris aufbewahrt, bis Algerien schließlich die Rückführung forderte. Am Freitag waren die Überreste von Frankreich mit einem Militärflugzeug nach Algerien gebracht worden, wo viele Bürger den Kämpfern am Samstag die letzte Ehre erwiesen.

Die französische Kolonialherrschaft in Algerien endete in einem blutigen Konflikt mit Hunderttausenden Toten. Der Krieg dauerte mehr als sieben Jahre, am 5. Juli 1962 erhielt Algerien dann seine Unabhängigkeit. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron räumte 2018 erstmals ein, dass französische Kolonialbeamte in Algerien gefoltert hatten. Bei einem Besuch in Algerien als Präsidentschaftskandidat im Jahr 2017 hatte er die Kolonisierung als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» bezeichnet, was in seiner Heimat zu Protesten führte.


«Beachtliche Schäden» nach Brand in Atomanlage

TEHERAN: Der Brand eines Industrieschuppens in der Atomanlage Natans hat nach Angaben der iranischen Atomorganisation (AEOI) «beachtliche Schäden» angerichtet. «Bei dem Vorfall kam glücklicherweise niemand ums Leben, aber die finanziellen Schäden waren beachtlich», sagte AEOI-Sprecher Behrus Kamalwandi am Sonntag. In dem vor sieben Jahren gebauten Schuppen sollten in Zukunft neue Zentrifugen gebaut werden. Bei dem Brand wurden jedoch diverse Geräte beschädigt oder komplett zerstört, so der Sprecher zur staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.

Kamalwandi hatte nach dem Brand am Donnerstag noch von begrenzten Schäden gesprochen, die auch keine Auswirkungen auf die Arbeit in der Atomanlage selbst gehabt haben. Außerdem befand sich in dem Industrieschuppen laut AEOI kein nukleares Material. Weitere Details sowie die genaue Ursache des Vorfalls will die iranische Führung aus sicherheitstechnischen Erwägungen noch nicht bekanntgeben.

In der Atomanlage Natans in Zentraliran werden sowohl Uran angereichert als auch neue Zentrifugen gebaut und getestet. Daher gab es diverse Spekulationen darüber, was am Donnerstag wirklich in der Anlage vorgefallen war. Die Rede war entweder von einer ausländischen Cyberattacke auf die Anlage oder einer Explosion bei den Tests der neuen Zentrifugen.


UNHCR: Zwei Flüchtlinge in Ruanda von Sicherheitskräften erschossen

KIGALI: Zwei burundische Flüchtlinge sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks in Ruanda von Sicherheitskräften erschossen worden. Das UNHCR sei informiert worden, dass die zwei am Samstag die Grenze nach Tansania in der Nähe des Mahama-Flüchtlingslagers überqueren wollten, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk mit. Es sei ein «tragischer Vorfall» gewesen, sagte Elise Villechalane, eine UNHCR-Sprecherin, am Sonntag. Das UNHCR forderte die Behörden auf, Ermittlungen einzuleiten.

Der Polizei zufolge schossen Sicherheitskräfte, die auf Patrouille waren, auf eine Gruppe Schmuggler, während sie Drogen über einen Fluss transportierten. Dann habe sich herausgestellt, dass zwei der Erschossenen Flüchtlinge waren, twitterte die Polizei. Weitere Details wurden zunächst nicht genannt.

Mehr als 388.000 burundische Flüchtlinge sind dem UNHCR zufolge in Nachbarländern registriert, 72.000 davon in Ruanda. Die meisten Burunder sind im Zuge einer politischen Krise 2015 geflohen, die der damalige Präsident des ostafrikanischen Staates, Pierre Nkurunziza, auslöste, als er sich entgegen der Verfassung um eine neue Amtszeit bewarb. Nkurunziza starb jüngst und sein Nachfolger Evariste Ndayishimiye wurde im Amt vereidigt.


Rohbau für Einkaufszentrum bricht zusammen - Drei Arbeiter tot

SUJEWKA: In Russland sind bei einem Unglück auf einer Baustelle mindestens drei Arbeiter ums Leben gekommen.

