Neues aus dem Ausland am Mittwoch

Neues aus dem Ausland am Mittwoch

Elf Leichen in Avocado-Plantage entdeckt

URUAPAN: In einer Avocado-Plantage im Westen Mexikos hat die Polizei elf Leichen gefunden. Die Beamten hätten die mit lockerer Erde bedeckten Körper nahe der Stadt Uruapan an drei Stellen entdeckt, teilte die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Michoacán am Mittwoch (Ortszeit) mit. Zwei der Toten seien Frauen.

Der Verwesungsstand der Leichen sei weit fortgeschritten, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Die Todesursache war zunächst unklar. In dieser Region Michoacáns, rund 400 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernt, kämpfen rivalisierende Verbrecherbanden um die Kontrolle illegaler Geschäfte wie Drogenhandel und Schutzgelderpressung von Bauern und Geschäftsleuten, unter anderem im Bereich des Avocado-Anbaus.

Seit 2006, als die damalige Regierung den Drogenkrieg erklärte, ist in Mexiko die Zahl der Tötungsdelikte stark angestiegen. Täglich werden knapp 100 Menschen getötet. Mehr als 100.000 Menschen gelten zudem als vermisst.


Überschwemmungen durch heftige Regenfälle

TOKIO: Heftige Regenfälle haben im Nordosten Japans Überschwemmungen verursacht. Die nationale Wetterbehörde gab für die schwer betroffenen Präfekturen Yamagata und Niigata die höchste Warnstufe aus. Straßen, Autos und Häuser standen mancherorts unter Wasser, wie Aufnahmen japanischer Fernsehsender zeigten. Das Ausmaß der Schäden sei noch nicht absehbar. Die örtlichen Behörden warnten vor der Gefahr durch Erdrutsche in Folge der massiven Niederschläge, die die Nacht zum Donnerstag hindurch die Regionen heimsuchten.

Zehntausende Bewohner waren aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. In einigen Städten war die Trinkwasserversorgung unterbrochen. Schlammiges Wasser überschwemmte ganze Straßen und drang in Wohnhäuser ein. Auch der regionale Bahnverkehr wurde durch die Wassermassen beeinträchtigt. Infolge der Klimaerwärmung erlebt Japan zunehmend heftigere Regenfälle. Dadurch kommt es in dem sehr bergigen Inselreich auch immer häufiger zu Erdrutschen.


Mehrere Bergleute nach Grubenunglück verschüttet

SABINAS: Nach einem Grubenunglück sind in Nordmexiko mehrere Bergleute unter Tage eingeschlossen worden. Es handele sich offenbar um neun Kumpel, schrieb der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador am Mittwochabend (Ortszeit) auf Twitter. Rund 90 Soldaten mit Suchhunden sowie weitere Rettungskräfte seien am Ort Sabinas im Bundesstaat Coahuila im Einsatz.

Der Steinkohlebergwerk sei nach einem Erdrutsch durch einen Wassereinbruch überflutet worden, hieß es in der Mitteilung von López Obrador weiter. Der rund 60 Meter tiefe Stollen stehe bis zu einer Höhe von etwa 30 Metern unter Wasser, sagte der Gouverneur von Coahulia, Miguel Ángel Riquelme, im Fernsehsender Milenio TV.

Ein Bergmann konnte sich nach Angaben der Koordinatorin des nationalen Zivilschutzes, Laura Velázquez, aus eigener Kraft in Sicherheit bringen. Er habe die Behörden alarmiert, sagte sie dem Radiosender Fórmula.

Im Jahr 2006 kamen bei einer Explosion in der Kohlenmine von Pasta de Conchos in Coahuila 65 Bergarbeiter ums Leben. Nur zwei Leichen wurden damals geborgen. Wegen der Gefahr weiterer Explosionen wurden die Rettungsarbeiten danach ausgesetzt.


