Neues aus dem Ausland am Sonntag

Neues aus dem Ausland am Sonntag

Gouverneur im Jemen überlebt offenbar Attentat - fünf Tote

SANAA: Im Bürgerkriegsland Jemen haben der Gouverneur der südlichen Provinz Aden sowie Landwirtschaftsminister Salim al-Sokotri offenbar ein Attentat auf ihren Auto-Konvoi überlebt. Dabei wurden in Aden am Sonntag fünf Menschen getötet, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Unter den Todesopfern war demnach der Leibwächter von Gouverneur Ahmed Lamlas. Sieben weitere Menschen seien verletzt worden. Zunächst bekannte sich niemand zu der Attacke.

Aden dient als vorübergehende Hauptstadt des Bürgerkriegslandes, seit die Huthi-Rebellen den Norden einschließlich der Hauptstadt Sanaa überrannten. In der strategisch wichtigen Stadt schwelt zugleich der Konflikt zwischen der jemenitischen Regierung und dem sogenannten Südlichen Übergangsrat (STC). Die Separatisten vom STC haben mehrfach gedroht, sich vom Nordjemen abzuspalten, und hatten dort auch vorübergehend die Selbstverwaltung ausgerufen. Saudi-Arabien hat zwischen den beiden Lagern vermittelt in der Hoffnung, sie im Kampf gegen die aufständischen Huthis zu einen.


Tausende protestieren gegen Urteil des Verfassungsgerichts

WARSCHAU: In Polen haben landesweit Tausende von Menschen gegen ein umstrittenes Urteil des Verfassungsgerichts und für den Verbleib ihres Landes in der EU demonstriert. In Warschau versammelten sich die Demonstranten auf dem Schlossplatz. Sie schwenkten polnische und Europa-Flaggen und riefen: «Wir bleiben» und «Wir sind Europa!». Auch in Danzig, Posen, Stettin, Krakau und vielen weiteren Städten gab es Proteste.

Das Verfassungsgericht des Landes hatte kürzlich geurteilt, dass bestimmte Elemente des EU-Rechts gegen die polnische Verfassung verstoßen. Damit gab es nationalem Recht den Vorrang vor EU-Recht. Diese Entscheidung heizt den Konflikt zwischen der EU-Kommission und Warschau um die Reform des polnischen Justizsystems weiter an.

Zu den Protesten aufgerufen hatte der ehemalige EU-Ratspräsident und polnische Oppositionsführer Donald Tusk. Bei seinem Auftritt vor den Demonstranten in Warschau sagte er, die nationalkonservative Regierungspartei PiS rede schon nicht mehr drumherum, dass sie das Land aus der EU führen wolle. «Der Platz Polens ist in Europa», so Tusk. «Wir werden gewinnen, denn wir sind mehr!» Sowohl Tusk als auch andere Redner wurden immer wieder durch laute Zwischenrufe und Sprechchöre aus einer Gegendemonstration rechtsnationaler Gruppierungen unterbrochen.

Die PiS-Regierung baut das Justizwesen seit Jahren um. Kritiker werfen ihr vor, Richter unter Druck zu setzen. Die EU-Kommission hat wegen der Reformen bereits mehrere Vertragsverletzungsverfahren gegen Warschau eröffnet und Klagen beim EuGH eingereicht.


Festnahmen bei Gedenken für Terroropfer in türkischer Hauptstadt

ISTANBUL: Die türkische Polizei ist gegen Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung für die Opfer eines schweren Terroranschlags von vor sechs Jahren in Ankara vorgegangen. Dabei sei auch Tränengas eingesetzt worden, berichtete die Zeitung «Cumhuriyet» am Sonntag. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurden zwischenzeitlich 22 Menschen festgenommen.

Die Behörden erlaubten nach Angaben des Online-Mediums bianet lediglich den Familien der Opfern und einigen Vertretern der Zivilgesellschaft, sich zum Gedenken vor dem Bahnhof - dem damaligen Ort des Attentats - zu versammeln. Sie hielten schwarze Luftballons hoch und legten rote Nelken nieder.

