Neues aus dem Ausland am Samstag

Neues aus dem Ausland am Samstag

WHO: Affenpocken-Ausbruch derzeit keine internationale Notlage

GENF: Der Ausbruch von Affenpocken in mehr als 50 Ländern wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorerst nicht als «Notlage von internationaler Tragweite» bewertet. Das gab die UN-Organisation in Genf am Samstagabend nach Beratungen eines Notfallausschusses bekannt, der aus Sorge über die Infektionen einberufen worden war. Der Ausschuss will die Lage jedoch rasch neu bewerten, falls die Ansteckungsrate und die Zahl der betroffenen Länder in den kommenden Wochen ansteigt, falls gehäuft Fälle unter vulnerablen Gruppen auftreten, oder falls sich das Virus verändert.

«Ich bin tief besorgt über die Ausbreitung der Affenpocken, die nun in mehr als 50 Ländern nachgewiesen wurden», sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Seit Mai habe es 3000 Fälle gegeben. Um den Ausbruch einzudämmen, müssten verstärkt Maßnahmen wie Überwachung, Risiko-Kommunikation, Kontaktverfolgung, Isolation, Behandlung und Impfungen eingesetzt werden, sagte er.

Die WHO folgte der Empfehlung des Notfallausschusses Affenpocken. Darin sind unabhängige Fachleute aus aller Welt, die die Bedrohungslage beurteilen. Eine internationale Gesundheitsnotlage - auf Englisch «public health emergency of international concern» (PHEIC) - ist die höchste Alarmstufe, die die WHO bei einer Gesundheitsbedrohung verhängen kann. Sinn der Sache ist nicht, die Weltbevölkerung zu alarmieren, sondern die Regierungen, damit sie sich des Themas annehmen.


Kriegsfolgen: Spanien entlastet Bürger mit weiteren 9 Milliarden Euro

MADRID: Mit zusätzlichen Ausgaben von 9 Milliarden Euro will die spanische Regierung die Bürger von den Folgen des Ukraine-Kriegs finanziell weiter entlasten. Man habe beschlossen, Maßnahmen des ersten Entlastungspakets in Gesamthöhe von 16 Milliarden Euro um weitere sechs Monate bis zum 31. Dezember zu verlängern und darüber hinaus neue Hilfsaktionen zu starten, erklärte Ministerpräsident Pedro Sánchez nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung vor Journalisten in Madrid. Das Vorhaben der linken Minderheitsregierung muss aber auch vom Parlament gebilligt werden.

Zu den neuen Maßnahmen zur Abfederung der Folgen des Krieges und der stark steigenden Energiepreise gehören unter anderem eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom von 10 auf 5 Prozent, Reduzierungen der Abo-Tarife des öffentlichen Nahverkehrs um 30 bis 50 Prozent, eine 15-prozentige Erhöhung der niedrigeren Alters- und Invaliditätsrenten sowie eine Sonderzahlung von 200 Euro für Menschen, die weniger als 14.000 Euro im Jahr verdienen. Sánchez erklärte, man erwäge auch eine Erhöhung der Steuern auf die Übergewinne der Stromunternehmen, also auf hohe Zusatzgewinne in Folge des Ukraine-Kriegs. An dem Plan werde noch gefeilt. Er solle aber bald präsentiert werden.

Mit Blick auf die anstehenden Debatten und Abstimmungen im Madrider «Congreso de los Diputados» rief Sánchez «alle politischen Kräfte» des Landes dazu auf, die angekündigten Maßnahmen zu unterstützen. Diese Woche hatte er schon einen Appell an die Opposition gerichtet: «Ich wünsche mir, dass Sie, anstatt sich zu beschweren, anstatt zu kritisieren, dieses königliche Dekret zum Wohle der Familien, der Unternehmen und der Industrie in unserem Land unterstützen.»

Ende April hatte das Parlament den ersten Antikrisen-Plan nur mit einer knappen Mehrheit angenommen. Das Programm stand damals bis zuletzt auf der Kippe. Sánchez hatte deshalb kurzfristig eine Reise nach Polen und Moldau abgesagt. Er konnte die Abgeordneten von kleineren Parteien erst kurz vor Toresschluss zur Ja-Stimme überreden. Beschlossen wurden damals direkte Beihilfen und Steuererleichterungen in Höhe von sechs Milliarden Euro sowie weitere zehn Milliarden Euro an staatlich unterstützten Krediten.


Moskau stellt in Kaliningrad-Streit Litauens Grenze in Frage

MOSKAU: Wegen der Beschränkung des Transits in die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad zwischen Litauen und Polen wird in Moskau nun die Rechtmäßigkeit der litauischen Grenze bestritten. «Im Grunde genommen hat Litauen damit seine eigenen Grenzen in Frage gestellt», sagte der Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, Dmitri Rogosin, am Samstag im Staatsfernsehen. Der ungehinderte Transit sei Bedingung dafür, dass Russland die Grenzen der ehemaligen Sowjetrepublik Litauen anerkenne. «Litauen hat sich damit nicht nur ins Bein, sondern in den Kopf geschossen.»

Das heutige EU-Land hatte vor einer Woche den Transit von Waren gestoppt, die auf der Sanktionsliste der EU stehen. Nach Angaben von Kaliningrads Gouverneur Anton Alichanow sind 40 bis 50 Prozent des Transits zwischen Kern-Russland und Kaliningrad betroffen. Unter anderem dürfen nun kein Zement, keine Baumaterialien oder Metalle mehr auf dem Landweg in die russische Ostseeregion gebracht werden. Russische Offizielle hatten deshalb bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. So wurde der Ausschluss Litauens aus dem gemeinsamen Stromnetz vorgeschlagen.

Die nun angeregte Aufhebung des russisch-litauischen Vertrags über die Staatsgrenze würde eine Eskalation bedeuten. In russischen Talkshows werden seit Wochen Forderungen laut, einen «Korridor» nach Kaliningrad zu erobern. Rogosin ist der erste hochgestellte russische Beamte, dessen Forderungen in diese Richtung gehen.