US-Verschwörungstheoretiker Alex Jones vor Gericht unter Druck

AUSTIN: Der US-Verschwörungstheoretiker Alex Jones ist bei einem Prozess im US-Bundesstaat Texas rund um seine Lügen zum Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule unter Druck geraten. «Es ist hundert Prozent real», sagte Jones am Mittwoch (Ortszeit) über das Blutbad, wie auf Videoaufnahmen aus dem Gerichtssaal in Austin zu sehen war. Jones hatte in der Vergangenheit behauptet, dass der Amoklauf von Schauspielern inszeniert worden sei. Ein 20-Jähriger hatte im Dezember 2012 in Newtown im Bundesstaat Connecticut 20 Schulkinder und sechs Lehrer erschossen.

Eltern eines Opfer hatten den rechten Radiomoderator wegen seiner Behauptungen verklagt. Sie hatten zuvor geschildert, welche Auswirkungen die Behauptungen des 48-Jährigen gehabt hätten. Sie fordern 150 Millionen US-Dollar als Entschädigung. Der Anwalt des Verschwörungstheoretikers argumentierte, die Kläger hätten nicht beweisen können, dass die Worte seines Mandanten tatsächlich Schaden verursacht hätten. Jones hat in der Vergangenheit immer wieder diverse Verschwörungstheorien verbreitet und zum Beispiel behauptet, dass die US-Regierung an den Anschlägen am 11. September 2001 in New York beteiligt gewesen sei.


US-Abgeordnete und zwei Angestellte sterben bei Autounfall

WASHINGTON: Eine republikanische US-Kongressabgeordnete und zwei ihrer Mitarbeiter sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die 58 Jahre alte Jackie Walorski war am Mittwoch mit ihrem Fahrzeug in ihrem Heimatbundesstaat Indiana unterwegs, wie die Polizei mitteilte. In dem Auto saßen auch ihre Kommunikationsdirektorin und ihr Bezirksdirektor. Eine Frau auf der gegenüberliegenden Fahrbahn verlor demnach die Kontrolle über ihr Fahrzeug und steuerte frontal in Walorski Auto. Ale Beteiligten kamen ums Leben.

Der Minderheitsführer der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, teilte eine Nachricht von Walorskis Büro auf Twitter. «Sie ist nach Hause zurückgekehrt, um bei ihrem Herrn und Retter, Jesus Christus, zu sein», hieß es darin. Ihr Ehemann sei von der Polizei über den Tod informiert worden. «Sie brachte die Stimmen ihrer Wähler aus Nord-Indiana leidenschaftlich in den Kongress ein und wurde von Kollegen auf beiden Seiten des Ganges für ihre persönliche Freundlichkeit bewundert», reagierte die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi.

Walorski wurde 2012 in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Zuvor war sie Abgeordnete im Parlament ihres Bundesstaates Indiana. Walorski stimmte im Januar 2021 dafür, das Ergebnis der Präsidentenwahl anzufechten. Zuvor hatten gewalttätige Anhänger des damaligen Präsidenten Donald Trump den Kongress gestürmt.

Zwar seien Walorski und er in vielen Fragen nicht einer Meinung gewesen, teilte der demokratische US-Präsident Joe Biden mit. Aber die Abgeordnete sei von Mitgliedern beider Parteien für ihre Arbeit geschätzt worden. Biden ließ die Flaggen auf dem Weißen Haus auf halbmast setzen.


Morphosys steigert Umsatz und verringert Verlust

PLANEGG/MÜNCHEN: Das Biotech-Unternehmen Morphosys hat im zweiten Quartal den Umsatz gesteigert. Die Erlöse seien im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte auf rund 60 Millionen Euro geklettert, teilte das Unternehmen am späten Mittwochabend mit. Der operative Verlust schrumpfte um fast ein Viertel auf 55 Millionen Euro. Damit gab es Positives und Enttäuschendes, denn Analysten hatten sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Verlust mit mehr gerechnet.