Vor dem Bahnhof der Hauptstadt hatten sich am 10. Oktober 2015 zwei Selbstmordattentäter inmitten einer Friedenskundgebung in die Luft gesprengt und mehr als 100 Menschen mit in den Tod gerissen. Es war einer der schwersten Terroranschläge der jüngeren Geschichte in der Türkei. Die türkische Regierung macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für das Attentat verantwortlich, die sich jedoch nicht dazu bekannt hatte.


Frankreich will Migrationsabkommen zwischen der EU und Großbritannien

PARIS: Der französische Innenminister Gérald Darmanin hat ein Migrationsabkommen zwischen der EU und Großbritannien gefordert. Damit soll auch der Flüchtlingsstreit zwischen Paris und London beigelegt werden. Man sei für einen europäischen Vertrag, der die Probleme der Asylanträge, der Abschiebungen und der Familienzusammenführung löse, erklärte Darmanin am Sonntag. Das Projekt werde auf den Fahrplan der französischen EU-Ratspräsidentschaft kommen, die ab 1. Januar beginnt.

Die Zahl der Menschen, die in diesem Jahr die englische Küste erreichten, lag laut BBC bereits bei über 13.000, im ganzen vergangenen Jahr 2020 wurden nach Angaben des britischen Innenministeriums 8417 Menschen gezählt.

Wie die französische Nachrichtenagentur AFP auf Twitter weiter mitteilte, forderte der französische Minister London zudem auf, die im Juli vereinbarten 62,7 Millionen Euro zur Grenzsicherung bereitzustellen. Vor wenigen Wochen deutete die britische Innenministerin Priti Patel an, dass die Mittel auch zurückgehalten werden könnten, falls Frankreich die Schmugglerboote nicht entschlossener am Ablegen hindere.

Darmanin hatte am Samstag die an der französischen Küste liegenden Orte Loon-Plage und Marck besucht, wo täglich Migranten versuchen, den Ärmelkanal zu überqueren, um nach England zu gelangen.


Tschechiens Präsident Zeman wieder im Krankenhaus

PRAG: Der tschechische Präsident Milos Zeman ist kurz nach der Parlamentswahl in Tschechien ins Krankenhaus eingeliefert worden. Das berichtete die Agentur CTK am Sonntag unter Berufung auf eine Sprecherin des Zentralen Militärkrankenhauses in Prag. Zuvor hatte der 77-Jährige den populistischen Regierungschef Andrej Babis zu einem 45-minütigen Gespräch in seiner Residenz auf Schloss Lany bei Prag empfangen.

Zeman werde auf der Intensivstation behandelt, sagte der Direktor des Zentralen Militärkrankenhauses, Miroslav Zavoral, am Nachmittag dem Sender CT. Grund seien Komplikationen, die mit Zemans chronischen Erkrankungen zusammenhingen. «Wir kennen die Diagnose, sodass wir die Behandlung gezielt darauf ausrichten können», sagte der Mediziner.

Bei der Parlamentswahl am Freitag und Samstag erzielte die liberal-konservative Opposition eine deutliche Mehrheit von 108 der 200 Sitze im Abgeordnetenhaus. Der Präsident spielt eine entscheidende Rolle nach der Wahl, weil er den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. Sollte das Staatsoberhaupt unpässlich sein, geht diese Aufgabe auf den Präsidenten des Abgeordnetenhauses über.

Zeman war erst im September nach einem achttägigen Krankenhausaufenthalt aus einer Klinik entlassen worden. Er steht seit 2013 an der Spitze seines Landes. Zuvor war er von 1998 bis 2002 tschechischer Ministerpräsident. Er leidet nach früheren Angaben an Diabetes und ist wegen einer Nervenerkrankung auf einen Rollstuhl angewiesen. Er ist der erste tschechische Präsident, der nach einer Verfassungsänderung zweimal direkt vom Volk gewählt wurde.


