Neues aus dem Ausland am Montag

Neues aus dem Ausland am Montag

China will Sicherheitsgesetz für Hongkong verabschieden

PEKING: In China wird am Dienstag mit der Verabschiedung des umstrittenen Sicherheitsgesetzes für Hongkong gerechnet. Das Gesetz, das vom Ständigen Ausschuss des Volkskongresses verabschiedet werden soll, richtet sich vor allem gegen Aktivitäten, die Peking als subversiv ansieht oder die auf eine Unabhängigkeit Hongkongs abzielen könnten. Auch soll es «heimliche Absprachen» mit Kräften im Ausland bestrafen.

Die prodemokratische Opposition befürchtet, das Gesetz könnte auf sie abzielen. Es ist der bisher weitestgehende Eingriff Pekings in die Autonomie der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Kritiker befürchten ein Ende des Grundsatzes «ein Land, zwei Systeme», nach dem die frühere britische Kronkolonie seit der Rückgabe 1997 unter chinesischer Souveränität regiert wird. Mit dem Gesetz, das als Anhang ins Grundgesetz des autonomen Territoriums aufgenommen werden soll, umgeht die kommunistische Führung das Hongkonger Parlament.

China hatte am Montag seine Pläne für das Gesetz verteidigt. Der Sprecher des Außenministeriums, Zhao Lijian, sprach von einer «rein inneren Angelegenheit», in die sich niemand einmischen dürfe.


Japans Industrieproduktion im Mai gesunken - Erholung erwartet

TOKIO: Japans Industrieproduktion ist im Mai deutlich gesunken. Wie die Regierung am Dienstag auf Basis vorläufiger Daten bekanntgab, ging der Ausstoß im Vergleich zum Vormonat um 8,4 Prozent zurück. Im April war die Industrieproduktion in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt angesichts der globalen Corona-Pandemie um revidiert 9,8 Prozent geschrumpft. Für Juni und Juli rechnen die Industrieunternehmen jedoch wieder mit einer Erholung. So dürfte die Produktion im Juni um 5,7 Prozent und im Juli um 9,2 Prozent steigen. Die Arbeitslosenrate stieg derweil im Mai von 2,6 auf 2,9 Prozent. Japan war im 1. Quartal so wie Deutschland in die Rezession gefallen.


Kernkraftwerk im grenznahen Fessenheim ist endgültig vom Netz

FESSENHEIM: Das elsässische Atomkraftwerk Fessenheim, das seit Jahrzehnten als Sicherheitsrisiko gilt, ist endgültig abgeschaltet worden. Der zweite Druckwasserreaktor des betriebsältesten Atomkraftwerks in Frankreich ist am späten Montagabend um 23 Uhr vom Stromnetz getrennt worden, wie der französische Energiekonzern EDF mitteilte. Der Vorgang hatte am Montagnachmittag etliche Stunden früher als geplant begonnen.

Der erste Reaktorblock des seit Ende 1977 Strom produzierenden Kraftwerks am Rhein war bereits Ende Februar vom Netz genommen worden. Kritikern galt das AKW an der Grenze zu Baden-Württemberg schon seit Jahrzehnten als Sicherheitsrisiko. Atomkraftgegner vor allem in Deutschland und der Schweiz hatten sich lange ohne Erfolg für ein Abschalten der beiden Reaktoren eingesetzt. Deutsche Politiker und Umweltaktivisten begrüßten die Stilllegung. Beschäftigte und Anwohner kritisierten die Abschaltung hingegen scharf.

Die Region um die Gemeinde Fessenheim im südelsässischen Département Haut-Rhin soll nun zu einem grünen und grenzübergreifenden Vorzeigeprojekt werden. In einem deutsch-französischen Innovationspark sollen Projekte zu nachhaltiger Energiegewinnung umgesetzt werden. Bis das Gelände des Kernkraftwerks selbst genutzt werden kann, werden jedoch noch Jahrzehnte vergehen. Nach Betreiberangaben sind für die Vorbereitungen der Demontage fünf Jahre veranschlagt, der Abbau selbst dauert dann nochmals 15 Jahre.