Mit Blick auf das wichtige Blutkrebsmedikament Monjuvi legten die Produktverkäufe um fast ein Drittel auf fast 22 Millionen Euro zu. Hier hatte das Biotech-Unternehmen bereits in der vergangenen Woche allerdings seine Erwartungen an das Gesamtjahr reduziert. Der Wettbewerb - unter anderem durch die jüngsten Zulassungen zusätzlicher Zweitlinien-Therapieoptionen für bestimmte Blutkrebsformen - habe zugenommen, hatte es zur Begründung geheißen. Der Netto-Produktumsatz mit Monjuvi soll 2022 nun noch bei 90 bis 110 Millionen US-Dollar liegen, nach 110 bis 135 Millionen zuvor.


Ex-Kandidat Javid unterstützt Truss als Nachfolgerin von Johnson

LONDON/CARDIFF: Im Kampf um die Nachfolge des britischen Premierministers Boris Johnson hat Favoritin Liz Truss erneut prominente Unterstützung erhalten. Ex-Gesundheitsminister Sajid Javid, der selbst zunächst für das Amt kandidiert hatte, sprach sich am Mittwochabend in der Zeitung «Times» für die Außenministerin aus. Truss sei am besten geeignet, den «Herausforderungen unserer Zeit» zu begegenen, so Javid.

Damit haben sich nun fünf einstige Premier-Bewerber für Truss ausgesprochen, darunter die drittplatzierte Penny Mordaunt. Der Schritt gilt auch deshalb als schwerer Schlag für Truss' Kontrahenten Rishi Sunak, weil bisher angenommen worden war, dass der Ex-Finanzminister und Javid politisch ein enges Verhältnis haben.

Doch Javid kritisierte nun Sunaks Vorhaben einer langsamen Steuersenkung. Großbritannien riskiere damit, in eine «Wirtschaft mit hohen Steuern und niedrigem Wachstum zu schlafwandeln». Dies führe zu einem Verlust an «globalem Einfluss und Macht». Vielmehr sei es wie von Truss angekündigt richtig, die Steuern sofort deutlich zu senken - das kurbele die Wirtschaft an.

Am Abend stellten sich Truss und Sunak auf einer Wahlkampfveranstaltung in der walisischen Hauptstadt Cardiff erneut den Fragen der Parteibasis. In jüngsten Umfragen unter Tory-Mitgliedern lag die Außenministerin deutlich in Führung. Allerdings weisen Experten darauf hin, dass Stimmungserhebungen schwierig seien - auch weil die Partei keine Daten zur Verfügung stellt. Ein Ergebnis soll am 5. September bekannt gegeben werden.


Lastwagen durchbricht in Tschechien Leitplanke - drei Tote

ROZVADOV: Bei einem Verkehrsunfall auf der tschechischen Autobahn D5 sind nahe der Grenze zu Bayern drei Menschen ums Leben gekommen. Ein Lastwagen durchbrach die Leitplanken und geriet auf die Gegenfahrbahn, wo er frontal mit einem entgegenkommenden SUV-Geländewagen zusammenstieß, wie die tschechische Polizei am Mittwoch mitteilte. Drei der Pkw-Insassen, ein Mann und zwei Kinder, starben. Eine Frau wurde schwer verletzt mit dem Hubschrauber in eine Klinik gebracht.

Warum der Lkw-Fahrer, der selbst leicht verletzt wurde, die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor, muss noch ermittelt werden. Die Autobahn D5 (E50) wurde für mehrere Stunden in beiden Richtungen gesperrt. Sie führt von Prag bis nach Bayern. Die Unfallstelle lag bei der Gemeinde Benesovice, rund 30 Kilometer östlich des Grenzübergangs Rozvadov-Waidhaus in der Oberpfalz.


