Neues aus dem Ausland am Mittwoch

Neues aus dem Ausland am Mittwoch

Polizisten und Sanitäter wegen brutaler Festnahme angeklagt

WASHINGTON/DENVER: Zwei Polizisten, ein Ex-Polizist und zwei Sanitäter im US-Bundesstaat Colorado sind wegen einer brutalen Festnahmeaktion angeklagt worden, bei der 2019 ein Afroamerikaner ums Leben gekommen war. Colorados Generalstaatsanwalt Phil Weiser teilte am Mittwoch mit, allen fünf werde unter anderem fahrlässige Tötung zur Last gelegt. Einer der Polizisten, der damals an der Festnahme beteiligt war, wurde später aus dem Dienst entlassen.

Es geht um den Fall eines jungen Schwarzen, Elijah McClain, aus dem August 2019. Ein Passant hatte die Polizei damals auf den 23-Jährigen aufmerksam gemacht, weil sich dieser «verdächtig» verhalten und eine Skimaske getragen habe. Nach Darstellung der Polizei wehrte sich McClain gegen seine Festnahme. Die Beamten wendeten einen Würgegriff an. Hinzugerufene Sanitäter verabreichten McClain ein Beruhigungsmittel. Der Mann erlitt auf dem Weg ins Krankenhaus einen Herzstillstand und starb wenige Tage später.

Der Fall McClain war im Zuge der landesweiten Proteste gegen Rassismus im Sommer 2020 wie andere vergangene Fälle von Polizeigewalt wieder in die Öffentlichkeit gerückt.


Mehr als 70 Schulkinder im Nordwesten Nigerias entführt

LAGOS: Im westafrikanischen Nigeria sind 73 Schulkinder von bewaffneten Männern entführt worden. Die Schüler seien aus einer staatlichen Sekundarschule im nordwestlichen Bundesstaat Zamfara verschleppt worden, bestätigte ein Polizeisprecher, Muhammad Shehu, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochabend. Die Identität und das Motiv der Täter waren zunächst unklar. Als Reaktion auf die Entführung hat die Regierung des Bundesstaates alle Grund- und Sekundarschulen schließen lassen und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Größere Kindesentführungen im Zusammenhang mit Überfällen auf Schulen kommen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas häufig vor. Dahinter stecken sowohl islamistische Terroristengruppen wie Boko Haram als auch kriminelle Banden, die Lösegeld erpressen wollen. Seit Anfang des Jahres haben die Verschleppungen drastisch zugenommen. Behörden schätzen, dass seit Dezember 2020 rund 1000 Kinder entführt wurden. Viele der Jungen und Mädchen bleiben spurlos verschwunden. Der spektakulärste Fall ereignete sich 2014, als die islamistische Terrormiliz Boko Haram 276 Schülerinnen entführte.


DR Kongo: Terrormiliz soll 20 Menschen verschleppt haben

GOMA: Im Osten der Demokratischen Republik Kongo sollen mutmaßliche Kämpfer der islamistischen Miliz ADF 20 Menschen verschleppt haben. Bei einem Überfall von ADF Rebellen auf eine Fahrzeugkolonne von Händlern wurden am Mittwoch in der Provinz Ituri nach Angaben eines Militärsprechers zunächst 80 Menschen entführt. Das Militär habe später gemeinsam mit Sicherheitskräften der UN-Friedensmission Monusco 60 Personen befreien können, sagte Lieutenant Jules Ngongo am späten Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur. Das Militär befinde sich auf der Suche nach den Vermissten, sagte Ngongo.

Die US-Regierung hat die ADF als Ableger der Miliz Islamischer Staat (IS) als globale Terrororganisation eingestuft. Die Rebellen verüben regelmäßig Anschläge in den östlichen Provinzen Nord-Kivu und Ituri und sollen laut den Vereinten Nationen unter der Führung von Seka Musa Baluku im Vorjahr bei Angriffen 850 Zivilisten getötet haben. Im Mai hatte deshalb die Regierung in den beiden Provinzen den sogenannten Belagerungszustand ausgerufen und eine Militärverwaltung eingesetzt. Im Osten Kongos sind mehrere Milizen aktiv, denen es meist um die Kontrolle wertvoller Bodenschätze wie Kupfer, Kobalt, Gold und Diamanten geht.


Rumäniens Justizminister entlassen - Regierungskoalition wackelt

BUKAREST: Rumäniens Ministerpräsident Florin Citu hat am Mittwochabend seinen Justizminister Stelian Ion entlassen. Der Regierungschef äußerte sich unzufrieden damit, dass Ion Projekte der Regierung blockiert habe, wie er live vor TV-Kameras erklärte. Zuvor hatten Medien berichtet, dass Ions Partei USR-Plus mit Citus Plänen zur Subventionsverteilung an kommunale Entwicklungsprojekte nicht einverstanden sei und gedroht habe, die Koalition zu verlassen. Ion habe die für diese Projekte notwendigen Unterschriften verweigert.

Die öko-liberale USR-Plus ist der kleinere Koalitionspartner von Citus bürgerlicher Partei PNL. Zusammen mit der Ungarn-Partei UDMR bilden sie eine Koalition, die seit Ende vergangenen Jahres regiert.

Citu betonte, dass er niemals «in Rumäniens Regierung Minister akzeptieren» werde, «die sich der Modernisierung Rumäniens entgegenstellen» und die Regierung «erpressen». Er hoffe, dass USR-Plus in der Koalition bleibe.

Ion und seine Partei werden seit langem im Zusammenhang mit Justizreformen kritisiert. Ion wollte Veränderungen des Justizwesens rückgängig machen, die von der sozialdemokratischen Vorgängerregierung eingeführt worden waren und auch von der EU beanstandet wurden. Die Sozialdemokraten hatten nach Meinung von Kritikern korrupte Politiker vor Strafverfolgung schützen wollen. Ions Reformpläne waren aber nach Meinung von Citus PNL und der Ungarn-Partei UDMR zu radikal. Deswegen konnte sich die Koalition hierzu nicht einigen.


Laschet sieht sich ausreichend von Merkel unterstützt

BERLIN: CDU-Chef Armin Laschet sieht sich als Kanzlerkandidat der Union ausreichend von Amtsinhaberin Angela Merkel unterstützt - auch wenn sie noch nicht direkt zu seiner Wahl aufgerufen hat. Er empfinde es nicht so, dass sich Merkel mit Unterstützung zurückhalte, sagte Laschet am Mittwoch bei der Vorstellung des Buches «Angela Merkel. Die Kanzlerin und ihre Zeit» des Historikers und Journalisten Ralph Bollmann in Berlin. «Eine Wahlkampfkundgebung muss man schon selbst machen. Ein Kanzleramt ererbt man übrigens nicht. Das muss man sich erkämpfen.»

In der Union gibt es hinter vorgehaltener Hand Kritik, Merkel engagiere sich im Wahlkampf nicht ausreichend für Laschet. Der CDU-Chef sagte auf entsprechende Reporterfragen: «Das ist das wichtigste Amt in Europa. Und das erfordert, dass der, der es will, es sich selbst erkämpft, und nicht von der Gunst des Vorgängers abhängt.» Er ergänzte: «Ich bin mit ihr da völlig im Reinen. Wir reden sehr viel. Sie unterstützt, wo sie kann.» Es sei aber «nicht so, dass sie auf die Wahlkampfbühnen mit mir zieht und neben mir steht und Wahlempfehlungen abgibt». Dies finde er angemessen und richtig. Es werde weitere Gelegenheiten geben, an denen man werde erkennen können, «wen sie sich als Nachfolger wünscht. Das freut mich, und es reicht aus.»

Die Kanzlerin habe für sie ungewohnt deutlich klar gemacht, dass das, was SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mache, «wenig mit dem zu tun hat, was sie gemacht hat», sagte Laschet. Bei einer Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte sich Merkel auf eine Journalistenfrage mit deutlichen Worten von Scholz distanziert und kritisiert, dass er eine Koalition mit der Linkspartei nicht ausschließt. Laschet sagte nun, es sei Merkel scheinbar ein Bedürfnis gewesen, «das mal im Klartext zu sagen». Die SPD und Scholz hätten Merkel das Leben in den vergangenen Jahren ja nicht leicht gemacht.

Auf die Frage, ob es ihn schmerze, dass Scholz bei den Wählern laut Umfragen gut ankomme, sagte Laschet: «Nein, das schmerzt mich nicht. Der Wähler wird das entscheiden, ob das wirklich so ist.» Die Frage, ob er jemals innere Zweifel gehabt habe, ob er sich das Amt des Bundeskanzlers überhaupt zutraue, beantwortete der nordrhein-westfälische Ministerpräsident mit den Worten: «Zweifel hatte ich nicht. Sonst würde ich nicht mit all meiner Kraft dieses Amt anstreben.» Er habe viele, viele Male mit Merkel gesprochen. Ihm sei aus diesen Gesprächen «die Last des Amtes sehr bewusst».


USA: Bei Attacke in Kabul mehr als 100 Afghanen getötet oder verletzt

WASHINGTON: Bei dem Anschlag am Kabuler Flughafen Ende vergangener Woche sind nach Angaben des US-Militärs «mehr als 100 Afghanen getötet oder verwundet» worden. Das sagte US-Generalstabschef Mark Milley am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Pentagon. Milley erinnerte außerdem an die 13 getöteten und 22 verwundeten US-Soldaten und Soldatinnen. «13 unserer Besten bezahlten den höchsten Preis», sagte Verteidigungsminister Lloyd Austin.

Bei dem Anschlag am vergangenen Donnerstag hatte sich nach US-Angaben ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an einem Tor des Flughafens der afghanischen Hauptstadt in die Luft gesprengt und zahlreiche Menschen mit in den Tod gerissen. Außerdem eröffneten mehrere Schützen das Feuer. Das US-Militär hatte zunächst mit einem Drohnenangriff in der Provinz Nangarhar reagiert und nach eigenen Angaben zwei ranghohe Vertreter des IS-Ablegers Isis-K getötet.


Irans Präsident Raisi ernennt Akademikerin zur Vizepräsidentin

TEHERAN: Der iranische Präsident Ebrahim Raisi hat die Akademikerin Ansieh Chasali zur Vizepräsidentin ernannt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna vom Mittwoch ist sie die neue Frauen- und Familienbeauftragte im Präsidialamt. Der iranische Präsident hat über zehn Vizepräsidenten, unter anderem den ersten Vize und den Chef der Atomorganisation. Die 58-jährige Chasali ist das erste weibliche Mitglied der Regierung des neuen Präsidenten. Die Vizepräsidenten brauchen im Gegensatz zu den Ministern keine parlamentarische Bestätigung.

Chasali ist die Tochter des Klerikers Abolghassem Chasali und gilt als erzkonservativ. Sie hat einen Doktortitel in arabischer Sprache und Literatur, war Dozentin in mehreren Hochschulen und auch Dekanin an der Frauenuniversität Al-Sahra in Teheran.

Chasali ist mehr als Autorin diverser islamischer Bücher sowie religiöse Rechercheurin bekannt und weniger als Politikerin. Nach Ansicht von Beobachtern wird es die neue Frauenbeauftragte wegen ihrer erzkonservativen Ansichten schwer haben, für die Rechte iranischer Frauen, vor allem die der jungen Generation, einzutreten.

Im Iran haben die Frauen wegen der islamischen Gesetze nicht die gleichen Rechte wie die Männer. Zwar wurden in den vergangenen Jahren viele Gesetze zugunsten der Frauen revidiert, dennoch werden sie in diversen rechtlichen Angelegenheiten wie Scheidung, Sorgerecht der Kinder und Erbangelegenheiten immer noch stark diskriminiert. Außerdem müssen sie seit der islamischen Revolution von 1979 Kopftuch und lange Mäntel tragen, um so ihre Haare und Körperkonturen zu verbergen. Dieses Verbot wird jedoch inzwischen von vielen iranischen Frauen, insbesondere in Großstädten, immer wieder ignoriert.


UN: Nahrung für Afghanistan wird Ende September knapp

KABUL/NEW YORK: Die Vereinten Nationen warnen vor dem Versiegen von Nahrungsmittelhilfen für Millionen notleidende Afghanen. «Bis Ende September werden die Vorräte, die das Welternährungsprogramm im Land hat, aufgebraucht sein», sagte der stellvertretende UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Ramiz Alakbarov, am Mittwoch. Er betonte, dass die humanitäre Hilfe nicht mit den nötigen finanziellen Mitteln der Mitgliedsstaaten ausgestattet ist - es würden akut mindestens 200 Millionen US-Dollar benötigt.