USA stoppen wegen Chinas Vorgehen Rüstungsexporte nach Hongkong

WASHINGTON: Wegen des von China geplanten restriktiven Sicherheitsgesetzes für Hongkong stoppt die US-Regierung den Export amerikanischer Rüstungsgüter in die eigentlich autonome Metropole. Zudem werde die Ausfuhr von Technologien, die der Rüstung oder dem Militär dienlich sein könnten, künftig den gleichen Beschränkungen unterliegen wie auch die Exporte nach China, erklärte Außenminister Mike Pompeo am Montag. Der Grund sei die Untergrabung von Hongkongs Autonomie durch die kommunistische Führung in Peking.

«Wir können nicht mehr unterscheiden zwischen dem Export kontrollierter Waren nach Hongkong oder auf das chinesische Festland», erklärte Pompeo. Es sei daher im Interesse der nationalen Sicherheit der USA, die Exporte zu begrenzen. Die USA könnten nicht das Risiko eingehen, dass solche Güter dem chinesischen Militär in die Hände fielen, dessen wichtigste Aufgabe es sei, «die Diktatur» der kommunistischen Partei aufrechtzuerhalten, erklärte Pompeo.

Die US-Regierung hatte bereits Ende Mai angekündigt, der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong wegen der zunehmenden Einmischung Pekings einen vorteilhaften Rechtsstatus streichen zu wollen. Neben den Exportkontrollen soll dies auch Zölle und die Vergabe von Visa betreffen, wie es damals hieß. Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China weitgehend autonom nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» verwaltet. Die USA sehen in dem von Peking geplanten Sicherheitsgesetz aber eine klare Verletzung von Hongkongs Autonomie und Freiheitsrechten. Mit dem Vorhaben plant Peking, das Hongkonger Parlament zu umgehen.


74-jähriger «Golden State Killer» bekennt Schuld in Mordserie

SACRAMENTO: Vier Jahrzehnte nach Beginn einer Mord- und Vergewaltigungsserie in Kalifornien hat ein 74-jähriger Mann seine Schuld eingeräumt. Joseph James DeAngelo, der sogenannte «Golden State Killer», bekannte sich am Montag (Ortszeit) vor Gericht in Sacramento wegen 13 Morden und anderer Gewalttaten schuldig. Der Anhörung wohnten Opfer und Angehörige bei, wie der «San Francisco Chronicle» berichtete. Durch das Geständnis bleibt dem Täter ein Prozess mit einer möglichen Todesstrafe erspart. DeAngelo soll eine lebenslange Haftstrafe erhalten.

Nach einer Mord- und Vergewaltigungsserie in den 70er und 80er Jahren in verschiedenen Teilen Kaliforniens war DeAngelo im April 2018 in einem Vorort im nordkalifornischen Sacramento festgenommen worden. Dort soll der Ex-Polizist 1978 ein junges Paar ermordet haben. Weitere Bezirke erhoben in lange ungeklärten Fällen Anklage. Ermittler hatten sich bei ihrer langen Suche nach dem Verbrecher auf Plattformen für Ahnenforschung gestützt, die genetische Informationen eines Verwandten enthielten.

Mit seiner Kaltblütigkeit versetzte der Täter den Westküstenstaat zehn Jahre in Angst und Schrecken, mit Dutzenden Vergewaltigungen fing es 1976 im Raum Sacramento an, bis 1986 folgten Morde im Süden Kaliforniens. An den vielen Tatorten hinterließ er DNA-Spuren, die ihn erst viel später mit den Verbrechen in Verbindung brachten.