Entwurf für neue chilenische Verfassung wird zum Bestseller

SANTIAGO DE CHILE: Einen Monat vor der Abstimmung über eine neue Verfassung in Chile ist der Entwurf zum Bestseller geworden. Von dem Text, den die Verfassungsgebende Versammlung Anfang Juli an Präsident Gabriel Boric übergab, wurden nach Angaben des Verlags LOM Ediciones vom Mittwoch bereits mehr als 70.000 Exemplare verkauft. Auf der aktuellen Sachbuch-Bestliste der Zeitung «El Mercurio» steht das Buch damit auf Platz eins. Die wahlberechtigte Bevölkerung des südamerikanischen Landes soll am 4. September in einem Referendum über die neue Verfassung entscheiden.

Verlagsdirektorin Silvia Aguilera bezeichnete den Verkaufserfolg als «Überraschung». Anfangs habe man nur den Druck von 1000 Exemplaren in Auftrag gegeben. «Die Leute sind in Hochstimmung: Sie wollen den Originalentwurf kennen, mitreden und diskutieren können.» Im Oktober 2020 hatten die Chilenen mit großer Mehrheit für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung votiert. Die aktuelle Verfassung stammt noch aus der Zeit der Militärdiktatur (1973-1990) unter General Augusto Pinochet.

Ob der Entwurf angenommen wird, ist noch unklar. In jüngsten Umfragen lagen Befürworter und Gegner gleichauf. Eine neue Verfassung gehörte zu den Hauptanliegen der Demonstranten, die Ende 2019 in Chile einen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung sowie eine Abkehr vom neoliberalen Wirtschaftssystem forderten. Mehr als 30 Menschen kamen bei den Protesten ums Leben. Boric, der seit Dezember Präsident ist, unterstützte damals die Forderungen.


Baerbock ruft zur Deeskalation im Taiwan-Konflikt auf

BERLIN: Außenministerin Annalena Baerbock hat im Konflikt um Taiwan zur Deeskalation aufgerufen. Mit Blick auf den Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte sie am Mittwoch in Kanada: «Besuche wie derzeit dürfen nicht als Vorwand für militärische Drohgebärden genutzt werden.»

Als Reaktion auf den Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses will China bis Sonntag Manöver mit Schießübungen rund um die Insel abhalten.

Pelosi hielt sich am Dienstag und Mittwoch als ranghöchste Besucherin aus den USA seit einem Vierteljahrhundert in der demokratisch regierten Inselrepublik auf. Peking sieht das demokratische Taiwan als Teil der Volksrepublik an und lehnt deshalb offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh strikt ab.

Baerbock bekräftigte, dass Deutschland an seiner Ein-China-Politik festhalte, also die Volksrepublik China als einzigen souveränen chinesischen Staat anerkenne. Im Rahmen dieser Politik unterhalte Deutschland enge Beziehungen zu Taiwan, das als gefestigte Demokratie mit hohen Menschenrechtsstandards «ein wichtiger Wertepartner» Deutschlands sei, sagte die Außenministerin. Sie betonte: «Eine Änderung des Status quo in der Straße von Taiwan kann nur friedlich und im gemeinsamen Einvernehmen aller Beteiligter erfolgen.»


Iraks Schiitenführer Al-Sadr fordert nach Protesten Neuwahlen

BAGDAD: Im Irak hat der einflussreiche Schiitenführer Muktada al-Sadr nach der Besetzung des Parlaments Neuwahlen gefordert. «Es gibt keinen Grund für einen Dialog», sagte der Geistliche am Mittwoch in einer im Fernsehen ausgestrahlten Rede. Nachdem die Führung seiner Bewegung die Demonstranten am Dienstag zunächst zum Rückzug aus dem Parlamentsgebäude aufgerufen hatte, forderte der 47-Jährige die Iraker nun dazu auf, sich der «Revolution» anzuschließen.

