Neues aus dem Ausland am Sonntag

Neues aus dem Ausland am Sonntag

Linkskandidat Petro gewinnt erste Wahlrunde

BOGOTÁ: Der frühere Guerillakämpfer Gustavo Petro hat die erste Runde der Präsidentenwahl in Kolumbien klar gewonnen. Der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá kam auf 40,3 Prozent der Stimmen, wie die Wahlbehörde am Sonntag (Ortszeit) nach der vorläufigen Auszählung fast aller Wahllokale mitteilte. Der parteilose Unternehmer Rodolfo Hernández kam demnach auf 28,1 Prozent. Die beiden stärksten Bewerber treffen am 19. Juni in der Stichwahl aufeinander.

Setzt sich Petro auch in der zweiten Runde durch, würde erstmals in der jüngeren Geschichte des südamerikanischen Landes ein Linker in den Regierungspalast Casa de Nariño in Bogotá einziehen. Kolumbien ist traditionell konservativ geprägt. Zwar ist die soziale Ungleichheit enorm, bislang war linke Politik durch die Gewalt der Guerillagruppen im jahrzehntelangen Bürgerkrieg allerdings stets diskreditiert.

Der millionenschwere Bauunternehmer Hernández war Bürgermeister der Großstadt Bucaramanga, verfügt aber über wenig Beziehungen im politischen Bogotá. Der Populist verspricht im Falle eines Wahlsiegs eine schlanke Regierung und einen entschlossenen Kampf gegen die Korruption. Der derzeitige konservative Staatschef Iván Duque durfte nicht mehr antreten, weil die Verfassung eine Wiederwahl nicht vorsieht.

Kolumbien litt über Jahrzehnte unter einem blutigen Bürgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten Paramilitärs und staatlichen Sicherheitskräften. 220.000 Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden vertrieben. 2016 schloss die Regierung einen Friedensvertrag mit der linken Farc-Guerilla, die Hoffnung auf einen Aufschwung war groß. Doch die Gewalt ist vor allem in ländlichen Gebieten zurück. 300.000 Polizisten und Soldaten waren am Sonntag im Einsatz, um Wähler, Wahlhelfer und Kandidaten zu schützen.


Ehemann von US-Demokratin Pelosi wegen Alkohol am Steuer festgenommen

WASHINGTON: Der Ehemann der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ist wegen Trunkenheit am Steuer vorübergehend festgenommen worden. Paul Pelosi sei in der Nacht zum Sonntag im Bundesstaat Kalifornien alkoholisiert von der Polizei angehalten worden, berichteten mehrere US-Medien am Sonntag (Ortszeit) übereinstimmend. Dies geht auch aus einer Auflistung der örtlichen Polizei in Napa County zu jüngsten Festnahmen hervor. Der 82-Jährige wurde demnach um kurz vor Mitternacht festgenommen und wenige Stunden später auf Kaution wieder freigelassen.

Die Nachrichtenseite «The Hill» zitierte einen Sprecher von Nancy Pelosi (82) mit den Worten, die Demokratin kommentiere die «private Angelegenheit» nicht. Sie sei zu der Zeit nicht in Kalifornien, sondern an der US-Ostküste gewesen.

Nancy und Paul Pelosi sind seit fast 60 Jahren verheiratet. Die beiden haben fünf Kinder zusammen. Paul Pelosi ist ein wohlhabender Geschäftsmann, Nancy Pelosi wiederum eine der mächtigsten Politikerinnen im Land: Als Vorsitzende des Repräsentantenhauses ist sie aktuell die Nummer drei im Staat, nach dem US-Präsidenten Joe Biden und dessen Stellvertreterin Kamala Harris.


Mindestens 37 Zivilisten bei Rebellenangriff in der DR Kongo getötet

KINSHASA: Bei einem Angriff von Rebellen im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind mindestens 37 Zivilisten getötet worden. Mehrere Menschen wurden entführt, wie das Militär und eine zivilgesellschaftliche Organisation am Sonntag bestätigten. «Wir haben am Samstag 27 Körper abgeholt und gerade noch einmal 10», sagte der Präsident der regionalen Organisation, Kinos Katuho, der Deutschen Presse-Agentur am Abend. Die Opfer seien in ihren Häusern im Dorf Beu-Manyama unter anderem mit Macheten getötet worden. Er machte die islamistische Miliz ADF für den Angriff verantwortlich.

