Neues aus dem Ausland am Mittwoch

Neues aus dem Ausland am Mittwoch

Rekord-Hochwasser und Wasserknappheit: Verrücktes Klima

LONDRINA: Während das brasilianische Amazonasgebiet unter einem Rekord-Hochwasser leidet, drohen in anderen Teilen des südamerikanischen Landes die Stauseen auszutrocknen. So erklärte die nationale Wasserbehörde (ANA) Brasiliens die Situation in rund einem halben Dutzend brasilianischer Bundesstaaten entlang des Paraná-Flusses bis zum 30. November für kritisch. Dies geht aus einer Mitteilung der Behörde vom Mittwoch hervor.

Stauseen im Zentrum und Süden, wo Anlagen wie das Itaipú-Kraftwerk den Großteil der Energie Brasiliens erzeugen, sind wegen mangelnden Regens nur zu 32 Prozent gefüllt, wie die Nachrichtensendung «Jornal Nacional» diese Woche berichtete. Der Durchschnitt in den vergangenen 20 Jahren lag bei 64 Prozent. Bei 29 Prozent erlebte Brasilien 2001 einen Blackout. Experten befürchten wegen der Trockenheit ein schwieriges zweites Halbjahr für den Energiesektor und die Verbraucher.

Im Herzen des Amazonasgebiets dagegen wies der Rio Negro, der bei Manaus in den Amazonas fließt, mit 29,98 Meter den höchsten Pegel seit 1902 auf. Der Fluss unterliegt nach Regen- und Trockenzeit starken Schwankungen. Sein niedrigster Stand waren 13,63 Meter im Jahr 2010. Der starke, anhaltende Regen, der die Überschwemmungen verursacht hat, ist mit der Wasserknappheit im Zentrum und Süden verbunden, wie es in einer Mitteilung des «Instituto Socioambiental» hieß, und spiegelt die Auswirkungen des Klimawandels in der Region.


Mietautos unterschlagen - Berliner samt Wagen in Italien geschnappt

KÖLN/BOLOGNA: Zwei Berliner, die mit unterschlagenen Luxuskarossen zweier deutscher Autovermieter in Italien unterwegs waren, sind dort geschnappt worden. Die Autos haben den Angaben zufolge einen Wert von zusammen 180.000 Euro. Nach einem Hinweis der Kollegen aus NRW und einer GPS-Ortung habe die italienische Polizei auf einem Rastplatz in Bologna zwei Autos überprüft, teilte die Kölner Polizei am Mittwoch mit. Beide Wagen - ein Mercedes-SUV und ein Maybach - seien von einem 23-Jährigen angemietet worden, einer in Köln, einer in Berlin.

Als Fahrzeugführer identifizierten die Polizisten in Oberitalien zwei 22- und 26-jährige Berliner. Beide wurden festgenommen, die Autos sichergestellt. Der Kölner Vermieter hatte den SUV, dessen Nutzung vertraglich nur in Deutschland erlaubt war, zunächst in Österreich und danach in Italien geortet. Den Wagen hatte der 23-Jährige am 21. Mai in Köln gemietet.


USA verhängen wegen Korruptionsvorwürfen Sanktionen gegen Bulgaren

WASHINGTON: Die US-Regierung hat wegen Korruptionvorwürfen Sanktionen gegen den früheren bulgarischen Vize-Wirtschaftsminister Alexandar Manolew und mehrere andere Bulgaren verhängt. Gegen Manolew, einen früheren Parlamentarier sowie zwei frühere und einen aktuellen Regierungsmitarbeiter seien Einreisesperren erlassen worden, teilte das US-Außenministerium am Mittwoch mit. Das US-Finanzministerium teilte mit, gegen zwei der Betroffenen, einen bulgarischen Oligarchen und deren Netzwerk aus 64 Firmen würden zusätzliche Strafmaßnahmen verhängt. Demnach wird etwaiger Besitz in den USA eingefroren, Amerikanern sind Geschäfte mit ihnen untersagt.

In einer ersten Reaktion bekräftigte Bulgariens Außenministerium die Überzeugung, dass der Kampf gegen alle Formen der Korruption «unsere bedingungslose prinzipielle und praktische Priorität» sein müsse. Als strategische Partner unterhielten Bulgarien und die USA einen «nachhaltigen und wirkungsvollen» strategischen Dialog, heißt es weiter in einer Mitteilung vom Mittwochabend.


EU will Beitrittsaspiranten Milliardensumme für Reformen überweisen

BRÜSSEL: Die Türkei und sechs weitere Länder mit offizieller Perspektive auf einen EU-Beitritt sollen bis Ende 2027 rund 14,2 Milliarden Euro an sogenannter Heranführungshilfe erhalten. Wie der Rat der Europäischen Union am Mittwochabend mitteilte, erzielte der portugiesische Ratsvorsitz mit dem Europäischen Parlament eine politische Einigung über die notwendige Verordnung. Sie soll regeln, wie das Geld an die Türkei und die Balkanstaaten Albanien, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Kosovo sowie Bosnien-Herzegowina verteilt wird.

«Mit der Heranführungshilfe werden die Begünstigten bei der Annahme und Umsetzung sehr wichtiger politischer, institutioneller, sozialer sowie wirtschaftlicher Reformen unterstützt, die zur Einhaltung der Werte der EU und zur schrittweisen Angleichung an die Vorschriften, Normen und Strategien der EU erforderlich sind», kommentierte die für die Verhandlungen zuständige portugiesische Staatssekretärin Ana Paula Zacarias. EU-Erweiterungskommissar Oliver Varhelyi sprach von einem starken Signal an die Länder und einer soliden Investition auch in die Zukunft der EU.

Sowohl der Rat als auch die Kommission betonten, dass die Gelder auf Grundlage der tatsächlichen Reformanstrengungen zugewiesen werden sollen. Damit könnte zum Beispiel die Türkei Anreize bekommen, sich in Bereichen wie der Rechtsstaatlichkeit wieder mehr an EU-Standards zu orientieren. Die Beitrittsverhandlungen mit dem Land liegen seit mehreren Jahren wegen Rückschritten auf Eis.

Die politische Einigung muss nun noch in Rechtstexte übersetzt und dann vom EU-Ministerrat und vom Parlament gebilligt werden. Die Annahme werde im Herbst erwartet, teilte die EU-Kommission mit.


Neue Proteste gegen Bulgariens Generalstaatsanwalt

SOFIA: In Bulgarien haben Anhänger der Übergangsregierung des Landes den Rücktritt von Chefankläger Iwan Geschew gefordert. Bei Protesten am Mittwoch vor und im Justizpalast in Sofia wurde die Generalstaatsanwaltschaft beschuldigt, die Aufklärung angeblicher Affären während der Amtszeit der früheren Regierung von Ex-Ministerpräsident Boiko Borissow behindert zu haben. Demonstranten hatten bereits 2020 Geschews Rücktritt mit dem Vorwurf verlangt, dass dieser zugunsten von Borissow und Oligarchen handele.

