Neues aus dem Ausland am Sonntag

Neues aus dem Ausland am Sonntag

WWF-Report: EU ist teurer Supermarkt statt Kornkammer der Welt

BRÜSSEL: Einem neuen Bericht der Umweltschutzorganisation WWF zufolge trägt die Landwirtschaft in der EU nur bedingt zur weltweiten Lebensmittelversorgung bei. «Derzeit sind wir der teure Supermarkt, nicht die Kornkammer der Welt», kritisiert WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger. Hintergrund sei unter anderem, dass die EU vor allem hochwertige Lebensmittel wie Schokolade oder Fleisch exportiere, aber günstige Produkte wie Kakao oder Futtermittel importiere. «In vielen Ländern der Erde brauchen die Menschen Korn, nicht Corned Beef und Chardonnay», so Dräger.

Der am Montag unter dem Titel «Europe eats the world» (etwa: «Europa isst die Welt») veröffentlichte Bericht betont, die Länder der EU führten mehr Kalorien und Proteine - unter anderem in Form von Tierfutter - ein, als sie in andere Regionen verkauften. So entzögen sie anderen Märkten 11 Prozent der Kalorien und 26 Prozent der Proteine.

Die Umweltschützer fordern ein deutliches Umdenken der EU-Landwirtschaft. Nur ein nachhaltigeres Lebensmittelsystem sei in der Lage, künftig die Ernährungssicherheit im In- und Ausland zu gewährleisten. Derzeit ende beispielsweise mindestens die Hälfte der Getreideproduktion in der EU als Futter im Trog. «Die EU muss anders produzieren und konsumieren. Die Tierbestände müssen zum Beispiel sinken, der Anteil an Fläche für den Anbau von Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst für den menschlichen Verzehr muss steigen», forderte Dräger.

Der Bericht kritisiert zudem Lebensmittelverschwendung auf Farmen. Weltweit gingen Schätzungen zufolge 1,2 Milliarden Tonnen für Menschen vorgesehene Lebensmittel während oder kurz nach der Ernte verloren. Dies seien rund 15 Prozent der gesamten Lebensmittelproduktion. Zu den Gründen zählten etwa regionale Überproduktion, Extremwetter oder Anforderungen des Einzelhandels.


Zwei Leichtflugzeuge aus Deutschland stürzen in Österreich ab

REICHRAMING: Zwei Piloten aus Bayern sind bei einem gemeinsamen Flug mit ihren Leichtflugzeugen in Österreich zusammengestoßen.

Die insgesamt vier Insassen überlebten die Abstürze ihrer Maschinen in Oberösterreich am Sonntag unverletzt, wie die Polizei mitteilte. Einer der Piloten (62) flog mit seinem Sohn (25) in Altötting los. Der andere (61) hob mit einem Passagier (74) in Eggenfelden ab. Nachdem sie die deutsch-österreichische Grenze überquert hatten, flogen sie gemeinsam auf ihrer Route nach Ungarn weiter. Aus noch ungeklärter Ursache kollidierten die Flieger jedoch bei Reichraming. Beide Piloten lösten die Notfallschirme der Flugzeuge aus, die die Abstürze abbremsten. Die Flugzeuge krachten in einen Wald und verkeilten sich zwischen Bäumen. Einsatzkräfte mussten zwei der Männer aus 10 bis 15 Metern Höhe abseilen.


Unwetter : fünf Tote und Hunderttausende ohne Strom

TORONTO: Bei mehreren heftigen Stürmen und Gewittern sind in Kanada am Wochenende mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Das Unwetter zog eine Schneise der Verwüstung durch die Provinzen Ontario und Quebec und trennte fast eine Million Haushalte von der Stromversorgung, wie das kanadische Umweltministerium mitteilte. In den Städten Toronto, Montreal und Ottawa wurden Windgeschwindigkeiten von 130 Kilometern pro Stunde gemessen. Derart starke Unwetter gelten in dieser Region - der bevölkerungsreichsten des Landes - als selten.

