Neues aus dem Ausland am Sonntag

Neues aus dem Ausland am Sonntag

Mindestens sieben Tote bei Milizen-Angriff in Mosambik

MAPUTO: In der seit Tagen von Milizen belagerten Küstenstadt Palma in Mosambik sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Das gab ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Sonntag in der Hauptstadt Maputo bekannt. Zur Zahl der Verletzten und Vertriebenen machte er keine Angaben. Seit Mittwoch belagern etwa 100 Rebellen, die einer islamistischen Gruppierung mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischen Staat (IS) angehören sollen, die Kleinstadt.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichteten Augenzeugen von Leichen in den Straßen Palmas. Anwohner seien geflohen, nachdem Milizen wahllos auf Menschen und Wohngebäude geschossen haben sollen. Der französische Energiekonzern Total hatte etwa 1000 Mitarbeiter aus der Küstenstadt in Sicherheit gebracht.

Palma befindet sich in der gasreichen Provinz Cabo Delgado im Nordosten Mosambiks, wo Total an einem 16,9 Milliarden Euro (20 Milliarden Dollar) teuren Flüssigerdgas-Projekt beteiligt ist. Seit 2017 kommt es in Cabo Delgado immer wieder zu brutalen Angriffen durch islamistische Milizen.

Dabei sollen nach Angaben der UN-Flüchtlingshilfe 670.000 Menschen vertrieben und mehr als 2000 gestorben sein.


Mehrere Tote bei Überschwemmungen in US-Bundesstaat Tennessee

NASHVILLE: Bei Überschwemmungen im US-Bundesstaat Tennessee sind nach Behördenangaben mindestens vier Menschen ums Leben gekommen.

Die Polizei der Stadt Nashville teilte am Sonntag auf Twitter mit, ein Mann sei tot aus seinem Auto geborgen worden, das durch Wasser aus einem über die Ufer tretenden Fluss überflutet worden sei. Ein weiteres mutmaßliches Überflutungsopfer sei auf einem Golfplatz gefunden worden, zwei weitere Tote nahe eines Obdachlosencamps. Heftige Regenfälle hatten die Überschwemmungen ausgelöst. Nach Angaben örtlicher Medien musste die Feuerwehr von Nashville mehr als 100 Menschen aus Fahrzeugen und Häusern retten.


Nach Tötung von George Floyd beginnt Prozess gegen Ex-Polizisten

MINNEAPOLIS: Fast ein Jahr nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA beginnt das Hauptverfahren gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin. Ihm wird unter anderem Mord zweiten Grades vorgeworfen, worauf im Bundesstaat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft stehen. Die Verhandlung beginnt am Montag (ab 16.00 Uhr MESZ) unter schweren Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt Minneapolis. Das Gericht hatte vergangene Woche die Auswahl der Geschworenen abgeschlossen. Richter Peter Cahill geht davon aus, dass das Hauptverfahren bis zu einem Monat dauern könnte.

Der 46-jährige Floyd war am 25. Mai 2020 in Minneapolis bei einer brutalen Festnahme ums Leben gekommen. Videos haben dokumentiert, wie Polizisten den unbewaffneten Floyd zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie gut acht Minuten lang in Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Die Beamten hatten Floyd wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Chauvin hat auf nicht schuldig plädiert. Der schwerwiegendste Anklagepunkt lautet Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Nach deutschem Recht entspräche dies eher dem Totschlag. Zudem wird Chauvin auch Mord dritten Grades vorgeworfen, worauf bis zu 25 Jahre Haft stehen. Auch muss er sich wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, worauf zehn Jahre Haft stehen. Der Ex-Polizist ist derzeit auf Kaution frei und muss während des Prozesses anwesend sein.

Die Erwartungen an das Verfahren sind groß, denn Floyds Schicksal hatte in den USA mitten in der Corona-Pandemie monatelang zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus geführt.


Demonstrationen für ambitioniertere Klimapolitik

PARIS: In Frankreich haben am Sonntag in zahlreichen Städten Menschen für eine beherztere Klimapolitik protestiert. Nach Angaben des Innenministeriums beteiligten sich 44.000 Menschen an den Demonstrationen, allein in Paris sollen es 12.000 gewesen sein. Die Veranstalter hatten nach eigenen Angaben landesweit knapp 190 Versammlungen angemeldet. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, gaben sie die Zahl der Demonstranten mit 110.000 an. Die Organisatoren werfen der Regierung vor, im Kampf gegen den Klimawandel nicht ambitioniert genug voranzuschreiten und fordern ein «echtes Klimagesetz». Am Montag will sich die französische Nationalversammlung mit dem geplanten Klimagesetz beschäftigen. Die Regierung hatte es Anfang Februar auf den Weg gebracht.