Hintergrund der aktuellen Proteste ist eine Aktion der Generalstaatsanwaltschaft gegen einen Polizeichef vom Dienstagabend, dem vorgeworfen wird, er sei an einer kriminellen Gruppe zum Schmuggel von antiken Gegenständen und Geldwäsche beteiligt gewesen. Er hatte einem Team angehört, das überprüfen sollte, ob Oppositionspolitiker während Borissows Amtszeit abgehört wurden.

Regierungssprecher Anton Kutew warnte vor einem «Krieg der Institutionen». Die Staatsanwaltschaft könne nicht aufhören zu arbeiten, nur weil es jemandem nicht passe, erklärte die Sprecherin des Chefanklägers, Sijka Milewa.

Bulgarien wird seit drei Wochen von einem Übergangskabinett regiert. Der Russland-freundliche Staatschef Rumen Radew ernannte Minister aus den Reihen der zuvor oppositionellen Sozialisten, aber keine der konservativen Partei GERB von Ex-Regierungschef Borissow. Am 11. Juli soll wieder ein neues Parlament gewählt werden. Nach der Wahl vom 4. April konnte wegen unklarer Mehrheiten im Parlament keine neue Regierung gebildet werden.


Zentralratspräsident: Rechtsextremismus könnte Demokratie bedrohen

BERLIN: Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat vor einem verfestigten Rechtsextremismus in Ostdeutschland gewarnt. «Mir macht es Sorgen, dass viele Bürger offenbar so unzufrieden sind, dass sie sich von der AfD einfangen lassen», sagte Schuster der in Berlin erscheinenden «Jüdischen Allgemeinen». «Manche Experten sprechen in den östlichen Bundesländern sogar von einem verfestigten Rechtsextremismus-Problem. Das sollten wir sehr ernst nehmen», sagte Schuster. «Diese Entwicklung könnte unsere Demokratie durchaus bedrohen. Zumal sich jetzt in der Corona-Pandemie über die Querdenker-Bewegung vermutlich neue Netzwerke gebildet haben, über die Rechtsextreme bis in die Mitte der Gesellschaft hineinwirken können.»

Schuster warnte die Union vor einer Zusammenarbeit mit der AfD in Sachsen-Anhalt oder anderswo. «Die Union darf nicht wackeln. Sowohl eine Koalition mit der AfD als auch eine Tolerierung durch diese Partei müssen klar ausgeschlossen werden», sagte der Zentralratspräsident. «Diese rote Linie darf nicht überschritten werden. Das gilt auch für die anderen Parteien.» Er sei überzeugt, dass die AfD in Sachsen-Anhalt nicht Teil der Landesregierung werde. «Dann können Juden dort weiterhin gut leben. Und für den Bund gilt dasselbe.»


Stoltenberg fordert Aufklärung des Spionageskandals

KOPENHAGEN: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat am Mittwoch eine Aufklärung des dänisch-amerikanischen Spionageskandals gefordert. «Die an dem Fall beteiligten Nationen sind Nato-Verbündete und müssen alle Fakten auf den Tisch bringen und herausfinden, was tatsächlich passiert ist», sagte Jens Stoltenberg dem Dänischen Rundfunk DR. Der Fall habe Dänemark in ein unglückliches Licht gerückt, das Vertrauen innerhalb der Nato sei aber intakt.

Ein Rechercheverbund um den DR sowie NDR, WDR, «Süddeutsche Zeitung» und weitere Medien hatte unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, der US-Geheimdienst NSA habe mit Hilfe Dänemarks europäische Spitzenpolitiker gezielt belauscht. Dazu zählten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Zugrunde liegt den Angaben eine interne Analyse des dänischen Militärnachrichtendienstes FE aus den Jahren 2012 und 2014.

Auch Macron und Merkel verlangten von der Regierung in Kopenhagen eine umfassende Aufklärung. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen lehnte am Mittwoch eine systematische Überwachung von Verbündeten ab. Sie sagte, sie glaube nicht, dass die Beziehungen Dänemarks beispielsweise zu Deutschland und Frankreich Schaden genommen hätten.


Estland verbietet Pelztierfarmen - Betriebe müssen schließen

TALLINN: Pelztierfarmen werden in Estland in Zukunft verboten sein - bis Ende 2025 müssen die verbliebenen Betriebe schließen. Im Parlament von Tallinn stimmten am Mittwoch 55 Abgeordnete für eine entsprechende Gesetzesänderung, 19 waren dagegen. Verboten wird damit die Zucht und Tötung von Tieren mit dem alleinigen Ziel, Pelze zu gewinnen.

Tierschützer hatten die Käfighaltung in den Pelztierfarmen immer wieder als grausam kritisiert. Sie sprachen nun von einem «historischen Sieg». «Wir arbeiten seit Jahren dafür und freuen uns sehr, dass Estland als erster baltischer Staat Pelztierfarmen verboten hat», sagte Annaliisa Post von der Tierschutzorganisation Loomus. Ein Verbot wird in dem Land seit 2009 diskutiert, als das Thema erstmals im Parlament zur Sprache kam. Zwei frühere Gesetzesentwürfe scheiterten aber 2017 und 2019.


Waffenexporte aus Frankreich 2020 stark gesunken

PARIS: Frankreichs Waffenexporte sind im vergangenen Jahr deutlich eingebrochen. Mit den Exporten wurden gut 40 Prozent weniger erwirtschaftet als 2019, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Verteidigungsministeriums hervorgeht. Grund sei vor allem die Corona-Krise. Demnach wurden 2020 etwa 4,9 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Rüstungsgütern eingenommen. Im Vorjahr waren es noch rund 8,3 Milliarden Euro gewesen. Dem Bericht zufolge bleibt Frankreich dennoch weltweit auf Platz drei der größten Waffenexporteure.

Neben der Krise erklärt der Bericht des Verteidigungsministeriums den Exporteinbruch mit ausbleibenden Großaufträgen über mehr als 500 Millionen Euro. Dies habe jedoch terminliche Gründe gehabt und sei keine grundlegende Tendenz. Die Bedingungen für 2021 seien nun günstiger. Man könne auf Einnahmen in Höhe von mindestens 10 Milliarden Euro hoffen, zitierte die französische Nachrichtenagentur AFP einen Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Während im vergangenen Jahr etwa ein Viertel und damit die meisten Aufträge aus europäischen Länder kamen, verdiente Frankreich am meisten durch die Abnehmer Saudi-Arabien, die USA und Marokko.


