Neues aus dem Ausland am Samstag

Neues aus dem Ausland am Samstag

Behörde: Schwere Unwetter in Norditalien, Brandbekämpfung im Süden

ROM: Der Süden Italiens brennt, dem Norden drohen heftige Regenfälle: Die italienische Zivilschutzbehörde hat am Samstagabend neue Warnungen für viele Teile des Mittelmeerlandes herausgegeben. Für einzelne Gegenden der norditalienischen Lombardei gelte die höchste Warnstufe Rot, hieß es in einem Bericht der Zivilschutzbehörde. In dieser Woche hatten heftige Unwetter dort in der Gegend um den Comer See zu Überflutungen und Erdrutschen geführt. Im Örtchen Laglio tauchte sogar unerwartet ein Promi auf, um seine Hilfe zuzusagen: US-Schauspieler George Clooney.

Die Bürgermeister und Kommunen vor Ort seien informiert, erklärte der Chef der Zivilschutzbehörde, Fabrizio Curcio, auf einer am Samstagabend kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Rom. Für andere Teile Norditaliens gelten erhöhte Unwetter-Warnstufen, wie etwa in der nördlichen Toskana und in Venetien.

Im Süden lodern unterdessen weiter zahlreiche Waldbrände. Vor allem auf der Urlaubsinsel Sizilien hatten die Feuer zuletzt besonders im Osten um die Großstadt Catania gewütet. Die Brände werden durch die anhaltende Hitze, Trockenheit und starke Winde angeschürt. Einige führen Ermittler auf Brandstiftung zurück. Landwirtschaft, Tiere und Ferienanlagen waren betroffen. Curcio sprach von einer «ernsten» und «desaströsen» Lage. Der Regionalpräsident Siziliens, Nello Musumeci, forderte weitere Unterstützung von der Regierung im Kampf gegen die Flammen.

Die Zivilschutzbehörde ist laut Curcio auf Sizilien bereits mit zwölf Löschflugzeugen aus der nationalen Flotte im Einsatz. Experten arbeiteten daran, weitere Feuerwehr-Trupps nach Sizilien zu schicken. In diesem Jahr hätten die Regionen in der Waldbrandsaison bereits knapp 560 Mal Löschflugzeuge angefordert. In den drei vorangegangen Jahren waren es im selben Zeitraum deutlich weniger. Nur 2017, einem komplizierten Waldbrandjahr, waren es fast 800 Anfragen. Weitere Feuer lodern im Süden auf dem Festland. Auch die Insel Sardinien war zuletzt stark von Buschfeuern betroffen.


Laschet bedankt sich für Flutopfer-Hilfe

WARSCHAU: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat sich in Warschau für Hilfe bei der Bewältigung der jüngsten Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands bedankt. Zu Beginn seines zweitägigen Polen-Besuchs war er am Samstag bei der staatlichen Feuerwehr zu Gast. Deutschland sei plötzlich auf Hilfe angewiesen gewesen, sagte der Unions-Kanzlerkandidat. Die polnische Unterstützung würdigte er als ein Zeichen praktischer Solidarität in Europa. «Das hat uns sehr bewegt», betonte er.

Die polnische Regierung hatte vor wenigen Tagen drei voll beladene Lastwagen nach Nordrhein-Westfalen geschickt. An Bord waren mehr als 150 Bautrockner, mit denen die Feuchtigkeit aus Wänden und Kellern gezogen werden kann. In den Hochwassergebieten sind die Geräte zur Mangelware geworden. Bei der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz waren vor zwei Wochen mindestens 179 Menschen gestorben.

Laschet nimmt in Polen an den Gedenkfeierlichkeiten zum 77. Jahrestag des Warschauer Aufstands teil. Am 1. August 1944 hatte sich die Polnische Heimatarmee (Armia Krajowa) gegen die nationalsozialistische Besatzungsmacht erhoben. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, Warschau fast völlig zerstört.


Laschet bei Gedenken an Warschauer Aufstand vor 77 Jahren

WARSCHAU: CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet nimmt am Sonntag in Polen an den Gedenkfeiern zum 77. Jahrestag des Beginns des Warschauer Aufstands teil. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident legt auf dem Friedhof für die Aufständischen einen Kranz nieder. Um 17.00 Uhr - der Stunde, als der Aufstand ausbrach - ertönen in der gesamten polnischen Hauptstadt die Sirenen. Das öffentliche Leben steht dann wie jedes Jahr für einen Moment still.

