Neues aus dem Ausland am Sonntag

Neues aus dem Ausland am Sonntag

UN-Nothilfekoordinator trifft Taliban-Führung in Kabul

NEW YORK: Angesichts der drohenden humanitären Katastrophe in Afghanistan hat der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Martin Griffiths, die Taliban-Führung in Kabul getroffen. Nach Angaben der UN in New York sprach Griffiths am Sonntag mit dem Taliban-Vizechef Mullah Abdul Ghani Baradar, der nach der Machtübernahme der militanten Islamisten als möglicher künftiger Regierungschef des Landes gehandelt wird.

Griffiths bekräftigte den Willen der internationalen Gemeinschaft, Afghanistan mit Hilfsgütern zu versorgen, wie es hieß. Zugleich habe der UN-Diplomat die Taliban dazu aufgerufen, die Rechte von Frauen und Minderheiten zu achten. Die neue Führung in Kabul wiederum versprach den UN zufolge, die Sicherheit aller humanitären Helfer - Männer wie Frauen - zu gewährleisten.

Die Vereinten Nationen hatten am Freitag eine hochrangig besetzte Hilfskonferenz für Afghanistan angekündigt. Das Treffen auf Ministerebene soll am 13. September in Genf stattfinden. Fast die Hälfte der 38 Millionen Menschen in Afghanistan benötigt nach UN-Informationen Unterstützung. Jeder dritte Afghane wisse demnach nicht, woher seine nächste Mahlzeit kommen solle.


Urteil gegen Oppositionelle Kolesnikowa erwartet

MINSK: In dem international kritisierten Prozess gegen die Oppositionelle Maria Kolesnikowa in Belarus wird am Montag (11.00 Uhr) das Urteil erwartet. Die 39-Jährige wurde vor gut einem Jahr im Zuge der Proteste gegen Machthaber Alexander Lukaschenko festgenommen. Ihr drohen bis zu zwölf Jahre Haft, wie auch dem ebenfalls angeklagten Anwalt Maxim Snak.

Kolesnikowa arbeitete lange als Kulturmanagerin in Stuttgart. Vor der Präsidentenwahl im August vergangenen Jahres engagierte sie sich als Managerin für den ebenfalls inhaftierten früheren Bankier Viktor Babariko. Nach der weithin als gefälscht eingeschätzten Abstimmung gab es in Belarus Massenproteste.

Die Politikerin wurde Anfang September 2020 vom Geheimdienst KGB in Minsk entführt. Als sie in die Ukraine abgeschoben werden sollte, zerriss sie kurz vor dem Grenzübergang ihren Pass und vereitelte so Pläne, sie aus dem Land zu vertreiben.

Der Prozess gegen sie begann Anfang August. Die Bundesregierung forderte immer wieder ihre Freilassung. Babarikos Team rief am Sonntag dazu auf, Kolesnikowa und Snak bei der Urteilsverkündung «zu unterstützen».


«Traumfund»: 1500 Jahre alter Goldschatz entdeckt

VEJLE: Ein Fund von rund 1500 Jahre altem Gold begeistert Forscher in Dänemark. Es handle sich um einen der größten, wertvollsten und schönsten Goldschätze der dänischen Geschichte, teilte der Museumsverbund der Stadt Vejle am Sonntag mit. Ein Hobbyarchäologe habe die 22 Stücke, die vermutlich aus dem 5. Jahrhundert stammen und ein Gesamtgewicht von 945 Gramm haben, mithilfe eines Metalldetektors entdeckt. Der Fundort liegt in der Nähe von Jelling, das einst als wichtiges Zentrum des Landes galt und eine bedeutende archäologische Stätte ist.

Bei dem Fund handelt es sich vor allem um fein dekorierte Medaillons. Auch einige römische Münzen, die zu Schmuck verarbeitet wurden, sind darunter. Einige Stücke weisen Motive und Runeninschriften auf, die auf damalige Herrscher hinweisen könnten, aber Bezug auf die nordische Mythologie nehmen. Der Schatz soll vom 3. Februar 2022 an in Vejle ausgestellt werden.