Merkels Masken-Frage

MESEBERG: Angela Merkel ist für ihr eindringliches Werben für den Mund-Nase-Schutz im Kampf gegen die Corona-Krise bekannt - doch trägt die Kanzlerin selbst auch Maske? Oder vermeidet sie etwa ganz bewusst wie US-Präsident Donald Trump Fotos mit Maske, nur um ja kein Bild von Schwäche zu zeigen? Beim Auftritt mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf Schloss Meseberg hat die Kanzlerin am Montag eine ganz simple und pragmatische Antwort parat.

«Wenn ich die Abstandsregeln einhalte, brauche ich die Maske nicht aufzusetzen. Und wenn ich sie nicht einhalte und ich zum Beispiel einkaufen gehe, dann treffen wir uns nicht, offensichtlich», entgegnet sie schmunzelnd einer Journalistin, die wissen will, warum man Merkel noch nie mit Maske gesehen habe. «Sonst hätten Sie mich auch schon mit Maske sehen können. Ich verrate Ihnen aber nicht, wann ich wo einkaufen gehe», setzt Merkel noch hinterher.

Natürlich halte sie sich an die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Vorgehensweisen in der Pandemie, beteuert die Kanzlerin. Und dann macht sie es doch noch ein wenig spannend: «Es wird auch andere Gelegenheiten gebe, wo ich sicherlich noch mit Maske zu sehen sein werde.» Aha. Die Fotografen werden das mit Interesse gehört haben.


«Moralische Pflicht»: Macron will ehrgeizigen Kampf fürs Klima

MESEBERG: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sieht im Kampf gegen den Klimawandel eine «moralische Pflicht» und fordert mehr Ehrgeiz. Man müsse die Klimaziele in Europa für 2030 anheben, sagte der 42-Jährige am Montag nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Gästehaus der Bundesregierung, Schloss Meseberg nördlich von Berlin. «Wir arbeiten, wie bereits erwähnt, daran, Anreize für unsere Unternehmen und Bürger zu schaffen, ihr Verhalten zu ändern.», sagte Macron. Das Ziel sei, das Klimaabkommen von Paris einzuhalten. «Da sind wir heute noch nicht.»

Erst am Sonntag hatte es bei der Endrunde der Kommunalwahlen in Frankreich eine «grüne Welle» gegeben. Grüne und ihre Verbündeten eroberten die Rathäuser großer Städte wie Straßburg, Lyon oder Bordeaux - eine Schlappe für Macron und die Mitte-Regierung. Das Wahlergebnis kommentierte Macron nicht weiter. Er betonte jedoch, dass ökologische Ambitionen nicht von Wahlen abhängen sollten. Sie seien stattdessen eine Notwendigkeit für die Menschheit.

Am Vormittag hatte Macron in Paris 150 Bürgerinnen und Bürgern empfangen, die neun Monate lang an Vorschläge für einen besseren Klimaschutz gearbeitet hatten. Dabei erklärte er sich bereit, die Bevölkerung vom kommenden Jahr an über bestimmte Fragen des Klimaschutzes abstimmen zu lassen.


Kampf gegen Terror in Westafrika: Macron reist nach Mauretanien

NOUAKCHOTT: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reist zu einem Gipfeltreffen mehrerer afrikanischer Länder, um am Dienstag über den Anti-Terror-Kampf in der Sahel-Region in Westafrika zu beraten. An dem Treffen der sogenannten G5-Sahel-Gruppe in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott nehmen die Staatschefs von Mauretanien, Mali, Niger, Burkina Faso und dem Tschad teil. Anschließend werde es eine Videokonferenz geben, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Ratspräsident Charles Michel teilnehmen, hieß es aus dem Élysée-Palast.