Am 1. August 1944 hatte sich die Polnische Heimatarmee (Armia Krajowa) gegen die nationalsozialistischen Besatzer erhoben. Der Aufstand wurde binnen zwei Monaten niedergeschlagen. Dabei kamen rund 16.000 aufständische Kämpfer und 150.000 bis 200.000 Zivilisten ums Leben. Warschau wurde fast völlig zerstört.


Frankreich fordert politischen Dialog in Konfliktregion Tigray

PARIS: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versucht, im Konflikt um die äthiopische Region Tigray zu vermitteln. In Telefonaten mit Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed und dem Premierminister des benachbarten Sudans, Abdullah Hamduk, sagte er, es müsse ein Ende der Kampfhandlungen ausgehandelt werden. Wie der französische Präsidentenpalast am Samstag mitteilte, forderte Macron zudem, Hilfsleistungen an die Bevölkerung in dem Krisengebiet passieren zu lassen. Einschränkungen müssten aufgehoben werden.

Die Regierung des nordostafrikanischen Landes hatte im November eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die bis dahin in der gleichnamigen Region an der Grenze zu Eritrea und dem Sudan an der Macht war. Hintergrund waren jahrelange Spannungen zwischen der TPLF und der Zentralregierung. Die TPLF dominierte Äthiopien mehr als 25 Jahre lang, bis Regierungschef Abiy Ahmed 2018 die TPLF hinausdrängte. Viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und fordern mehr Autonomie. Im Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern gibt es etliche ethnische Spannungen, die unter Abiy gestiegen sind. Der gegenwärtige Konflikt hat bereits Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben und große Zerstörung angerichtet.


Heftige Kämpfe in wichtigen afghanischen Provinzhauptstädten

KABUL: In Afghanistan sind heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und militant-islamistischen Taliban in zwei der wichtigsten Provinzhauptstädte des Landes ausgebrochen. In Laschkarga, Hauptstadt der südlichen Provinz Helmand, wurde am Samstag in verschiedenen Stadtbezirken gekämpft, wie die Provinzbehörden mitteilten. Die Taliban hatten die Stadt vier Tage zuvor angegriffen. In der Stadt Herat in der gleichnamigen Provinz im Westen des Landes tobten die Kämpfe nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Kleinere Zusammenstöße gab es auch in der südlichen Provinz Kandahar.

Helmand, Herat und Kandahar sind die drei flächenmäßig größten Provinzen Afghanistans. In Herat griffen die Taliban am Freitag auch einen UN-Stützpunkt an, töteten einen Wachtposten und verletzten mehrere andere. Die UN verurteilten den Angriff aufs Schärfste. Bei den Kämpfen in den verschiedenen Provinzen gerieten auch Zivilisten in Gefahr. Der Provinzrat Abdul Majid Akhundzada sagte der Deutschen Presse-Agentur, in Laschkarga habe es Tote und Verletzte unter der Zivilbevölkerung gegeben. Ein privates Krankenhaus, in dem sich Talibankämpfer versteckten, sei von Luftangriffen getroffen worden.

In Afghanistan geht dieser Tage nach fast 20 Jahren ein internationaler Militäreinsatz zu Ende, der im Herbst 2001 zum Sturz der damaligen Taliban-Herrschaft geführt hatte. Die deutsche Bundeswehr hat ihre Truppen schon vollständig abgezogen. Die US-Militärmission in dem Land soll am 31. August enden. Zuletzt haben die USA aber angesichts des Vormarsches der Taliban wieder verstärkt Luftangriffe geflogen, bei denen die Flugzeuge von außerhalb des Landes starteten.


Erste westdeutsche TV-Kommissarin Ingrid Fröhlich ist tot

WOLFRATSHAUSEN: Sie war die erste westdeutsche TV-Kommissarin: Die Schauspielerin Ingrid Fröhlich ist tot.

