Neues aus dem Ausland am Sonntag

Neues aus dem Ausland am Sonntag

Spannungen im Norden des Kosovos - Barrikaden und Schüsse

PRISTINA: Im überwiegend serbisch bevölkerten Norden des Kosovos haben militante Serben am Sonntag Barrikaden errichtet. Unbekannte hätten außerdem Schüsse in Richtung kosovarischer Polizisten abgegeben, verletzt worden sei dabei niemand, teilte die Polizei in Pristina am späten Sonntagabend mit. Die Sicherheitslage im Norden des Kosovos sei angespannt, teilte die Nato-Mission KFOR am Abend mit. Sie beobachte die Situation genau und sei gemäß ihrem Mandat «bereit, einzugreifen, sollte die Stabilität gefährdet sein.» Die Nato-geführte Mission konzentriere sich jeden Tag darauf, ein sicheres Umfeld und Bewegungsfreiheit für alle Menschen im Kosovo zu garantieren.

Zu den Spannungen kam es, weil die kosovarischen Behörden ab Montag (00.00 Uhr) an den Grenzübergängen keine serbischen Personaldokumente mehr anerkennen. Serben mit derartigen Papieren müssen sich an der Grenze ein provisorisches Dokument ausstellen lassen.

Nach kosovarischer Lesart handelt es sich um eine Maßnahme, die auf Gegenseitigkeit beruht. Kosovarische Bürger müssen sich schon seit längerer Zeit beim Grenzübertritt nach Serbien ein provisorisches Dokument ausstellen lassen, weil die serbischen Behörden die kosovarischen Papiere nicht anerkennen.

Militante Serben blockierten am Sonntag die Zufahrtswege zu zwei Grenzübergängen nach Serbien mit Barrikaden. Das heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte früher zu Serbien gehört. 2008 hatte es sich für unabhängig erklärt. Serbien erkennt die Eigenstaatlichkeit des Kosovos nicht an und beansprucht dessen Staatsgebiet für sich. Im Rahmen der internationalen Mission ist auch die Bundeswehr seit 1999 im Kosovo stationiert.


Verdächtiger nach Tötung von Neunjähriger in England angeklagt

BOSTON: Nach der Tötung eines neunjährigen Mädchens in England hat die Polizei einen Verdächtigen wegen Mordes angeklagt. Der 22-Jährige werde an diesem Montag einem Haftrichter vorgeführt, teilte die Polizei in der ostenglischen Grafschaft Lincolnshire am Sonntag mit. Er war in einem Park der ostenglischen Hafenstadt Boston gefasst worden, nachdem die Polizei mit Aufnahmen von Überwachungskameras nach ihm gesucht hatte.

Der Litauer soll das Kind am frühen Donnerstagabend in einer ruhigen Straße im Stadtzentrum erstochen haben. Medienberichten zufolge hatte die Neunjährige mit ihrer jüngeren Schwester gespielt, als es angegriffen wurde. Die Mutter habe die Tat aus einem Café heraus gesehen. Nach Informationen der Zeitung «Sun» könnte ein mögliches Motiv sein, dass der mutmaßliche Täter von der Mutter des Mädchens, die Chefin einer Personalagentur sei, Geld für Fabrikarbeit gefordert habe. Der Fall löste landesweit Entsetzen aus, Innenministerin Priti Patel zeigte sich schockiert.


26 Tote nach Überflutungen in Kentucky geborgen

WASHINGTON: Die Zahl der Toten nach den verheerenden Überflutungen im US-Bundesstaat Kentucky ist auf mindestens 26 gestiegen. «Die Zahl der Todesopfer beläuft sich im Moment auf 26. Aber ich weiß von mehreren weiteren Leichen - wir wissen, dass die Zahl noch steigen wird», sagte Gouverneur Andy Beshear dem Sender CNN am Sonntag. Die Suche werde vermutlich noch Wochen andauern. Viele Menschen seien in den Fluten Hunderte Meter weit weggespült worden.

