Neues aus dem Ausland am Samstag

Neues aus dem Ausland am Samstag

Siemens erhält weiteren Milliardenauftrag für ägyptisches Bahnnetz

MÜNCHEN: Der Industriekonzern Siemens hat einen weiteren Milliardenauftrag aus Ägypten unter anderem für Hochgeschwindigkeitszüge erhalten. Zusammen mit zwei Partnern habe man einen Vertrag über den Bau des sechstgrößten Hochgeschwindigkeitssystems der Welt unterzeichnet, teilte das Münchner Unternehmen am Samstag mit. Demnach entfällt allein auf Siemens ein Auftragswert von 8,1 Milliarden Euro. Darin sind auch 2,7 Milliarden Euro für die erste Strecke enthalten, die bereits im vergangenen Jahr vereinbart wurde.

Nach Siemens-Angaben handelt es sich um den größten Auftrag in der 175-jährigen Geschichte des Unternehmens. Der Mitteilung zufolge ist der Bau eines 2000 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsnetzes geplant. Siemens Mobility werde 41 Hochgeschwindigkeitszüge, 94 Regionalzüge und 41 Güterlokomotiven liefern. Der Vertrag beinhalte auch Bahninfrastruktur, acht Betriebs- und Güterbahnhöfe sowie einen Wartungsvertrag über 15 Jahre.


US-Vizepräsidentin Harris besucht Buffalo nach tödlicher Attacke

WASHINGTON/BUFFALO: Zwei Wochen nach der rassistisch motivierten Attacke auf einen Supermarkt im Bundesstaat New York mit zehn Toten hat US-Vizepräsidentin Kamala Harris die betroffene Gemeinde in Buffalo besucht. Harris nahm gemeinsam mit ihrem Ehemann Doug Emhoff an der Trauerfeier für eines der Todesopfer teil und besuchte auch den Tatort. Mitte Mai hatte ein Schütze mit einem Sturmgewehr vor und in einem Supermarkt das Feuer eröffnet, zehn Menschen erschossen und drei weitere verletzt. Er wurde noch am Tatort festgenommen. Den Ermittlern zufolge war die Tat rassistisch motiviert - 11 der 13 Opfer waren schwarz. Buffalo hat eine mehrheitlich schwarze Bevölkerung.

US-Präsident Joe Biden war bereits wenige Tage nach der Attacke nach Buffalo gereist und hatte die Tat als rassistischen Terrorismus verurteilt.

Gut eine Woche nach dem Schrecken von Buffalo hatte eine weitere verheerende Schussattacke das Land erschüttert: Ein 18 Jahre alter Schütze hatte am vergangenen Dienstag in einer Grundschule in der texanischen Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen getötet. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen. Die Hintergründe der Tat sind noch nicht aufgeklärt.

Biden will die Gemeinde Uvalde an diesem Sonntag gemeinsam mit seiner Ehefrau Jill besuchen, um sich dort mit Familien zu treffen.


Zahl der Toten nach Hochhauseinsturz im Iran steigt auf 29 - Proteste

TEHERAN: Nach dem Einsturz eines im Bau befindlichen Einkaufszentrums im Südwesten Irans ist die Zahl der Todesopfer auf 29 gestiegen. Das gab Innenminister Ahmad Wahidi laut Nachrichtenagentur Tasnim am Samstag bekannt. Unter den Trümmern werden noch weitere Leichen vermutet. Erschwert würden die Rettungsarbeiten durch Einsturzgefahr, so der Minister.

Medienberichten zufolge führten schlampige Bauarbeiten am Montag zu dem Einsturz in der Hafenstadt Abadan. Der Projektleiter und zehn weitere involvierte Personen sollen verhaftet worden sein. Der Besitzer der Passage kam bei dem Einsturz ums Leben.

Am Freitagabend protestierten nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim Menschen vor dem Einkaufszentrum. Demnach sei es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei und Sicherheitskräften gekommen. Um die Proteste unter Kontrolle zu bringen, habe die Polizei Tränengas eingesetzt und Warnschüsse in die Luft abgefeuert.