Wie die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus Familienkreisen erfuhr, starb sie am Freitag. Fröhlich wurde 81 Jahre alt. Sie begann ihre Karriere beim Volkstheater in Wien und war in den 1970er Jahren in mehreren Fernsehproduktionen zu sehen, darunter die beliebte ZDF-Reihe «Drei sind einer zuviel». Am 2. Januar 1978 schrieb sie dann ein Stück westdeutscher Fernsehgeschichte, als sie in der ZDF-Serie «SOKO 5113» in der Rolle der Renate Burger auftrat. Sie war damit die erste TV-Ermittlerin im westdeutschen Fernsehen. Zuletzt lebte Fröhlich in Wolfratshausen bei München.


Schmidt wird Hoher Repräsentant in Bosnien-Herzegowina

SARAJEVO: Der Bundestagsabgeordnete Christian Schmidt (CSU) übernimmt am Sonntag das Amt des Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegovina. Damit bekommt der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister in dem von ethnischen Konflikten zerrütteten Land weit reichende Vollmachten: Er kann Gesetze erlassen und Amtsträger entlassen - ungeachtet dessen, was Parlament und Regierung des Landes beschließen.

Das Amt des Hohen Repräsentanten wurde durch den Friedensvertrag von Dayton (USA) 1995 geschaffen, mit dem der Bosnien-Krieg beendet wurde. Schmidts Amtsantritt wird von einem Streit um Geschichtsdeutung überschattet. Die politischen Vertreter der bosnischen Serben weigern sich nach wie vor, das Massaker von Srebrenica 1995 als Völkermord anzuerkennen, obwohl ihnen dafür seit kurzem Haftstrafen drohen. In Srebrenica hatten serbische Polizei und Paramilitärs etwa 8000 bosnische Muslime getötet.


Nashorn-Wilderei legt wieder zu - 125 Festnahmen

JOHANNESBURG: In Südafrika nimmt die Nashorn-Wilderei wieder zu. Von Januar bis Ende Juni wurden laut Umweltministerin Barbara Creecy insgesamt 249 Rhinozerosse gewildert. «Obwohl die Zahl der wegen ihres Horns getöteten Nashörner höher ist als die 166 der Vergleichsperiode des Vorjahres, ist sie geringer als die 318 gewilderten Rhinozerosse in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019», teilte die Nationalparkbehörde Sanparks am Samstag - dem internationalen Ranger-Tag - mit. Das Vorjahr gilt aufgrund eines der weltweit striktesten Corona-Lockdowns in Südafrika als Ausnahmejahr.

Allein im Krüger-Nationalpark seien mit 715 Wilderer-Zwischenfällen knapp 4 Prozent mehr Aktivitäten als im Vorjahresvergleichszeitraum (689 Fälle) registriert worden. Insgesamt wurden landesweit 125 Menschen wegen Wilderei oder Schmuggels von Nashorn-Horn festgenommen - 20 davon wurden bereits verurteilt. Creecy: «Im Kampf gegen die Wilderei und für den Erhalt unseres Wildtierbestands bleiben unsere Ranger an der vordersten Front und riskieren jeden Tag aufs Neue ihre Leben.»

Die Ranger-Truppe des berühmtem Krüger-Nationalparks wird erstmals in seiner jahrzehntelangen Geschichte von einer Frau geleitet: Cathy Dreyer hat ihren Vorgänger Ken Maggs zum 1. Mai abgelöst. In Südafrika gibt es etliche Nationalparks und Wildtierreservate, der Krüger-Park ist jedoch eine der wichtigsten Touristenattraktionen und zählt zu den größten Nationalparks Afrikas. Als Schutzgebiet wurde er am 26. März 1898 vom damaligen Präsidenten Paul Kruger gegründet, bevor es 1926 in Krüger-Nationalpark umbenannt wurde. Er ist etwa so groß wie das Bundesland Hessen und bekannt für die Vielzahl an wilden Tieren wie Elefanten, Löwen, Nashörner, Leoparden und Büffel.