Wie viele Menschen noch vermisst würden, sei unklar, sagte Beshear. Einige Gebiete seien wegen des hohen Wasserstandes noch immer nicht zugänglich, der Handyempfang sei vielerorts lückenhaft. Nach heftigen Regenfällen hatte es in Kentucky sowie in den östlich benachbarten Bundesstaaten Virginia und West Virginia Mitte der Woche Sturzfluten und Erdrutsche gegeben. Vielerorts wurden die Menschen in der Nacht zum Donnerstag von dem Wasser in ihren Häusern überrascht.


Feuerwehrleute bei Waldbrand in Südfrankreich verletzt

AUBAIS: Bei einem Waldbrand in Südfrankreich sind vier Feuerwehrleute verletzt worden. Mehrere Hundert Einsatzkräfte sowie Löschflugzeuge kämpften am Sonntag nach Angaben der Feuerwehr und des Bevölkerungsschutzes gegen den Brand bei Aubais, etwa auf halber Strecke zwischen Nîmes und Montpellier. Wie ein verantwortlicher Feuerwehrmann vor Journalisten schilderte, geriet ein Einsatzfahrzeug in die Flammen - dabei seien vier seiner Kollegen verletzt worden. Ein Schwerverletzter wurde per Hubschrauber in eine Klinik gebracht, die anderen drei kamen mit leichteren Verletzungen in ein anderes Krankenhaus.

Starker Wind und Trockenheit begünstigten die Ausbreitung des Feuers, nach Feuerwehrangaben vom Abend wurden mehr als 350 Hektar Vegetation zerstört und zwei Häuser beschädigt. Eine nahe gelegene Autobahn wurde wegen der starken Rauchentwicklung mehrere Stunden lang in beiden Richtungen gesperrt. Innenminister Gérald Darmanin sprach auf Twitter von einem «heftigen Brand».

Auch an verschiedenen anderen Orten im Süden des Landes musste die Feuerwehr am Wochenende gegen Vegetationsbrände kämpfen. Bei einem Feuer in Beaucaire nördlich von Arles wurden am Sonntag drei Menschen leicht verletzt, darunter ein Feuerwehrmann. 15 Hektar und zwei Wohngebäude seien zerstört worden, teilte die Feuerwehr mit.

Der französische Wetterdienst und der Bevölkerungsschutz hatten vor dem Wochenende unter anderem mit Verweis auf erwartete Fallwinde sowie anhaltende Hitze und Trockenheit vor einer sehr großen Brandgefahr im Mittelmeerraum gewarnt.


Tory-Mitglieder beginnen Wahl von Nachfolger von Premier Johnson

LONDON: Knapp vier Wochen nach dem angekündigten Rückzug des britischen Premierministers Boris Johnson beginnen die Mitglieder der Konservativen Partei am Montag die Wahl eines Nachfolgers. Zur Abstimmung stehen Außenministerin Liz Truss und Ex-Finanzminister Rishi Sunak. Die beiden setzten sich in mehreren Wahlrunden in der konservativen Parlamentsfraktion durch.

Für die Stimmabgabe ist Zeit bis zum Nachmittag des 2. September. Die Entscheidung kann bis dahin beliebig oft geändert werden. Das Ergebnis soll am 5. September verkündet werden. Die Siegerin oder der Sieger zieht dann auch in den Regierungssitz in der Downing Street ein. Außenministerin Truss gilt als Favoritin. Der amtierende Premier Johnson hatte am 7. Juli nach beispiellosem Druck aus seinem Kabinett seinen Rückzug angekündigt. Vorausgegangen waren mehrere Skandale.

Wahlberechtigt sind alle Mitglieder, die spätestens am 3. Juni in die Tory-Partei eingetreten sind. Für Kritik sorgt wie bei früheren Stichwahlen, dass nur ein kleiner Kreis über die Person an der Spitze des Landes mit etwa 67 Millionen Einwohnern entscheidet.

Die Tory-Partei macht keine Angaben zur Zahl ihrer Mitglieder. Als 2019 Boris Johnson gewählt wurde, stimmten etwa 160.000 Menschen ab, etwa 0,3 Prozent der gesamten Wählerschaft. Schätzungen gehen nun von bis zu 200.000 Mitgliedern aus. Eine vorgezogene Parlamentswahl nach der Entscheidung ist nicht vorgesehen. Die nächste reguläre landesweit Abstimmung ist für 2024 geplant.