Das Gesetz sieht unter anderem das Verbot bestimmter Kurzstreckenflüge in Frankreich vor, wenn die Fahrtzeit per Zug nicht länger als zweieinhalb Stunden dauert. Er soll außerdem die rechtliche Grundlage für ein Verbot beheizter Außenterrassen etwa in Restaurants, eine bessere Isolierung von Gebäuden oder weitere Beschränkungen für umweltschädliche Autos in Städten regeln.

Kritik an dem Vorhaben gab es bereits reichlich. Ein Expertenrat für Klima monierte, dass Maßnahmen nur punktuell angewendet werden sollten und der vorgesehene Zeitplan ein Aufholen des Verzugs beim Senken von Emissionen nicht ermögliche. Organisationen hatten zudem bemängelt, dass Anreize gesetzt würden, so ein staatliches Eingreifen notwendig sei. Auch ein Konvent aus zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, die Lösungsvorschläge in Klimafragen erarbeitet hatten, zeigte sich enttäuscht.


Einigung im jahrelangen Streit um Cannabis-Legalisierung in New York

NEW YORK: Nach jahrelangem Streit könnte die Legalisierung von Marihuana im US-Bundesstaat New York kurz bevorstehen. Einer Einigung zwischen Gouverneur Andrew Cuomo und Abgeordneten des staatlichen Parlaments in Albany könnte bereits die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes in den nächsten Tagen folgen.

«Die Legalisierung von Cannabis in New York wird sich auf Gerechtigkeit, Investitionen in Communitys, wirtschaftliche Möglichkeiten für historisch entrechtete Menschen, Forschung, Bildung und öffentliche Sicherheit konzentrieren», teilte die Mehrheitsführerin in Albany, Crystal Peoples-Stokes, in der Nacht zum Sonntag mit. Sie sei die Initiatorin der Gesetzgebung und freue sich über die positiven Auswirkungen, die die Legalisierung für viele New Yorker haben werde.

New York mit seinen knapp 20 Millionen Einwohnern - und der gleichnamigen Millionenmetropole - wäre der 15. US-Bundesstaat, der Marihuana für den freien Gebrauch erlaubt. Schätzungen zufolge könnte damit in den kommenden Jahren ein Milliarden-Markt entstehen, der 350 Millionen Dollar pro Jahr an Steuermehreinnahmen abwirft.

Hauptgrund für die Legalisierung aber ist der Kampf gegen den strukturellen Rassismus: Die gegenwärtige Cannabis-Gesetzgebung in New York hatte nicht-Weiße diskriminiert. Obwohl der Konsum etwa gleichmäßig verteilt ist, wurden Schwarze um ein Vielfaches häufiger für Marihuana-Delikte verhaftet.


Milizen-Angriff in Mosambik: Gaskonzern bringt Arbeiter in Sicherheit

MAPUTO: Der französische Energiekonzern Total hat etwa 1000 Mitarbeiter aus der von Extremisten eingenommenen Küstenstadt Palma in Mosambik in Sicherheit gebracht. Die Arbeiter seien mit einem Schiff aus Palma in das südlich gelegene Pemba gebracht worden, sagte Staatsminister Armindo Ngunga am Sonntagvormittag. Total teilte auf Anfrage mit, die Zahl des anwesenden Personals in einem Flüssigerdgas-Projekt bei Palma sei auf ein absolutes Minimum reduziert worden. Die zu Beginn der Woche angedachte Wiederankurbelung des Projekts wurde demnach ausgesetzt.

Seit Mittwoch belagern etwa 100 Rebellen, die einer islamistischen Gruppierung mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischen Staat (IS) angehören sollen, die Kleinstadt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichteten Augenzeugen von Leichen in den Straßen Palmas. Anwohner seien geflohen, nachdem Milizen wahllos auf Menschen und Wohngebäude geschossen haben sollen.

Palma befindet sich in der gasreichen Provinz Cabo Delgado im Nordosten Mosambiks, wo Total an einem 16,9 Milliarden Euro (20 Milliarden Dollar) teuren Flüssigerdgas-Projekt beteiligt ist. Seit 2017 kommt es in Cabo Delgado immer wieder zu brutalen Angriffen durch islamistische Milizen.