Als Reaktion auf den Angriff habe das Militär sieben Kämpfer der ADF getötet, teilte ein Sprecher der kongolesischen Armee im Gebiet Beni mit.

Die Rebellen verüben regelmäßig blutige Anschläge im Osten des Landes. Die US-Regierung hat die ADF als Ableger der Miliz Islamischer Staat (IS) als globale Terrororganisationen eingestuft. In der Region um Beni sind mehrere Milizen aktiv, denen es meist um die Kontrolle wertvoller Bodenschätze wie Kupfer, Cobalt, Gold und Diamanten geht.


Großeinsatz seit Anfang Mai: Tausende Festnahmen in São Paulo

SÃO PAULO: Die Polizei hat bei einer großangelegten Offensive in der brasilianischen Millionenmetropole São Paulo 2800 Verdächtige festgenommen. Seit Beginn der «Operação Sufoco» Anfang Mai seien zudem 13,6 Tonnen Drogen beschlagnahmt worden, teilte die Regierung des Bundesstaats São Paulo am Sonntag mit. Die Einsatzkräfte stellten zudem 427 gestohlene Fahrzeuge sicher.

Der Großeinsatz hatte am 4. Mai begonnen und soll die Sicherheitslage in São Paulo verbessern. «Ich möchte den Banditen eine klare Warnung mit auf den Weg geben: Sie sollten den Beruf oder das Land wechseln, denn die Polizei wird jeden einzelnen von ihnen verfolgen», sagte Gouverneur Rodrigo Garcia. «Wer hier in São Paulo ein Verbrechen begeht, wird verhaftet. Der Bandit, der eine Waffe gegen die Polizei erhebt, wird von der Polizei erschossen, die im Rahmen des Gesetzes sehr rigoros gegen Kriminalität vorgehen wird.»

Die Zahl der Polizisten auf den Straßen von São Paulo wurde für den Einsatz von 5000 auf 9700 erhöht. Die Polizeigewerkschaft kritisierte die damit verbundene Erhöhung der Arbeitszeit und reichte eine Sammelklage gegen die örtliche Regierung ein. Auch der Jurist und Experte für öffentliche Sicherheit an der Päpstlichen Katholischen Universität von São Paulo, Ariel de Castro Alves, kritisierte die «Operação Sufoco» im Wahljahr als opportunistisch und forderte Investitionen in Technik und Personal der Polizei, um die Sicherheitslage nachhaltig zu verbessern.


US-Justizbehörde will Polizeieinsatz bei Schulmassaker untersuchen

WASHINGTON: Angesichts schwerer Versäumnisse der Polizei bei dem Massaker an einer Grundschule im Bundesstaat Texas will das US-Justizministerium eine Untersuchung anstoßen. Die Behörde teilte am Sonntag in Washington mit, das Vorgehen der Sicherheitskräfte solle unter die Lupe genommen werden. Der Bürgermeister der betroffenen Kleinstadt Uvalde, Don McLaughlin, habe darum gebeten. Ziel der Untersuchung sei es, einen unabhängigen Bericht über das Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden an diesem Tag zu erstellen und Lehren daraus zu ziehen für andere Attacken. Der Bericht solle am Ende auch veröffentlicht werden. Die Überprüfung werde «fair, transparent und unabhängig» sein.

Ein 18 Jahre alter Schütze hatte am Dienstag an der Grundschule in der texanischen Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen getötet. Der Angreifer hatte sich mit Schülern und Lehrern in zwei miteinander verbundenen Klassenräumen eingeschlossen und dort um sich geschossen. Neue Ermittlungserkenntnisse zu den Abläufen an jenem Tag setzen die Polizei schwer unter Druck: Offiziellen Angaben zufolge waren bereits zu einem frühen Zeitpunkt 19 Polizisten im Flur vor dem Klassenraum präsent, in dem sich der Amokläufer mit Lehrern und Schülern verschanzt hatte. Die Beamten unternahmen aber lange keinerlei Versuche, in den Raum einzudringen. Angehörige warfen der Polizei vor, sie hätten Leben retten können.


