Neues aus dem Ausland am Sonntag

Neues aus dem Ausland am Sonntag

Kampf gegen häusliche Gewalt soll prioritär werden

PARIS: Frankreich will bei häuslicher Gewalt entschiedener durchgreifen. Entsprechende Anzeigen sollen künftig vorrangig behandelt werden, sagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin der Zeitung «Le Parisien» am Sonntagabend, und damit vor allen anderen Fällen. Zudem soll es innerhalb der Polizei Zuständige für den Bereich geben.

Darmanin zufolge gab es im vergangenen Jahr stündlich etwa 45 Einsätze wegen Gewalt in Familien. Jeden Tag retteten Sicherheitskräfte Frauen und Kinder. 125 Menschen starben 2020 durch ihren Ex oder ihren Partner oder ihre Partnerin in Frankreich. Die überwiegende Mehrheit der Opfer waren Frauen.

Erst im Mai hatten zwei Frauenmorde Frankreich erschüttert und Kritik an der Arbeit der Behörden ausgelöst. Die mutmaßlichen Täter waren in beiden Fällen vorbestraft.


Kanzlerkandidat Laschet wirbt für gute Beziehungen

WARSCHAU: Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat in Warschau für eine engere Zusammenarbeit von Polen und Deutschland geworben. Nach einem Treffen mit Regierungschef Mateusz Morawiecki sagte er am Sonntag, beide bewege der Wille, Europa zu stärken. Das sei angesichts neuer geopolitischer Herausforderungen wichtig. Morawiecki gehört der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) an.

Im Streit zwischen Brüssel und Warschau über umstrittene Justizreformen und die Einhaltung europäischen Rechts hofft Laschet auf eine Lösung. «Das Ziel muss es sein, den Konflikt, den es in der Rechtsstaatsfrage noch zwischen den Gerichten und den Institutionen gibt, pragmatisch aufzulösen», forderte der 60-Jährige. Am Samstag war der Kanzlerkandidat der Union bereits mit Staatspräsident Andrzej Duda zusammengekommen. In Nordrhein-Westfalen leben rund 650.000 Menschen polnischer Herkunft.

Laschet nimmt in Warschau an den Gedenkveranstaltungen zum 77. Jahrestag des Beginns des Warschauer Aufstands teil. Am 1. August 1944 hatte sich die Armia Krajowa - die Polnische Heimatarmee - gegen die Besatzungsmacht der Nazis erhoben. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, Warschau fast völlig zerstört.


Taliban setzen weiter wichtige Provinzhauptstädte unter Druck

KABUL: Die militant-islamistischen Taliban üben weiter Druck auf mehrere wichtige Provinzhauptstädte Afghanistans aus. In Laschkargah, Hauptstadt der Provinz Helmand im Süden des Landes kontrollierten sie bereits Teile der Stadt, teilten lokale Behördenvertreter am Sonntag mit. Gefechte dauerten auch in den Außenbezirken der westlichen Stadt Herat an. In der Stadt Kandahar im Süden des Landes ist einem Provinzrat zufolge der Flughafen gesperrt worden, nachdem das Flugfeld in der Nacht zu Sonntag von Raketen getroffen worden war. Helmand, Herat und Kandahar sind die drei flächenmäßig größten Provinzen Afghanistans.

Der Nichtregierungsorganisation Emergency zufolge, die in Laschkargah ein Krankenhaus betreibt, sind wegen der Kämpfe in der Stadt Dutzende Patienten eingeliefert worden. Es seien zusätzliche Betten notwendig, um alle Verletzten behandeln zu können, schrieb die Organisation auf Twitter. Insgesamt haben bereits mindestens sechs Flughäfen im Land ihren Betrieb eingestellt. Dadurch sitzen Hunderte Menschen in den jeweiligen Städten fest, da die Taliban auch immer mehr Teile von wichtigen Überlandstraßen kontrollieren. In Herat hatten die Taliban am Freitag auch einen UN-Stützpunkt angegriffen und einen Wachtposten getötet. Die UN verurteilten den Angriff aufs Schärfste.