Nach Angaben iranischer Medien richteten sich die Proteste gegen die Bauherren. In sozialen Medien wurden Videos verbreitet, in denen Demonstranten die Regierung für den Einsturz verantwortlich machten. Die Beiträge konnten jedoch nicht unabhängig überprüft werden.


Fünf Jugendliche verunglücken bei Auto-Spritztour

KLADRUBY NAD LABEM: Bei einer nächtlichen Spritztour ist eine Gruppe von fünf Minderjährigen in Tschechien mit einem Kleinbus verunglückt. Einer der Jugendlichen kam ums Leben, als das Fahrzeug in einer Kurve von der Fahrbahn abkam, gegen einen Baum prallte und umstürzte, wie Polizei und Feuerwehr am Samstag mitteilten. Zwei Jungen und zwei Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren wurden schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht.

Der mutmaßliche Fahrer hatte keinen Führerschein. Wie sich die Jugendlichen Zugang zu dem Kleinbus verschafften, war zunächst nicht bekannt. Das Fahrzeug sei zum Unfallzeitpunkt abgemeldet und mit den Kennzeichen eines anderen Autos unterwegs gewesen, hieß es. Zu dem Unglück kam es auf einer Landstraße bei Kladruby nad Labem, rund 75 Kilometer östlich von Prag.


Zwei Dutzend Tote bei Erdrutsch im Nordosten von Brasilien

RECIFE: Nach heftigem Regen sind im Nordosten von Brasilien bei Erdrutschen mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Bei einem Erdrutsch im Viertel Ibura im Süden der Hafenstadt Recife wurden allein 20 Menschen getötet, wie der Fernsehsender Globo am Samstag berichtete. In Camaragibe im Großraum Recife kamen demnach drei weitere Menschen ums Leben. Zwei Männer wurden im Norden und Westen von Recife getötet.

Zuletzt waren in der Region heftige Niederschläge registriert worden. Im Großraum Recife fielen innerhalb von 24 Stunden über 200 Milliliter Regen, wie die Regierung des Bundesstaats Pernambuco mitteilte. Seit Beginn der Unwetter kamen insgesamt 30 Menschen ums Leben.


Erster Tropensturm der Hurrikansaison vor mexikanischer Pazifikküste

PUERTO ÁNGEL: Vor der mexikanischen Pazifikküste hat sich der erste Tropensturm der Hurrikansaison 2022 gebildet. «Agatha» befand sich am Samstag rund 340 Kilometer südwestlich von Puerto Ángel und bewegte sich mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu, wie das US-Hurrikanzentrum mitteilte. «Agatha» dürfte in den kommenden Stunden an Kraft gewinnen und am Montag als Hurrikan im Bundesstaat Oaxaca auf Land treffen. Das US-Hurrikanzentrum warnte vor lebensbedrohlichen Überschwemmungen und Erdrutschen.

Die Hurrikansaison im Pazifik dauert vom 15. Mai bis zum 30. November und im Atlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Im vergangenen Jahr wurden im östlichen Pazifik 19 Hurrikane und Tropenstürme registriert, im Atlantik gab es 21 Wirbelstürme.


Vier Tote nach Kollision auf Wüsten-Straße

TEL AVIV: Bei einem Unfall auf einer Wüstenstraße in Israel sind vier Menschen ums Leben gekommen, darunter ein vier Jahre alter Junge und ein 13 Jahre altes Mädchen. Zwei 40-jährige Männer wurden bei dem Zusammenstoß eines Lastwagens mit zwei Autos am Samstag verletzt, wie israelische Medien unter Berufung auf den Rettungsdienst Magen David Adom meldeten. Beide Männer wurden demnach per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Der LKW habe Neuwagen geladen gehabt.

Die Unfallursache war zunächst unklar. Die Wüsten-Autobahn entlang der jordanischen Grenze im Süden Israels gilt den Berichten zufolge als eine der tödlichsten Straßen des Landes. Beide Fahrspuren seien etwa nicht erkennbar durch Markierungen voneinander getrennt.