Biden empfängt Neuseelands Premierministerin am Dienstag

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden empfängt am Dienstag die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern im Weißen Haus.

Das kündigte die US-Regierungszentrale am Samstagabend (Ortszeit) in Washington an. Es sei der erste Besuch eines Regierungschefs aus Neuseeland seit 2014. Themen des Treffens seien die bilateralen Beziehungen und das gemeinsame Bemühen um einen freien und offenen indopazifischen Raum. Es werde auch um die Bekämpfung der Klimakrise und um den Kampf gegen Terrorismus und Gewalt gehen. Ardern ist seit 2017 Premierministerin Neuseelands.


Verirrter Orca in der Seine ist krank und wird eingeschläfert

ROUEN: Der verirrte Orca in der Seine leidet unter einer weit fortgeschrittenen Pilzinfektion und wird eingeschläfert. Die Krankheit könne dem Tier großes Leid zufügen, teilte die zuständige Präfektur Seine-Maritime mit Sitz in Rouen am Sonntagabend mit. Andere geschwächte Säugetiere könnten sich zudem bei dem kranken Orca anstecken. Die Rettungsaktion, die das Tier zum Meer führen sollte, wurde daher abgebrochen.

Der Forschungsgruppe Meeressäuger (GEEC) zufolge wurde der Wal erstmals Anfang April von der Besatzung eines Trawlers etwa 30 Kilometer vor der normannischen Küste gesichtet. Seitdem wurde der Orca immer wieder entlang der Küste, in der Seine-Mündung sowie selbst rund 60 Kilometer flussaufwärts in der Seine bei Yainville entdeckt. Üblicherweise seien Orcas eher vor den Küsten Schottlands, Islands und Norwegens zu Hause sowie weiter südlich im Atlantischen Ozean im Golf von Biskaya.

Statt sich Richtung Meer zu bewegen, sei der Orca immer hin und her geschwommen, hieß es von der Präfektur. Bei der Rettungsaktion stellten die Forschenden ein erratisches und desorientiertes Verhalten und kaum Lebhaftigkeit fest.


Biden besucht Uvalde nach Amoklauf an Grundschule mit 21 Toten

WASHINGTON/UVALDE: Fünf Tage nach dem verheerenden Amoklauf an einer Grundschule in Texas mit 21 Toten ist US-Präsident Joe Biden in die betroffene Gemeinde Uvalde gereist. Er besuchte gemeinsam mit seiner Ehefrau Jill die Schule, in der ein 18 Jahre alter Amokläufer am Dienstag 19 Kinder und zwei Lehrerinnen erschossen hatte. Der Präsident und die First Lady legten vor der Schule einen Blumenstrauß nieder und hielten einen Moment inne.

Vor der Grundschule ist in Erinnerung an die Todesopfer ein Gedenkort eingerichtet - mit Blumen, Spielsachen und großen Fotos aller Getöteten. Die Bidens liefen von Bild zu Bild und berührten die Fotos der Kinder. Im Anschluss wollten sie an einem Gottesdienst teilnehmen und sich mit Angehörigen der Opfer sowie mit Überlebenden treffen.

Der Schütze hatte sich am Dienstag in der Schule mit Kindern und Lehrern in zwei miteinander verbundenen Klassenräumen eingeschlossen und dort das Blutbad angerichtet. Die Polizei steht wegen dramatischer Versäumnisse bei dem Einsatz schwer in der Kritik. Offiziellen Angaben zufolge waren bereits zu einem frühen Zeitpunkt 19 Polizisten im Flur vor dem Klassenraum präsent. Die Beamten unternahmen aber mehr als 45 Minuten lang keine Versuche, in den Raum einzudringen und den Schützen zu stoppen. Angehörige warfen der Polizei vor, sie hätten Leben retten können.