Baerbock reist zu Atomwaffen-Konferenz nach New York

BERLIN/NEW YORK: Außenministerin Annalena Baerbock bricht am Montag nach New York auf, um dort an einer Konferenz der Vereinten Nationen zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags teilzunehmen. Der mehr als 50 Jahre alte Vertrag, dem 191 Staaten beigetreten sind, bildet die Grundlage für atomare Abrüstung weltweit. Er besagt, dass nur die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien Atomwaffen besitzen dürfen. Die vier anderen mutmaßlichen Atommächte Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea sind dem Vertrag entweder nicht bei- oder wieder ausgetreten.

Für Baerbock ist die Konferenz der Auftakt einer dreitägigen Reise in die USA und nach Kanada. Die Grünen-Politikerin will in New York auch UN-Generalsekretär António Guterres und den Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, Rafael Grossi, treffen. Am Dienstag hält sie dort eine Rede zu den transatlantischen Beziehungen und veranstaltet zusammen mit ihrer schwedischen Amtskollegin Ann Linde ein Treffen der sogenannten Stockholm Initiative, die sich konkrete Schritte atomarer Abrüstung zum Ziel gesetzt hat. Anschließend reist Baerbock zu ihrem Antrittsbesuch nach Kanada weiter.


Symbolträchtiger Getreidesilo im Hafen von Beirut teils eingestürzt

BEIRUT: Im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut ist einer der symbolträchtigen Getreidesilos teilweise eingestürzt. Das teilte der Zivilschutz am Sonntag mit. Videos zeigten eine gewaltige Staubwolke, die sich nach dem Einsturz in der Gegend ausbreitete. In den Silos, die für viele Libanesen zum Symbol der verheerenden Explosion von 2020 wurden, hatte seit mehr als zwei Wochen ein Feuer gebrannt. Anwohner in der Umgebung blieben zu Hause, um den Staub nicht einzuatmen. Ob jemand verletzt wurde, blieb zunächst unklar.

Im August 2020 war es im Hafen von Beirut zu einer gewaltigen Explosion gekommen. Damals kamen mehr als 190 Menschen ums Leben, rund 6000 wurden verletzt. Der Hafen und große Teile der angrenzenden Wohngebiete wurden zerstört. Es detonierten große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat, die zuvor über Jahre ohne Schutzmaßnahmen im Hafen gelagert worden waren. Die Behörden haben bis heute nicht erklärt, wie genau die Substanz in den Hafen kam.

Im April hatten die Behörden entschieden, die Silos gegen den Widerstand von Hinterbliebenen abzureißen. Experten vermuten, dass die Silos bei der Explosion einen Teil der Wucht absorbierten und damit noch größeren Schaden verhinderten. Die Hinterbliebenen der Opfer wollten die Silos als Symbol der Erinnerung bewahren - zumindest bis die Ermittlungen zur Explosion abgeschlossen sind.

Viele fühlten sich am Sonntag an die Explosion selbst erinnert, die den Hafen und umliegende Gegenden massiv zerstört hatten. Der Einsturz ereignete sich nur wenige Tage vor dem zweiten Jahrestag der Katastrophe am kommenden Donnerstag.


Mahnmal erinnert an 10.000 deportierte Juden aus Rotterdam

ROTTERDAM: 80 Jahre nach Beginn der Deportationen von Juden aus Rotterdam durch die deutschen Besatzer ist am Sonntag in der Hafenstadt ein Mahnmal zum Gedenken an ihr Schicksal eingeweiht worden. Es besteht aus einer Parkanlage mit 10.000 unterschiedlichen, in Handarbeit verlegten Steinen, wie die Nachrichtenagentur ANP berichtete. Die Steine symbolisieren die rund 10.000 jüdischen Menschen aus Rotterdam und Umgebung, die in deutsche Konzentrationslager verschleppt wurden und niemals zurückkamen, wie ein Sprecher der Initiatoren des Mahnmals dem Sender NOS sagte.

In der Nacht vom 30. zum 31. Juli 1942 war am Ufer der Neuen Maas der erste Transport mit Rotterdamer Juden abgefahren. Am Ort des Denkmals «Levens 10.000 Stenen» (Leben 10.000 Steine) unweit der imposanten Erasmusbrücke - einem der heutigen Wahrzeichen Rotterdams - befand sich damals ein Schuppen. Dort mussten sich Juden aus der Region bei der deutschen Besatzungsbehörde melden. Unweit davon steht das 2013 eingeweihte «Joods Kindermonument», das an alle 686 jüdischen Mädchen und Jungen im Alter bis zu zwölf Jahren erinnert, die von dort deportiert wurden.

