Neues aus dem Ausland am Montag

Neues aus dem Ausland am Montag

Luftangriff des US-Militärs in Syrien gegen Al-Kaida-Verbündeten

WASHINGTON: Das US-Militär hat im Nordwesten Syriens nach eigenen Angaben einen Luftangriff gegen einen Anführer einer mit Al-Kaida in Verbindung stehenden Terrororganisation ausgeführt. «Die Beseitigung dieses ranghohen Anführers wird Al-Kaidas Fähigkeit behindern, Angriffe gegen US-Bürger, unsere Partner und unschuldige Zivilisten weltweit durchzuführen», erklärte das zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) am Montagabend (Ortszeit).

Die Formulierung der Mitteilung legt nahe, dass Abu Hamsah al Jemeni, ein ranghoher Anführer der Dschihadistenmiliz Hurras al-Din (Hüter der Religion), bei dem Luftangriff getötet wurde. Das US-Militär erklärte jedoch nicht explizit, dass er getötet worden sei, sondern sprach in der Mitteilung von seiner «Beseitigung».

Zum Zeitpunkt des Angriffs sei er alleine auf einem Motorrad unterwegs gewesen, hieß es. Einer ersten Überprüfung zufolge seien bei dem Luftangriff keine Zivilpersonen zu Schaden gekommen, erklärte das US-Militär weiter. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.


Achtjähriger im US-Bundesstaat Florida erschießt einjähriges Mädchen

WASHINGTON: Ein acht Jahre alter Junge hat im US-Bundesstaat Florida mit der Waffe seines Vaters ein einjähriges Mädchen erschossen und ein weiteres Kleinkind verletzt. Der Vater hatte seine Waffe in einem Hotelzimmer zurückgelassen, wo der Junge sie fand, damit spielte und dann wohl unabsichtlich einen Schuss abfeuerte, wie der zuständige Sheriff im Bezirk Escambia, Chip Simmons, am Montag (Ortszeit) erklärte. Der Schuss traf zunächst das einjährige Mädchen, dann verletzte die Kugel noch eine Zweijährige. Die Mutter der beiden Mädchen war die Freundin des Waffenhalters, ein mehrfach verurteilter Straftäter, wie Simmons bei einer Pressekonferenz erläuterte.

Nach dem Vorfall vom Sonntag sei der 45 Jahre alte Vater ins Hotelzimmer in Pensacola zurückgekommen und habe nach Ansicht der Ermittler zunächst die Waffe und Drogen versteckt, sagte Simmons weiter. Ihm werde nun Waffenbesitz als verurteilter Straftäter, Behinderung der Ermittlungen, schuldhafte Fahrlässigkeit und nicht sachgerechtes Aufbewahren einer Waffe zur Last gelegt.

«Was uns hier vorliegt ist ein 14-fach verurteilter Straftäter, der mit seiner Freundin in einem örtlichen Motel eine Waffe hat; er lässt die Waffe zurück, sichert sie nicht ordentlich, was es seinem acht Jahre alten Sohn ermöglicht, die Waffe zu nehmen und abzufeuern; er tötet eine Einjährige und verletzt eine Zweijährige», sagte Simmons.

Die Zweijährige sei nicht lebensgefährlich verletzt worden, erklärte Simmons. Ihre Zwillingsschwester, die sich ebenfalls in dem Hotelzimmer befand, blieb demnach körperlich unverletzt.


EU-Agentur: Äußere Faktoren für viele Krebsfälle verantwortlich

KOPENHAGEN: Rund jede zehnte Krebserkrankung in Europa lässt sich nach Ansicht von EU-Experten auf äußere Faktoren wie Schadstoffe zurückführen. Luftverschmutzung, krebserregende Chemikalien, UV-Licht oder auch Passivrauchen sind zusammen für schätzungsweise 10 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich, vermutlich gar für deutlich mehr, wie die EU-Umweltagentur EEA in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht schreibt. Rauchen, Alkoholkonsum oder auch die eigene Ernährung werden in diese Analyse nicht mit reingezählt.

Die gute Nachricht sei, dass alle umwelt- und berufsbedingten Krebsrisiken verringert werden könnten, indem die Verschmutzung der Umwelt bekämpft werde und Verhaltensweisen geändert würden, erklärte die in Kopenhagen ansässige Behörde. Dies würde in der Folge zu einem Rückgang der Krebserkrankungen und -todesfälle führen. «Umwelt- und berufsbedingte Krebsrisiken sind grundsätzlich vermeidbar, und ihre Verringerung ist der Schlüssel zur Verringerung der Krebslast in Europa», heißt es in dem Bericht.

Mit fast 2,7 Millionen Neudiagnosen und 1,3 Millionen Todesfällen pro Jahr ist die EU stärker vom Krebs betroffen als andere Weltregionen. Obwohl weniger als 10 Prozent der Erdbevölkerung in Europa leben, gibt es hier nach EEA-Angaben fast 23 Prozent der Neuerkrankungen und 20 Prozent der Todesfälle.


Britische Medizin-Studenten lernen an Hologramm-Patienten

CAMBRIDGE: Hologramme als Ersatz für echte Patienten sollen Medizin-Studenten in Großbritannien eine bessere Ausbildung ermöglichen. Das Programm, das zunächst am Addenbrooke's-Krankenhaus in Cambridge zum Einsatz kommt, sei das weltweit erste dieser Art, teilten die Universität Cambridge, der Gesundheitsdienstleister Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust und die US-Technologiefirma GigXR mit. Die ersten Hologramm-Patienten sind der Simulation zufolge an Asthma, Anaphylaxie, Lungenembolie und Lungenentzündung erkrankt. Als nächstes sollen Kardiologie und Neurologie im Fokus stehen.

Das HoloScenarios genannte Trainingssystem vermischt die natürliche Wahrnehmung mit einer virtuellen Ebene (Mixed Reality). Die Studierenden tragen dabei Mixed-Reality-Headsets, können einander gegenseitig sehen, aber auch mit den Hologrammen arbeiten. Nach Angaben der Entwickler soll dies eine flexiblere und kostengünstigere Ausbildung bieten als herkömmliche Simulationen, bei denen mehr Aufwand und höhere Kosten etwa für die Wartung von Labors und die Einstellung von Schauspielern anfallen.

«Mixed-Reality wird zunehmend als nutzvolle Methode für Simulationstraininga angesehen», sagte Projektleiter Arun Gupta. Die Nachfrage wachse, auch weil Institutionen bei der Beschaffung sparten.


Tausende versammeln sich trotz Absage einer Solidaritätsfeier in Oslo

OSLO: Trotz der Absage einer Solidaritätsfeier haben sich nach dem gewaltsamen Anschlag in Oslo am Montagabend Tausende Menschen versammelt. Sie zogen mit Plakaten und Regenbogenflaggen ins Zentrum der norwegischen Hauptstadt, wie der Sender NRK berichtete. Zuvor hatten die Veranstalter der «Oslo Pride»-Parade die für den Abend angesetzte Solidaritätskundgebung auf Anraten der Polizei kurzfristig abgesagt.

Wenige Stunden zuvor hatte die Behörde den Organisatoren dies empfohlen. Als Grund dafür verwies sie darauf, dass die Kundgebung viel größer werden dürfte als ursprünglich geplant und man deshalb die Sicherheit nicht garantieren könne.

Ein Angreifer hatte in der Nacht zum Samstag rund um eine beliebte Schwulen-Bar Schüsse abgefeuert. Zwei Menschen starben dabei, 21 weitere wurden verletzt. Der norwegische Geheimdienst PST stuft die Attacke als islamistischen Terroranschlag ein. Ein 43 Jahre alter Norweger mit iranischen Wurzeln wurde wenige Minuten nach den ersten Schüssen festgenommen. Das Tatmotiv ist noch unklar. Eine von mehreren Theorien der Polizei ist, dass es sich um ein explizit gegen Homosexuelle gerichtetes Hassverbrechen gehandelt haben könnte.

Die «Oslo Pride» ist das größte Fest von sexueller Vielfalt in Norwegen. Die Organisatoren hatten bereits am Samstag ihre Parade durch die norwegische Hauptstadt feiern wollen, diese nach dem Anschlag aber abgesagt. Auch am Samstag versammelten sich trotzdem spontan Tausende und zogen durch die Stadt.


Parteitage stimmen Koalitionsvertrag für Schleswig-Holstein zu

NEUMÜNSTER: Sieben Wochen nach der Landtagswahl haben CDU und Grüne den Weg frei gemacht für die erste schwarz-grüne Landesregierung in Schleswig-Holstein. Nach dem Parteitag der CDU stimmten am Montagabend auch die Delegierten der Grünen in Neumünster mit großer Mehrheit für die Annahme des ausgehandelten Koalitionsvertrags. Den 244 Seiten starken Vertrag hatten die Spitzen beider Parteien ausgehandelt.