Tschechisches Parlament entscheidet über Misstrauensantrag

PRAG: Nur vier Monate vor der Parlamentswahl muss sich der tschechische Regierungschef Andrej Babis einem Misstrauensvotum stellen. Die Debatte beginnt am Donnerstag um 9.00 Uhr. Mit der Abstimmung wird frühestens am Abend gerechnet. Die Opposition wirft Babis Versagen bei der Corona-Pandemiebekämpfung und einen Interessenkonflikt als Politiker und Großunternehmer vor.

Für ein erfolgreiches Misstrauensvotum ist eine einfache Mehrheit aller 200 Abgeordneten erforderlich. Als entscheidend gilt die Haltung der Kommunisten, die sich im April enttäuscht von der Regierung abgewandt hatten. Präsident Milos Zeman kündigte bereits an, das Kabinett unabhängig vom Ausgang des Votums bis zur Wahl Anfang Oktober im Amt zu belassen.

Babis steht an der Spitze einer Minderheitsregierung aus seiner populistischen ANO und Sozialdemokraten. In der Geschichte Tschechiens hat es bisher nur einmal einen erfolgreichen Misstrauensantrag gegeben.


EuGH urteilt über zu hohe Stickoxid-Werte in deutschen Städten

LUXEMBURG: Der Europäische Gerichtshof urteilt am Donnerstag über eine Klage gegen Deutschland wegen zu schmutziger Luft in Städten. Die EU-Kommission wirft Deutschland vor, zu wenig zur Einhaltung der EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid getan zu haben. Damit sei systematisch gegen die Luftqualitätsrichtlinie verstoßen worden. (Rechtssache C-635/18)

Die Brüsseler Behörde hatte die Klage 2018 beim obersten EU-Gericht in Luxemburg eingereicht. Sie begründete dies damals damit, dass die seit 2010 in der EU gültigen Jahresgrenzwerte für Stickstoffdioxid in 26 Gebieten systematisch und fortdauernd überschritten worden seien, darunter Berlin, Hamburg, München und Stuttgart. In zwei Gebieten seien auch Stundengrenzwerte nicht eingehalten worden.

Sollte das Urteil gegen die Bundesrepublik ausfallen, sind neue Auflagen zum Beispiel für Dieselfahrzeuge im Einzelfall nicht ausgeschlossen. Allerdings hat sich die Luftqualität in deutschen Städten seit 2018 verbessert, unter anderem wegen der Corona-Krise. Das Umweltbundesamt berichtete im Februar, 2020 seien in deutlich weniger als zehn deutschen Städten NO2-Grenzwerte überschritten worden. Betroffen waren nach damaligen Angaben aber noch immer München und Hamburg.


Frankreichs Regierung legt Reform für Funktionärssystem vor

PARIS: Die Reform des französischen Spitzenfunktionärswesens rückt näher. Eine entsprechende Verordnung wurde am Mittwoch im Ministerrat präsentiert, wie die zuständige Ministerin Amélie de Montchalin sagte. Man könne mit der Reform nicht mehr warten, die Gesellschaft durchlebe eine Krise unübertroffener Stärke, die die Unzulänglichkeiten eines zu steifen Systems zeige.

Das Spitzenfunktionärswesen soll sich nun öffnen. De Montchalin sagte, es solle mehr Chancengleichheit und Diversität, mehr Nähe und mehr Effizienz geben. So sollten die Karrieren immer in operativen Stellen beginnen und nicht etwa in begutachtenden oder kontrollierenden Funktionen. Auch mehr Plätze in Vorbereitungskursen und mehr Stipendien für die Ausbildung werde es geben. Ziel sei es, den Staat für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorzubereiten und auf Innovation auszurichten.

Im Zuge der Reform soll auch die umstrittene Kaderschmiede École Nationale d'Administration (ENA) abgeschafft werden. Wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im April angekündigt hatte, soll sie durch eine breiter aufgestellte Einrichtung ersetzt werden.


Budapest ärgert mit china-kritischen Straßennamen die Orban-Regierung

BUDAPEST: Die Stadt Budapest und ihr 9. Stadtbezirk ärgern mit neuen Straßennamen, die kritisch auf die Politik Chinas verweisen, die Regierung des Rechtsnationalisten Viktor Orban. Oberbürgermeister Gergely Karacsony und Bezirksbürgermeisterin Krisztina Baranyi weihten am Mittwoch im Süden der Stadt die frisch aufgestellten Straßenschilder ein. Sie tragen Bezeichnungen wie Straße der Uigurischen Märtyrer, Freies-Hongkong-Straße oder Dalai-Lama-Straße.

Die Straßenzüge in unbebautem Gelände führen zu dem Grundstück, auf dem die Orban-Regierung einen Ableger der chinesischen Fudan-Universität errichten will. Die Schanghaier Universität gilt zwar als globale Elite-Universität, ist aber zugleich der Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas unterworfen. In Europa hat sie bisher keine Ableger. Ein Regierungssprecher bezeichnete die Straßenbenennungen als «Witz» und «Provokation».

Die Opposition, die seit 2019 in der Budapester Stadtverwaltung tonangebend ist, lehnt den Bau des Fudan-Ablegers ab. Nach einer jüngsten Umfrage sind auch 66 Prozent der Ungarn dagegen. Die Baukosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro übernimmt der ungarische Staat, während die Universität unter der politische Kontrolle Chinas stehen wird. Orban machte zuletzt immer wieder Avancen gegenüber Peking, sein Land legte gegen china-kritische EU-Beschlüsse Vetos ein.

Kritiker befürchten, dass Peking über eine finanziell bestens ausgestattete Budapester Fudan-Universität Einfluss auf das akademische Leben in Ungarn und darüber hinaus nehmen wird. Außerdem wird die Hochschuleinrichtung auf einem attraktiven Gelände am Donauufer errichtet, das ursprünglich für den Bau von kostengünstigen Heimen für ungarische Studenten vorgesehen war. Die «Studentenstadt» soll nun auf einem kleineren Baugrund weiter weg von der Donau entstehen.


Terror in Nizza mit 86 Toten: Prozess startet im kommenden Jahr

PARIS: Der verheerende Terror-Anschlag im südfranzösischen Nizza von 2016 mit 86 Toten soll im kommenden Jahr vor einem Pariser Spezialgericht aufgerollt werden. Der Prozess werde vom 5. September bis zum 15. November 2022 laufen. Das berichteten Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Paris und bestätigten damit französische Medienberichte.