Im vergangenen Jahr war in Amsterdam das Nationale Holocaust Denkmal der Niederlande von König Willem-Alexander enthüllt worden. Dort sind die Namen der 102.000 niederländischen Juden sowie Sinti und Roma verzeichnet, die von den deutschen Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges ermordet wurden.


Lebenserhaltende Maßnahmen für Zwölfjährigen in England enden

LONDON: Nach mehreren Gerichtsentscheidungen gegen die Familie eines unheilbar kranken Zwölfjährigen in England stellt die Klinik die lebenserhaltenden Maßnahmen für den Jungen ein. Alle Infusionen und Medikamentengaben würden an diesem Montag um 14.00 Uhr (Ortszeit, 15.00 Uhr MESZ) beendet, meldete die Nachrichtenagentur PA am Sonntag unter Berufung auf ein Schreiben des Barts Health NHS Trust an die Eltern des Jungen. Zuvor hatte Archies Mutter noch an Gesundheitsminister Steve Barclay appelliert, das Krankenhaus doch zur Fortführung der Pflege zu bringen, sowie an die UN.

«Wir verstehen, dass alle Debatten um das Ende von Archies Behandlung sehr schwierig und schmerzhaft sind», hieß es in dem Brief weiter. «Dennoch wollen wir sicherstellen, dass Sie und Ihre Familie so stark eingebunden werden, wie Sie es wünschen.» Ziel sei, die Würde des Jungen zu bewahren. «Sie oder ein Familienmitglied könnten den Wunsch haben, mit Archie auf seinem Bett zu liegen oder ihn in Ihren Armen zu halten, falls das praktisch möglich ist», zitierte PA.

Archie hatte sich bei einem häuslichen Unfall im April schwere Hirnverletzungen zugezogen - womöglich bei einer Internet-Mutprobe. Er liegt seither im Koma. Ein Berufungsgericht hatte vergangenen Montag den Antrag der Eltern abgelehnt, die lebenserhaltenden Maßnahmen fortzusetzen. Das sei im besten Interesse von Archie.

Der Fall erinnert an ähnliche Auseinandersetzungen um unheilbar kranke Kinder in Großbritannien. Der finanziell stark unter Druck stehende britische Gesundheitsdienst neigt dazu, lebenserhaltende Maßnahmen sehr viel früher zu entziehen, als das in Deutschland der Fall wäre. Zudem werden die Wünsche von Eltern und Angehörigen dabei nicht im selben Maße berücksichtigt. Was im besten Sinne des Patienten ist, entscheiden oft Richter auf Empfehlung von Medizinern.


Weitere Demonstranten strömen in Bagdads Hochsicherheitszone

BAGDAD: Nach der Besetzung des irakischen Parlaments sind viele weitere Demonstranten in die Hochsicherheitszone in der Hauptstadt Bagdad geströmt. Hunderte Anhänger des einflussreichen schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr trafen am Sonntag aus weiteren Landesteilen an, wie Augenzeugen berichteten. Unterdessen wurden immer mehr Sicherheitskräfte in der hoch gesicherten Grünen Zone stationiert.

Mit dem Sitzstreik im Parlament wollen al-Sadrs Anhänger Druck auf die Politik ausüben und eine Regierungsbildung der schiitischen Parteienallianz um Ex-Regierungschef Nuri al-Maliki verhindern, die vor allem mit dem Nachbarland Iran sympathisiert. Fast zehn Monate nach der Parlamentswahl befindet sich das ölreiche Land in einer Pattsituation. Der geschäftsführende Premierminister Mustafa al-Kasimi rief die politischen Lager erneut zum Dialog auf.