Dabei sollen nach Angaben der UN-Flüchtlingshilfe 670.000 Menschen vertrieben und mehr als 2000 gestorben sein. Wegen der Sicherheitslage in der Provinz hatte Total bereits im Januar die Zahl seiner Mitarbeiter reduziert.


Armeniens Regierungschef will vor Parlamentswahl zurücktreten

ERIWAN: Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan hat seinen Rücktritt angekündigt, damit in der Südkaukasus-Republik vorzeitig ein neues Parlament gewählt werden kann. «Im April werde ich zurücktreten», sagte der Ministerpräsident am Sonntag bei Gesprächen mit Einwohnern der Provinz Armawir im Westen des Landes. Er werde aber bis zur Abstimmung geschäftsführend im Amt bleiben. Die Wahl ist für den 20. Juni angesetzt, um das Land aus einer innenpolitischen Krise zu führen. Seit dem Ende der Kämpfe um Berg-Karabach im November steht Paschinjan erheblich unter Druck.

Viele Armenier machen ihn für Gebietsverluste in der Konfliktregion verantwortlich. Sie haben bei Massenprotesten immer wieder seinen Rücktritt gefordert. In dem Krieg vom 27. September bis 9. November hat sich das Nachbarland Aserbaidschan weite Teile des Anfang der 1990er Jahre verlorenen Gebiets in Berg-Karabach zurückgeholt. Mehr als 6000 Menschen starben bei den Auseinandersetzungen.

Paschinja sicherte im Fall einer Niederlage zu, das Wahlergebnis zu akzeptieren. Wenn die Wähler ihn nicht bestätigen sollten, «werden er und sein Team die Macht an denjenigen abgeben, den das Volk gewählt hat», sagte er bei dem Gespräch mit Dorfbewohnern. Wenn er gewinnen sollte, «werden wir Ihnen besser dienen als zuvor». Paschinjan gilt vor allem in ländlichen Regionen nach wie vor als beliebt.

Um das armenische Parlament aufzulösen wie etwa vor Neuwahlen, muss der Regierungschef zurücktreten. Am Sonntag gab es in der Hauptstadt Eriwan neue Proteste der Opposition. Redner forderten Medienberichten zufolge dabei erneut Paschinjans Rückzug aus der Politik.


Schüsse in US-Stadt Virginia Beach - zwei Tote und mehrere Verletzte

VIRGINIA BEACH: In einer chaotischen Nacht mit mehreren Schusswechseln im US-Staat Virginia sind zwei Menschen ums Leben gekommen und mehrere verletzt worden. In der Nacht zu Samstag (Ortszeit) kam es in Virginia Beach zu mehreren Schießereien, wie die örtliche Polizei am Samstag mitteilte. Am ersten Tatort im Ausgehbezirk der Stadt gerieten demnach diverse Personen in einen Streit, der in eine Schießerei ausartete, bei der mehrere Beteiligte ihre Waffen zogen. Nach Polizeiangaben wurden acht Menschen verletzt.

Kurz darauf seien in der Nähe weitere Schüsse gefallen. Beamte fanden dort laut Polizei eine Frau, die noch am Tatort an ihren Schussverletzungen starb. Die 28-Jährige sei vermutlich eine unbeteiligte Zuschauerin gewesen. Nach bisherigen Erkenntnissen stehe dieser Zwischenfall nicht in Zusammenhang zu der ersten Schießerei, teilte die Polizei mit. Nicht weit davon entfernt habe es wenig später einen weiteren Zwischenfall gegeben, bei dem ein Polizist einen 25 Jahre alten, bewaffneten Mann erschoss. Ein anderer Polizist sei in der Nacht von einem Auto angefahren und verletzt worden.

Der örtliche Polizeichef Paul Neudigate sprach von einer «chaotischen Nacht» mit verschiedenen Tatorten. Im Zusammenhang mit der ersten Schießerei wurden laut Polizei drei Verdächtige festgenommen - drei Männer im Alter von 18, 20 und 22 Jahren. Zum Hintergrund der anderen Taten äußerte sich die Polizei zunächst nicht.