Am 14. Juli 2016, dem französischen Nationalfeiertag, war Mohamed Lahouaiej Bouhlel auf der Flaniermeile Promenade des Anglais mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast. 86 Menschen starben, mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Unter den Toten des Attentats waren auch drei Deutsche. Der Gewalttäter wurde nach der Tat erschossen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat damals für sich.

Im September 2022 sollen acht Verdächtige vor Gericht erscheinen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP - drei von ihnen müssten sich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten.

Vom September dieses Jahres an ist in der französischen Hauptstadt bereits ein anderer großer Terrorprozess geplant. Dabei wird es um die islamistische Anschlagsserie vom 13. November 2015 gehen, bei der 130 Menschen in Paris getötet wurden. Frankreich wird jetzt seit Jahren vom islamistischen Terrorismus erschüttert, dabei starben weit mehr als 250 Menschen.


EU und Großbritannien einigen sich auf Fangbeschränkungen für Fisch

BRÜSSEL: Die EU und Großbritannien haben eine Grundsatzvereinbarung über Fangbeschränkungen für gemeinsam genutzte Fischbestände geschlossen. Der erfolgreiche Abschluss der im Januar begonnenen Verhandlungen schaffe eine solide Grundlage für die weitere Zusammenarbeit im Bereich der Fischerei, teilte die EU-Kommission am Mittwochabend mit. Über die Vereinbarung lege man die zulässigen Gesamtfangmengen für 75 gemeinsam befischte Bestände für 2021 sowie für einige Tiefseebestände für 2021 und 2022 fest. Außerdem werde Klarheit über Zugangsbeschränkungen zu nicht quotengebundenen Arten geschaffen.

Der zuständige EU-Kommissar Virginijus Sinkevicius kommentierte, das Abkommen schaffe Berechenbarkeit und Kontinuität für den Rest des Jahres. Es sei damit gut für Fischer, Küstengemeinden und Häfen, aber auch für die nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen.

Grundlage der Verhandlungen war das Ende 2020 nach dem Brexit vereinbarte Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. In ihm haben sich die Vertragsparteien als gemeinsames Ziel gesetzt, «bei der Bewirtschaftung gemeinsamer Bestände Quoten anzuwenden, mit denen beabsichtigt wird, die Bestände der befischten Arten zu erhalten und schrittweise über Werte für die Biomasse zurückzuführen, bei der der höchstmögliche Dauerertrag erzielt werden kann».


Flixbus sammelt 650 Millionen Euro über Kredite und Investoren ein

MÜNCHEN: Der Fernbus-Anbieter Flixbus hat in einer weiteren Finanzierungsrunde rund 650 Millionen Euro eingesammelt. Dabei handele es sich sowohl um Kredite als auch um Kapital der Investoren, sagten die beiden Unternehmensgründer André Schwämmlein und Jochen Engert am Mittwoch. Mit dem Geld wolle das Unternehmen unter anderem die weltweite Expansion in neue une bestehende Märkte vorantreiben. So wolle Flixbus etwa in den USA, Großbritannien und Portugal in den kommenden Jahren die Marktführerschaft übernehmen.

Flixbus vermittelt Fernbusreisen zwischen Reisenden und Busunternehmen. Seit der Marktliberalisierung im Jahr 2013 dominiert das Unternehmen den Fernbusmarkt in Deutschland und bietet inzwischen auch Fahrten in den USA und zahlreichen EU-Ländern an. Anfang Mai hat das Unternehmen auch in Schweden den Dienst aufgenommen.

Unter der Marke Flixtrain sind die Münchner auch im deutschen Fernverkehrsmarkt auf der Schiene aktiv. Hier ist der Marktanteil im Vergleich zur Deutschen Bahn allerdings noch gering. Während der Corona-Krise hatte Flixbus seine Dienste zwei Mal für mehrere Monate eingestellt. Seit Ende März sind die Busse nun wieder unterwegs.


Brite wegen Alkoholhandels zu Haft verurteilt

KABUL: In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ein britischer Staatsbürger wegen illegalen Alkoholhandels zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das teilte ein Sprecher des Obersten Gerichts am Mittwoch mit. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann unter dem Deckmantel einer Logistikfirma etwas mehr als 1200 Liter Alkohol verkaufte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Verkauf, Besitz und Konsum von Alkohol ist in dem konservativen muslimischen Land verboten. Allerdings gibt es einen blühenden Schwarzmarkt. Für eine Dose europäischen Biers werden teils zehn US-Dollar verlangt, für eine Flasche importierten Wodkas 50 US-Dollar oder mehr.

Der nun verurteilte Brite befinde sich in Haft, hieß es vom Sprecher des Obersten Gerichts weiter. Allerdings wollte er keine Angaben dazu machen, wo genau. Es gibt in Kabul eine gesonderte Haftanstalt der Behörde für Drogenbekämpfung, die mit US-Geldern gebaut wurde. In dieser sitzen üblicherweise afghanische Heroinschmuggler ein. Das allgemeine Gefängnis in Kabul ist das berühmt-berüchtigte Pul-e-Tscharchi-Gefängnis, wo sich Schwerstkriminelle mit Taliban-Kämpfern Zellen teilen. Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt die verheerenden Zustände in afghanischen Gefängnissen angeprangert.

Erst Anfang März war ein britischer Staatsbürger wegen mutmaßlichen Alkoholschmuggels in Kabul verhaftet worden. Der Mann mit dem Spitznamen «Milchmann» soll auch Minister und Parlamentsmitglieder beliefert haben. Gleichzeitig mit seiner Verhaftung waren laut Kabuler Polizei mehr als 2000 Flaschen Alkohol und ein gepanzertes Auto beschlagnahmt worden, mit dem der Brite den Alkohol ausgeliefert haben soll.


Rekordbeteiligung bei Gallery Weekend in Paris

PARIS/BRÜSSEL: Am Gallery Weekend in Paris nehmen dieses Jahr so viele Händler teil wie noch nie.

Mit 127 Galerien verzeichne das Kunstevent, das vom 3. bis 6. Juni stattfindet, einen Rekord, teilte die Pressestelle am Mittwoch mit. Das Gallery Weekend fand erstmals 2013 statt. Heute erstreckt sich die Veranstaltung auch auf den Ballungsraum Grand Paris, wo sich bedeutende Händler mit großen Ausstellungsräumen niedergelassen haben, wie der Amerikaner Larry Gagosian nahe dem Privatflughafen Bourget und der Österreicher Thaddaeus Ropac in Pantin, rund sechs Kilometer nordwestlich von Paris. Einige der Pariser Händler werden auch in Brüssel auf der «Art Brussels Week» vertreten sind, die zeitgleich stattfindet. In der belgischen Hauptstadt haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche französische Aussteller niedergelassen.