Die Vereinten Nationen versuchen, im gesamten Land etwa 18 Millionen Notleidende mit Hilfsgütern zu versorgen - momentan könnten aber nur etwa neun Millionen Menschen erreicht werden. Alakbarov berichtete, dass auch nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban Hilfslieferungen nach Afghanistan möglich seien. «Wir waren in der Lage, über Grenzübergange von Pakistan aus 600 Tonnen Nahrung mit Trucks zu liefern», sagte er. Auch Lieferungen auf dem Luftweg nach Masar-i-Scharif seien möglich.


Züchterverband verurteilt Behandlung von Alpaka Geronimo

LONDON: Nach der Einschläferung des Alpakas Geronimo in England hat der Verband der britischen Alpaka-Züchter den Umgang der Behörden mit dem Tier scharf kritisiert. Die Mitarbeiter der Behörde für Tier- und Pflanzengesundheit hätten das Tier «schändlich und abscheulich» behandelt, als sie es beschlagnahmten, schrieb die Chefin der British Alpaca Society, Sue Loach, in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an das Umweltministerium. Sie forderte, die Verantwortlichen zu suspendieren und eine Untersuchung der Vorgänge vom Dienstag einzuleiten.

Mehrere Behörden-Mitarbeiter hatten Geronimo unter Polizeischutz auf dem Hof seiner Besitzerin Helen Macdonald im westenglischen Wickwar eingefangen und in einen Anhänger gezerrt. Loach warf ihnen vor, sie seien dabei völlig unsachgemäß mit dem Tier umgegangen. «Ihr Verhalten war ekelhaft, abstoßend und grausam und missachtete Geronimos Wohlergehen völlig.» Das mangelnde Wissen über den richtigen Umgang mit Alpakas «war erschreckend und völlig unentschuldbar». Geronimo sei unter erheblichem Stress auf den Anhänger gedrängt und dort angebunden worden. «Es ist zudem gut dokumentiert, dass sich Alpakas beim Transport hinsetzen. Geronimo wurde jedoch wie ein Pferd angebunden», kritisierte Loach.

Die Alpaca Society hat nach eigenen Angaben 2000 Mitglieder in Großbritannien und führt die Aufzeichnungen über die landesweit rund 40.000 registrierten Klein-Kamele.

Geronimo war nach langem Streit eingeschläfert worden, nachdem das Tier zwei Mal positiv auf die tödliche und ansteckende Rindertuberkulose getestet worden war. Besitzerin Macdonald hatte bis zum Schluss einen weiteren und - nach ihren Angaben - genaueren Test gefordert. Die Debatte hatte sogar die Familie von Premierminister Boris Johnson erreicht.


Homosexuelle in den Niederlanden können leichter Blut spenden

AMSTERDAM: Homosexuelle Männer in den Niederlanden können ab sofort leichter Blut spenden. Einzige Voraussetzung ist, dass sie seit mindestens zwölf Monaten in einer festen monogamen Beziehung leben, teilte die landesweite Blutbank am Mittwoch mit. Bislang waren Homosexuelle in den Niederlanden nur zur Blutspende zugelassen, wenn sie seit mindestens vier Monaten keinen Sex mehr gehabt hatten. Bereits seit 2015 sei die Blutbank bemüht, die Blutspende für mehr Homosexuelle zu öffnen, sagte Blutbank-Chef Tjark Tjin-A-Tsoi. Nun werde die Risikoeinschätzung angepasst, wovon man sich einige Hundert zusätzliche Blutspender verspreche.

Geplant sei, vom kommenden Jahr an auch Homosexuelle ohne festen Partner als Blutspender zu akzeptieren, hieß es. Zunächst werde geprüft, ob die aktuelle Lockerung funktioniert und in Zukunft sollten Betroffene spezifischer nach Verhaltensweisen gefragt werden, die das Risiko auf per Blut übertragbare Infektionen erhöht. Dies sei gar nicht so einfach, denn die Fragen müssten die Risiken erfassen und den potenziellen Blutspender nicht in Verlegenheit bringen. Wichtig sei, dass auf Blutspenden angewiesene Patienten sich weiter auf deren Sicherheit verlassen könnten.

Wie die niederländische Blutbank erläuterte, beruhte der bisher sehr restriktive Umgang mit homosexuellen Blutspendern auf empirischen Daten die zeigen, dass sie viel häufiger per Blut übertragbare Infektionen haben, als Männer mit ausschließlich heterosexuellen Kontakten. Einschränkungen bei der Blutspende gebe es auch für Menschen, die sich in Malariagebieten oder länger dort aufgehalten haben, wo die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auftritt.

Auch in Deutschland sollen umstrittene Beschränkungen für homosexuelle Männer beim Blutspenden überprüft werden, teilte das Bundesgesundheitsministerium kürzlich mit. Konkret geht es um eine Neubewertung der Vorgabe, dass Männer zwölf Monate nach dem letzten Sexualverkehr mit Männern von Blutspenden zurückgestellt werden. Geprüft werden soll demnach nun, diese Frist auf vier Monate zu verkürzen.


Bahn: Jetzt erst recht keinen Grund mehr für Streik

BERLIN: Die Deutsche Bahn hofft, den Streik im Personenverkehr mit ihrem verbesserten Angebot an die Lokführergewerkschaft noch abzuwenden. «Es gibt jetzt erst recht keinen Grund mehr für einen Streik», sagte Personalvorstand Martin Seiler am Mittwoch. Die Arbeitskampfmaßnahmen müssten gestoppt werden. Die Bahn wolle zentrale Forderungen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erfüllen. Die GDL müsse ihre «Blockadehaltung» aufgeben und an den Verhandlungstisch kommen.

Der Konzern hatte ihr zuvor neues Angebot vorgelegt. Es enthält eine Corona-Prämie von 400 bis zu 600 Euro - je nach Entgeltgruppe - und eine Laufzeit des Tarifvertrags von 36 Monaten. Bislang hatte die Bahn eine Laufzeit von 40 Monaten angeboten und die Höhe der Prämie nicht beziffert. Die GDL hatte eine Laufzeit von 28 Monaten verlangt.

Weiterhin bietet die Bahn 3,2 Prozent mehr Gehalt in zwei Stufen. Beide Seiten sind aber darüber uneins, wann diese Stufen greifen sollen. Die GDL will, dass die erste Tarifstufe von 1,7 Prozent noch im laufenden Jahr gezahlt wird. Die Gewerkschaft äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Angebot.

Sie hatte am Mittwochnachmittag mit dem Streik im Güterverkehr begonnen. Die Gewerkschaft hatte angekündigt, den Arbeitskampf am Donnerstagmorgen um 2.00 Uhr auf den Personenverkehr auszuweiten und ihn am Dienstag, 2.00 Uhr, zu beenden.


Wieder Streit um Gremium zur Kapitol-Attacke im Januar

WASHINGTON: Die heftigen politischen Auseinandersetzungen um den Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Attacke auf das US-Kapitol vom 6. Januar gehen in die nächste Runde. Der republikanische Minderheitsführer im US-Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, hat Kommunikationsunternehmen gedroht, falls sie bestimmte Daten an das Gremium herausgeben würden. «Eine republikanische Mehrheit wird das nicht vergessen», schrieb McCarthy in einer auf Twitter veröffentlichten Mitteilung.

Hintergrund ist, dass der Ausschuss einige Unternehmen aufgefordert hat, Kommunikationsdaten bestimmter Personen aufzubewahren. Der Ausschuss selbst gab keine Namen bekannt, es soll sich aber Berichten nach um die Daten einiger Abgeordneter und Menschen aus dem Umfeld des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump handeln. «Wir haben die Unternehmen gebeten, keine Unterlagen zu vernichten, die dem amerikanischen Volk bei der Beantwortung von Fragen helfen könnten», hieß es von Seiten des Gremiums.

Der Ausschuss soll die Hintergründe des Angriffs auf das Kapitol untersuchen. Anhänger Trumps hatten am 6. Januar den Sitz des US-Kongresses in Washington erstürmt. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Die Einrichtung des Untersuchungsgremiums war bereits Gegenstand heftiger parteipolitischer Auseinandersetzungen.

«Wenn diese Unternehmen der Aufforderung der Demokraten zur Herausgabe privater Daten nachkommen, verstoßen sie gegen Bundesgesetze und müssen damit rechnen, dass sie in den Vereinigten Staaten nicht mehr tätig sein dürfen», schrieb McCarthy. Eine künftige republikanische Mehrheit werde «an der Seite der Amerikaner» stehen und diese Unternehmen zur Rechenschaft ziehen. Derzeit haben im Repräsentantenhaus und im Senat mit sehr knappen Mehrheiten die Demokraten das Sagen. Die Republikaner hoffen aber darauf, bei der Kongresswahl 2022 die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu gewinnen.


Steinmeier fliegt zu Besuch in die Slowakei

BERLIN/BRATISLAVA: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fliegt am Donnerstag zu einem Kurzbesuch in die Slowakei. Er wird in der Hauptstadt Bratislava zunächst von Präsidentin Zuzana Caputova mit militärischen Ehren empfangen (11.15 Uhr). Anschließend werden sich beide Staatsoberhäupter zu einem Gespräch zurückziehen.

Steinmeier und Caputova wollen außerdem am Nachmittag an einer Diskussionsrunde zum Thema «Zukunft der Demokratie und Zusammenhalt der Gesellschaft» der internationalen Denkfabrik GLOBSEC teilnehmen. Außerdem steht eine Diskussion mit Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer auf Steinmeiers Programm. Vor dem Rückflug am Freitag will er sich auch mit Ministerpräsident Eduard Heger treffen.

Steinmeier schätzt den proeuropäischen Kurs von Caputova und ihr Eintreten gegen Korruption in der Slowakei. Beides will er mit seinem Besuch demonstrativ unterstützen. Er will nach Angaben des Bundespräsidialamts zudem das klare Signal aussenden, dass Deutschland der östlichen Nachbar- und Partnerschaft eng verbunden bleibt.

Die Slowakei bildet zusammen mit Polen, Tschechien und Ungarn die Gruppe der vier Visegrad-Staaten, auch V4 genannt. Steinmeier hat in den vergangenen Wochen bereits Polen und Tschechien besucht. Eine Visite in Ungarn mit seinem umstrittenen Ministerpräsidenten Viktor Orban ist laut Bundespräsidialamt aktuell nicht geplant.


Polens Grenzschutz: 3500 versuchte illegale Grenzübertritte im August

WARSCHAU: Polens Grenzschützer haben im August an der Grenze zu Belarus rund 3500 Versuche einer illegalen Einreise registriert. In rund 2500 Fällen sei es gelungen, den Grenzübertritt zu verhindern, teilten die Grenzschützer am Mittwoch mit. Etwa tausend Migranten seien in Gewahrsam genommen worden. Im August 2020 registrierte der Grenzschutz an der 418 Kilometer langen Grenze zwischen beiden Ländern keinen einzigen illegalen Grenzübertritt.

Die Regierung in Warschau beschuldigt den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Lukaschenko hatte Ende Mai angekündigt, dass Minsk Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU hindern werde - als Reaktion auf verschärfte westliche Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik.

Seit mehr als drei Wochen sitzt in der Nähe des Grenzorts Usnarz Gorny eine Gruppe von Migranten aus Afghanistan fest, die Polen nicht ins Land lässt. Die Hilfsorganisation «Ocalenie» (Rettung) spricht von 32 Menschen, deren Versorgungs- und Gesundheitszustand sich zunehmend verschlechtere.

Nach Angaben des polnischen Grenzschutzes handelt es sich dagegen um 24 bis 30 Personen, unter denen es eine «Rotation» gäbe. «Heute sind zwei neue Personen dabei», schrieben die Grenzschützer am Mittwoch auf Twitter. «Die belarussischen Sicherheitskräfte bringen ihnen regelmäßig Essen, Getränke, warme Mahlzeiten, Feuerholz und sogar Zigaretten und Süßigkeiten.» Dazu postete der Grenzschutz Bilder von Männern vor zwei Zelten, die Getränke in der Hand halten. Die Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen, da Polen das Gebiet großräumig abgesperrt hat und weder Medienvertreter noch Helfer zu der Gruppe vorlässt.


US-Verteidigungsminister will Abzug aus Afghanistan evaluieren

WASHINGTON: US-Verteidigungsminister Lloyd Austin will die Abläufe beim Truppenabzug aus Afghanistan evaluieren - aber ohne Eile. «Keine Operation ist je perfekt», sagte Austin am Mittwoch in Washington auf die Frage, ob das US-Militär im Rückblick etwas hätte anders machen sollen. Es habe keine Mission gegeben, an der er je beteiligt gewesen sei, bei der nicht im Rückblick klar geworden wäre, was besser oder effizienter hätte ablaufen können. Auch in diesem Fall werde es eine Nachbetrachtung geben, und das US-Militär werde seine Lehren daraus ziehen, versprach Austin. «Aber ich möchte mir die Zeit nehmen, das auf richtige Art und Weise zu machen.»

