Neues aus dem Ausland am Montag

Neues aus dem Ausland am Montag

UN kritisieren Ausnahmezustands-Verlängerung in Myanmar

NEW YORK: Die Vereinten Nationen haben die Verlängerung des Ausnahmezustands in Myanmar kritisiert. Die Maßnahme führe «nicht in die richtige Richtung», sagte ein UN-Sprecher am Montag vor Journalisten. «Es bringt uns weiter davon weg, wozu wir und die Mitgliedsstaaten aufgerufen haben, nämlich eine Rückkehr zur Demokratie, eine Freilassung aller Gefangenen und politischen Gefangenen und ein Ende der Gewalt.»

Seit Februar seien mindestens 930 Menschen, darunter Frauen und Kinder, durch Gewalt der Junta ums Leben gekommen, tausende weitere Menschen seien verletzt worden. Mindestens 3000 Menschen würden von der Junta festgehalten, darunter Lehrer, Politiker, Aktivisten, Mönche und Journalisten.

Die Junta hatte am Wochenende - ein halbes Jahr nach der Machtübernahme in dem südostasiatischen Land - angekündigt, dass es erst im August 2023 Neuwahlen geben solle. Die Generäle hatten am 1. Februar dieses Jahres die Macht ergriffen und die Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt.


Nach Brand in Chemiewerk : Zahl der Toten steigt

ROSTOW: Nach der Explosion in einem Chemiewerk im Süden Russlands ist die Zahl der Toten auf sieben gestiegen.

Das meldeten mehrere Nachrichtenagenturen am Montagabend übereinstimmend. Die sieben Mitarbeiter des Werks nahe Rostow am Don hatten bei dem Brand am vergangenen Donnerstag schwere Verletzungen erlitten. Sie waren zunächst mit Verbrennungen und Verätzungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort starb das letzte Opfer am Montag. Die Behörden wollten untersuchen, weshalb es zu dem Feuer kam. Dem Unternehmen zufolge gelangten keine schädlichen Stoffe in die Umwelt.


Nach Bolsonaro-Attacke: Gericht verteidigt Wahlsystem

BRASÍLIA: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bekommt bei seiner Forderung nach einer Wahlrechtsreform Gegenwind. Bolsonaro hatte bei Demonstrationen seiner Anhänger am Sonntag zum wiederholten Mal das elektronische Wahlsystem in Zweifel gezogen. Dagegen erklärten ehemalige Präsidenten des Obersten Wahlgerichtshofs und die derzeitige Spitze sowie Richter am Obersten Gerichtshof am Montag in einer Mitteilung, dass gedruckte Stimmzettel kein geeigneter Mechanismus seien.

«Die manuelle öffentliche Auszählung von rund 150 Millionen Stimmen wird eine Rückkehr zu den Zeiten der Auszählungstische bedeuten, die die Geschichte Brasiliens durch weit verbreiteten Betrug geprägt haben», hieß es darin.

Das Wahlsystem in Brasilien, einem Land mit 210 Millionen Einwohnern und einer Fläche 24 Mal so groß wie Deutschland, ist vollständig elektronisch. Bolsonaro verbreitet ohne Belege immer wieder Bedenken. Wie zuletzt der ehemalige US-Präsident Donald Trump warnt er ohne Belege vor einer möglichen Manipulation. Er fordert, dass es auch einen Ausdruck von der Stimmabgabe gibt. Beobachter werten seinen Vorstoß als Mobilisierung seiner Anhänger.

Die Zustimmung zu Bolsonaros Amtsführung ist im Laufe der Corona-Pandemie immer mehr gesunken. Anfang Juli lehnten 51 Prozent der Befragten die Politik des Präsidenten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Datafolha ab. Das war das schlechteste Ergebnis seit Bolsonaros Amtsantritt 2019.


Extreme Hitze und Waldbrände

SOFIA: Bulgarien wird von der größten Hitzewelle seit neun Jahren mit Temperaturen über 40 Grad heimgesucht. Im Süden des Balkanlandes wüteten am Dienstag bei extremer Trockenheit und starken Winden zwei Großbrände. Wohnorte oder Menschen wurden aber nicht gefährdet, wie bulgarische Medien berichteten. In neun der 28 Regionen wurde die höchste Warnstufe Rot ausgerufen. In den anderen Landesteilen galt die zweithöchste Alarmstufe Orange.

Am heißesten war es am Nachmittag mit Werten über 40 Grad in Sandanski an der Grenze zu Griechenland, im mittelbulgarischen Plowdiw sowie in der Donaustadt Russe. In Sofia kletterten die Temperaturen auf für die Balkanmetropole unangenehme 38 Grad. Eine Abkühlung erwarteten Meteorologen erst am Donnerstag.