«Ocean Viking» bringt gerettete Bootsmigranten nach Italien

ROM: Nach rund einer Woche Warten darf die private Organisation SOS Méditerranée knapp 380 im zentralen Mittelmeer gerettete Menschen nach Italien bringen. Die italienischen Behörden hätten der «Ocean Viking» den Hafen von Salerno südlich von Neapel zugewiesen, teilte die Organisation am Sonntag auf Twitter mit. Die Crew hatte die Migranten zuvor bei mehreren Einsätzen aus Seenot gerettet. Die «Geo Barents» von Ärzte ohne Grenzen hingegen wartete mit rund 660 Geretteten an Bord am Sonntagnachmittag weiter auf einen sicheren Hafen. An Bord befanden sich den Seenotrettern zufolge mehr als 150 Minderjährige.

Die deutsche Organisation Sea-Watch brachte unterdessen mehr als 440 gerettete Migranten nach Tarent (Taranto). Italien hatte der «Sea-Watch 3» bereits am Donnerstag den Hafen am italienischen Stiefelabsatz zugewiesen, allerdings brauchte das Schiff nach Angaben der Organisation knapp zwei Tage dorthin, weshalb die Migranten erst am Samstag an Land gehen konnten.

Vor allem im Sommer machen sich viele Menschen von den Küsten Nordafrikas in oft seeuntauglichen Booten auf in Richtung EU und geraten dabei nicht selten in Seenot. Eines der möglichen Ziele ist Italien. In den vergangenen drei Jahren verzeichnete das italienische Innenministerium aufs Jahr gesehen im Juli die höchste Zahl an ankommenden Bootsmigranten.

In diesem Jahr sind mit Stand Freitag bislang fast 39.300 Migranten in dem Mittelmeerland angekommen. Im selben Vorjahreszeitraum waren es rund 28.450. Seit April ist die Zahl der Ankommenden im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen. Migration ist im laufenden Wahlkampf in Italien ein großes Thema. Rechte Parteien werfen Seenotrettern etwa vor, mit Schleppern zu kooperieren.


Nach Fall der Regierung Italiens: Politiker verlassen Fünf Sterne

ROM: Nach dem Fall des Kabinetts von Italiens Ministerpräsident Mario Draghi haben zwei wichtige Politiker die kriselnde Regierungspartei Fünf-Sterne-Bewegung verlassen. Federico D'Inca, Minister für den Kontakt zum Parlament, sagte im Interview mit der Zeitung «La Repubblica» (Sonntag), er habe seit dem 20. Juli gewusst, dass er seine Partei verlassen will. An diesem Tag hatten die Sterne und die mitregierenden Parteien Lega und Forza Italia der Regierung im Parlament das Vertrauen nicht ausgesprochen. «Am Ende fühlte ich mich wie ein Fremder in meiner eigenen Gruppe», erklärte der 46-Jährige.

Auch der frühere Fünf-Sterne-Fraktionschef in der Abgeordnetenkammer, Davide Crippa, verließ die populistische Anti-Establishment-Partei. «Das, was die Fünf-Sterne-Bewegung heute ist und sein will, ist ein Zuhause, das ich nicht wiedererkenne», sagte der 43-Jährige der Zeitung «Corriere della Sera» (Sonntag).

Die Rücktritte aus der Partei folgten auf eine wichtige parteiinterne Entscheidung über die Parlamentsmandate: «Bei den kommenden Wahlen werdet ihr unter den Fünf-Sterne-Kandidaten niemanden finden, der schon zwei Mandate hinter sich hat», schrieb Parteichef Giuseppe Conte auf Facebook. Wer also schon zweimal im Parlament saß, ist damit bei der vorgezogenen Wahl am 25. September raus. D'Inca und Crippa sagten allerdings, ihr Parteiaustritt habe damit nichts zu tun.

Über die Frage eines dritten Mandats stritten die Sterne bereits seit Monaten. «Wir sind hier, um zu kämpfen, nicht um zu bleiben, und unsere Vielfalt bringt die Zombies aus dem Konzept», schrieb Parteigründer und Berufskomiker Beppe Grillo online auf seinem Blog. Von der Partei hatten sich bereits vor dem Fall der Regierung Dutzende Politiker abgespalten, als Außenminister Luigi Di Maio im Streit um die Linie der Bewegung seinen Austritt bekannt gab. Manche Experten sahen darin auch einen Versuch mancher Sterne-Politiker, der Zwei-Mandate-Regelung zu entgehen.