Laut übereinstimmenden Medienberichten wurden vier Menschen von umstürzenden Bäumen erschlagen. Zudem starb eine Frau, als ihr Boot auf einem Nebenfluss des Sankt-Lorenz-Stroms kenterte.

Am Samstagabend (Ortszeit) waren laut der Internetseite PowerOutage rund 925.000 Haushalte in Ontario und Quebec ohne Strom - für Kanada, ein Land mit 38 Millionen Einwohnern, eine hohe Zahl.

Am Sonntagnachmittag gab es noch immer in mehr als 600.000 Haushalten keine Elektrizität. Der Stromanbieter Hydro One schrieb auf Twitter, es dürfte noch mehrere Tage dauern, bis die Versorgung wieder hergestellt werden könne.


Scholz besucht Bundeswehrsoldaten im westafrikanischen Niger

NIAMEY: Am zweiten Tag seiner Afrika-Reise besucht Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Montag die im westafrikanischen Niger stationierten Bundeswehrsoldaten. Auf dem Stützpunkt Tillia bilden Kampfschwimmer der Marine nigrische Spezialkräfte für den Kampf gegen den islamistischen Terror in der Region aus. An der seit 2018 laufenden Mission «Gazelle» sind nach Angaben des Einsatzführungskommandos etwa 200 deutsche Soldaten beteiligt.

Es ist der erste Truppenbesuch des Kanzlers im Ausland. Die Mission «Gazelle» gehört zum EU-Ausbildungseinsatz EUTM. Am Freitag hatte der Bundestag das Ende der Bundeswehr-Beteiligung daran in dem von einer Militärregierung geführten Nachbarland Mali beschlossen. Die als erfolgreich geltende Ausbildung der Spezialkräfte im Niger läuft dagegen noch bis Ende des Jahres. Es gibt Gespräche darüber, wie das Bundeswehrengagement danach fortgesetzt werden soll.

Nach seinem Truppenbesuch führt Scholz politische Gespräche in der Hauptstadt Niamey. Die Sicherheitslage in der gesamten Sahelzone, die sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt, ist prekär. Etliche bewaffnete Gruppen sind dort aktiv. Einige haben den Terrorgruppen Islamischer Staat (IS) oder Al-Kaida die Treue geschworen. Die Instabilität ist ein Grund dafür, dass sich Menschen aus der Region zu Tausenden auf den Weg nach Europa machen.

Der Niger mit seinen knapp 25 Millionen Einwohnern gilt als wichtiger Partner Deutschlands im Kampf gegen den islamistischen Terror in der Sahelzone. Von der Bundesregierung wird das arme Land als «Anker der Stabilität» gesehen, vor allem jetzt wo in den Nachbarländern Mali und Burkina Faso Militärs an der Macht sind. Die demokratisch gewählte Regierung von Präsident Mohamed Bazoum im Niger fährt einen pro-westlichen Kurs und hat sich - anders als viele andere afrikanische Länder - klar gegen eine Zusammenarbeit mit Russland ausgesprochen.


Israel lässt Europa-Abgeordneten nicht einreisen

BRÜSSEL: Israel hat einem Mitglied des Europaparlaments die Einreise verweigert. Der spanische Abgeordnete Manu Pineda, der als Leiter einer Abgeordneten-Delegation nach Israel und in die Palästinensergebiete fahren wollte, bekam nach eigenen Angaben vom Sonntag keine Einreiseerlaubnis. Das israelische Außenministerium begründete dies mit «Informationen der zuständigen Behörden in Israel», die nicht näher erläutert wurden. Daraufhin sagte die gesamte Delegation aus 18 Abgeordneten die geplante Reise ab.

Der Linke-Abgeordnete beschwerte sich auf Twitter: «Israel blockiert die Arbeit des Europaparlaments». Der Gruppe sei auch nicht erlaubt worden, in den Gazastreifen zu fahren, das Palästinensergebiet am Mittelmeer. Pineda hatte sich mit anderen Abgeordneten auch über die Lage nach dem Tod einer Reporterin des TV-Senders Al-Dschasira informieren wollen, die während eines israelischen Militäreinsatzes im Westjordanland durch Schüsse getötet wurde.