Die Wiederwahl von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zum Regierungschef ist für Mittwoch geplant. Dann soll auch das neue Kabinett insgesamt vorgestellt und im Landtag vereidigt werden.

Am Montag war auch in Nordrhein-Westfalen der Koalitionsvertrag besiegelt worden. Die Spitzen von CDU und Grünen hatten den am Wochenende von beiden Parteien gebilligten ersten schwarz-grünen Koalitionsvertrag unterschrieben.


Zug mit mehr als 200 Passagieren in den USA entgleist - drei Tote

WASHINGTON: Bei der Entgleisung eines Fernverkehrszugs mit mehr als 200 Menschen an Bord sind in den USA mindestens drei Menschen ums Leben gekommen und zahlreiche weitere verletzt worden. Der Zug, unterwegs von Los Angeles nach Chicago, stieß im Bundesstaat Missouri an einem Bahnübergang mit einem Lastwagen zusammen. Acht Waggons und zwei Lokomotiven entgleisten, wie die Betreibergesellschaft Amtrak am Montag (Ortszeit) erklärte.

Die Polizei des Bundesstaats erklärte über Twitter, bei den Todesopfern handle es sich um zwei Passagiere und den Fahrer des Lastwagens. Alle verletzten und unverletzten Passagiere seien inzwischen vom Unglücksort abtransportiert worden. Die genaue Zahl der Verletzten blieb zunächst noch unklar. Örtlich Medien sprachen von «Dutzenden Verletzten». Berichten zufolge waren mehrere Rettungshubschrauber zur Bergung im Einsatz.

Laut Amtrak befanden sich 243 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder in dem Zug. Der Polizei zufolge befanden sich hingegen 207 Menschen an Bord. Das Unglück ereignete sich an einem Bahnübergang in Mendon, einem Ort rund 150 Kilometer nordöstlich von Kansas City.

Erste Fotos und Videos in sozialen Medien zeigten auf die Seite gekippte Waggons neben den Gleisen. Passagiere, die sich befreien konnten, saßen teils auf den umgekippten Waggons.


Erdogan signalisiert keine Kompromissbereitschaft zu Nato-Erweiterung

ISTANBUL: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat auch einen Tag vor Beginn des Nato-Gipfels keine Kompromissbereitschaft in Sachen Nato-Norderweiterung signalisiert. «Morgen werden wir zum Nato-Gipfel in Spanien gehen und alles Notwendige im Einklang mit den Rechten und Interessen unseres Landes tun», sagte Erdogan nach Regierungsangaben am Montag. Den Gesprächspartnern werde man die «Scheinheiligkeit» gegenüber «Terrororganisationen» mit «Dokumenten, Informationen und Bildern» erklären.

Erdogan hat Einspruch gegen den Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands eingelegt. Er wirft ihnen Unterstützung von «Terrororganisationen» vor. Die 30 Nato-Staaten treffen sich ab Dienstag zu einem mehrtägigen Gipfel in Madrid. Am Rande soll noch einmal versucht werden, die türkische Blockadehaltung zu überwinden. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg trifft dazu Schwedens Regierungschefin Magdalena Andersson, den finnischen Präsidenten Sauli Niinistö sowie Erdogan.

Der türkische Hinweis auf «Terrororganisationen» bezieht sich auf die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die syrische Kurdenmiliz YPG, die Schweden und Finnland angeblich unterstützten - was beide Länder zurückweisen. Schweden und Finnland haben bereits Mitte Mai die Aufnahme in die Nato beantragt.

Erdogan wiederholte zudem am Montag seine Ankündigung einer neuen Offensive in Syrien. Die werde beginnen, sobald die Vorbereitungen abgeschlossen seien. Ankara begründet diese mit dem Kampf gegen die YPG. Das Land hält bereits Gebiete im Norden Syriens besetzt.


Zwei Wochen lang kein Benzin für Privatpersonen

COLOMBO: Wegen eines großen Mangels an Treibstoff auf Sri Lanka hat die Regierung dessen Verkauf an Privatpersonen für zwei Wochen verboten. Treibstoff gebe es bis zum 10. Juli nur für unbedingt notwendige Dienste etwa von Fahrzeugen im Gesundheitsbereich, am Hafen, Flughafen oder für die Essensverteilung, sagte Transportminister Bandula Gunawardana am Montag. Gleichzeitig blieben in der Zeit auch Behördenbüros und etliche Schulen, zu denen Schüler Transport brauchen, geschlossen.

Der Inselstaat südlich von Indien erlebt derzeit seine schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Dem stark verschuldeten Land fehlt das Geld, um wichtige Güter wie Treibstoff oder Medikamente zu importieren. Vor Tankstellen gibt es regelmäßig lange Schlangen. Das Land bittet unter anderem den Internationalen Währungsfonds sowie mehrere Länder um Hilfe.

Die neue Treibstoffverkaufseinschränkung dürfte die Wirtschaft im Land weiter beeinträchtigen. Der Minister versicherte jedoch, dass es Pläne gebe, nach dem 10. Juli wieder mehr Treibstoff und Gas zur Verfügung zu stellen. Wie diese Pläne genau aussehen sollte, ließ er offen.


Nato-Beitritt: Schweden hofft auf rasche Lösung im Streit mit Türkei

BRÜSSEL: Schwedens Regierungschefin Magdalena Andersson hofft auf eine rasche Lösung der türkischen Blockade bei der Nato-Aufnahme Schwedens und Finnlands. «Ich hoffe sehr, dass dieser Dialog in naher Zukunft, am besten noch vor dem Gipfel, erfolgreich abgeschlossen werden kann», sagte Andersson am Montag am Rande eines Treffens mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. Dann könne der Beitrittsprozess von Schweden und Finnland unverzüglich beginnen. Die 30 Nato-Staaten treffen sich ab Dienstag zu einem mehrtägigen Gipfel in Madrid.

Am Dienstag soll am Rande noch einmal versucht werden, die türkische Blockade zu überwinden. Stoltenberg trifft dazu Andersson, den finnischen Präsidenten Sauli Niinistö sowie den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Madrid. Stoltenberg sagte am Montag über das Treffen, Ziel sei natürlich, Fortschritte zu machen. «Aber ich werde keine Versprechen abgeben.»

Schweden und Finnland haben bereits Mitte Mai die Aufnahme in die Nato beantragt. Die Türkei blockiert den Aufnahmeprozess aber bislang. Ankara begründet dies damit, dass die beiden Länder «Terrororganisationen» wie die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die syrische Kurdenmiliz YPG unterstützten - was beide Länder zurückweisen.


Nahost: USA, Israel und arabische Partner für Verhandlungslösung

MANAMA: Die USA, Israel und vier arabische Staaten wollen nach eigenen Angaben verstärkt an einer Verhandlungslösung für den Nahost-Konflikt arbeiten. Die Kontakte der sechs Länder könnten dazu dienen, eine Dynamik in den israelisch-palästinensischen Beziehungen zu erzeugen, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Erklärung nach einem Treffen hochrangiger diplomatischer Vertreter in Bahrain.

Die Außenminister der USA, Israels sowie der vier arabischen Staaten Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Ägypten und Marokko hatten vor rund drei Monaten bei einem historischen Gipfeltreffen in der Negev-Wüste eine stärkere Zusammenarbeit vereinbart. Sie wollen sich unter anderem regelmäßig auf hoher Ebene treffen. Das Bündnis richtet sich vor allem gegen den schiitischen Iran, von dem sich insbesondere Israel, aber auch die beiden Golfstaaten bedroht sehen. Israels Außenministerium nannte das Treffen einen «Meilenstein».

Bahrain und die VAE hatte im September 2020 Abkommen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel unterzeichnet. Später folgte auch Marokko. Die drei Länder mussten sich danach vorhalten lassen, ihre langjährige Unterstützung für die Palästinenser aufgegeben zu haben. Zuvor hatten nur zwei arabische Staaten, Ägypten und Jordanien, diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten.

Das Treffen in Bahrain ist Teil intensiver diplomatischer Aktivitäten, bevor US-Präsident Joe Biden in rund zwei Wochen die Region besucht. Er will zunächst nach Israel und in die Palästinensergebiete und dann nach Saudi-Arabien reisen. In dem Königreich steht auch ein Treffen mit dem faktischen Herrscher des Landes, Kronprinz Mohammed bin Salman, auf dem Programm. Seit längerem gibt es immer wieder Spekulationen, auch Saudi-Arabien könnte der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel zustimmen.


Siemens kauft Software-Anbieter für mehr als 1,5 Milliarden Dollar

MÜNCHEN: Siemens übernimmt für mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar den Softwarespezialisten Brightly. Damit will der Münchner Konzern eine führende Position im Softwaremarkt für Gebäude und bestehende Infrastruktur erreichen, wie er am Montag mitteilte. Die Transaktion soll noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden.