Austin sagte, die vergangenen Tage seien für viele schwierig gewesen. Er hoffe aber, dass das Land «mit Bedacht und Respekt» auf den Einsatz in Afghanistan zurückschauen werde. «Ich werde immer stolz sein auf die Rolle, die wir in diesem Krieg gespielt haben», betonte er, räumte aber ein, dass es auch innerhalb des Militärs und unter Afghanistan-Veteranen andere Ansichten gebe. Er habe in den vergangenen Tagen deutliche Meinungen von verschiedenen Seiten gehört. Es gebe unterschiedliche Auffassungen in beiden politischen Lagern. «Und das ist wichtig. Das ist Demokratie. Das ist Amerika.»

Auch US-Generalstabschef Mark Milley sagte mit Blick auf den verlustreichen Afghanistan-Einsatz und die turbulente Abzugsphase: «Das waren unglaublich emotionale und fordernde Tage, und sogar Jahre.» Alle hätten mit widerstreitenden Gefühlen zu tun, «Schmerz und Angst, Kummer und Traurigkeit, gemischt mit Stolz und Widerstandskraft». Aber jeder militärische Konflikt sei «böse» und «brutal», betonte er: «Krieg ist hart.»

Die USA hatten in der Nacht zum Dienstag ihre letzten Soldaten aus Kabul abgezogen und damit den internationalen Militäreinsatz in Afghanistan nach fast 20 Jahren beendet. Der Einsatz verschlang Unsummen, Zehntausende Zivilisten und afghanische Sicherheitskräfte kamen ums Leben, ebenso wie mehrere Tausend internationale Soldaten, darunter 2461 Amerikaner. 13 US-Soldaten starben nur wenige Tage vor dem Einsatzende bei einem Anschlag vor dem Flughafen von Kabul.


Europarat fordert Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz

STRAßBURG: Nach Scheitern der Verankerung von Kinderrechten im deutschen Grundgesetz hat der Europarat einen Neuanlauf gefordert. Gerade weil derzeit die Folgen der Corona-Maßnahmen für Kinder und Jugendliche erkennbar würden, sollte der Schutz ihrer Rechte höchste Priorität haben, schrieb die Menschenrechtskommissarin Dunja Mijatovic in einem Brief an Justiz- und Familienministerin Christine Lambrecht (SPD), der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Das Vorhaben war Anfang Juni gescheitert, weil für die entsprechende Grundgesetzänderung die notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheiten im Bundestag und Bundesrat fehlten. Den Grünen und Linken gingen die vorgesehenen Formulierungen nicht weit genug, während die Union die Position der Familie nicht zugunsten des Staates schwächen wollte.

«Trotz intensiver Bemühungen» der Bundesregierung sei kein Konsens gefunden worden, hieß es in einer Antwort von Lambrecht auf Mijatovics Brief. Die Debatte um mehr Aufmerksamkeit für Kinderrechte sei damit aber nicht beendet, versicherte die SPD-Politikerin.

Seit Jahren fordern Kinderschützer eine Aufnahme von Kinderrechten in die Verfassung. Dadurch bekämen die Belange von Kindern ein ganz neues Gewicht und müssten immer berücksichtigt werden - bei der Gesetzgebung, aber auch bei konkreten Vorhaben wie zum Beispiel dem Bau einer Umgehungsstraße um eine Wohnsiedlung. Union und SPD hatten auf Druck der Sozialdemokraten eine entsprechende Verfassungsänderung im Koalitionsvertrag vereinbart.


London schätzte Fall von Kabul noch 2021 als «unwahrscheinlich» ein

LONDON: Die britische Regierung ist nach eigenen Angaben vom schnellen Vordringen der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan überrascht worden. Die Einschätzung sei gewesen, dass es «unwahrscheinlich» sei, dass die Taliban noch 2021 die Kontrolle über die Hauptstadt Kabul übernehmen, sagte Außenminister Dominic Raab am Mittwoch in London in einem Parlamentsausschuss. Vom Abzug der Alliierten an sei zwar mit einer ständigen Verschlechterung der Situation gerechnet worden. «Es war unwahrscheinlich, dass Kabul dieses Jahr fallen würde», so Raab.

Diese Einschätzung sei auch von den Nato-Partnern geteilt worden und habe lange Bestand gehabt, sagte Raab vor den Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses. Es seien allerdings auch Vorkehrungen für «eine schnellere Verschlechterung» der Lage getroffen worden. Raab räumte ein, dass das Tempo des Taliban-Vorstoßes unterschätzt worden sei. Er machte dafür «Optimismus» der USA verantwortlich.

Angesichts des Rückzugs der Amerikaner aus Afghanistan habe es keine Alternative gegeben, als selbst das Land zu verlassen, sagte Raab. Die britische Regierung habe die Evakuierung seit Juni geplant, mehr als 17.000 Menschen wurden ausgeflogen. Noch immer befindet sich laut Raab eine «niedrige dreistellige» Zahl von Briten in Afghanistan. Genauere Zahlen konnte er auf Nachfrage nicht nennen. Raab kündigte an, in die Nachbarländer Afghanistans zu reisen, um etwa über die Rettung von Briten und afghanischen Ortskräften auf dem Landweg zu sprechen.

Der Minister war in die Kritik geraten, weil er trotz der zugespitzten Lage in den Urlaub gefahren und erst nach Tagen zurückgekehrt war. Raab betonte, er habe von seinem Urlaubsort auf Kreta aus unermüdlich gearbeitet. «Im Nachhinein wäre ich natürlich besser gar nicht in den Urlaub gefahren», räumte er allerdings ein.


Bauchtanz vor Grundschülern: Russische Schule hat Ärger mit Behörden

CHABAROWSK: Der Bauchtanz einer Lehrerin vor einer Gruppe von Grundschülern hat einer Schule im äußersten Osten Russlands Ärger mit den Behörden eingebracht. Der Auftritt der jungen Lehrkraft am ersten Schultag nach den Sommerferien sei «unzulässig und fehl am Platz» gewesen, teilte die Bildungsbehörde der Stadt Chabarowsk am Mittwoch auf Instagram mit. Die Arbeit der Schule werde nun überprüft.

Zuvor war in sozialen Netzwerken ein Video aufgetaucht, das eine Frau zeigt, die leicht bekleidet vor Schülern einen Bauchtanz aufführt. Dabei schwingt sie Streifen aus dünnem weißem Stoff. Angaben der Behörde zufolge hatte die Lehrerin, die eine zusätzliche Tanzausbildung absolviert hat, sich die Choreographie selbst ausgedacht und wollte damit einen «Glücksvogel» darstellen.

«Die Bildungsbehörde hält solche Initiativen für inakzeptabel», erklärte deren Leiterin Tatjana Matwejenkowa. «Das Erziehungskonzept der gesamten Schule wird in Zweifel gezogen.»

In der russischen Gesellschaft mit einer streng konservativen Politik und einer einflussreichen orthodoxen Kirche kommt es immer wieder zu öffentlicher Aufregung unter anderem über unkonventionelle Lehrer.


Erste Haushalte in New Orleans nach «Ida» wieder mit Strom versorgt

NEW ORLEANS: In der Großstadt New Orleans haben einige Haushalte nach dem Hurrikan «Ida» wieder Strom. Am Mittwochmorgen (Ortszeit) sei die Stromversorgung für einige Haushalte im Osten der Stadt wiederhergestellt worden, teilte der Versorger Entergy mit. «Dies ist der erste Schritt zur Wiederherstellung der Stromversorgung im Großraum nach den Verwüstungen durch Hurrikan «Ida»», hieß es. Es sei ein «Zeichen der Hoffnung». Wegen des flächendeckenden Stromausfalls in der Metropole im US-Bundesstaates Louisiana hatte die Bürgermeisterin eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Die vollständige Wiederherstellung des Stroms werde wegen der erheblichen Schäden in der gesamten Region aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen, so Entergy weiter. «Ida» war am Sonntag als gefährlicher Hurrikan der Stärke vier von fünf südwestlich von New Orleans auf die Küste Louisianas getroffen. In dem Bundesstaat waren rund eine Million Haushalte infolge der Sturmschäden ohne Strom. In New Orleans mit rund 400.000 Einwohnern war die Stromversorgung komplett zusammengebrochen.


Hefte und Co.: Stadt übernimmt Kosten für Grundschüler

LILLE: Ein leerer Schulranzen und ein leeres Etui - das ist alles, was Grundschüler im französischen Lille zum Schulstart nach den Sommerferien an diesem Donnerstag dabei haben müssen. Hefte, Stifte, Radiergummis & Co. schaffen die Schulen für die Kinder an, denn Lille übernimmt als erste Großstadt in Frankreich die Kosten für die Grundausstattung. «Die materiellen Zugangsvoraussetzungen zur Schule müssen für alle gleich sein», sagte Bildungsdezernentin Charlotte Brun am Mittwoch der Zeitung «Le Figaro». Von Schule zu Schule seien die Listen dessen, was die Kinder dabei haben müssen, sehr unterschiedlich gewesen. Bis zu 100 Euro Ausgaben seien auf manche Eltern zugekommen.

120.000 Euro zusätzlich pro Jahr investiert die nordfranzösische Stadt in den Ranzeninhalt der Kinder - und will dabei auch die Nachhaltigkeit fördern. Dies beginne bei der Auswahl dessen, was die Schulen einkaufen, sagte Brun der Zeitung. Außerdem brauchten vielleicht nicht alle Schüler ein Geodreieck und einen Zirkel und nur teils benutzte Hefte könnten für das kommende Schuljahr aufgehoben werden. Die Bildungsbehörden unterstützen den Vorstoß der Stadt. Die Anforderungen mancher Lehrerinnen und Lehrer an das, was die Eltern alles kaufen sollen, habe sich mit dem Budget mancher Familien nicht mehr vereinbaren lassen, hieß es.


Präsident des EU-Parlaments enttäuscht über Afghanistan-Erklärung

BRÜSSEL: Der Präsident des Europaparlaments David Sassoli hat die Entscheidung der EU-Staaten kritisiert, vorerst keine Zusagen zur Aufnahme von Menschen aus Afghanistan zu machen.

«Wir waren sehr enttäuscht über die gestrigen Schlussfolgerungen des Rates für Inneres», sagte Sassoli am Mittwoch als Reaktion auf eine gemeinsame Erklärung der EU-Innenminister. Man habe gesehen, wie Länder außerhalb der EU afghanische Asylbewerber aufgenommen hätten. «Aber wir haben nicht einen Mitgliedsstaat gesehen, der dasselbe getan hat», kritisierte er bei einer Veranstaltung der derzeitigen slowenischen EU-Ratspräsidentschaft in Bled.


WHO-Frühwarnzentrum für Pandemien in Berlin eingeweiht

GENF/BERLIN: Zur besseren Vorbereitung auf künftige Pandemien hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Berlin ein Pandemiefrühwarnzentrum geschaffen. Das Zentrum wurde am Mittwoch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus eingeweiht.

Es soll Milliarden Daten über Tiergesundheit, Krankheiten, Bevölkerungsbewegungen Klimawandelfolgen und vieles mehr verarbeiten. Darin sollen Muster frühzeitig erkannt und anhand von Computermodellen Bedrohungsszenarien erstellt werden.

Ziel ist es, bei einer neuen Pandemie viel früher als bei Corona Maßnahmen umzusetzen, damit ein Erreger sich möglichst nicht auf der ganzen Welt verbreitet. Erster Direktor ist der in Deutschland geborene nigerianische Epidemiologe Chikwe Ihekweazu, der zurzeit die Gesundheitsbehörde Nigerias leitet. Das Zentrum startet auf dem Gelände der Charité, einem der Gründungspartner, und soll künftig einen eigenen Campus in Kreuzberg erhalten, wie die WHO mitteilte.


Organisation Sea-Eye rettet knapp 30 Menschen im Mittelmeer

ROM: Die freiwilligen Helfer der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye haben knapp 30 Menschen im zentralen Mittelmeer aus Seenot gerettet. Die Crew der «Sea-Eye 4» habe die Menschen am frühen Morgen in einem überfüllten Holzboot entdeckt, schrieb die Organisation auf Twitter am Mittwoch. Unter ihnen seien viele Minderjährige und Schwangere. Die Bootsmigranten hätten keine Möglichkeit gehabt, Hilfssignale zu senden, sagte eine Organisationssprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Die «Sea-Eye 4» war vor wenigen Tagen ins zentrale Mittelmeer zu einer weiteren Mission aufgebrochen. Zuvor hatten die italienischen Behörden das Schiff wochenlang festgesetzt, weil sie unter anderem nach Sea-Eye-Angaben die Abwasser- und Müllentsorgungskapazitäten an Bord beanstandet hatten.