Russischer Oppositioneller Piwowarow muss in Untersuchungshaft

MOSKAU: Ein russisches Gericht hat für den prominenten kremlkritischen Oppositionspolitiker Andrej Piwowarow zwei Monate Untersuchungshaft angeordnet. Das Gericht in der südrussischen Stadt Krasnodar erklärte am Mittwoch, dass gegen den 39-Jährigen wegen der Beteiligung an einer in Russland «unerwünschten Organisation» ermittelt werde. Piwowarow, der bis vor kurzem die regierungskritische Gruppe «Offenes Russland» leitete, war am Montagabend bei der versuchten Ausreise nach Polen an Bord eines Flugzeugs in St. Petersburg festgenommen worden. Ihm drohen bis zu sechs Jahre Haft.

Vor wenigen Tagen wurde die von dem im Ausland lebenden Kremlgegner Michail Chodorkowski unterstützte Gruppe in Russland zur «unerwünschten Organisation» erklärt und damit faktisch verboten. Unter dem staatlichen Druck hatte Piwowarow daraufhin die Auflösung bekannt gegeben. Dass er trotzdem festgenommen wurde, bezeichnete er als «völlige Gesetzlosigkeit». Die Europäische Union und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordern die sofortige Freilassung Piwowarows.

Auch der im Straflager inhaftierte Putin-Gegner Alexej Nawalny solidarisierte sich mit Piwowarow und weiteren festgenommenen Oppositionellen. «Das sind ehrliche Menschen, die genau dafür verfolgt werden», schrieb Nawalny auf Instagram. Seine Sprecherin Kira Jarmysch nannte das Vorgehen der russischen Justiz «ungeheuerlich» und wünschte Piwowarow und seiner Familie Stärke.


«The Wire» und «M*A*S*H» - Schauspieler Robert Hogan ist tot

NEW YORK: Der amerikanische TV-Schauspieler Robert Hogan ist tot.

Hogan sei am Donnerstag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus im US-Bundesstaat Maine an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Das teilte seine Familie in einer Anzeige in der «New York Times» mit, die eine Reihe von Medien zitierten. In seiner etwa 60 Jahre andauernden Karriere spielte Hogan Nebenrollen in rund 100 großen Produktionen wie «M*A*S*H», «Law & Order» oder der legendären Serie «The Wire». Er wurde 1933 in New York geboren, war verheiratet und hatte drei Kinder.


Maaßen hält Wähler in ostdeutschen Bundesländern nicht für verloren

BERLIN/SUHL: Der parteiintern umstrittene Thüringer CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen hält einen Teil der Wähler im Osten Deutschlands nicht für verloren. Viele haben eher ein «feines Sensorium», was politische Veränderungen angeht und sie wollten sich nicht bevormunden lassen, wie sie zu sprechen und zu essen haben, sagte er dem Sender Welt am Mittwoch. «Das ist ein Anspruch, dass die Politik das tut, was die Menschen möchten, und nicht umgekehrt.» Sie wollten sich nicht vorschreiben lassen, wie sie zu leben haben. Wer ihnen dies vorschreibe, sagte Maaßen nicht.

Der Bundestagskandidat für Südthüringen nahm dabei Bezug auf Äußerungen des Ostbeauftragten der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU). Der hatte gesagt, dass ein Teil der ostdeutschen Wähler der Demokratie den Rücken gekehrt habe und ein Teil der AfD-Wähler dauerhaft für die Demokratie verloren sei.

Dafür war Wanderwitz auch von anderen CDU-Politikern attackiert worden. Parteikollege Friedrich Merz kritisierte Wanderwitz vor den Beratungen der ostdeutschen Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). «Natürlich gibt es Unverbesserliche und Unbelehrbare. Aber statt die Wählerinnen und Wähler der AfD pauschal zu beschimpfen, sollten wir uns besser mit den Gründen befassen, warum diese Partei überhaupt gegründet wurde», sagte Merz der «Bild».

Nach dem umstrittenen Führungswechsel an der Spitze der konservativen Werte-Union hatte Ex-Verfassungsschutzchef Maaßen angekündigt, seine Mitgliedschaft in der Gruppe ruhen zu lassen. Nach seiner Ansicht braucht es die Werte-Union dennoch. «Mein Eindruck ist, dass der konservativ-liberale Flügel der CDU erlahmt ist.» Inhalte, die die CDU früher vertreten habe wie Sicherheit, Migration aber auch wirtschaftspolitische Themen würden nicht mehr hinreichend vertreten, sagte er.


Frauen sollen Nachnamen ohne «-ova» wählen können

PRAG: In Tschechien bahnt sich eine historische Wende bei der Namensgebung an. Das Abgeordnetenhaus in Prag stimmte am Mittwoch einer Gesetzesnovelle zu, welche Frauen die freie Wahl der männlichen oder weiblichen Form des Nachnamens ermöglicht. Bisher müssen Frauen - wie auch in anderen slawischen Sprachen - einen Familiennamen mit der weiblichen Endung «-ova» tragen. Wenn der Mann Novak heißt, dann tragen seine Frau und Töchter den Namen Novakova. Doch das könnte sich bald ändern: Für die Änderung stimmten 91 Abgeordnete; dagegen waren 33. Die zweite Kammer des Parlaments, der Senat, muss dem noch zustimmen.

Von der traditionellen Regelung ausgenommen waren bisher nur Frauen, die einen Ausländer heiraten, und Angehörige der nationalen Minderheiten wie der deutschen Volksgruppe. Daran wuchs in den vergangenen Jahren aber die Kritik. Die frühere Justizministerin Helena Valkova sprach von einem «Zeichen der Ungleichheit» und einer in der heutigen Zeit absurden Regelung.

Im tschechischen Sprachgebrauch wird die «-ova»-Endung sogar bei ausländischen Namen verwendet. So wird aus Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Zeitungen Angela Merkelova. Keinen Erfolg hatte am Mittwoch indes eine Gesetzesinitiative der Piratenpartei, künftig auf die Angabe des Geschlechts im Personalausweis zu verzichten.


Bewaffneter Mann bei Einsatz in den französischen Alpen getötet

GAP: Sicherheitskräfte haben bei einem Einsatz in den französischen Alpen einen bewaffneten Mann getötet. Der 49-Jährige hatte sich zuvor einen Tag lang in einem kleinen Dorf südöstlich von Gap verschanzt und mit einem Jagdgewehr hantiert, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtete.

Die Behörden setzten in dem Ort Saint-Étienne-Le-Laus eine Spezialeinheit der Gendarmerie ein, die zwar zu den Streitkräften gehört, aber auch Polizeiaufgaben übernimmt. Hintergrund des Vorfalls soll ein Streit innerhalb der Familie des Mannes gewesen sein. Es gab keine Hinweise auf mögliche terroristische Motive des Mannes, der den Angaben zufolge bereits psychiatrisch behandelt wurde.