In den USA kommt es regelmäßig zu tödlichen Zwischenfällen mit Schusswaffen, die dort leicht zu kaufen sind. In den vergangenen Tagen hatten zwei schwere Schusswaffenangriffe das Land erschüttert. Ein Schütze tötete am vergangenen Montag im Bundesstaat Colorado zehn Menschen in einem Supermarkt. Wenige Tage zuvor waren in drei Massage-Salons in und um Atlanta im US-Bundesstaat Georgia acht Menschen erschossen worden. Die Attacken fachten die politische Diskussion über schärfere Waffengesetze in den USA neu an.


Kommission: Kremlgegner Nawalny hat Schmerzen im Bein

MOSKAU: Trotz Beschwerden des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny über mangelnde medizinische Betreuung sieht eine russische Kommission für Menschenrechte wenig Grund zur Sorge. Sein Bein schmerze, und er habe um Unterstützung gebeten, damit er Schmerzmittel bekomme, heißt es in einem Bericht des Gremiums, aus dem die Staatsagentur Tass am Sonntag zitierte. «Er kann weiterhin allein gehen.» Der Oppositionelle habe darüber hinaus keine weiteren Wünsche geäußert.

Die Mitglieder einer öffentlichen Kommission zum Schutz von Menschenrechten in Haftanstalten besuchten Nawalny nach eigenen Angaben im Straflager IK-2 in Pokrow rund 100 Kilometer östlich von Moskau, nachdem es Berichte über seinen schlechten Gesundheitszustand gegeben hatte. Nawalny beklagte bei Instagram starke Rückenschmerzen und schilderte, dass er sein rechtes Bein nicht mehr belasten könne. Seine Anwälte und die EU zeigten sich besorgt.

Auf Nawalnys Twitter-Account wurde der Besuch der Kommission am Freitagmorgen bestätigt. Allerdings stehe die Frage im Raum, warum die Kommission nicht unmittelbar danach etwas veröffentlicht habe, hieß es am Sonntag. Vielleicht seien Konsultationen mit der Leitung erforderlich gewesen, um danach etwas mitzuteilen - «so etwas wie, dass er allein gehen kann».

Nawalny war Anfang Februar zu mehreren Jahren Straflager verurteilt worden, weil er gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll, während er sich in Deutschland von dem Giftanschlag erholte. Das Urteil wurde international teils heftig kritisiert und als politisch motiviert eingestuft. So fordert die EU seit Wochen eine sofortige Freilassung Nawalnys.


Mutmaßliche Luxusuhr-Diebe nach Raub in Neapel tot

ROM: In der süditalienischen Stadt Neapel untersucht die Polizei den Tod zweier Männer, die einem jungen Mann eine Luxusuhr gestohlen haben sollen. Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen den Mittzwanziger mit Verdacht auf vorsätzliche Tötung, schrieb die Nachrichtenagentur Ansa. Freitagabend soll er von den beiden mutmaßlichen Dieben mit einer Waffe bedroht und gezwungen worden sein, ihnen seine Luxusuhr zu geben, hieß es in der Zeitung «Corriere della Sera» (Sonntag) unter Berufung auf die Polizei.

Die beiden mutmaßlichen Räuber sollen dann versucht haben, auf einem Roller zu entkommen, wie am Sonntag im Internetauftritt der Zeitung «La Repubblica» zu lesen war. Der Bestohlene jagte ihnen demnach in seinem Auto hinterher. Sein Wagen sei dann gegen eine Wand geprallt, die beiden Männer auf dem Roller gestürzt und in der Folge gestorben. Nach ersten Ermittlungen liege eine Kollision der beiden Fahrzeuge nahe.

Der Autofahrer tauchte noch Freitagnacht laut den Medienberichten bei den Carabinieri auf und gab an, dass ihm die Uhr und auch das Auto gestohlen worden seien, er also nicht der Unfallfahrer sei. Den Medienberichten zufolge werten die Ermittler noch Bilder von Überwachungskameras und Zeugenaussagen aus.