Zuvor meldeten auch andere private Rettungsorganisationen wie Resqship und Open Arms von ihren Jachten aus Migranten im Mittelmeer entdeckt zu haben. Die Jachten und ihre Teams bleiben meist bei den Booten und kümmern sich um die Menschen, bis die alarmierten Küstenwachen sie in Sicherheit bringen. Hin und wieder nehmen sie Flüchtende aber auch an Bord.

Die Menschen machen sich meistens von den Küsten Libyens oder Tunesiens auf den Weg über das Mittelmeer in Richtung Europa mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Ihr Ziel ist in der Regel Italien. Mitunter geraten sie auf der gefährlichen Überfahrt in Seenot. Immer wieder verlieren einige ihr Leben. Laut UN-Angaben starben in diesem Jahr bislang knapp 1095 Migranten im zentralen Mittelmeer.


Gesetz in Texas verbietet fast alle Schwangerschaftsabbrüche

WASHINGTON: Im US-Bundesstaat Texas sind mit Inkrafttreten eines Gesetzes die meisten Schwangerschaftsabbrüche verboten. Der Oberste Gerichtshof der USA reagierte bisher nicht auf einen entsprechenden Eilantrag, der das Gesetz stoppen sollte. Damit gelten die massiven Einschränkungen für Schwangere seit Mittwoch. «Der Zugang zu fast allen Schwangerschaftsabbrüchen wurde gerade für Millionen von Menschen abgeschnitten. Die Auswirkungen werden unmittelbar und verheerend sein», reagierte die Bürgerrechtsorganisation ACLU. Der republikanische Gouverneur Greg Abbott hatte das Gesetz im Mai unterschrieben.

Das Gesetz ist als sogenanntes Herzschlag-Gesetz bekannt. Es verbietet Abtreibungen, sobald der Herzschlag des Fötus festgestellt worden ist. Das kann schon in der sechsten Schwangerschaftswoche der Fall sein. Viele Frauen wissen zu diesen Zeitpunkt überhaupt noch nicht, dass sie schwanger sind. Der Organisation ACLU sind etwa 85 bis 90 Prozent der Frauen in Texas, die eine Schwangerschaft abbrechen, mindestens in der sechsten Woche schwanger. Eine Ausnahme gibt es nur für medizinische Notfälle.

Außergewöhnlich an der strengen Regelung ist, dass sie Privatpersonen ermöglicht, zivilrechtlich gegen jene vorzugehen, die einer Frau bei einem Schwangerschaftsabbruch helfen. Damit könnte es Klagen gegen eine Reihe von Personen geben - etwa gegen jemanden, der eine Betroffene zu einem Abtreibungstermin fährt, Eltern, die für eine Abtreibung zahlen oder Beschäftigte des Gesundheitswesens. Sollte das Gesetz in Kraft bleiben, fürchten Frauenrechtsorganisation eine regelrechte Jagd auf alle, die Schwangere bei Abtreibungen unterstützen.

US-Präsident Joe Biden reagierte empört auf die neue Regelung. Der Demokrat argumentierte wie zahlreiche Frauenrechtsorganisationen, dass das Gesetz verfassungswidrig sei. Es verstoße gegen das Grundsatzurteil des Obersten Gerichts von 1973, bekannt als «Roe v. Wade», das Abtreibungen landesweit legalisiert. Seine Regierung sei dem verfassungsmäßigen Recht verpflichtet und werde es «schützen und verteidigen».


Äthiopien: Tigray-Rebellen sollen Hilfsgüter geplündert haben

NAIROBI: Rebellen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) sollen im umkämpften Norden Äthiopiens, in den vergangenen Wochen Lagerhäuser mit Hilfsgütern geplündert haben. Diesen Vorwurf erhob Sean Jones, der Leiter der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (USAID) in Äthiopien im Staatsfernsehen am späten Dienstagabend. Die TPLF sei opportunistisch und habe in der Region Amhara jedes Lager geplündert, sagte Jones. Einem später von der US-Botschaft veröffentlichten Transkript des vollständigen Interviews zufolge, warf Jones auch regierungstreuen Soldaten vor, vor einigen Monaten in Tigray Hilfsgüter gestohlen zu haben.

Der Konflikt zwischen der TPLF und der Zentralregierung hat sich in den vergangenen Wochen auf die Nachbarregionen Afar und Amhara ausgeweitet. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als 5,2 Millionen Menschen im Norden des Landes auf humanitäre Hilfe angewiesen, mehr als 400.000 sind vom Hungertod bedroht. Seit Monaten haben Hilfsorganisationen wegen der Sicherheitslage und bürokratischer Hürden keinen vollen Zugang zu den Notleidenden. Beiden Konfliktparteien wird vorgeworfen, humanitäre Hilfe zu untergraben.

Die Zentralregierung in Addis Abeba hatte im November eine Militäroffensive gegen die TPLF begonnen, die bis dahin dort an der Macht war. Hintergrund waren jahrelange Spannungen zwischen der TPLF und der Zentralregierung. Nach einem sechswöchigen Waffenstillstand, hatte Premierminister Abiy Ahmed die Armee und alliierte Milizen am 10. August aufgefordert, erneut gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) vorzugehen.


Zahl der Todesopfer bei Busunglück steigt auf 33

CHOSICA: Nach einem schweren Busunglück im Zentrum von Peru ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 33 gestiegen. Vier Leichen seien unter dem Reisebus entdeckt worden, sagte der Leiter der Autobahnpolizei, Elías Lozada, in der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) dem Radiosender RPP. Rund 20 weitere Menschen wurden verletzt, als ein Reisebus in der Nähe der Ortschaft Chosica von der Landstraße abkam und rund 200 Meter in die Tiefe stürzte.

Der Bus war auf dem Weg von Huánuco in den Anden in die Hauptstadt Lima an der Pazifikküste. Offenbar war der Fahrer auf der kurvigen Landstraße viel zu schnell unterwegs. Ersten Ermittlungen zufolge fuhr er mit über 90 Kilometern pro Stunde in einem Abschnitt, in dem nur 35 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, wie die Straßenverkehrsbehörde mitteilte.

In Peru kommt es immer wieder zu schweren Busunfällen. Die Straßenverhältnisse sind oft schwierig und die Busse nicht immer in einem guten Zustand.


Amsterdam startet anlasslose Kontrolle auf Waffen in fünf Stadtteilen

AMSTERDAM: Um den zunehmenden Waffenbesitz unter jungen Leuten zu bekämpfen, testet die Stadt Amsterdam anlasslose Kontrollen von Passanten und Autofahrern. In fünf Stadtteilen werden ab Mittwoch nach einem Zufallsprinzip Menschen auf Waffenbesitz kontrolliert, teilte die Stadtverwaltung mit. In den vergangenen Jahren häuften sich Vorfälle mit bewaffneten Jugendlichen, was in allen Schichten der Bevölkerung und in der Politik zu Besorgnis führt, hieß es zur Begründung. Es solle ausprobiert werden, ob die Zufallskontrollen ohne einen konkreten Verdacht dazu führten, dass der Waffenbesitz und die Zwischenfälle mit Waffen abnehmen.

Bei den Polizeikontrollen sollen unabhängige Beobachter den Beamten über die Schulter schauen, um Willkür oder Voreingenommenheit zu verhindern. Jeder aus der Bevölkerung konnte sich als Beobachter melden. Die entsprechenden Stadtteile wurden vorübergehend zu Risikogebieten mit dem Verbot, dort Messer mit sich zu führen, erklärt, um der Polizei die Befugnis für die Aktion zu geben.


Papst Franziskus plant Reise zu Weltklimakonferenz nach Glasgow

ROM: Papst Franziskus will zum UN-Weltklimagipfel COP26 im November nach Glasgow fliegen. Das kündigte das katholische Kirchenoberhaupt in einem am Mittwoch gesendeten Interview des spanischen Radiosenders Cope an. «Prinzipiell steht auf dem Programm, dass ich fahre», sagte Franziskus. «Alles hängt davon ab, wie ich mich dann fühle. Aber tatsächlich wird schon an meiner Rede gearbeitet. Der Plan ist, dass ist da sein werde.»

Der wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschobene Klimagipfel soll vom 1. bis 12. November ein Meilenstein werden, um die im Paris-Abkommen angestrebten Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung so gut wie möglich zu halten. Jüngst hatten die Veranstalter verkündet, dass auch Queen Elizabeth II. nach Schottland reisen wolle.

Papst Franziskus sprach sich in den jüngeren Jahren immer wieder für mehr Engagement beim Klimaschutz aus, nachdem er selbst früher die Dringlichkeit nicht erkannt hatte. Er sei diesbezüglich «ein Bekehrter», sagte er in dem Cope-Interview. Der 84-Jährige kritisierte, dass nach dem Paris-Abkommen von 2015 vielerorts Angst aufgekommen und die folgenden Klima-Treffen Rückschritte gewesen seien. Er hoffe nun, dass Glasgow «uns mehr in Einklang bringt».


«Wie im Dschungelbuch»: Zwei Pythons in englischem Dorf gefunden

CONINGTON: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist in einem englischen Dorf ein Python gefunden worden. Das etwa drei Meter lange Tier sei in der Nähe von der Stelle entdeckt worden, an der erst am Freitag Tierschützer eine Schlange von einem Baum geholt hatten, teilte die Organisation Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA) am Mittwoch mit.

Die zweite Schlange wurde dabei beobachtet, wie sie über eine Straße im Dorf Conington bei Cambridge glitt. Die Würgeschlangen stammen aus Afrika, Asien und Australien und kommen in Großbritannien nicht vor.

Er habe es kaum glauben können, als er den Anruf erhielt, sagte Justin Stubbs von der RSPCA. «Ich fürchte, das ist kein Zufall - es sieht so aus, als ob diese armen Tiere ausgesetzt wurden oder vom selben Ort entkommen sind.» Stubbs war auch am Freitag in Conington im Einsatz gewesen. Damals sagte er, er habe eine riesige Schlange in einem Baum gesehen: «Die Szene erinnerte ein wenig an das Dschungelbuch.»

Die zweite Schlange sei sehr kalt gewesen und viel dünner als die erste, sagte Stubbs. Beide Schlangen würden nun fachgerecht betreut und unter Wärmelampen warm gehalten. «Ich hoffe nur, dass da draußen keine anderen mehr unterwegs sind», sagte der Experte. «Es ist wirklich besorgniserregend zu denken, dass jemand diese Pythons gehalten hat und sich dann möglicherweise entschieden hat, sie auf diese grausame und gefühllose Weise auszusetzen.» Stubbs betonte, für Menschen gehe von den Schlangen keine Gefahr aus. Man solle aber sicherheitshalber Abstand halten.


Kremlgegner Nawalny ruft zur «smarten Abstimmung» bei Duma-Wahl auf

MOSKAU: Der im Straflager inhaftierte russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat rund zwei Wochen vor der Parlamentswahl zur Protestabstimmung gegen die Kremlpartei Geeintes Russland aufgerufen. «Nehmt unbedingt an der «smarten Abstimmung» teil», hieß es in einem Appell des Kremlgegners bei Instagram. Aufgerufen sind Wählerinnen und Wähler, anderen als den Kandidaten der Kremlpartei die Stimme zu geben, um das Machtmonopol von Geeintes Russland zu brechen.

In einer Umfrage des russischen Meinungsforschungsinstituts FOM gaben 27 Prozent der Befragten an, bei der Duma-Wahl vom 17. bis 19. September für Geeintes Russland stimmen zu wollen. «Vor der letzten Abstimmung für die Staatsduma waren das noch 44 Prozent», hieß es in Nawalnys Mitteilung. Die von Präsident Wladimir Putin unterstützte Kremlpartei will bei der Wahl ihre absolute Mehrheit im Parlament verteidigen.

Dagegen meinte Nawalnys Team, es gebe die Chance, die Partei deutlich zu schwächen. «Wir können das schaffen, wir sind mehr», meinte Nawalnys Mitarbeiter Wladimir Milow in einer bei Youtube am Dienstagabend ausgestrahlten Sendung. «Die Partei der Gauner und Diebe verzeichnet einen historischen Minimalwert ihrer Popularität.» Die Opposition um Nawalny ist von den Behörden als extremistisch eingestuft worden und nicht zur Wahl zugelassen.