Zweite Anklage um mutmaßliche China-Spionage

KARLSRUHE: Im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Spionage eines deutschen Politologen für China hat die Bundesanwaltschaft auch seine Ehefrau wegen möglicher geheimdienstlicher Agententätigkeit angeklagt.

Die Behörde mit Sitz in Karlsruhe wirft der Frau mit deutscher und italienischer Staatsangehörigkeit nach Angaben vom Montag vor, ihren Mann seit 2010 bei der Arbeit eines international bedeutenden Thinktanks unterstützt zu haben. So hätten sie Kontakt zu vielen hochrangigen politischen Ansprechpartnern gehabt. Über diese hätten sie Informationen für einen chinesischen Geheimdienst gesammelt.

Diese Informationen sollen die Eheleute bis November 2019 im Vorfeld oder Nachgang von Staatsbesuchen oder multinationalen Konferenzen weitergegeben haben. Als Gegenleistung seien dem Paar die Reisen zu den jeweiligen Treffen mit den chinesischen Nachrichtendienstmitarbeitern «einschließlich eines Rahmenprogramms» finanziert worden, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit. «Zudem erhielten sie ein Honorar.»

Die Bundesanwaltschaft hat den Angaben zufolge im Mai vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München Anklage erhoben. Dort ist auch der Ehemann angeklagt, wie die Behörde im Juli mitgeteilt hatte. Der Staatsschutzsenat hatte den Haftbefehl gegen den Mann seinerzeit unter Auflagen außer Vollzug gesetzt.


ADAC rechnet am Wochenende erneut mit vielen Staus

MÜNCHEN: Der ADAC rechnet am Wochenende erneut mit vielen Staus auf deutschen Autobahnen. Grund dafür sei vor allem der Heimreiseverkehr, teilte der Automobilclub mit Sitz in München am Montag mit.

In Berlin, Brandenburg und Teilen Nordeuropas endeten die Sommerferien. Autofahrer sollten sich daher vor allem am Samstag auf «Blechlawinen, soweit das Auge reicht» gefasst machen. Auf der Heimreise herrsche auch in Österreich und der Schweiz Staugefahr.

Gleichzeitig beginne in Baden-Württemberg und Bayern die zweite Ferienwoche. Deshalb könne es nicht nur auf Autobahnen zu langen Staus kommen, sondern auch auf Fernstraßen in Richtung bayerischer Ausflugsregionen sowie der Küsten von Nord- und Ostsee. Wer in den Urlaub fahre, sollte deshalb nach Möglichkeit schon unter der Woche aufbrechen, raten die Experten.


Sex mit Anruferinnen: Telefonseelsorge räumt «sehr wenige» Fälle ein

LONDON: Freiwillige Berater einer britischen Telefonseelsorge haben ihre Position zu Sex-Treffen mit Anruferinnen ausgenutzt. Die Organisation Samaritans, für die etwa 20.000 Freiwillige jedes Jahr rund fünf Millionen Anrufe von Menschen mit starken emotionalen Problemen annehmen, räumte «eine sehr kleine Zahl von Sicherheitsvorfällen» ein. Samaritans will nun erstmals Anrufe von anderen Beschäftigten mithören lassen - Kritiker dieser Regeländerung fürchten dadurch aber Vertrauensverluste.

Die Zeitung «Daily Telegraph» berichtete am Montag von 44 solcher «Sicherheitsvorfälle» seit 2017. Dabei habe es sich zumeist um «mittelalte» Männer gehandelt, die Nöte von Anruferinnen missbraucht hätten. Viele Vorfälle seien erst durch Dritte bekannt geworden. Samaritans teilte dem «Telegraph» mit, alle Anschuldigungen seien der Prüfbehörde Charity Commission gemeldet worden. Als «Sicherheitsvorfälle» gelten auch Versäumnisse bei der Überprüfung.

«Unsere starken Untersuchungsverfahren haben dazu geführt, dass diese Vorfälle schnell bearbeitet und geeignete Maßnahmen ergriffen wurden», sagte Samaritans-Chefin Julie Bentley dem Blatt. «Jeder Sicherheitsvorfall ist einer zu viel. Deshalb überprüfen wir unsere Verfahren kontinuierlich und haben weitere Maßnahmen eingeleitet, um unseren Anrufern konstant hochwertige Dienstleistungen zu bieten.»