Die Regierungskräfte versuchen auch mit Luftschlägen die Taliban zu stoppen. Zuletzt hatten auch die USA mitgeteilt, wieder vermehrt Luftschläge im Land durchzuführen. Die Flieger dafür steigen mittlerweile von außerhalb Afghanistans auf. Beobachter befürchten eine weitere Intensivierung der Kämpfe nach dem offiziellen Ende der US-Militärmission im Land Ende August. In Afghanistan endet dann nach fast 20 Jahren ein internationaler Militäreinsatz zu Ende, der im Herbst 2001 zum Sturz der damaligen Taliban-Herrschaft geführt hatte. Die Friedensgespräche treten weiter auf der Stelle.


Migranten an Belarus-Grenze: Litauen appelliert an EU-Solidarität

VILNIUS: Litauens Präsident Gitanas Nauseda hat angesichts der stark steigenden Zahl illegal Einreisender in sein Land über Belarus an die Solidarität der anderen EU-Staaten appelliert. «Der Schutz der EU-Außengrenzen liegt in der gemeinsamen Verantwortung aller Mitgliedstaaten», schrieb er in einem gemeinsamen Brief mit dem slowenischen Ministerpräsident Janez Jansa an die EU-Staats- und Regierungschefs. Litauen befinde sich in einer schwierigen Lage und benötige Hilfe in Form von Ausrüstung zum Schutz und zur Überwachung der Grenze zum Nachbarland Belarus, hieß es einer Mitteilung der Präsidialkanzlei in Vilnius vom Sonntag zufolge in dem Schreiben.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat der EU wiederholt damit gedroht, als Reaktion auf die gegen sein Land verhängten Sanktionen Flüchtlinge aus Kriegsgebieten passieren zu lassen. Besonders stark davon betroffen ist Litauen, das eine fast 680 Kilometer lange Grenze zu Belarus hat. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Hundert Migranten illegal die Grenze überschritten. Allein im Juli waren es nach offiziellen Angaben über 2000 Menschen. Die meisten davon haben Asyl in Litauen beantragt.

«Das ist ein hybrider Angriff und ein staatlich finanzierter Einsatz von illegaler Migration als Waffe», schrieben Nauseda und Jansa. Er erfolge in Reaktion auf die Unterstützung der EU für die demokratische Opposition in Belarus und die EU-Sanktionen gegen die autoritäre Führung in Minsk. Slowenien hat gegenwärtig den rotierenden EU-Ratsvorsitz inne.

Litauen hatte wegen des Zustroms von Migranten jüngst seine Asylregelungen verschärft und mit der Errichtung eines Zauns begonnen. Weil Stacheldraht fehlt, ist der Bau der Grenzbarriere aber zuletzt ins Stocken geraten. In den vergangenen Wochen hat bereits die EU-Grenzschutzbehörde Frontex zusätzliche Grenzschützer und Ausrüstung ins das baltische EU-Land entsandt.


Kanzlerkandidat Laschet besucht Museum des Warschauer Aufstands

WARSCHAU: CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat am 77. Jahrestag des Beginns des Warschauer Aufstands an die Opfer der nationalsozialistischen Besatzung in Polen erinnert. «Das ist ein ganz besonderer Ort an einem ganz besonderen Tag, an dem man mit Entsetzen vor den Gräueltaten der Deutschen steht», sagte er am Sonntag bei einem Besuch in Warschau. Dort besuchte er ein Museum, das der Erhebung gewidmet ist, und zündete eine Kerze an einer Wand mit den Namen gefallener Aufständischer an.

«Man kann nur aus der Geschichte lernen, um zu verhindern, dass so etwas je wieder passiert», betonte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Das Museum, das 2004 eröffnet wurde, sei ein «europäischer Ort der Erinnerungskultur». Es ging auf eine Initiative des damaligen Warschauer Stadtpräsidenten und späteren polnischen Präsidenten Lech Kaczynski (1949-2010) zurück.

Am 1. August 1944 hatte sich die Polnische Heimatarmee (Armia Krajowa) gegen die nationalsozialistischen Besatzer erhoben. Der Aufstand wurde binnen zwei Monaten niedergeschlagen, Warschau fast völlig zerstört. Laschet traf am Nachmittag mit Wanda Traczyk-Stawska, einer früheren polnischen Widerstandskämpferin, zusammen. Am Abend sollte er auf dem Friedhof für die Aufständischen einen Kranz niederlegen.