Tausende feiern 100 Jahre Nordirland mit großer Parade

BELFAST: Mit einjähriger Verspätung aufgrund der Pandemie haben in Belfast Zehntausende das 100-jährige Bestehen Nordirlands mit einer großen Parade gefeiert. Die Anhänger einer engen Anbindung Nordirlands an den Rest des Vereinigten Königreichs - auch Unionisten genannt - zogen am Samstag mit Flaggen und Marschmusik vom Regionalparlament Stormont aus in Richtung des Stadtzentrums von Belfast.

Der 3. Mai 1921 gilt Historikern zufolge als Geburtsstunde Nordirlands. Mit dem «Government of Ireland Act», der damals in Kraft trat, wurde erstmals eine Grenze auf der irische Insel gezogen - der südliche und der nördliche Teil sollten jeweils eine eigenständige Regierung bilden. Anders als Irland, das sich zur unabhängigen Republik abspaltete, blieb Nordirland Teil des Vereinigten Königreichs. Die Frage, ob die Provinz dazugehören oder sich mit Irland wiedervereinigen sollte, führte zu einem jahrzehntelangen, blutigen Bürgerkrieg und spaltet auch heute noch die Gesellschaft.

«Wir haben kein Interesse daran, Teil eines vereinigten Irlands zu werden», sagte einer der Festredner der Nachrichtenagentur PA zufolge am Samstag. Die pro-irische Partei Sinn Fein, die kürzlich bei den Parlamentswahlen in Nordirland stärkste Kraft wurde, setzt sich für ein vereintes Irland ein. Derzeit stockt die Bildung einer Einheitsregierung beider Lager, weil die Unionisten diese aus Protest gegen Brexit-Sonderregeln für Nordirland blockieren.


Jacht in englischem Hafen nach Brand gesunken - viel Diesel an Bord

TORQUAY: Im Hafen der südenglischen Küstenstadt Torquay ist eine Jacht erst in Brand geraten und dann gesunken. «Das Boot ist gesunken, deshalb ist das Feuer jetzt aus», hieß es am Samstagabend von der örtlichen Feuerwehr, die zuvor stundenlang mit etlichen Kräften im Einsatz war, um den Brand zu löschen. Den Angaben zufolge hatte das Boot rund 8000 Liter Diesel an Bord, weshalb die Umweltbehörde eingeschaltet wurde, die sich mit speziellen Geräten direkt im Anschluss an die Arbeit machte.

Das Feuer auf der fast 26 Meter langen Jacht war um die Mittagszeit ausgebrochen. Die Ursache war zunächst unklar. Auf Aufnahmen, die der Sender BBC veröffentlichte, waren dicke, schwarze Rauchwolken über dem weißen Boot zu sehen. Anwohner wurden angewiesen, den Bereich zu meiden und Türen und Fenster zunächst geschlossen zu halten. Der Polizei zufolge soll es keine Verletzen geben.


Ex-Guerillero geht als Favorit in Präsidentenwahl

BOGOTÁ: Bei der Präsidentenwahl in Kolumbien könnte sich erstmals ein bekennender Linker durchsetzen. Der ehemalige Guerillakämpfer und frühere Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá, Gustavo Petro, geht als Favorit in die erste Wahlrunde am Sonntag. Laut den jüngsten Umfragen liegt er deutlich vor dem Kandidaten der Rechten, Federico Gutiérrez, und dem Parteilosen Rodolfo Hernández. Allerdings dürfte keiner der Bewerber im ersten Wahlgang über 50 Prozent der Stimmen holen. In der zweiten Runde könnte Petro dann vor allem der Unternehmer und Ex-Bürgermeister von Bucaramanga, Hernández, gefährlich werden.

Die Linke war bereits aus der Parlamentswahl in Kolumbien am 13. März, die auch als Stimmungstest für die Präsidentenwahl galt, gestärkt hervorgegangen. Dabei ist das südamerikanische Land traditionell konservativ geprägt. Die soziale Ungleichheit ist zwar groß. Doch linke Politik trug durch die Gewalt der Guerillagruppen im jahrzehntelangen Bürgerkrieg einen Imageschaden davon.