Der noch nicht fertiggestellte Rohbau sei aus bislang ungeklärter Ursache zusammengebrochen, teilten die russischen Behörden am Sonntag mit. Die Sucharbeiten in der Kleinstadt Sujewka dauerten noch an. Es sollen demnach auch weitere Schwerverletzte geben. Sujewka liegt rund 1000 Kilometer östlich von Moskau. Das staatliche Ermittlungskomitee geht davon aus, dass die Sicherheitsvorschriften bei den Bauarbeiten nicht eingehalten wurden. Auf Bildern war zu sehen, wie Menschen unter schweren Balken für das einstöckige Gebäude begraben wurden.


Kramp-Karrenbauer besorgt über Rechtsextremismus-Fälle in KSK

BERLIN: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich nach einer Serie rechtsextremistischer Vorfälle im Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr besorgt gezeigt. Kramp-Karrenbauer sagte am Sonntag bei der Aufzeichnung des ARD-Sommerinterviews im «Bericht aus Berlin», dies sei eine Frage, die nicht nur das KSK betreffe, sondern die gesamte Bundeswehr - darüber hinaus auch andere Sicherheitskräfte. Am Ende des Tages stehe dies auch für die Glaubwürdigkeit des Staates.

Kramp-Karrenbauer sagte: «Wenn diejenigen, die für eine wehrhafte Demokratie stehen, wenn diejenigen, die einen Amtseid oder ein Gelöbnis ablegen für die Verfassung, die bereit sind im Zweifel, und das gilt insbesondere für das KSK, Leib und Leben zu riskieren, wenn diejenigen in ihren eigenen Reihen Fälle haben, Männer und Frauen haben, die gegen diese Verfassung kämpfen, die erkennbar rechtsextremistisch sind, dann gefährdet das die Stabilität der gesamten Demokratie.»

Deswegen nehme sie die Aufgabe mit aller Kraft an und werde sie mit aller Konsequenz durchsetzen, sagte die CDU-Politikerin mit Blick auf Reformen beim KSK. Die Verteidigungsministerin hatte angekündigt, das Kommando Spezialkräfte grundlegend umzustrukturieren, eine ganze Kompanie soll aufgelöst werden. Bis zum 31. Oktober soll die Elitetruppe Zeit bekommen, sich zu bewähren. Gelingt das nicht, droht die komplette Auflösung.


Mindestens sieben Tote und vier Verletzte bei Fabrikbrand

NEU DELHI: Bei einem Brand in einer Fabrik in Nordindien sind am Sonntag mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen.

Vier weitere Menschen zogen sich bei dem Vorfall im Bezirk Ghaziabad Verbrennungen zu, teilte ein Polizeivertreter am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Fabrik sei völlig ausgebrannt. Man sei nun dabei, die Opfer zu identifizieren. Das Feuer brach Berichten zufolge in einer Fabrik aus, die Kerzen und Wunderkerzen herstellt. Bei den Todesopfern soll es sich demnach um Arbeiter gehandelt haben. Unfälle und Brände sind in indischen Fabriken, in denen Sicherheitsstandards oft missachtet werden, keine Seltenheit.


L'Oreal-Chef: Schnelle Belebung bei Kosmetik

BERLIN: Der französische Kosmetikkonzern L'Oreal rechnet in seinem Stammgeschäft mit einer schnellen Erholung von den Corona-Belastungen. «Wir haben keine Nachfragekrise, sondern eine Versorgungskrise», sagte Konzernchef Jean-Paul Agon im Gespräch der «Welt am Sonntag». «Seit es Lockerungen gibt und Geschäfte wieder öffnen dürfen, legen die Verkäufe deutlich zu, allen voran in China», sagte der Manager dem Blatt. «Ich bin daher zuversichtlich für das zweite Halbjahr - immer vorausgesetzt, die Pandemie kehrt nicht nochmal mit Wucht zurück.» Kosmetik sei ein kleines Stück Alltagsluxus, das sich die Menschen leisten wollten.

Auch der weltgrößte Kosmetikhersteller war hart von der Krise getroffen worden. «Es ist klar, dass in der schwierigsten Zeit, ich würde sagen im April und Mai, viele Geschäfte geschlossen waren. Das hat sich natürlich auf unser Geschäft ausgewirkt», sagte Agon. Details nannte er nicht, die Zahlen zum zweiten Quartal legen die Franzosen am 30. Juli vor. In den ersten drei Jahresmonaten hatte der Konzern bereits einen Umsatzrückgang verzeichnet.