Filme gucken, Gemüse schneiden, häkeln: G7-Gegner im Protestcamp

GARMISCH-PARTENKIRCHEN: Während die Teilnehmer des G7-Gipfels auf Schloss Elmau anreisen, füllt sich auch das Camp der Kritiker in Garmisch-Partenkirchen. «Wir sind aus verschiedenen Bewegungen hier, aber uns eint die Überzeugung, dass es nicht sein kann, dass Entscheidungen, die die ganze Welt betreffen, von sieben Menschen getroffen werden, die im Grunde einzelne nationale Interessen vertreten», erläuterte einer der Campsprecher, der 27-jährige Christopher aus Berlin.

Am Samstagabend waren nach Angaben der Organisatoren um die 200 Campteilnehmer angereist; Platz gäbe es für bis zu 750. Die Teilnehmer unterschiedlichen Alters organisieren sich basisdemokratisch, was auch die Übernahme von Gemeinschaftsdiensten etwa beim Gemüseschnippeln für die vegane Verpflegung enthält. «Aber viele sitzen auch einfach hier und häkeln Hüte und schauen sich das schöne Bergpanorama an», schilderte Christopher. Am Sonntag dann soll es eine Demo durch das Städtchen zu Füßen der Zugspitze geben.

Vor sieben Jahren, als der G7-Gipfel schon einmal auf Schloss Elmau ausgerichtet worden war und auch das Camp schon einmal just auf dieser Wiese aufgeschlagen wurde, hatten Unwetter das Feld neben dem kleinen Fluss Loisach unter Wasser gesetzt. Als es am Freitagabend erneut heftig regnete, musste der eigens aufgesetzte Evakuierungsplan dennoch nicht aktiviert werden: «Wir hatten ein warmes Zelt, in dem wir Teppiche ausgelegt haben, haben eine Doku zusammen gesehen über ein neokoloniales Projekt in Mexiko, und als dann die Sonne schien beim Aufwachen, war das wunderbar», schilderte Christopher.


Russland will Raketensystem Iskander nach Belarus verlegen

ST. PETERSBURG: Russland will seine Boden-Raketen vom Typ Iskander ins Nachbarland Belarus verlegen. Das werde in den nächsten Monaten erfolgen, sagte Präsident Wladimir Putin am Samstag der Staatsagentur Tass zufolge. Er äußerte sich bei einem Treffen mit dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko in St. Petersburg.

Die Iskander-M könnten «sowohl ballistische Raketen als auch Marschflugkörper aufnehmen - sowohl in konventioneller als auch in nuklearer Ausführung», meinte Putin. Sie haben russischen Medien zufolge eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Details sollten die Verteidigungsminister beider Länder besprechen, sagte Putin.

Seinen Angaben zufolge sollen die Kampfflugzeuge von Belarus vom Typ Su-25 nachgerüstet werden. «Diese Modernisierung sollte in Flugzeugfabriken in Russland vorgenommen werden.» Dann könnten diese Flugzeuge auch Atomwaffen transportieren.

Belarus ist ein enger Verbündeter Russlands. Nach ukrainischen Angaben vom Samstag hatten russische Truppen Raketen auf die ukrainischen Städte Schytomyr und Tschernihiw aus Belarus abgefeuert.


Deutsche Wanderin in Südtirol tödlich verunglückt

BOZEN: In Südtirol ist eine deutsche Wanderin in den Bergen ums Leben gekommen.

Die 50-Jährige sei am Samstagnachmittag in den Sarntaler Alpen verunglückt, bestätigte die Polizei in Bozen auf Nachfrage. Die Frau war Medienberichten zufolge unterwegs auf den Berg Hirzer, dessen Spitze auf etwas mehr als 2780 Metern liegt. Der Hirzer ist der höchste Berg der norditalienischen Gebirgsgruppe, die sich nördlich von Bozen befindet. Knapp unter dem Gipfel sei die Frau ersten Erkenntnissen zufolge ausgerutscht und dann mehrere Meter abgestürzt.


Amnesty: Festnahmen bei Mahnwache für Vermisste in Istanbul

ISTANBUL: In Istanbul hat die Polizei die 900. Mahnwache von Aktivisten und Müttern aufgelöst, die an das Verschwinden ihrer Angehörigen in den 1980er und 90er Jahren erinnern wollten. Mehrere Demonstranten seien festgenommen worden, darunter der Vorsitzende der türkischen Menschenrechtsorganisation IHD, Öztürk Türkdogan, teilte Amnesty International am Samstag mit. Die Behörden müssten «umgehend und bedingungslos alle Personen freilassen, die nur dafür willkürlich festgenommen wurden, dass sie ihr Recht auf friedliche Meinungsäußerung und Versammlung wahrgenommen haben».

Die Polizei habe den Galatasaray-Platz im Zentrum Istanbuls abgesperrt, bevor es zu einem Handgemenge mit friedlichen Demonstranten gekommen sei, berichtete die Zeitung «Evrensel». Auch einige oppositionelle Parlamentsabgeordnete hätten aus Solidarität an der Mahnwache teilgenommen.

Die sogenannten Samstagsmütter halten seit Jahrzehnten wöchentliche Mahnwachen ab. Nach der 700. Kundgebung wurden die Veranstaltungen jedoch im Jahr 2018 verboten. Damals setzte die Polizei Tränengas ein, um sie aufzulösen. Die Samstagsmütter fordern eine unabhängige Untersuchung zum Verbleib ihrer Angehörigen, die nach dem Militärputsch 1980 und in den 1990er Jahren im überwiegend von Kurden bevölkerten Südosten der Türkei verschwunden waren.


Europapolitiker Schirdewan soll die Linke einen

ERFURT: Er habe Erfahrungen damit, «eine bunte Ansammlung von Linken zu lenken und zu führen», sagte Martin Schirdewan bei der Bewerbungsrede für den Linke-Vorsitz. Der Europapolitiker, der im Parlament in Brüssel 39 europäische Linke-Abgeordnete als Co-Fraktionschef unter einen Hut bringen muss, soll nun die deutsche Linke einen. Der 46-Jährige wurde am Samstag auf dem Parteitag in Erfurt zum Vorsitzenden gewählt - als Teil einer Doppelspitze mit Janine Wissler.

Der gebürtige Berliner hat einen in Ostdeutschland bekannten Großvater, der in den 1950er Jahren zur SED-Spitze gehörte, dann aber wegen abweichender Auffassungen in Ungnade fiel. Schirdewan selbst gilt als Realpolitiker. Seit 2017 gehört er dem Europaparlament an, erst als Nachrücker, seit 2019 als gewählter Abgeordneter.