Mehr als 39 Millionen Kolumbianer sind am Sonntag zur Wahl aufgerufen. Der derzeitige konservative Staatschef Iván Duque darf nicht mehr antreten, weil die Verfassung eine Wiederwahl nicht vorsieht. Mit ersten Ergebnissen wird in der Nacht auf Montag gerechnet.


UN-Menschenrechtskommissarin beendet sechstägigen China-Besuch

PEKING: Die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hat am Samstag ihren umstrittenen Besuch in China beendet. Es habe sich dabei nicht um eine «Untersuchung» gehandelt, sagte Bachelet bei einer abschließenden Pressekonferenz in der südchinesischen Stadt Guangzhou. Sie habe die chinesische Regierung dazu aufgefordert, ihre Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung zu überprüfen, damit diese internationalen Menschenrechtsstandards entsprechen. Generell hielt sich die ehemalige chilenische Präsidentin mit direkter Kritik deutlich zurück.

Bachelet besuchte während ihrer sechstägigen Reise unter anderem die Städte Kashgar und Ürümqi in der nordwestchinesische Region Xinjiang, wo nach Angaben von Menschenrechtlern Hunderttausende von Uiguren und Mitgliedern anderer Minderheiten in Umerziehungslager gesteckt worden sind. Die UN-Kommissarin sprach dort mit hochrangigen Regierungsvertretern. Sie soll zudem unüberwachten Zugang zu Mitgliedern aus der Zivilgesellschaft und religiöser Gruppen erhalten haben.

Mit Bachelet ist erstmals seit 17 Jahren wieder eine UN-Menschenrechtskommissarin in die Volksrepublik China eingereist. Dem Besuch war ein langes Tauziehen vorangegangen. Schon seit 2019 lag Bachelet eine chinesische Einladung vor. Peking wollte jedoch zunächst nicht auf ihre Bedingungen dafür eingehen. Dazu gehört der ungehinderte und unüberwachte Zugang zu Gesprächspartnern, die ihr Büro selbst aussuchen wollte.

Bachelets Besuch wurde von internationaler Kritik begleitet. Die US-Regierung zeigte sich «tief besorgt», dass China ihr den notwendigen Zugang beschneiden könnte, der für «eine umfassende und unmanipulierte Einschätzung der Menschenrechtslage» erforderlich wäre. Die Tibet Initiative Deutschland (TID) warnte in einer Stellungnahme, dass Bachelets Reise von der chinesischen Propaganda missbraucht werden könne.


Vatikan gibt Programm der päpstlichen Afrika-Reise bekannt

ROM: Der Vatikan hat das Programm der Reise von Papst Franziskus in die Demokratische Republik Kongo und den Südsudan vom 2. bis 7. Juli bekanntgegeben. Bei der Pilgerfahrt wird das Oberhaupt der katholischen Kirche unter anderem Opfer von Gewalt in der Stadt Goma im Osten des Kongos und auch ein Flüchtlingscamp in der südsudanesischen Hauptstadt Juba besuchen. Daneben stehen Messen und Treffen mit Staats- und Kirchenoberen in den Ländern, die lange von Bürgerkriegen und Konflikten heimgesucht worden waren, an.

Generell ist der Kalender des 85-Jährigen aber nicht außergewöhnlich voll, was am Gesundheitszustand von Franziskus liegen dürfte. Der Papst leidet seit Monaten an schweren Knieproblemen und sitzt deshalb viel im Rollstuhl - zuletzt war spekuliert worden, ob der Pontifex den seit Jahren geplanten Trip überhaupt schafft. Beim zweiten Teil der Reise in den Südsudan wird Franziskus von Justin Welby, dem Erzbischof von Canterbury und Primas der anglikanischen Kirche, sowie Jim Wallace, dem Moderator der Kirche von Schottland, begleitet.