Konkret kostet das US-Unternehmen 1,575 Milliarden Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro) plus eine erfolgsabhängige Komponente. Das Unternehmen bietet Software als Dienstleistung für Anlagen- und Wartungsmanagement.

«Mit der Übernahme werden wir unser Ziel, im Infrastrukturbereich ein führendes Softwareunternehmen zu werden, schneller erreichen», sagte Siemens-Vorstand Matthias Rebellius. «Sie unterstützt unsere Vision, komplett autonome Gebäude zu schaffen, die kontinuierlich von den dort lebenden Menschen lernen und sich an deren Bedürfnisse anpassen.»

Brightly erwartet laut Siemens für das laufende Jahr einen Umsatz von 180 Millionen US-Dollar. Es beschäftigt rund 800 Softwareexperten und hat seinen Sitz im US-Bundesstaat North Carolina.


Große Solidaritätskundgebung in Oslo kurzfristig abgesagt

OSLO: Eine als Reaktion auf den möglicherweise islamistisch motivierten Terroranschlag in Oslo geplante Solidaritätskundgebung ist auf Anraten der Polizei kurzfristig abgesagt worden. Das teilten die Veranstalter der «Oslo Pride» am Montagnachmittag auf ihrer Facebook-Seite mit.

Wenige Stunden zuvor hatte die Polizei den Organisatoren empfohlen, die Veranstaltung abzusagen. Als Grund dafür verwies sie darauf, dass die Kundgebung viel größer werden dürfte als ursprünglich geplant und man deshalb nicht für die Sicherheit garantieren könne.

Die «Oslo Pride» ist das größte Fest von sexueller Vielfalt in Norwegen. Die Organisatoren hatten bereits am Samstag ihre Parade durch die norwegische Hauptstadt feiern wollen, dies auf Anraten der Polizei aber abgesagt. Für den Montagabend hatten sie dann zu einer großen Solidaritätskundgebung eingeladen und die Teilnehmenden angehalten, Flaggen und Schriftbänder mitzubringen, die sie ursprünglich auf der Pride-Parade am Samstag zeigen wollten.

Ein Angreifer hatte in der Nacht zum Samstag rund um eine beliebte Schwulen-Bar Schüsse abgefeuert. Zwei Menschen starben dabei, 21 weitere wurden verletzt. Der norwegische Geheimdienst PST stuft die Attacke als islamistischen Terroranschlag ein. Ein 43 Jahre alter Norweger mit iranischen Wurzeln wurde wenige Minuten nach den ersten Schüssen festgenommen. Das Tatmotiv ist noch unklar. Eine von mehreren Theorien der Polizei ist, dass es sich um ein explizit gegen Homosexuelle gerichtetes Hassverbrechen gehandelt haben könnte.


55 Tote bei Kämpfen zwischen Soldaten und Viehdieben im Südsudan

JUBA: Bei schweren Auseinandersetzungen zwischen Soldaten und Viehdieben sind nach Militärangaben mindestens 55 Menschen im ostafrikanischen Südsudan getötet worden, darunter auch Zivilisten. Etwa 120 weitere Menschen seien im Bezirk Tonj des Bundesstaats Warrap verletzt worden, sagte Armeesprecher Santo Domic der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Die Auseinandersetzungen begannen, nachdem der Gouverneur von Warrap, Aleu Ayieny Aleu, der Armee gegeben hatte, 450 am Samstag gestohlene Kühe zu bergen. Schwerbewaffnete Viehdiebe hätten den Soldaten aufgelauert und sie aus einem Hinterhalt angegriffen, so Domic. Die Kämpfe dauerten von Sonntag bis Montagmorgen an. Der örtliche Verwalter von Tonj, Alfred Wol Makuach, sagte, hunderte Zivilisten seien ins Schussfeuer geraten.

Viehwirtschaft ist in dem Land mit rund elf Millionen Einwohnern einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Nach Angaben der UN gab es dort 2019 rund 12 Millionen Rinder und etwa die gleiche Zahl an Schafen und Ziegen. Immer wieder kommt es unter miteinander verfeindeten Gruppen zu brutalen Überfällen, um Vieh zu erbeuten.


Fahrplan für neues Unabhängigkeitsreferendum erwartet

EDINBURGH: Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon will am Dienstag im Parlament in Edinburgh ihren Fahrplan für ein neues Unabhängigkeitsreferendum vorstellen. Die Chefin der Schottischen Nationalpartei (SNP) will die Schottinnen und Schotten im Herbst 2023 darüber abstimmen lassen, ob sich ihr Landesteil mit knapp 5,5 Millionen Einwohnern vom Vereinigten Königreich lösen soll oder nicht. Sturgeon will Schottland nach dem Brexit als unabhängiges Land zurück in die Europäische Union führen.

Bei einem Referendum hatte 2014 eine Mehrheit der Schotten (55 Prozent) noch für den Verbleib im Vereinigten Königreich gestimmt. Das war allerdings vor dem Brexit, den der nördlichste britische Landesteil mit klarer Mehrheit (62 Prozent) abgelehnt hatte. Daher hoffen die Unabhängigkeitsbefürworter, dass sich bei einer erneuten Abstimmung die Verhältnisse ändern.

Für ein erneutes Referendum gibt es jedoch Hürden, da dafür eigentlich eine Zustimmung der britischen Regierung in London notwendig ist - was diese jedoch ablehnt. Sturgeon kündigte kürzlich an, die Abstimmung notfalls auch im Alleingang durchführen zu wollen. Zwar müsse ein Referendum legal sein, doch sei man mit einer britischen Regierung konfrontiert, die «weder Demokratie noch das Rechtsstaatsprinzip respektiert», sagte die SNP-Politikerin.

In den kommenden Monaten will die schottische Regierung mit Dokumenten zu verschiedenen Themen - darunter Steuern und Ausgaben, Verteidigung, Soziales sowie EU-Mitgliedschaft und Handel - für die Unabhängigkeit werben.


Entscheidende Abstimmung von EU-Ministern: Kommt das Verbrenner-Aus?

LUXEMBURG: Die EU-Umweltminister stimmen am Dienstag über die Zukunft von Verbrenner-Autos ab. Auf der Tagesordnung des Treffens (ab 9.30 Uhr) stehen mehrere wichtige EU-Klimagesetze, zu denen die Mitgliedstaaten eine Position verabschieden wollen. Neben einem De-Facto-Verbot für neue Autos und Transporter mit Verbrennungsmotor ab 2035 versuchen sich die Spitzenpolitiker auf eine gemeinsame Haltung zur Reform des EU-Emissionshandels und zu einem milliardenschweren Klimasozialfonds zu einigen.

Das EU-Parlament hat sich bereits für ein Verbot neuer Verbrenner ab 2035 ausgesprochen. Sollten sich die EU-Staaten dieser Haltung anschließen, wäre der Weg für das Vorhaben frei. Offiziell muss noch in gemeinsamen Verhandlungen der beiden Institutionen ein Kompromiss gefunden werden. Dass sich aber an dem eigentlichen Verbot groß etwas ändern würde, wäre dann nahezu ausgeschlossen. Die Frage nach der Position Deutschlands hatte in der Bundesregierung Streit ausgelöst. Während Grüne ein Verbrenner-Aus befürworten, hatte sich die FDP quergestellt.


Tigray-Konflikt: Äthiopiens Regierung verspricht friedliche Lösung

ADDIS ABEBA: Äthiopiens Regierung will den Konflikt in der nördlichen Tigray-Region «friedlich» lösen. Das kündigte Justizminister Gedion Temothewos am Montag nach einer Sitzung des Zentralkomitees der von Ministerpräsident Abiy Ahmed geführten Regierungspartei Prosperity Party. Der Friedensprozess werde von der Afrikanischen Union geleitet werden, so Gedion.

Im April hatten die Menschenrechtsgruppen Amnesty International und Human Rights Watch die äthiopischen Sicherheitskräfte noch beschuldigt, schwerwiegende Kriegsverbrechen, einschließlich systematischer Massenvertreibungen, Vergewaltigungen, Plünderungen und brutalen Tötungen in der umkämpften Tigray-Region zu verüben.

Der Konflikt zwischen der Zentralregierung in Addis Abeba und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) um die Kontrolle der Region begann vor gut anderthalb Jahren. Ein hochrangiger Politiker der Regierungspartei, der anonym bleiben wollte, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag, die Regierung plane, die TPLF in den kommenden Wochen von Äthiopiens Terrorliste zu streichen.

Mit knapp 115 Millionen Einwohnern ist der Vielvölkerstaat am Horn Afrikas das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung Afrikas. Er galt lange Zeit als Stabilitätsanker der Region.