Dominikanische Republik wählt Präsidenten

SANTO DOMINGO: Mitten in der Corona-Krise haben die Menschen in der Dominikanischen Republik einen neuen Präsidenten sowie alle Abgeordneten der beiden Parlamentskammern gewählt. Favorit im Rennen um das höchste Staatsamt war am Sonntag Luis Abinader von der Oppositionspartei PRM (Partido Revolucionario Moderno - Moderne Revolutionspartei). Der Geschäftsmann verspricht einen Wandel hin zu Modernisierung und Transparenz. Der 52-Jährige hatte sich zuletzt eigenen Angaben zufolge mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, war aber offenbar nicht schwer erkrankt.

Für die Regierungspartei PLD (Partido de la Liberación Dominicana - Partei der Dominikanischen Befreiung) tritt der langjährige Kommunikationsminister Gonzalo Castillo an. Auch Ex-Präsident Leonel Fernández wagt noch einmal einen Anlauf. Im Mittelpunkt des Wahlkampfes stand die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise.


EU-Kommissar bringt Abgabe auf Plastik und Digitalsteuer ins Spiel

BRÜSSEL: Das geplante EU-Wiederaufbauprogramm könnte laut EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn unter anderem mit einer Abgabe auf nicht wiederverwertbares Plastik finanziert werden. Der konservative Politiker aus Österreich sagte der Funke-Mediengruppe (Online, Print: Montag), dass die Kommission eine Finanzierung durch Einnahmequellen vorschlage, die den einzelnen Bürger nicht belasten. Hahn nannte als Beispiele zudem eine bereits vielfach diskutierte Digitalsteuer für große Internetkonzerne und eine Abgabe auf Unternehmen, die vom Binnenmarkt besonders profitieren.

«Und wenn die EU der heimischen Industrie für den Klimaschutz strengere Produktionsstandards vorschreibt, dann ist es nur fair, einen Ausgleichsmechanismus zu haben: Wer außerhalb der EU ohne diese Standards billiger produziert, sollte dann beim Import in die EU eine Abgabe zahlen», erklärte Hahn. Er erwarte, dass die Staats- und Regierungschef beim nächsten Gipfel die Kommission mit einer Erarbeitung neuer Eigenmittelquellen beauftragen werden. Die Alternative wären höhere Beiträge der Mitgliedsstaaten.

Beim nächsten Gipfel der Staats- und Regierungschefs Mitte Juli soll ein 750 Milliarden Euro schweres Wiederaufbauprogramm zusammen mit dem Finanzrahmen bis 2027 beschlossen werden. Das Programm soll die Wirtschaft in der EU nach den Belastungen durch die Corona-Pandemie stützen. 500 Milliarden Euro sollen als Zuschüsse und 250 Milliarden Euro als Kredite an die EU-Staaten vergeben werden.


Athen bringt immer mehr Migranten aufs Festland

ATHEN: Die Lage in den überfüllten Registrierlagern auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis verbessert sich etwas: Athen habe seit Jahresbeginn 17.000 Migranten zum Festland gebracht, teilte am Sonntag das Migrationsministerium in Athen mit. Zurzeit harren in den Lagern auf Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos etwa 33.000 Menschen aus. Noch im März lebten mehr als 42.000 Migranten in den Camps und dem Umland.

Anfang des Jahres hatte Athen zudem ein beschleunigtes Asylverfahren eingeführt. In der Folge sei die Anzahl der unerledigten Asylanträge von 140.000 im Januar auf 100.000 Anfang Juli gefallen, teilte das Migrationsministerium mit.

Die konservative Regierung hatte in den vergangenen Monaten Hunderte neue Grenzpolizisten eingestellt. Zudem baut sie einen Zaun entlang der Grenze zur Türkei aus. In den Meerengen zwischen den griechischen Inseln und der türkischen Ägäisküste wird scharf kontrolliert. Menschenrechtler kritisieren dies als «Pushback» (Zurückweisung). Athen reagiert darauf mit der Erklärung, die Regierung sei von der Verfassung verpflichtet, die Grenzen zu Land und im Meer, die auch EU-Grenzen sind, zu überwachen.