Polizei: 31 Tote bei Massenpanik in Nigeria

LAGOS: Bei einer Massenpanik kurz vor Beginn einer Kirchenveranstaltung in Nigeria sind nach Polizeiangaben 31 Menschen ums Leben gekommen. Sieben weitere wurden am Samstagmorgen bei dem Zwischenfall in der Stadt Port Harcourt im Süden des Landes verletzt, wie die Polizei der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Die Massenpanik sei in einer große Menschenmenge entstanden, die gekommen sei, um kostenlose Lebensmittelspenden entgegenzunehmen, sagte Polizeisprecherin Grace Iringe-Koko der Deutschen Presse-Agentur. Ersten Berichten zufolge könnte ein Gedränge kurz vor Beginn der Veranstaltung die Massenpanik ausgelöst haben, sagte sie weiter.

Zahlreiche Teilnehmer seien für die Veranstaltung zusammengekommen, berichtete die Zeitung «Punch». Einige Menschen hätten sich bereits seit Freitag eingefunden, hieß es weiter. Als ein kleines Tor geöffnet wurde, habe die Menge möglicherweise versucht, sich Zutritt zu verschaffen.

Die Toten und Verletzten wurden Berichten zufolge in das nahe gelegene Militärkrankenhaus von Port Harcourt gebracht.


60 tote Katzen in Tiefkühler und Blumenkübeln gefunden

LYON: Im Gefrierschrank und in Blumenkübeln sind in einer Wohnung in Zentralfrankreich etwa 60 Katzenkadaver gefunden worden. Die toten Tiere waren in Stoffwindeln und Tücher gewickelt, wie der Sender France Info am Samstag mit Verweis auf die Gendarmerie berichtete. Eine Autopsie habe gezeigt, dass die psychisch kranken Mieter die Katzen nicht grausam behandelt hätten.

Die beiden Mieter waren wegen fehlender Zahlungen Mitte Mai aus der Wohnung in Bellegarde-en-Forez in der Nähe von Lyon geworfen worden, schrieb der Sender. Dem Bericht zufolge hausten die zwei zu dem Zeitpunkt in hygienisch schlechten Verhältnissen, mit zwei Hunden und etwa dreißig lebenden Katzen.


Affenpocken: Zwei Risikokontaktfälle geimpft

PARIS: In Frankreich sind zwei Menschen mit Risikokontakt zu Affenpocken-Infizierten gegen das Virus geimpft worden. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Samstag von der Gesundheitsgeneraldirektion erfuhr, ließen sich beide Menschen am Freitag in einem Krankenhaus in Paris eine Dose des Pockenimpfstoffs Imvanex verabreichen. Die oberste französische Gesundheitsbehörde hatte eine Impfung nach einem Risikokontakt zuvor empfohlen.

Frankreichs Gesundheitsministerin Brigitte Bourguignon hatte Mitte der Woche von sieben bestätigten Affenpocken-Fällen in Frankreich gesprochen. Die Situation sei händelbar. Es sei ausreichend Impfstoff für Kontaktpersonen vorhanden.

In Großbritannien, wo deutlich mehr Ansteckungen mit dem Virus registriert wurden, wurden bereits mehr als 1000 Kontaktpersonen geimpft. Das Land kaufte mehr als 20.000 Dosen Imvanex ein. In Deutschland sind noch keine Impfungen bekannt, es wurden aber «bis zu 40.000 Dosen» des Vakzins bestellt.


DR Kongo bestellt Botschafter von Ruanda ein

KINSHASA: Die Demokratische Republik Kongo hat den Botschafter des Nachbarlandes Ruanda einbestellt und Flüge der staatlichen ruandischen Fluggesellschaft Rwandair in das eigene Land vorerst gestoppt. Der Regierung in Kinshasa lägen Beweise vor, die zeigten, dass die Arme Ruandas die Rebellenbewegung M23 unterstütze, sagte Regierungssprecher Patrick Muyaya am Samstag. Ruanda hat die Vorwürfe in der Vergangenheit zurückgewiesen.

Die kongolesische Armee hatte die Rebellen der M23-Bewegung 2013 besiegt. Seit Ende März kommt es im Osten der DR Kongo aber wieder zu Angriffen der Rebellenbewegung auf Zivilisten und militärische Einrichtungen sowie zu Gefechten mit der kongolesischen Armee. Tausende Menschen sind bereits vor der Gewalt geflohen. Die M23-Bewegung besteht aus ehemaligen Soldaten der kongolesischen Armee, die 2012 eine Rebellengruppe gebildet hatten.