Merkel: Israels Sicherheit «zentraler Punkt» für künftige Regierung

JERUSALEM: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Sicherheit Israels als «zentralen Punkt» für jede künftige deutsche Regierung eingestuft. Dies gelte auch für die Gefahr einer nuklearen Aufrüstung des Irans. Man müsse iranische Drohungen gegen die Existenz Israels «sehr, sehr ernst nehmen», sagte Merkel am Sonntag bei einer Pressekonferenz mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett in Jerusalem. «Die Sicherheit Israels ist Teil unserer Staatsräson», bekräftigte Merkel. Dies gelte auch, wenn man in einigen Fragen unterschiedlicher Meinung sei.

Die heutigen Beziehungen Israels mit Deutschland seien vor dem Hintergrund des Holocaust «ein Glücksfall». Dies sei «ein Schatz, der immer wieder geschützt werden muss». Sie versprach, man werde weiterhin entschieden Antisemitismus bekämpfen. «Das wird nur gelingen, wenn wir die Verantwortung für die Geschichte wach halten, auch wenn es keine Zeitzeugen mehr geben wird.»

Merkel wollte bei ihrem Abschiedsbesuch in Israel auch Gespräche mit Präsident Izchak Herzog und Außenminister Jair Lapid führen - das erste Mal seit Amtsantritt von Präsident und Regierung in Jerusalem im Sommer.

Am Nachmittag wollte Merkel in Anwesenheit von Bennett einen Kranz in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem niederlegen. Bei einer Zeremonie in Jerusalem soll Merkel die Ehrendoktorwürde der Technion-Hochschule aus Haifa verliehen werden. Merkel erhalte die Auszeichnung «für ihre Unterstützung Israels, ihren beharrlichen Kampf gegen Antisemitismus und ihre starke Unterstützung von Wissenschaft und Bildung», hieß es in der Begründung.


Mehr als 30 Menschen an gepanschtem Alkohol gestorben

ORENBURG: Nach der Massenvergiftung von Menschen mit gepanschtem Alkohol im Süden Russlands ist die Zahl der Todesopfer auf über 30 gestiegen. Die ersten Todesfälle waren am 7. Oktober bekannt geworden, inzwischen gebe es 32 Tote, teilte die Regionalregierung des betroffenen Gebiets Orenburg am Sonntag mit. Die Zahl der Patienten in den Krankenhäusern sei auf 64 gestiegen. Einige waren nach Behördenangaben an Herz-Lungen-Maschinen angeschlossen. Bisher seien neun Menschen festgenommen worden - wegen unerlaubter Herstellung und illegalen Handels mit verbotenem Alkohol.

Orenburg liegt rund 1200 Kilometer südöstlich der russischen Hauptstadt Moskau an der Grenze zu der zentralasiatischen Republik Kasachstan. Seit Tagen werden immer höhere Opferzahlen gemeldet. Am Freitag war zunächst von 17 Toten die Rede gewesen. Gestorben seien nun weitere Menschen mit besonders schweren Vergiftungserscheinungen und Patienten im Koma, hieß es. Das nationale Ermittlungskomitee in Moskau hat die Untersuchungen übernommen.

Die mutmaßlichen Täter sollen die Getränke vor allem in der Großstadt Orsk in der Region Orenburg, aber auch in anderen Orten verkauft haben. Wodka und anderer Alkohol dürfen in Russland nur mit offiziellen Kennnummern verkauft werden. Trotzdem kommt es immer wieder zu schweren Alkoholvergiftungen besonders in der Provinz, weil dort Getränke bisweilen aus billigem, aber lebensgefährlichem Industriealkohol hergestellt werden.


Australische Polizei ermittelt nach Fund 14 toter Kängurus

SYDNEY: Nach dem Fund von 14 toten Kängurus im australischen Bundesstaat New South Wales ermittelt die Polizei. Ersten Untersuchungen zufolge könnten die Tiere vorsätzlich getötet worden sein, wie die Beamten mitteilten. Sie hatten wegen eines mutmaßlichen Akts der Grausamkeit gegenüber Tieren Ermittlungen eingeleitet.

Zunächst hätten Polizisten am Samstag in der Gegend von Long Beach etwa 270 Kilometer südlich von Sydney fünf tote erwachsene Kängurus und ein totes Junges gefunden. Später seien in der nahe gelegenen Gegend von Maloneys Beach sieben weitere tote Tiere sowie ein totes Kängurujunges entdeckt worden, hieß es. Die Beamten befragten demnach Zeugen und werteten Aufnahmen von Überwachungskameras in der Gegend aus. In Australien stehen einheimische Tiere - also solche, die dort auch vor der Besiedlung des Menschen schon vorkamen - unter besonderem Schutz.