Ein Toter bei Höhlendrama nach Wassereinbruch

PESCARA: Bei einem plötzlichen Wassereinbruch in eine Höhe in der italienischen Region Abruzzen sind drei Männer eingeschlossen worden, einer kam dabei ums Leben. Die Helfer konnten zwei Männer in einer bis in die Nacht laufenden Rettungsaktion lebend bergen. Der Dritte wurde später tot gefunden, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag berichtete. Die Feuerwehr und andere Retter waren am Samstag zu der Risorgiva-Höhle in Roccamorice in der Provinz Pescara gerufen worden. Starker Regen war vermutlich der Grund, dass Teile der Grotte schnell vollliefen. Die drei italienischen Höhlenforscher aus einem privaten Club wurden den Berichten nach rund 70 Meter vom Eingang eingeschlossen und saßen fest. Die Feuerwehr musste Wasser abpumpen.

Die zwei Geretteten seien in ein Krankenhaus gekommen, aber es gehe ihnen körperlich gut. Andere Mitglieder des Teams, die draußen waren, hatten den Alarm ausgelöst.


Polizei: Insgesamt 166 Tote bei Protesten in Äthiopien

ADDIS ABEBA: Bei blutigen Protesten in Äthiopien sind Behörden zufolge insgesamt mindestens 166 Menschen getötet worden. Seit Beginn der Demonstrationen am Dienstag nach dem Tod des prominenten Sängers Hachalu Hundessa seien in der Region Oromia mindestens 156 Menschen getötet worden, darunter elf Polizisten, sagte Girma Gelan, der stellvertretende Polizeichef für Oromia, am Samstagabend im staatlichen Fernsehen. Zudem kamen nach vorherigen Behördenangaben zehn Menschen in Addis Abeba ums Leben, darunter zwei Polizisten. In der Hauptstadt hatte sich die Lage bis zum Sonntag wieder entspannt, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Hachalu, der für seine politischen Lieder bekannt ist und von vielen Oromos als Verfechter der Bevölkerungsgruppe angesehen wird, wurde am Montag erschossen. Daraufhin gab es Proteste in Addis Abeba und Oromia und Zusammenstöße mit Sicherheitskräften. Auch wurden etliche Menschen festgenommen und das Internet abgeschaltet.

Die Oromos - die größte ethnische Gruppe in Äthiopien - fühlen sich seit Jahren marginalisiert. Der seit 2018 amtierende Regierungschef Abiy Ahmed gilt zwar als Reformer und viele hofften, dass er auch die ethnischen Konflikte in dem Vielvölkerstaat befrieden kann. Allerdings haben diese während seiner Amtszeit zugenommen.


Heuschrecken breiten sich trotz Bekämpfung weiter in Ostafrika aus

NAIROBI: Trotz Bekämpfung breitet sich eine Welle der Heuschrecken-Plage weiter in Ostafrika aus. In Teilen der Region gebe es Berichte von Schwärmen von Wüstenheuschrecken, teilte das ostafrikanische Klimainstitut ICPAC mit. Zudem seien im Norden Kenias, im Osten Äthiopiens und in Teilen Somalias neue Insekten geschlüpft. Das Zentrum warnte vor der Gefahr für die Lebensmittelsicherheit: Bereits in Äthiopien und Somalia seien Ernten zerstört worden. «Da die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass die Schwärme migrieren werden, ist das Risiko sehr hoch, dass Ernten und Weideland stark beeinträchtig werden», hieß es.

Seit Monaten fallen Millionen von Wüstenheuschrecken über Teile Ostafrikas, Asiens und des Nahen Ostens her und zerstören Äcker und Weiden. Die Insekten bewegen sich in jungen Jahren auf dem Boden, als Erwachsene können sie fliegen und mit günstigem Wind mehr als 130 Kilometer am Tag zurücklegen. Ein Schwarm von etwa einem Quadratkilometer kann an einem Tag so viel fressen wie 35.000 Menschen. Die betroffenen Länder in Ostafrika bekämpfen die Heuschrecken mit Insektiziden, doch der viele Regen der vergangenen Monate lässt die Heuschrecken gedeihen. Viele Menschen dort haben wegen früherer Dürren, schwelender Konflikte und Überschwemmungen nicht genug zu essen. Die Coronakrise hat die Lage verschärft.