Zahl der Todesopfer durch Waldbrände in der Türkei steigt auf acht

ISTANBUL: In der südtürkischen Provinz Antalya sind zwei weitere Menschen im Zusammenhang mit den Waldbränden ums Leben gekommen. Hunderte Menschen seien behandelt worden, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Sonntag auf Twitter mit. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Todesopfer durch die Brände in der Türkei auf acht - sieben Menschen kamen in Antalya ums Leben, einer in Marmaris.

In mehreren Provinzen der Türkei waren am Mittwoch Waldbrände ausgebrochen. Von mehr als 100 Bränden waren am Sonntagnachmittag noch sechs aktiv. Seit Tagen kämpfen die Einsatzkräfte vor allem gegen Feuer in den südwesttürkischen Provinzen Antalya und Mugla. Am Sonntag entstand ein neuer Brand in der osttürkischen Provinz Tunceli.


Vulkan Ätna während Waldbränden ausgebrochen

CATANIA: Mit Lava und Rauchschwaden hat der Vulkan Ätna auf der derzeit von Waldbränden heimgesuchten italienischen Insel Sizilien für ein Naturschauspiel gesorgt. Der Ausbruch begann am Samstagabend und zog sich bis in die Nacht zu Sonntag, wie das nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) in Catania, am Fuße des Vulkans, mitteilte. Lava und Asche schossen aus dem Krater auf der Südost-Seite des mehr als 3300 Meter hohen Berges. Der Qualm stieg gemessen am Meeresspiegel bis zu fünf Kilometer in den Nachthimmel.

Derzeit ist der Osten Siziliens von schweren Waldbränden betroffen. Vor allem im Süden Catanias richteten die Feuer Schäden an Ferienanlagen am Strand, Wäldern und Häusern an. Manche davon führten Ermittler auf Brandstiftung zurück. Auf Sizilien herrschen derzeit Trockenheit, starke Winde und Temperaturen um 40 Grad Celsius. Aus anderen italienischen Regionen sollten am Sonntag Feuerwehrtrupps zur Unterstützung auf die Urlaubsinsel entsandt werden.


Dauerhitze

SOFIA: Bulgarien wird seit Tagen von einer zweiten Hitzewelle in diesem Sommer geplagt. Im fast ganzen Land galt am Sonntag die zweithöchste Warnstufe Orange für Temperaturen über 40 Grad. In der Hauptstadt Sofia war es bereits am Mittag drückend heiß. Ein Großbrand wütete bei Haskowo im Süden auf einem schwer zugänglichen Gelände mit Laubwald und Gebüsch. Das Feuer wurde am Sonntag unter Kontrolle gebracht, könnte sich aber wegen der Dürre schnell wieder ausbreiten, wie die Feuerwehr warnte. Die Hitzewelle in dem Balkanland soll den Prognosen zufolge in der kommenden Woche weiter andauern.

Die Badeorte am Schwarzen Meer boten etwas Erfrischung bei angenehmeren Temperaturen knapp über 30 Grad, wie Medien in Sofia berichteten. Das Meereswasser ist allerdings schon seit Tagen mit etwa 26 Grad sehr warm.


Papst kritisiert profitorientierte Gesellschaften

ROM: Papst Franziskus hat Egoismus und Profitgier in Gesellschaften kritisiert.

«Eine Gesellschaft, die Interessen statt Menschen in den Mittelpunkt stellt, ist eine, die kein Leben hervorbringt», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag vor einigen Hundert Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. Menschen für den eigenen Profit auszunutzen, sei schlimm, erklärte der 84-Jährige weiter. Vor allem wenn man versuche seine eigenen Bedürfnisse zu stillen, bestehe die Gefahr, Menschen auszunutzen und Situationen für seine eigenen Zwecke zu instrumentalisieren.