Israel hatte 2018 festgelegt, Aktivisten bestimmter Organisationen, die zu einem Israel-Boykott aufrufen, die Einreise zu verweigern. Die Zeitung «Jerusalem Post» berichtete am Sonntag, Pineda habe in der Vergangenheit im Gazastreifen für eine Organisation gearbeitet, die sich für einen Boykott Israels einsetze. Außerdem habe der Spanier den Chef der dort herrschenden Hamas, Ismail Hanija, getroffen. EU, USA und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein.

EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola kündigte an, bei den zuständigen Behörden das Einreiseverbot zum Thema zu machen. Die maltesische Politikerin war am Sonntag selbst zu einem Besuch in Israel und den Palästinensergebieten.


Scholz will mit Senegal bei Gasförderung zusammenarbeiten

DAKAR: Deutschland will mit dem Senegal bei der Erschließung eines Gasfelds vor der westafrikanischen Küste zusammenarbeiten. Das kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Sonntag nach einem Gespräch mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall in Dakar an, ohne Details zu nennen. «Darüber haben wir uns begonnen auszutauschen, wir werden das im Anschluss an diese Gespräche auch sehr intensiv auf Fachebene fortsetzen», sagte Scholz. Es mache Sinn, eine solche Kooperation «intensiv zu verfolgen», dies sei ein «gemeinsames Anliegen».

Es geht um ein Gasfeld vor der Küste, an dem neben dem Senegal auch Mauretanien Anteile hält. Medienberichten zufolge vermutet der Betreiber BP dort 425 Millionen Kubikmeter Erdgas. Deutschland will mit dem Senegal außerdem in den Bereichen Solar- und Windenergie stärker zusammenarbeiten.

Dakar ist die erste Station der ersten Afrika-Reise von Scholz als Kanzler. Weitere Stationen werden in den nächsten Tagen der Niger und Südafrika sein.


Mitglied der iranischen Revolutionsgarden in Teheran erschossen

TEHERAN: Ein Mitglied der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) ist in Teheran auf offener Straße erschossen worden. Das Attentat ereignete sich nach Angaben des Staatssenders Irib am Sonntag in einem Viertel im Südosten der Hauptstadt. Das Opfer war demnach Mitglied der Kuds-Brigaden, die unter anderem auch in Syrien aktiv sind.

Unterdessen meldeten die iranischen Revolutionsgarden am Sonntag, mutmaßliche Mitglieder eines Netzwerks des israelischen Geheimdienstes Mossad verhaftet zu haben. Nach Angaben der IRGC-Website wurden «Krawallmacher», die für den Mossad im Iran tätig sein sollen, verhaftet. Ihnen werden unter anderem Entführungen und Diebstahl vorgeworfen.

Israel gilt seit der islamischen Revolution 1979 als Irans Erzfeind. Immer wieder gibt es Berichte über Festnahmen, Verhaftungen und auch Hinrichtungen mutmaßlicher Agenten, denen Kooperation mit dem Mossad oder dem US-Auslandsgeheimdienst CIA vorgeworfen wird. Die iranischen Angaben lassen sich in der Regel nicht unabhängig überprüfen.


Türkei bestellt US-Botschafter wegen Sicherheitswarnung ein

ISTANBUL/WASHINGTON: Die Türkei hat den US-Botschafter in Ankara, Jeff Flake, wegen einer Warnung vor Polizeigewalt bei einer Demonstration einbestellt. Begründet wurde dies aus dem türkischen Außenministerium mit einer Mitteilung der US-Botschaft, die «haltlose Aussagen» über Maßnahmen der Sicherheitskräfte enthalte. Der Unmut bezieht sich auf eine Sicherheitswarnung vom Samstag. Die Botschaft hatte darauf hingewiesen, dass bei einer Demonstration der Opposition in Istanbul Tränengas, Wasserwerfer und nicht-tödliche Geschosse eingesetzt werden könnten. An US-Bürger appellierte sie, sich von Menschenansammlungen fernzuhalten.

