Neues aus dem Ausland am Samstag

Neues aus dem Ausland am Samstag

Pompeo: Beschränkungen für US-Diplomaten zu Taiwan aufgehoben

WASHINGTON: Die US-Regierung hebt selbst auferlegte Beschränkungen im Umgang von amerikanischen Diplomaten und Regierungsvertreten mit deren Ansprechpartnern in Taiwan auf. «Die Regierung der Vereinigten Staaten ergriff diese Maßnahmen einseitig, um das kommunistische Regime in Peking zu beschwichtigen», teilte US-Außenminister Mike Pompeo am Samstag mit. «Damit ist jetzt Schluss.» Der Schritt erfolgt vor einem geplanten Besuch der amerikanischen UN-Botschafterin Kelly Craft in Taiwan, der vom 13. bis 15. Januar geplant ist und von China scharf kritisiert wird.

China verlangt von diplomatischen Partnern, keine offiziellen Kontakte mit der Regierung in Taipeh zu unterhalten. Die kommunistische Führung in Peking betrachtet die demokratische Insel nur als Teil der Volksrepublik, obwohl sie nie dazu gehört hat. Außenamtssprecherin Hua Chunying hatte am Freitag vor Journalisten in Peking gesagt, einige «antichinesische Politiker» wie Pompeo täten in ihrer verbleibenden Amtszeit alles, um die Beziehungen zwischen den USA und China zu untergraben. «Wir hoffen und wissen, dass jene in den USA einen hohen Preis für ihr Fehlverhalten bezahlen werden.»

Pompeo teilte mit, US-Regierungsbehörden sollten alle früheren «Kontaktrichtlinien» des Außenministeriums in Bezug auf die Beziehungen zu Taiwan als null und nichtig betrachten. Die Beziehungen zwischen der US-Regierung des abgewählten Präsidenten Donald Trump und der Regierung in Peking sind angespannt. Die USA und Taiwan unterhalten nur inoffizielle Beziehungen. Das American Institute in Taiwan (AIT) ist für die Umsetzung der US-Politik gegenüber Taiwan verantwortlich.


Mann mit Hörner-Kopfschmuck nach Sturm aufs Kapitol festgenommen

WASHINGTON: Bei der Erstürmung des Kapitols durch Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump stach einer der Eindringlinge besonders ins Auge: Bilder des Mannes mit dem Kopfschmuck aus Fell und Hörnern, dem angemalten Gesicht, dem nackten Oberkörper und dem Speer mit US-Flagge in der Hand gingen um die Welt. Am Samstag wurde Jacob C. aus Arizona festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft in Washington mitteilte. Bereits am Freitag sei Adam J. aus Florida von der Polizei aufgegriffen worden - er soll das Rednerpult der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses im Kapitol entwendet haben. Auch ein Mitglied des Abgeordnetenhauses des Bundesstaats West Virginia, Derrick E., sei festgenommen worden.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, den drei Männern werde vor einem Bundesgericht illegales Eindringen in ein besonders gesichertes Gebäude sowie gewaltsames Eindringen und ungebührliches Verhalten auf dem Gelände des Kapitols zur Last gelegt. Adam J. (36) müsse sich zusätzlich wegen des Vorwurfs des Diebstahls von Regierungseigentum verantworten. Auf einem weithin verbreiteten Foto ist zu sehen, wie ein Mann Pelosis Pult mit sich trägt und in die Kamera winkt. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, Derrick E. (35) habe ein Video von seinem Eindringen ins Kapitol live auf seiner Facebook-Seite gezeigt.

Jacob C. (33) hatte im Sender NBC News mit dem Angriff auf das Parlament geprahlt. «Die Tatsache, dass ein Haufen unserer Verräter im Amt sich verbarrikadierte, Gasmasken aufsetzte und sich im unterirdischen Bunker zurückzog, halte ich für einen Sieg», sagte er. Aus den von der Staatsanwaltschaft veröffentlichten Unterlagen geht hervor, dass C. am Donnerstag selber bei der Bundespolizei FBI in Washington anrief und bestätigte, dass er der Mann mit dem Hörner-Kopfschmuck gewesen sein. C. habe erklärt, dass er mit einer Gruppe aus Arizona angereist gewesen sei, weil Trump alle «Patrioten» für Mittwoch nach Washington gerufen hatte.