Neue Ermittlungen gegen Perus Präsidenten

LIMA: Gegen den peruanischen Präsidenten Pedro Castillo wird unter anderem wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Dem 52-Jährigen werden außerdem Vorteilsnahme und -gewährung sowie geheime Absprachen vorgeworfen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Sonntag mit. Nach einer rechtlichen Analyse sei das ursprüngliche Verfahren gegen einen Ex-Minister und sechs Kongressabgeordnete auf den Staatschef ausgeweitet worden. Gegen Castillo wird bereits ermittelt, weil er große Teile seiner Abschlussarbeit an der Universität abgeschrieben haben soll.

Der Präsident liegt im Dauerclinch mit Justiz und Parlament. In den vergangenen Monaten versuchte die Opposition bereits zweimal vergeblich, den Staatschef des Amtes zu entheben.

Der ehemalige Dorfschullehrer war Ende Juli 2021 nach einem äußerst knappen Wahlsieg und wochenlangem juristischen Streit mit der unterlegenen Rechtspopulistin Keiko Fujimori als Präsident vereidigt worden. Die Regierung des Linkspolitikers befindet sich seitdem in einem permanenten Machtkampf mit dem Parlament. Zwei von Castillos Amtsvorgängern wurden vom Kongress ihres Amtes erhoben.


Zahl der Toten bei Unwettern im Nordosten Brasiliens steigt auf 84

RECIFE: Die Zahl der Todesopfer bei Erdrutschen nach heftigem Regen im Nordosten von Brasilien ist auf mindestens 84 gestiegen. «Wir wissen, dass die Hilfe in den ersten Stunden sehr schwierig ist. Jetzt geht es darum, effektiv zu handeln», sagte der Gouverneur des Bundesstaats Pernambuco, Paulo Câmara, am Sonntag (Ortszeit). «Ich habe mit allen Bürgermeistern gesprochen, um einen Arbeitsplan zu erstellen und zu erfahren, welche Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt staatliche Unterstützung benötigen.»

Rund um die Hafenstadt Recife wurde in 14 Ortschaften der Notstand ausgerufen. Gouverneur Câmara gab Hilfsmittel in Höhe von 100 Millionen Reais (19,7 Mio Euro) frei. Die Toten wurden sei Beginn der Unwetter am Mittwoch registriert. Allein am Wochenende kamen demnach 79 Menschen ums Leben.

Zuletzt waren in der Region heftige Niederschläge registriert worden. Im Großraum Recife fielen innerhalb von 24 Stunden über 200 Milliliter Regen, wie die Regierung des Bundesstaats Pernambuco mitteilte. 56 Menschen wurden noch immer vermisst, fast 4000 Menschen verloren ihr Obdach. «Obwohl es jetzt erst einmal aufgehört hat zu regnen, erwarten wir für die nächsten Tage weitere starke Regenfälle. Das Wichtigste ist also die Aufrechterhaltung der Schutzmaßnahmen», sagte der Minister für regionale Entwicklung, Daniel Ferreira.


Kolumbien wählt neuen Präsidenten: Linkskandidat ist Favorit

BOGOTÁ: Die Kolumbianer haben über einen neuen Staatschef abgestimmt. Favorit beim ersten Wahlgang am Sonntag war erstmals ein Linker. Laut den jüngsten Umfragen lag der ehemalige Guerillakämpfer und frühere Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá, Gustavo Petro, deutlich vor dem Kandidaten der Rechten, Federico Gutiérrez, und dem Parteilosen Rodolfo Hernández. Allerdings dürfte keiner der Bewerber im ersten Wahlgang über 50 Prozent der Stimmen holen. Die beiden stärksten Kandidaten gehen dann am 19. Juni in die Stichwahl. Der derzeitige konservative Staatschef Iván Duque darf nicht mehr antreten, weil die Verfassung eine Wiederwahl nicht vorsieht.