Schirdewan ist seit einigen Jahren Mitglied im Bundesvorstand und im Thüringer Landesverband verankert, der als pragmatisch gilt und mit Bodo Ramelow den einzigen Ministerpräsidenten der Linken stellt. Eines seiner Büros hat der promovierte Politikwissenschaftler in Jena. Als Vorsitzender der Linken wird er noch häufiger zwischen Brüssel, Berlin und Jena pendeln. Er wolle Europaabgeordneter bleiben, sagte er vor dem Parteitag.

Sein politisches Credo: «Die Leute brauchen keine Partei, die sich im Streit ständig selbst versenkt.» Die Linke müsse den Wählern ihren «Gebrauchswert deutlich machen» - und der liege vor allem darin, sich für die sozialen Belange der Schwächeren in der Gesellschaft einzusetzen.


Wissenschaftler fordern von G7 mehr Geld für Klimaschutz

ELMAU: Vor dem Auftakt des G7-Gipfels im bayerischen Elmau haben Wissenschaftler von den Teilnehmerstaaten mehr Geld für den Klimaschutz gefordert. Es sei eher noch mehr Geld nötig als jene 100 Milliarden US-Dollar, die Industriestaaten besonders von der Erderwärmung betroffenen Ländern versprochen haben, sagte Axel Berger vom Deutschen Institut für Entwicklung und Nachhaltigkeit am Samstag in Garmisch-Partenkirchen. In Elmau tagen ab Sonntag die sieben führenden westlichen Industriestaaten mit weiteren Gästen. Da Deutschland die G7-Präsidentschaft hat, ist Kanzler Olaf Scholz (SPD) Gastgeber.

Der von Scholz vorgeschlagene Klimaclub müsse sich auch mit den Problemen von Entwicklungsländern befassen und etwa Energiewende-Partnerschaften voranbringen, verlangte Berger. Dabei müsse es auch um soziale Anliegen gehen, verlangte der Makroökonom Dennis Snower, Präsident der Global Solutions Initiative, eines Netzwerks von Denkfabriken.

Der Multilateralismus, also die Zusammenarbeit von Staaten in internationalen Gremien und Organisationen, stehe unter Druck, sagte Snower. Dennoch bleibe er wichtig zur Lösung von Problemen, die auf globaler Ebene adressiert werden müssten. Russland und seine Unterstützer könnten dabei nicht gänzlich aus allen Foren ausgeschlossen werden.

Snower und Berger sprachen bei einer Pressekonferenz des Denkfabriken-Netzwerks «Think7», das die deutsche G7-Präsidentschaft mit wissenschaftlicher Expertise begleitet. Die Gruppe empfiehlt auch neue Methoden, um Wohlstand umfassender zu messen als nur mit dem Bruttoinlandsprodukt. Auch Belange von Umwelt-, Bildungs- und Sozialpolitik sollten erfasst werden. Für Digitalkonzerne brauche es außerdem einen einheitlichen Rechtsrahmen, der Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zurückgebe.


Söder heißt G7-Chefs willkommen - aber auf dem Foto fehlt Scholz

MÜNCHEN/ELMAU: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat die G7-Staats- und Regierungschefs am Samstag vorab per Twitter in Bayern willkommen geheißen - aber auf dem dazugehörigen Foto fehlt einer: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). «Die Welt zu Gast in Bayern: Welcome to Bavaria», schrieb der CSU-Chef auf Twitter. «Wir begrüßen die wichtigsten Staatschefs der Welt. Beim G7-Gipfel organisiert sich die freie Welt und definiert gemeinsame Interessen.» Die aktuellen Krisen in der Welt zeigten, wie wichtig internationale Abstimmung sei.

«Grüß Gott in Bayern!», hieß es auf dem Foto dazu. Abgebildet waren US-Präsident Joe Biden, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Boris Johnson, Italiens Regierungschef Mario Draghi, Kanadas Premier Justin Trudeau und der japanische Ministerpräsident Fumio Kishida - also sechs Staats- und Regierungschefs. Ausgerechnet der Gastgeber Scholz war nicht abgebildet.

Das fiel auch manchen Twitter-Nutzern auf. «Ich zähle nur sechs», schrieb ein User. Auch andere bemerkten, dass ausgerechnet der Kanzler fehle. «Der ist ja nicht zu Gast», konterte ein anderer.

Ebenfalls nicht auf dem Foto waren EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel. Die beiden sind zwar keine Staats- oder Regierungschefs, nehmen aber an den G7-Gipfeln als oberste Vertreter der Europäischen Union teil.


Ein Toter nach Erdbeben im Süden des Iran

TEHERAN: Bei einem Erdbeben der Stärke 5,6 im Süden des Iran ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. 30 weitere wurden nach Angaben des Staatssenders Irib am Samsnstag verletzt. Das Epizentrum lag im Persischen Golf unweit der Touristeninsel Kisch. Die genauen Schäden wurden noch überprüft.

Bei einem verheerenden Erdbeben im Nachbarland Afghanistan am Mittwochmorgen waren mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Immer wieder kommt es zu schweren Erdbeben in der Region, wo die Arabische, die Indische und die Eurasische Platte aufeinander treffen.


Rangeleien zwischen Polizei und Aktivisten bei G7-Demo

MÜNCHEN: Bei der Münchner Demonstration vor dem G7-Gipfel hat es am Samstagnachmittag kurzzeitig Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten gegeben. Wie ein dpa-Reporter berichtete, gab es nach der Festnahme eines Demonstranten Rangeleien zwischen Aktivisten und Beamten. Polizeisprecher Andreas Franken sagte: «Ein Teil der Veranstaltung hat sich kurzfristig vom Aufzug entfernt. Nach meinem aktuellen Kenntnisstand war das eine Solidarisierung aus dem Bereich des schwarzen Blocks nach einer erfolgten Festnahme.»

Zuvor waren nach Polizeiangaben rund 4000 Menschen friedlich von der Theresienwiese durch die Innenstadt gezogen. Die Veranstalter sprachen von rund 6000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Erwartet hatten sie eigentlich rund 20.000 Menschen.