Experte Morten Axboe vergleicht die Bedeutung der Artefakte mit den sogenannten Goldhörnern von Gallehus, zwei Trinkhörnern, die zu den bekanntesten Objekten der dänischen Geschichte gehören. Sein Kollege Peter Vang Petersen vom Nationalmuseum in Kopenhagen sprach von einem «Traumfund». Größe, Qualität und Verarbeitung seien außergewöhnlich.

Der Museumsverbund betonte: «Die faszinierende Reise von Gold erzählt uns viel über den europäischen Kontinent, der bereits in der Eisenzeit eng durch Handel und Krieg verbunden war.» Als Eisenzeit werden in Dänemark etwa die Jahre von 500 vor Christus bis zum Beginn der Wikingerzeit gegen 775 nach Christus bezeichnet.


Guinea: Schüsse in der Hauptstadt Conakry

CONAKRY: An mehreren Orten der Hauptstadt Conakry in dem westafrikanischen Land Guinea ist es zu anhaltenden Schusswechseln gekommen.

Dies gab die britische Botschaft in Conakry am Sonntagnachmittag auf Facebook bekannt. Ein Augenzeuge sagte der Deutschen Presse-Agentur die Situation sei sehr angespannt. Vor allem in der Nähe des Präsidentenpalastes im Ortsteil Kaloum sei es zu Feuergefechten gekommen, sagte er. Das Militär soll auf den Straßen Conakrys patrouillieren.


Papst betet für Flüchtlinge aus Afghanistan

ROM: Papst Franziskus hat für Menschen aus Afghanistan gebetet, die derzeit auf der Flucht aus dem Land sind. «Mögen alle Afghanen, sowohl in ihrem Heimatland, als auch auf der Durchreise als auch in den Aufnahmeländern in Würde, Frieden und Geschwisterlichkeit zu ihren Nächsten leben», sagte das katholischen Kirchenoberhaupt am Sonntag vor Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom.

Der 84-Jährige betete dafür, dass viele Länder die aufnähmen und beschützten, die ein neues Leben suchten. Den jungen afghanischen Menschen wünschte er einen Zugang zu Bildung, denn diese sei ein wesentliches Gut für die menschliche Entwicklung.

Der Argentinier hatte bereits am vergangenen Sonntag aufgerufen, den Menschen aus Afghanistan zu helfen. Er verfolge die Lage dort mit großer Sorge. Viele Menschen verließen Afghanistan nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban. In der EU sind die Haltungen der Mitgliedstaaten zur Aufnahme der Flüchtenden gespalten.


Holländische Polizei löst illegale Raveparty an deutscher Grenze auf

HERKENBOSCH: Die niederländische Polizei hat eine illegale Raveparty mit Hunderten Teilnehmern an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen aufgelöst. Die Party sei in der Nacht von Samstag auf Sonntag in einem Tunnel unter der stillgelegten Bahnstrecke von Roermond Richtung Mönchengladbach organisiert worden, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP unter Verweis auf die Polizei. Als eine Streife dort im Morgengrauen auftauchte, seien die feiernden Menschen gebeten worden, die Musik auszustellen und zu gehen. Bußgelder oder Festnahmen gab es nicht.

Die Organisatoren hatten einen Lastwagen rückwärts an die Tunneleinfahrt gefahren. Von der Ladefläche aus spielten DJ's Techno-, Hardcore- und Elektromusik, wobei die Tunnelwände zur Verstärkung der Beats dienten. Das Naturgebiet «de Meinweg» ist in den Niederlanden ein Nationalpark.