Nawalnys Team will kurz vor dem Urnengang, wenn die Stimmzettel gedruckt sind, über eine App konkrete Wahlempfehlungen für einzelne Kandidaten abgeben. «Wir müssen das Ergebnis von Geeintes Russland minimieren, das bedeutet, dass man für jede Partei unter jenen stimmen sollte, die die Fünf-Prozent-Hürde überspringen werden», sagte Leonid Wolkow in der vergangenen Woche dem Portal meduza.io.


Chinas Schüler müssen «Xi Jinpings Gedankengut» lernen

PEKING: Chinas knapp 300 Millionen Schüler lernen seit Mittwoch die Ideologie von Staats- und Parteichef Xi Jinping von einem starken China und der Führung der allmächtigen Kommunistischen Partei. «Xi Jinpings Gedankengut über den Sozialismus chinesischer Prägung für eine neue Ära» wurde zum Schulbeginn auf den Lehrplan gesetzt. Es soll jungen Menschen helfen, «den Glauben in den Marxismus aufzubauen und das Vertrauen in den Weg, die Theorie, das System und die Kultur des Sozialismus chinesischer Prägung zu stärken», wurde das Bildungsministerium zitiert.

Grundschulen sollen sich darauf konzentrieren, «die Liebe zum Vaterland, zur Kommunistischen Partei und zum Sozialismus zu kultivieren», berichtete die «Global Times», die vom Parteiorgan «Volkszeitung» herausgegeben wird. In den Mittelschulen soll jungen Menschen mit dem Wissen geholfen werden, grundlegende politische Meinungen zu formulieren, während in den Hochschulen mehr die Theorie im Mittelpunkt stehe, hieß es. Die neuen Lehrinhalte sind Teil der zunehmenden Ideologisierung und des Personenkults um Xi Jinping.

Kritiker sprachen von «Gehirnwäsche» und dem Versuch, die nachwachsende Generation zu beeinflussen und Unterstützung für die Partei und Xi Jinping sicherzustellen. Es geht um Themen wie «Es gäbe kein neues China ohne die Kommunistische Partei» oder «Der Schutz der nationalen Sicherheit ist jedes Bürgers Pflicht» oder «Wir folgen der Kommunistischen Partei mit ganzem Herzen». Auch wird auf die Sorge von «Großvater Xi» um das chinesische Volk abgehoben.


Kein Ebola in der Elfenbeinküste - WHO und Regierung geben Entwarnung

ABIDJAN: Anders als zunächst befürchtet hat es in der Elfenbeinküste doch keine Ebola-Infektion gegeben. Der Befund bei einer Patientin sei eine Fehldiagnose gewesen, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am späten Montagabend mit. Die Regierung des westafrikanischen Staats habe mitgeteilt, dass jüngste Tests des Pasteur Instituts in Lyon keine Hinweise auf das Virus ergeben hätten. Zuvor hatte das Institut Pasteur der Elfenbeinküste eine Ebola-Erkrankung diagnostiziert. Gesundheitsbehörden hatten daraufhin am 15. August den ersten Ebola-Fall seit 1994 in der ehemaligen französischen Kolonie ausgerufen und kurz darauf eine Impfkampagne gestartet.

Mit den neuen Ergebnissen des Labors in Lyon sei die WHO der Ansicht, dass die Patientin doch keine Ebola-Virus-Erkrankung hatte, hieß es nun. Weitere Analysen zur tatsächlichen Krankheitsursache würden vorgenommen. Die 18-Jährige war aus dem Ort Labé in Guinea auf dem Landweg in die Wirtschaftsmetropole Abidjan in der Elfenbeinküste gereist und dort am 12. August nach einem Fieberschub im Krankenhaus behandelt worden. Guinea hatte sich erst am 19. Juni als ebolafrei erklärt. Dort waren seit dem 14. Februar zwölf Menschen an der Viruserkrankung gestorben.


Lage in Auffanglagern auf Ägäis-Inseln deutlich entspannt

ATHEN: Die Lage in den Auffanglagern auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis entspannt sich immer mehr. Auf Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos registrierte das Athener Migrationsministerium Ende August noch knapp 5400 Migranten. Vor zwei Monaten lebten dort 7700 Migranten. Im April 2020 lag die Zahl noch bei gut 40.000. Die Migranten lebten dort unter teils menschenunwürdigen Bedingungen.

Das Lager am Rande der Hauptstadt von Samos mit einer Aufnahmekapazität für 650 Menschen beherbergt nun noch 612 Migranten. Noch vor wenigen Monaten harrten dort sechs Mal mehr Menschen aus. Auch in den Lagern auf Kos, Leros und Chios leben rund 500 Menschen. Die meisten Migranten leben noch auf der Insel Lesbos. Im Lager bei Kara Tepe (auch Mavrovouni) mit einer Aufnahmekapazität für 8000 Menschen harren noch knapp 3400 Menschen aus. Knapp 1000 Migranten leben in kleineren Unterkünften von Hilfsorganisationen oder Wohnungen auf diesen Inseln.

Athen brachte in den vergangenen Monaten Tausende Migranten zum Festland. Zudem werden die Seegrenzen mit der Türkei scharf überwacht. Hilfsorganisationen kritisieren, dass es seitens der Griechen illegale Zurückweisungen in die Türkei gebe - sogenannte Pushbacks. Die griechische Regierung hingegen argumentiert damit, die eigenen Landesgrenzen, die auch EU-Grenzen sind, zu schützen. Eine chaotische Situation wie 2015 werde es nicht mehr geben, betont immer wieder der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis. Damals waren mehr als 850.000 Migranten aus der Türkei nach Griechenland gekommen. Die meisten zogen dann über die Balkanroute nach Mitteleuropa und hauptsächlich nach Deutschland weiter.


Papst legt Merkel aus Versehen Putin-Zitat zu Afghanistan in den Mund

ROM: Papst Franziskus hat Kritik des russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Interventionspolitik des Westens in Afghanistan irrtümlich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugeschrieben. Das Oberhaupt der katholischen Kirche bezeichnete Merkel als eine «der großen Persönlichkeiten der internationalen Politik» und zitierte sie dann mit diesem Satz: «Es ist notwendig, der unverantwortlichen Politik des Eingreifens von außen und des Aufbaus der Demokratie in anderen Ländern unter Ignorierung der Traditionen der Völker ein Ende zu setzen.» Zwar hat auch Merkel angesichts des Afghanistan-Debakels betont, dass international darüber beraten und künftig gut abgewogen werden müsse, wo man sich einsetzt - das vom Papst genannte Zitat ist aber die Position Putins, der dem Westen schon länger Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder vorwirft.

Der Papst aber lobte in einem am Mittwoch gesendeten Interview des spanischen Radiosenders Cope die «Weisheit» der Worte «dieser Frau» während ihres Moskau-Besuchs vor eineinhalb Wochen. Der Vatikan reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zu der Äußerung des 84-jährigen Argentiniers.

Es ist das erste Interview von Franziskus nach seinem Aufenthalt in der Poliklinik Agostino Gemelli in Rom Anfang Juli. Ärzte hatten bei dem geplanten Eingriff einen Teils seines Darms entfernt, weil er eine Krankheit hatte, die mitunter starke Bauchschmerzen verursachen kann.


Übung an Grenze zu Afghanistan - Russische Panzer schießen in Bergen

DUSCHANBE: Nach dem Abzug der letzten US-Truppen aus Afghanistan haben russische Panzer Schießübungen im Nachbarland Tadschikistan in Zentralasien absolviert. Die Besatzungen von Kampfpanzern vom Typ T-72 hätten in den Bergen an der Grenze zu Afghanistan am Tag und in der Nacht Schüsse abgefeuert, teilte der zuständige Wehrbezirk der russischen Armee am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge mit. Die Soldaten hätten zudem den Einsatz von Maschinengewehren auf bewegliche Ziele trainiert.

Russland hat in der Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan seine größte Auslandsmilitärbasis. Außenminister Sergej Lawrow warnte einmal mehr, der Machtwechsel in Afghanistan könne sich auf die Sicherheitslage der Verbündeten in Zentralasien auswirken. Davon hänge auch die Sicherheit der südlichen Grenze Russlands ab.

In der Nacht zu Dienstag hatte das letzte US-Militärflugzeug den Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul verlassen. Russlands Präsident Wladimir Putin warf den USA vor, sie hätten während ihres 20 Jahre dauernden Militäreinsatzes nichts erreicht und nur Tragödien hinterlassen. «Das Ergebnis ist null, wenn nicht sogar negativ.»

Dem russischen Zentrum für die Diaspora Afghanistans zufolge verfügen etwa 1000 Afghanen über Dokumente, um nach Russland einzureisen. In der vergangenen Woche hatte das russische Militär mit vier Transportflugzeugen mehr als 500 Menschen verschiedener Länder aus Afghanistan ausgeflogen. Weitere Flüge waren zunächst nicht geplant.


Neues Schuljahr beginnt mit Corona-Tests

PRAG/BRÜNN: Mit Tests auf das Coronavirus hat in Tschechien das neue Schuljahr begonnen. Rund 1,4 Millionen Schüler kehrten am Mittwoch in die Klassenzimmer zurück. Wer nicht geimpft oder genesen ist, wird dreimal getestet - am ersten oder zweiten Schultag sowie am 6. und 9. September.

Kinder, deren Eltern die Tests ablehnen, müssen eine Maske tragen. Sie dürfen weder am Sport teilnehmen noch im Musikunterricht singen. Schulminister Robert Plaga schloss erneute flächendeckende Schulschließungen aus. Örtlich begrenzte Maßnahmen seien indes möglich. Nach aktuellen Zahlen gab es zuletzt binnen sieben Tagen 13 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner.

Tschechiens Präsident Milos Zeman eröffnete das neue Schuljahr an einer Grundschule in der zweitgrößten Stadt Brünn (Brno). Er prangerte dabei Fälle verwahrloster Kinder an. «Was sind das für Eltern, die ihren Kindern nichts zu essen geben», sagte der 76-Jährige der Agentur CTK zufolge.

Für Aufsehen sorgte, dass Zeman mit einem Armeeflugzeug von Prag in das nur rund 200 Kilometer entfernte Brünn geflogen war. «Warum kann er nicht wie jeder normale Mensch mit dem Auto fahren», fragte eine Frau in den sozialen Medien. «Neulich war der deutsche Präsident zu Besuch - mit dem Zug», schrieb ein anderer Internetnutzer. Andere zeigten indes Verständnis für die Entscheidung, da Zeman wegen einer Nervenerkrankung seit längerem auf einen Rollstuhl angewiesen ist.


Arbeitslosigkeit in der Eurozone geht weiter zurück

LUXEMBURG: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt in der Eurozone hat sich im Juli weiter verbessert. Die Arbeitslosenquote fiel im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mitteilte. Seit dem vergangenen Frühjahr erholt sich der Arbeitsmarkt in den Ländern mit der gemeinsamen Währung tendenziell vom Corona-Schock, wobei der Rückgang der Arbeitslosigkeit zunehmend an Tempo gewonnen hat.

Allerdings wurde die Arbeitslosenquote für Juni leicht nach oben revidiert. Sie lag demnach bei 7,8 Prozent, nachdem zuvor nur 7,7 Prozent gemeldet worden waren.

In den 19 Ländern der Eurozone sind derzeit 12,33 Millionen Menschen arbeitslos. Im Monatsvergleich ging die Zahl um 350.000 zurück, im Jahresvergleich sank sie um 1,34 Millionen. In den 27 Ländern der EU war die Entwicklung ähnlich.

Nach wie vor ist aber die Jugendarbeitslosigkeit im gemeinsamen Währungsraum vergleichsweise hoch, auch wenn sich die Lage im Juli etwas gebessert hat. Wie Eurostat weiter mitteilte, waren im Juli 2,34 Millionen Personen im Alter unter 25 Jahren arbeitslos. Die Jugendarbeitslosenquote lag damit in der Eurozone bei 16,5 Prozent, nachdem sie im Juni noch bei 17,2 Prozent gelegen hatte.


Verdacht auf Agententätigkeit für Russland: Angeklagter schweigt

BERLIN: In Deutschland hat der Prozesse gegen einen mutmaßlichen Spion begonnen, der Grundrisse von Bundestagsgebäuden an den russischen Geheimdienst verraten haben soll.

Vor einem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts erklärte der Verteidiger nach Verlesung der Anklage am Mittwoch, sein Mandant werde sich nicht äußern. Dem 56-jährigen Deutschen wird geheimdienstliche Agententätigkeit zur Last gelegt. Der Anwalt sagte am Rande der Verhandlung, es gebe keine Beweise, wer 2017 eine CD mit Grundrissdateien verschickt habe.