Nach Waldbränden: Schwere Überschwemmungen auf der Insel Euböa

ATHEN: Auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa haben starke Regenfälle in der Nacht zum Sonntag große Schäden angerichtet. Vor allem der Norden der Insel war betroffen, dort wurden Häuser überschwemmt, Menschen mussten gerettet werden, Teile von Straßen brachen weg, Strände wurden verwüstet. «Das ist in unserer Gemeinde noch nie vorgekommen, kein Stein steht mehr auf dem anderen», sagte der Bürgermeister der Ortschaft Mantoudi, Giorgos Tsapourniotis, am Sonntag dem griechischen Fernsehsender Open im Interview.

Im Norden Euböas waren diesen Sommer bei verheerenden Bränden mehr als 50.000 Hektar Wald verbrannt, die Region gleicht einer Mondlandschaft aus Schutt und Asche. Nun scheint sich die Befürchtung zu bewahrheiten, dass es durch die abgebrannten Flächen bei Unwettern zu Überschwemmungen und Erdrutschen kommt, weil es keine Büsche und Bäume mehr gibt, die das Wasser aufhalten könnten. «Nach dem katastrophalen Feuer kam die katastrophale Flut», sagte Tsapourniotis. Verbindungen zwischen Dörfern seien gekappt, die Flüsse hätten alles weggeschwemmt, die Lage sei dramatisch. Bis Sonntagvormittag konnten jedoch alle Menschen gerettet werden, deren Häuser geflutet wurden.


Mali: Kolumbianische Nonne kommt nach vier Jahren Geiselhaft frei

BAMAKO: Im westafrikanischen Mali ist eine katholische Nonne nach mehr als vier Jahren Geiselhaft freigekommen. Man habe die ursprünglich aus Kolumbien stammende Gloria Cecilia Narvaez mit der Hilfe mehrerer Geheimdienste befreien können, teilte das Präsidialamt in Bamako in der Nacht zum Sonntag mit. Es blieb zunächst unklar, ob Lösegeld gezahlt wurde.

Danach reiste die Frau weiter nach Rom, wo sie am Sonntagmorgen auch Papst Franziskus traf. Wie der Heilige Stuhl mitteilte, unterhielten sich die beiden noch vor einer Messe im Petersdom. Nach dem Gottesdienst zum Auftakt einer weltweiten Synode ging der Pontifex erneut zu Narvaez hin und wechselte ein paar Worte mit ihr.

Narvaez war am 7. Februar 2017 in der Region Koutiala, im Grenzgebiet von Mali und Burkina Faso entführt worden. Der Präsidentenpalast in Bamako verbreitete Bilder eines Treffens zwischen dem Interimspräsidenten Oberst Assimi Goïta und Narvaez, in Begleitung des Erzbischofs von Bamako, Jean Zerbo. Narvaez sei mutig und tapfer gewesen, erklärte das Präsidialamt. Mali werde alles unternehmen, um auch andere Geiseln zu befreien.

In Mali kommt es seit Jahren immer wieder zu Entführungen durch bewaffnetet Gruppen. Nach Informationen des Armed Conflict Location & Event Data Projects wurden seit 2017 mehr als 930 Menschen entführt, davon mehr als 310 seit Januar diesen Jahres.


Präsidentin: Taiwan wird sich dem Druck aus Peking nicht beugen

TAIPEH: Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen hat die Forderung von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zur «Wiedervereinigung» zurückgewiesen. «Es sollte absolut keinerlei Illusionen geben, dass sich das taiwanische Volk Druck beugen wird», sagte Tsai Ing-wen in einer Rede zum Nationalfeiertag am Sonntag in Taipeh. Die Inselrepublik werde ihre Verteidigung ausbauen, um sicherzustellen, dass niemand Taiwan zwingen könne, den Weg zu nehmen, den Peking vorzeichne. Dieser biete «weder ein freies und demokratisches Leben, noch Souveränität» für die 23 Millionen Taiwaner.