13 Staaten drohen Restriktionen der EU bei Visa-Politik

BRÜSSEL: Wegen fehlender Zusammenarbeit bei der Rücknahme abgelehnter Schutzsuchender drohen 13 Staaten in Afrika und dem Nahen Osten einem Medienbericht zufolge Restriktionen bei der Visa-Vergabe für den Schengen-Raum. Diese Länder stehen auf einer entsprechenden Liste der EU-Kommission, wie die «Welt am Sonntag» unter Berufung auf das Dokument berichtete. Ihre Bereitschaft, der völkerrechtlichen Verpflichtung nachzukommen, eigene Bürger zurückzunehmen, sei «mangelhaft». Dabei geht es vor allem um abgelehnte Asylbewerber. Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, man könne bestimmte Länder derzeit nicht bestätigen.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hatte im Februar einen Bericht vorgelegt, der die Zusammenarbeit mit 39 Drittstaaten bei der Rückkehr und Rückübernahme abgelehnter Schutzsuchender untersucht. Mit mehr als einem Drittel der betrachteten Länder müsse die Kooperation verbessert werden. Konkrete Länder nannte die EU-Kommission nicht; der Bericht ist vertraulich. Die Rückführungsquote der EU ist seit Jahren gering.

Nach einem Treffen der EU-Innenminister Mitte März kündigte Johansson an, man werde mit einer begrenzten Zahl an Drittstaaten Verhandlungen aufnehmen. Falls der Fortschritt ungenügend sei, sei sie dazu bereit, bis zum Sommer Vorschläge zu machen, für welche Länder es positive oder negative Veränderungen der Visa-Politik geben sollte. Die Sprecherin der Brüsseler Behörde bestätigte diese Perspektive am Sonntag. Wegen des Visa-Kodex', der seit Februar 2020 in Kraft ist, kann die EU über ihre Visa-Politik Druck auf Drittstaaten ausüben.

Dem Zeitungsbericht zufolge will die EU-Kommission nun mit dem Irak, dem Iran, Libyen, Senegal, Somalia, Mali, Gambia, Kamerun, der Republik Kongo, Ägypten, Eritrea, Äthiopien und Guinea-Bissau «einen Dialog starten». Falls sich die Zusammenarbeit nicht verbessere, könne man den EU-Staaten ab dem Sommer Restriktionen vorschlagen. Im ersten Schritt wären dies demnach die Aufhebung des aktuell gültigen 15-Tage-Limits bei der Bearbeitung eines Visumantrags oder die Aussetzung der Visagebührenfreiheit für Diplomaten. Als nächstes könnte die Visagebühr von 80 auf 160 Euro erhöht werden.


Zwei Tote und neun Verletzte bei Frontalzusammenstoß

NEUMÜNSTER: Zwei Vans stoßen nachts auf einer Bundesstraße in Schleswig-Holstein zusammen. Zwei Menschen werden getötet, neun weitere kommen mit schweren oder sogar lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus.

Bei einem Frontalzusammenstoß in Neumünster in Schleswig-Holstein sind zwei Menschen getötet worden, neun weitere wurden lebensgefährlich oder sogar schwer verletzt. Ein Van kollidierte in der Nacht zu Samstag auf einer Bundesstraße mit einem weiteren entgegenkommenden Van, wie die Polizei mitteilte. Beide Fahrzeuge hatten den Angaben zufolge polnische Kennzeichen und waren zum Unfallzeitpunkt voll besetzt.

Der 40 Jahre alte Fahrer, der in Richtung Bad Segeberg unterwegs war, sei aus ungeklärter Ursache in den Gegenverkehr geraten und mit dem zweiten Wagen zusammengestoßen. Der 40-Jährige mit polnischer Staatsbürgerschaft sowie sein Beifahrer wurden dabei tödlich verletzt, die vier weiteren Mitfahrer erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Auch die fünf Unfallbeteiligten in dem zweiten Auto wurden mit schweren oder sogar lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Die B205 war bis 9.45 Uhr am Samstag in beide Richtungen gesperrt. Der Sachschaden beläuft sich auf etwa 40.000 Euro. Weitere Details zu den Unfallbeteiligten waren zunächst unklar.


Gebäude in Kairo eingestürzt - Zahl der Todesopfer steigt auf 23

KAIRO: Nach dem Einsturz eines Wohngebäudes in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist die Zahl der Todesopfer auf 23 gestiegen. Einsatzkräfte hätten weitere Tote aus den Trümmern geborgen, berichtete die staatliche Nachrichtenseite «Al-Ahram» am Sonntag. 25 Menschen seien verletzt worden. Sicherheitskräfte sperrten das Gelände ab, während Retter mit der Unterstützung von Baggern nach weiteren Opfern suchten.

Das Gebäude im Osten Kairos war in der Nacht zum Samstag eingestürzt. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf, um die Ursache für das Unglück zu klären. Augenzeugen sagten gegenüber ägyptischen Medien, dass der Keller des Gebäudes vor einiger Zeit als Fabrik genutzt worden sei und sich die Statik dadurch möglicherweise verändert habe.