Die Demo fand einen Tag vor Beginn des Gipfels in Elmau statt. Es hatten 15 globalisierungskritische Verbände von Attac bis zur Umweltorganisation WWF aufgerufen. Die Kundgebung hatte vier Schwerpunkte: den Ausstieg aus fossilen Energien, den Erhalt von Tier- und Pflanzenvielfalt, die soziale Gerechtigkeit auf dem Planeten und die Bekämpfung des Hungers.


Neues aus dem Ausland am Samstag

Konnte sich ein Präsident zuletzt nicht mehr auf eine absolute Mehrheit stützen und hatte auch keine einfache Wahlschlappe trifft Ministerinnen und Vertraute von Präsident Macron

PARIS: Die herbe Wahlschlappe für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat unmittelbare Folgen für dessen Regierung. Zwei Ministerinnen des gerade erst neu formierten Kabinetts werden ihre Posten räumen müssen, da sie bei der Parlamentswahl am Sonntag die Mehrheit in ihren Wahlkreisen verfehlten. Macron hatte diese Regel vor der Wahl aufgestellt. Betroffen sind Umweltministerin Amélie de Montchalin und Gesundheitsministerin Brigitte Bourguignon. Außerdem muss die Staatssekretärin für Meeresangelegenheiten, Justine Benin, gehen.

Auch weitere Vertraute des Präsidenten scheiterten in ihren Wahlkreisen, so etwa Ex-Innenminister Christophe Castaner und der Präsident der Nationalversammlung, Richard Ferrand. Aus der Opposition gab es den Ruf, die erst im Mai ernannte Premierministerin Élisabeth Borne müsse wegen des schlechten Ergebnisses des Regierungslagers zurücktreten. Wie Regierungssprecherin Olivia Grégoire dem Sender France Inter am Montag sagte, habe sich diese Frage noch nicht gestellt, man werde in den kommenden Stunden weitersehen.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kam das Macron-Lager am Sonntag auf 245 der 577 Sitze und verfehlte damit die absolute Mehrheit. Das neue linke Bündnis angeführt von Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon erzielte 131 Sitze. Die rechtsnationale Partei Rassemblement National von Marine Le Pen legte massiv zu auf 89 Sitze. Die traditionelle Volkspartei der Republikaner kam samt Verbündeten auf 74 Sitze, ein kräftiger Verlust.

Das Macron-Lager, das im Parlament nur noch mit einfacher Mehrheit ausgestattet ist, muss sich nun Unterstützung bei anderen Gruppen im Parlament suchen. Koalitionsregierungen sind in Frankreich unüblich. Erstmals seit 20 Jahren kann der Präsident sich nicht mehr auf eine absolute Mehrheit im Parlament stützen. Sein Mitte-Lager verfügt nur noch über eine einfache Mehrheit und muss im Parlament nun die Unterstützung anderer Bündnisse suchen.


Biden unterzeichnet Reform zum Schutz vor Schusswaffengewalt

WASHINGTON: Nach den jüngsten Amokläufen in den USA hat Präsident Joe Biden ein schärferes Gesetz gegen Schusswaffengewalt in Kraft gesetzt. Biden unterzeichnete das Gesetz, das der Kongress parteiübergreifend beschlossen hatte, am Samstag im Weißen Haus in Washington. «Dieses Gesetz enthält nicht alles, was ich wollte», sagte der Demokrat. «Aber es enthält Maßnahmen, die ich seit langem gefordert habe und die Leben retten werden.» Biden sprach vom bedeutsamsten Gesetz zum Schutz vor Schusswaffengewalt in 30 Jahren.

Auch Experten werten die Verschärfung des Waffenrechts als wichtigste seit Mitte der 1990er - obwohl es inhaltlich ein überparteilicher Minimalkompromiss ist, den Kritiker als völlig unzureichend rügen. Biden räumte ein: «Es liegt noch viel Arbeit vor uns.» Er werde in seinem Bemühen um weitere Verschärfungen nie aufgeben. «Doch dies ist ein denkwürdiger Tag.»

Die USA haben seit langem mit einem enormen Ausmaß an Waffengewalt zu kämpfen. Zuletzt hatten mehrere Amokläufe die Debatte neu angefacht. Im Bundesstaat Texas erschoss ein 18-Jähriger vor einem Monat an einer Grundschule 19 Kinder und zwei Lehrerinnen. Eine Gruppe aus Demokraten und Republikanern handelte daraufhin den Kompromiss aus.

Das neue Gesetz sieht eine intensivere Überprüfung von Waffenkäufern vor, die jünger als 21 Jahre sind. Zudem geht es darum, Gesetze aus Bundesstaaten auszuweiten, um potenziellen Gefährdern Waffen abnehmen zu können. Illegaler Waffenhandel soll auf Bundesebene bestraft werden können. Zudem sollen Milliarden in psychische Gesundheitsvorsorge und Anti-Gewalt-Programme fließen. Auch für die Sicherheit von Schulen sind weitere Mittel vorgesehen. Das von Demokraten geforderte Verbot von Sturmgewehren fehlt in dem Gesetz.


Norwegen hebt Terrorwarnstufe auf höchste Stufe an

OSLO: Nach den tödlichen Schüssen in Oslo hat Norwegen die nationale Terrorwarnstufe auf die höchste Stufe angehoben. Die Gefahr einer terroristischen Bedrohung sei «außergewöhnlich» hoch, teilte der norwegische Geheimdienst PST am Samstag mit, wie der Sender NRK berichtete. Behördenchef Roger Berg erklärte, man betrachte die Tat mit zwei Todesopfern und mindestens 21 Verletzten als islamistisch motivierten Terroranschlag. Nun gilt Terrorwarnstufe fünf. Bisher war es Stufe drei.

Im Zentrum der norwegischen Hauptstadt hatte ein mutmaßlicher Einzeltäter in der Nacht zum Samstag in einer Schwulenbar und deren Umgebung auf andere Menschen geschossen. Die Behörden ermitteln wegen Terrorverdachts. Man gehe stark von Hasskriminalität aus, hieß es von der Polizei. Bei dem Angreifer soll es sich um einen Norweger mit iranischen Wurzeln handeln. Er wurde bereits in der Nacht festgenommen.