Zahl der Toten nach Überschwemmung jetzt bei mindestens 300

ZHENGZHOU: Die Anzahl der Todesopfer nach den Überschwemmungen in der chinesischen Region Zhengzhou liegt mindestens dreimal höher als bislang bekannt. Wie die Behörden am Montag mitteilten, stieg die Zahl auf mindestens 300 an.

Demnach kamen mindestens 292 Menschen allein in Zhengzhou ums Leben, insgesamt acht starben zudem in den Nachbarstädten Xinxiang und Luohe. 50 Menschen wurden in der Provinz Henan, zu der diese Städte gehören, noch vermisst. Noch am Donnerstag war während der laufenden Aufräumarbeiten von 99 Toten die Rede.

Bei den schwersten Regenfällen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren in der Neun-Millionen-Metropole Zhengzhou am 20. Juli in der Spitze innerhalb von nur einer Stunde rund 200 Millimeter Niederschlag gefallen. Mehrspurige Straßen hatten sich zum Teil in reißende Flüsse verwandelt. Die Wassermassen überschwemmten auch die U-Bahn, wo Hunderte Menschen in Zügen und in Tunneln eingeschlossen waren.

Die ungewöhnlich heftigen Regenfälle wurden vom Taifun «In-Fa» ausgelöst. Der Wirbelsturm sorgte auch in den Provinzen Zhejiang und Fujian für Unwetter. Laut neuen Angaben vom Montag kamen 189 Menschen direkt durch die Flut und Schlammlawinen ums Leben. 54 Menschen wurden in eingestürzten Häusern gefunden. 14 Menschen starben nach den offiziellen Angaben in der überfluteten U-Bahn.


Paschinjan zum Regierungschef Armeniens ernannt

ERIWAN: Gut sechs Wochen nach der Parlamentswahl in Armenien ist Nikol Paschinjan für eine neue Amtszeit zum Ministerpräsidenten der Südkaukasus-Republik ernannt worden. Ein entsprechendes Dekret veröffentlichte Präsident Armen Sarkissjan am Montag in der Hauptstadt Eriwan. Paschinjans Partei Bürgervertrag war bei der vorgezogenen Wahl im Juni auf 53,9 Prozent der Stimmen gekommen. Er ist bereits seit 2018 Ministerpräsident der Ex-Sowjetrepublik.

Der alte und neue Regierungschef hat nun 15 Tagen Zeit, eine neue Regierung zu bilden. Zudem nahm das Parlament seine Arbeit auf und gedachte der Opfer des Krieges um Berg-Karabach.

Die Wahl hatte unter dem Eindruck des verlorenen Krieges um die Konfliktregion gestanden. Bei den Kämpfen vom 27. September bis 9. November 2020 hatte sich Aserbaidschan weite Teile des Anfang der 1990er Jahre verlorenen Gebiets zurückgeholt. Mehr als 6500 Menschen starben. In den vergangenen Wochen kam es an der Grenze zwischen Armenien und Aserbaidschan immer wieder zu Zwischenfällen. Beide Seiten machten sich einander für den Beschuss von Stellungen verantwortlich. Dabei gab es Tote und Verletzte.


Pandamama bringt Zwillinge zur Welt

PARIS: Zwei Pandababys sind in Zentralfrankreich zur Welt gekommen. Mama Huan Huan gebar die Zwillinge in den frühen Morgenstunden des Montags, wie der Zoo Beauval mitteilte. Die Kleinen seien munter und gut genährt. Huan Huan kümmere sich gut um sie. Sie habe die Jungtiere in ihre Schnauze genommen, um sie zu säubern und abzulecken.

Die Geburt der Zwillinge sei ganz schnell von sich gegangen, hieß es aus dem Zoo. Man habe einen ungewöhnlich intensiven Moment durchlebt, sagte die geschäftsführende Gesellschafterin des Tierparks, Delphine Delord. Der rosige Pandanachwuchs wog kurz nach der Geburt 129 und 149 Gramm.

Im März waren Experten des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in den französischen Zoo geeilt, um bei der künstlichen Besamung des Panda-Weibchens zu helfen. Fachleute aus dem chinesischen Chengdu mussten damals wegen der coronabedingten Reisebeschränkungen zu Hause bleiben.

Huan Huan ist bereits Mutter von Yuan Meng, der vor rund vier Jahren in dem Zoo in der Loire-Gegend zur Welt kam und damals für großes Aufsehen sorgte. Patin des Tieres ist Brigitte Macron, Frau von Staatspräsident Emmanuel Macron. Die Eltern von Yuan Meng waren 2012 nach Frankreich gekommen - die Tiere wurden von China für zehn Jahre ausgeliehen.