Das US-Außenministerium bestätigte auf Anfrage lediglich, «dass sich der Botschafter heute zu einem Treffen im Ministerium eingefunden hat, um die Demonstrations-Warnung und andere Themen zu besprechen». Priorität habe immer der Schutz von US-Staatsbürgern. Warnungen basierten daher nicht auf politischen, sondern auf Sicherheitserwägungen. Die Einbestellung eines Botschafters gehört auf diplomatischem Feld zu den härteren Protestmaßnahmen zwischen zwei Staaten.

Die Türkei veröffentlichte am Sonntag eine ähnlich klingende Warnung an ihre Bürger in den USA. Sie sollten sich von Ansammlungen fernhalten, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums in Ankara. In der Vergangenheit seien bei solchen Gelegenheiten etwa Gas und echte Kugeln eingesetzt worden.

In Istanbul versammelten sich am Samstag Tausende, um gegen ein Urteil gegen die Oppositionspolitikerin Canan Kaftancioglu zu protestieren. Der von der größten Oppositionspartei CHP organisierte Protest endete ohne Zwischenfälle. Sicherheitskräfte waren in der Vergangenheit immer wieder hart gegen regierungskritische Demonstranten vorgegangen.


Israels Regierung stabilisiert - Abgeordnete nimmt Austritt zurück

JERUSALEM: Israels Acht-Parteien-Regierung hing am seidenen Faden, jetzt hat eine Abgeordnete der links-liberalen Meretz-Partei Berichten zufolge ihren Austritt aus der Koalition wieder zurückgenommen. Dies habe sie nach einem Gespräch mit Außenminister Jair Lapid und Vertretern des arabischen Sektors entschieden, berichteten israelische Medien am Sonntag. Damit verfügt die Regierung von Ministerpräsident Naftali Bennett wieder über 60 der 120 Sitze im Parlament. Dies macht es der von Ex-Regierungschef Benjamin Netanjahu angeführten Opposition schwerer, die Regierung zu stürzen.

Die Abgeordnete Ghaida Rinawi Suabi hatte am Donnerstag ihren Austritt aus der Koalition verkündet. Sie begründete ihren Schritt unter anderem mit dem Vorgehen der israelischen Polizei bei jüngsten Konfrontationen auf dem Tempelberg (Al-Haram Al-Scharif) in Jerusalem. Auch Polizeigewalt bei der Beerdigung einer getöteten Reporterin des TV-Senders Al-Dschasira am Freitag in Jerusalem habe sie erschüttert, schrieb sie in ihrem Rücktrittsbrief.

Bennetts Acht-Parteien-Koalition hatte im vergangenen Monat bereits ihre hauchdünne Mehrheit in der Knesset verloren, weil eine Abgeordnete der Regierungspartei Jamina austrat. Die Koalition überstand dennoch zwei Misstrauensvoten.

Die Regierung Bennetts war Mitte Juni vergangenen Jahres vereidigt worden. Damit fand die politische Dauerkrise in Israel mit vier Wahlen binnen zwei Jahren ihr vorläufiges Ende. Die Koalition wurde von insgesamt acht Parteien vom rechten bis zum linken Spektrum getragen - darunter erstmals eine arabische Partei.


Bekannte Frauenrechtsaktivistin getötet

PUEBLA: In Mexiko ist eine bekannte Anwältin und Frauenrechtsaktivistin getötet worden. Cecilia Monzón sei erschossen worden, als sie mit ihrem Wagen in San Pedro Cholula im Großraum Puebla unterwegs gewesen sei, berichtete die mexikanische Zeitung «El Universal» am Samstagabend (Ortszeit).

Das Sekretariat für Bürgersicherheit von San Pedro Cholula sprach in einem Tweet von einem direkten Angriff auf eine namentlich nicht genannte Frau, der zwei Männer auf einem Motorrad gefolgt seien. Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Puebla werde den Angriff untersuchen.

Das Motiv war zunächst unklar. Monzón war Anhängerin der Partei der Institutionellen Revolution (PRI). Sie kandidierte für die Umweltschutzpartei Verde Ecologista auch für das Gemeindepräsidium von San Pedro Cholula. Zuletzte setzte sie sich für die Verteidigung von Frauen bei Scheidungen, Unterhaltsklagen und als Opfer von Gewalt ein.