Vorfälle dieser Art häufen sich zurzeit in Frankreich. Erst Ende vergangenener Woche hatten Hunderte Einsatzkräfte in der Nähe der westfranzösischen Großstadt Nantes nach einem Angreifer gesucht, der eine Polizeimitarbeiterin verletzt hatte. Der Gesuchte starb schließlich nach einem Schusswechsel mit der Polizei.


Quelle: Nordkoreas Arbeiterpartei schafft zweithöchsten Posten

SEOUL: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat nach Angaben eines Informanten offenbar Platz für einen Stellvertreter in der herrschenden Arbeiterpartei geschaffen. Die Partei habe bei ihrem Kongress im Januar den Posten des Ersten Parteisekretärs wieder eingeführt, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Mittwoch. Die Parteistatuten seien entsprechend geändert worden. Die Quelle bestätigte damit entsprechende Berichte südkoreanischer Medien.

Der neue Parteisekretär könnte Kim den Angaben zufolge in Zukunft bei wichtigen Parteikonferenzen vertreten und ihn somit bei der Regelung von Parteiangelegenheiten entlasten. Kim steht an der Spitze der Partei wie des Staates und der Streitkräfte des autokratisch regierten Landes. Kim hatte seine Position als Parteichef beim achten Parteikongress zementiert. Die Teilnehmer verliehen ihm den wieder eingeführten Titel des Generalsekretärs. Zuvor wurde das Sekretariatssystem wiederhergestellt.

Die Änderungen sähen vor, dass das Zentralkomitee der Partei den Ersten Sekretär wähle, hieß es. Ob der Posten bereits vergeben wurde, sei nicht bekannt. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte zuvor unter Berufung auf Quellen gemeldet, dass anscheinend Kims Vertrauter Jo Yong Won für den Posten bestimmt worden sei. Jo ist Mitglied des Politbüros der Partei, das als höchstes Vollzugsorgan gilt.

Spekuliert wurde, dass dem neuen Parteisekretär auch die Rolle des zweitwichtigsten Funktionärs hinter Kim zufalle. Das Vereinigungsministerium in Seoul bestätigte weder die Einführung des neuen Postens, noch äußerte es sich zu den Spekulationen. Im vergangenen August hatte Südkoreas Geheimdienst mitgeteilt, Kims einflussreiche Schwester Kim Yo Jong sei mittlerweile anscheinend die «De-facto-Führerin Nummer zwei» in Nordkorea. Sie sei nun für die Politik Pjöngjangs gegenüber Südkorea und den USA verantwortlich.


«Goodbye Deutschland»-Auswanderer Norbert Bebensee gestorben

SAN BARTOLOMÉ DE TIRAJANA: Der aus der Vox-Sendung «Goodbye Deutschland» bekannte Auswanderer Norbert Bebensee ist tot. Das gab der Sender am Dienstagabend auf Instagram bekannt. «2008 hat die Familie auf Gran Canaria die Tapasbar Shorty's eröffnet. Goodbye Deutschland hat die drei über viele Jahre begleitet», heißt es im Post auf dem offiziellen Kanal zu der beliebten Auswanderer-Sendung. «Wir, das Team #goodbyedeutschland sind sprachlos. Wir sind traurig. Wir sind in Gedanken bei Birgit und Tochter Bianca.» Norbert Bebensee starb den Angaben zufolge am Montag, ein Sendersprecher bestätigte auf dpa-Nachfrage die Todesnachricht. Bebensee wurde 67 Jahre alt.

Birgit Bebensee schrieb auf Instagram: «die Liebe meines Lebens...wie soll ich nur ohne dich weiter machen....ich liebe dich». Zur Todesursache wurde zunächst nichts bekannt.


Polen kritisiert Festnahme von russischem Oppositionellen Piwowarow

WARSCHAU: Polen hat Russlands Behörden für die Festnahme des russischen Oppositionellen Andrej Piwowarow an Bord einer polnischen Passagiermaschine kritisiert. «Das ist ganz klar eine inakzeptable Situation», sagte Regierungssprecher Piotr Müller am Mittwoch dem Sender Polskie Radio. Präsidentenberater Pawel Mucha kündigte an, das Amt für Zivilluftfahrt werde alle Daten zu dem Vorfall analysieren, die man von der polnischen Fluggesellschaft Lot bekommen habe. «Wir werden auf der Basis des internationalen Rechts und der Luftfahrt-Gesetzgebung reagieren.»

Piwowarow war am Montagabend bei der versuchten Ausreise nach Polen an Bord eines Lot-Flugzeugs festgenommen worden. Polizisten hätten die bereits rollende Maschine in St. Petersburg gestoppt, schrieb Piwowarow in seinem Telegram-Kanal. Nach Angaben der zuständigen Ermittlungsbehörde wird dem 39-Jährigen die Beteiligung an einer in Russland «unerwünschten Organisation» vorgeworfen. Ihm drohen damit bis zu sechs Jahre Freiheitsentzug.


Seilbahnunglück : Ermittler untersuchen alte Videoaufnahmen

VERBANIA: Im Fall des Seilbahnunglücks am Monte Mottarone in Norditalien mit 14 Toten prüft die Staatsanwaltschaft in Verbania Videoaufnahmen, die aus den Jahren 2014 und 2018 stammen sollen. Das bestätigte die ermittelnde Staatsanwältin, Olimpia Bossi, den Nachrichtenagenturen Adnkronos und Ansa in der Nacht zum Mittwoch. Das ZDF hatte am Dienstagabend in der Fernsehsendung «Frontal 21» über die Aufnahmen berichtet, wonach sich der Verdacht erhärtet, dass schon vor dem Unglück am Pfingstsonntag Gabeln genutzt wurden, um die Notbremse an den Gondeln zu blockieren.

Die Aufnahmen stammen laut dem TV-Bericht von einem Mann aus der Schweiz, der aus Interesse an der Technik die Seilbahn filmte. Nach dem Absturz habe der Mann, der selbst in der Branche tätig gewesen sei, in seinen Aufnahmen gestöbert und darauf die Gabeln entdeckt. Für Wartungsarbeiten dürfen diese Vorrichtungen eingesetzt werden. In dem Bericht wurde jedoch auch eine Aufnahme gezeigt, auf der Menschen in der Gondel zu sehen sind. Bossi wollte die Aufnahmen zunächst nicht bewerten, wie Ansa die Staatsanwältin zitierte.