Vorwürfe gegen Marokkos Sicherheitskräfte nach Ansturm auf Exklave

RABAT/MELILLA: Nach dem Tod von mindestens 18 Menschen beim Ansturm von Migranten auf die spanische Exklave Melilla in Marokko gibt es schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte. Die marokkanischen Behörden hätten «ungerechtfertigte Gewalt» eingesetzt und Migranten «misshandelt», sagte der Leiter der Marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte (AMDH) in der Stadt Nador, Amin Abidar, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Menschen seien stundenlang ohne medizinische Hilfe eingeschlossen auf der Erde liegengelassen worden. Einige seien dabei gestorben.

Die Menschenrechtsorganisation verbreitete Videos, auf denen zu sehen ist, wie Dutzende Migranten - umgeben von Sicherheitskräften - auf engstem Raum zusammengepfercht auf der Erde liegen. Ein Mann wird mit Blut am Kopf abgeführt. Eine Aufnahme zeigt, wie ein Uniformierter mit einem Schlagstock auf einen Mann einschlägt, der am Boden liegt. Die Aufnahmen seien von Aktivisten und Sympathisanten gemacht worden, erklärte Abidar. Er forderte eine schnelle und unabhängige Aufklärung der Vorfälle, um die Verantwortlichen ausfindig zu machen.

Bis zu 2000 Menschen hatten am Freitag versucht, den Grenzzaun zwischen Marokko und Melilla zu überwinden. Dabei kamen 18 Migranten ums Leben, wie Marokkos staatliche Nachrichtenagentur MAP unter Berufung auf die lokalen Behörden meldete. Sie seien im Gedränge gestorben oder vom Zaun gefallen. AMDH sprach hingegen von 27 Toten. Zudem seien Dutzende Migranten sowie 140 Sicherheitskräfte verletzt worden. Das marokkanische Innenministerium warf den Migranten vor, Gewalt eingesetzt zu haben. Die Menschen stammten demnach aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara.


Britische Züge stehen wieder still - Keine Einigung in Sicht

LONDON: In Großbritannien sind am Samstag erneut etliche Züge in den Bahnhöfen stehen geblieben. Die Beschäftigten von National Rail und vielen anderen Zugbetreibern legten zum dritten Mal in einer Woche die Arbeit nieder, weshalb nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA nur rund ein Fünftel der üblichen Verbindungen verkehrte. Passagieren wurde geraten, nur wenn unbedingt notwendig mit dem Zug zu reisen. Die Ausfälle und Verzögerungen durch die Streiks im ganzen Land sollten sich bis in den Sonntag ziehen.

Eine Einigung in dem Konflikt um Löhne und Jobstreichungen zeichnet sich nicht ab. «Wir schließen weitere Streiks nicht aus, haben aber noch keine Termine festgelegt», sagte RMT-Generalsekretär Mick Lynch.

Die Bahngewerkschaft RMT fordert sieben Prozent mehr Geld für ihre Mitglieder. Die Arbeitgeber wollen maximal drei Prozent geben. Hintergrund ist, dass die Inflationsrate in Großbritannien bei mehr als neun Prozent liegt und weiter steigen könnte. Zudem fordert die Gewerkschaft, dass das Bahnunternehmen Network Rail Pläne zurücknimmt, wonach 2500 Jobs gestrichen werden sollen.

Die Gewerkschaft fordert die britische Regierung auf, sich in den Konflikt einzuschalten, was diese jedoch ablehnt und sich für nicht zuständig hält. «Selbst eine Stunde Gespräch mit einem Minister wäre eine Stunde, die sie [die Gewerkschafter] mit den Leuten sprechen könnten, die wirklich zuständig sind», hieß es aus dem Verkehrsministerium. Ein Sprecher von Network Rail sagte, der Chefverhandler von RMT habe in dieser Woche mehr Zeit im Fernsehen als am Verhandlungstisch verbracht. Seine Devise laute offensichtlich: «Erst streiken, dann verhandeln».


Iran zu Fortsetzung der Atomverhandlungen bereit

TEHERAN: Die festgefahrenen Verhandlungen über das internationale Atomabkommen mit dem Iran sollen in Kürze fortgesetzt werden. Der iranische Außenminister Hussein Amirabdollahian versicherte am Samstag nach Gesprächen mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell in Teheran: «Wir sind bereit, in den nächsten Tagen die Atomverhandlungen wieder aufzunehmen.» Borrell sprach sich bei einem gemeinsamen Auftritt dafür aus, unverzüglich wieder miteinander zu verhandeln. «Wir werden diese Pattsituation durchbrechen und den Eskalationsprozess, in dem wir uns befanden, beenden», sagte der Spanier.

Präsident Ebrahim Raisi sagte nach dem Treffen, dass Iran die Verhandlungen fortsetzen wolle, gleichzeitig aber weiter auf seinen Prinzipien bestehen und nicht kürzer treten werde. «Die Sanktionen müssen aufgehoben werden», verlangte Raisi im Staatsfernsehen.

Die Verhandlungen über eine Wiederbelebung des 2015 geschlossenen Abkommens zwischen dem Iran und den anderen Vertragspartnern - China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und USA - stocken seit März. Hintergrund sollen in erster Linie Differenzen zwischen der Führung in Teheran und der US-Regierung über den Status der iranischen Revolutionsgarden sein. In den USA stehen die Revolutionsgarden seit Jahren auf einer Liste von Terrororganisationen.

Die Internationale Atomenergiebehörde warnte kürzlich, dass der Iran nur noch wenige Wochen benötige, um Ausgangsmaterial für eine Atombombe zu produzieren. Teheran betont immer wieder, Nukleartechnologie nur für friedliche Zwecke zu nutzen. Das Abkommen soll das Atomprogramm der islamischen Republik wesentlich einschränken. Im Gegenzug wird die Aufhebung von Sanktionen in Aussicht gestellt. Die USA waren 2018 unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump 2018 einseitig aus dem Abkommen ausgestiegen und hatten neue Sanktionen gegen den Iran verhängt.


Polizei spricht von nur 3500 Teilnehmern bei G7-Demo in München

MÜNCHEN: Zu der zentralen Demonstration zum G7-Gipfel in München sind am Samstag zunächst nach Polizeischätzung nur etwa 3500 Teilnehmer gekommen. Das sagte der Münchner Polizeisprecher Andreas Franken etwa eine Stunde nach Beginn der Veranstaltung auf der Theresienwiese. Ursprünglich war mit mindestens 20.000 Menschen gerechnet worden.