Weltrekord für Yoga auf Stand-up-Paddles auf dem Bodensee verpasst

ÜBERLINGEN: Einen Weltrekord für die größte Yoga-Gruppe auf Stand-up-Paddles wollten zahlreiche Freizeitsportler auf dem Bodensee knacken. Vergeblich. Statt der erhofften mehr als 300 Stehpaddler kamen nach Angaben der Landesgartenschau in Überlingen in Baden-Württemberg am Samstag lediglich 215 Menschen auf insgesamt 131 Brettern zusammen.

«Es hat sich dennoch gelohnt», sagte Roland Leitner, Geschäftsführer der Landesgartenschau, der dpa. «Es war eine Riesengaudi.» Auch Yoga-Lehrerin Raphaela Schäufele, die die Idee zum Versuch hatte, zeigte sich keineswegs enttäuscht: «Ich bin überwältigt und glücklich, wie es gelaufen ist», sagte sie.

Bislang lag der Weltrekord nach Angaben von Guinness World Records bei 298 Teilnehmern, die 2016 an einem Kurs bei einem Festival im US-Bundesstaat Minnesota teilnahmen.


Ein Toter nach Explosion in Kohleschacht in Ostukraine

POKROWSK: In der ostukrainischen Bergbauregion Donbass ist bei einer Methanexplosion in einem Kohleschacht ein Minenarbeiter getötet worden.

Neun weitere Menschen wurden in Udatschne bei Pokrowsk schwer verletzt, wie die Behörden des Donezker Gebiets am Samstag mitteilten. Die Explosion fand in über 800 Metern Tiefe statt. Die Ursache war zunächst unklar. Es werde ermittelt.


Zahl der Todesopfer durch Waldbrände steigt

ISTANBUL: In der südtürkischen Provinz Antalya sind bei Löscharbeiten zwei Waldarbeiter ums Leben gekommen. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit den Waldbränden in der Türkei am Samstag auf fünf, wie Gesundheitsminister Fahrettin Koca mitteilte. Medien hatten zuvor von insgesamt sechs Todesopfern berichtet. Mehr als 400 Menschen seien behandelt worden, davon befänden sich 10 noch im Krankenhaus, so Koca.

Im Bezirk Manavgat von Antalya wurden Anadolu zufolge zwei weitere Viertel vorsichtshalber evakuiert. Bereits zuvor waren dort Häuser niedergebrannt. Auch zahlreiche Tiere waren verendet. Freiwillige der Tierschutzorganisation Haytap behandelten verletzte Tiere.

Am Mittwoch waren in der Türkei zahlreiche Waldbrände in mehreren Provinzen des Landes ausgebrochen. Besonders betroffen ist die türkische Mittelmeerküste, etwa die Urlaubsregion Antalya. Am Samstagmorgen waren nach Angaben von Forstminister Pekir Pakdemirli noch zehn Brandherde aktiv. Im bei Türken beliebten Urlaubsort Bodrum brach Medien zufolge am Nachmittag wieder ein neues Feuer aus. Die Ursache der Brände ist noch unklar.

Russlands Präsident Wladimir Putin sicherte der Türkei Unterstützung bei der Bekämpfung der Brände zu. In einem Telefonat mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan habe Putin weiterhin «umfassende Hilfe» in Aussicht gestellt, hieß es in einer Kreml-Mitteilung. Erdogan reiste nach Antalya, um sich ein Bild von der Lage zu machen.


Ostukraine: Erneut vier tote Separatistenkämpfer

DONEZK/KIEW: Im ostukrainischen Konfliktgebiet sind trotz geltender Waffenruhe erneut vier Separatistenkämpfer getötet worden. In der Nähe des entmilitarisierten Petriwske im Donezker Gebiet habe die Armee das Feuer auf ein Fahrzeug der Rebellen eröffnet, meldeten örtliche Medien am Samstag. Die Aufständischen hätten das Feuer erwidert. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben lag zunächst nicht vor. Oft schreiben beide Seiten auch Minenvorfälle gegnerischem Beschuss zu. Erst am Donnerstag hatten die Donezker Aufständischen den Regierungseinheiten drei tote Kämpfer angelastet.

Seit über sieben Jahren kämpfen ukrainische Regierungstruppen in den Gebieten Donezk und Luhansk entlang der russischen Grenze gegen von Russland unterstützte Separatisten. UN-Schätzungen zufolge wurden seitdem mehr als 13.000 Menschen getötet. Allein in diesem Jahr gab es im Konfliktgebiet mehr als 100 Tote, darunter auch Zivilisten. Ein deutsch-französisch vermittelter Friedensplan von 2015 liegt auf Eis.