Im Osten der DR Kongo sollen nach Angaben der USA etwa 130 unterschiedliche bewaffnete Gruppen aktiv sein; vielen von ihnen geht es um die Kontrolle der wertvollen Bodenschätze. Das Land mit seinen rund 90 Millionen Einwohnern ist reich an Bodenschätzen wie Kupfer, Kobalt, Gold und Diamanten.


Erster Fall von Affenpocken bestätigt

DUBLIN: Auch in Irland ist ein erster Fall von Affenpocken bestätigt worden.

Man sei am Freitagabend über einen Fall im Osten des Landes verständigt worden, teilte die irische Gesundheitsbehörde am Samstag mit. Die betroffene Person, über die keine weiteren Details öffentlich gemacht wurden, werde bislang nicht im Krankenhaus behandelt. Ihre Kontaktpersonen sollten verständigt werden. Darüber hinaus gibt es in Irland noch einen Verdachtsfall. «Das kommt nicht unerwartet nach den Affenpocken-Fällen in Großbritannien und vielen anderen europäischen Ländern», hieß es in der Mitteilung. In Großbritannien sind bereits mehr als 100 Fälle von Affenpocken nachgewiesen worden.


Brand zerstört ein großes Zelt im Registrierlager von Lesbos

ATHEN: Im griechischen Migranten-Registrierlager von Lesbos bei Kara Tepe (auch: Mavrovouni) hat am Samstag ein Brand ein großes Zelt zerstört. Verletzt wurde nach ersten Informationen aus Kreisen der Feuerwehr niemand. Die Einsatzkräfte konnten den Brand löschen, bevor die Flammen auf benachbarte Zelte übergreifen, berichteten örtliche Medien. Über die Ursachen des Brandes lagen zunächst keine Informationen vor. Das abgebrannte Zelt wurde als Gemeinschaftszelt benutzt. Dort hätten vor allem Friseure gearbeitet, berichteten Augenzeugen.

In dem einst völlig überfüllten Lager mit einer Aufnahmekapazität von 8000 Menschen leben zurzeit nur noch rund 1000 Migranten. Das Lager war 2020 errichtet worden, nachdem ein Großbrand das berüchtigte Auffanglager Moria fast vollständig zerstört hatte.


Mitgründerin der Japanischen Roten Armee aus Haft entlassen

TOKIO: Die Mitgründerin der linksextremen Japanischen Roten Armee, Fusako Shigenobu, ist nach langjähriger Haft wieder auf freiem Fuß. Die 76 Jahre alte frühere Anführerin der inzwischen aufgelösten Terrorgruppe verließ am Samstag eine Haftanstalt in Tokio, wie japanische Sender berichteten. Nach Jahrzehnten auf der Flucht war Shigenobu 2000 in ihrer Heimat verhaftet und sechs Jahre später wegen der Besetzung der französischen Botschaft in Den Haag 1974 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

Weil ihre Gruppe den Kampf an erste Stelle gesetzt habe, seien unschuldige Menschen zu Schaden gekommen, die sie nicht gekannt habe, sagte Shigenobu nach ihrer Entlassung. «Ich will die Gelegenheit nutzen, mich zu entschuldigen.» In der Haft hatte sie sich den Berichten zufolge wegen einer Krebserkrankung mehreren Operationen unterziehen müssen.

Bei dem Überfall in Den Haag am 13. September 1974 hatte Shigenobus Gruppe den Botschafter und zehn weitere Personen als Geiseln genommen, um die Freilassung eines in Frankreich inhaftierten Militanten zu erpressen. Zwei Polizisten waren verwundet worden. Shigenobu war bei der Besetzung selbst nicht anwesend. Ein Gericht befand sie 2006 aber der Konspiration mit drei anderen früheren Mitgliedern ihrer Gruppe für schuldig.

Die Japanerin hatte die militante Organisation mit Stützpunkt im Libanon 1971 mit gegründet. Auf ihrem Höhepunkt in den 70er Jahren zählte die Japanische Rote Armee (JRA) rund 40 Mitglieder. Ein Jahr nach ihrer Verhaftung verkündete Shigenobu die Auflösung der Gruppe.