Eine Sprecherin der Veranstalter sagte, dass erst nach Beginn des späteren Demonstrationszuges eine Schätzung möglich sei. Die Kundgebung auf der Theresienwiese diene zunächst dazu, die Teilnehmer zu sammeln. Oft schließen sich bei solchen mehrstündigen Demos dann noch viele Teilnehmer erst im Laufe der Veranstaltung an.

Allerdings zeigten sich einigen Aktivisten bereits auf der Theresienwiese verwundert und überrascht über den geringen Zulauf. «Wir sind enttäuscht», sagte die 46-jährige Andrea von Greenpeace aus Hannover. Es wirke so, als ob nur Organisationen vor Ort seien, aber niemand aus der Bevölkerung. «So schlecht ist das Wetter ja auch nicht», sagte sie.

Zur Demonstration in München haben 15 globalisierungskritische Verbände von Attac bis zur Umweltorganisation WWF aufgerufen. Die Kundgebung hat vier Schwerpunkte: den Ausstieg aus fossilen Energien, den Erhalt von Tier- und Pflanzenvielfalt, die soziale Gerechtigkeit auf dem Planeten und die Bekämpfung des Hungers.


G7-Gipfel - US-Presse in Österreich untergebracht

TELFS: Der G7-Gipfel findet abgeschirmt auf Schloss Elmau in Bayern statt, das Internationale Medienzentrum ist rund siebeneinhalb Kilometer Luftlinie entfernt in Garmisch-Partenkirchen untergebracht. Die US-Pressedelegation und das amerikanische Pressezentrum liegen allerdings noch weiter entfernt - und nicht einmal mehr in Deutschland. Das Weiße Haus hat die Journalistinnen und Journalisten in ein Hotel in Österreich eingebucht.

Auf 1300 Höhenmetern bietet das siebenstöckige «Interalpen-Hotel Tyrol» bei Telfs ein spektakuläres Bergpanorama. Von den massiven Sicherheitsvorkehrungen rund um den Gipfel ist dort - anders als in Garmisch-Partenkirchen - nichts zu spüren. Das Werbeversprechen des Resorts: «Luxuriöse Auszeit in den Tiroler Bergen».

Am Samstag dauerte die einfache Fahrt vom Interalpen-Hotel zum Internationalen Medienzentrum rund eine Stunde. Mit Beginn des Gipfels an diesem Sonntag rechneten die US-Organisatoren wegen der Polizeikontrollen mit zweieinhalb Stunden pro Strecke.

Die US-Regierung organisiert bei Auslandsreisen des US-Präsidenten die Unterkunft von Journalisten, die beim Weißen Haus akkreditiert sind, und richtet in den jeweiligen Hotels stets ein eigenes Pressezentrum ein. US-Präsident Joe Biden wurde am späten Samstagabend auf Schloss Elmau erwartet.


Wegen Trockenheit : Mailand will erste Brunnen abdrehen

MAILAND: Wegen der anhaltenden Trockenheit in Norditalien will die Metropole Mailand erste Brunnen abdrehen. Ausgenommen seien solche, in denen sich Pflanzen und Tiere befinden, schrieb Mailands Bürgermeister Beppe Sala am Samstag auf Facebook. Auch die kleinen Brunnen auf den Gehwegen, aus denen Trinkwasser fließt, blieben wegen der anstehenden Hitzewelle weiter offen. Die Stadt bewässere aber keine Grünflächen mehr. Sala rief die Bürger zudem auf, ihren Wasserverbrauch zu reduzieren, und empfahl, Klimaanlagen nicht kälter als 26 Grad Celsius einzustellen, um Energie zu sparen. Zu diesem Zweck sollten auch Geschäfte ihre Türen geschlossen halten.

Der Regionalpräsident der Lombardei, in der Mailand liegt, kündigte am Freitag bereits den Notstand wegen der Trockenheit an. Mailand folgte nun den Empfehlungen. Wann die Maßnahmen in Kraft treten, teilte Sala nicht mit. In Italien herrschen schon länger hohe sommerliche Temperaturen bei gleichzeitig sehr geringen Niederschlägen. Der Fluss Po - der längste Strom Italiens - ist stellenweise ausgetrocknet.


Polizei: Keine größeren Probleme bei G7-Verkehrskontrollen

GARMISCH-PARTENKIRCHEN: Die Verkehrskontrollen rund um den G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Garmisch-Partenkirchen laufen aus Sicht der Polizei nach kleineren Anfangsschwierigkeiten weitgehend problemlos. «In der Anfangszeit kam es vereinzelt zu Rückstaus, inzwischen läuft das Ganze aber sehr sehr gut», sagte die Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, Kerstin Schaller, die bei dem Einsatz rund um den Gipfel für die Verkehrsmaßnahmen zuständig ist.

Größere Auseinandersetzungen mit Autofahrern habe es aber nicht gegeben, auch wenn die Sperrungen von einigen «nicht unbedingt goutiert» worden seien. «Natürlich: Unmutsbekundungen gibt es und die sind auch verständlich.»

Die Polizei hat rund um Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald Kontrollstellen eingerichtet, unter anderem auf der Autobahn. Autofahrer, die nur durch die Region fahren wollen, werden abgehalten und umgeleitet. Das betrifft auch Urlauber, die Garmisch-Partenkirchen passieren und weiter nach Süden fahren wollen. In Nordrhein-Westfalen haben gerade die Sommerferien begonnen.

Ziel der Maßnahmen ist, dass sich nur noch Menschen mit einem «berechtigten Interesse» in der Region aufhalten, sagte Schaller. Dazu zähle allerdings auch der Besuch von Münchnern bei Freunden in Garmisch.


Protest gegen G7-Gipfel: Demonstration in Garmisch-Partenkirchen

GARMISCH-PARTENKIRCHEN: Nach der Demo in München wollen Kritiker des G7-Gipfels ihren Protest zum Start des Treffens auf Schloss Elmau nun auch ins nahe gelegene Garmisch-Partenkirchen tragen. Für Sonntag (13.00 Uhr) ist eine Demonstration durch das beschauliche Städtchen zu Füßen der Zugspitze geplant. Nach der Auftaktkundgebung am Bahnhofsvorplatz mit Redebeiträgen und Musik wollen die Organisatoren den Zug über eine 3,3 Kilometer lange Strecke unter anderem durch die Fußgängerzone führen. Zwischen 16.00 und 19.00 Uhr ist dann die Schlusskundgebung geplant.