«Sea-Eye 4» darf mit geretteten Bootsmigranten in Sizilien anlegen

ROM: Die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye darf mit knapp 30 im Mittelmeer geretteten Menschen einen Hafen auf der italienischen Insel Sizilien ansteuern. Das schrieben die Seenotretter am Sonntag auf Twitter. Die Einsatzleitung hatte am Donnerstagabend nach Angaben der Organisation entschieden, die Menschen in Sicherheit zu bringen und Sizilien anzusteuern. Zwei hochschwangere Frauen und vier Babys müssten demnach sofort an Land und medizinisch versorgt werden. Die italienische Küstenwache hatte laut Sea-Eye die Koordinierung dafür zunächst nicht übernommen und auf die deutschen Behörden verwiesen. Das Schiff darf demnach nun in Porto Empedocle anlegen.

Die Migranten und Flüchtlinge legen oft von den Küsten Libyens oder Tunesiens ab. Sie wollen meist Italien und damit die EU in der Hoffnung auf ein besseres Leben erreichen. Die Überfahrt in den oft überfüllten Booten ist gefährlich. Die Kähne sind manchmal auf offener See manövrierunfähig oder kentern. Laut UN-Angaben starben in diesem Jahr bislang 1100 Migranten im zentralen Mittelmeer.


Zwölf Tote und Dutzende Verletzte bei Busunfall

KAIRO: Bei einem Busunfall in Ägypten sind zwölf Menschen ums Leben gekommen und 34 weitere verletzt worden. Der Bus überschlug sich in der Nacht zum Sonntag auf dem Weg vom Badeort Scharm el-Scheich auf der Sinai-Halbinsel in Richtung Kairo, wie die staatliche Nachrichtenseite «Al-Ahram» berichtete. Der Zeitung «Al-Masri Al-Jum» waren auch Kinder unter den Todesopfern. Der Bus eines Touren-Anbieters war Sicherheitskreisen zufolge nachts gegen eine Betonabsperrung gefahren und hatte sich dann überschlagen.

In dem nordafrikanischen Land kommt es auch wegen unvorsichtiger oder aggressiver Fahrweisen sowie dem oft schlechten Zustand von Straßen immer wieder zu tödlichen Unfällen. 2019 kamen dort nach offiziellen Angaben bei 10.000 Unfällen mehr als 3400 Menschen ums Leben, ein Anstieg von fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als Hauptursachen gelten menschliches Versagen und technische Mängel der Fahrzeuge. Viele legen ihre Sicherheitsgurte zur Fahrt nicht an oder sind ohne Motorradhelme unterwegs.


Tote und Verletzte bei Schlägerei in russischem Straflager

AMURSK: Bei einer Schlägerei in einem Straflager im äußersten Osten Russlands sind zwei Menschen getötet worden. Sechs weitere seien verletzt worden, teilten die Behörden am Sonntag der Agentur Interfax zufolge mit. Die genauen Hintergründe der Auseinandersetzung in dem Lager in der Stadt Amursk etwa 6000 Kilometer östlich von Moskau werden demnach noch untersucht. Es gehe dabei auch um die Frage, ob die Gefängniswächter alles unternommen hätten, um die Schlägerei zu verhindern.

Der Agentur Interfax zufolge sollen Häftlinge Messer verwendet haben. Zwei Gruppen waren demnach aneinandergeraten. Eine Partei habe sich mit Anweisungen der Lagerleitung einverstanden erklärt, die andere nicht, so Interfax. Die Lage sei mittlerweile unter Kontrolle.

Russlands Straflager sind nach unzähligen Berichten von Augenzeugen berüchtigt für rohe Gewalt. Dabei kommt es immer wieder auch zu Auseinandersetzungen unter Häftlingen. Seit der Inhaftierung des Kremlgegners Alexej Nawalny in einem Straflager wird in dem Riesenreich einmal mehr über Haftbedingungen diskutiert.