Bereits am Freitag hatte das Justizministerium die Festnahme von Richard B. aus Arkansas vermeldet. Bei ihm soll es sich um den Mann handeln, der sich mit einem Fuß auf dem Schreibtisch stolz in Pelosis Sessel fotografieren ließ. Im Zusammenhang mit dem Sturm des Kapitols am Mittwoch sind gegen mindestens 14 weitere Verdächtige Vorwürfe vor einem Bundesgericht anhängig. Bei dem Angriff auf das Parlament kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Kritiker werfen Trump vor, den Mob bei einer Kundgebung kurz vor der Erstürmung des Kapitols angeheizt zu haben.


Schweizer Theologe Leo Karrer verstorben

FREIBURG: Der reformorientierte Schweizer Theologe Leo Karrer ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Der bekannte katholische Gelehrte sei am Freitag einem Herzversagen erlegen, bestätigte die Schweizer Universität Freiburg, wo Karrer bis 2008 lehrte. Zuvor hatte das Kirchenportal Kath.ch am Samstag über seinen Tod berichtet.

Karrer war Mitglied der sogenannten Fünferbande. Dieser Kreis von fünf namhaften Pastoraltheologen forderte unter anderem Kirchenämter für Frauen und verheiratete Männer und protestierte gegen die vatikanische Praxis der Bischofsernennungen. Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg würdigte Karrer für seinen Einsatz in einer Kirche, «in der die Laien selbstbewusste Akteure sind».

Karrer führte jahrelang den Vorsitz der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen. Er war 2001 bis 2004 Präsident der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie.


Kirgistan wählt nach gewaltsamem Machtwechsel neuen Präsidenten

BISCHKEK: Gut drei Monate nach den blutigen Protesten in dem zentralasiatischen Hochgebirgsland Kirgistan wird am Sonntag ein neuer Präsident gewählt. Mehr als 3,5 Millionen Wähler sollen über einen Nachfolger von Sooronbaj Dscheenbekow abstimmen, der nach dem gewaltsamen Machtwechsel in der Ex-Sowjetrepublik an der Grenze zu China zurückgetreten war. Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten bei der vorgezogenen Präsidentenwahl gilt der Oppositionelle Sadyr Schaparow, der bei den Unruhen vorübergehend die Geschäfte des Staatsoberhaupts und des Regierungschefs übernommen hatte.

Auslöser der Massenproteste war die von Fälschungsvorwürfen überschattete Parlamentswahl. Aufgebrachte Demonstranten hatten Regierungsgebäude gestürmt und Oppositionelle aus dem Gefängnis befreit, darunter war auch Schaparow. Wann die annullierte Parlamentswahl nachgeholt wird, steht noch nicht fest.

17 Kandidaten treten bei der Präsidentenwahl an. Die Wähler stimmen zugleich bei einem Referendum über eine neue Verfassung ab. Sie sieht mehr Befugnisse für den künftigen Präsidenten vor. Das stieß bei Menschenrechtlern auf massive Kritik.


Gewaltige Explosion an Gasleitung in der Ukraine

LUBNY: In der Zentralukraine ist es an einer Gasleitung zu einer gewaltigen Explosion gekommen. Augenzeugen veröffentlichten am Samstag Videos, die einen großen Feuerball am Himmel zeigten. Nach Berichten ukrainischer Medien gab es zunächst keine Opfer. Der Netzbetreiber Ukrtransgaz bestätigte den Vorfall und warnte Anwohner rund um die Stadt Lubny, dass es zu Unterbrechungen bei der Gasversorgung kommen könnte. Auswirkungen auf den Gastransport nach Europa soll es den Berichten zufolge nicht geben.

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden zunächst 40 Feuerwehrleute zu dem Brandort geschickt. Weshalb es zu der Explosion kam und was genau brannte, war zunächst unklar. Für Bewohner umliegender Dörfer bestand laut den Behörden keine Gefahr. Lubny liegt 260 Kilometer südöstlich von der Hauptstadt Kiew entfernt.