Rauch über Rom - Wohnwagenbrand sorgt für Feuerwehr-Großeinsatz

ROM: Ein Großbrand im Westen von Rom hat für einen Großeinsatz der Rettungskräfte gesorgt. Die Feuerwehr der italienischen Hauptstadt sei am Montagnachmittag in das Gebiet nahe dem für den Verkehr wichtigen Autobahnring GRA gerufen worden, erklärte ein Sprecher der Polizei auf Nachfrage. Den Angaben der Feuerwehr zufolge brannten mehrere Campingwagen, in denen Gasflaschen explodierten.

Vor Ort mussten die Helfer laut Polizei 30 bis 35 Menschen aus der Umgebung medizinisch untersuchen. Eine Frau und ein Kind wurden danach in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht. Auch Gebäude eines Sommercamps für Kinder fingen Feuer, wie auf Videos zu sehen war.

Wie es genau zu dem Brand kam, war zunächst unklar. In der Innenstadt von Rom roch es stark nach Rauch, Asche regnete stellenweise vom Himmel. Am Einsatz beteiligt war auch der örtliche Zivilschutz. In der Umgebung liegende Häuser, die von den Flammen bedroht waren, wurden evakuiert. Auf Live-Bildern war ein Hubschrauber mit einem Löschsack zu sehen, der über das betroffene Gebiet flog.

Die seit Wochen anhaltende Trockenheit und der Wind begünstigten die schnelle Ausbreitung der Flammen.


Mutmaßlicher Oslo-Angreifer kommt in Untersuchungshaft

OSLO: Nach den tödlichen Schüssen rund um eine Schwulen-Bar in Oslo muss der mutmaßliche Täter für vier Wochen in Untersuchungshaft. Das teilte das Amtsgericht der norwegischen Hauptstadt am Montagnachmittag mit. Die zuständige Richterin Rikke Lassen verhängte dabei ein für die gesamten vier Wochen geltendes Brief- und Besuchsverbot, zwei Wochen davon muss der Beschuldigte in vollständiger Isolation verbringen.

Der Angreifer hatte in der Nacht zum Samstag rund um eine beliebte Schwulen-Bar Schüsse abgefeuert. Dabei waren zwei Menschen getötet und 21 verletzt worden. Der norwegische Geheimdienst PST stuft die Attacke als islamistischen Terroranschlag ein. Ein 43 Jahre alter Norweger mit iranischen Wurzeln wurde wenige Minuten nach den ersten Schüssen festgenommen. Das Tatmotiv ist noch unklar, die Polizei geht aber unter anderem der Theorie nach, ob es sich um ein explizit gegen Homosexuelle gerichtetes Hassverbrechen gehandelt haben könnte.


Politiker: 37 Tote bei Angriff mutmaßlicher Separatisten in Kamerun

JAUNDE: Bei einem Angriff mutmaßlicher Separatisten sind nach Angaben eines Lokalpolitikers mindestens 37 Menschen im Südwesten von Kamerun getötet worden. Die Täter hätten am Wochenende die Kleinstadt Akwaya in der anglophonen Südwest-Region angegriffen und dutzende Häuser niedergebrannt, sagte der örtliche Parlamentsabgeordnete Aka Martin Tyoga der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Dabei seien 32 Menschen im Schlaf überrascht worden und verbrannt. In einem Dorf außerhalb von Akwaya seien zudem fünf Menschen getötet und sechs Häuser niedergebrannt worden.

Die Angriffe könnten Teil der Strategie der Separatisten sein, für Chaos in jenem Landesteil zu sorgen, wo die Menschen zwar größtenteils Englisch sprechen, aber Französisch als Amtssprache gilt. Viele von ihnen lehnen das staatliche Bildungssystem ab, dem sie vorwerfen, die englische Sprache und Kultur zugunsten der französischsprachigen Mehrheit zu untergraben. Die Mehrheit der rund 23 Millionen Einwohner des zentralafrikanischen Staates spricht Französisch, nur eine Minderheit nahe der Grenze zu Nigeria ist anglophon. Die Minderheit fühlt sich seit langem von der frankophonen Mehrheit benachteiligt. Der Konflikt ist 2017 mit offenen Bestrebungen nach staatlicher Unabhängigkeit eskaliert.

Nach Angaben von Human Rights Watch ist die Gewalt in dem schwelenden Konflikt seit Jahresbeginn wieder angestiegen. Mindestens 82 Menschen seien seit Januar entführt worden, teilte die Menschenrechtsorganisation am Montag mit. «Bewaffnete Separatistengruppen entführen, terrorisieren und töten Zivilisten in den englischsprachigen Regionen, offensichtliche ohne Angst, von ihren eigenen Anführern oder den kamerunischen Strafverfolgungsbehörden zur Rechenschaft gezogen zu werden», sagte Ilaria Allegrozzi, die leitende Forscherin für Zentralafrika von Human Rights Watch.


Einbruch in Thessaloniki - Diebe schmeißen 400-Kilo-Tresor vom Balkon

THESSALONIKI: Ein besonders dreister Einbruch hat sich in der Nacht zum Sonntag in der Hafenstadt Thessaloniki ereignet. Diebe stahlen aus einer Wohnung Schmuck und Bargeld in Höhe von rund einer Million Euro, wie griechische Medien am Montag unter Berufung auf die Polizei berichteten.

Ein Teil der Beute, rund 300.000 Euro, soll sich in einem gut 400 Kilogramm schweren Tresor befunden haben. Den packten die Einbrecher und warfen ihn kurzerhand vom Balkon der Wohnung im sechsten Stock auf die Straße. Dort luden sie den Tresor ins Auto und verschwanden. Zurück blieb eine große Delle im Straßenbelag.

Bei dem Opfer soll es sich um einen bekannten Geschäftsmann handeln, der zum Zeitpunkt des Einbruchs nicht in der Stadt war. Nach den Tätern werde auch im näheren Umfeld des Mannes gesucht, hieß es.


Ein Toter durch Tornado in Niederlanden

ZIERIKZEE: Ein Tornado hat im Südwesten der Niederlande einen Menschen das Leben gekostet. Mindestens zehn Menschen seien verletzt worden, teilten die Einsatzkräfte in Zierikzee am Montag mit. Über ihren Zustand wurde vorerst nichts mitgeteilt. Meteorologen sprachen von einem schwachen Tornado. Er hinterließ nach Angaben der Behörden eine Spur der Verwüstung in dem auch bei deutschen Touristen beliebten Urlaubsort an der Nordsee.

Gegen 13 Uhr raste der Sturm über die Stadt in der Provinz Zeeland. Auf Videos und Fotos in den sozialen Netzwerken ist die Verwüstung zu sehen. Dachziegel wurden von Wohnhäusern und einer Kirche gerissen, Bäume entwurzelt, Trampolins wirbelten in der Luft. 10 bis 20 Wohnhäuser sollen unbewohnbar sein, geben die Behörden an. Hilfsdienste wurden eingesetzt.


Wanderrucksäcke mit Wurst für Biden und Co.

GARMISCH-PARTENKIRCHEN: Wurst, Käse, Getränke, Lebkuchenherz und ein paar Schafkopfkarten: US-Präsident Joe Biden, der britische Premier Boris Johnson oder Frankreichs Präsident Emmanuel Macron können künftig mit einem klassischen bayerischen Rucksack zum Wandern aufbrechen. Die Staatsregierung verschenkte auf dem G7-Gipfel in Schloss Elmau an die Teilnehmer Wanderrucksäcke im Retro-Schick mit bayerischen Spezialitäten. «Bayern soll gut in Erinnerung bleiben», erklärte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf Instagram.

Die Rucksäcke bekomme ein «exklusiver Kreis» der Gipfelteilnehmer, nämlich die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten sowie der eingeladenen Partnerländer, erklärte ein Sprecher am Montag. Das Treffen in den bayerischen Alpen geht noch bis Dienstag.


Seoul: Nordkorea nutzt internationale Krisen für Waffenentwicklung

SEOUL: Nordkorea nutzt nach Einschätzung Südkoreas die aktuellen internationalen Krisen für einen Ausbau seines Atomwaffenarsenals. Nordkorea versuche, «diese Kluft, den Riss in der Struktur der internationalen Landschaft auszunutzen, indem es die Entwicklung seiner Nuklearfähigkeiten verstärkt», sagte Südkoreas neuer Vereinigungsminister Kwon Young Se am Montag in Seoul. Zu den Herausforderungen für die internationale Sicherheit zählte er auch den stärker werdenden Wettbewerb zwischen den USA und China.

Der Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ist weltweit einer der gefährlichsten Konflikte. Seit Anfang dieses Jahres hat das Land bereits mehrfach Raketen einschließlich Interkontinentalraketen getestet, die einen Atomsprengkopf tragen können. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri schätzt in seinem aktuellen Jahresbericht, dass Nordkorea 20 fertige Sprengköpfe gelagert hat.