In den Staaten der Sahelzone - einem Gebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt - sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv. Einige haben den Terrorgruppen Islamischer Staat oder Al-Kaida die Treue geschworen. Frankreich hat bei der Anti-Terror-Mission «Barkhane» in der Region rund 4500 Soldaten im Einsatz. Bei einem ähnlichen Treffen Anfang des Jahres hatten sich die Länder zusammen mit Frankreich auf einen gemeinsamen Anti-Terror-Kampf verständigt. Auch Deutschland ist mit Soldaten und Aufklärungsdrohnen in Mali vertreten.


Neue Brücke in Genua soll am 29. Juli fertig sein

GENUA: Die neue Brücke in Genua soll Ende Juli fertig sein. Wenn alles gut gehe, seien die Bauarbeiten am 29. Juli abgeschlossen, sagte der Bürgermeister von Genua, Marco Bucci, am Montag laut italienischen Medien.

Die Morandi-Autobahnbrücke war im August 2018 in der italienischen Hafenstadt eingestürzt, 43 Menschen starben. Das neue Bauwerk hat Stararchitekt Renzo Piano, der aus Genua stammt, entworfen. Derzeit wird noch an Fahrbahnen, Leitplanken und Beleuchtung gearbeitet.

Bucci betonte, die Stadt müsse wissen, mit wem die Übergabe der Brücke vonstattengehen kann. Nach dem Einsturz hatte die Regierung in Rom angekündigt, dem Betreiber Autostrade per l'Italia die Lizenz zu entziehen. Dies ist aber bisher nicht geschehen.


Macron bekräftigt Veto gegen Mercosur-Freihandelsabkommen

PARIS: Frankreich bleibt bei seinem Veto gegen das ausgehandelte Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Das erklärte Präsident Emmanuel Macron am Montag in Paris vor 150 Bürgern des Konvents für den Klimaschutz. Diese fordern, dass es keine Handelsabkommen mit Ländern geben darf, die sich nicht an das Pariser Klimaabkommen von 2015 halten. «Ich teile Ihre Haltung», sagte Macron. Der Konvent legte ein Papier mit Vorschlägen für den Kampf gegen den Klimawandel vor.

Macron hatte sich bereits im vergangenen Jahr angesichts der massiven Waldbrände in der Amazonasregion offen dem Freihandelspakt widersetzt. Mit dem Abkommen wollen die Europäische Union und vier südamerikanische Länder die größte Freihandelszone der Welt aufbauen. Das soll Unternehmen in der EU jährlich vier Milliarden Euro an Zöllen ersparen und die Exporte ankurbeln. Zum Mercosur gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.

Macron machte deutlich, dass der Klimastandard auch für das Ceta-Freihandelsabkommen mit Kanada gelte, das europaweit in wesentlichen Teilen vorläufig angewendet wird. Es werde eine Überprüfung des Abkommens geben, und er kenne «kein Tabu», warnte Macron.


Supreme Court kassiert Abtreibungsgesetz in Louisiana

WASHINGTON: Das höchste US-Gericht hat ein umstrittenes Gesetz für strengere Regeln bei Abtreibungen im Bundesstaat Louisiana kassiert. Der Oberste Richter John Roberts schloss sich bei der Entscheidung am Montag der Linie von vier liberaleren Richtern an, wonach das Gesetz verfassungswidrig sei. Das Gesetz in Louisiana sah vor, dass nur noch Ärzte Schwangerschaftsabbrüche durchführen dürfen, die eine Zulassung in einer nicht mehr als 30 Meilen (rund 48 Kilometer) von ihrer Einrichtung entfernten Klinik haben. Kritiker befürchteten, dass zahlreiche Abtreibungskliniken in der Folge hätten schließen müssen.

Der Supreme Court hatte 2016 ein fast identisches Gesetz in Texas kassiert. Die Entscheidung über das Gesetz in Louisiana war mit Spannung erwartet worden, da im Supreme Court mittlerweile vier liberale Richter fünf konservativen gegenüberstehen. US-Präsident Donald Trump hat in seiner Amtszeit zwei der neun Richter ernannt und dem Gericht damit eine konservative Mehrheit verschafft.