Polens Grenzschutz: Migranten kampieren weiter an Grenze zu Belarus

WARSCHAU: Eine seit vier Wochen an der Grenze zu Belarus festsitzende Gruppe von Migranten kampiert laut Polens Grenzschutz weiterhin in der Nähe des Dorfes Usnarz Gorny. Es handele sich um etwa 24 bis 30 Menschen, teilten die Grenzschützer am Sonntag auf Twitter mit. Die Gruppe werde von den belarussischen Sicherheitskräften laufend mit Waren versorgt. Diese würden die Mobiltelefone der Gruppe auch mit Stromgeneratoren aufladen, hieß es weiter. Dazu posteten die Grenzschützer einen Videoclip, der Männer vor einem Zelt zeigt. Ein Uniformierter bringt der Gruppe etwas. Die Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen, da Polen keine Journalisten und Helfer zu der Gruppe vorlässt.

Das Schicksal dieser Migranten, die von Polen nicht ins Land gelassen wurden, hatte die polnische Öffentlichkeit stark bewegt. Am Donnerstag hatte Präsident Andrzej Duda den Ausnahmezustand an der Grenzregion zu Belarus verhängt. Das EU-Land reagierte damit auf die illegale Einreise vieler Migranten aus dem östlichen Nachbarland.

Die Regierung in Warschau beschuldigt den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Lukaschenko hatte Ende Mai angekündigt, dass Minsk Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU hindern werde - als Reaktion auf verschärfte westliche Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik.


Surfer stirbt nach Hai-Angriff vor Australien

SYDNEY: Ein Surfer ist nach einem Hai-Angriff an der Ostküste Australiens ums Leben gekommen. Der etwa 30 Jahre alte Mann sei am rechten Arm und am Rücken schwer verletzt worden, teilten Rettungskräfte und Polizei am Sonntag mit. Andere Surfer seien ihm zur Hilfe geeilt, aber auch die herbeigerufenen Sanitäter hätten ihn nicht wiederbeleben können. Die Attacke geschah kurz vor 11.00 Uhr (Ortszeit) nahe Coffs Harbour, rund 480 Kilometer nördlich von Sydney.

Im vergangenen Jahr hatte Australien einen Rekord an tödlichen Hai-Attacken verzeichnet: Acht Menschen starben. Durchschnittlich gab es in dem Land in den vergangenen fünf Jahrzehnten einen tödlichen Hai-Angriff pro Jahr.


Streit um Überholmanöver in den Niederlanden: Traktor spießt Auto auf

ROOSENDAAL: Ein Traktorfahrer in den Niederlanden hat nach einem Streit einen Autofahrer niedergeschlagen und dessen Wagen aufgespießt. Zu dem Zeitpunkt saß in dem Auto noch die Ehefrau des 73-jährigen Fahrers, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Der Autofahrer hatte demnach am Vortag auf einer schmalen Straße bei Roosendaal versucht, den Traktor zu überholen, der aber nach links zog, um das zu verhindern. Nach dem zweiten Versuch stoppte der 43-jährige Traktorfahrer, er und der Rentner stiegen aus und lieferten sich ein Wortgefecht. Nach einem Gerangel schlug der Traktorfahrer den Angaben zufolge den Senior zu Boden und gab ihm noch einen Tritt.

Dann stieg er wieder in den Traktor und fuhr mit hoher Geschwindigkeit rückwärts gegen das Auto, in dem noch die 70 Jahre alte Ehefrau saß. Einer der Heuwender am Traktor durchbohrte dabei die Motorhaube des Autos. Danach fuhr der Traktorfahrer weg. Die Polizei nahm den Mann in seiner Wohnung fest und ermittelt nun wegen Misshandlung und versuchtem Totschlag. Schwer verletzt wurde das Rentnerpaar nicht.


Mindestens acht Polizisten bei IS-Terrorangriff im Irak getötet

BAGDAD: Bei einem Angriff der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak sind nach Angaben von Sicherheitskreisen mindestens acht Polizisten getötet worden. Acht weitere Polizisten seien bei dem Angriff auf einen Kontrollpunkt in der Provinz Kirkuk im Norden am Sonntag verletzt worden. Das Medienbüro der Sicherheitskräfte bestätigte die Zusammenstöße zwischen Polizei und IS-Kämpfern auf Twitter und, dass mehrere Polizisten getötet wurden.