Missbrauch von EU-Geldern - Rechtspopulist vor Gericht

KOPENHAGEN: In Dänemark hat ein Gerichtsverfahren gegen den führenden Rechtspopulisten Morten Messerschmidt begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug bei der Verwendung von EU-Geldern in Höhe von knapp 100.000 dänischen Kronen (rund 13.500 Euro) sowie Dokumentenfälschung vor und strebt eine Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe an. Wie Messerschmidts Verteidiger nach Angaben der Nachrichtenagentur Ritzau am Montagmorgen im Gericht in Lyngby nördlich von Kopenhagen sagte, weist der stellvertretende Vorsitzende der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DF) die Anklagepunkte zurück. Es sind sieben Verhandlungstage angesetzt.

Der Fall gegen den ehemaligen Europaparlamentarier zieht sich seit Jahren hin und hängt mit einer 2015 aufgelösten politischen Allianz europaskeptischer Parteien, Meld, sowie einer damit verknüpften Stiftung namens Feld zusammen. Konkret wird Messerschmidt vorgeworfen, falsche Angaben zu einer EU-Konferenz im Rahmen des Sommertreffens der DF in Skagen 2015 gemacht zu haben, um so EU-Gelder in Höhe von 98.835 Kronen zu erhalten.

Für den einstigen Meld-Vorsitzenden Messerschmidt geht es dabei um mehr als Freispruch oder Verurteilung: Der 40-Jährige gilt in seiner kriselnden Partei als Hoffnungsträger und möglicher künftiger Vorsitzender, eine Haftstrafe könnte ihm den politischen Weg verbauen. Die DF war bei der letzten Parlamentswahl 2019 von zuvor 21,1 auf 8,7 Prozent der Wählerstimmen abgestürzt.


Migration über Belarus: EU-Kommissarin spricht von Akt der Aggression

VILNIUS: Die EU erhebt wegen der stark steigenden Migrantenzahlen an der litauischen EU-Außengrenze schwere Vorwürfe gegen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko. Womit es die EU zu tun habe, sei nicht in erster Linie eine Migrationskrise, sondern ein «Akt der Aggression» des Lukaschenko-Regimes, sagte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson am Montag am Rande von Gesprächen in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Eine solche Provokation sei «absolut inakzeptabel».

An der fast 680 Kilometer langen Grenze des baltischen EU-Landes zu Belarus wurden allein im Juli mehr als 2000 illegale Grenzübertritte von Menschen aus Ländern wie dem Irak oder afrikanischen Staaten registriert. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 81 gewesen.

Nach Erkenntnissen der EU wurde die Situation gezielt von der Regierung des Nachbarlandes herbeigeführt. So hatte Lukaschenko in der Vergangenheit offen damit gedroht, als Reaktion auf die gegen sein Land verhängten EU-Sanktionen Menschen aus Ländern wie dem Irak, Afghanistan oder Syrien passieren zu lassen.

Um die Zahl der illegalen Grenzübertritte einzudämmen, will die EU die Unterstützung für das Mitgliedsland Litauen noch einmal ausbauen. Es werde in Kürze mehr als 100 Grenzschützer der EU-Grenzschutzagentur Frontex in dem Land geben, sagte Johansson am Montag in einer Pressekonferenz mit der litauischen Ministerpräsidentin Ingrida Simonyte. Zudem wird ihren Angaben zufolge eine zusätzliche finanzielle Unterstützung geprüft.


Kampf gegen Brände - Viele Feuer nicht unter Kontrolle

ISTANBUL: In der Türkei kämpfen Tausende Einsatzkräfte den sechsten Tag in Folge gegen Wald- und Buschbrände in der Mittelmeerregion. Von 132 Bränden seien 125 unter Kontrolle gebracht worden, sagte der Minister für Forst- und Landwirtschaft, Bekir Pakdemirli, am Montag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Bisher sind acht Menschen durch die Feuer getötet worden.

In mehreren Provinzen der Türkei waren am Mittwoch Waldbrände ausgebrochen. Besonders betroffen sind die südwesttürkischen Provinzen Antalya und Mugla. Zahlreiche Orte wurden evakuiert, darunter auch der Ferienort Turunc in Marmaris. Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtete, wurden Touristen per Boot aus dem in einer Bucht gelegenen Ort in Sicherheit gebracht. Am Montag lagen die Temperaturen in den betroffenen türkischen Regionen bei knapp 40 Grad.