Zwei Tote nach Schüssen in Nachtclub in South Carolina

WASHINGTON: Nach Schüssen in einem Nachtclub im US-Bundesstaat South Carolina sind Medienberichten zufolge mindestens zwei Menschen getötet und acht weitere verletzt worden - einige von ihnen schwer. Es habe im Zusammenhang mit dem Vorfall in der Stadt Greenville am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) bislang noch keine Festnahmen gegeben, wie der Nachrichtensender CNN und die Zeitung «New York Times» unter Berufung auf die Polizei berichteten. Zu Hergang und Auslöser der Tat gab es demnach zunächst keine weiteren Informationen.

In den USA sterben im Durchschnitt jeden Tag Dutzende Menschen in Folge von Schusswaffengewalt. Am Sonntag sorgte auch ein Fall aus Washington für Entsetzen. Im Südosten der Hauptstadt wurde am späten Samstagabend (Ortszeit) ein Elfjähriger erschossen. Für Hinweise zur Aufklärung des Verbrechens lobte die Polizei eine Belohnung von bis zu 25.000 US-Dollar (22.000 Euro) aus.


Polens Präsident Duda will Homo-Adoption per Verfassung verbieten

WARSCHAU: Eine Woche vor der Stichwahl um die Präsidentschaft in Polen hat sich der Amtsinhaber Andrzej Duda gegen mehr Rechte für homosexuelle Paare ausgesprochen. Der nationalkonservative Politiker kündigte an, am Montag eine Verfassungsänderung im Sejm einzubringen, um Menschen in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung ausdrücklich von der Adoption von Kindern auszuschließen.

Daraufhin sprach sich auch Dudas liberaler Gegenkandidat Rafal Trzaskowski gegen eine solche Form der Adoption aus, wie die Agentur PAP berichtete. Zugleich kritisierte der Bürgermeister Warschaus, dass sich Duda «Stellvertreterthemen» zuwende.

Der Abgeordnete und LGBT-Aktivist Krzysztof Smiszek merkte an, dass Duda für seine Initiative nicht über die nötige verfassungsändernde Mehrheit im Parlament verfüge. Die Ankündigung sei nur ein weiteres Beispiel für die Instrumentalisierung primitiver Ängste vor Homosexuellen, um Wähler zu mobilisieren, sagte der 40-Jährige. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Präsidentenamt voraus. Eine neue Befragung im Auftrag des konservativen Nachrichtenmagazins «Do Rzeczy» sieht Duda bei 50,9 Prozent, äußerst knapp gefolgt von Trzaskowski bei 49,1 Prozent.


Mann ertrinkt bei Junggesellenabschied in der Donau

OBERMARCHTAL: Bei einem Junggesellenabschied auf der Donau ist ein 30 Jahre alter Mann in Baden-Württemberg ertrunken. Zehn Männer und Frauen hatten sich am Samstagvormittag in Obermarchtal zu einer Tour mit Booten aufgemacht, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Die Gruppe machte an verschiedenen Stationen Zwischenstopps und trank «nicht unerhebliche Mengen Alkohol», wie es hieß.

Ersten Ermittlungen zufolge suchte der 30-Jährige am späten Nachmittag seine Sonnenbrille im Wasser, die er dort zum wiederholten Mal verloren haben soll. Ohne Schwimmweste stand er laut Polizei zunächst im niedrigen Wasser und war dann plötzlich weg. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei suchten nach Angaben eines Polizeisprechers mit 118 Kräften nach ihm. Die Suche mit Boot, Hubschrauber und Drohne blieb zunächst erfolglos. Taucher fanden den Mann schließlich tot im Wasser.


«Volksverrat»: Irans Hardliner wollen Präsident Ruhani einbestellen

TEHERAN: Wegen «Volksverrats» wollen die Hardliner im iranischen Parlament Präsident Hassan Ruhani einbestellen. «Ruhani sowie sein Außenminister (Mohammed Dschawad) Sarif haben Volksverrat begangen und müssen dafür zur Verantwortung gezogen werden», sagte der Abgeordnete Mohammed-Taghi Nagh-Ali am Sonntag im Parlament. Ihre Politik habe zu der derzeitigen Wirtschaftskrise geführt, die für Menschen kaum noch zumutbar sei. «Die rhetorischen Ausreden Ruhanis sind nicht mehr akzeptabel, ihm zuzuhören ist zwecklos, lasst uns ihn daher einbestellen», sagte der Abgeordnete laut Nachrichtenagentur ILNA.