Der 56-Jährige war damals laut Anklage Mitarbeiter einer Firma, die mehrfach vom Deutschen Bundestag mit der Überprüfung von elektrischen Geräten beauftragt worden war. Spätestens zwischen Ende Juli und Anfang August 2017 habe er eine CD-ROM mit über 300 Grundrissdateien der vom Bundestag genutzten Liegenschaften erstellt. Diese habe er per Brief und ohne Absender an einen Attaché der Russischen Botschaft geschickt, bei dem es sich um einen getarnten Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU gehandelt habe. Den Umschlag habe der Angeklagte mit dem Zusatz «Besondere Wichtigkeit» versehen, so die Bundesanwaltschaft.

Der Verteidiger erklärte weiter am Rande, keines der Dokumente habe ein Geheimvermerk getragen. Nach seinem Gefühl wurde in dem Verfahren «etwas über das Ziel hinausgeschossen». Sein Mandant sei ein Offizier in der Nationalen Volksarmee der DDR gewesen, so der Verteidiger. Es könnte sein, dass im Verfahren deshalb «Rückschlüsse» gezogen worden seien.


Kriminelle stoppen und plündern Güterzug

RIOM: Kriminelle haben einen Güterzug in Frankreich auf offener Strecke zum Stehen gebracht und Ladung aus den Waggons gestohlen. Nach dem Angriff auf den Zug bei Riom in der Auvergne liefen die Ermittlungen, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Die Unbekannten hatten am Vortag Signale manipuliert, um den Zug zum Halten zu bringen, berichtete die Zeitung «La Montagne». Beim Wiederanfahren blockierten die Bremsen, so dass der Lokführer am Zug entlanglief, um das Problem zu begutachten. Am Zugende hörte er Geräusche und sah, wie mehrere Menschen mit einem Trennschleifer vier Container öffneten. Vor Eintreffen der Polizei ergriffen sie die Flucht.

Die Ermittler gehen von einer sorgfältig geplanten Aktion aus, berichtete die Zeitung. Die Beute fiel demnach aber mager aus, sie bestand aus Weihnachtsdekoration und Kleinmöbeln. Rund um die französischen Metropolen Paris, Marseille und Lyon kommt es immer wieder zu Angriffen auf Güterzüge durch Ladungsdiebe, selten aber in der Provinz, hieß es in dem Bericht.


VW bietet Elektroautos im Abo an

WOLFSBURG: Der Autobauer VW bietet Elektroautos ab Mittwoch in einem Abonnement-Modell an. Für das Volkswagen AutoAbo stünden 2000 bis 3000 Gebrauchtwagen der vollelektrischen Modelle ID.3 und ID.4 zur Verfügung, sagte ein Firmensprecher in Wolfsburg. Kunden können die Autos zwischen drei und sechs Monate lang fest mieten und dann monatsweise verlängern. Zuvor hatte das «Handelsblatt» darüber berichtet.

«Die Zahl der Menschen wächst, die ein Fahrzeug nicht unbedingt dauerhaft besitzen, es jedoch für einen definierten Zeitraum exklusiv nutzen möchten», sagte Vertriebsvorstand Klaus Zellmer. Dafür habe VW ein Angebot «zwischen Leasing und Sharing» entwickelt.

VW sieht das Abo als weiteren Schritt zur Digitalisierung des Vertriebs und dem Aufbau neuer Geschäftsmodelle. Bis zum Jahr 2030 könnte ein Fünftel des Umsatzes auf Abos und andere Mobilitätsangebote entfallen, schätzte Zellmer.

Das neue Modell baut auf Erfahrungen mit einem Auto-Abonnement auf, das die Tochter VW Financial Services seit 2020 betreibt. Dort werden aber Neuwagen angeboten, es geht auch um Autos aller Typen.


Erster Wildtier-Zensus erfasst mehr Elefanten und Giraffen

NAIROBI: Die erste landesweite Zählung von Wildtieren in Kenia hat ergeben, dass die Population der im Land lebenden Elefanten und Giraffen größer ist als bisher angenommen. Demnach wurden insgesamt 36.169 Elefanten gezählt (12 Prozent mehr als 2014). Auch die Population der Giraffen sei mit 34.240 Tiere deutlich höher als 2019, wie der Kenya Wildlife Service (KWS) am Dienstag mitteilte.

Wildtier-Zählungen fanden in Kenia bisher nicht systematisch und meist nur in bestimmten Landesteilen, vor allem Nationalparks, statt. «Wir haben in Regionen gezählt, in denen zuvor nicht gezählt wurde», sagte der wissenschaftliche Leiter des Zensus, Patrick Omondi, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Man habe dadurch bisher nicht erfasste Elefanten und Giraffen finden können, so Omondi.

KWS wertet die Zahlen auch als Erfolg der Artenschutzpolitik der vergangenen Jahre. Die Zahl der erfassten Nashörner, Löwen, Grevy-Zebras und Hirola-Antilopen hat laut KWS ebenfalls zugenommen.

KWS hatte im Mai erstmals einen dreimonatigen Wildtier-Zensus durchgeführt, um alle in Kenia lebenden Land- und Meeressäugetiere, wichtige Vogelarten und gefährdete Primaten zu erfassen. Insgesamt waren 100 Mitarbeiter damit beschäftigt, 30 Arten in ihren unterschiedlichen Ökosystemen zu erfassen. Die Zählung der Meerestiere ergab, dass es beispielsweise 63 Buckelwale, 2 Blauwale, 29 Weiße Haie und 11 Rochen in kenianischen Gewässern gebe. Die kenianische Regierung hatte die Erhebung in Auftrag gegeben, um die Effektivität bestehender Artenschutzmaßnahmen zu überprüfen.


Pernod Ricard übertrifft Vorkrisenniveau - Weitere Zuwächse erwartet

PARIS: Die Geschäfte des französischen Whisky- und Wodka-Herstellers Pernod Ricard laufen wieder rund. Die Nachfrage habe sich in dem Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr sehr stark erholt und das Niveau aus der Zeit vor der Krise übertroffen, sagte Unternehmenschef Alexandre Ricard laut Mitteilung bei der Vorlage der Jahresbilanz am Mittwoch in Paris. Die gute Umsatzentwicklung dürfte sich auch im laufenden Geschäftsjahr 2021/2022 fortsetzen. Vor allem im ersten Geschäftsquartal bis Ende September soll es gut laufen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/21 kletterte der Umsatz den Angaben nach im Jahresvergleich um 4,5 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mit Marken wie Ramazzotti, Absolut Vodka oder Malibu mitteilte. Währungsbereinigt nahmen die Erlöse um 9,7 Prozent zu. Dazu trug vor allem eine deutlich gestiegene Nachfrage in den USA, Kanada und Südamerika, aber auch in China sowie Korea und der Türkei bei. In Europa erholte sich das Geschäft in Großbritannien, Deutschland und Osteuropa, während es in Spanien und Irland schrumpfte.

Der Gewinn im Tagesgeschäft entwickelte sich noch besser als der Umsatz. Der bereinigte operative Gewinn legte im fortgeführten Geschäft um 7 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu. Aus eigener Kraft - also ohne Wechselkurseffekte - betrug das Plus gut 18 Prozent. Unter dem Strich blieb ein auf die Aktionäre entfallender Gewinn von 1,3 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Überschuss lediglich 329 Millionen Euro betragen.


Warten auf Taliban-Regierung

KABUL: Nach dem US-Truppenabzug aus Afghanistan lassen die militant-islamistischen Taliban mit einer Regierungsbildung weiter auf sich warten. Es gebe noch keine exakten Informationen über den Zeitpunkt, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Auch ob Talibanführer Haibatullah Achundsada erstmals nach der Machtübernahme der Islamisten öffentlich auftreten werde, ließ er offen. «Wir warten», so Mudschahid.

Einer möglichen Beteiligung früherer Regierungsmitglieder erteilte ein hochrangiges Mitglied der Islamisten bereits eine Absage. «Wir versuchen, eine Regierung zu bilden, die sowohl intern als auch international unterstützt wird», sagte der Vizechef des politischen Büros der Taliban in Katar, Schir Mohammed Abbas Staneksai. «Aber natürlich werden die Personen, die in den letzten 20 Jahren Ministerien unter ihrer Kontrolle hatten, nicht Teil der neuen Regierung sein», sagte Staneksai im Interview mit dem paschtusprachigen Sender der BBC am Dienstag.

Unterdessen lieferten sich in der Nacht Widerstandskämpfer nahe dem Pandschirtal nach Angaben der Taliban erneut Gefechte mit den Islamisten. Die Provinz Pandschir ist die einzige von 34 Provinzen des Landes, die nach den Eroberungen der Taliban noch nicht unter Kontrolle der Islamisten steht. Verhandlungen hätten bisher keine «positiven Ergebnisse» gezeigt, sagte Mudschahid.

Kurz vor der Machtübernahme der Taliban war der bisher amtierende Präsident Aschraf Ghani außer Landes geflohen. Zuvor hatten die Taliban die meisten Städte und Provinzen nahezu kampflos erobert. Die militanten Islamisten beherrschten das Land bereits von 1996 bis 2001. Eine US-geführte Militärinvasion setzte ihrer Herrschaft nach den Anschlägen vom 11. September ein Ende. Nach rund zwei Jahrzehnten Militäreinsatz sind die Taliban wieder an der Macht.


Deutliche Zunahme der wetter- und klimabedingten Naturkatastrophen

GENF: Die Zahl der wetter- oder klimabedingten Naturkatastrophen ist seit 1970 deutlich gestiegen. Zwischen 2000 und 2009 waren es fünf Mal so viele wie in den 70er Jahren, wie die Weltwetterorganisation (WMO) am Mittwoch in Genf berichtete. In den zehn Jahren danach, von 2010 bis 2019, ging die Zahl der wetterbedingten Naturkatastrophen leicht zurück.

Insgesamt wurden von 1970 bis 2019 rund 11.000 solcher Katastrophen gemeldet. Mehr als zwei Millionen Menschen kamen dabei ums Leben. Es geht etwa um Stürme, Überschwemmungen, Dürren oder extreme Hitzeereignisse. Nicht berücksichtigt sind Katastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche.

Die WMO warnt seit langem, dass sich solche Naturkatastrophen wegen des Klimawandels häufen und intensiver werden. Sie unterstützt den Aufbau von Frühwarnsystemen. Weil heute mehr Menschen in mehr Ländern frühzeitig vor nahenden Unwettern gewarnt werden können, ist die Zahl der Todesopfer deutlich zurückgegangen. In den 70er Jahren waren es insgesamt mehr als 55.000 Tote, von 2010 bis 2019 waren es 18.500.


Ziegen gegen Buschfeuer: Herde soll Pufferzone schaffen

SYDNEY: In Australien sollen gefräßige Ziegen ab sofort dabei helfen, das Risiko von Buschfeuern einzudämmen. Mehrere Farmer hätten eine Herde von Geißen und Böcken zur Verfügung gestellt, um die Gemeinde Clandulla im Bundesstaat New South Wales vor möglichen Feuern zu schützen, berichtete der Sender 9News am Mittwoch unter Berufung auf die örtliche Feuerwehr. In dem Örtchen 225 Kilometer nordwestlich von Sydney sei wegen trockener Gräser und Pflanzen eine große Brandgefahr ausgemacht worden.

Vor den australischen Sommermonaten, in denen es häufig zu verheerenden Feuern kommt, sollen diese nun möglichst verschwinden - dank der Ziegen, die fast ihre ganze Zeit mit dem Fressen von Gräsern und Sträuchern verbringen, die viele andere Tiere nicht anrühren. «Das ganze Gemampfe macht sich jetzt die ländliche Feuerwehr zunutze», hieß es in dem Bericht. Es sei das erste Mal, dass die Methode in Australien angewandt werde - in Spanien, Portugal und den USA seien aber bereits ähnliche Versuche unternommen worden.

Die Tiere sollen zwei Monate lang in der Region grasen. Es werde erwartet, dass die Ziegen allein in den kommenden drei Wochen zwei Hektar kahl fressen und so eine Pufferzone vor dem Dorf mit 200 Einwohnern schaffen würden. Sollte es doch zu einem Feuer kommen, würde dieses sich dann viel langsamer ausbreiten, sagte Troy Gersbeck von der regionalen Feuerwehr. Während kontrolliertes Feuerlegen («Backburning») zur Verminderung des Waldbrandrisikos wetterabhängig sei, hätten Ziegen immer Spaß am Futtern, hieß es.