Lateinamerika gilt als eine der gefährlichsten Regionen der Welt für Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten.


Manchester erinnert an Opfer des Terroranschlags von 2017

MANCHESTER: Fünf Jahre nach dem Terroranschlag auf ein Konzert von Ariana Grande in Manchester hat die britische Großstadt an die Opfer erinnert. Mehr als 20.000 Menschen nahmen am Sonntag an einem Gedenklauf teil. Darunter war auch Bürgermeister Andy Burnham, der wie viele Überlebende, Einwohner und Helfer, aber auch US-Sängerin Grande ein Tattoo einer Biene trägt. Das Insekt ist das Symbol der Stadt und ein Zeichen der Gemeinschaft nach dem Attentat am 22. Mai 2017.

Premierminister Boris Johnson lobte die Mancunians genannten Einwohner. «Die Tapferkeit und der Widerstand, die die Mancunians in den folgenden Tagen so mutig zeigten, beweist, dass Hass niemals siegen wird», twitterte Johnson. Bürgermeister Burnham gedachte ebenfalls auf Twitter der Opfer. «Ihre Namen stehen für immer im Herzen unserer Stadt», schrieb er.

Zum Lauf begrüßte das Stadtoberhaupt auch die 19-jährige Freya Lewis, die den Anschlag schwer verletzt überlebt hatte und in langer Reha wieder laufen gelernt hat. Später am Tag war ein Gedenkgottesdienst geplant. Um 22.31 Uhr (Ortszeit, 23.31 Uhr) - der Uhrzeit der Bombenexplosion vor der Manchester Arena - sollten Kirchenglocken läuten.

Ein 22 Jahre alter islamistischer Selbstmordattentäter hatte damals nach einem Konzert von US-Sängerin Grande einen Sprengsatz gezündet und 22 Menschen mit in den Tod gerissen. Unter den Opfern waren viele Jugendliche. Etwa 800 weitere Menschen erlitten Verletzungen oder wurden traumatisiert. Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.


Explosion nahe Taliban-Gedenkveranstaltung in Kabul

KABUL: In Afghanistans Hauptstadt Kabul hat es eine Explosion nahe einer Zusammenkunft hochrangiger Taliban gegeben. Die Detonation habe sich vor einem Hotel ereignet, in dessen Halle eine Zeremonie zum Todestag des früheren Talibanchefs Mullah Achtar Mansur in Gange war, hieß es von der Polizei am Sonntag.

Laut ersten Polizeiinformationen wurde ein Zivilist durch die Explosion verletzt. Sicherheitskräfte untersuchten den Vorfall.

Berichte, nach denen ein Selbstmordattentäter versucht haben soll, die Halle anzugreifen, wurden bislang nicht bestätigt. Auch bekannte sich bislang keine Gruppierung zur Tat. Bei der Gedenkveranstaltung waren mehrere Mitglieder der Taliban-Regierung zugegen. Als oberster Taliban-Führer wurde Mansur 2016 bei einem US-Drohnenangriff in Pakistan getötet.


Schmuggel von Altertümern - Urteil gegen Berliner im Irak verschoben

BAGDAD: Ein irakisches Gericht hat das bevorstehende Urteil gegen einen Deutschen wegen mutmaßlichen Schmuggels von antiken Schätzen verschoben. Vorher sollten die Stücke, die bei einer Kontrolle am Flughafen in seinem Gepäck aufgetaucht waren, untersucht werden, sagte Anwalt Mohammed Kubirli der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Die Verteidiger des Deutschen beantragten, dass Experten das Alter und den archäologischen Wert der Stücke bestimmen. Die nächste Anhörung in dem Fall soll in etwa zwei Wochen stattfinden.

Der aus Berlin stammende 60-Jährige war gemeinsam mit einem Briten am Flughafen von Bagdad festgenommen worden. In vier Gepäckstücken ihrer Reisegruppe wurden 32 Artefakte der archäologischen Stätten Uruk und Eridu entdeckt, zwei davon in einem Koffer des Deutschen. Bei einer Verurteilung droht beiden die Todesstrafe oder lebenslange Haft, da Todesurteile im Irak in den vergangenen Jahren nur selten vollstreckt wurden.