Mit der Stürmung des Parlaments war am Wochenende ein alter Machtkampf zwischen den politischen Eliten im Irak voll entbrannt. Mit den Protesten will die Al-Sadr-Bewegung verhindern, dass ihre politischen Gegner um Ex-Regierungschef Nuri al-Maliki eine Regierung bilden können. Die Rivalen Al-Sadrs hatten vor kurzem einen eigenen Kandidaten als Premier vorgestellt. Aus Sicht Al-Sadrs steht der für das Amt vorgesehene ehemalige Minister Mohammed Schia al-Sudani aber Ex-Premier Al-Maliki viel zu nahe.

Fast zehn Monate nach der Parlamentswahl befindet sich das ölreiche Land in einer Pattsituation. Al-Sadrs Bewegung ging damals als klarer Wahlsieger hervor, konnte jedoch nicht die wichtige Zweidrittelmehrheit erreichen, die für die Präsidentenwahl erforderlich ist. Erst mit der Unterstützung des Staatschefs kann eine neue Regierung gebildet werden. Wegen der Blockade im Parlament traten Abgeordnete der Sadr-Strömung zwar geschlossen zurück. Der Religionsführer setzt jetzt auf den «Druck der Straße».

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bot nach Angaben aus Paris in den vergangenen Tagen in Gesprächen mit irakischen Politikern an, beim Dialog und der Verständigung zwischen den verschiedenen Seiten zu helfen. In einer Mitteilung des Élyséepalasts vom Mittwoch hieß es, dies sei der einzige Weg, eine Lösung aus der Krise zu finden, die auf die Erwartungen der irakischen Bevölkerung eingehe.


Ex-Trump-Berater Cipollone soll vor Geschworenenjury

WASHINGTON: Der frühere Rechtsberater des Weißen Hauses unter US-Präsident Donald Trump, Pat Cipollone, ist nach Medienberichten ins Visier des Justizministeriums geraten. Er soll im Rahmen von Ermittlungen zum Angriff auf das Kapitol in Washington im Januar vergangenen Jahres vor einer Geschworenenjury des Bundes aussagen. Dies berichteten am Mittwoch die Sender ABC News und CNN. Eine sogenannte Grand Jury wird eingeschaltet, um zu entscheiden, ob Anklage erhoben werden soll.

Cipollone hatte Anfang Juli bereits mehrere Stunden lang vor dem Untersuchungsausschuss zur Attacke auf das Kapitol ausgesagt. Das Gremium kann aber keine juristischen Schritte einleiten. Dies obliegt dem Justizministerium. Cipollone gilt als einer der wichtigsten Zeugen bei der Aufarbeitung des Sturms auf das Parlamentsgebäude.

Kurz vor Trumps Abschied aus dem Weißen Haus hatten Anhänger des republikanischen Präsidenten am 6. Januar 2021 das Kapitol gestürmt. Dort tagte der Kongress, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl zu zertifizieren. Trump behauptet bis heute ohne irgendwelche Beweise, durch Betrug um die Wiederwahl gebracht worden zu sein.


Baerbock wirft Mali Torpedierung des Bundeswehr-Engagements vor

MONTREAL: Außenministerin Annalena Baerbock hat der malischen Regierung vorgeworfen, den Einsatz der Bundeswehr immer wieder zu behindern. Nach einem Überflugverbot für Transportflugzeuge der Bundeswehr beklagte sie am Mittwoch bei ihrem Antrittsbesuch in Kanada, dass «vonseiten der malischen Übergangsregierung immer wieder unser Engagement torpediert» werde. «Die Situation gerade ist alles andere als gut. Man braucht um den heißen Brei nicht herumzureden: Sie ist schlecht.»

Die Außenministerin betonte aber auch, dass Deutschland weiterhin bereit sei, sich an der UN-Friedensmission in dem westafrikanischen Krisenland zu beteiligen. «Wir möchten dort im Sahel, in Mali bleiben, weil die Menschen vor Ort uns brauchen.»