Der IS hatte vor einigen Jahren große Gebiete im Irak und in Syrien kontrolliert und dort ein Kalifat ausgerufen. Die Terroristen sind dort mittlerweile militärisch besiegt, aber weiter aktiv. IS-Zellen verüben regelmäßig Anschläge. Im Januar waren bei einem der schwersten Attentate in Bagdad seit Jahren mehr als 30 Menschen getötet worden. Der IS reklamierte die Tat für sich.


Mehr als 50 Krimtataren auf Halbinsel Krim festgenommen

KIEW: Auf der von Russland einverleibten Schwarzmeer-Halbinsel Krim sind nach ukrainischen Angaben mehr als 50 Krimtataren festgenommen worden. Sie seien teilweise mit roher Gewalt in Polizeibusse gedrängt worden, schrieb die Menschenrechtsbeauftragte des Parlaments in der Hauptstadt Kiew, Ljudmila Denissowa, in der Nacht zum Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram. Die Krimtataren hätten in der Stadt Simferopol gegen «illegale Durchsuchungen und Festnahmen» durch den russischen Inlandsgeheimdienst FSB protestiert.

Zuvor seien fünf Aktivisten der muslimischen Minderheit von russischen Sicherheitskräften festgenommen worden, sagte Denissowa. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte bei Twitter die Freilassung aller Festgenommenen. Angaben von russischer Seite lagen zunächst nicht vor.

Denissowa rief die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf Russland auszuüben, damit die Repressionen gegen die Krimtataren ein Ende hätten. Zuletzt hatten die Vereinten Nationen Moskau vorgeworfen, mit willkürlichen Verhaftungen und Razzien gegen Vertreter der Religionsgemeinschaft vorzugehen. Russland hatte sich 2014 die ukrainische Halbinsel einverleibt.

Unter der muslimischen Volksgruppe der Krimtataren sind die Vorbehalte gegen Russland nach wie vor groß. Hauptgrund ist ihre Deportation im Zweiten Weltkrieg. 1944 waren etwa 200.000 Menschen wegen angeblicher Kooperation mit den deutschen Besatzern per Zug vor allem ins heutige Usbekistan gebracht worden. Nicht zuletzt wegen dieser geschichtlichen Erfahrung boykottierten viele Krimtataren 2014 das Referendum über die Vereinigung der Krim mit Russland.


Polizei räumt Straßenblockade für Kirchenführer

CETINJE: Die Polizei in Montenegro hat am Sonntag eine Straßenblockade am wichtigsten Zufahrtsweg in die historische Hauptstadt Cetinje gewaltsam geräumt. Die Beamten setzten unter anderen Tränengas ein, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur dpa vor Ort beobachtete. Die Demonstranten steckten Autoreifen in Brand, leisteten aber ansonsten keine Gegenwehr.

Hunderte Anhänger der Unabhängigkeit Montenegros wollten mit der Blockade eine für Sonntag geplante Amtseinführung des neuen Oberhaupts der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro, des Metropoliten Joanikije, im Kloster von Cetinje verhindern. Joanikije soll indes in Begleitung des aus Belgrad angereisten Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche, Porfirije, mit einem Helikopter auf dem Grund des Klosters gelandet sein, berichtete das Portal «cdm.me».

Anhänger der Unabhängigkeit Montenegros betrachten die Amtseinführung des neuen Metropoliten in Cetinje als Machtdemonstration des proserbischen Lagers. Montenegro war bis 1918 unabhängig und ist es seit 2006 wieder. Rund 30 Prozent der Bürger sind ethnische Serben. Weit mehr Menschen bekennen sich zur serbisch-orthodoxen Kirche. Ihre Spitze residiert in Serbien, sie erkennt die staatliche Identität Montenegros nicht an.


Österreich: Gleitschirmflieger aus NRW stürzt 300 Meter in den Tod

BERG IM DRAUTAL: Ein Gleitschirmflieger aus Wesseling bei Köln ist in Österreich tödlich verunglückt.