Kwon rief China und andere Länder auf, das weithin isolierte Nordkorea von einem befürchteten neuen Atomtest abzuhalten. China sei eines der wenigen Länder, die Einfluss auf Pjöngjang ausüben könnten. Von seiner Zeit als Botschafter in Peking (2013 bis 2015) wisse er, dass China gegen Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel sei.

Nach Angaben der USA und Südkoreas gibt es bereits seit längerem Anzeichen dafür, dass Nordkorea Vorbereitungen für einen neuen Atomtest abgeschlossen hat. Was jetzt noch übrig bleibe, um den Test durchzuführen, sei eine «politische Entscheidung» Pjöngjangs, sagte Kwon. Nordkorea hatte zwischen 2006 und 2017 auf seinem Atomtestgelände im Norden des Landes sechs Testexplosionen durchgeführt.


Migranten im Mittelmeer gerettet - deutsche Schiffe warten auf Hafen

ROM: Die private Hilfsorganisation SOS Mediterranée hat im zentralen Mittelmeer fast 70 Migranten aus Seenot gerettet. Die freiwilligen Helfer hätten die Menschen in der maltesischen Such-und-Rettungszone von einem Schlauchboot geholt und an Bord der «Ocean Viking» genommen, schrieb die Organisation am Montag auf Twitter. Auf dem Schiff befänden sich mittlerweile fast 160 Gerettete.

Bei der Rettung unterstützte auch das deutsche Boot «Louise Michel». Die Crew des wegen seiner Bemalung auch als Banksy-Boot bekannten Schiffs hatte zuvor fast 60 Menschen aus Seenot gerettet und wartet nach eigenen Angaben vom Sonntag auf die Zuweisung eines Hafens.

Am Sonntag wiesen die italienischen Behörden dem Motorsegelboot «Nadir» der deutschen Organisation Resqship den Hafen in Lampedusa zu, wie die Organisation twitterte. Die Crew brachte dort 19 Menschen an Land.

Das Team der «Sea-Watch 4» mit etwas mehr als 300 geretteten Migranten wartet indes weiter auf einen sicheren Hafen. Die erste Anfrage dafür stellte die gleichnamige Organisation nach eigenen Angaben vor einer Woche. Zwischenzeitlich holten italienische Behörden zehn Menschen wegen ihres schlechten Gesundheitszustands von Bord. Die Lage auf dem Schiff ist laut Sea Watch angespannt.


Streit um Verbrenner-Aus: Habeck zeigt sich kompromissbereit

LUXEMBURG/BERLIN: Im Streit um die deutsche Haltung zum möglichen Verbrenner-Aus zeigt sich Klima- und Wirtschaftsminister Robert Habeck kompromissbereit. «Europa ist ja eine lebende Kompromiss-Maschine, und an der arbeiten wir mit», sagte der Grünen-Politiker am Montag in Luxemburg. Man müsse für verschiedene «Spezial-Sichtweisen» unterschiedlicher EU-Staaten eine gute Lösung finden. Wie eine solche Lösung aussehen könnte, sagte der Vizekanzler nicht.

Auf EU-Ebene soll in dieser Woche über ein Verkaufsverbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 entschieden werden. Bei einem Treffen der EU-Umweltminister am Dienstag wollen die Mitgliedstaaten ihre Position dazu verabschieden. Der Beschluss zum Verbrenner-Aus ist Teil des sogenannten Fit-for-55-Pakets, eines Klimaschutzpakets der EU. Während die Grünen ein Verbrenner-Aus ab 2035 befürworten, setzt sich die FDP in der Bundesregierung dafür ein, dass auch nach 2035 neue Autos mit Verbrennungsmotor verkauft werden dürfen.


Einst totgeglaubter Terrorist vor Gericht verurteilt

ISLAMABAD: Der mutmaßliche Drahtzieher hinter der Terrorattacke in Mumbai von 2008 ist in Pakistan wegen Terrorfinanzierung verurteilt worden. Ein Gericht in Lahore belegte Sajid Mir am Montag mit einer Haftstrafe von 15 Jahren und sechs Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Jahre zuvor hatten pakistanische Sicherheitsbehörden den Mann noch für tot erklärt.

Bei dem Anschlag in der indischen Millionenmetropole Mumbai waren 175 Menschen ums Leben gekommen, darunter neun der Terroristen. Die USA setzten daraufhin ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf Mir aus. Unter den Opfern waren auch sechs US-Amerikaner.

Pakistan steht auf der Liste jener Länder, die aus Sicht der Internationalen Arbeitsgruppe gegen Geldwäsche - der sogenannten Financial Action Task Force (FATF) - zu wenig gegen Terrorfinanzierung unternehmen. Die Arbeitsgruppe kündigte jedoch kürzlich an, das Land möglicherweise dieses Jahr von der Liste zu streichen. Pakistan würde dies wohl unter anderem die Aufnahme von Krediten auf den Finanzmärkten erleichtern. «Mir könnte aufgrund des Drucks der FATF inhaftiert worden sein», sagte Amir Rana, Direktor des pakistanischen Instituts für Friedensforschung, der Deutschen Presse-Agentur.


Wieder Polizeieinsatz wegen Massenschlägerei unter Clans in Essen

ESSEN: Rund 24 Stunden nach einer Massenschlägerei zwischen Clan-Angehörigen in der westdeutcshen Großstadt Essen ist es am gleichen Ort zu neuen Zusammenstößen gekommen.

Wie ein Polizeisprecher Montagmittag sagte, gab es zunächst über den Sonntag verteilt kleinere Versammlungen von etwa 20 bis 30 Menschen. Am Abend seien es dann wieder rund 100 Personen im nördlichen Stadtteil Altendorf gewesen. Es sei geschlagen und getreten worden. Drei Personen seien dabei leicht verletzt worden, hieß es. Den Einsatz von Waffen habe man nicht festgestellt.

Es gab mehrere Platzverweise und vorübergehende Ingewahrsamnahmen. Wie am Vorabend sehe man «klare Clan-Bezüge», sagte ein Polizeisprecher am Mittag. Am Samstagabend war es zu schweren körperlichen Angriffen zwischen den Beteiligten gekommen - die dafür laut Polizei unter anderem Möbel und Geschirr einsetzten, aber auch Messer und Stöcke. Ein Mann war durch ein Messer schwer verletzt worden. Es habe insgesamt einige Verletzte und Geschädigte gegeben. Ein bereits wegen eines Raubdelikts gesuchter 30-Jähriger wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Zahlreiche Personen würden vernommen, hieß es weiter.

In den sozialen Medien kursieren Videos, auf denen die Schlägerei unter anderem mit Stühlen zu sehen ist. Laut «WAZ» soll der Auslöser der Streit zwischen zwei Großfamilien sein, der sich an einem Kölner Musikmanager entzündet haben soll, der mehrere Rapper unter Vertrag hat. Der Mann sei vom Mitglied einer anderen Großfamilie beleidigt worden. Das bestätigte die Polizei nicht.


Proteste in Niederlanden: Bauern blockieren Autobahnen

AMSTERDAM: Aus Protest gegen geplante Umweltauflagen haben Bauern in den Niederlanden mehreren Autobahnen blockiert. Mit Dutzenden Treckern legten die Landwirte am Montag den Verkehr an mehreren Stellen im Land lahm. Sie blockierten Fahrbahnen und Auffahrten. Es entstanden Kilometer lange Staus, wie die Verkehrsbehörden mitteilten. Bauern drohten auch damit, Übergänge an der deutschen Grenze bei Groningen im Norden zu blockieren.

Die Bauern protestieren gegen geplante Maßnahmen der Regierung. Der Ausstoß von Stickstoff muss nach einem höchstrichterlichen Urteil stark reduziert werden. Bei Naturgebieten soll der Schadstoff-Ausstoß um rund 70 Prozent verringert werden. Das aber kann nach Regierungsangaben das Aus für etwa 30 Prozent des Vieh-Betriebe bedeuten.

Aktionsgruppen warnten die Regierung vor einer Eskalation der Proteste. Die Bewegung Agractie forderte Umweltministerin Christianne van der Wal auf, die Pläne zu stoppen. «Die Bauern werden kämpfen für ihre Zukunft», drohte Anführer Bart Kemp am Montag in einem Video. Bereits am vergangenen Mittwoch hatten die Bauern demonstriert und den Verkehr an vielen Stellen lahmgelegt.

Die Niederlande sind einer der weltweit größten Exporteure von Agrar-Produkten. 2021 wurden Produkte im Wert von etwa 105 Milliarden Euro exportiert. Jahrzehntelang hatte das Land sich nicht an die europäischen Schadstoff-Normen gehalten. Landwirtschaft ist der größte Verursacher von Stickstoff.