Walgeräusche sollen verirrten Orca in Seine zum Meer locken

ROUEN: Ein verirrter Orca in der Seine soll mit Walgeräuschen angelockt und Richtung Meer geleitet werden. Eine Drohne soll den Vorgang beobachten, teilte die zuständige Präfektur Seine-Maritime mit Sitz in Rouen am Freitagabend nach Beratungen mit Fachleuten mit. Das Tier, das sich in der Nähe der nordfranzösischen Küste aufhält, schwimme immer hin und her und nicht Richtung Meer. Der Orca sei extrem geschwächt und habe nur geringe Überlebenschancen. Durch die Geräuschmethode werde ein Einsatz aus nächster Nähe mit einem Schiff, der das Stresslevel des Tiers noch erhöhen könnte, vermieden.

Der Forschungsgruppe Meeressäuger (GEEC) zufolge wurde der Wal erstmals Anfang April von der Besatzung eines Trawlers etwa 30 Kilometer vor der normannischen Küste gesichtet. Seitdem wurde der Orca immer wieder entlang der Küste, in der Seine-Mündung sowie selbst rund 60 Kilometer flussaufwärts in der Seine bei Yainville entdeckt. Üblicherweise seien Orcas eher vor den Küsten Schottlands, Islands und Norwegens zu Hause sowie weiter südlich im Atlantischen Ozean im Golf von Biskaya, erklärte ein GEEC-Experte. Die von dem Fischerboot aus gemachten Videoaufnahmen seien aber eindeutig. Es gebe keinen Zweifel daran, dass es sich um einen Orca handle.

Spekuliert wird, ob der Wal sich in den Ärmelkanal verirrt hat, weil er erkrankt ist und sich in den ruhigeren Gewässern dort leichter ernähren kann. Möglicherweise handele es sich auch um ein Jungtier, dass seine Gruppe verlassen habe und nun isoliert sei.


Gouverneur von Texas zu Polizeieinsatz: «Wurde in die Irre geführt»

UVALDE/WASHINGTON: Nach neuen Erkenntnissen über den Ablauf des Polizeieinsatzes während des verheerenden Schulmassakers gerät der Gouverneur des US-Bundesstaats Texas unter Druck. «Ich wurde in die Irre geführt», sagte Greg Abbott am Freitag in einer Pressekonferenz in der Kleinstadt Uvalde. Er habe der Öffentlichkeit die Informationen weitergeben, die ihm nach dem Blutbad in der Grundschule geschildert worden seien. «Die Informationen, die mir gegeben wurden, erwiesen sich zum Teil als ungenau, und ich bin absolut wütend darüber.»

Kurz zuvor hatte die zuständige Sicherheitsbehörde schwere Fehler bei dem Einsatz eingeräumt. So wurde etwa bekannt, dass bereits zu einem frühen Zeitpunkt 19 Polizisten im Flur vor dem Klassenraum postiert gewesen waren, in dem der Schütze sich mit den Kindern verschanzt hatte. Diese unternahmen den Angaben nach mehr als 45 Minuten lang keine Versuche, in den Raum einzudringen und den Schützen zu stoppen. Der 18-jährige Schütze tötete im dem Klassenzimmer am Dienstag 19 Kinder und zwei Lehrerinnen.

Abbott hatte am Mittwoch mit der Aussage Aufsehen erregt, dass alles hätte noch viel schlimmer kommen können. «Der Grund, warum es nicht schlimmer war, ist, dass die Strafverfolgungsbehörden taten, was sie taten», sagte er etwa. Bei der Pressekonferenz am Freitag sprach Abbott das Thema zunächst gar nicht an und redete über finanzielle Hilfen für Opfer. Im Anschluss wurde er von der anwesenden Presse dazu gedrängt, sich zu äußern. Abbott sagte anfangs, dass er erstmal nur Fragen zur finanziellen Unterstützung beantworten wolle und später andere Fragen «ohne Bezug». Es wurden aber dennoch zunächst nur Fragen zu den Fehlern beim Polizeieinsatz gestellt.

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