Kirchenvertreter in den USA fordern Trumps sofortigen Rücktritt

WASHINGTON: Hochrangige Kirchenvertreter in den USA haben sich hinter die Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump gestellt. «Präsident Donald J. Trumps Handlungen und Worte haben die Sicherheit des Landes und seiner Regierungsinstitutionen gefährdet, indem sie einen gewalttätigen, tödlichen, aufrührerischen Mob-Angriff auf das US-Kapitol anstifteten», hieß es in einem vom Nationalen Kirchenrat am Freitag (Orszeit) verbreiteten offenen Brief. Adressiert ist das Schreiben an Vizepräsident Mike Pence, die Mitglieder des Kongresses und Angehörige von Trumps Kabinett.

«Als Leiter der Mitgliedsgemeinschaften des Nationalen Rates der Kirchen Christi in den USA (NCC) glauben wir, dass die Zeit für den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald J. Trump, gekommen ist, sein Amt sofort niederzulegen», schrieben die Kirchenvertreter weiter. «Wenn er nicht bereit ist zurückzutreten, fordern wir Sie auf, die von unserem demokratischen System vorgesehenen Möglichkeiten zu nutzen.» Die Demokraten im Kongress drohen dem Republikaner Trump mit einem Amtsenthebungsverfahren, sollte er nicht zurücktreten. Der Nationale Kirchenrat ist das größte ökumenische Gremium in den USA.


Prozess gegen Italiens Ex-Innenminister Salvini verschoben

PALERMO: Die Voranhörung zu einem möglichen Prozess gegen den früheren italienischen Innenminister Matteo Salvini wegen unter anderem Freiheitsberaubung von Bootsmigranten ist verschoben worden. Das Gericht im sizilianischen Palermo setzte den Termin für den 20. März an, wie italienische Medien am Samstag berichteten. Auch Salvini selbst bestätigte dieses Datum. Die Verschiebung wurde unter anderem mit der Übersetzung wichtiger Dokumente ins Italienische begründet.

Dem Anführer der rechten Lega werden Freiheitsberaubung und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Im August 2019 habe er als Innenminister das Schiff der Seenotretter von Open Arms vor der Ankunft auf der italienischen Insel Lampedusa blockiert. An Bord des gleichnamigen Schiffes waren damals nach Angaben von Open Arms rund 160 Migranten. Das Schiff wartete eine Woche vor der Insel und fand erst nach einer Odyssee von insgesamt 21 Tagen einen sicheren Ort zum Anlaufen.

Open Arms zeigte sich trotz der Verschiebung zufrieden, «dass ein erster Schritt zur Feststellung der Wahrheit unternommen wurde». Salvini argumentierte gegen die Anschuldigungen, dass es damals auf dem Boot keine Verletzten oder Tote gegeben habe und von dem Schiff Gefahr ausgegangen war. Gegen ihn läuft ein weiterer Prozess auf Sizilien. In der Stadt Catania war er bereits wegen derselben Vorwürfe vor Gericht zur Voranhörung erschienen. Darin ging es um das Seenotretter-Schiff «Gregoretti».


Indien nimmt chinesischen Soldaten im Himalaya gefangen

NEW DELHI: Die indischen Streitkräfte haben im umstrittenen Grenzgebiet Ladakh im Himalaya einen chinesischen Soldaten gefangen genommen. Der Soldat habe am Freitag die Kontrolllinie südlich des Sees Pangong Tso überschritten, erklärte der indische Militärsprecher Aman Anand am Samstag in Neu Delhi. Er sei von indischen Soldaten in Gewahrsam genommen worden.

In der Gebirgsregion in 4500 bis 5500 Metern Höhe ist die Staatsgrenze nicht eindeutig geregelt und es hat seit Mai 2020 mehrere schwere Zwischenfälle gegeben. Beim schwersten Vorfall wurden im Juni 20 indische Soldaten getötet. Beide Länder sprechen bisher erfolglos über eine Entspannung und einen Rückzug der zahlreichen dort stationierten Truppen. Bereits im Oktober war ein chinesischer Soldat von indischen Truppen gefangen genommen und nach zwei Tagen an China übergeben worden.