Zeitgleich treffen sich nur wenige Kilometer entfernt die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden westlichen Industriestaaten auf Schloss Elmau. Sie werden am Sonntag über die weltwirtschaftliche Lage, den Klimaschutz und um Außen- und Sicherheitspolitik sprechen - insbesondere auch um Sanktionen gegen Russland.


Nach Unglück auf Gardasee: Vater von Opfer spricht mit Verurteiltem

SALÒ: Nach dem tödlichen Bootsunfall auf dem Gardasee im vergangenen Jahr hat einer der beiden verurteilten Deutschen den Vater des toten Umberto Garzarella besucht. «Ich muss vorsichtig sein, was ich sage, weil ich von allen für dieses Treffen kritisiert wurde», sagte Enzo Garzarella im Interview der italienischen Tageszeitung «Corriere della Sera» (Samstag). Der 53-Jährige Manager aus München kam ihm zufolge mit seiner Frau und einem Übersetzer an das Grab seines Sohnes. Sie hätten weiße Rosen und Zeichnungen seiner Kinder mitgebracht. «In jedem Fall fand ich die Geste schön. Sein Freund hat das zum Beispiel nicht gemacht», erklärte der Vater.

Garzarella hörte nach eigenen Worten auf sein Gefühl und ging zu dem Treffen mit dem Deutschen. Er schaffe es aber noch nicht, ihm zu vergeben. «Für mich ist er kein böses Wesen, wie er vielleicht in Deutschland gesehen wird», sagte Garzarella.

Die beiden hätten auch über den Unfall am 19. Juni 2021 gesprochen, als das Luxus-Motorboot der damals 52-jährigen Münchener kurz vor Mitternacht am Westufer bei Salò mit dem Boot von Umberto Garzarella (37) und Greta Nedrotti (25) kollidierte und das Paar aus der Gegend dabei zu Tode kam.

Ein Gericht in Brescia verurteilte die beiden Deutschen am 21. März dieses Jahres zu Haftstrafen. Der Bootslenker erhielt vier Jahre und sechs Monate, der Bootsbesitzer zwei Jahre und elf Monate. Im Verfahren gaben beide an, nicht bemerkt zu haben, ein anderes Boot gerammt zu haben. In der Urteilsbegründung, aus der die Nachrichtenagentur Ansa zitierte, hieß es, der Bootslenker sei betrunken gewesen, weshalb der Bootsinhaber ihn nicht hätte fahren lassen dürfen.


NRW-CDU stimmt schwarz-grünem Koalitionsvertrag zu

BONN/BIELEFELD: Sechs Wochen nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat die CDU den Weg frei gemacht für eine schwarz-grüne Landesregierung. Bei einem Landesparteitag in Bonn stimmte am Samstag eine große Mehrheit offen per Handzeichen bei vier Gegenstimmen für die Annahme des Koalitionsvertrags. Bei einem parallel beratenden Parteitag der NRW-Grünen in Bielefeld stand die Abstimmung noch aus.

Zuvor hatten der CDU-Landesvorsitzende und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst ebenso wie Bundesparteichef Friedrich Merz bei den rund 580 anwesenden Delegierten für die Annahme des ersten schwarz-grünen Koalitionsvertrags für NRW geworben. Das 146 Seiten starke Werk sei «eine gute Basis für eine gute Zusammenarbeit und eine gute Landesregierung in Düsseldorf», sagte Merz per Video-Botschaft. Wüst sagte, nach gut dreiwöchigen Koalitionsverhandlungen könne er sagen: «Das Fundament für eine erfolgreiche Arbeit für Nordrhein-Westfalen in den nächsten fünf Jahren ist gelegt.»

Wenn auch die 280 Delegierten der Grünen den Vertrag wie erwartet billigen, könnte Wüst - derzeit noch Chef einer schwarz-gelben Regierung - am Dienstag im Düsseldorfer Landtag mit schwarz-grüner Mehrheit als Ministerpräsident wiedergewählt werden. Da CDU und Grüne über eine komfortable Mehrheit von 115 der 195 Mandate verfügen, sind bei der geheimen Abstimmung keine Überraschungen in dem Fünf-Parteien-Parlament zu erwarten.

Für Montag ist die Unterzeichnung des Koalitionsvertrags geplant. Mittwoch soll das komplette neue Landeskabinett öffentlich vorgestellt und im Landtag vereidigt werden. Der Koalitionsvertrag sieht acht Ministerien für die CDU vor, vier für die Grünen.


Wieder deutscher Urlauber im Meer vor Mallorca ertrunken

PALMA: Erneut ist ein deutscher Urlauber auf Mallorca ertrunken. Der Tod des Rentners ereignete sich am Freitagnachmittag vor Peguera im Südwesten der spanischen Mittelmeer-Insel, wie die Regionalzeitung «Diario de Mallorca» und andere Medien am Samstag berichteten. Die deutsche Staatsbürgerschaft des Mannes wurde der Deutschen Presse-Agentur von der mallorquinischen Polizei bestätigt. Das Opfer sei Jahrgang 1940 gewesen, hieß es.

Der Deutsche war den Medienberichten zufolge mit Frau und Tochter im Urlaub auf Mallorca. Zu dem Unglück kam es gegen 16.00 Uhr am Strand von Palmira ca. 25 Kilometer westlich von Palma, der bei deutschen Touristen sehr beliebt ist. Rettungsschwimmer sahen den Rentner plötzlich bewusstlos an der Meeresoberfläche treiben. Sie holten ihn aus dem Wasser. Wiederbelebungsversuche waren aber erfolglos.

Es ist bereits der zweite deutsche Badetote auf Mallorca binnen einer Woche. Am Montag war ein ebenfalls älterer Mann (Mitte 70) an der Küste von Santa Ponça im Südwesten der Insel verunglückt. Vor der Küste von Formentera südlich von Mallorca ertrank außerdem am vergangenen Freitag ein 71 Jahre alter Tourist aus Deutschland. Und bereits in den Wochen zuvor hatte es mehrere Todesfälle an den Stränden der Balearen-Inseln gegeben. Auch die Zahl der Rettungen von Badegästen habe deutlich zugenommen, schrieb die «Mallorca Zeitung».