Laschet erinnert an deutsche Gräueltaten

WARSCHAU: CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat zum 77. Jahrestag des Beginns des Warschauer Aufstands an die deutsche Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg erinnert. «Es gab (...) Gräueltaten der Deutschen gegen das gesamte polnische Volk, die mich mit tiefer Scham und Demut erfüllen», sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident der polnischen Zeitung «Rzeczpospolita».

Laschet nimmt am Sonntag in Warschau an den Gedenkfeiern teil. Am 1. August 1944 hatte sich die Polnische Heimatarmee (Armia Krajowa) gegen die nationalsozialistischen Besatzer erhoben. Der Aufstand wurde binnen zwei Monaten niedergeschlagen. Dabei kamen 150.000 bis 200.000 Zivilisten ums Leben. Warschau wurde fast völlig zerstört.

Laschet äußerte sich auch zu aktuell strittigen Punkten in den gegenseitigen Beziehungen. Polnische Reparationsforderungen für die Besatzung wies er zurück. «Es hilft wenig, diese Fragen politisch immer wieder erneut zu instrumentalisieren.» Zum Streit zwischen Streit zwischen Brüssel und Warschau sagte Laschet, es sei richtig, «die Einhaltung europäischen Rechts überall zu gewährleisten».


UN-Klimachefin: CO2-Sparpläne vor Klimakonferenz reichen noch nicht

GLASGOW/BONN: Wenige Monate vor der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow hat die Klimachefin der Vereinten Nationen die Staatengemeinschaft ehrgeizigere Pläne zur Einsparung von Treibhausgasen angemahnt. Zwar hätten zum Stichtag 30. Juli deutlich mehr Staaten ihre Pläne vorgelegt, wie sie Emissionen reduzieren wollen, als noch ein halbes Jahr zuvor, teilte Patricia Espinosa am Samstag mit. Allerdings lägen erst Ankündigungen von 58 Prozent der Länder vor - und die seien oft nicht ambitioniert genug. Bisher blieben die gemeinsamen Anstrengungen weit hinter den Anforderungen der Wissenschaft zurück, hieß es.

Experten sind sich einig, dass sich bis 2030 weltweit viel mehr tun muss, wenn die Erderwärmung, wie 2015 von knapp 200 Staaten in Paris vereinbart, deutlich unter zwei Grad bleiben soll. Schon jetzt hat sich die Erde um rund 1,2 Grad erhitzt, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Die Weltklimakonferenz in Glasgow im November gilt als wichtiger Meilenstein.

Um das Ziel zu erreichen, müssten bis Ende dieses Jahrzehnts die Emissionen um 45 Prozent im Vergleich zu 2010 gesenkt werden, sagte Espinosa. «Die jüngsten extremen Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen auf der ganzen Welt sind eine eindringliche Warnung, dass viel mehr und viel schneller getan werden muss, um unseren derzeitigen Weg zu ändern», sagte die UN-Klimachefin auch mit Blick auf die Überschwemmungen in Deutschland. Dafür müssten aber ehrgeizigere Ziele ausgegeben und umgesetzt werden.


Küstenwache holt Menschen wegen Gesundheitszustand von «Sea-Watch 3»

ROM: Die italienische Küstenwache hat mehrere Menschen wegen ihres schlechten Gesundheitszustands vom privaten Seenotretter-Schiff «Sea-Watch 3» geholt. Stunden zuvor habe die Sea-Watch-Crew Hilfe von Malta und Italien angefordert, teilte die in Berlin ansässige Organisation Sea-Watch in der Nacht zu Samstag mit. Unter den sechs Personen seien auch Kinder gewesen, hieß es. Einige hätten demnach Verbrennungen am Körper. Das Team der «Sea-Watch 3» hatte am Freitag und in der Nacht zu Freitag fast 100 Bootsmigranten im zentralen Mittelmeer aus Seenot gerettet.