Einstürze von Wohngebäuden sind in Ägypten nicht ungewöhnlich. Ein Grund sind die vielen Bauten ohne Genehmigungen, mangelhafte Instandhaltung älterer Gebäude und die schlechte Durchsetzung von Vorschriften zur Gebäudesicherheit. Häufig werden auf bestehende Häuser ohne Erlaubnis der Behörden weitere Stockwerke gebaut.


Trotz Streits: Schottischer Ex-Regierungschef lobt Amtsinhaberin

EDINBURGH: Trotz eines erbitterten Streits wünscht der schottische Ex-Regierungschef Alex Salmond seiner Nachfolgerin Nicola Sturgeon den Sieg bei der Parlamentswahl. «Sie ist die einzige realistische Unabhängigkeitskandidatin, und deshalb ist sie die beste», sagte Salmond der «Sunday Mail». «Ich finde, sie sollte First Minister sein, weil die SNP eine deutliche Mehrheit gewinnen soll.» Bei der regionalen Parlamentswahl am 6. Mai gilt Sturgeons Schottische Nationalpartei (SNP) als klare Favoritin. Sie will danach Forderungen nach einem neuen Unabhängigkeitsreferendum verstärken.

Salmond war vor rund einem Jahr von Vorwürfen der versuchten Vergewaltigung freigesprochen worden. Er hatte Sturgeon vorgeworfen, sie habe ihn politisch kaltstellen wollen. Die 50-Jährige wies die Vorwürfe zurück, ein unabhängiges Rechtsgutachten bestätigte sie. Salmond hat nun eine eigene Partei namens Alba gegründet, die ebenfalls für die Loslösung vom Vereinigten Königreich eintritt.

«Ich habe keinen Ehrgeiz, in der Regierung zu sein. Ich bewerbe mich nicht als First Minister», sagte Salmond. Ziel von Alba sei eine «Super-Mehrheit» für eine Unabhängigkeit. Salmond forderte Wähler auf, ihre Erststimme der SNP oder einer anderen Partei zu geben, die für die Unabhängigkeit eintritt. Alba wolle nur Kandidaten für regionale Listen aufstellen, so Salmond. Politologen sind noch uneins, ob Alba dem Unabhängigkeitslager wirklich helfen wird oder vielmehr das Loyalisten-Lager profitiert.


Blitz in Überlandleitung führt zu Stromausfall auf Madeira

FUNCHAL/LISSABON: Ein Blitzeinschlag während eines heftigen Unwetters hat einen kompletten Stromausfall auf der auch bei Urlaubern beliebten portugiesischen Insel Madeira ausgelöst. Ab 20.45 Uhr am Samstagabend saßen die Menschen auf der Insel im Atlantik etwa 950 Kilometer südwestlich von Lissabon im Dunkeln, wie die Nachrichtenagentur Lusa in der Nacht zu Sonntag meldete.

Durch heftige Regenfälle und Hagel seien zudem Straßen, Tiefgaragen und auch einige Wohnhäuser unter Wasser gesetzt worden. Menschen seien soweit bekannt nicht zu Schaden gekommen. In der besonders betroffenen Inselhauptstadt Funchal mussten zwei Familien ihre überschwemmten Häuser verlassen, wie Lusa weiter berichtete.

Der Regionalregierungschef Miguel Albuquerque rief die rund 250.000 Einwohner der Insel auf, wegen des anhaltend schlechten Wetters zuhause zu bleiben. Die Stromversorgung sei bis Sonntag aber weitgehend wiederhergestellt worden, schrieb Lusa.


Fast 250 Festnahmen bei Protesten gegen Lukaschenko

MINSK: Bei neuen Protestaktionen in Belarus (Weißrussland) gegen Machthaber Alexander Lukaschenko sind Menschenrechtlern zufolge mindestens 245 Menschen festgenommen worden. Nach Angaben des Menschenrechtszentrums Wesna vom Sonntag gab es die meisten Festnahmen in der Hauptstadt Minsk. Die Behörden hatten zuvor noch von mehr als 100 Festgenommenen gesprochen. Die Opposition hatte für Samstag größere Proteste angekündigt.