Sommerliche Temperaturen auf Kreta

ATHEN: Warme Luftmassen aus Afrika haben am Samstag nahezu sommerliche Temperaturen vor allem in den Süden Griechenlands gebracht. «Die Thermometer zeigen jetzt 26,8 Grad in Chania auf Kreta», sagte eine Meteorologin im Athener Nachrichtensender Real FM am frühen Samstagnachmittag.

Auch in Athen war es so warm, dass die Einwohner die Fenster öffneten und auf Balkonen und Terrassen saßen. Die Meteorologen erwarteten für Sonntag und Montag Spitzenwerte bis zu 30 Grad auf Kreta.

Ein Wärmeschub zum Jahresanfang ist in Griechenland nicht selten. Das Phänomen ist seit dem Altertum bekannt und wird von Meteorologen «halkyonische Tage» genannt. Ein großes Hoch setzt sich über mehrere Tage hinweg über dem Südosten Europas fest und erzeugt eine Art Sommerwetter mitten im Winter.

Wegen der Corona-Pandemie warnten die Gesundheitbehörden die Bürger, nicht in Massen zu den Stränden zu gehen. Zahlreiche griechische Fernsehsender berichteten jedoch, dass die Küsten in den meisten Regionen des Landes bereits um die Mittagszeit überfüllt waren.


Erste Waldbrände im Süden Russlands - Auch Hubschrauber im Einsatz

SOTSCHI: Der Süden Russlands hat mit den ersten Waldbränden des neuen Jahres zu kämpfen. Im Gebiet rund um die bei Touristen beliebte Stadt Sotschi am Schwarzen Meer habe es in den vergangenen Tagen mehr als zehn Feuer gegeben, teilten die Behörden am Samstag mit. Betroffen war etwa eine Fläche nahe dem Flughafen. Wind habe die Ausbreitung der Brände begünstigt, hieß es. Fast 80 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Die Behörden setzten auch Hubschrauber ein, um die Flammen zu löschen.

Warum die Feuer ausbrachen, war zunächst unklar. In Sotschi wurde am Samstag mit Regen bei Temperaturen um die 16 Grad gerechnet. In der Region Krasnodar etwa 1200 Kilometer von Moskau entfernt ist es noch bis kommenden Montag verboten, Wälder zu betreten.

Bereits im vergangenen Sommer hatten in Russland schlimme Waldbrände gewütet. Zivilschutzminister Jewgeni Sinitschew führte zuletzt eine Vielzahl von Bränden im Frühjahr auf die Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie zurück. In 63 von 85 Regionen habe es zeitgleich gebrannt, sagte er der Staatsagentur Tass. Dem Umweltministerium zufolge sind im vergangenen Jahr 9,1 Millionen Hektar Wald abgebrannt - die Fläche ist mehr als doppelt so groß wie Nordrhein-Westfalen.


Je 750 Euro Strafe für Feiernde: Party trotz Corona

TINTIGNY: Eine wegen der Coronaregeln illegale Geburtstagsparty in Belgien kommt Dutzenden Feiernden teuer zu stehen: Gut 60 Strafzettel stellte die Polizei aus, jeder angetroffene Gast muss 750 Euro zahlen, wie die Nachrichtenagentur Belga am Samstag berichtete. Als Anlass der Party wurde der Geburtstag einer 20-Jährigen angegeben.

Den Angaben zufolge kamen die Feiernden aus Luxemburg und Frankreich. Die Polizei war gegen vier Uhr morgens auf die Party in Tintigny nahe der Grenze zu Luxemburg und Frankreich aufmerksam geworden. In Belgien gelten zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens strenge Ausgangsbeschränkungen, die Straße darf nicht betreten werden.


Schneefälle - Dutzende Einsätze für Feuerwehr

ITALIEN: Kräftige Schneefälle haben der Feuerwehr in Italien zahlreiche Einsätze beschert.