Impfanreize von Fahr- und Lieferdiensten für Junge in Großbritannien

LONDON: Um die Corona-Impfquote bei jungen Leuten zu steigern, bieten mehrere Fahr- und Essenslieferdienste in Großbritannien nun spezielle Anreize. Bisher haben rund zwei Drittel (67 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen eine erste Impfung erhalten. Zuletzt war das Impftempo aber gesunken. Die Regierung fürchtet zudem, dass einige junge Leute ihre zweite Impfung nicht wahrnehmen. Mit Hilfe von Unternehmen wie Uber, Bolt und Deliveroo will die Regierung nun diese Altersgruppe zur Impfung animieren.

So bietet der Fahrdienstleister Uber günstigere Fahrten und Mahlzeiten für Menschen, die sich impfen lassen. Bei Konkurrent Bolt sind Fahrten zu Impfzentren kostenlos, Deliveroo verteilt Gratis-Gutscheine, und die Kette Pizza Pilgrims will zwei Filialen in Impfzentren umwandeln und dort kostenlose Pizzastücke verteilen.

«Dies soll viele unserer jungen Mitarbeiter wie auch die allgemeine Bevölkerung dazu ermutigen, ihre Spritze zu bekommen», sagte Pilgrims-Manager Gavin Smith dem Sender Sky News. Gesundheitsminister Savid Javid betonte, mit der Impfung beschützten junge Leute nicht nur sich selbst, ihre Familien und Freunde. Damit würden sie auch dazu beitragen, dass alle Menschen «wieder die Dinge tun können, die Sie versäumt haben».


London: Schottisches Unabhängigkeitsreferendum bei «klarem Willen»

LONDON: Erstmals hat die Regierung des britischen Premierministers Boris Johnson angedeutet, einem neuen Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands nicht im Wege zu stehen. «Wenn es eindeutig einen klaren Willen für ein Referendum gibt, dann wird es eines geben», sagte Staatsminister Michael Gove der Zeitung «Sunday Mail». Bei der schottischen Parlamentswahl hatten Parteien gewonnen, die für die Unabhängigkeit eintreten. Nach Umfragen schwindet die Zustimmung zu einer Loslösung vom Vereinigten Königreich aber wieder.

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hatte nach der Wahl angekündigt, die Unabhängigkeitsfrage voranzutreiben. Allerdings sind die meisten Experten der Ansicht, dass dafür die Zustimmung der britischen Regierung nötig ist. Johnson lehnt bisher eine weitere Volksbefragung ab. 2014 hatte Schottland knapp für den Verbleib im Königreich gestimmt. Allerdings nahm das Thema nach dem Brexit-Referendum 2016 wieder Fahrt auf, da eine klare Mehrheit der Schotten den EU-Austritt ablehnt.

«Im Prinzip kann das schottische Volk unter den richtigen Umständen diese Frage erneut stellen», sagte Gove, der selbst aus Schottland stammt. «Ich glaube einfach nicht, dass es richtig ist, und die Öffentlichkeit hält es im Moment nicht für richtig, diese Frage zu stellen.»


Neuseelands Regierung entschuldigt sich für rassistische Razzien

WELLINGTON: Neuseelands Regierung hat sich am Sonntag für das oft brutale Vorgehen der Behörden gegen Migranten von anderen Pazifikinseln in den 1970er Jahren entschuldigt. Bei den als «Dawn Raids» (Morgengrauen-Razzien) bekannt gewordenen Vorgängen war die Polizei gezielt gegen zumeist nichtweiße Menschen aus Pazifikstaaten vorgegangen, deren Aufenthaltserlaubnisse abgelaufen waren. Sie wurden dabei oft erniedrigend behandelt. Tatsächlich war aber zu der Zeit die Zahl der Briten und US-Amerikaner, die ihre Visa überzogen hatten, viel größer als die der Südseeinsulaner.

Bei einer Zeremonie am Sonntag trug Premierministerin Jacinda Ardern eine typische Toga aus Samoa. «Ich stehe vor Ihnen als ein Symbol der Krone, die Ihnen vor fast 50 Jahren Unrecht tat», sagte sie. Einwanderungsgesetze durchzusetzen sei eine Sache, aber die «Dawn Raids» seien weit darüber hinausgegangen. Die Regierung wolle ihre «Trauer, Reue und Bedauern» zum Ausdruck bringen. Als Teil der Entschuldigung werde sie Stipendien vergeben und Mittel für das Erziehungswesen bereitstellen, um die Geschichte der «Dawn Raids» zu erzählen. Dies solle den Weg ebnen für «eine neue Morgenröte und einen Neubeginn für die pazifischen Völker Neuseelands.»