Die Präsidentin reagierte auf den Aufruf von Chinas Staats- und Parteichef vom Vortag, sich der kommunistischen Volksrepublik anzuschließen. Peking droht mit einer gewaltsamen Eroberung Taiwans, das als «untrennbarer Teil» der Volksrepublik angesehen wird. «Die vollständige Wiedervereinigung unseres Landes wird und kann verwirklicht werden», bekräftigte Xi Jinping. Eine Vereinigung mit «friedlichen Mitteln» diene am besten der Nation. Er warnte aber, dass eine Abspaltung Taiwans «ein böses Ende» nehmen werde.

Taiwans Präsidentin beschrieb die Beziehungen zu China als so kompliziert wie nie zuvor in den vergangenen sieben Jahrzehnten. Damals waren die nationalchinesischen Kuomintang-Truppen nach der Niederlage im Bürgerkrieg gegen die Kommunisten auf die Insel geflüchtet. Die bei der Revolution 1911 nach dem Sturz der Qing-Dynastie gegründete Republik China besteht seither weiter auf Taiwan, das sich offiziell auch so nennt. Beide Seiten begingen am Sonntag den 110. Jahrestag der Revolution von 1911.

Taiwan hoffe auf eine Entspannung in den Beziehungen zu China und werde nicht unbesonnen handeln, versicherte Präsidentin Tsai Ing-wen. «Wir rufen dazu auf, den Status quo zu bewahren, und wir werden alles tun, um zu verhindern, dass der Status quo einseitig verändert wird.» Nachdem in den vergangenen Wochen verstärkt chinesische Militärflieger in Taiwans Identifikationszone zur Luftverteidigung (ADIZ) eingedrungen waren, meldeten lokale Medien, dass Sonntagmorgen auch wieder eine Militärmaschine gesichtet und verwarnt worden sei.


Ruhiger Auftakt der Parlamentswahl im Irak - Störung des Wahlsystems

BAGDAD: Die Parlamentswahl im Irak ist am Sonntag zunächst weitestgehend ruhig verlaufen. Bei der Abstimmung sind mehr als 250.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um Zwischenfälle zu verhindern. In der Hauptstadt Bagdad wurden zahlreiche Kontrollpunkte errichtet, einige Straßen waren gesperrt. Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi hatte die Abstimmung nach Massenprotesten gegen die politische Führung des Landes um mehrere Monate vorgezogen.

Allerdings kam es am Morgen zu Störungen beim elektronischen Wahlsystem, wie lokale Medien meldeten. In einem Wahlzentrum in Bagdad, das von dpa-Reportern besucht wurde, konnten mehrere Menschen nicht abstimmen, weil das System ihren Fingerabdruck nicht erkannte.

Der ölreiche Irak steckt in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. Die im Oktober 2019 ausgebrochenen Demonstrationen richteten sich unter anderem gegen die grassierende Korruption, die schwache Wirtschaftslage und die schlechte Infrastruktur. Auch Zellen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind in dem Land weiter aktiv.

Es sei es gut, dass es bisher keine Anschläge gegeben habe, sagte die Leiterin der EU-Wahlbeobachtermission, die Grüne-Europaabgeordnete Viola von Cramon. Der hohe Sicherheitsaufwand scheine die Menschen jedoch «ein bisschen abzuschrecken». In mehreren Wahllokalen in Bagdad waren in den ersten Stunden nur wenige Wähler zu sehen. Al-Kasimi rief die Menschen auf, sich an der Wahl zu beteiligen.


Auto durchbricht Flughafenzaun - Passagierjet muss Landung abbrechen

WEEZE: Alarm am Flughafen Weeze: Ein Auto durchbricht den Zaun und fährt neben der Landebahn entlang. Polizisten rücken aus, der Flugverkehr stoppt, ein Passagierjet muss die Landung abbrechen. Dann die Entwarnung: Es ist kein Anschlag, sondern ein medizinischer Notfall.