Vor allem im Norden des Landes mussten die Rettungskräfte Straßen freiräumen und liegengebliebene Fahrzeuge wieder flottmachen, wie die Feuerwehr mitteilte. Der Schnee lastete auch auf den Dächern vieler verschneiter Orte in den Regionen Emilia Romagna und Lombardei. Im Dorf Sappada in der nordöstlichen Region Friaul-Julisch Venetien nahe der österreichischen Grenze mussten die Feuerwehrleute eine Kirche erklimmen, um die Schneemassen vom Dach des Gotteshauses zu schaufeln. Die Feuerwehr meldete insgesamt rund 200 Schnee-Einsätze aus den Regionen.


EU fordert vollen Zugang zu Konfliktgebieten in Äthiopien

BRÜSSEL/NEW YORK/ADDIS ABEBA: Die EU besteht im Äthiopienkonflikt auf vollen Zugang humanitärer Helfer zu den betroffenen Gebieten. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell übermittelte nach eigenen Angaben im Gespräch mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten von Äthiopien, Demeke Mekonnen, «dass die EU wegen der Lage in Tigray Alarm schlägt».

«Voller und uneingeschränkter humanitärer Zugang muss gewährt werden», twitterte Borrell am Samstag. «Das ist keine Forderung der EU - das ist internationales Recht.» Ähnliche Appelle an die äthiopische Regierung hat es in den vergangenen Wochen immer wieder gegeben.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass 2,3 Millionen Menschen in Tigray dringend Hilfe brauchen, darunter 1,3 Millionen wegen des Konflikts. Die UN und ihre Partner könnten inzwischen Gebiete erreichen, die zuvor unzugänglich gewesen seien, sagte Stéphane Dujarric, der Sprecher des UN-Generalsekretärs António Guterres, am Freitag (Ortszeit). Allerdings sei der Zugang zu den meisten Teilen des Nordwestens, Ostens und Zentrums Tigrays wegen der «andauernden Unsicherheit und bürokratischen Hürden» noch immer eingeschränkt.

Die äthiopische Regierung hatte Anfang November eine Offensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die in der gleichnamigen Region an der Macht war. Hintergrund des Konflikts sind Spannungen zwischen Tigray und der Zentralregierung. Addis Abeba hatte zwar die Hauptstadt von Tigray eingenommen und die Offensive für beendet erklärt, es kommt aber weiterhin zu Kämpfen. Telefon- und Internetverbindungen wurden während des Konflikts gekappt und noch immer ist die Kommunikation vielerorts eingeschränkt. Mehr als 50.000 Menschen sind bislang laut UNHCR in das Nachbarland Sudan geflohen und Tausende sind innerhalb Äthiopiens auf der Flucht.


«Filomena» hat Spanien im Griff - Madrid ganz in Weiß getaucht

MADRID: Das Sturmtief «Filomena» sorgt in Madrid und anderen Teilen Spaniens mit starken Schneefällen gleichzeitig für Spaß und Chaos. Während die «Madrileños» am Samstag überall auf den nahezu autoleeren Straßen der Hauptstadt sich laut lachend ungewöhnliche Schneeballschlachten lieferten und zum Teil auch auf Langlaufskiern unterwegs waren, gab der größte Flughafen Spaniens die Einstellung des Betriebs für den ganzen Tag bekannt. In den Regionen, in denen es keinen Schnee gab, brachte «Filomena» Unwetter, starke Windböen, Dauerregen und hohe Wellen.

Seit Freitagvormittag fielen in Madrid ununterbrochen dicke weiße Flocken vom Himmel. Der starke Schneefall sollte dort am Samstag erst gegen Mitternacht aufhören. Seit Freitagabend und noch bis Samstagabend galt in der Hauptstadt und auch in zahlreichen anderen Regionen des Landes die höchste Alarmstufe Rot. «Das ist der bisher heftigste Schneefall des Jahrhunderts in Madrid. Ähnliches hatte es zuletzt im März 1971 und Februar 1984 gegeben», sagte der Sprecher des Wetterdienstes AEMET, Rubén del Campo.