Die Verteidiger wollen sich um ein vermindertes Strafmaß bemühen. Kubirli sagte, die Stücke im Koffer des Deutschen gehörten einem anderen Touristen. Die Verantwortung liege zudem bei der irakischen Antikenbehörde und dem Innenministerium. Diese müssten Touristen davon abhalten, an archäologischen Stätten Gegenstände einzusammeln - vor allem Erstbesucher wie den festgenommenen Deutschen. Die Stücke, um die es gehe, seien «insgesamt winzig».


Nach Festnahme von Kardinal Zen - Papst betet für Gläubige in China

ROM: Nach der Festnahme eines Kardinals in Hongkong hat Papst Franziskus für die Gläubigen in China gebetet. «Ich verfolge mit Achtung und Anteilnahme das Leben und die oft komplexen Ereignisse der Gläubigen und Priester und bete jeden Tag für sie», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag nach dem traditionellen Mariengebet Regina Caeli vor zahlreichen Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. Er lade zum Gebet ein, damit die Kirche in China in Freiheit und Ruhe in der aktiven Gemeinschaft mit der Weltkirche leben und ihre Mission der Verkündigung des Evangeliums an alle ausüben könne, erklärte der 85-Jährige weiter.

Am 11. Mai wurde der emeritierte Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, festgenommen. Der Heilige Stuhl äußerte sich besorgt über den Vorfall. Zen kam wenig später auf Kaution frei. Dem 90-Jährigen wurde vorgeworfen, gegen das umstrittene nationale Sicherheitsgesetz verstoßen zu haben.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin - die Nummer Zwei im Vatikan - nannte die Festnahme «Vatican News» zufolge «ausgesprochen unglücklich». Der Vatikan vereinbarte 2018 ein Abkommen mit Peking zur Ernennung von Bischöfen in China, das am 22. Oktober 2022 auslaufen würde. Parolin sah dafür zwar keine Gefahr, hoffte aber, dass der Weg des Dialogs zwischen dem Heiligen Stuhl und China nicht noch komplizierter werde. Zen kritisierte in der Vergangenheit die kommunistische Partei Chinas und das Abkommen.


Motorradfahrer reist von Deutschland zu Hochzeit nach Afghanistan

BERLIN/KABUL: Um bei einer Hochzeit in Kabul dabei zu sein, ist ein Mann von Deutschland mit dem Motorrad nach Afghanistan gefahren. Nach zwölf Tagen und der Überquerung zahlreicher Landesgrenzen erreichte der Biker laut einem örtlichen Medienbericht am Samstag die zentralafghanische Provinz Ghasni, wo er erstmals an einem Taliban-Kontrollpunkt angehalten wurde. Örtliche Taliban-Beamte und Anwohner bestätigten der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag den Bericht. Der Mann stammt nach eigenen Angaben ursprünglich aus der afghanischen Provinz Paktia und besitzt dem Vernehmen nach sowohl die afghanische als auch deutsche Staatsbürgerschaft. Wo in Deutschland er seine Reise startete und normalerweise lebt, war nicht bekannt.

Für seinen Weg durch die Türkei und den Iran besaß er Taliban-Angaben zufolge Einreisegenehmigungen. Nach Afghanistan sei er aber in Herat eingereist, ohne die Behörden zu informieren. «Er war in Eile, er sagte mir, er müsse weiter nach Kabul, um an einer Hochzeitszeremonie teilzunehmen», sagte der Leiter der Taliban-geführten Sportabteilung der Provinz, Bilal Mujahid. Er sei persönlich zum Kontrollpunkt geeilt, um den Mann zu begrüßen und ein Foto mit ihm zu schießen. Nach dem Grund für sein Transportmittel gefragt, habe der Biker ihm gesagt, er habe «der Welt zeigen wollen, dass Afghanistan sicher ist» und man es mit einem Motorrad bereisen könne, behauptete Mujahid.