Mörsergeschosse treffen afghanischen Markt - viele Tote und Verletzte

KABUL: Bei einem Einschlag von Mörsergeschossen im Süden Afghanistans sind mindestens 23 Besucher eines Wochenmarktes gestorben. Weitere 15 Menschen seien verletzt worden, teilte ein Gouverneurssprecher in der Provinz Helmand am Montag mit. Unter den Opfern seien auch Kinder. Unklar war, von wo und wem die Munition abgefeuert wurde.

Die Geschosse schlugen auf einem Gelände im Distrikt Sangin ein, wo laut lokalen Behörden Anwohner wöchentlich für Picknicks und Handel zusammenkommen. In rund fünf Kilometern Entfernung befindet sich ein Stützpunkt der afghanischen Armee. Den Behörden zufolge ist das Gebiet jedoch unter Taliban-Kontrolle.

Afghanistans Regierung und die militant-islamistische Gruppe wiesen sich gegenseitig die Schuld zu. Präsident Ashraf Ghani sprach von einem Terroranschlag: Angriffe, die Kinder und Jugendliche träfen, verstießen gegen alle islamischen und menschlichen Werte, so Ghani am Montag.


UN-Menschenrechtschefin warnt Israel vor Annexion des Westjordanlands

GENF: Eine Annexion von Teilen des Westjordanlands durch Israel würde nach Einschätzung der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, eine neue Welle der Gewalt auslösen.

«Die Schockwelle der Annexion wird über Jahrzehnte zu spüren sein - und wäre für Israel wie für die Palästinenser extrem schädlich», sagte Bachelet am Montag in Genf. Bei einer Umsetzung des Nahost-Plans der USA würden voraussichtlich die Rechte der Palästinenser stark eingeschränkt. «Annexion ist illegal. Punkt», so Bachelet. Die israelische Regierung könnte auf Grundlage eines Nahost-Plans von US-Präsident Donald Trump bis zu 30 Prozent des Westjordanlands annektieren. Erste Schritte dazu könnte sie am Mittwoch einleiten.


Explosion im Theater von Helsinki

HELSINKI: Im Staatstheater von Helsinki ist es am Montag zu einer Explosion gekommen. Eine Person wurde dabei verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei teilte am Mittag auf Twitter mit, die Ursache der Detonation im Sprinklerraum werde nun untersucht.

Berichten des finnischen Rundfunks YLE zufolge befanden sich rund 100 Personen im Gebäude, als die Explosion eintrat. Der technische Chef des Theaters sagte, der Vorfall habe sich bei einer technischen Wartung ereignet.


Opfer mit verbundenen Augen fotografiert - Polizei sucht Mann

BERLIN: Mit Phantombildern sucht die Berliner Polizei nach einem Verdächtigen, der junge Männer in die Keller ihrer Wohnhäuser in Hellersdorf gedrängt haben und sie dort mit verbundenen Augen fotografiert haben soll. Wie die Polizei am Montag mitteilte, soll der Verdächtige bereits 2015 unterwegs gewesen sein. Auch 2017 und zuletzt Ende Februar soll er seinen Opfern im Alter zwischen 22 und 28 Jahren bis zu deren Wohnungen gefolgt sein. Im Keller habe er sie dann gezwungen, mit verbundenen Augen auf die Knie zu gehen. In dieser Position soll er sie dann fotografiert haben.

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Berlin ermitteln nun unter anderem wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung. Der Mann soll seinem Opfer im April 2015 in der Teupitzer Straße aufgelauert haben. Ende Dezember 2017 wurde ein ähnlicher Fall in der Nossener Straße gemeldet. Am 29. Februar 2020 soll sich die Tat in der Louis-Lewin-Straße wiederholt haben.