Daimler Truck plant Wasserstoff-Lkw mit 1000 Kilometern Reichweite

WÖRTH AM RHEIN: Daimler Truck plant die Herstellung von Wasserstoff-Lkw mit einer Reichweite von rund 1000 Kilometern. Dabei solle flüssiger Wasserstoff in die Tanks kommen, der eine höhere Energiedichte habe als gasförmiger Wasserstoff und deshalb größere Reichweiten ermögliche. Das teilte der Hersteller am Montag im südpfälzischen Wörth am Rhein mit. Dort hat der Lkw-Bauer ein großes Werk.

Erste Erprobungsfahrzeuge mit Brennstoffzelle sind bereits unterwegs. Testflotten mit Wasserstoff-Lkw sollen Mitte des Jahrzehnts auf den Markt kommen. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts soll der Brennstoffzellen-Lkw dann in Serie gehen, wie der Hersteller berichtete.

Die Lastwagenbranche steht unter dem Druck der EU, verbindliche Klimaschutzziele einzuhalten. Neue Modelle sollen bis 2025 im Durchschnitt 15 Prozent und bis 2030 mindestens 30 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen. Der Bezugszeitraum dafür sind die Jahre 2019/20. Falls die Vorgaben nicht eingehalten werden, drohen hohe Strafen.

Beim Übergang vom Verbrennermotor zu neuen Antrieben setzt Daimler Truck auf Batterie und Brennstoffzelle. Ende des Jahrzehnts sollen emissionsfreie Nutzfahrzeuge bis zu 60 Prozent der Verkäufe ausmachen. Der Hersteller zählt sich zu den weltweit führenden Branchenunternehmen und beschäftigt mehr als 100.000 Menschen.


G7-Chefs beraten mit Partnerländern

ELMAU: Beim G7-Gipfel hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Montagmittag die Staats- und Regierungschefs mehrerer Partnerländer auf Schloss Elmau in Bayern empfangen. Geladen waren Indien, Indonesien, Südafrika, Senegal und Argentinien. In der größeren Runde sollten unter anderem die Klimakrise sowie die Themen Energiesicherheit und Gesundheit diskutiert werden. Später am Tag sollte auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres zugeschaltet werden, etwa zu Beratungen über die drohende Hungerkrise.

Der Gipfel der sieben wichtigen demokratischen Industriestaaten hatte am Sonntagmittag begonnen und dauert noch bis Dienstag. Zur G7 gehören neben Deutschland und den USA auch Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Zudem nehmen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel am Gipfel teil.


Starke Regenfälle sorgen für Überschwemmungen

ISTANBUL: In der türkischen Schwarzmeerregion hat andauernder Regen an vielen Orten für Überschwemmungen gesorgt. Auf Fernsehbildern des Staatssenders TRT waren am Montag Bilder von überfluteten Straßen, Flüssen, die über die Ufer traten, und unter Wasser stehenden Wohnungen zu sehen.

Der türkische Wetterdienst sprach die höchste Warnstufe für sechs Provinzen an der Schwarzmeerküste aus. Auch die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad warnte in den Provinzen Kastamonu, Karabük, Zonguldak, Bartin und Sinop vor Fluten. Afad zufolge sind mehr als 2500 Menschen in der Region im Einsatz. Risikogebiete seien evakuiert worden.

Der Klimawissenschaftler Barbaros Gönencgil sagte TRT, die Überschwemmungen seien auch Resultat von Temperaturerhöhung des Schwarzen Meeres, wodurch mehr Regen auf die stellenweise dicht besiedelte und bergige Küstenregion niedergehe.

In Folge von Überschwemmungen in der Region im vergangenen Jahr waren rund 80 Menschen gestorben.


Nato-Gipfel: Spaniens Königin Letizia empfängt First Lady Jill Biden

MADRID: Spaniens Königin Letizia hat am Montag US-First Lady Jill Biden im Königspalast Zarzuela bei Madrid empfangen. Das teilte das Königshaus mit. Im Fernsehen war zu sehen, wie die Auto-Karawane Bidens mit rund 30 Fahrzeugen bei dem relativ kleinen Schloss vor den Toren Madrids vorfuhr. Die Frau von US-Präsident Joe Biden war am Vorabend in Madrid eingetroffen, zwei Tage vor ihrem Mann. Der US-Präsident war noch beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern und wird am Dienstag in der spanischen Hauptstadt erwartet. Dort findet am Mittwoch und Donnerstag der Nato-Gipfel statt.

Letizia und Jill Biden wollten anschließend die Zentrale der spanischen Krebsgesellschaft AECC in Madrid besuchen. Die nichtstaatliche Asociación Española contra el Cáncer (Spanische Gesellschaft gegen den Krebs) ist im ganzen Land tätig, wirbt für eine gesunde Lebensführung, hilft und begleitet Krebspatienten und unterstützt die Krebsforschung. Auch Biden engagiert sich in den USA für den Kampf gegen den Krebs und ist Gründerin der Brustkrebsstiftung Biden Breast Health.

Für den Nachmittag war ein Treffen Bidens mit Begoña Gómez, der Frau von Ministerpräsident Pedro Sánchez, in der Moncloa, dem Amtssitz der Regierung, vorgesehen.


Gericht entscheidet über U-Haft für mutmaßlichen Oslo-Täter

OSLO: Nach den tödlichen Schüssen rund um eine Schwulen-Bar in Oslo entscheidet die norwegische Justiz, ob der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft genommen wird. Der Beschluss des zuständigen Amtsgerichts wird nach Gerichtsangaben am späten Montagnachmittag erwartet. In der Nacht zum Samstag hatte ein Angreifer rund um die Bar «London Pub» Schüsse abgefeuert. Dabei wurden zwei Menschen getötet und mehr als 20 verletzt. Die Polizei gab am Montag die Namen der Todesopfer bekannt - zwei Männer der Jahrgänge 1962 und 1968.

Als Reaktion auf den möglicherweise islamistisch motivierten Terroranschlag ist am Abend eine große Solidaritätskundgebung auf dem Osloer Rathausplatz geplant. Dabei sollen Flaggen und Schriftbänder gezeigt werden, die ursprünglich für eine «Pride-Parade» am Samstag geplant waren. Die Parade im Zeichen von Vielfalt, Freiheit und sexueller Selbstbestimmtheit wurde wegen der Schreckenstat abgesagt.

Der norwegische Geheimdienst PST stuft die Attacke als islamistischen Terroranschlag ein. Ein 43 Jahre alter Norweger mit iranischen Wurzeln wurde wenige Minuten nach den ersten Schüssen festgenommen. Das Motiv war am Montag weiter unbekannt. Eine von mehreren Theorien der Polizei ist, dass es sich um ein Hassverbrechen gegen Homosexuelle gehandelt haben könnte.


Hunderte Geflüchtete in der Ägäis gestoppt

ATHEN: Die griechische Küstenwache hat nach eigenen Angaben binnen drei Tagen 24 Boote mit rund 1130 Migranten an der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland und damit in die EU gehindert. Der für die Küstenwache zuständige griechische Handelsschifffahrtsminister Ioannis Plakiotakis machte die Türkei für den Anstieg verantwortlich. Die dortigen Behörden «schauen weg, wenn Schleuser verzweifelte Menschen in die EU schicken», sagte er dem Radiosender Real FM am Montag.

Kritik von Hilfsorganisationen, Griechenland betreibe mit seiner Grenzpolitik illegale Zurückdrängungen (Pushbacks), wies Plakiotakis zurück. «Wir untersuchen jeden solchen Vorwurf. Bislang haben wir nichts Derartiges festgestellt.»


Demonstranten starten Fahrrad- und Wandertouren im Alpenidyll

GARMISCH-PARTENKIRCHEN: Mehrere Gruppen von Demonstranten sind zum G7-Gipfel zu verschiedenen Fahrrad- und Wandertouren rund um Garmisch-Partenkirchen aufgebrochen. Begleitet wurden die wenigen Aktivisten bei prallem Sonnenschein von einem großen Polizeiaufgebot.

So starteten am Montag nach dpa-Schätzung rund 100 Demonstranten in Garmisch-Partenkirchen zusammen mit mehreren Polizeiwagen und Dutzenden Polizisten zu Fuß oder auf dem Rad. Für den mehrere Stunden langen «Sternmarsch» gibt es strikte Auflagen, die Wege dürfen nicht verlassen werden, Hunde müssen angeleint sein. Auch Pyrotechnik ist verboten, «wir wollen auch keinen Waldbrand verursachen», sagte Organisator Franz Haslbeck.

Zugleich gibt es weitere Touren von Aktivisten - jedoch darf nur eine Gruppe in Sichtweite von Schloss Elmau, wo die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten demokratischen Industrienationen bis Mittwoch tagen. 50 Menschen werden mit dem Bus zu einer Versammlungsfläche in der Gegend gefahren. Die Veranstalter kritisieren, dass sie nicht wie ursprünglich anvisiert nahe genug am Schloss demonstrieren können.