Schon nach ihrem Sieg bei der Parlamentswahl Ende Februar war voraussehbar, dass das Ziel der Hardliner und Erzkonservativen der Sturz Ruhanis und der Reformer sein wird. Ihrer Meinung nach hat Ruhani mit seiner pro-westlichen Politik und insbesondere dem Wiener Atomabkommen von 2015 die Islamische Republik von ihren ideologischen Zielen entfernt. Außerdem habe diese Politik nichts gebracht und das einst ölreiche Land in eine seiner schlimmsten Wirtschaftskrisen geführt.

Ruhani weist diese Kritik vehement zurück und wirft seinerseits den Hardlinern im Parlament vor, nationale Interessen für innenpolitische Machtkämpfe zu opfern. Nicht das Atomabkommen, sondern der Ausstieg des US-Präsidenten Donald Trump aus dem Deal und die von Washington verhängten Sanktionen hätten zu der Wirtschaftskrise geführt. Hinzu komme die Corona-Krise, die nicht nur die Wirtschaft im Iran, sondern die in der ganzen Welt geschwächt habe, so der Präsident. Ruhanis zweite Amtsperiode endet im Mai nächstens Jahres.


Polizisten wegen Selfie mit nachgestelltem Würgegriff gefeuert

AURORA: Wegen eines Selfies mit einem nachgestellten Würgegriff sind mehrere weiße Polizisten im US-Bundesstaat Colorado gefeuert worden. Drei Beamte hatten nach Angaben der Polizei in der Stadt Aurora ein Foto am Ort der Festnahme des Schwarzen Elijah McClain aufgenommen, der infolge des Polizeieinsatzes im vergangenen Jahr starb. Auf dem Bild hat einer der Beamten seinem Kollegen den Arm um den Hals gelegt, wie um ihn zu würgen. Eine Polizistin steht neben den beiden Männern und lacht in die Kamera. Das Foto schickten sie nach Angaben der Polizei einem Kollegen, der sich darüber lustig machte. Auch er sei gefeuert worden. Einer der drei Beamten auf dem Selfie trat vor seiner Entlassung zurück.

«Wir sind beschämt, wir sind angeekelt und wir sind wütend», sagte die kommissarische Polizeichefin Vanessa Wilson am Freitag bei einer Pressekonferenz. Die Beamten hätten vielleicht keine kriminelle Handlung begangen, sich aber eines «Verbrechens gegen die Menschlichkeit und des Anstandes» schuldig gemacht, sagte Wilson. «Überhaupt daran zu denken, so etwas zu tun, ist unbegreiflich.»

Einer der gefeuerten Polizisten ist US-Medienberichten zufolge bei der Festnahme McClains vergangenes Jahr im August dabei gewesen. Ein Passant hatte die Polizei auf den 23-Jährigen aufmerksam gemacht, weil sich dieser «verdächtig» verhalten und eine Skimaske getragen habe. Nach Darstellung der Polizei wehrte sich McClain gegen seine Festnahme. Die Beamten wendeten einen Würgegriff an. Hinzugerufene Sanitäter verabreichten McClain ein Beruhigungsmittel. Der Mann erlitt auf dem Weg ins Krankenhaus einen Herzstillstand und starb wenige Tage später.


Zahl der Toten nach Explosionen in türkischer Fabrik steigt auf sechs

ISTANBUL: Nach Explosionen in einer Fabrik für Feuerwerkskörper in der Türkei ist die Zahl der Todesopfer auf sechs gestiegen. Nach einer vermissten Person werde noch gesucht, sagte der Gouverneur der westtürkischen Provinz Sakarya, Cetin Oktay Kaldirim, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag.

Am Freitag hatte es mehrere Explosionen und Brände in der Fabrik gegeben. Rund 100 Menschen wurden verletzt. Zwischenzeitlich waren Arbeiter in dem Gebäude eingeschlossen gewesen.

Nach offiziellen Angaben waren 110 Tonnen explosive Stoffe in dem Gebäude gelagert. Die Ursache des Vorfalls ist noch unklar. Am Samstag waren drei Mitarbeiter der Fabrik festgenommen worden, darunter der Direktor.

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