Am Freitagabend waren in Madrid bereits mehrere Flüge ausgefallen. Die Madrider S-Bahn stellte den Betrieb bis auf weiteres ein, die Eisenbahngesellschaft Renfe strich am Samstag die meisten Verbindungen. Zudem wurden einige Landstraßen und die Autobahnringe der Hauptstadt M-30 und M-40 gesperrt. Die Militärische Nothilfeeinheit UME musste nach eigenen Angaben seit Freitagabend mit 147 Soldaten und 66 Fahrzeugen mehrfach ausrücken, um im Schnee stehengebliebenen Autofahrern zu helfen oder umgestürzte Bäume zu beseitigen.

Notfälle mit Verletzten oder Toten gab es nach Medienberichten bisher nicht. Eine schlechte Nachricht gab es derweil für die Fans von Atlético Madrid: Das Heimspiel des Liga-Tabellenführers gegen Athletic Bilbao wurde wegen des Winterwetters abgesagt.


Meuthen: Trump gefährdet zum Ende sein historisches Erbe

BERLIN: Der AfD-Co-Chef Jörg Meuthen hat dem scheidenden US-Präsidenten Donald Trump eine «recht ordentliche» Innen- und Außenpolitik bescheinigt. Trump habe sich jedoch als «ausgesprochen schlechter Verlierer» gezeigt und seine zuletzt «unheilvolle Rolle» belaste «das historische Erbe seiner Präsidentschaft fundamental», sagte Meuthen am Samstag im RBB Inforadio.

Es stehe «völlig außer Zweifel, dass Trump, das wird in Deutschland gerne übersehen, erhebliche Verdienste hat», sagte Meuthen. «Er hat sein Land wirtschaftlich nach vorne gebracht. Er hat durch den großen Steuerakt 2017 das Land auf einen Wachstumspfad zurückgeführt» und gute Arbeitslosenwerte erreicht. «Er hat unglaublich viel für den Friedensprozess im Nahen Osten getan, und zwar erfolgreich.» Zu seinem Amtsende habe Trump aber «alles kaputt gemacht».

Zum Verhältnis der AfD zur künftigen US-Regierung sagte Meuten: «Wir gehen erstmal davon aus, dass Trump in elf Tagen Geschichte ist.» Es werde ganz pragmatisch auf eine «anständige Zusammenarbeit» mit dem neuen Präsidenten Joe Biden ankommen. Zu den Interessen Deutschlands gehörten «gutnachbarschaftliche Kontakte zu den Vereinigten Staaten wie auch zu Russland, China und den anderen großen Nationen».


Zehn Neugeborene sterben bei Feuer in indischem Krankenhaus

NEU DELHI: Zehn Neugeborene sind am Samstag bei einem Brand in einem staatlichen Krankenhaus im Westen Indiens ums Leben gekommen. Wie die Behörden mitteilten, befanden sich in einer Station für kranke Neugeborene 17 Säuglinge, als das Feuer in den frühen Morgenstunden im Krankenhaus des Bhandara Distrikts im Bundesstaat Maharashtra ausbrach. Sieben seien an Rauchvergiftung gestorben und drei an Verbrennungen, sagte Maharashtras Gesundheitsminister Rajesh Tope.

Sieben Babys wurden vom Personal gerettet. Alle Säuglinge waren den Angaben zufolge zwischen wenigen Tagen und drei Monaten alt. Die Regierung ordnete eine Untersuchung und eine Sicherheitsüberprüfung aller Neugeborenenstationen im Bundesstaat an. Premierminister Narendra Modi sprach auf Twitter von einer «herzzerreißenden Tragödie» und sprach den Familien sein Beileid aus.

Erste Berichte deuteten darauf hin, dass das Feuer durch einen Kurzschluss in einem der Inkubatoren verursacht worden sein könnte, sagte Tope. «Das Personal sagte, dass sich die Station schnell mit viel schwarzem Rauch füllte.»

Die Leichen der Kinder seien an die Familien übergeben worden, fügte Tope hinzu. Die Familien der Opfer würden eine Entschädigung von jeweils 500.000 Rupien (etwa 5575 Euro) erhalten.