Kolumbien litt über Jahrzehnte unter einem blutigen Bürgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten Paramilitärs und staatlichen Sicherheitskräften. 220.000 Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden vertrieben. 2016 schloss die Regierung einen Friedensvertrag mit der linken Farc-Guerilla, die Hoffnung auf einen Aufschwung war groß. Doch die Gewalt ist vor allem in ländlichen Gebieten zurück. 300.000 Polizisten und Soldaten waren am Sonntag im Einsatz, um Wähler, Wahlhelfer und Kandidaten zu schützen.

Sollte sich Petro durchsetzen, könnte erstmals in der jüngeren Geschichte Kolumbiens ein linker Politiker in den Präsidentenpalast einziehen. Dabei ist das südamerikanische Land traditionell konservativ geprägt. Die soziale Ungleichheit ist zwar groß. Doch linke Politik trug durch die Gewalt der Guerillagruppen im jahrzehntelangen Bürgerkrieg einen Imageschaden davon.


Erster Hurrikan der Saison zieht auf Mexikos Pazifikküste zu

PUERTO ÁNGEL: Vor der mexikanischen Pazifikküste hat sich der erste Hurrikan der Saison 2022 gebildet. Wirbelsturm «Agatha» legte am Sonntag an Kraft zu und erreichte Hurrikanstärke, wie das US-Hurrikanzentrum mitteilte. Der Sturm der Kategorie 1 befand sich rund 320 Kilometer südwestlich von Puerto Ángel und bewegte sich mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu.

«Agatha» dürfte am Montag als Hurrikan im Bundesstaat Oaxaca auf Land treffen. Der mexikanische Wetterdienst warnte vor lebensbedrohlichen Überschwemmungen, Hochwasser und Erdrutschen. Der Zivilschutz von Oaxaca rief die Menschen dazu auf, sich von Flüssen fernzuhalten und sich über höher gelegene Rückzugsorte zu informieren.

Die Hurrikansaison im Pazifik dauert vom 15. Mai bis zum 30. November und im Atlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Im vergangenen Jahr wurden im östlichen Pazifik 19 Hurrikans und Tropenstürme registriert, im Atlantik gab es 21 tropische Wirbelstürme.


Erdogan erteilt Nato-Norderweiterung trotz Gesprächen erneut Absage

ISTANBUL: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bleibt auch nach Verhandlungen mit Schweden und Finnland bei seinem Veto gegen die Nato-Norderweiterung. «Solange Tayyip Erdogan an der Spitze des türkischen Staates steht, können wir nicht «Ja» zu einem Nato-Beitritt von Ländern sagen, die den Terror unterstützen», sagte Erdogan nach Angaben der Zeitung «Hürriyet» von Sonntag. Gespräche mit Vertretern der beiden skandinavischen Länder am Mittwoch seien nicht wie erwartet verlaufen, sagte Erdogan. Die Länder hätten nicht die erwartenden Schritte im Kampf gegen den Terrorismus unternommen. Erdogan äußerte sich auf einem Rückflug aus Aserbaidschan vor türkischen Journalisten.

Die Türkei blockiert derzeit als einziges Nato-Mitglied öffentlich den Beginn des Aufnahmeprozesses der beiden nordischen Länder in das Verteidigungsbündnis. Ankara begründet seine Haltung mit der angeblichen Unterstützung Finnlands und Schwedens von «Terrororganisationen» wie der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Ankara verlangt außerdem die Auslieferung von angeblichen Terroristen aus beiden Ländern. Um welche Personen es sich dabei handelt, ist unklar. Nach Angaben türkischer Medien steht auf der Auslieferungsliste auch der regierungskritische Verleger Ragip Zarakolu, der demnach in Schweden lebt.

Zu einer möglichen neuen Militäroffensive der Türkei im Nachbarland Syrien sagte Erdogan, die USA müssten ihre Pflicht im Kampf gegen den Terrorismus erfüllen. Wenn die USA diese Aufgabe nicht erfülle, werde sich die Türkei selbst kümmern. Er wiederholte eine oft geäußerte Drohung: Das türkische Militär könne nachts plötzlich zuschlagen.