Der mutmaßliche Täter soll zwischen 20 und 40 Jahre alt und 1,80 bis 1,85 Meter groß sein und hochdeutsch sprechen. 2017 habe er schwarze Handschuhe mit einem Knochenmotiv getragen, 2020 eine auffällige Camouflage-Jacke.


Dagmar Freitag weiter skeptisch nach Zwist mit Matthias Große

BERLIN: Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, ist weiter skeptisch, ob Matthias Große als kommissarischer Eisschnelllauf-Präsident den Verband einen kann. «Ob für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nach den zahlreichen tiefgreifenden und zudem in aller Öffentlichkeit vorgeführten Zerwürfnissen zwischen Herrn Große/Frau Pechstein auf der einen und Verbandsverantwortlichen/Athlet*innen auf der anderen Seite eine Basis gefunden werden kann, ist zumindest für mich mit einem großen Fragezeichen versehen», teilte die SPD-Politikerin am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur per E-Mail mit.

Der 52 Jahre alte Große hatte zuvor zu seinem Hausverbot im Bundestag vor zehn Jahren Stellung genommen. Im Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Montag) äußerte er sich zur Kritik von Dagmar Freitag und ihrem SPD-Kollegen Martin Gerster, die ihm damals vorwarfen, von ihm bedroht worden zu sein. «Um das ein für alle Mal klarzustellen: Ich habe noch nie in meinem Leben mit Dagmar Freitag gesprochen und auch nicht mit Martin Gerster. Wie also soll ich sie bedroht haben?», sagte Große.

Freitag konterte nun: «Um Drohungen auszusprechen, muss man nicht mit jemandem persönlich sprechen. Die damals unverzüglich angefertigten schriftlichen Vermerke meiner Mitarbeiterinnen über die Äußerungen des Herrn Große sprechen hier eine eindeutige Sprache: unverschämt im Tonfall, drohend vom Inhalt («ich marschiere auch in den Plenarsaal ein»), sagte sie. Ihre Mitarbeiterinnen seien nach diesen Anrufen dermaßen verunsichert gewesen, dass deren Fotos aus Sicherheitsgründen von ihrer Website genommen wurden.


Wirtschaftsstimmung in der Eurozone erholt sich stark

BRÜSSEL: Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im Juni deutlich von ihrem Einbruch in der Corona-Krise erholt. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg zum Vormonat um 8,2 Punkte auf 75,7 Zähler. Das sei der stärkste jemals gemessene Anstieg, erklärte die Behörde am Montag in Brüssel. Die Erwartungen von Analysten wurden jedoch verfehlt, sie hatten im Schnitt mit 80 Punkten gerechnet. In der Europäischen Union verbesserte sich der Indikator ebenfalls erheblich.

Mit den jüngsten Zuwächsen seien die Einbrüche vom März und April um etwa 30 Prozent aufgeholt worden, teilte die Kommission mit. Bereits im Mai hatte sich die Stimmung etwas aufgehellt. Der ESI ist ein breit angelegter Indikator, der die Stimmung der Unternehmen und privaten Haushalte misst.

Der separat ausgewiesene Indikator für die Beschäftigungsperspektiven stieg im Juni ebenfalls stark, nachdem er in der Krise eingebrochen war. Er bewegt sich aber immer noch klar unter dem Vorkrisenniveau.


250 Millionen für Biontech - Daten zu Covid-Impfstoff bald erwartet

MAINZ: Das Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech bekommt unter anderem durch eine Investition von Singapurs Staatsfonds Temasek frisches Geld. Insgesamt bringe eine Privatplatzierung von Aktien bei Temasek und anderen Investoren 250 Millionen US-Dollar (222 Mio Euro), teilte Biontech am Montag in Mainz mit. Die Summe teile sich auf in rund 139 Millionen Dollar an Stammaktien sowie 112 Millionen Euro an vierjährigen Pflichtwandelanleihen. Der Abschluss der Investition sei für Anfang bis Mitte August geplant.