Die Berge rund um die Zugspitze zeigten sich von ihrer schönsten Seite. Wegen der Hitze rief die Polizei die Menschen auf, sich mit Wasser und Sonnenschutz auszurüsten. Für den ein oder anderen Beamten gab es ein Eis. Für den Nachmittag waren in den Alpen Gewitter inklusive Hagel angekündigt.


Autofahrer will Polizisten mit 200 Euro bestechen

WANG: Ein Autofahrer aus Österreich hat Polizisten bei einer Kontrolle in Oberbayern 200 Euro angeboten, damit die Beweise seiner Verkehrsverstöße gelöscht werden.

Der Mann gab an, das Geld auf den Sitz zu legen, wenn im Gegenzug die ihn belastenden Videoaufzeichnungen vernichtet würden, teilte die deutsche Polizei am Montag mit.

Der 40-jährige Österreicher hatte sich demnach auf der Autobahn 92 im Bereich einer Baustelle in der Nähe von Wang mehrfach nicht an das Überholverbot gehalten und war außerdem deutlich zu schnell unterwegs. Bei der anschließenden Kontrolle zeigten die Polizisten dem Mann seine Verstöße auf Video.

«Die Beamten gingen natürlich nicht auf das Geldangebot ein», betonte ein Polizeisprecher. Neben einem Bußgeld in Höhe von 400 Euro und einem Fahrverbot müsse der Autofahrer nun wegen der Bestechung zusätzlich mit einer Anzeige rechnen, hieß es.


Sechs Menschen nach G7-Demo in Schlossnähe festgenommen

ELMAU: Nach einer kleinen Demonstration von G7-Kritikern in der Nähe von Schloss Elmau sind sechs Menschen vorläufig festgenommen worden. Sie sollen sich am Montag auf die Zufahrtsstraße zum Tagungshotel der sieben führenden Wirtschaftsmächte gesetzt haben - statt, wie von der Polizei gefordert, zurück in Busse zu steigen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin laufen gegen die sechs Demonstranten Ermittlungen wegen des Verdachts der Nötigung oder der versuchten Nötigung.

Zuvor hatten drei Busse 50 Aktivisten und rund zwei Dutzend Journalisten an den Sperrzaun rund 500 Meter vom Schloss entfernt gefahren, in dem Bundeskanzler Olaf Scholz und die übrigen G7-Gäste tagen. Dort folgte die Kundgebung unter anderem mit Redebeiträgen.

Das Bündnis «Stop G7 Elmau» kritisierte in den vergangenen Tagen mehrfach die Entscheidung der Behörden, die Aktivisten nicht näher an Schloss Elmau heranzulassen und ausschließlich mit Bussen zu transportieren. Sie klagten sich durch die Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht - das am Montag die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshof bestätigte, die Demonstranten nicht 200 Meter näher ans Tagungshotel heranzulassen.


Prominente Regierungskritikerin bittet Lukaschenko um Begnadigung

MINSK: In Belarus hat eine prominente Regierungskritikerin Machthaber Alexander Lukaschenko nach einem Jahr Haft um Begnadigung gebeten. Die gebürtige Russin Sofia Sapega war im Mai vergangenen Jahres bei der erzwungenen Landung einer europäischen Passagiermaschine in Minsk festgenommen worden. In dem Gnadengesuch schrieb sie nach einem Bericht des russischsprachigen Dienstes der BBC vom Montag, ihre oppositionelle Tätigkeit sei «Jugend und Dummheit» geschuldet gewesen. Inzwischen habe sie «Rechtswidrigkeit und Illegitimität vollständig eingesehen». Unklar blieb, unter welchen Bedingungen das Schreiben in der Haft zustande kam.

Sapega war im Mai von der Justiz des autoritär regierten Landes zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie im Messengerdienst Telegram einen oppositionellen Kanal betrieb. Ihre Festnahme - zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten Roman Protassewitsch - hatte international Aufsehen erregt. Die beiden waren in einer Maschine der Fluggesellschaft Ryanair zu einem innereuropäischen Flug unterwegs, die über belarussischem Gebiet zur Landung genötigt wurde. Die EU verhängte deshalb eine Luftraumsperre gegen Belarus.

Aus der Haft hatte zuvor schon Protassewitsch, ehemaliger Chefredakteur des oppositionellen Telegram-Kanals Nexta, seine Kritik an Dauer-Machthaber Lukaschenko widerrufen und sich entschuldigt. Beobachter führen den vermeintlichen Sinneswandel auf massiven Druck der Behörden zurück. Lukaschenko hatte sich im Sommer 2020 zum sechsten Mal zum Präsidenten wählen lassen, was zu landesweiten Protesten führte. Die Wahl wird wegen mutmaßlicher Manipulationen international nicht anerkannt.


Greenpeace projiziert Forderung an G7 auf Bergwand

GRAINAU: Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben am Rande des G7-Gipfels eine Botschaft auf den Waxenstein im Wettersteingebirge projiziert. Mit bloßem Auge war der Schriftzug «G7: End Fossil Fuels now! Greenpeace» (etwa: «Fossile Brennstoffe jetzt beenden!») am frühen Montagmorgen kaum zu erkennen - Fotografen fingen die Aktion aber mit Kameras ein. Die Aktivisten hatten den Schriftzug mit einem großen Projektor von einem Wohnmobil aus in Grainau bei Garmisch-Partenkirchen auf die Berge gestrahlt.

Greenpeace-Aktivisten hatten schon am Samstag kurz vor dem Beginn des G7-Gipfels ein 60 Meter großes Peace-Zeichen aus brennenden Kerzen in einer Felswand bei Garmisch-Partenkirchen platziert. Dies sei ein Appell an die Staats- und Regierungschefs, den Ausstieg aus fossiler Energie zu beschleunigen, um den Klimaschutz entscheidend voranzubringen und eine friedlichere Welt zu ermöglichen, sagte eine Greenpeace-Sprecherin danach.


Ex-Fußballprofi neuer Bürgermeister in Verona

VERONA: Die norditalienische Stadt Verona wird künftig von einem ehemaligen Fußballprofi regiert. Der Mitte-Links-Kandidat Damiano Tommasi gewann am Sonntag die Stichwahl um das Bürgermeisteramt, wie aus dem in der Nacht zum Montag veröffentlichten Ergebnis hervorgeht. Der ehemalige Spieler des Erstligavereins AS Rom setzte sich mit 53 Prozent gegen einen rechten Kandidaten durch. Damit wird die Stadt südlich des Gardasees nach 15 Jahren Mitte-Rechts-Regierung nun von einem Sozialdemokraten gelenkt.

Auch im Catanzaro im Süden sowie in Parma und Monza im Norden entschieden Mitte-Links-Kandidaten die Kommunalwahl in der zweiten Runde für sich. Gewählt wurde nicht landesweit, sondern nur in einem Teil der Kommunen. Als klarer Verlierer gilt die populistische Fünf-Sterne-Bewegung, die nach dem Austritt von Außenminister Luigi Di Maio vergangene Woche noch tiefer in der Krise steckt.


Eine Tote bei Hausexplosion in Birmingham - fünf Verletzte

BIRMINGHAM: Ein Haus im mittelenglischen Birmingham ist durch eine Explosion zerstört worden. In den Trümmern wurde eine Frau tot gefunden, wie die Feuerwehr in der mittelenglischen Großstadt am Montagmorgen mitteilte. Ein Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Ersthelfer und Anwohner retteten ihn trotz der gefährlichen Situation aus dem zerstörten Gebäude.

Ursache für das Unglück am Sonntagabend war vermutlich eine Gasexplosion. Vier weitere Männer wurden dabei leicht verletzt. Ein Nachbarhaus wurde weitestgehend zerstört, zudem erlitten weitere Gebäude sowie Fahrzeuge Schäden. Mehrere Häuser wurden evakuiert. Etliche Feuerwehreinheiten, Rettungssanitäter, ein Trauma-Spezialist sowie ein Suchhund und dessen Führer waren vor Ort im Einsatz.


Rätsel um 21 Tote in Kneipe : Polizei sucht nach Ursache

KAPSTADT: Als Reaktion auf einen unerklärten Vorfall mit mindestens 21 toten Jugendlichen in einer südafrikanischen Kneipe hat die Polizei den Einsatz «maximaler Ressourcen» angeordnet. Vier weitere Minderjährige befänden sich in kritischem Zustand, teilte die Polizei am Montag mit.

Die Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren waren am frühen Sonntagmorgen leblos in einer kleinen Taverne in der Stadt East London aufgefunden worden. Die Todesursache blieb am Montag weiter ein Rätsel; eine forensische Untersuchung sei eingeleitet worden, hieß es. Berichten von Einsatzkräften zufolge wurden die Leichen in sich zusammengesunken auf Stühlen, Sofas und der Tanzfläche aufgefunden und zeigten keine sichtbaren Wunden. Zunächst hatte die Polizei eine Massenpanik als Hintergrund vermutet. Dies sei mittlerweile als Todesursache ausgeschlossen worden.