Hunderte Migranten im zentralen Mittelmeer gerettet

ROM: Die Crews mehrerer privater Seenotretter-Organisationen haben am Sonntag Hunderte Bootsmigranten im zentralen Mittelmeer gerettet. In den frühen Morgenstunden nahmen die «Ocean Viking» von SOS Mediterranee und die «Sea-Watch 3» ungefähr 400 Menschen in einer fünfstündigen Rettungsaktion an Bord, wie die in Berlin ansässige Organisation Sea-Watch mitteilte. Die Crews der beiden Schiffe hatten in den Tagen zuvor schon Menschen aus Seenot gerettet.

Laut SOS Mediterranee befand sich das Einsatzgebiet am Sonntagmorgen in tunesischen Gewässern. Die Menschen seien auf einem mehrstöckigen Holzboot gewesen. An der Rettung beteiligt war auch das Segelboot «Nadir» der deutschen Organisation ResQship.

An Bord der «Ocean Viking», die am Samstag in mehreren Einsätzen Dutzende Bootsmigranten in Sicherheit gebracht hatte, waren Stand Sonntagmorgen nach Angaben der Organisation fast 450 Menschen. Die «Sea-Watch 3» hatte ebenfalls Dutzende Gerettete auf ihrem Schiff. Sechs waren von der italienischen Küstenwache auf Gesuch der Crew wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes am Freitag von Bord geholt worden.

Von den Küsten Libyens und Tunesiens aus, steigen Migranten immer wieder in Boote, um über das zentrale Mittelmeer in die EU zu gelangen. Die Überfahrt ist gefährlich, oft geraten die überfüllten Kähne in Seenot. Nach UN-Angaben starben in diesem Jahr 930 Migranten im zentralen Mittelmeer. Die privaten Organisationen kritisieren, dass die Menschen immer wieder von den Küstenwachen der Länder abgefangen und zum Beispiel zurück nach Libyen gebracht werden, wo ihnen Gewalt drohe. In Italien wiederum sind die Einsätze der privaten Seenotretter politisch umstritten.


Tote nach Angriff auf Trauerfeier im Irak

BAGDAD: Bei einem Attentat auf eine Trauerfeier sind im Irak mehrere Menschen getötet worden. Der Terroranschlag habe sich in der Nähe der Stadt Jathrib nördlich von Bagdad ereignet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur INA unter Berufung auf Sicherheitskreise am Freitagabend. Nach Angaben von Augenzeugen starben 13 Menschen, mindestens 50 wurden verletzt. Den Aussagen zufolge griffen Terroristen des Islamischen Staats (IS) die Trauergäste mit Maschinengewehren an. Sie sollen anschließend geflohen sein. Eine offizielle Bestätigung zum Hergang der Tat und zur Anzahl der Toten gab es zunächst nicht.

Erst vor anderthalb Wochen waren bei einem Selbstmordanschlag auf einem Markt in der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens 30 Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt worden. Im Januar waren bei einem Terrorangriff in Bagdad 32 Menschen getötet und 110 Menschen verletzt worden. Der IS bekannte sich zu beiden Attentaten.

Insgesamt hat sich die Sicherheitslage in Bagdad aber in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das Land leidet aber immer noch unter den Folgen des Kampfes gegen die sunnitische IS-Terrormiliz, die zwischen 2014 und 2017 große Gebiete im Norden und Westen des Landes beherrscht hatte. Die irakischen Sicherheitskräfte konnten den IS mit internationaler Unterstützung - insbesondere der USA - militärisch besiegen. Zellen der Terroristen sind aber weiterhin aktiv und verüben Anschläge.


Zahl der Toten nach Sturzflut auf über 110 gestiegen

KABUL: Nach Überschwemmungen im Osten Afghanistans ist die Zahl der Toten auf mindestens 113 gestiegen. Das teilte ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde in Kabul, Abdul Samai Sarbi, am Sonntag mit. Nach Sturzfluten in der Nacht zu Donnerstag im Bezirk Kamdesch der Provinz Nuristan hatten Behörden zunächst von rund 35 Opfern gesprochen.