Lawine verschüttet mehrere Häuser - Drei Tote

NORILSK: Beim Abgang einer Lawine im Norden Russlands sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Die Schneemassen begruben in der Nacht zum Samstag mehrere Häuser eines Skigebietes in der Nähe der Industriestadt Norilsk am Nordpolarmeer. Die Rettungskräfte bargen die Leichen eines Ehepaars und seines anderthalb Jahre alten Kindes, wie die Behörden mitteilten. Der älteste Sohn der Familie kam demnach mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus. Der Gesundheitszustand des 14-Jährigen wurde wegen schwerer Erfrierungen als ernst eingestuft. In dem Berggebiet seien die Temperaturen auf unter minus 25 Grad gefallen.

Eine andere vierköpfige Familie wurde bereits nach dem Abgang der Lawine gerettet. Zwei weitere Menschen brachten sich den Angaben zufolge selbst in Sicherheit. Auf Videos war zu sehen, wie die Retter mitten in der Nacht mit Schippen in den Schneemassen gruben. Sie lagen demnach bis zu drei Meter hoch. Wie die Staatsagentur Tass meldete, kam in dem Berggebiet 1989 das letzte Mal eine Lawine herunter. Zuletzt hatte es in der Region heftig geschneit. Ein Schneesturm behinderte auch die Rettungsarbeiten.


Malaysia bleibt stärkster Abnehmer für deutschen Plastikabfall

BERLIN: Malaysia bleibt das Land mit den meisten Plastikabfall-Importen aus Deutschland. In den Staat in Südostasien wurden im vergangenen Jahr rund 151.000 Tonnen Kunststoffabfälle verschifft und damit 32.000 weniger als 2019, wie der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) auf Anfrage mitteilte. Der BDE bezieht sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes für den Zeitraum Januar bis September, die der Verband dann bis Jahresende hochgerechnet hat. Auf Rang zwei folgen die Niederlande (142.000 Tonnen) und die Türkei (132.000). Insgesamt wurden knapp eine Million Tonnen ausgeführt, das war knapp ein Sechstel der hierzulande gesammelten Kunststoffabfälle.

Aus den Abfallexporten werden am Ende der Verarbeitung zum Beispiel Straßenpoller, Kloschüsseln und Polyester-Kleidung gefertigt. Umweltschützer bemängeln aber, dass die ordnungsgemäße Verwertung des Abfalls im Ausland nicht genug kontrolliert wird und dass Teile davon eben nicht wiederverwertet werde, sondern die dortige Umwelt verschmutzten. Die Abfallwirtschaft sieht die Ausfuhren als normalen Teil ihres grenzüberschreitenden Geschäfts, bei dem der Abfall dort eingesetzt werden soll, wo er am besten behandelt werden kann.


Indien lädt zur Prüfung in Kuh-Wissenschaft - mit Preisgeld

NEU DELHI: In Indien hat eine von Premier Narendra Modi eingesetzte Behörde für den Schutz der dort als heilig verehrten Kühe zu einer wissenschaftlichen Prüfung eingeladen. Kurz nach deren Ankündigung sorgte entsprechendes Lernmaterial zur Kuh-Wissenschaft allerdings für Kontroversen - die Behörde nahm es daher zeitweise von ihrer Internetseite, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur in Neu Delhi sagte.

In dem Lernmaterial steht laut örtlichen Medien etwa, dass das Töten von Kühen Erdbeben verursache - und dass Milch von indischen Kühen Spuren von Gold enthalte. Auch seien Menschen, die in Häusern mit von Kuhfladen bedeckten Wänden leben, 1984 von einem schlimmen Gasaustritt verschont geblieben.

An der einstündigen Online-Prüfung am 25. Februar könnten auch Ausländer teilnehmen, heißt es auf der Internetseite. Für erfolgreiche Prüfungsteilnehmer gebe es einen attraktiven Geldbetrag, sagte ein Behördensprecher. In einer Mitteilung des Ministeriums für Tierhaltung und Milchwirtschaft heißt es zum Lernmaterial: «Dies wird alle Inder neugierig über Kühe machen und über nicht erschlossenes Potenzial und Geschäftsmöglichkeiten informieren (...).»