Derzeit operieren auch die «Ocean Viking» der privaten Organisation SOS Mediterranee und die «Astral» der freiwilligen Helfer von Open Arms im Mittelmeer. Die «Ocean Viking» kam am Samstagmorgen nach eigenen Angaben mehr als 50 Menschen in der libyschen Such- und Rettungszone zu Hilfe, die mit ihrem Schlauchboot in Seenot geraten waren. Unter den Menschen waren demnach Frauen und Kinder. Die meisten von ihnen stammten aus Kamerun und Ghana. Am Mittag und Nachmittag retteten die freiwilligen Helfer in zwei Einsätzen fast 120 Menschen. Insgesamt seien nun ungefähr 175 Bootsmigranten an Bord des Schiffs.

Im zentralen Mittelmeer treffen die Organisationen immer wieder auf Flüchtlinge und Migranten, die in oft überfüllten Booten die EU erreichen wollen. Die Ziele der Menschen, die meist von Tunesien oder Libyen aus ablegen, sind oft Italien oder Malta.


Sieben Mitglieder einer kurdischen Familie getötet

ISTANBUL: In der Türkei sind sieben Mitglieder einer kurdischen Familie nach rassistischen Drohungen getötet worden. Angreifer seien am Freitagabend in das Haus der Familie in der zentraltürkischen Provinz Konya eingedrungen, hätten die zwischen 35 und 65 Jahre alten Bewohner erschossen und ein Feuer gelegt, meldete die Nachrichtenagentur DHA. Zehn Verdächtige wurden demnach festgenommen, Details zu den mutmaßlichen Angreifern waren zunächst nicht bekannt.

Innenminister Süleyman Soylu sagte am Samstag, es handele sich um eine elf Jahre alte Familienfehde, die nichts mit einem Problem zwischen Kurden und Türken zu tun habe. Es sei ein «grausames» Verbrechen. Die Menschenrechtsanwältin Eren Keskin schrieb dagegen auf Twitter, die getötete Familie sei schon in der Vergangenheit aus rassistischen Motiven angegriffen worden. Mitglieder der Familie waren bereits im Mai bei einem Angriff schwer verletzt worden. Einem Onlinemedium sagte die Familie damals, Nachbarn hätten sie bedroht und gesagt, sie duldeten keine Kurden.

In der Türkei haben sich in den vergangenen Wochen Übergriffe auf Kurden aus mutmaßlich rassistischen Motiven gehäuft. Vor anderthalb Wochen war in Konya ein 43-Jähriger getötet worden, der nach Medienberichten bedroht wurde, weil er Kurde sei. Die Behörden hatten einen rassistischen Hintergrund zurückgewiesen.


Großbritannien will Latein als Schulfach an staatlichen Schulen

LONDON: Großbritannien will Latein als Schulfach an staatlichen Schulen ausweiten. Die Regierung stellt 4 Millionen Pfund (4,7 Mio Euro) für ein vierjähriges Pilotprojekt zur Verfügung, damit Tausenden Schülern im Alter von 11 bis 16 Jahren vor allem in sozial schwachen Gegenden Unterricht in der alten Sprache angeboten werden kann, wie die Zeitung «Daily Telegraph» am Samstag berichtete. Im Gegensatz zu vielen Privatschulen wird die Sprache an staatlichen Schulen bislang kaum unterrichtet.

«Wir wissen, dass Latein den Ruf hat, ein elitäres Fach zu sein, das nur wenigen Privilegierten vorbehalten ist», sagte Bildungsminister Gavin Williamson dem Blatt. «Aber das Fach kann jungen Menschen so viele Vorteile bringen, also möchte ich diese Kluft beenden.» Der Lehrplan dürfe keinen Unterschied zwischen staatlichen und privaten Schulen machen.

Das Ministerium setzt zudem darauf, dass Latein auch beim Erlernen anderer Sprachen hilft. So ist etwa die Zahl der Schüler, die Französisch für ihre Schlussprüfung (A-level, in etwa vergleichbar mit dem Abitur) wählen, seit Jahren rückläufig. Doch auch in anderen Fächern wie Englisch oder Mathe seien Lateinkenntnisse hilfreich.