Präsident Cyril Ramaphosa bezeichnete den Vorfall als «Tradgödie». Die Jugendlichen hatten laut Medienberichten einen Geburtstag und den Beginn der Ferien gefeiert. Am Sonntag hatte die Polizei zunächst von mindestens 22 Toten gesprochen.


Urlauber auf Lesbos finden ertrunkene Migranten am Strand

ATHEN: Badende Urlauber haben an einem Strand der griechischen Insel Lesbos zwei Leichen entdeckt. Bei den beiden Männern handele es sich um Migranten, berichteten griechische Medien am Montag. Auch die Küstenwache bestätigte den Vorfall, der sich bereits am Sonntag ereignete. Die beiden Männer kamen vermutlich ums Leben, als sie versuchten, die Meerenge zwischen der türkischen Westküste und Lesbos zu überqueren. Die Leichen sollen gerichtsmedizinisch untersucht werden, um festzustellen, wann die Menschen ums Leben kamen.

In den vergangenen Wochen haben die Behörden einen Anstieg von Migranten registriert, die versuchten, von der Türkei nach Griechenland überzusetzen oder durch griechische Gewässer direkt nach Italien zu gelangen. Seit dem Schiffbruch eines Segelbootes mit mehr als 100 Menschen an Bord in der vergangenen Woche werden acht Menschen vermisst.

Die griechische Küstenwache versucht, die Überfahrten zu verhindern. Hilfsorganisationen kritisieren, es handele sich dabei um illegale Zurückdrängung (Pushbacks), was Athen zurückweist. Die Regierung fordert stattdessen von Ankara, die Abreise der Menschen zu stoppen, so wie es der Flüchtlingspakt zwischen der Türkei und der EU aus dem Jahr 2016 vorsieht. Die Türkei gilt demnach als sicheres Drittland.


Iran meldet Raketentest für Forschungssatelliten

TEHERAN: Der Iran hat kurz vor der geplanten Wiederaufnahme der Verhandlungen über sein Atomprogramm nach eigenen Angaben eine Trägerrakete für einen Forschungssatelliten getestet. Dies berichteten iranische Zeitungen am Montag unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Unklar blieb, wann und wo die «Soldschanah»-Rakete gestartet wurde. Der US-Satellitenfotodienst Maxar hatte kürzlich Bilder veröffentlicht, die Vorbereitungen auf dem Weltraumbahnhof Imam Chomeini in der Provinz Semnan zeigten.

Nach iranischen Angaben sollen die Satelliten Daten zu Wetter, Naturkatastrophen und Landwirtschaft liefern - und keine militärischen Ziele verfolgen. Daher stehe ihr Einsatz im Einklang mit internationalen Vorschriften. Die USA und Israel fürchten hingegen, dass die islamische Republik die Raumfahrttechnik fürs Militär verwendet. Am Wochenende war vereinbart worden, dass nach längerem Stillstand die internationalen Atomverhandlungen mit dem Iran weitergehen sollen. Der genauen Termin ist noch nicht bekannt.


Rechtsanwälte in England streiken für Lohn und Reformen

LONDON: Mit einem großangelegten Streik demonstrieren Rechtsanwälte in England und Wales für Reformen des Justizsystems sowie höhere Löhne. Während des Ausstands, der am Montag begann, wollen die sogenannten Barrister weder neue Fälle annehmen noch Mandanten von überlasteten Kolleginnen und Kollegen übernehmen. Der britische Justizminister Dominic Raab kritisierte, der Streik werde lediglich dazu führen, dass Opfer keine Gerechtigkeit fänden. «Ich ermutige sie, der vorgeschlagenen Gehaltserhöhung von 15 Prozent zuzustimmen, wodurch ein normaler Barrister etwa 7000 Pfund (8130 Euro) mehr pro Jahr verdienen würde», sagte Raab.

Der Berufsverband The Criminal Bar Association (CBA) betonte hingegen, die Lohnerhöhung gelte nicht für den gewaltigen Rückstau von - Stand Ende April - 58.271 Fällen und werde noch Jahre auf sich warten lassen. CBA-Chef Jo Sidhu sagte, die Barrister hätten seit 2006 einen Reallohnverlust von 28 Prozent erlitten, das mittlere Jahreseinkommen von Berufsanfängern liege unter dem Mindestlohn und viele von ihnen hätten den Job schnell wieder aufgegeben. «Unsere Richter mussten voriges Jahr 567 Prozesse in letzter Minute verschieben, weil es einfach keinen Ankläger oder Verteidiger gab», sagte Sidhu. Zahlreiche Menschen warteten wegen des Personalmangels jahrelang auf Gerechtigkeit.

Barrister sind im britischen Rechtssystem Anwälte oder Ankläger, die Fälle vor Gericht verhandeln. Zusätzlich gibt es noch die sogenannten Solicitors, die ihre Mandanten nur außerhalb des Gerichts beraten.

Der Streik soll an diesem Dienstag fortgesetzt werden und dann in jeder Woche einen Tag länger dauern. Vom 18. bis 22. Juli wollen die Barrister eine ganze Woche lang die Arbeit niederlegen. Deshalb werden mehrere Verfahren vertagt werden müssen.


Zug kollidiert mit Rangierlok - ein Toter

BOHUMIN: Im tschechischen Grenzbahnhof Bohumin ist es zu einem tödlichen Zugunfall gekommen.

Ein in Richtung Prag ausfahrender Pendolino-Schnellzug kollidierte am frühen Montagmorgen mit einer Rangierlokomotive und entgleiste. Der Lokführer des Pendolinos kam nach Angaben der Feuerwehr bei dem Zusammenprall ums Leben. Vier Rangierarbeiter und eine Zugbegleiterin wurden verletzt. Fahrgäste kamen nicht zu Schaden. Noch ist unklar, wie es zu dem Unglück kam. Bohumin ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt Tschechiens an der Grenze zu Polen. Die Kleinstadt liegt knapp 300 Kilometer östlich von Prag.


Erdogan berät am Dienstag mit Schweden und Finnland zu Nato-Beitritt

ISTANBUL: Im Streit um eine Aufnahme Schwedens und Finnlands in die Nato will sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö und der schwedischen Regierungschefin Magdalena Andersson treffen. Das Gespräch soll in Madrid stattfinden, wo am Mittwoch ein Gipfel der Militärallianz beginnt. Dies teilte Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin am Sonntagabend im Sender «Habertürk» mit.

Nach Angaben des finnischen Präsidialamts wird auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei dem Treffen dabei sein. Schon am Montag seien in Brüssel vorbereitende Gespräche mit Beteiligung der drei Länder geplant.

Schweden und Finnland haben Mitte Mai die Aufnahme in die Nato beantragt. Die Türkei blockiert bislang einen Beitritt. Begründet wird dies mit einer angeblichen Unterstützung der beiden nordischen Länder für «Terrororganisationen» wie der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der syrischen Kurdenmiliz YPG. Schweden und Finnland weisen das zurück.


Tribünen in kolumbianischer Stierkampfarena eingestürzt - vier Tote

EL ESPINAL: Beim Einsturz eines Teils der Tribünen einer Stierkampfarena in Kolumbien sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 60 Personen seien verletzt worden, sagte der Gouverneur des Departments Tolima, Ricardo Orozco, dem Sender Blu Radio. Unter den Toten war ein drei Jahre altes Kind, wie die Chefin des staatlichen Instituts für Familienfürsorge, Lina María Arbeláez, auf Twitter mitteilte.

Auf Videos, die in sozialen Medien verbreitet wurden, war zu sehen, wie am Sonntag auf einer Seite der Arena der Stadt El Espinal, gut 150 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bogotá, die mit Menschen gefüllten Holztribünen einstürzten. Die Ursache war zunächst unklar.

In der Arena fand eine «Corraleja» genannte Stierkampfveranstaltung zum Peter- und Paul-Fest statt. Hunderte Menschen waren im Publikum. Nach einem Bericht der Zeitung «El Tiempo» verbreitete nach dem Vorfall ein Stier Panik in den Straßen der Stadt.

Staatspräsident Iván Duque kündigte auf Twitter Ermittlungen an. Sein gewählter Nachfolger Gustavo Petro schrieb, er bitte die Lokalverwaltungen des Landes, keine Veranstaltungen mehr zu genehmigen, bei denen Menschen oder Tiere getötet würden. Er erinnerte zudem an eine ähnliche Tragödie: Im Jahr 1980 war in der Stierkampfarena in Sincelejo, der größten Kolumbiens, eine überfüllte Tribüne eingestürzt. Mindestens 300 Menschen starben.

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