London spricht mit Taliban über Ausreise von Briten und Ortskräften

LONDON: Die britische Regierung verhandelt mit den militant-islamischen Taliban über eine sichere Ausreise von Briten und afghanischen Ortskräften aus Afghanistan. Der Sonderbeauftragte von Premierminister Boris Johnson, Simon Gass, sei zu Gesprächen mit führenden Vertretern der Taliban in die katarische Hauptstadt Doha gereist, sagte ein Regierungssprecher in London in der Nacht zu Mittwoch. Es gehe darum, «die Bedeutung einer sicheren Ausreise für britische Staatsangehörige und die Afghanen, die in den vergangenen 20 Jahren mit uns zusammengearbeitet haben, zu unterstreichen».

Zudem verstärkt das Außenministerium vorübergehend seine Botschaften in den afghanischen Nachbarländern Pakistan, Usbekistan und Tadschikistan. Spezialisten sollen die Diplomaten dabei unterstützen, Menschen über Landgrenzen in Sicherheit zu bringen. Außenminister Dominic Raab hatte am Dienstag gesagt, dass sich noch eine «niedrige dreistellige» Zahl an Briten in Afghanistan aufhalte.

Afghanen, die für das britische Militär sowie die britische Regierung gearbeitet haben, dürfen dauerhaft nach Großbritannien ziehen. Das Innenministerium änderte seine Regeln für afghanische Ortskräfte und ihre Familien, die in ihrer Heimat unter der Taliban-Herrschaft nun in Gefahr sind. Bisher waren nur fünf Jahre Aufenthalt erlaubt. Nach Angaben von Raab hat die britische Regierung in den vergangenen zwei Wochen mehr als 17.000 Briten und Afghanen aus dem Krisenland ausgeflogen.

Raab sollte sich am Mittwoch Fragen von Abgeordneten in London stellen. Der Minister war scharf kritisiert worden, weil er erst spät aus seinem Strandurlaub nach Großbritannien zurückkehrte, während die Evakuierungsmission in Kabul schon längst lief. Raab betont, er habe auch im Urlaub pausenlos gearbeitet. Johnsons Sprecher sagte, der Premier habe volles Vertrauen in den Minister.


Waldbrände am Lake Tahoe - über 4100 Feuerwehrleute im Einsatz

SACRAMENTO: Großeinsatz der Feuerwehr am kalifornischen Lake Tahoe: mehr als 4100 Feuerwehrleute und Helfer haben am Dienstag gegen heftige Waldbrände in dem malerischen Berggebiet östlich der Hauptstadt Sacramento angekämpft. Nach Angaben der Behörden hat sich das sogenannte Caldor-Feuer auf eine Fläche von mehr als 800 Quadratkilometern ausgebreitet. Am Dienstagabend (Ortszeit) war der Flächenbrand zu 18 Prozent unter Kontrolle. Damit machten die Einsatzteams beim Eindämmen leichte Fortschritte gegenüber dem Vortag.

Am Montag waren Zehntausende Menschen aufgefordert worden, den Südrand des riesigen Bergsees in der Sierra Nevada zu verlassen. Die Feuerwehr hatte die Räumung der bedrohten Gebiete als Vorsichtsmaßnahme angeordnet. Auch im Nachbarstaat Nevada mussten Menschen am Dienstag ihre Häuser räumen. Das seit mehr als zwei Wochen wütende Feuer hatte sich am Wochenende gen Osten in das Urlaubsgebiet vorgefressen.

Die Flammen wurden in den letzten Tagen von heftigen Winden angetrieben. Die Region leidet seit Monaten unter Trockenheit. Von Donnerstag an sollen sich die Winde deutlich abschwächen. «Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels», sagte der Cal-Fire-Meteorologe Jim Dudley am Dienstag.

Fünf Menschen wurden bislang verletzt, darunter drei Feuerwehrleute. Nach Angaben der Behörde Cal Fire haben die Flammen in der Region 675 Häuser zerstört.


Weltgrößter Vergnügungspark von Universal Studios in Peking eröffnet

PEKING: Der weltgrößte Vergnügungspark von Universal Studios hat am Mittwoch in Peking seine Tore für geladene Besucher geöffnet. Nach dem «Soft-Opening» soll der Park des Hollywood-Riesen in Chinas Hauptstadt am 20. September seinen Betrieb voll aufnehmen. Mehr als zehn Millionen Gäste werden pro Jahr erwartet.

Das «Universal Beijing Resort» liegt im Stadtbezirk Tongzhou rund 30 Kilometer vom Zentrum der 21-Millionen-Metropole. Zwei große Hotels, 24 Bühnenshows sowie 37 Attraktionen um populäre Filmthemen wie Harry Potter, Transformers, Kung Fu Panda, Jurassic Park, Minions und Waterworld sowie 80 Restaurants und 30 Geschäfte werben um Besucher.

Die Investitionen werden laut Medienberichten auf 50 Milliarden Yuan, umgerechnet 6,5 Milliarden Euro, beziffert. Es ist nach Hollywood, Orlando, Singapur und Osaka der fünfte Vergnügungspark von Universal Studios weltweit, der dritte in Asien und der erste in China. Mit vier Quadratkilometer Fläche ist es auch der größte in der Welt.

Wegen der Pandemie war die Eröffnung um mehrere Monate verschoben worden. Obwohl China heute kaum Corona-Infektionen zählt, müssen Besucher vorsichtshalber weiter Masken tragen, sich mit einer Gesundheits-App auf dem Handy als unbedenklich ausweisen, Fieber messen lassen und Abstand halten.


Nahverkehr für Jugendliche wird im Großraum Straßburg gratis

STRAßBURG: Alle Jugendlichen unter 18 Jahren im Großraum der Elsass-Metropole Straßburg können von diesem Mittwoch an den öffentlichen Nahverkehr dort gratis benutzen. Dazu muss lediglich ein kostenloses Abo abgeschlossen werden, wie die Verkehrsbetriebe mitteilten. Eingeschlossen sind die 33 Gemeinden der Eurométropole sowie die deutsche Grenzstadt Kehl. Das Abo kann auf einer Karte oder direkt auf einer Handy-App gespeichert werden. Insgesamt rund 84.200 Jugendliche könnten von dem Angebot profitieren. Fast 46.000 Abos seien bereits abgeschlossen worden, hieß es vor dem Start.

Als Ziele des kostenlosen Nahverkehrs für junge Leute wird einerseits der Umweltschutz genannt, andererseits auch die Entlastung der Familien, die bislang oft Hunderte Euro jährlich für Fahrkarten der Kinder bezahlt haben. Außerdem gehe es darum, die Erwachsenen von morgen bereits für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu gewinnen.


Bulgarien steuert wieder auf Neuwahlen zu

SOFIA: Bulgarien steuert weniger als zwei Monate nach einer vorgezogenen Parlamentswahl erneut auf Neuwahlen zu. Auch der drittstärksten Partei der Sozialisten gelang es nicht, eine Parlamentsmehrheit um sich zu vereinigen. Die drei Protestparteien, die als mögliche Regierungspartner galten, erteilten den aus der früheren kommunistischen Staatspartei hervorgegangenen Sozialisten eine Absage. Zuletzt verweigerte die populistische ITN des Entertainers Slawi Trifonow am Mittwoch ihre Unterstützung. Eine Neuwahl könnte es in dem EU-Land im November geben, da ohnehin eine Präsidentenwahl ansteht.

«Wir werden die Bildung eines Kabinetts mit eurem Mandat nicht unterstützen», sagte ITN-Fraktionschef Toschko Jordanow bei einem fünfminütigen Treffen mit Sozialisten-Chefin Kornelia Ninowa. Da die Sozialisten über nur 36 der 240 Parlamentssitze verfügen, waren sie auf die Unterstützung der fünf weiteren, teils zerstrittenen Parteien angewiesen. Die Sozialisten-Führung wollte am Donnerstag über die weiteren Schritte der Partei entscheiden.

Staatschef Rumen Radew hatte am Freitag den dritten und damit letzten Regierungsauftrag den Sozialisten übergeben. Das Staatsoberhaupt muss nach drei gescheiterten Anläufen dem Grundgesetz zufolge eine neue Parlamentswahl anberaumen - es wäre die dritte 2021.

Die systemkritische ITN (65 Sitze) hatte die Wahl vom 11. Juli knapp vor der bürgerlichen GERB (63 Sitze) von Ex-Regierungschef Boiko Borissow gewonnen. Die GERB ist wegen Korruptionsvorwürfen durch die Parteien, die 2020 gegen Borissows Regierung protestiert hatten, politisch isoliert. Die beiden größten Parteien ITN und GERB verzichteten bereits wegen fehlender Mehrheit auf die Bildung einer Regierung.


UN-Generalsekretär warnt vor humanitärer Katastrophe in Afghanistan

NEW YORK: UN-Generalsekretär António Guterres hat nach dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan und dem Ende der Evakuierungsaktion vor dem völligen Zusammenbruch der Grundversorgung in dem Land gewarnt. «Eine humanitäre Katastrophe bahnt sich an», sagte Guterres am Dienstagabend (Ortszeit) in New York. Die Menschen verlören jeden Tag den Zugang zu elementaren Gütern und Dienstleistungen. «Fast die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans - 18 Millionen Menschen - sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, um zu überleben. Jeder dritte Afghane weiß nicht, woher seine nächste Mahlzeit kommen wird. Mehr als die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren wird im nächsten Jahr voraussichtlich akut unterernährt sein.»

Guterres sagte, alle Mitgliedstaaten seien aufgefordert, «sich für die Menschen in Afghanistan in ihrer dunkelsten Stunde der Not einzusetzen». Sie sollten rechtzeitig, flexibel und umfassend Mittel bereitstellen. In der nächsten Woche würden Einzelheiten über den dringendsten humanitären Bedarf und den Finanzierungsbedarf für die nächsten vier Monate bekannt gegeben.

Die afghanischen Kinder, Frauen und Männer bräuchten jetzt mehr denn je die Unterstützung und Solidarität der internationalen Gemeinschaft, sagte Guterres. In diesem Jahr hätten bereits acht Millionen Menschen Hilfe bekommen. Angesichts der schweren Dürre und des bevorstehenden harten Winters müssten dringend zusätzliche Nahrungsmittel, Unterkünfte und medizinische Hilfsgüter in das Land gebracht werden. «Ich fordere alle Beteiligten auf, den sicheren und ungehinderten Zugang für lebensrettende und lebenserhaltende Hilfsgüter sowie für alle humanitären Helfer - Männer und Frauen - zu ermöglichen.»


Venezolanische Opposition will an Regionalwahlen teilnehmen

CARACAS: Nach mehreren Boykotten strebt Venezuelas Opposition rund um den selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó eine Teilnahme an den Regionalwahlen in dem südamerikanischen Krisenstaat am 21. November an. «Wir haben diese Entscheidung nach einem schwierigen Prozess interner Überlegungen getroffen», hieß es in einer Mitteilung der «Plataforma Unitaria» am Dienstag (Ortszeit).

Präsident Nicolás Maduro gratulierte der Opposition zu ihrer Entscheidung. «Ich werde mich in meinen Sessel setzen, mit eingeschaltetem Fernseher, mit meinem Popcorn, um Juan Guaidó am 21. November wählen zu sehen», sagte der autoritäre Staatschef im Sender «VTV». «Und da werde ich applaudieren, weil wir es geschafft haben, ihn wieder in die Demokratie aufzunehmen.»

In der Gruppe um Guaidó befinden sich verschiedene venezolanische Oppositionsparteien wie «Primero Justicia» und «Voluntad Popular». In wenigen Tagen wollen Regierung und Opposition im seit Jahren andauernden Konflikt ihren Mitte August eingeläuteten Dialog in Mexiko wieder aufnehmen. Die Opposition fordert freie Wahlen und die Freilassung der politischen Gefangenen, die sozialistische Regierung strebt eine Lockerung der internationalen Sanktionen an. An der Präsidentschaftswahl 2018 etwa, aus der der autoritäre Staatschef Maduro erneut als Sieger hervorgegangen war, hatte die Opposition mit dem Argument nicht teilgenommen, dass diese nicht frei und fair sei.

Venezuela steckt in einer tiefen politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krise. Oppositionsführer Guaidó hatte sich Anfang 2019 zum Interimspräsidenten erklärt und versucht seitdem, Maduro aus dem Amt zu drängen. Zwar erhielt er viel Unterstützung aus dem Ausland, konnte sich aber in Venezuela selbst nicht durchsetzen. Angesichts von Armut und Gewalt haben rund 5,6 Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen.