Ein Auto hat am Flughafen Weeze am Niederrhein einen Zaun in der Nähe der Rollbahn durchbrochen, so dass eine Passagiermaschine ihren Landeanflug abbrechen musste. Die Polizei rückte mit etlichen Einsatzkräften und Fahrzeugen aus, da sie einen Anschlag nicht ausschließen konnte. Doch der Grund für den Vorfall war ein medizinischer, wie die Polizei Kleve am frühen Sonntagmorgen mitteilte: Ein 59-jähriger Autofahrer hatte am Samstagabend während seiner Fahrt am Airport einen Notfall erlitten, weshalb er mit seinem Wagen von der Straße abkam und den Sicherheitszaun des Regionalflughafens durchbrach.

Das Auto fuhr dann weiter auf einer Nebenspur der Start- und Landesbahn entlang, bis es von Sicherheitskräften gestoppt werden konnte. Der Flugverkehr ruhte so lange, bis die Situation geklärt war. Bei dem Fahrer wurde neben der medizinischen Notlage auch Alkohol im Blut festgestellt. Er kam in ärztliche Behandlung und muss nun mit einem Strafverfahren rechnen.

Die umgeleitete Ryanair-Maschine kam nach Angaben des WDR aus Rom. Dies habe eine Reporterin des Senders berichtet, die in der Maschine gesessen habe. Eine andere Passagierin schilderte dem WDR ihre Gefühle beim abgebrochenen Landeanflug: «Wir sind auf Weeze angeflogen und plötzlich hat der Pilot wieder Gas gegeben, hat hochgezogen und die Räder wurden wieder eingefahren und es war unheimlich, das war keine gute Erfahrung.» Nach einem Zwischenstopp in Münster konnte die Maschine dann am späteren Abend schließlich doch noch in Weeze (Kreis Kleve) landen, wie die Polizei weiter mitteilte.


Brexit-Minister: EU-Vorschläge müssen mehr lösen als «Würstchenkrieg»

LONDON: Es geht nicht nur um die Wurst: Im Streit um die Umsetzung des Brexit-Abkommens in Nordirland erhöht die britische Regierung den Druck auf die EU. Die Vorschläge aus Brüssel müssten weiterreichen als bloß den Ärger über die Einfuhr von Fleischprodukten - den «Würstchenkrieg», wie er genannt wird - zu lösen, das will Brexit-Minister David Frost nach Angaben aus der Downing Street am Dienstag in einer Rede in Lissabon fordern. Die EU muss demnach laut Frost nun die Ambition und die Bereitschaft zeigen, die fundamentalen Fragen im Herzen des sogenannten Nordirland-Protokolls direkt anzugehen. Endlose Verhandlungen seien keine Option.

Frost will die Rede in der portugiesischen Hauptstadt den Angaben zufolge nutzen, um deutliche Änderungen am Nach-Brexit-Abkommen zu fordern, darunter auch zur Rolle des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Nordirland. Am Mittwoch dürfte die EU dann Lösungsvorschläge präsentieren. Aus Londoner Regierungskreisen verlautete die Drohung, Großbritannien könnte Artikel 16 des Protokolls auslösen, sollten die EU-Vorschläge den Briten nicht ausreichen - das würde Teile der Vereinbarung praktisch über den Haufen werfen.

Das Nordirland-Protokoll sieht vor, dass die britische Provinz faktisch weiterhin den Regeln des EU-Binnenmarkts folgt. Damit sollen Warenkontrollen an der EU-Außengrenze zwischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland verhindert werden. Ansonsten wird ein Wiederaufflammen des Konflikts in der ehemaligen Bürgerkriegsregion befürchtet. Stattdessen muss nun aber kontrolliert werden, wenn Waren aus England, Schottland oder Wales nach Nordirland gebracht werden. Das schafft Probleme im innerbritischen Handel, für die sich London und Brüssel gegenseitig verantwortlich machen.