Die malischen Behörden hatten der Bundeswehr zuvor die Überfluggenehmigung für ihre Militärtransporter vom Typ Airbus A400M entzogen, wie das Einsatzführungskommando mitteilte. Hintergründe hierfür seien nicht bekannt, hieß es. Die Bundeswehr ist den Angaben zufolge auch von einem Zugangsverbot für ausländische Soldaten für einen Teil des Flughafens in der Hauptstadt Bamako betroffen.

Mali mit seinen rund 20 Millionen Einwohnern hat seit 2012 dreimal einen Militärputsch erlebt und gilt als politisch äußerst instabil. Seit dem bisher letzten Putsch im Mai 2021 wird das Land von einer militärischen Übergangsregierung geführt, die enge Beziehungen zu Russland pflegen soll. Die Bundeswehr ist an der UN-Mission Minusma derzeit mit mehr als 1000 Soldaten beteiligt.


Kämpfe um Konfliktregion Bergkarabach im Kaukasus flammen wieder auf

ERIWAN/BAKU: Die Kämpfe zwischen den beiden früheren Sowjetrepubliken im Südkaukasus, Armenien und Aserbaidschan, um die Region Bergkarabach sind wieder aufgeflammt. Am Mittwoch meldete die aserbaidschanische Armee die Eroberung mehrerer Höhenzüge in der Region und die Tötung armenischer Kämpfer. Armenien warf dem Nachbarn einen Verstoß gegen die seit Ende 2020 geltende Waffenruhe vor.

Die armenische Seite räumte den Verlust von einem Toten und acht Verletzten ein. Die Soldaten seien bei einem Drohnenbeschuss getötet worden, heißt es. Aserbaidschan meldete ebenfalls den Verlust eines eigenen Soldaten. Dieser sei von dem Gebiet aus beschossen worden, in dem die russischen Friedenstruppen stationiert seien, die den Waffenstillstand überwachen sollen. Das russische Verteidigungsministerium wiederum warf Baku den Bruch der Waffenruhe vor.

Die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region Bergkarabach wurde zu Sowjetzeiten Aserbaidschan zugeschlagen. Nach Auflösung der Sowjetunion erklärte sich Bergkarabach als «Republik Arzach» für unabhängig von Baku und wurde dabei von Eriwan unterstützt. Der Krieg endete 1994 - vorläufig mit einem Sieg Armeniens. International wurde die Unabhängigkeit der «Republik Arzach» jedoch nicht anerkannt. 2020 eroberte Aserbaidschan in einem Revanchekrieg große Teile Bergkarabachs zurück.

Beim Abschluss des Waffenstillstandes musste Armenien große territoriale Zugeständnisse machen, seither ist Bergkarabach für Armenien auch nur über einen von russischen Friedenstruppen überwachten Korridor zu erreichen. Die Waffenruhe wurde allerdings seither schon mehrfach gebrochen.


Journalist bei Angriff auf Bar getötet

SAN LUIS DE LA PAZ: Bei einem Angriff auf eine Bar in Mexiko ist ein Journalist getötet worden. Ernesto Méndez sei bei der Attacke in der Stadt San Luis de la Paz im Bundesstaat Guanajuato erschossen worden, teilte die Organisation zum Schutz der Pressefreiheit Article 19 am Mittwoch mit. Örtlichen Medien zufolge kamen bei dem Angriff mindestens zwei weitere Menschen ums Leben.

Demnach eröffneten bewaffnete Angreifer in der Nacht auf Mittwoch das Feuer in einer Bar, die der Familie des Journalisten gehört. Méndez, Direktor der Nachrichtenseite «Tu Voz», war den Berichten zufolge zuvor bedroht worden.

In Mexiko wurden in diesem Jahr mindestens elf Reporter getötet. Article 13 verzeichnet sogar 13. Ob der Angriff mit Méndez' Arbeit als Journalist zu tun hatte, war zunächst unklar.