Die militant-islamistischen Taliban hatten im August 2021 in Afghanistan erneut die Macht übernommen. Sie bemühen sich seither um den Eindruck, dass das lange von Krieg und Terrorismus geplagte Land unter ihrer Führung sicherer sei.


Teile von Südafrikas Küstenregion erneut von Starkregen betroffen

DURBAN: Teile von Südafrikas Küstenprovinz KwaZulu-Natal sind erneut von ungewöhnlich heftigem Starkregen heimgesucht worden.

Betroffen war vor allem erneut der Großraum um Bremens Partnerstadt Durban, wo nach Medienberichten am Sonntag Such- und Rettungsarbeiten stattfanden. In den sozialen Medien waren erneut Videos von überschwemmten Straßen und Häusern zu sehen. Das genaue Ausmaß der neuen Schäden ist noch unbekannt. Die Region ist noch mit der Beseitigung der schweren Verwüstungen beschäftigt, die die heftigen Niederschläge im April hinterlassen haben. Rund 450 Menschen kamen dabei ums Leben.


Migranten bei Schiffbruch in der Ägäis gerettet

ATHEN: Die griechische Küstenwache hat am Sonntag 26 Migranten von einem sinkenden Boot vor der Touristeninsel Rhodos gerettet. Wie der staatliche Rundfunk und andere Medien unter Berufung auf die Küstenwache berichteten, kenterte das Boot bei Windstärke 7. Einer der Insassen alarmierte telefonisch die griechischen Behörden. Unter den Geretteten sei ein blindes Mädchen, hieß es in den Berichten.

Offiziere der Küstenwache sprachen in griechischen Medien von «verbrecherischen Schleuserbanden», die nicht zögerten, Menschen bei so schlechten Wetterbedingungen aus der Türkei nach Griechenland in «morschen Kähnen» zu schicken.

Griechenland hat die Kontrollen entlang der Meerengen zwischen den griechischen Inseln und der Türkei in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt. Migranten, denen es gelingt, die Mittellinie im Meer zwischen der Türkei und den griechischen Inseln und damit die EU zu erreichen, werden in den meisten Fällen gestoppt und zurück in türkische Gewässer begleitet. Kentert ein Boot, werden die Menschen gerettet und nach Griechenland gebracht.


Australiens neuer Premier Anthony Albanese vereidigt

CANBERRA: Der australische Wahlsieger Anthony Albanese ist als 31. Premierminister des Landes vereidigt worden. Nur zwei Tage nach der Abstimmung legte der 59 Jahre alte Labor-Chef am Montag vor Generalgouverneur David Hurley seinen Amtseid ab. Mit ihm wurden in Canberra mehrere Minister des neuen Kabinetts vereidigt, darunter die neue Außenministerin Penny Wong. Allerdings ist die Auszählung der Stimmen noch immer nicht beendet, und es ist weiter offen, ob Albanese mit absoluter Mehrheit regieren kann oder auf die Stimmen anderer Parteien angewiesen sein wird.

Die Vereidigung fand so schnell statt, weil Albanese und Wong am Dienstag in Tokio an einem Gipfeltreffen mit US-Präsident Joe Biden und den Regierungschefs aus Japan und Indien teilnehmen wollen. Bei dem sogenannten Quad-Gipfel soll das Streben nach einem freien und offenen Indopazifik im Zentrum stehen. Die Staaten sind bemüht, Chinas Einfluss in der Region nicht weiter wachsen zu lassen.

Rund 17 Millionen Wahlberechtigte waren am Samstag dazu aufgerufen, über alle 151 Sitze im Unterhaus und die Hälfte der 78 Sitze im Senat zu entscheiden. Die rechtskonservative Koalition unter dem bisherigen Premier Scott Morrison hatte dabei schwere Verluste eingefahren. Sie stand nach Jahren immer neuer Umweltkatastrophen vor allem wegen ihrer Klimapolitik in der Kritik.