126 Migranten aus Container in Guatemala befreit - viele Haitianer

NUEVA CONCEPCIÓN: In einem verlassenen Lastwagen-Anhänger an einem Straßenrand in Guatemala sind 126 Migranten entdeckt worden. Polizisten hörten Schreie und Klopfen aus dem Container und befreiten die Menschen, wie die Polizei des mittelamerikanischen Landes am Samstag mitteilte. Menschenschmuggler hätten die Migranten dort, an der Straße zwischen zwei Kleinstädten im Süden Guatemalas, im Stich gelassen, hieß es. Es handelte sich demnach um 109 Haitianer sowie elf Menschen aus Nepal und neun aus Ghana. Sie seien in Herbergen der Einwanderungsbehörde gebracht worden.

Die Migranten waren vermutlich auf dem Weg in das Nachbarland Mexiko und von dort in die USA. Die Zahlen der Menschen, die bei der illegalen Einreise in die USA an der Grenze mit Mexiko aufgegriffen wurden, sind in diesem Jahr stark gestiegen - im Juli und August waren es jeweils mehr als 200.000. Es sind viele unbegleitete Kinder dabei.

Die meisten der Migranten stammen aus Mexiko oder aus einem der mittelamerikanischen Länder Guatemala, Honduras und El Salvador. Dort herrschen viel Armut, Gewalt und Korruption. Hinzu kommen die Folgen von Dürren und Naturkatastrophen. Auch aus anderen Krisenländern der Region - wie Haiti, Kuba und Venezuela - oder aus Afrika wagen zahlreiche Menschen die lange, gefährliche Reise durch Mexiko. Zuletzt kamen besonders viele Haitianer an der US-Grenze an, die bereits vor Jahren in die südamerikanischen Länder Chile und Brasilien geflüchtet waren.

Oft erreichen Migranten gar nicht erst die US-Grenze, sondern werden von Sicherheitskräften in Mexiko oder Guatemala aufgehalten und zurückgeschickt. Erst am Donnerstag hatten mexikanische Soldaten 652 mittelamerikanische Migranten - größtenteils Guatemalteken - in versiegelten Kühlkammern in drei Sattelzug-Aufliegern entdeckt.


Weltnaturschutzkonferenz beginnt in China - Appelle für Artenschutz

KUNMING: Die Weltnaturschutzkonferenz berät von diesem Montag an über Maßnahmen, um den gefährlichen Verlust der Artenvielfalt zu stoppen. Das Treffen der knapp 200 Vertragsstaaten der UN-Konvention für die biologische Vielfalt (CBD) wird unter der Präsidentschaft Chinas weitgehend online und mit einigen Teilnehmern in der südwestchinesischen Stadt Kunming abgehalten. Sie wollen über Ziele für ein neues Rahmenabkommen diskutieren - vergleichbar mit dem Pariser Klimaabkommen, auch wenn es weniger bindend sein wird.

Die Konferenz war schon im Oktober 2020 geplant, wurde aber wegen der Pandemie verschoben und aufgeteilt. Im Januar werden weitere Verhandlungen folgen, bevor die Strategie bei einem Präsenztreffen vom 25. April bis 8. Mai in Kunming verabschiedet werden soll. Umweltverbände forderten energische Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt und der Lebensgrundlagen der Menschen.

Das Treffen dauert bis Freitag und soll eine «Erklärung von Kunming» verabschieden.


Bundespolizisten nehmen Zwölfjährigem Spielzeuggewehr weg

GELSENKIRCHEN: Beamte der Bundespolizei haben einem zwölfjährigen Jungen auf dem Hauptbahnhof in Gelsenkirchen dessen Spielzeuggewehr weggenommen. Außerdem leiteten sie ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit ein. Der Junge aus Castrop-Rauxel hatte am Samstagnachmittag auf einem Bahnsteig mit seinem Plastik-Sturmgewehr gespielt und auf einen vorbeifahrenden Güterzug gezielt, wie die Bundespolizei mitteilte. Dies sahen Polizisten vom gegenüberliegenden Bahnsteig - und weil die Waffe aus der Entfernung wie ein echtes Gewehr aussah, schritten sie ein.

Die Beamten stellten das Gewehr sicher und klärten die anwesende Mutter des Jungen über die Gefahren auf, die «eine Spielzeugwaffe in der Öffentlichkeit auslösen kann», wie es im Polizeibericht heißt. Sie leiteten zudem ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Belästigung der Allgemeinheit und Verstoßes gegen das Waffengesetz ein.

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