Greenpeace in der Türkei machte neben dem Klimawandel auch fehlende Vorsichtsmaßnahmen als Grund für die verheerenden Brände aus. Die Natur werde nicht ausreichend geschützt, Land unkontrolliert genutzt und der Wald ausgebeutet. «Das hat eine Landschaft hinterlassen, die anfälliger für diese Feuer ist», sagte Burcu Ünal von Greenpeace der dpa.

Die Europäische Union schickt derweil Unterstützung in die Türkei. Drei Löschflugzeuge, eines aus Kroatien und zwei aus Spanien, seien mobilisiert worden, hieß es in einer Mitteilung der EU-Kommission. Offiziellen türkischen Angaben zufolge wurden zudem Löschflugzeuge aus der Ukraine, Russland, dem Iran und Aserbaidschan angefordert.


Mindestens 15 Soldaten bei Terroranschlag im Niger getötet

NIAMEY: Bei einem Terroranschlag auf einen Militärkonvoi im westafrikanischen Niger sind mindestens 15 Soldaten getötet worden. Das teilte das Verteidigungsministerium in der Nacht zum Montag mit. Die Soldaten gerieten demnach am Samstag in einen Hinterhalt in der Region Torodi, nahe der Grenze zu Burkina Faso. Sieben weitere Soldaten seien verwundet worden; sechs werden vermisst, hieß es. Bei Bemühungen, die verwundeten Kameraden in Sicherheit zu bringen, lösten die Soldaten nach Angaben des Verteidigungsministeriums einen von den Angreifern vergrabenen Sprengsatz aus. Militärische Land- und Luftkräfte hätten die Verfolgung der Täter aufgenommen. Welche Terrorgruppe den Anschlag verübte, blieb unklar.

Im Niger und anderen Ländern der Sahelregion, einschließlich Burkina Faso, sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv. Einige haben dem Terrornetzwerk Al-Kaida oder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihre Treue geschworen. Im Niger mit seinen rund 23 Millionen Einwohnern kommt es vor allem in den Grenzregionen zu Mali immer wieder zu schweren Angriffen. Die Regierung hat in den wüstenartigen Weiten außerhalb der Städte wenig Kontrolle - was nicht nur dschihadistische Gruppen, sondern auch kriminelle Netzwerke wie Menschenschmuggler ausnutzen.


Feuer : Zivilschutz will EU-Mechanismus aktivieren

PESCARA/CATANIA: Angesichts der andauernden Waldbrände in Italien erbittet der Chef der Zivilschutzbehörde europäische Hilfe. «Gestern hatten wir einen dramatischen Tag», sagte Fabrizio Curcio am Montag im italienischen Privatfernsehsender Canale 5. Er beantragte die Aktivierung des europäischen Mechanismus, mit dem aus anderen EU-Ländern zum Beispiel Löschflugzeuge zur Unterstützung nach Italien kommen könnten, wie es in einer Mitteilung von Sonntagnacht hieß. Bei den Bränden auf der Urlaubsinsel Sardinien in der vergangenen Woche hatten Griechenland und Frankreich bereits Löschflugzeuge entsandt.

Am Montag berichtete die Nachrichtenagentur Ansa von zahlreichen Passagieren, die im Hauptbahnhof der norditalienischen Stadt Bologna die Nacht verbringen mussten. Bologna ist ein zentraler Knotenpunkt im Netz der italienischen Eisenbahn. Viele Züge in Richtung Süditalien und Adria hatten wegen der Brände dort Verspätung oder fielen aus.

An der Adria-Küste wüteten die Flammen am Sonntag etwa in der Stadt Pescara. Dort zerstörten die Feuer Teile eines Naturreservats. Die Brände waren vom Strand aus zu sehen. Die Feuerwehr evakuierte nach eigenen Angaben mehrere Häuser und brachte mehr als 100 Menschen in Sicherheit. Ab Abend meldete sie, die Flammen seien unter Kontrolle. Ansa zufolge gab es auch Verletzte.

Aus vielen Regionen Italiens machten sich Feuerwehr-Trupps auf den Weg nach Sizilien. Die beliebte Urlaubsinsel war in den vergangenen Tagen ebenfalls stark von den Bränden betroffen, ebenso wie weitere Teile Süditaliens. Aus Südtirol machte sich die Waldbrandmannschaft auf den Weg nach Sizilien. Stand Sonntagabend sprach die Feuerwehr von mehr als 1500 Einsätzen landesweit. Fast 5160 Feuerwehrleute und 15 Löschflugzeuge seien den Tag über im Einsatz gewesen. In Italiens Süden herrschen derzeit Hitze und Trockenheit sowie starke Winde, die die Brände immer wieder anfachen.