Deutsche Fünfkämpfer holen mit Team-Bronze erste WM-Medaille

ALEXANDRIA: Die deutschen Modernen Fünfkämpfer haben mit Platz drei im Team-Wettbewerb der Männer die erste Medaille bei den Weltmeisterschaften geholt. Die Potsdamer Marvin Dogue und Patrick Dogue sowie der Berliner Pele Uibel sicherten sich im ägyptischen Alexandria Rang drei hinter Frankreich und Ungarn. Im Einzel der Männer wurde Marvin Dogue Neunter, Uibel Elfter, und Patrick Dogue landete auf Rang 16. «Dass wir mit der Mannschaft eine Medaille gewinnen, war dieses Jahr nicht zu erwarten», sagte Marvin Dogue.

Bundestrainer Andrii Iefremenko war ebenfalls zufrieden mit dem Verlauf der Titelkämpfe. «Es hat sich wieder gezeigt, dass wir ein starkes Team haben», sagte er. Bei den Frauen wurde Rebecca Langrehr aus Berlin Zwölfte. Bundestrainerin Kim Raisner war dennoch zufrieden: «Dieses Mal hat es für die Medaillenränge nicht ganz gereicht. Für die kommenden zwei Jahre können wir auf Rebeccas konstanter Top-Leistung nun aufbauen.» Die Weltmeisterschaften enden am Sonntag mit der Entscheidung in der Mixed-Team-Staffel.

Der Moderne Fünfkampf steckt seit dem Drama um Annika Schleu bei den Reitwettbewerben bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio in einem Umbruch. Bei dem ihr zugelosten und verunsicherten Pferd hatte die damals Führende verzweifelt Gerte und Sporen eingesetzt. Mit dem Verzicht auf das Springreiten und dem Test einer Parcours-Disziplin soll nun der olympische Status gesichert werden. Bei der WM in Alexandria war das Springreiten als Disziplin dabei, bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris soll das letztmals der Fall sein.


Unwetter im Iran: Zahl der Todesopfer auf 69 gestiegen

TEHERAN: Im Iran ist die Zahl der Toten nach den schweren Unwettern der letzten drei Tage auf mindestens 69 gestiegen. Das gab das iranische Innenministerium am Sonntag laut Nachrichtenagentur Isna bekannt. Landesweit suchten Rettungskräfte weiterhin verzweifelt nach Vermissten. Bislang gab es über 40 Schwerverletzte und 37.000 Obdachlose, mehr als 20.000 Häuser wurden den Angaben zufolge schwer beschädigt. 24 der 31 Provinzen des Landes, einschließlich die Hauptstadt Teheran, waren in den letzten 72 Stunden von den Unwettern betroffen.

Da auch in den nächsten Tagen mit Unwettern und Überschwemmungen zu rechnen ist, befürchten die Behörden weitere Tote. Am Sonntag war es für die Regierung noch zu früh, um das Ausmaß der Schäden zu bestimmen, die nach Einschätzung von Experten in Milliardenhöhe liegen dürften. Präsident Ebrahim Raisi versprach den Betroffenen Finanzhilfen, aber wegen der aktuellen Wirtschaftskrise ist unklar, wann die Hilfsgelder ausbezahlt werden können.


Terrormiliz Al-Shabaab richtet sieben Menschen in Somalia hin

MOGADISCHU: Die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab hat nach eigenen Angaben sieben Menschen in Somalia hingerichtet. Sechs von ihnen seien Spione für amerikanische und somalische Geheimdienste gewesen, teilte die Gruppe am Sonntag über den Radiosender Andalus mit. Die Männer, die durch ein Erschießungskommando in der südlichen Region Bay unweit der Hauptstadt Mogadischu getötet wurden, seien aufgrund von Spionage für den Tod hochrangiger Al-Shabaab-Mitglieder verantwortlich gewesen, hieß es.

Ein Regierungsmitglied der Bay Region, Mohamed Ahmed, sowie der Informationsminister des Bundesgebiets Südwest, in dem die Bay Region liegt, Ilyas Said, bestätigten der Deutschen Presse-Agentur die Angaben über die Hinrichtungen. Dutzende Einwohner seien von den Terroristen gezwungen worden, dem Akt beizuwohnen, sagte Ahmed.