Gerade am Freitag hatten die Rettungsschwimmer auf Mallorca demonstriert. Mit Leichensäcken und Holzkreuzen wollten sie auf den Ernst der Lage aufmerksam machen. «Verlängerung des Dienstes - zu viele Tote außerhalb der Arbeitszeit» stand auf Deutsch auf einem Plakat, das an einem der Wachtürme der Rettungsschwimmer am Balneario 6, dem Ballermann, hing. Die Rettungsschwimmer verlangen mehr Geld, mehr Kollegen und eben auch eine längere Strandaufsicht.


Scholz nach Anschlag in Oslo: Kampf gegen Terror eint uns

BERLIN/OSLO: Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf eine Schwulen-Bar in Oslo mit zwei Todesopfern hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz tief betroffen geäußert. Der Anschlag gegen die queere Community erschüttere ihn zutiefst, schrieb der SPD-Politiker am Samstag auf Twitter. Seine Gedanken seien bei den Angehörigen; den Verletzten wünsche er eine rasche Genesung. «Das norwegische Volk kann sich unserer Anteilnahme gewiss sein. Der Kampf gegen den Terror eint uns.»

Bei der Attacke waren in der Nacht zum Samstag zwei Männer erschossen worden. Mindestens 21 weitere wurden nach Angaben der Polizei verletzt, zehn davon schwer. Der Geheimdienst PST stufte die Attacke als islamistischen Terroranschlag ein. Bei dem Angreifer, den die Polizei festnahm, soll es sich um einen Norweger mit iranischen Wurzeln handeln. Der Nachtclub «London Pub» - das Hauptziel der Angriffe - gilt in Oslo als beliebter Treffpunkt für Schwule, Lesben und andere Angehörige der queeren Szene.


Erste Rettungsarbeiten nach Erdbeben abgeschlossen

KABUL: Nach dem verheerenden Erdbeben in Afghanistan mit mehr als 1000 Toten sind die ersten Rettungsarbeiten abgeschlossen. Es seien Notunterkünfte für die Opfer eingerichtet worden, sagte ein Sprecher der afghanischen Katastrophenschutzbehörde der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Alle Verletzten in kritischem Zustand seien inzwischen in Krankenhäuser gebracht worden.

Die amtierende Taliban-Regierung verteilte Geld an die Opfer der Familien. Nachbarländer aus der Region unterstützten Afghanistan nach Behördenangaben mit Hilfslieferungen.

Bei dem Erdbeben am frühen Mittwochmorgen sind nach Angaben der UN 1036 Menschen gestorben und mehr als 1600 verletzt worden. Der afghanische Katastrophenschutz hatte am Donnerstag die Zahl der Toten auf 1100 geschätzt. Das Beben hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte eine Stärke von 5,9.


Ende der Maskenpflicht verschafft L'Oréal Absatzboom

BERLIN: Der französische Kosmetikkonzern L'Oréal verzeichnet trotz Preissteigerungen weiterhin hohe Absätze. «In Deutschland boomt der Make-up-Markt seit einigen Wochen geradezu, also seitdem die Masken nicht mehr Pflicht sind», sagte das Vorstandsmitglied Alexis Perakis-Valat der «Welt am Sonntag». Zugleich steige der Durchschnittspreis. «Ähnliches sehen wir weltweit.» Die Branche verkaufe sogar mehr als in den Monaten vor der Pandemie. Im Gegensatz zu Lebensmitteln sei die Frequenz, in der Kosmetik gekauft wird, niedrig. «Da ist der Druck zu sparen weniger hoch.»

Der Manager, der das Geschäft mit den Massenmarkt-Marken L'Oréal Paris, Garnier, Maybelline und Nyx verantwortet, verteidigte zudem die Entscheidung des französischen Konzerns, sich in Russland nur zum Teil vom Markt zurückgezogen zu haben. «Wir werden weiterhin essenzielle Produkte anbieten, die nur einen sehr kleinen Teil unseres Geschäfts ausmachen», sagte er. «Wir haben auch eine Verantwortung für unsere Mitarbeiter in Russland.»


Nach Tod im Amazonas: Indigenen-Experte beigesetzt

RECIFE: Der im brasilianischen Amazonasgebiet getötete Indigenen-Experte Bruno Pereira ist feierlich beigesetzt worden. Mit rituellem Gesang nahmen indigene Gruppen an der Trauerfeier am Freitag außerhalb der nordöstlichen Stadt Recife teil, wie auf Videos zu sehen war. Nach Medienberichten wurden die Überreste des 41-Jährigen anschließend eingeäschert.

«Sein Körper trägt den salzigen Duft des Meeres und das dichte Aroma des Waldes, den er verteidigte, bis die Zerstörer des Waldes ihn heimtückisch töteten», hieß es in einer Mitteilung der Beobachtungsstelle für die Menschenrechte der isolierten und neu kontaktierten indigenen Völker (Opi). «Unsere Traurigkeit ist unermesslich wie das Blätterdach des Waldes, unser Zorn ist stark wie die Wurzel des Kastanienbaums.»

Der Brasilianer Pereira und der britische Journalist Dom Phillips waren bei einer Reise in das Javari-Tal im Westen Brasiliens am 5. Juni verschwunden. Knapp zwei Wochen später teilte die Bundespolizei mit, ihre Leichen seien identifiziert worden. Den Angaben zufolge waren sie erschossen worden. Drei Verdächtige seien festgenommen worden, einer von ihnen habe seine Beteiligung an der Tötung der Männer eingeräumt. Laut Polizei gab es wahrscheinlich keine Auftraggeber. Nach Ansicht des Indigenen-Verbands Apib waren Pereira und Phillips einer mächtigen Verbrechergruppe in die Quere gekommen.

Phillips recherchierte für ein Buch über den Schutz des Amazonasgebiets, die starken wirtschaftlichen Interessen an dessen Ausbeutung und verschiedene Entwicklungsmodelle. Pereira hatte illegale Machenschaften im Javari-Tal für die Behörden dokumentiert. Er hatte bei der Polizei gemeldet, mehrmals bedroht worden zu sein. Brasilien ist eines der gefährlichstes Länder für Umweltschützer.

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