Die Seilbahn westlich des Lago Maggiore in der Region Piemont war kurz vor der Bergstation abgestürzt und zerschellt. Nur ein kleiner Junge überlebte das Unglück und befindet sich noch in einem Krankenhaus in Turin. Aus bislang ungeklärter Ursache war das Zugseil der Seilbahn gerissen. Eigentlich hätten in diesem Moment die Notbremsen am Tragseil greifen und den Absturz verhindern müssen.

Ein technischer Leiter befindet sich in häuslichem Arrest. Laut Medienberichten hatte er zugegeben, zuletzt schon die Notbremsen deaktiviert zu haben. Diese sollen für Störungen im Betrieb der Seilbahn gesorgt haben. Im Zuge der Corona-Lockerungen durften Seilbahnen in Italien erst seit dem 22. Mai wieder Ausflügler transportieren. Einen Tag später geschah das Unglück.


Bodycams für englische Sanitäter - wegen zunehmender Angriffe

LONDON: Die Einsatzkräfte von Rettungswagen sollen in England künftig mit am Körper getragenen Kameras - sogenannten Bodycams - ausgestattet werden. «Diese Kameras sollen nicht nur die Zahl der Angriffe auf unsere Mitarbeiter reduzieren, sondern sind auch ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass sie sich sicher fühlen», sagte Prerana Isaar vom staatlichen Gesundheitsdienst laut einer Mitteilung am Mittwoch. Rettungskräfte können per Knopfdruck die Videoaufnahme starten. Dies soll auch der Abschreckung dienen.

Im vergangenen Jahr zählte der englische Gesundheitsdienst mehr als 3500 Angriffe auf seine Mitarbeiter - sowohl von Patienten oder anderen Mitgliedern der Öffentlichkeit. Damit liegt diese Zahl rund 30 Prozent höher als noch fünf Jahre zuvor. In London und im Nordosten Englands ist der Einsatz von Bodycams bereits getestet worden und hat sich nach Einschätzung von Teilnehmenden bewährt.


Israels Parlament wählt Izchak Herzog zum neuen Staatspräsidenten

JERUSALEM: Inmitten einer politischen Umbruchsituation hat Israels Parlament den früheren Oppositionsführer Izchak Herzog zum Staatspräsidenten gewählt. Der 60-Jährige gewann am Mittwoch mit 87 zu 26 Stimmen gegen die 67 Jahre alte Lehrerin und Aktivistin Miriam Peretz. Herzog übernimmt am 9. Juli das Amt des bisherigen Präsidenten Reuven Rivlin. Die Wahl geschah kurz vor einer erwarteten Ablösung des langjährigen rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Herzog führte seit 2013 die Arbeitspartei. Sein Vater Chaim Herzog war bereits Israels Staatspräsident. 2018 wurde er Vorsitzender der Hilfsorganisation Jewish Agency, die unter anderem für die Einwanderung nach Israel zuständig ist.

Der Präsident hat in Israel eine vor allem repräsentative Funktion. Die wichtigsten Aufgaben sind die Begnadigung von Häftlingen und die Erteilung eines Auftrags zur Regierungsbildung. Er wird alle sieben Jahre in einer geheimen Abstimmung vom Parlament bestimmt.


Londoner Imperial College will Zahl schwarzer Studierender erhöhen

LONDON: Das Londoner Imperial College will gezielt die Zahl schwarzer Studierender an der eigenen Hochschule erhöhen. «Uns fehlen die Beiträge großer Teile der Bevölkerung», sagte die Präsidentin des Imperial College, Alice Gast, einem BBC-Bericht vom Mittwoch zufolge. Mit einem Mentoring- und Stipendienprogramm will die Hochschule schwarzen Studieninteressenten den Weg zum Studium erleichtern - fünf Millionen Pfund (rund 5,8 Mio Euro) sollen aus den eigenen Töpfen fließen, weitere fünf Millionen Pfund von anderen Sponsoren.

Von mehr als 10.000 Studienanfängern am Imperial College, einer der renommiertesten Lehr- und Forschungsinstitutionen Großbritanniens, sind dem Bericht zufolge aktuell nur 235 schwarz. Die Universität will diese Zahl mindestens verdoppeln.

Der Medizinstudent Abeku Koomson, der selbst von einem Mentor unterstützt wurde, hofft auf eine größere Zahl an Vorbildern für schwarze Studienanfänger. «Repräsentation ist so wichtig für das Selbstvertrauen», sagte er der BBC.


Forsa-Umfrage: Christdemokraten stärkste Kraft

BERLIN: Die Christdemokraten liegen in Deutschland einer neuen Umfrage zufolge wieder vor den Grünen, die FDP hat zur SPD auf Rang drei aufgeschlossen.

Im neuen RTL/ntv-Trendbarometer gewinnen CDU/CSU einen Prozentpunkt und könnten aktuell mit 25 Prozent rechnen, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Daten des Meinungsforschungsinstituts Forsa hervorgeht. Die Grünen verlieren hingegen im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt und liegen bei 24 Prozent. Die FDP (Liberale) gewinnt einen Punkt und ist nun gleichauf mit der SPD mit jeweils 14 Prozent. Die rechtspopulistische AfD büßt einen Prozentpunkt auf 9 Prozent ein. Die Linke würde 6 Prozent erreichen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Die Wahl findet am 26. September statt.

In der Kanzlerfrage liegt Grünen-Chefin Annalena Baerbock weiter vorn, ihr Vorsprung vor den Konkurrenten Armin Laschet (CDU/CSU) und Olaf Scholz (SPD) ist aber geschrumpft. Wenn die Deutschen ihre Kanzlerin oder ihren Kanzler direkt wählen könnten, würden sich derzeit 24 Prozent für Baerbock entscheiden - 8 Prozentpunkte weniger als vor fünf Wochen, kurz nach ihrer Nominierung. CDU-Chef Laschet käme aktuell auf 19 Prozent (plus ein Prozentpunkt), Vizekanzler Scholz würde unverändert 14 Prozent erreichen. 43 Prozent der Befragten würden sich für keinen der drei entscheiden.


Mindestens zehn tote Zivilisten nach zwei Explosionen in Kabul

KABUL: In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind bei zwei separaten Anschlägen auf Minibusse mindestens zehn Zivilisten getötet worden. Mindestens zwölf weitere seien verletzt worden, teilte ein Polizeisprecher am Mittwoch mit. Die Explosionen ereigneten sich am späten Dienstagabend (Ortszeit) in kurzer Abfolge im Westen der Stadt. Es war zunächst unklar, wieso die Minibusse Ziel eines Angriffs waren.

Bisher bekannte sich niemand dazu. In der Vergangenheit haben die militant-islamistischen Taliban und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Anschläge in Kabul für sich reklamiert. Zuletzt waren Mitte Mai in Kabul bei mehreren Explosionen in der Nähe einer Schule mindestens 85 Menschen ums Leben gekommen, der Großteil davon junge Mädchen.