Das Land am Horn von Afrika mit rund 16 Millionen Einwohnern wird seit Jahren durch Anschläge der Terrorgruppe erschüttert. Al-Shabaab kontrolliert weite Teile des Südens und der Zentralregionen. Die Terrorgruppe verübt immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte und Zivilisten.


UN: 95.000 Kinder im Ostkongo aufgrund von Gewalt vertrieben

KINSHASA: In der Demokratischen Republik Kongo sind wegen anhaltender Gewalt seit März mehr als 190.000 Menschen, die Hälfte davon Kinder, vertrieben worden. Das teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef am Samstag mit. Seit Wochen kommt es in der östlichen Unruheprovinz Nord-Kivu, die an Ruanda grenzt, zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und der Rebellenmiliz M-23. Die kongolesische Regierung wirft Ruanda vor, die Rebellen zu unterstützen, was Kigali bestreitet.

Von der Gewalt besonders betroffen sind nach UN-Angaben Dörfer in den Gebieten Rutshuru und Nyiragongo. Die Hilfsorganisation Save the Children hatte noch vor zehn Tagen von etwa 10.000 vertriebenen Familien mit 43.000 Kindern gesprochen.

Seit zwei Jahrzehnten kommt es im Kongo immer wieder zu blutigen Konflikten zwischen bewaffneten Gruppen, Sicherheitskräften sowie zwischen ethnischen Gruppen. Das zentralafrikanische Land hat nach Angaben von Save the Children die meisten Binnenvertriebenen in Afrika. Schätzungsweise 5,5 Millionen Menschen sind demnach innerhalb des Landes auf der Flucht. Knapp ein Drittel der Bevölkerung sei von akuter Nahrungsmittelunsicherheit betroffen - mindestens 29.000 Kinder seien akut unterernährt.


Angriff auf Sicherheitsteam von Präsident Guatemalas - ein Verletzter

LA LAGUNA: Bei einer bewaffneten Attacke auf die Sicherheitskräfte des guatemaltekischen Präsidenten Alejandro Giammattei im Nordwesten Guatemalas ist ein Mann verletzt worden. Das teilte die Regierung des mittelamerikanischen Landes am Samstag (Ortszeit) mit. Der Präsident selbst sei bei dem Vorfall nahe der Grenze zu Mexiko unverletzt geblieben und aus der Gefahrenzone gebracht worden.

Teams des Militärs und des Nachrichtendienstes, die für die Sicherheit des Präsidenten bei einem Besuch in der Region verantwortlich waren, hatten der Mitteilung zufolge in La Laguna im Department Huehuetenango ein verdächtiges Fahrzeug für eine Kontrolle angehalten. Die Insassen des Fahrzeugs eröffneten demnach das Feuer auf die Sicherheitskräfte, woraufhin es zu einem Schusswechsel kam. Dabei sei ein mexikanischer Staatsangehöriger verwundet worden.

In Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Militär seien vier Guatemalteken festgenommen worden, denen es gelungen war, die Grenze zu überqueren. Sie hätten zwei Gewehrgranaten zurückgelassen.

Guatemala liegt auf einer Drogenschmuggelroute. Vor allem in der Grenzregion sind dort auch Menschenschmuggler aktiv. Viele Migranten aus den mittelamerikanischen Ländern Guatemala, Honduras und El Salvador treten die gefährliche Reise an, um über Mexiko in die USA zu gelangen.


Der Bau des Teilchenbeschleunigers «Fair» in Zahlen

DARMSTADT: Der Bau des Teilchenbeschleunigers «Fair» in Darmstadt ist ein gigantisches Projekt.

Nach Angaben von «Fair» und dem GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung müssen für den Bau rund zwei Millionen Kubikmeter Erde bewegt werden, so viel wie für 5000 Einfamilienhäuser. Es werden 600.000 Kubikmeter Beton verbaut, was für acht Frankfurter Fußballstadien ausreichen würde. Zudem werden 65.000 Tonnen Stahl verbraucht, ungefähr die Menge für neun Eiffeltürme. Baubeginn war 2007. Herzstück wird der unterirdisch liegende Ringbeschleuniger mit einem Umfang von 1,1 Kilometern, der durch dicke Betonwände abgeschirmt ist.

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