Im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen sieben Journalisten in Mexiko im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden. Der lateinamerikanische Staat war damit zum dritten Jahr in Folge das gefährlichste Land für Journalisten. Oft sind es Drogenkartelle und korrupte Lokalpolitiker, die gegen die Presse vorgehen.


Max Otte nach AfD-Engagement aus der CDU ausgeschlossen

KÖLN: Der frühere Vorsitzende der erzkonservativen Werte-Union, Max Otte, ist aus der CDU ausgeschlossen worden. Das CDU-Kreisparteigericht Köln sei dem Antrag des CDU-Bundesvorstandes «wegen parteischädigenden Verhaltens» gefolgt, teilte die CDU Köln am Mittwoch in Düsseldorf mit. Da Otte bis zum Ablauf der Frist am 1. August keinen Einspruch erhoben habe, sei er «nun rechtskräftig nicht mehr Mitglied der CDU». Die Kölner CDU begrüße die Entscheidung des Kreisparteigerichts, weil diese «sehr deutlich bekräftigt, dass jedwede Art der Kooperation mit der AfD gegen die Grundsätze der CDU verstößt und parteirechtliche Konsequenzen nach sich zieht».

Das Ausschlussverfahren war angestrengt worden, nachdem der 57-jährige Wirtschaftsprofessor Mitte Februar auf Vorschlag der AfD für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert hatte. Otte gehörte der CDU gut 30 Jahre lang an. Bereits im April hatte er während des laufenden Verfahrens angekündigt, sich nicht gegen einen Rauswurf zu wehren. Den Vorsitz bei der Werte-Union, die keine offizielle Vereinigung der CDU ist, sich aber als «konservative Basisbewegung» in der Union sieht, hatte er schon Ende Januar niedergelegt.

Der Kölner CDU-Chef Bernd Petelkau sagte, Otte habe durch sein Verhalten erheblich gegen die Grundsätze und die Werte der Partei verstoßen. «Ich bin froh, dass das Kreisparteigericht diesen schwerwiegenden Fall von parteischädlichem Verhalten mit der einzig richtigen Konsequenz geahndet hat: dem Ausschluss aus unserer Partei.»


Mann soll Frau und zwei Kinder getötet haben

ROZNOV POD RADHOSTEM: In Tschechien soll ein Mann seine Frau und seine beiden Kinder erschossen haben.

Im Anschluss habe sich der 49-Jährige selbst getötet, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Zu einem möglichen Motiv des Mannes konnten die Ermittler zunächst nichts sagen. Medienberichten zufolge arbeiteten sowohl der Mann als auch seine 35-jährige Ehefrau bei der Polizei. Zu der Gewalttat kam es in einem Einfamilienhaus in Roznov pod Radhostem. Die Stadt liegt in der Verwaltungsregion Zlin, knapp 280 Kilometer östlich von Prag. Erst im April hatte ein 31 Jahre alter Mann im nahe gelegenen Loucka seine Frau und drei kleinen Kinder getötet.


Beginn einer Konferenz mit Trump und Orban in Texas

DALLAS: Rechtskonservative Aktivisten und Anhänger von Ex-Präsident Donald Trump kommen ab Donnerstag zu einer Konferenz in Dallas im US-Bundesstaat Texas zusammen. Bei dem Treffen, das bis Sonntag andauert, wird auch Trump sprechen - und zwar am Samstagabend (Ortszeit).

Eröffnet wird die Konferenz unter anderem von Ungarns Ministerpräsident Victor Orban. Außerdem erwartet werden der Trump-Gefährte Steve Bannon, die für rechte Verschwörungstheorien bekannte US-Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene und die erzkonservative frühere Gouverneurin von Alaska und Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin.