Die Zahl der ums Leben gekommenen Menschen könne noch steigen, sagte Sarbi weiter. Es werde weiter nach Vermissten gesucht. Da das Gebiet des Unglücks von den militant-islamistischen Taliban kontrolliert werde und somit Regierungsvertreter keinen Zutritt hätten, habe man Teams des Roten Kreuzes entsandt. Der Katastrophenschutzbehörde in der Provinz seien zudem ausreichende Mittel zur Unterstützung der Opfer bereitgestellt worden. Allerdings war unklar, wann diese in die betroffene Region gebracht werden können.


Erdbebenserie erschüttert griechische Vulkaninsel Nisyros

ATHEN: Mehrere Erdbeben haben die Region der Inselgruppe der Dodekanes im Südosten der Ägäis erschüttert.

Das heftigste ereignete sich am Sonntagmorgen und hatte eine Stärke von 5,3. Das Zentrum des Bebens lag unterhalb des Meeresgrundes südwestlich der Vulkaninsel Nisyros, wie das Geodynamische Institut in Athen mitteilte. Geologen konnten zunächst nicht sagen, ob diese Erdbebenserie mit dem aktiven Vulkan von Nisyros zusammenhängt. Die Erdstöße waren in der gesamten südlichen Ägäis, darunter auch auf Kreta und den Touristeninseln Rhodos und Kos, zu spüren. Es gab keine Meldungen zu Schäden oder Opfern, berichtete das griechische Staatsfernsehen (ERT).


Hitze und Brände dauern an - Mindestens 16 Verletzte

ATHEN: Griechenland wird weiterhin von einer Dauerhitzewelle heimgesucht. Zudem sind wegen der Trockenheit zahlreiche Brände ausgebrochen. Mindestens 16 Menschen mussten wegen Atemwegsbeschwerden in Krankenhäusern der Halbinsel Peloponnes behandelt werden, berichtete das Staatsfernsehen am Sonntag. Mehrere Häuser im Raum der Kleinstadt Egion wurden zerstört. Die Brände konnten am Sonntagmorgen eingedämmt werden. Die Brandgefahr bleibt aber wegen der Dürre hoch, warnte der Zivilschutz.

Unterdessen dauert die «historische Hitzewelle» - wie zahlreiche Meteorologen sie bezeichnen - an. Nachdem in den vergangenen Tagen die Thermometer Werte bis 43 Grad zeigten, wurden am Sonntag stellenweise Temperaturen um die 45 Grad erwartet. Am Montag und Dienstag soll es einen neuen Höhepunkt geben, teilte das griechische Wetteramt am Sonntag mit. Schlimm ist, dass es auch nachts vor allem in den Ballungszentren heiß mit Temperaturen über 30 Grad bleibt.

Die Städte öffneten klimatisierte Hallen für die Einwohner, die zu Hause keine Klimaanlage haben. Arbeiten im Freien sollten so weit wie möglich reduziert werden, hieß es vom Arbeitsministerium. Tierschutzvereine riefen die Einwohner auf, Wasser für streunende Tiere an schattigen Orten bereitzustellen und die Wassernäpfe immer wieder aufzufüllen. Wann die Hitze nachlassen wird, ist unklar. Einige Meteorologen befürchteten, diese gefährliche Situation könnte bis zu zwei Wochen andauern.


Polens Vize-Justizminister: Deutschland gefährdet Meinungsfreiheit

WARSCHAU: Nach einem Strafbefehl für den erzkonservativen polnischen Theologieprofessor Dariusz Oko wegen Volksverhetzung erhebt die Regierung in Warschau Vorwürfe gegen die deutsche Justiz. Vize-Justizminister Marcin Romanowski sieht die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik gefährdet. Er erkenne «freiheitsfeindlichen Tendenzen im deutschen Rechtsschutzsystem», sagte der Politiker der nationalkonservativen Partei Solidarisches Polen (SP) der Deutschen Presse-Agentur. «Die Verhängung von Strafen für wissenschaftliche Tätigkeiten stellt eine Bedrohung der Grundfreiheiten und europäischen Standards dar.»