Fallschirmlehrer stirbt bei Tandemsprung - Passagier gerettet

MELBOURNE: Ein Fallschirmlehrer in Australien ist bei einem Tandemsprung gestorben und hat dabei seinem Gast wohl das Leben gerettet. Das dramatische Unglück ereignete sich in Torquay im Bundesstaat Victoria: Nach dem Sprung aus dem Flugzeug hätten sich weder der Hauptschirm noch der Ersatzschirm richtig geöffnet, berichteten australische Medien am Montag. Beim Aufprall habe der erfahrene Tandemmaster Arron Toepfer dann selbst die ganze Wucht abbekommen, wodurch der etwa 50 Jahre alte Passagier geschützt worden sei, berichtete die Zeitung «The Australian». Den Angaben zufolge soll er sich selbst so positioniert haben, dass der Aufprall für den Gast gedämpft wurde. Der 35-Jährige starb noch am Unfallort.

Der Passagier wurde mit Knochenbrüchen, einer ausgerenkten Hüfte und Blutungen an der Milz und an einer Niere im Krankenhaus behandelt. Der Fallschirmlehrer, der von seinen Kollegen als «hochqualifiziert» beschrieben wurde und durchschnittlich sechs bis acht Sprünge pro Woche absolviert hatte, wurde in Australien als Held gefeiert. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, war zunächst unklar. Die Hintergründe sollen genau untersucht werden, teilten die Behörden mit.


Hochwasser dürfte für französischen Versicherer Axa teuer werden

PARIS: Der französische Versicherer Axa hat seinen Gewinn ein Jahr nach den Schäden durch die Corona-Krise überraschend kräftig gesteigert. Mit knapp vier Milliarden Euro lag der Überschuss im ersten Halbjahr 180 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie der Allianz-Konkurrent am Montag mitteilte. Damit schnitt Axa besser ab als von Experten erwartet.

Neue Belastungen stehen jedoch bevor: Für die Folgen der Hochwasserkatastrophe in Deutschland, Belgien und anderen Ländern muss der Konzern nach Schätzung des Managements vor Steuern mit rund 400 Millionen Euro geradestehen. Einen Teil des Geldes könnte Axa von Rückversicherern erstattet bekommen.

Im ersten Halbjahr 2020 hatten Versicherungsschäden infolge der Pandemie den Versicherer im Schaden- und Unfallgeschäft netto mit 1,5 Milliarden Euro belastet. Dass es nun besser lief, verdankte Axa auch gestiegenen Einnahmen. Der Umsatz - also vor allem die Prämieneinnahmen - stieg um drei Prozent auf knapp 53,9 Milliarden Euro. Alle Geschäftsbereiche und Regionen hätten bei Umsatz und bereinigtem Gewinn zugelegt, sagte Axa-Chef Thomas Buberl.


Geringe Beteiligung bei Referendum über Ex-Präsidenten

MEXIKO-STADT: Eine Volksbefragung zu Korruptionsermittlungen gegen fünf ehemalige Präsidenten in Mexiko hat ersten Prognosen zufolge nur eine geringe Beteiligung erzielt und ist damit wohl gescheitert. Mehr als 90 Prozent derjenigen, die teilnahmen, stimmten zwar mit «ja», wie aus einer Mitteilung der Nationalen Wahlbehörde am Sonntagabend (Ortszeit) hervorging. Die Wahlbeteiligung lag demnach aber nur bei knapp 8 Prozent - weit unter den erforderlichen 40 Prozent, damit das Ergebnis bindend ist. Offizielle Zahlen werden im Laufe des Montags erwartet.

Die Bürger Mexikos stimmten darüber ab, ob die fünf direkten Vorgänger des mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador wegen Schäden durch ihre neoliberale Politik - darunter eine «unverhältnismäßige Konzentration von Reichtum» - vor Gericht gebracht werden sollten. Der Oberste Gerichtshof hatte im vergangenen Jahr einen entsprechenden Antrag des aktuellen Staats- und Regierungschefs für verfassungskonform erklärt.

Während die Regierung des Linkspopulisten das Referendum als Beispiel für direkte Demokratie feierte, wiesen Gegner darauf hin, dass es gegenwärtig kein Gesetz gebe, dass ehemalige Präsidenten nicht vor Gericht gebracht werden können. Das bestehende Recht müsse angewendet, nicht zur Abstimmung gestellt werden, forderten sie.