Einer Untersuchung des Kulturinstituts British Council zufolge wird Latein derzeit nur an 2,7 Prozent aller staatlichen, aber an der Hälfte (49 Prozent) der privaten Schulen gelehrt. Das Pilotprojekt, an dem zunächst 40 Schulen teilnehmen sollen, beinhaltet auch Besuche römischer Stätten im Land, um ein tieferes Verständnis für die Kultur zu fördern.


Türkische Einsatzkräfte kämpfen weiter gegen massive Waldbrände

ISTANBUL: Türkische Einsatzkräfte kämpfen den vierten Tag in Folge gegen massive Waldbrände im Land. Zehn Brandherde seien noch aktiv, darunter drei in der beliebten Urlaubsregion Antalya, teilte Forstminister Bekir Pakdemirli am Samstag auf Twitter mit. Von den insgesamt 98 Bränden, die seit Mittwoch in zahlreichen Provinzen ausgebrochen waren, seien 88 unter Kontrolle.

Besonders schlimm wüteten die Brände an der türkischen Mittelmeerküste. Starke Winde erschwerten die Löscharbeiten. Viele Regionen und Hotels waren evakuiert worden, Touristen wurden auch mit Booten in Sicherheit gebracht.

Die Brände haben bislang vier Todesopfer gefordert. Die Ursache ist nach wie vor unklar. Türkische Behörden ermitteln in alle Richtungen und schließen auch Brandstiftung nicht aus. An der türkischen Mittelmeer- und Ägäisküste wird auch in den nächsten Tagen starke Hitze von mehr als 40 Grad erwartet.


Völkermord an Armeniern: Historiker sieht zunehmende Anerkennung

ERIWAN: Mehr als 100 Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern verzeichnen Wissenschaftler in der Südkaukasusrepublik eine zunehmende internationale Anerkennung des Genozids im Osmanischen Reich. Nach den USA und Lettland in diesem Jahr liege die Zahl der Staaten, die die Massaker an Hunderttausenden Menschen 1915 und 1916 als Genozid anerkennen, bei über 30. «Tendenz steigend», sagt der Historiker Suren Manukjan in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Er ist Leiter der Abteilung für vergleichende Völkermord-Studien der Stiftung des Armenischen Genozid-Museumsinstituts.

«Jede Anerkennung ist für uns ein Sieg in einem langen Kampf», sagt der Experte der Deutschen Presse-Agentur in Eriwan. Jede neue staatliche Anerkennung des Genozids - wie etwa auch durch Deutschland 2016, durch Frankreich, Russland und viele andere Staaten - erhöhe den Druck auf die Türkei, sich mit den Verbrechen auseinanderzusetzen.

Während Historiker von bis 1,5 Millionen getöteten Armeniern ausgehen, räumt die Türkei lediglich eine Zahl zwischen 300.000 bis 500.000 Toten ein. Vor allem weist sie den Begriff des Genozids - also die gezielte Auslöschung eines Volks - kategorisch zurück. «Wir haben es mit einem großen Verbrechen zu tun, das noch immer juristisch von internationalen Gerichten aufgearbeitet werden muss», sagt Manukjan. Eine Verurteilung des Osmanischen Reichs würde die Türkei als Rechtsnachfolgerin treffen.

Der Wissenschaftler Manukjan sagt, dass die Genozid-Forschung sich heute auch stark um die Rolle des einzelnen Täters drehe. «Es gab ganz unterschiedliche Verhaltensweisen, weil es ja auch nicht einfach ist, einen Menschen zu töten.»


Meteorologen: Historische Hitze

ATHEN: Griechenland wird weiterhin von einer starken und lang andauernden Hitzewelle heimgesucht. Nachdem in den vergangenen drei Tagen stellenweise Werte um die 43 Grad gemessen worden waren, sollen die Thermometer nach Angaben von Wetterexperten am Wochenende und die ganze kommende Woche tagsüber bis zu 46 Grad zeigen. Auch auf Rhodos soll es kommenden Dienstag heiß werden mit Temperaturen um 44 Grad. Nachts bleibt es vor allem in den Ballungszentren heiß mit Temperaturen über 30 Grad. Einige Meteorologen sprachen bereits im Rundfunk von einer «historischen Hitzewelle».