Das Amtsgericht Köln hatte einen Strafbefehl über 4800 Euro gegen Oko verhängt, weil der Theologieprofessor Homosexuelle in einem Beitrag für die Zeitschrift «Theologisches» unter anderem als «Parasiten» und «Krebsgeschwür» bezeichnet hatte. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin hat Oko inzwischen Einspruch eingelegt. Damit kommt es wohl zu einem Prozess. Ins Rollen kam das Verfahren durch eine Anzeige des Münchner Priesters Wolfgang Rothe. Das EU-Mitgliedsland Polen steht innerhalb der Europäischen Union selbst wegen Defiziten bei der Rechtsstaatlichkeit in der Kritik.


Schmidt ist neuer Hoher Repräsentant in Bosnien-Herzegowina

SARAJEVO: Der deutsche Bundestagsabgeordnete Christian Schmidt (CSU) hat am Sonntag das Amt des Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegovina übernommen. Damit hat der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister in dem von ethnischen Konflikten zerrütteten Land weit reichende Vollmachten: Er kann Gesetze erlassen und Amtsträger entlassen - ungeachtet dessen, was Parlament und Regierung des Landes beschließen. Schmidts Vorgänger ist der Österreicher Valentin Inzko, der dieses Amt seit 2009 innehatte.

Das Amt des Hohen Repräsentanten wurde durch den Friedensvertrag von Dayton (USA) 1995 geschaffen, mit dem der Bosnien-Krieg beendet wurde. Schmidts Amtsantritt wird von einem Streit um Geschichtsdeutung überschattet. Die politischen Vertreter der bosnischen Serben weigern sich nach wie vor, das Massaker von Srebrenica 1995 als Völkermord anzuerkennen, obwohl ihnen dafür nach einer Gesetzesänderung Inzkos seit kurzem Haftstrafen drohen. In Srebrenica hatten serbische Polizei und Paramilitärs nach der Eroberung der UN-Schutzzone etwa 8000 bosnische Muslime getötet.


Forscher: Erfolge bei der Rettung von seltener Nashorn-Unterart

NAIROBI: Mit einer aufwendigen Prozedur wollen deutsche Wissenschaftler in einem internationalen Konsortium das seltene Nördliche Breitmaulnashorn vor dem Aussterben retten. Unter Leitung von Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung entnahmen Tiermediziner einem der letzten noch existierenden Tiere in einem kenianischen Wildpark Eizellen, die in einem Labor in Italien mit dem Sperma verstorbener Männchen befruchtet wurden. So konnten bisher zwölf Embryonen der Nashorn-Unterart erzeugt werden, wie das BioRescue-Konsortium bekanntgab.

Für die Befruchtung kam unter anderem das Sperma eines männlichen Tieres zum Einsatz, das 2014 in einem Safari-Park in San Diego gestorben war. Hildebrandt und sein Team hatten es 2001 und 2005 gesichert. Sie wollen in einem drei- bis viermonatigen Zyklus weitere Embryonen aus Eizellen zu erzeugen, die einem noch lebenden Nördlichen Breitmaulnashorn-Weibchen entnommen wurden.

«Nachdem die Umsiedlung der Leihmütter abgeschlossen ist, ist ein erfolgreicher Embryotransfer der nächste wichtige Schritt, den das BioRescue-Team anstrebt», heißt es in der Erklärung. Weibchen des Südlichen Breitmaulnashorns sollen die Embryos austragen. Die Arbeit gilt als weltweit einzigartig. Das Nördliche Breitmaulnashorn gilt bis auf zwei Weibchen im kenianischen Reservat Ol Pejeta als ausgestorben.


Letzte Wohnung von Gloria Vanderbilt in New York steht zum Verkauf

NEW YORK: Rund zwei Jahre nach dem Tod der Millionenerbin und Kunstsammlerin Gloria Vanderbilt steht ihre letzte Luxus-Wohnung, in der sie knapp ein Vierteljahrhundert gelebt hatte, zum Verkauf. Das Apartment im Osten Manhattans werde für rund eine Million Dollar angeboten, berichtete die «New York Times» am Wochenende. Die Wohnung habe zwei Schlafzimmer, ein Esszimmer, Küche und drei Badezimmer, müsse aber renoviert werden. Vanderbilt hatte ihr Leben in dem Apartment, das sie immer wieder neu unter anderem mit ihrer großen Kunstsammlung dekorierte, häufig zum Beispiel per Instagram dokumentiert.