Kein Ende der Hitze - Brand auf Ferieninsel Rhodos

ATHEN: Die Gluthitze dauert in Griechenland unvermindert an. Am Montag und die ganze Woche über erwartet das Wetteramt Werte um die 44 Grad. Wegen der extremen Trockenheit und starker Winde ist auf der Ferieninsel Rhodos ein bereits am Sonntag ausgebrochener Großbrand außer Kontrolle geraten, wie die Feuerwehr am Montagmorgen mitteilte.

Hotelanlagen sind auf Rhodos bislang nicht von dem Brand und der starken Rauchbildung betroffen. Der Zivildienst ordnete jedoch die Evakuierung von drei Dörfern im Westen der Inselhauptstadt an. In weiten Teilen der Ferieninsel war am Sonntagabend der Strom vorübergehend ausgefallen. Mit dem ersten Tageslicht wurden Löschflugzeuge und Hubschrauber eingesetzt, um die Flammen einzudämmen, wie das Staatsfernsehen (ERT) weiter berichtete.

Das Energieministerium rief alle Bürger auf, die Klimaanlagen nicht auf ganz niedrige Temperaturen zu stellen. «26 Grad und nicht mehr», hieß es seitens des Energieministeriums. Die Leistung des Energiesystems des Landes wird wegen der lang andauernden Hitze und der auf Hochtouren laufenden Klimaanlagen auf die Probe gestellt.

Unklar war, wann die Hitze nachlassen wird. Einige Meteorologen befürchteten, die hohen Temperaturen könnten bis zu zwei Wochen andauern.


Explosion in Beirut: Hinterbliebene warten weiter auf Gerechtigkeit

BEIRUT: Ein Jahr nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut kämpfen die Familien der Opfer weiter für eine Klärung der Ursachen und Gerechtigkeit für ihre Angehörigen. «Wir wissen, dass unser Weg nicht leicht und der Prozess lang sein wird», sagte Opfervertreter Ibrahim Hoteit vor dem ersten Jahrestag der Katastrophe am 4. August. «Wir wissen, dass wir es mit einem Haufen korrupter Politiker zu tun haben, aber wir sind entschlossen, sie (...) einen nach dem anderen zu kriegen», sagte ein sichtlich wütender Hoteit der Deutschen Presse-Agentur. Auch sein Bruder kam bei der Katastrophe ums Leben.

Bei der Explosion waren am 4. August 2020 mehr als 190 Menschen getötet und rund 6000 verletzt worden. Große Teile des Hafens und der anliegenden Wohngebiete wurden massiv zerstört. Ausgelöst worden sein soll die Detonation durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat, die über Jahre ohne Schutzmaßnahmen im Hafen gelagert wurden. Bis heute sind die genauen Ursachen nicht geklärt und die Verantwortlichen nicht benannt worden. Zum ersten Jahrestag am Mittwoch sollen öffentliche Einrichtungen geschlossen bleiben und Flaggen auf halbmast gesenkt werden.

Hoteit und die weiteren Angehörigen hätten volles Vertrauen in Richter Tarek Bitar, den Hoteit als «aufrichtig und mutig» bezeichnete. Die Familien würden bis zur Wahrheitsfindung hinter dem Richter stehen. Viele Libanesen sehen die Verantwortung bei der Regierung sowie der herrschenden Elite und werfen ihnen Nachlässigkeit in einem von Krisen gebeutelten Land vor. Der Ermittlungsrichter Bitar befasst sich seit Februar mit dem Fall.

Die Ermittlungen kommen seit Monaten nur schleppend voran. Laut Justizkreisen prüft Bitar die Möglichkeit, die mutmaßlich Verantwortlichen wegen Fahrlässigkeit zu belangen. Der Richter hat das Parlament gebeten, die Immunität einiger Abgeordneten als Teil der nächsten rechtlichen Schritte aufzuheben. Das Parlament scheint diesen Vorgang aber zu verzögern.


Deutsche Altphilologen begrüßen britische Pläne für Lateinunterricht

LONDON/WUPPERTAL: Die Pläne der britischen Regierung zum Ausbau des Lateinunterrichts an staatlichen Schulen kommen auch in Deutschland gut an. Latein als die historisch gemeinsamen Sprache Europas sowie weiter Teile Afrikas und Asiens biete großes integratives Potenzial, sagte der Vorsitzende des Deutschen Altphilologenverbandes, Stefan Freund, der Deutschen Presse-Agentur. Dadurch ergäben sich etwa «Ansätze zu trans- und interkultureller Bildung in einem vom Zusammenleben zahlreicher Ethnien, Sprachen und Religionen geprägten Europa».