Die Türkei hat bereits mehrmals Militäreinsätze in Syrien durchgeführt, die vor allem gegen die Kurdenmiliz YPG gerichtet waren. Am Montag hatte Erdogan mit einer neuen Offensive in Syrien gedroht. Die YPG - Verbündete der USA im syrischen Bürgerkrieg - sieht Ankara als Ableger der PKK.


Johnson will Maßeinheiten Pfund und Unze zurückbringen

LONDON: Der britische Premier Boris Johnson will die Freiheiten seines Landes nach dem Brexit nutzen, um imperialen Maßeinheiten wie der Unze neue Bedeutung zu geben. Pünktlich zum Thronjubiläum der Queen am kommenden Wochenende wolle Johnson einen öffentlichen Beratungsprozess dazu beginnen, wie die Einheiten wie Pfund, Unze oder Yard künftig wieder genutzt werden könnten, berichteten mehrere britische Medien am Sonntag.

Seit dem Jahr 2000 galten für Großbritannien als damaliges EU-Mitglied im Handel verpflichtende Angaben in Gramm und Kilogramm. Britische Händler können aber daneben auch Pfund und Unzen angeben. Den neuen Plänen zufolge, über die zunächst der «Sunday Mirror» berichtete, sollen Händler künftig frei wählen können, was sie angeben. Vor Monaten hatte die konservative Regierung bereits angekündigt, wieder die «Crown Stamp» als korrekte Eichung auf Biergläsern sowie Sektflaschen im Pint-Format zulassen zu wollen.

Die größte Oppositionspartei Labour warf der Regierung einen «erbärmlichen Versuch» vor, eine Politik der Nostalgie zu bemühen. Stattdessen solle man sich lieber um drängendere Probleme kümmern.

Beobachter sehen in Johnsons neuem Vorstoß einen Versuch, Kritiker in den eigenen Reihen zu besänftigen und von der rufschädigenden Debatte über den «Partygate»-Untersuchungsbericht abzubringen. Dieser hatte der Downing Street in der vergangenen Woche Führungsversagen und schwere Regelbrüche vorgeworfen. Am Wochenende enthüllten zwei weitere konservative Abgeordnete, Johnson per Brief das Vertrauen entzogen zu haben. Erhält das zuständige Komitee mindestens 54 dieser Briefe, kommt es zum Misstrauensvotum. Die BBC und die Nachrichtenagentur PA berichteten über rund 20 bislang abgeschickte Briefe. Allerdings könnten weitere eingegangen sein, ohne dass dies öffentlich bekannt geworden wäre.


Siemens erhält aus Ägypten größten Auftrag der Firmengeschichte

MÜNCHEN: Das Schwellenland Ägypten will sein Verkehrssystem modernisieren und ein Netz für Hochgeschwindigkeitszüge aufbauen. Davon profitiert Siemens und liefert unter anderem 135 Züge.

Der Industriekonzern Siemens hat einen weiteren Milliardenauftrag aus Ägypten unter anderem für ICE-Züge erhalten. Zusammen mit zwei Partnern habe man einen Vertrag über den Bau des sechstgrößten Hochgeschwindigkeitssystems der Welt unterzeichnet, teilte das Münchner Unternehmen am Samstagabend mit. Demnach entfällt allein auf Siemens ein Auftragswert von 8,1 Milliarden Euro. Darin sind auch 2,7 Milliarden Euro für die erste Strecke enthalten, die bereits im vergangenen Jahr vereinbart wurde.

Nach Siemens-Angaben handelt es sich um den größten Auftrag in der 175-jährigen Geschichte des Unternehmens. Geplant ist der Bau eines 2000 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Siemens Mobility werde 41 Hochgeschwindigkeitszüge, 94 Regionalzüge und 41 Güterlokomotiven liefern. Die Züge sollen mit bis zu 230 Kilometern in der Stunde unterwegs sein. Der Vertrag beinhalte auch Bahninfrastruktur, acht Betriebs- und Güterbahnhöfe sowie einen Wartungsvertrag über 15 Jahre.