In Indien sind Kühe für die hinduistische Bevölkerungsmehrheit zwar heilig, Kuhmilch, Kuh-Urin und Kuhmist gelten laut traditioneller indischer Ayurveda-Medizin als heilend. Viele Bauern setzen alte weibliche Kühe aber aus, wenn sie keine Milch mehr geben und sich finanziell nicht mehr lohnen. Viele Tiere sterben dann im Straßenverkehr. Die amtierende indische Regierung hat Kühe zunehmend politisiert, viel Geld für ihren Schutz und für Kuh-Wissenschaft eingesetzt und das Töten dieser Tiere teilweise verboten.


Maas will mit USA «Marshallplan für Demokratie» erarbeiten

BERLIN: Nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington hat Bundesaußenminister Heiko Maas den USA eine engere Zusammenarbeit im Kampf für die Demokratie angeboten. «Wir dürfen den Feinden der liberalen Demokratie keinen Raum geben. Das gilt nicht nur in den USA, sondern genauso bei uns in Deutschland und Europa», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Wir sind bereit, mit den USA an einem gemeinsamen Marshallplan für die Demokratie zu arbeiten.»

Der Marshallplan war ein wirtschaftliches Wiederaufbauprogramm der USA für Staaten Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Bundesrepublik Deutschland hatte davon besonders profitiert.

Am Mittwoch waren Proteste wütender Anhänger Trumps in der Hauptstadt Washington eskaliert und hatten das politische Zentrum der USA zeitweise in beispielloses Chaos gestürzt. Maas, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump bereits am Donnerstag mitverantwortlich für die Gewalt gemacht. Der künftige Präsident Joe Biden, der am 20. Januar vereidigt werden soll, hatte von einem beispiellosen Angriff auf die Demokratie gesprochen.

Maas sagte Biden zu, dass er sich im Kampf für die Demokratie auf Deutschland verlassen könne. «Ohne die Demokratie in den USA, keine Demokratie in Europa», sagte der Außenminister. «Die gesellschaftliche Spaltung in unseren Ländern bei den Wurzeln zu packen, darin liegt eine der größten Zukunftsaufgaben für Amerikaner und Europäer.»


Coronavirus-Varianten als «Weckruf» - Globales Überwachungsnetz nötig

BERLIN: Die Entwicklung der beiden zunächst in Großbritannien und Südafrika nachgewiesenen Coronavirus-Varianten verdeutlicht Experten zufolge, dass die Überwachung des Erregers dringend ausgebaut werden muss. Die Varianten seien als «Weckruf» zu sehen, sagte Andreas Bergthaler vom CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Systeme zur Erkennung müssten ausgebaut und koordiniert werden. «Wir dürfen uns nicht in der falschen Sicherheit wähnen, dass wir mit den Impfstoffen schon am Ende des Marathons angekommen sind.»

Wünschenswert sei zur Überwachung von Sars-CoV-2 ein globales Netzwerk von Laboren ähnlich wie bei der Grippe, deren Erreger sich ebenfalls stetig verändere, sagte Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Bisher sei man von einem solchen koordinierten Ansatz noch weit entfernt.

Bei den Varianten B.1.1.7 und 501Y.V2 gebe es eine «bemerkenswerte Konstellation vieler Mutationen», erklärte er. Sie seien unabhängig voneinander und schon vor längerer Zeit entstanden - dass sie ausgerechnet in Großbritannien und Südafrika bemerkt wurden, sei nicht überraschend: «Beide Ländern sequenzieren vergleichsweise viel.»

Noch sei nicht klar, wie viel ansteckender die Varianten seien, sagte Isabella Eckerle von der Abteilung für Infektionskrankheiten der Universität Genf. Dass es Großbritannien auch mit Lockdown-Maßnahmen nicht gelungen sei, die Ansteckungsrate deutlich zu senken, lasse aber bei B.1.1.7 Arges auch für andere Länder befürchten: «Wenn sie sich durchsetzt, hätten wir ein Problem.»

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