Seit Beginn des offiziellen Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan Anfang Mai haben sich die Gefechte in dem Krisenland intensiviert. Die Taliban starteten in mehreren Provinzen Offensiven. Täglich werden Zivilisten Opfer des Konflikts. Zehntausende Menschen mussten UN-Angaben zufolge in den vergangenen Wochen aus ihren Dörfern und Städten vor den Kämpfen fliehen.

Das US-Militär teilte diese Woche mit, es schätze, man habe zwischen 30 und 44 Prozent des Abzugs abgeschlossen. Die letzten Soldaten der USA und anderer Nato-Länder sollen Afghanistan bis spätestens September verlassen haben.


Sachsen-Anhalt: Armes Land mit reicher Geschichte

MAGDEBURG: Unter den 16 deutschen Bundesländern ist Sachsen-Anhalt eines der ärmsten. Vom Zusammenbruch der Schwerindustrie nach dem Ende der DDR hat sich das Land an Elbe und Saale nie recht erholt. 31 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung liegt das Pro-Kopf-Einkommen nur bei 69 Prozent des nationalen Durchschnitts. Die Bevölkerung schrumpfte seit 1990 um bald ein Viertel auf unter 2,2 Millionen Einwohner.

Als eigenes Land hat Sachsen-Anhalt, das aus der früheren preußischen Provinz Sachsen und dem Freistaat Anhalt hervorging, eine recht kurze Geschichte. Gleichwohl hat die Region eine reiche Vergangenheit. Davon zeugen beispielsweise der gotische Magdeburger Dom oder die Straße der Romanik, die in Form einer Acht durchs Land läuft und zu rund 80 romanischen Baudenkmälern führt. Das Bauhaus in Dessau wiederum erinnert an ein Stück Architekturgeschichte der Moderne.

Mit dem Harz oder der Saale-Unstrut-Weinregion hat Sachsen-Anhalt auch seine landschaftlichen Reize. Zu den berühmtesten Söhnen des Landes zählen Kaiser Otto der Große (912-973), der Reformator Martin Luther (1483-1546), der Physiker Otto von Guericke (1602-1686) sowie die Barockkomponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759) und Georg Philipp Telemann (1681-1767).


Jahrhundert-Hochwasser : Amazonas-Flüsse brechen Rekorde

MANAUS: Die Flüsse rund um die brasilianische Amazonas-Metropole Manaus haben nach starkem Regen Rekordstände erreicht und heftige Überschwemmungen verursacht. So wies der Rio Negro, der bei Manaus in den Amazonas mündet, mit 29,98 Meter den höchsten Wasserstand seit dem Jahr 1902 auf, wie das Nachrichtenportal «G1» am Dienstag (Ortszeit) berichtete. Beim historischen Hochwasser von 2012 war der Fluss auf 29,97 Meter gestiegen. Die Höhe für «ernsthafte Überschwemmung» liegt bei 29 Metern. Es wird erwartet, dass der Pegelstand weiter bis über 30 Meter steigen dürfte.

Mehr als 24.000 Familien und 15 Stadtteile von Manaus waren «G1» zufolge betroffen, viele Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Insgesamt wurden in den am stärksten betroffenen Gegenden mehr als 9000 Meter Holzbrücken - die sogenannten Marombas - gebaut. Auf Fotos war zu sehen, wie Passanten sich darauf fortbewegten, manche machten auch wie vor Sehenswürdigkeiten Fotos mit dem Rekord-Hochwasser.

Unter Wasser standen Teile der Hafengegend und des historischen Zentrums von Manaus. Das Wasser drang in Läden ein und überschwemmte den wichtigsten Markt, die Verkäufer wurden mit Booten weggebracht. Manchen Bewohnern, die ausharrten, soll der Fluss laut «G1» Fische in die Küche gespült haben.

Das Hochwasser führt nahezu im gesamten Bundesstaat Amazonas, der etwa viereinhalb Mal so groß ist wie Deutschland, zu Überschwemmungen. In fast 60 von 62 Gemeinden verursachte es Schäden, mehr als 450.000 Menschen sind betroffen. Auch der Amazonas erreichte in Städten wie Itacoatiara Höchststände.


Handelsstreit: China und USA nehmen erneut Kontakt auf

PEKING: Vor dem Hintergrund ihres andauernden Handelsstreits haben sich Chinas Vizepremier Liu He und die neue US-Finanzministerin Janet Yellen in einem Video-Gespräch ausgetauscht. Laut einer Erklärung des chinesischen Handelsministeriums wurden bei dem Gespräch am Mittwoch «Fragen von beiderseitigem Interesse» diskutiert. Details dazu, wann beide Staaten wieder formelle Verhandlungen über die Beilegung ihres Zollkriegs beginnen wollen, wurden nicht bekannt.

Erstmals seit der Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten Joe Biden hatten die Unterhändler der USA und Chinas in ihrem andauernden Handelskrieg vergangene Woche wieder miteinander Kontakt aufgenommen. Die neue US-Handelsbeauftragte Katherine Tai hatte sich ebenfalls mit Liu He ausgetauscht, der in Peking für Handelsfragen zuständig ist.

Die neue Regierung von Joe Biden begreift China als größten Konkurrenten und hat angedeutet, ebenfalls einen harten Kurs gegenüber Peking verfolgen zu wollen - allerdings in Abstimmung mit internationalen Verbündeten. China werden unfaire Handelspraktiken, unangemessene staatliche Subventionen, Marktbarrieren, der Diebstahl geistigen Eigentums sowie zwangsweiser Technologietransfer vorgeworfen.


Feuerwehrmann in Kalifornien erschossen - Kollege unter Verdacht

LOS ANGELES: In einer Feuerwache in Kalifornien ist ein Feuerwehrmann erschossen und ein Kollege durch Schüsse verletzt worden. Als mutmaßlichen Täter nannte die Polizei einen Mann, der zum Zeitpunkt des Verbrechens ebenfalls für die Feuerwehr im Bezirk Santa Clarita arbeitete. Die Schüsse fielen am Dienstag in der kleinen Ortschaft Agua Dulce, rund 70 Kilometer nördlich von Los Angeles.

Nach der Tat habe der mutmaßliche Schütze sein Wohnhaus aufgesucht, sich auf dem Grundstück verbarrikadiert und das Haus in Brand gesteckt, teilte Feuerwehrchef Daryl Osby mit. Das Gebäude brannte völlig ab. Auf dem Grundstück wurde die Leiche eines Mannes mit einer Schusswunde vorgefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Schütze Suizid beging. Über das Tatmotiv wurde zunächst nichts unbekannt.

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