Der 53-jährige erfahrene Pilot kam am Samstag nach Aussage eines Zeugen nach dem Start auf der Emberger Alm in Kärnten in Schwierigkeiten. Er stürzte demnach trotz aktivierten Notschirms in einem Spiralflug unkontrolliert aus rund 300 Meter Höhe ab. Laut Polizei waren die Helfer rasch an Ort und Stelle, der Notarzt konnte aber nur den Tod des Mannes feststellen. Der Freizeitsportler war bei sehr gutem Flugwetter von einem behördlich genehmigten Startplatz für Para- und Hängegleiter aus gestartet.


US-Generalstabschef: Bürgerkrieg ist wahrscheinlich

WASHINGTON/RAMSTEIN: US-Generalstabschef Mark Milley hat sich besorgt darüber geäußert, dass Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban und dem Abzug der internationalen Truppen in einen Bürgerkrieg abgleiten könnte. «Ich weiß nicht, ob die Taliban in der Lage sein werden, ihre Machtstellung zu festigen und eine Regierung zu etablieren», sagte Milley dem Sender Fox News am Samstag in einem Interview auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz. «Meine militärische Einschätzung ist, dass sich die Lage wahrscheinlich zu einem Bürgerkrieg auswachsen wird.»

Eine solche Entwicklung könnte wiederum dazu führen, dass Terrorgruppen das Machtvakuum in Afghanistan für sich nutzen, warnte Milley. Zu befürchten sei, dass sich Al-Kaida neu formiert, die Extremisten des Islamischen Staats (IS) ihren Einfluss ausbauen «oder eine Vielzahl anderer Terrorgruppen» sich am Hindukusch breit machen. «Es könnte sein, dass wir binnen 12, 24 oder 36 Monaten sehen werden, wie ausgehend von dieser Region der Terrorismus aufs Neue erstarkt. Und wir werden das beobachten.»

Mit dem Abzug der letzten US-Soldaten vom Flughafen Kabul war in der Nacht zu Dienstag der internationale Afghanistan-Einsatz nach fast 20 Jahren zu Ende gegangen. Als wichtigstes Argument für den Truppenabzug hatte die US-Regierung angeführt, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida faktisch zerschlagen und nicht mehr in der Lage sei, von dort aus Ziele in den USA anzugreifen. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen war Al-Kaida bereits vor dem Abzug der internationalen Truppen in fast jeder zweiten afghanischen Provinz präsent.


Justiz ermöglicht El Salvadors Präsident zweite Amtszeit

SAN SALVADOR: Die Justiz in El Salvador hat trotz Kritik von Menschenrechtlern den Weg für eine mögliche zweite Amtszeit von Staatschef Nayib Bukele bereitet. Die Wahlbehörde des mittelamerikanischen Landes teilte am Samstag (Ortszeit) mit, sie werde sich einer umstrittenen Entscheidung des Obersten Gerichtshofs anschließen. Dieser hatte verfügt, dass die bisher übliche Zwangspause von zehn Jahren zwischen zwei Amtszeiten als Staatsoberhaupt ab sofort nicht mehr nötig sei.

Das Oberste Gericht war im Mai neu besetzt worden mit Richtern, die Bukele nahestehen. Menschenrechtler reagierten entsetzt auf die Entscheidung der Justiz, die Verfassung des Landes zum Vorteil eines Präsidenten umzudeuten, dem Kritiker immer wieder autoritäre Tendenzen vorwerfen. «Die Demokratie in El Salvador ist am Rande des Abgrunds», schrieb der Regionalchef der Organisation Human Rights Watch, José Miguel Vivanco, auf Twitter.

Bukele wird neben unbotmäßiger Nähe zum Militär systematische Missachtung der Gewaltenteilung und Beeinflussung der Justiz vorgehalten. So hatte er unter anderem im Februar 2020 Soldaten im Parlament aufmarschieren lassen.

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