Der griechische Zivilschutz wurde nach einer Krisensitzung am späten Freitagabend in Alarmbereitschaft versetzt. In den Registrierlagern für Migranten auf den Inseln im Osten der Ägäis wurden zusätzliche klimatisierte Zelte und Container zur Verfügung gestellt. Die Städte öffneten klimatisierte Hallen für die Einwohner, die zuhause keine Klimaanlage haben. Arbeiten im Freien sollten so weit wie möglich reduziert werden, hieß es vom Arbeitsministerium. Tierschutzvereine riefen die Einwohner auf, Wasser für streunende Tiere an schattigen Orten bereitzustellen und die Wassernäpfe immer wieder aufzufüllen.

Ärzte rieten allen Menschen, sich nicht in der prallen Sonne aufzuhalten und keinen Alkohol zu trinken. Man solle öfter duschen und helle, weite Baumwollkleidung tragen. Wann die Hitzewelle nachlassen wird, war am Samstag nicht klar. Einige Meteorologen befürchteten, diese gefährliche Situation könnte bis zu zwei Wochen andauern.


Forschung: Private Vorbilder und Normen wichtig gegen Impfmüdigkeit

MANNHEIM: Einer Studie zufolge entscheidet in der Pandemie weniger die eigene Persönlichkeit oder die gefühlte Angst als vielmehr das Verhalten anderer, ob eine Maske getragen oder ein Impftermin wahrgenommen wird. Forscher der Universitäten Koblenz-Landau und Mannheim haben herausgefunden, dass soziale Normen den stärksten Einfluss darauf haben, ob sich Menschen an Regeln halten oder nicht.

«Ausschlaggebend ist, wie ich das Verhalten nahestehender Personen wahrnehme, weniger die eigene Persönlichkeit oder die subjektive Bedrohung», bilanzieren Selma Rudert (Koblenz-Landau) und ihr Kollege Stefan Janke (Mannheim) in der Studie. Die Untersuchung wurde in der psychologischen US-Fachzeitschrift «Group Processes and Intergroup Relations» veröffentlicht.

Untersucht wurden Verhaltensweisen kurz nach dem ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres. Geprüft worden sei unter anderem, ob sich Menschen an die Abstandsregeln und das Vermeiden von direktem physischen Kontakt hielten und andere Menschen während der Krise unterstützen, berichteten die Forscherin und der Forscher. Die Daten geben nach Angaben der Forscher zwar keinen direkten Aufschluss über die aktuelle Corona-Kampagne und die Impfmüdigkeit, weil sie während des ersten Lockdowns erhoben wurden. «Wir glauben dennoch, dass die Ergebnisse übertragbar sind», sagte Janke.


Haftstrafen nach Angriffen auf Polizei bei Protesten in Bristol

BRISTOL: Wegen ihrer Teilnahme an gewalttätigen Protesten gegen die Polizei in der westenglischen Stadt Bristol im März sind fünf Menschen zu Haftstrafen verurteilt worden. Vier Männer im Alter von 18, je 21 und 46 Jahren müssen für gut drei bis knapp vier Jahre hinter Gitter. Sie wurden am Freitagabend wegen Angriffen auf Polizisten schuldig gesprochen. Eine 25-jährige Frau erhielt eine Haftstrafe von fünf Monaten wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses - sie hatte einem Polizisten vor die Füße uriniert.

In Bristol hatten im März zahlreiche Menschen gegen ein neues Gesetz protestiert, das der Polizei weitreichende Befugnisse etwa bei Demonstrationen zusichert. So darf sie friedliche Demonstrationen bereits einschränken, wenn sie etwa wegen Lärms «die Öffentlichkeit einschüchtern» oder «schweres Missbehagen» auslösen. Nach einer friedlichen Kundgebung griff eine Menge eine Polizeistation an.

Die örtliche Polizeichefin Carolyn Belafonte begrüßte die Urteile. «Die anhaltende Gewalt, wie wir sie in dieser Stadt oder gar im Land seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben, hatte absolut nichts mit Protest zu tun», sagte sie. Bisher wurden 75 Menschen festgenommen und davon 29 angeklagt. Mehrere Polizisten waren bei den Ausschreitungen verletzt worden, es entstand hoher Sachschaden.

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