«Wir freuen uns, Temasek als neuen Aktionär an Bord begrüßen zu dürfen», sagte Biontech-Mitbegründer und -Chef Ugur Sahin nach einer Mitteilung. Temasek zeichne sich durch einen langfristigen Investitionsansatz, globale Präsenz und Erfahrung in der Biotechnologie aus und passe daher gut zur Vision von Biontech, ein weltweit führendes biopharmazeutisches Unternehmen aufzubauen. Biontech ist an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert.

Wie viele andere Unternehmen sucht auch Biontech nach einem Impfstoff gegen die Lungenerkrankung Covid-19. Die Mainzer hatten Ende April als erstes Unternehmen in Deutschland vom Paul-Ehrlich-Institut die Genehmigung erhalten, einen Wirkstoff an gesunden Freiwilligen zu testen. Erste Ergebnisse werden Ende Juni oder Anfang Juli erwartet.


Wal aus Fischernetz vor Italien befreit

ROM: Die Küstenwache hat einen Pottwal vor der Küste Italiens aus einem Fischernetz befreit. Das zehn Meter lange männliche Tier habe sich mit der Schwanzflosse in dem Netz vor der Äolischen Insel Salina verfangen, teilte die Küstenwache am Sonntag mit. Ein Team von Tauchern habe die schwierige Operation in zwei Metern Tiefe gemeistert und den Wal befreit. Das Tier konnte sich dann drei anderen Walen anschließen, die die ganze Zeit in einiger Entfernung auf es gewartet hatten. Das Fischernetz wurde als «illegales Fanggerät» beschlagnahmt.

Illegaler Fischfang ist keine Seltenheit vor den Äolischen Insel, die zu Sizilien gehören. Am gleichen Tag hatte die Küstenwache ein Motorfischerboot abgefangen, das 2500 Meter illegale Treibnetze einholen wollte. Der Kapitän des Schiffes bekam eine Strafe von mehreren Tausend Euro.


Protest gegen Annexionspläne: Trump-Brunnen mit Kunstblut rot gefärbt

TEL AVIV: Aus Protest gegen Annexionspläne Israels im besetzten Westjordanland haben Unbekannte einen Springbrunnen auf dem Donald-Trump-Platz bei Tel Aviv mit Kunstblut rot gefärbt. «Wir werden die Annexion mit Blut bezahlen müssen», lautete ein Schriftzug in roter Farbe auf dem Boden vor dem Brunnen. Ein Polizeisprecher teilte am Montag mit, man habe in dem Fall Ermittlungen aufgenommen. Der Platz in Petach Tikva war nach Trump benannt worden, nachdem dieser Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt hatte.

Die Protestaktion geschah zwei Tage vor möglichen ersten Annexionsschritten Israels. Die israelische Regierung will auf Grundlage von Trumps Nahost-Plan bis zu 30 Prozent des besetzen Westjordanlands annektieren. Die EU und Deutschland stufen eine Annexion als Verstoß gegen internationales Recht ein. Die Palästinenser beanspruchen das 1967 im Sechstagekrieg von Israel eroberte Westjordanland für ihren künftigen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.


32 Tote bei Schiffsunglück - Rettung nach 13 Stunden

DHAKA: Bei einem Schiffsunglück in Bangladesch sind mindestens 32 Menschen gestorben. Sie waren auf einer Fähre, die auf einem Fluss in der Nähe der Hauptstadt Dhaka mit einem anderen Schiff zusammenstieß und daraufhin kenterte, wie ein Sprecher der Wassertransportbehörde des Landes der Deutschen Presse-Agentur am Montag sagte. Mindestens zehn Menschen hätten es geschafft, an Land zu schwimmen. Die anderen Passagiere waren zunächst vermisst. Rund 13 Stunden nach dem Unglück konnte ein Passagier im Alter von Anfang 30 noch lebend aus dem Wasser geborgen werden, wie die Feuerwehr mitteilte.