Vanderbilt war 2019 im Alter von 95 Jahren gestorben. Ihr Ur-Ur-Großvater Cornelius Vanderbilt (1794-1877) war der Gründer eines millionenschweren Dampfschiff- und Eisenbahn-Imperiums. Sie selbst war Malerin, Kunstsammlerin und Designerin - und auch für ihre Liebschaften mit Männern wie Marlon Brando und Frank Sinatra berühmt. Vanderbilt war viermal verheiratet, ihr Sohn Anderson Cooper ist Moderator bei US-Nachrichtensender CNN.


Inhaftierte Oppositionelle Kolesnikowa: Stoppt die Gewalt

MINSK: Die inhaftierte belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa hat den Machtapparat von Alexander Lukaschenko zum Gewaltverzicht aufgerufen. «Ich rufe die Behörden auf, damit aufzuhören, das eigene Volk zu bekämpfen und den Belarussen zuzuhören und einen neuen Dialog zu beginnen», erklärte die 39-Jährige der «Welt am Sonntag» in einem schriftlich geführten Interview. «Stoppt die Gewalt! Stoppt die absurden Gerichtsprozesse!» Kolesnikowa, die lange als Kulturmanagerin in Stuttgart gearbeitet hat, sitzt seit September im Gefängnis. Ihr drohen viele Jahre Haft.

Kolesnikowa war im Zuge der Präsidentschaftswahl vom 9. August vergangenen Jahres im Trio mit Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo international bekannt geworden. Nach der weithin als gefälscht eingeschätzten Abstimmung schloss sie sich den Massenprotesten an. Anfang September wurde die Politikerin vom Geheimdienst KGB in Minsk entführt. Als sie in die Ukraine abgeschoben werden sollte, zerriss sie kurz vor dem Grenzübergang ihren Pass und vereitelte so Pläne, sie aus dem Land zu vertreiben.

Ihre Entscheidung, in Belarus zu bleiben, bereue sie nicht, schrieb Kolesnikowa. «Ich glaube, das ist das einzig Richtige gewesen. Die Freiheit fällt einem nicht einfach in den Schoß.» Belarus sei nicht das einzige Land, das bislang kein demokratisches System habe aufbauen können. Aber: «Schritt für Schritt bauen wir eine freie und offene Gesellschaft.»

Viele belarussische Oppositionelle - wie Tichanowskaja - sind aus Angst vor Lukaschenkos Machtapparat ins Ausland geflohen. Bei den Protesten im vergangenen Jahr gab es mehrere Tote, Hunderte Verletzte und Tausende Festnahmen. Menschenrechtler kritisieren immer wieder Folter in den belarussischen Gefängnissen.


Einreise-Testpflicht gestartet

BERLIN: Seit Mitternacht gilt bei der Einreise nach Deutschland eine Testpflicht. Damit soll eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zum Ende der Sommerferien verhindert werden. Alle Menschen ab zwölf Jahren müssen bei der Einreise nachweisen können, dass bei ihnen das Übertragungsrisiko verringert ist - mit dem Nachweis einer Impfung, einem Nachweis als Genesener oder einem negativen Testergebnis. Eine solche Vorgabe gab es bisher schon für alle Flugpassagiere. Jetzt gilt sie für alle Verkehrsmittel, also auch bei Einreisen per Auto oder Bahn.

Bei einem Aufenthalt in Gebieten mit neuen, besorgniserregenden Virusvarianten ist ein Testnachweis Pflicht. Nachweise als Genesener oder Geimpfter reichen in diesem Fall nicht. Außerdem gibt es nur noch zwei statt drei Kategorien für weltweite Gebiete mit höheren Infektionsrisiken: Hochrisikogebiete und Gebiete, in denen neue, besorgniserregende Virusvarianten kursieren.

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