An britischen Universitäten spielten die Alten Sprachen bereits eine international viel beachtete Rolle «und tragen so zur Überwindung der Brexit-Folgen bei», sagte Freund. Eine Stärkung des Lateinunterrichts an Schulen sei ein wichtiger Schritt, um das Bewusstsein für Gemeinsamkeiten in zahlreichen Beriechen wie Sprache, Kultur und Kultur, Denken und Literatur an künftige Generationen zu vermitteln.

Der britische Bildungsminister Gavin Williamson begründet die Pläne auch mit den Unterschieden im Bildungssystem. So bieten nur 2,7 Prozent der staatlichen Schulen im Land Latein an, aber 49 Prozent der privat finanzierten Lehranstalten. In Deutschland haben im Schuljahr 2019/20 nach Angaben des Statistischen Bundesamts insgesamt 561.861 Schülerinnen und Schüler - 5,8 Prozent - Latein gelernt. Das sei ein moderater Rückgang innerhalb der vergangenen 20 Jahre: 1999/2000 waren es 7 Prozent. «In den meisten Bundesländern bieten alle oder fast alle Gymnasien und die Mehrzahl der Gesamtschulen Latein als Pflicht-, Wahlplicht- oder Wahlfach an», sagte Freund.


Fünf Tote bei bewaffneten Zusammenstößen im Libanon

BEIRUT: Im Libanon sind bei einem Zusammenstoß sunnitischer Anwohner mit Anhängern der schiitischen Hisbollah mindestens fünf Menschen getötet worden, darunter drei Anhänger der Miliz. Die Kämpfe brachen laut Sicherheitskreisen südlich von Beirut beim Trauermarsch für Ali Schibli aus, der einer Hisbollah-nahen Gruppe angehört hatte. Er war am Samstag bei einer Hochzeit vom Angehörigen eines sunnitischen Stamms erschossen worden. Der Schütze wiederum war Bruder eines Jugendlichen, den Schibli vor einem Jahr getötet haben soll.

Bei den Kämpfen im Küstenort Chalda hätten die Schützen Maschinengewehre und Panzerfäuste eingesetzt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA. Dadurch sei Panik unter Anwohnern und Fußgängern ausgebrochen. Mehrere Menschen wurden verletzt. Die Angreifer attackierten den Trauermarsch laut Augenzeugen, als er eine Wohngegend der sunnitischen Stämme passierte. Soldaten der Armee hätten daraufhin gedroht, das Feuer auf die Schützen zu eröffnen.

Die mächtige Hisbollah, angeführt von Hassan Nasrallah, verfügt über ein breites Netz an Anhängern im Libanon. Mit ihrer eigenen Miliz kontrolliert sie ganze Stadtteile Beiruts und andere wichtige Gebiete des Landes vor allem im Süden.


Hilfsorganisation: Hungerkatastrophe in Madagaskar gefährdet Kinder

JOHANNESBURG: Die schlimmste Dürre seit 40 Jahren gefährdet in dem vor Afrikas Ostküste gelegenen Inselstaat Madagaskar das Leben Hunderttausender Menschen. Betroffen seien vor allem auch Kinder, warnte die Hilfsorganisation Save the Children am Montag. Jedes sechste Kind leide im betroffenen Süden der Insel an akuter Unterernährung und sei damit am Rand des Hungertods - ein Wert, der sich schon bald auf jedes vierte Kind zu erhöhen drohe. Dennoch erhalte die Krise im Schatten der Corona-Pandemie kaum internationale Beachtung, so die Organisation, die dringend zu Spenden aufrief.

«Es trifft die Kinder am schlimmsten - nicht nur, weil wichtige Nährstoffe für ihre Entwicklung fehlen, sondern weil sie wegen des Hungers die Schule verpassen», sagt die zuständige Regionaldirektorin Yvonne Arunga. Das Geld der Eltern reiche kaum zum Überleben, geschweige denn für die Schulgebühren. «Wir sehen viele hungrige Kinder mit leerem Blick, die nach Essbarem suchen - wie kann die Welt da wegschauen?», fragte die Mitarbeiterin von Save the Children.

In einer neuen Studie hat das Welternährungsprogramm (WFP) die Lage im Süden von Madagaskar als jüngsten internationalen «Hunger-Hotspot» eingestuft, für den allerhöchste Alarmstufe gilt. Von rund 1,1 Millionen Menschen mit akuter Nahrungsmittelknappheit drohe 28.000 bis Jahresende der Hungertod. Als Auslöser hat das WFP mehrere Dürrejahre in Folge und Sandstürme genannt, die Felder unbestellbar gemacht hätten. Die einstige französische Kolonie Madagaskar ist 1,6 Mal so groß wie Deutschland und hat etwa 28 Millionen Einwohner.

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