New Orleans verhängt Ausgangssperre wegen Stromausfall durch Hurrikan

NEW ORLEANS: Wegen der Nachwirkungen des Hurrikans «Ida» hat die Großstadt New Orleans im Süden der USA vorübergehend eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Bürgermeisterin der Stadt, Latoya Cantrell, verkündete am Dienstag (Ortszeit), dies gelte ab sofort jeweils zwischen 20 Uhr am Abend und 6 Uhr am Morgen. Die Polizei von New Orleans begründete den Schritt mit der öffentlichen Sicherheit. Wegen des flächendeckenden Stromausfalls in der Stadt sei es derzeit nicht sicher, sich nachts auf den Straßen aufzuhalten. Außerdem wolle die Polizei gegen Plünderungen angehen.

«Ida» war am Sonntag als gefährlicher Hurrikan der Stärke vier von fünf südwestlich von New Orleans auf die Küste des US-Bundesstaates Louisianas getroffen. In Louisiana waren rund eine Million Haushalte infolge der Sturmschäden ohne Strom. In New Orleans mit rund 400.000 Einwohnern war die Stromversorgung komplett zusammengebrochen - und das ausgerechnet während der Sommerhitze, in der die meisten Anwohner auf ihre elektrischen Klimaanlagen angewiesen sind.

Cantrell kündigte an, im Laufe des Mittwochs sollte ein erster kleiner Teil der Stromversorgung in der Stadt wieder in Gang kommen. Niemand solle aber erwarten, das mit einem Schlag überall die Lichter angingen. Dies werde Zeit dauern, und die Stromversorgung werde nur Schritt für Schritt wiederhergestellt werden.


Puma aus New Yorker Wohnung befreit

NEW YORK: In New York City ist ein Puma aus einer Wohnung in einem Privathaus befreit worden. Die elf Monate alte und 80 Pfund schwere weibliche Raubkatze sei in einer konzertierten Aktion von Tierschützern, Polizisten und Zoo-Mitarbeitern in der vergangenen Woche abgeholt worden, der Besitzer habe sie freiwillig abgegeben, teilten die Tierschutzorganisation Humane Society of The United States, die New Yorker Polizei und der Bronx Zoo mit. Am Wochenende sei der Puma namens Sasha zunächst im Zoo betreut worden. Nun sei er auf dem Weg in eine Auffangstation in Turpentine Creek im US-Staat Arkansas, in der Raubkatzen ein Leben lang geschützt und betreut würden.

Die Direktorin der Tierschützer, Kelly Donithan, sagte, der Puma habe relativ viel Glück gehabt, dass sein Besitzer erkannt habe, dass eine Wildkatze nicht für ein Leben in einer Wohnung geeignet sei. Wildtiere gehörten nirgendwo anders hin als in die Wildnis. Der Direktor der Umweltbehörde Basil Seggos fügte hinzu: «Wildtiere wie Pumas sind keine Haustiere. Pumas sehen zwar niedlich und knuddelig aus, wenn sie jung sind, aber diese Tiere können unberechenbar und gefährlich werden.»

In New York gab es den Angaben zufolge schon früher ähnliche Fälle, in denen gefährliche Tiere in Privatwohnungen lebten. 2003 befreite die New Yorker Polizei mit Hilfe von Mitarbeitern des Bronx Zoos einen ausgewachsenen Tiger aus einer Wohnung in Harlem. Ein Jahr später wurde ein Kind in Suffolk County im Bundesstaat New York vom Leoparden seines Vaters angegriffen.

Pumas leben in Nord-, Mittel- und Südamerika. Sie gelten nach Tigern, Löwen und Jaguaren als viertgrößte Katzen der Welt. Pumas können in der Wildnis bis zu 100 Kilogramm schwer werden, eine Schulterhöhe von bis zu 90 Zentimetern erreichen, über fünf Meter hoch springen und bis zu 70 Stundenkilometer schnell rennen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Säugetieren.


Parlament in Texas beschließt umstrittene Wahlrechtsänderungen

WASHINGTON: Das Parlament im US-Staat Texas hat umstrittene Wahlrechtsänderungen beschlossen. Beide Parlamentskammern stimmten den Plänen am Dienstag jeweils mit der Mehrheit der Republikaner zu. Das Gesetz soll unter anderem die Macht parteiischer Wahlbeobachter ausweiten und bestimmte Wahlmethoden verbieten - etwa eine Abstimmung in Drive-In-Wahllokalen, also aus dem Auto heraus. Untersagt werden soll zum Beispiel auch, dass offizielle Stellen unaufgefordert Anträge für eine Briefwahl an Wahlberechtigte schicken.

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, schrieb am Dienstag auf Twitter, er freue sich darauf, das Gesetz zu unterzeichnen. Dies schütze die Integrität der Wahlen. Kritiker sehen in den Änderungen dagegen einen Angriff auf die Demokratie. Der prominente Demokrat und frühere Präsidentschaftsbewerber Beto O'Rourke aus Texas etwa sprach von «Wählerunterdrückung».

In den USA ist das Wahlrecht, das im Wesentlichen von den Bundesstaaten ausgestaltet wird, extrem umkämpft. Mehrere republikanisch regierte Staaten haben bereits Regelungen beschlossen oder verfolgen Bestimmungen, die das Abstimmen nach Ansicht von Kritikern erschweren würden. Wenn die Hürden für das Wählen höher sind, bleiben in den USA häufig vor allem Angehörige von Minderheiten zu Hause - und diese Gruppen stimmen oft eher für Demokraten. Die Republikaner wiederum argumentieren, ihnen gehe es bei den Reformen nur darum, Wahlbetrug zu erschweren. Wahlbetrug ist in den USA aber sehr selten und kann teils mit langen Haftstrafen geahndet werden.

Die politische Auseinandersetzung ist eine Nachwirkung des polarisierenden Wahljahres 2020. Der republikanische Ex-Präsident Donald Trump erkennt bis heute nicht an, dass er die Wahl klar gegen den Demokraten Joe Biden verloren hatte. Trump behauptet, er sei durch Wahlbetrug um den Sieg gebracht worden. Vor Gericht ist sein Lager mit Dutzenden Klagen gegen das Wahlergebnis gescheitert. Viele Republikaner hielten aber an Trumps Erzählung fest, dass es bei den Wahlen Unregelmäßigkeiten gegeben habe, und trieben in der Folge Gesetzesinitiativen voran, die aus Sicht von Demokraten und Bürgerrechtlern das Wahlrecht beschneiden.


Mehrheit sieht Ziele bei Afghanistan-Einsatz verfehlt

WASHINGTON: Eine große Mehrheit der Amerikaner hält den inzwischen beendeten Militäreinsatz der USA in Afghanistan einer Umfrage zufolge nicht für erfolgreich. 69 Prozent gaben an, dass die USA ihre Ziele in Afghanistan größtenteils verfehlt hätten, wie das Institut Pew am Dienstag (Ortszeit) mitteilte. Kaum einen Unterschied gab es dabei zwischen Anhängern der Demokraten von US-Präsident Joe Biden (69 Prozent) und denen der Republikaner (70 Prozent). Klare Differenzen zeigten sich bei der Einschätzung des vollständigen US-Truppenabzugs aus Afghanistan: 70 Prozent der Demokraten befürworteten ihn, aber nur 34 Prozent der Republikaner.

Bidens Vorgänger, der Republikaner Donald Trump, wollte die US-Truppen schon zum 1. Mai aus Afghanistan abziehen. Biden verlängerte die Frist bis zum 31. August. Mitte August übernahmen die Taliban, deren Regime der US-geführte Einsatz Ende 2001 gestürzt hatte, wieder die Macht. Mit dem Abzug der letzten US-Soldaten vom Flughafen Kabul ging der internationale Afghanistan-Einsatz in der Nacht zu Dienstag schließlich nach fast 20 Jahren zu Ende.

Pew befragte zwischen dem 23. und dem 29. August 10.348 Erwachsene in den USA. Die Befragungen fanden also statt, während die Evakuierungsmission der US-Streitkräfte und ihrer Verbündeten in Kabul lief. Sie war mit dem Abzug der Truppen beendet worden.


Pentagon: Haben keine Hunde in Käfigen in Kabul zurückgelassen

WASHINGTON/KABUL: Aufregung um Hunde am Flughafen Kabul: Das Pentagon hat Berichte zurückgewiesen, Hunde des US-Militärs am Flughafen der afghanischen Hauptstadt in Käfigen zurückgelassen zu haben. Die vorrangige Aufgabe der USA sei die Evakuierung von US-Bürgern, afghanischen Ortskräften und gefährdeten Afghanen gewesen, erklärte das Pentagon am Dienstag. Weiter hieß es: «Das US-Militär hat keine Hunde in Käfigen auf dem internationalen Flughafen Hamid Karzai zurückgelassen, auch keine (...) Militärdiensthunde.» Entsprechende Berichte seien falsch.

Hintergrund sind Fotos, die im Internet kursieren und Hunde am Kabuler Flughafen zeigen sollen. Der Vorwurf: Die US-Truppen hätten sie beim Abzug zurückgelassen. Das Pentagon betont nun, dass die Hunde unter der Obhut der Tierschutzorganisation Kabul Small Animal Rescue gestanden hätten - nicht unter der des US-Militärs. «Trotz einer anhaltenden komplizierten und gefährlichen Rückführungsmission bemühten sich die US-Streitkräfte, die Kabul Small Animal Rescue so weit wie möglich zu unterstützen», hieß es weiter auf Anfrage.

Die Organisation hat seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban versucht, zahlreiche Hunde und Katzen außer Landes zu bringen. Sie hatte zuletzt Geld für ein Frachtflugzeug gesammelt. Auf Anfrage erklärte sie, dass die Hunde am Flughafen tatsächlich unter ihrer Obhut gestanden hätten. Es habe sich um Diensthunde von militärischen Vertragspartnern gehandelt. Für diese Hunde würden nicht die gleichen Regeln wie für die Militärdiensthunde gelten. Dies sei eine «furchtbare Unterscheidung».

Die Tierschutzorganisation SPCA hatte am Dienstag im Namen der Gründerin von Kabul Small Animal Rescue, Charlotte Maxwell-Jones, erklärt, dass diese das Flughafengelände am 30. August habe verlassen müssen. Es hieß weiter, dass ein Großteil der Hunde der Organisation am Flughafen freigelassen worden sei - was sie schließlich zu Streunern gemacht habe. Es sei unklar, was dann mit ihnen passiert sei. Die Organisation moniert, dass die Tiere zuvor nicht an Bord der Flugzeuge gelassen worden seien. Auf der Facebookseite der Organisation hieß es zuletzt, dass man alles tun werde, um die «pelzigen Freunde» zu retten.


Lange Schlangen an Tankstellen in Louisiana nach Hurrikan «Ida»

NEW ORLEANS: Nach Hurrikan «Ida» haben sich im südlichen US-Bundesstaat Louisiana an Tankstellen vielerorts lange Schlangen gebildet. Viele Menschen standen geduldig mit Kanistern an, um an den Zapfsäulen Benzin für Generatoren zu bekommen, weil der Strom in der Region ausgefallen war. Fotos zeigten andernorts Dutzende Autos, die lange Schlangen bildeten, um ihre Tanks füllen zu können. In der Region waren viele Tankstellen geschlossen - entweder wegen Sturmschäden oder weil ihnen die Generatoren zum Pumpen des Benzins fehlten. Zudem waren immer noch viele Straßen von Trümmern blockiert, weswegen Tankstellen kaum Nachschub bekommen konnten.

«Ida» war am Sonntag als gefährlicher Hurrikan der Stärke vier von fünf südwestlich von New Orleans auf die Küste Louisianas getroffen. Der Sturm verursachte dabei auch an einem wichtigen Hafen für Rohöl in Port Fouchon Schäden. Dieser dient als Transitpunkt für viele Ölplattformen im Golf von Mexiko. Das Weiße Haus erklärte am Dienstag (Ortszeit), um die Benzinversorgung zu verbessern, seien Regelungen zur maximalen Fahrtzeit für Lkw-Fahrer zeitweise gelockert worden. Auch eine Umweltrichtlinie werde für Louisiana und den Nachbarstaat Mississippi zeitweise ausgesetzt, um das Angebot kurzfristig zu erhöhen, wie das zuständige Umweltamt EPA erklärte.

In Louisiana waren rund eine Million Haushalte infolge der Sturmschäden immer noch ohne Strom. In der Großstadt New Orleans mit rund 400.000 Einwohnern war die Stromversorgung weiterhin komplett zusammengebrochen - und das ausgerechnet während der Sommerhitze, in der die meisten Anwohner auf ihre elektrischen Klimaanlagen angewiesen sind. Es war bislang nicht klar, wie lange es dauern könnte, zumindest einen Großteil der Versorgung wiederherzustellen.

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