Fotos und Videos zeigten, dass Menschen nur in kleineren Gruppen oder allein auf den Straßen unterwegs waren. Die Opposition schrieb im Nachrichtenkanal Telegram, dass es nicht gelungen sei, viele Menschen zu mobilisieren. Die Polizei war vor allem in Minsk mit einem großen Aufgebot vor Ort. Zu sehen waren viele Gefangenentransporter. Medien berichteten von wahllosen Festnahmen auf Straßen und Plätzen.

Über den Winter hatte es keine größeren Protestaktionen mehr gegeben - auch aus Angst vor Polizei-Gewalt. Erst am Donnerstag gingen zum sogenannten Tag der Freiheit erstmals wieder Hunderte Menschen gegen Lukaschenko auf die Straße. Die Behörden sprachen von mehr als 200 Festnahmen. Ermittelt wurde danach zudem gegen Autofahrer, die aus Solidarität mit den Demonstranten auf der Straße gehupt hatten.

Nach der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl am 9. August hatten Hunderttausende Menschen den Rücktritt Lukaschenkos und Neuwahlen gefordert. Die Polizei ging brutal gegen Demonstranten vor und nahm Zehntausende fest. Der als «letzter Diktator Europas» kritisierte Staatschef hatte sich nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Er stützt sich auf Russland als Verbündeten.


Verwechslung? Mutmaßlicher Straftäter in London aus U-Haft entlassen

LONDON: Ein mutmaßlicher Sexualstraftäter ist in London versehentlich aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Polizei suche intensiv nach dem 24-Jährigen, teilten die Behörden am späten Samstagabend mit. Der Mann sei vermutlich verwechselt worden, berichtete die Zeitung «The Sun». Er war im April 2020 wegen sexuellen Übergriffs, Erregung öffentlichen Ärgernisses und Drogenbesitzes festgenommen worden und war seitdem in einem Londoner Gefängnis in U-Haft.

Nach seiner irrtümlichen Freilassung am Mittwochabend wird der Mann nun im Westen der britischen Hauptstadt vermutet. «Dies ist furchtbar peinlich», zitierte die «Sun» aus Sicherheitskreisen. «Einen bekannten Sexualstraftäter freizulassen, der die Angewohnheit hat, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen, wirft kein gutes Bild auf uns. Solch eine Demütigung darf nie wieder geschehen.»


Sommerzeit hat begonnen

BRAUNSCHWEIG: Pünktlich um 2.00 Uhr sind am Sonntag die Uhren um eine Stunde vorgestellt worden. In Deutschland gilt damit wieder die Sommerzeit - genauso wie in allen EU-Mitgliedstaaten und auch in der Schweiz. Das Europäische Parlament stimmte zwar dafür, die Zeitumstellung nach dem Jahr 2021 aufzugeben. Eine Entscheidung durch die Mitgliedstaaten im Rat ist jedoch noch nicht in Sicht.

Es bleibt vorerst dabei, dass die Umstellung viele Menschen eine Stunde Schlaf kostet. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass es abends länger hell bleibt.

Dafür, dass die Zeitumstellung seit ihrer Wiedereinführung 1980 ohne Probleme klappt, sorgt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Ihre Mitarbeiter programmieren einen Zeitsender im hessischen Mainflingen, der das Signal zur Umstellung aussendet.


Internationale Militärchefs verurteilen Gewalt in Myanmar

WASHINGTON: Die Militärchefs von einer Reihe westlicher Staaten haben in einer gemeinsamen Erklärung die Gewalt gegen friedliche Demonstranten in Myanmar scharf verurteilt. Gleichzeitig forderten sie die Militärjunta in dem in der Nacht zum Sonntag veröffentlichten Schreiben auf, internationale Standards der militärischen Professionalität anzuwenden. «Ein professionelles Militär hält sich an internationale Verhaltensstandards und ist dafür verantwortlich, die Menschen, denen es dient, zu beschützen, und nicht, ihnen zu schaden.»

Die Militärchefs forderte die Streitkräfte Myanmars auf, die Gewaltanwendung einzustellen und daran zu arbeiten, «den Respekt und die Glaubwürdigkeit, die sie durch ihre Aktionen verloren haben, bei den Menschen in Myanmar wiederherzustellen». Die Erklärung wurde von Mark Milley, dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs der USA, und seinen Kollegen aus Australien, Kanada, Deutschland, Griechenland, Italien, Japan, Dänemark, den Niederlanden, Neuseeland, Südkorea und Großbritannien unterzeichnet.

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