Rasche Einigung auf Renovierung des britischen Parlaments gefordert

LONDON: Eine britische Abgeordnete hat mit Nachdruck eine rasche Einigung auf die Renovierung des Parlaments in London angemahnt. Dem berühmten Bau am Themseufer drohe ein Schicksal wie der Pariser Kathedrale Notre-Dame, die vor rund drei Jahren bei einem Großbrand schwer beschädigt wurde, sagte Ex-Ministerin Andrea Leadsom am Wochenende der BBC. «Es könnte heute niederbrennen oder morgen oder an irgendeinem Tag, und wir müssen eine Entscheidung treffen und vorankommen», forderte die konservative Politikerin. 2017 sei ein Feuer nur dank der Feuerwache vermieden worden, die rund um die Uhr im Parlament im Einsatz ist.

Bereits seit Jahren steht fest, dass das Gebäude grundlegend saniert werden muss. Die Kosten werden auf 7 bis 13 Milliarden Pfund (8,3 bis 15,4 Mrd Euro) geschätzt und die Bauzeit auf 19 bis 28 Jahre - dies würde sich aber jeweils erheblich erhöhen, wenn die Abgeordneten währenddessen im Parlament bleiben. Notwendig sind Asbestentfernung, verbesserter Brandschutz, eine Erneuerung der Verkabelung sowie Konservierungsarbeiten. Es gibt zudem Warnungen, die zwischen 1837 und 1860 erbauten Houses of Parliament, die beide Parlamentskammern beherbergen, seien auch durch Überflutung und Abwasser gefährdet.

Allerdings stockt das Projekt bereits seit längerem, weil sich die Abgeordneten nicht darauf einigen, ob sie die Räume während der Arbeiten verlassen - und wenn ja, wohin. Das Oberhaus will räumlich nicht vom Unterhaus getrennt werden. Ein Umzug in ein nahe gelegenes Gebäude wurde jüngst vom zuständigen Minister abgelehnt. Die konservative Regierung präferiert eine vorübergehende Verlegung in eine Stadt außerhalb Londons, um das «Levelling Up»-Programm - also die Angleichung der Lebensverhältnisse im Land» - von Premierminister Boris Johnson symbolisch zu unterstützen.


Tornado in Michigan: Zwei Tote und Dutzende Verletzte

WASHINGTON: Bei einem Tornado im Norden des US-Bundesstaats Michigan sind nach übereinstimmenden Medienberichten mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen und 44 weitere verletzt worden.

Die Sender CNN und ABC meldeten am Samstag unter Berufung auf die Behörden, der Sturm sei am Vortag mit Windgeschwindigkeiten von schätzungsweise bis zu 225 Kilometern pro Stunde durch den Ort Gaylord gezogen. CNN berichtete von «katastrophalen» Zerstörungen. Tornados sind in der Region eigentlich unüblich. Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer teilte mit, sie habe für den Bezirk Otsego, in dem Gaylord liegt, den Notstand ausgerufen. «Wir werden für den Wiederaufbau alles tun, was nötig ist.».


Proteste nach Urteil gegen Oppositionspolitikerin in Istanbul

ISTANBUL: Tausende Menschen sind in Istanbul wegen eines Gerichtsurteils gegen die bekannte Oppositionspolitikerin Canan Kaftancioglu auf die Straße gegangen. Die Protestierenden solidarisierten sich mit Kaftancioglu und riefen am Samstag Parolen wie «Rechte, Gesetz, Gerechtigkeit».

Kaftancioglu ist Vorsitzende der Oppositionspartei CHP in der Provinz Istanbul und eine einflussreiche Unterstützerin ihres Parteikollegen Ekrem Imamoglu - dem Bürgermeister von Istanbul. Er wird von einigen als möglicher Herausforderer von Staatschef Recep Tayyip Erdogan bei der Präsidentenwahl im kommenden Jahr gehandelt.

Ein türkisches Berufungsgericht hatte vergangene Woche die Verurteilung Kaftancioglus zu rund fünf Jahren Haft unter anderem wegen Präsidentenbeleidigung und öffentlicher Herabwürdigung des türkischen Staates bestätigt. Kaftancioglu darf sich damit nach Angaben ihres Anwalts fünf Jahre lang nicht mehr politisch betätigen. Die Anklage hatte sich auf Twitter-Nachrichten aus den Jahren 2012 bis 2017 gestützt.

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