Bereits bekannt war, dass Siemens am Bau eines «Suezkanals auf Schienen» beteiligt ist - also einer Bahnverbindung zwischen Mittelmeer und Rotem Meer. Dem Unternehmen zufolge wurden nun Verträge für Strecken zwischen Kairo und Abu Simbel an der Grenze zum Sudan sowie zwischen den archäologischen Stätten des Weltkulturerbes in Luxor und dem Badeort Hurghada unterzeichnet. Insgesamt soll das Hochgeschwindigkeitsnetz 60 Städte miteinander verbinden.


Griechenland verlängert Grenzzaun zur Türkei um 80 Kilometer

ATHEN: Die griechische Regierung will die Grenze zur Türkei im Nordosten des Landes vollständig gegen Migranten abriegeln. Die bestehenden 35 Kilometer Grenzzaun sollen dazu um 80 Kilometer verlängert werden, sagte Migrationsminister Notis Mitarakis am Sonntag dem Sender Skai. Damit seien all jene Regionen abgesichert, die sonst zu Fuß passiert werden könnten.

Hintergrund sind die aktuell starken Spannungen zwischen Athen und Ankara. Die beiden Nato-Mitglieder streiten über Erdgas, Hoheitsgebiete und viele andere Themen. Zuletzt hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärt, der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis existiere für ihn nicht mehr und damit den Gesprächsfaden abgeschnitten. Nun fürchtet Athen, dass Erdogan erneut Migranten als Druckmittel einsetzen könnte, so wie 2020, als er die Grenze zu Griechenland am Fluss Evros für geöffnet erklärte und Tausende Menschen sich auf den Weg dorthin machten.

Die Zahl der versuchten illegalen Einreisen hatte zuletzt deutlich zugenommen. Allein seit Jahresbeginn seien rund 40.000 Übertritte verhindert worden, sagte Bürgerschutzminister Takis Theodorikakos demselben Sender am Sonntag.


Silber und Bronze: Zwei EM-Medaillen für deutsches Karate-Team

GAZIANTEP: Mit zwei Medaillen hat das Team des Deutschen Karate Verbands die Europameisterschaft im türkischen Gaziantep beendet. Anna Miggou holte in der Zweikampfdisziplin Kumite Silber, Jasmin Jüttner im Kata-Wettbewerb Bronze. Miggou verlor im Finale der Gewichtsklasse bis 61 Kilogramm am Samstag knapp gegen Ingrida Suchankova aus der Slowakei, Jüttner setzte sich im kleinen Finale gegen die Tschechin Veronika Miskova durch. Kumite-Vizeweltmeisterin Shara Hubrich war in ihrem Auftaktkampf gegen die Kosovarin Redona Gashi wegen eines unbeabsichtigt heftigen Kontakts disqualifiziert worden.

Die Kata-Disziplin ist eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken ohne Gegner. Bewertet wird die Vorführung anhand bestimmter Kriterien wie etwa Ausdruck, Athletik und Technik.


Neue Echsenart in peruanischer Ruinenstadt Machu Picchu entdeckt

CUSCO: In der Ruinenstadt Machu Picchu in Peru haben Wissenschaftler eine neue Echsenart entdeckt. Die neue Art wurde Proctoporus optimus genannt, nach dem Charakter Optimus Prime aus dem Science-Fiction-Film Transformers, der teilweise in Machu Picchu gedreht wurde, wie die peruanische Behörde für Naturschutzgebiete mitteilte. Im Naturpark Machiguenga sei eine weitere neue Echsenart entdeckt und nach der Biologin Kateryn Pino Bolaños auf den Namen Proctoporus katerynae getauft worden. Beide Arten gelten demnach als gefährdet. Vor allem der Klimawandel macht den mittelgroßen Echsen zu schaffen.

Die Ruinenstätte Machu Picchu gehört zu den wichtigsten Touristenattraktionen Südamerikas und zählt seit 1983 zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Stadt in den Anden wurde im 15. Jahrhundert von den Inkas errichtet und besteht aus rund 200 Bauten. Bis zu 3000 Touristen besuchen die Ruinen pro Tag.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.