Laut Behördenangaben waren insgesamt 50 Menschen an Bord des gesunkenen Schiffs. Ein Augenzeuge berichtete dem Fernsehsender 71 Television aber von mindestens 100 Passagieren.

Schlimme Bootsunglücke kommen auf den vielen Flüssen in Bangladesch häufig vor. Laut Experten sind die Sicherheitsvorkehrungen oft schlecht.


Pakistan meldet Abschuss indischer Spionagedrohne

ISLAMABAD: Das pakistanische Militär hat nach eigenen Angaben eine indische Spionagedrohne abgeschossen, die inmitten der Spannungen zwischen beiden Atommächten in die Region Kaschmir eingedrungen war. Das sei der neunte Abschuss eines indischen Quadrocopters in diesem Jahr, teilte die Medienabteilung des pakistanischen Militärs am Sonntag mit. Demnach sei das kleine Fluggerät mit vier Rotoren 850 Meter ins pakistanisch kontrollierte Gebiet Kaschmirs eingedrungen. In der Region kamen erst vor etwas mehr als einer Woche vier Zivilisten bei Gefechten ums Leben.

Der Grenzkonflikt zwischen Indien und Pakistan war im August vorigen Jahres wieder aufgeflammt, nachdem Indiens Regierung ihrer mehrheitlich muslimischen Region Jammu und Kaschmir den Teilautonomiestatus entzogen hatte. Nach Angaben des pakistanischen Außenministeriums hat Indien in diesem Jahr bisher 1487 mal den Waffenstillstand entlang der 740 Kilometer langen Grenzlinie verletzt, die Kaschmir in ein indisch und ein pakistanisch kontrolliertes Gebiet teilt. Dabei seien 13 Zivilisten getötet und 106 verletzt worden.

Seit der Unabhängigkeit des früheren Britisch-Indiens und der Trennung in Indien und Pakistan im Jahr 1947 streiten die beiden Länder um die Herrschaft über Kaschmir. Beide Atommächte führten bereits mehrere Kriege gegeneinander. Auch China ist an dem Konflikt um die Region im Himalaya beteiligt.


Eisschnelllauf-Präsident Große verteidigt Kritik an Dagmar Freitag

BERLIN: Zum Beginn seiner Rettungsmission in der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft hat der kommissarische Präsident Matthias Große zu seinem Hausverbot im Deutschen Bundestag vor zehn Jahren Stellung genommen. Im Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Montag) äußerte sich Große detailliert zur Kritik der SPD-Politiker Dagmar Freitag und Martin Gerster, die ihm vorwarfen, von ihm bedroht worden zu sein. «Um das ein für alle Mal klarzustellen: Ich habe noch nie in meinem Leben mit Dagmar Freitag gesprochen und auch nicht mit Martin Gerster. Wie also soll ich sie bedroht haben?», sagte Große.

Er habe vor zehn Jahren «bestimmt fünfzig Mal versucht, Dagmar Freitag und Martin Gerster telefonisch zu erreichen. Stets vergeblich. Die beiden Volksvertreter waren für einen aus dem Volk nicht zu sprechen. Da habe ich gesagt, wenn die beiden Abgeordneten im Wahlkampf einen Auftritt haben, fahre ich hin. Richten Sie bitte aus, ich werde sie und ihn stellen und fragen, warum sie nicht mit der Sportlerin sprechen, die sie öffentlich verunglimpfen», erklärte Große mit Blick auf seine Lebensgefährtin Claudia Pechstein.

Daraufhin hätten Freitag oder Gerster den damaligen Innenminister Thomas de Maizière informiert. «Er hat mich daraufhin auf die Liste unerwünschter Personen setzen lassen», berichtete der 52-Jährige. «Ich freue mich sehr darauf, Frau Freitag im Sportausschuss kennenzulernen. Wir haben uns ja noch etwas zu sagen», führte er weiter aus.

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