Die Veranstalter der «Conservative Political Action Conference» beschreiben das Treffen «als eine der größten und einflussreichsten Zusammenkünfte von Konservativen weltweit». Trump ist dort in der Vergangenheit bereits der Hauptredner gewesen. Zuletzt wurde immer wieder spekuliert, der 76-Jährige könnte noch vor den Kongresswahlen im Herbst seine erneute Kandidatur als Präsidentschaftskandidat verkünden.


27 Migranten aus Seenot gerettet

ATHEN: Die griechische Küstenwache hat zwei mutmaßliche Schleuser festgenommen und 27 Migranten von einem havarierten Boot südlich der Halbinsel Peloponnes gerettet. Das Boot war den Behörden zufolge in der Türkei gestartet und sollte die Menschen nach Italien bringen. Auf der Überfahrt wurde das Boot jedoch seeuntüchtig. Die Küstenwache griff es rund 80 Seemeilen südwestlich der griechischen Halbinsel auf. Alle Menschen seien wohlauf und an Land gebracht worden, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Der Vorfall hatte sich demnach bereits am Montagabend ereignet.

Während der Urlaubssaison sind im Mittelmeer viele Segelboote und Jachten unterwegs und erschweren der Küstenwache die Kontrolle illegaler Überfahrten. Auf der langen Route von der türkischen Westküste Richtung Italien kommt es auf den oft veralteten Booten immer wieder zu Schäden. In diesem Jahr wurden bereits etliche Boote manövrierunfähig, schlugen Leck oder liefen auf Grund. Dabei kamen auch Menschen ums Leben.


Meer vor Italiens Küste ist bis zu 30 Grad warm

ROM: An manchen italienischen Küsten müssen Urlauber für eine richtige Abkühlung derzeit etwas tiefer im Meer untertauchen. Wegen der andauernden Hitzewelle ist das Wasser an der Oberfläche deutlich wärmer als in vorherigen Sommern. Bis zu 30 Grad werden aktuell etwa im Tyrrhenischen Meer rund um die Äolischen Inseln in der Nähe der Küsten Siziliens und Kalabriens gemessen. «Das sind zwei bis drei Grad mehr als normalerweise», sagte der Meteorologe Claudio Tei vom Nationalen Wissenschaftsrat der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Die Temperaturen im Meer rund um die Inseln, zu denen auch Stromboli mit dem noch aktiven, gleichnamigen Vulkan gehört, wurden Satellitendaten entnommen. Selbst im nördlichen Teil des Tyrrhenischen Meeres, also vor den Küsten der Toskana und des Latiums, ist das Wasser teilweise bis zu 28 Grad warm. Ähnliche Werte werden an der Adria an der Ostküste Italiens erreicht.

Die Wissenschaftler gehen nicht von einer Abkühlung in den nächsten Wochen aus. Das Gesundheitsministerium gab für Palermo auf Sizilien und Perugia in der Region Umbrien die höchste Hitzewarnstufe für Donnerstag aus. Zwischen 11 und 18 Uhr sollte dann der Aufenthalt im Freien unter direkter Sonneneinstrahlung gemieden werden. Am Freitag wurde auch für die Hauptstadt Rom die höchste Warnstufe vorhergesagt.


Vulkanausbruch auf Island beginnt - Lava sprudelt aus der Erde

REYKJAVIK: Auf der Nordatlantik-Insel Island ist es zu einem Vulkanausbruch gekommen. Die erwartete Eruption habe in der Nähe des Bergs Fagradalsfjall auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik begonnen, teilte die isländische Wetterbehörde am Mittwochnachmittag mit. Der genaue Standort müsse noch festgestellt werden. Auf Live-Bildern des isländischen Rundfunksenders RÚV war zu sehen, wie in dem Gebiet Lava aus der Erde sprudelte. Wie groß die Eruption diesmal werden wird, ließ sich zunächst nicht abschätzen.

Die Reykjanes-Halbinsel liegt etwa 30 Kilometer südwestlich von Reykjavik. Auf ihr war es bereits im vergangenen Jahr zu einem Ausbruch dieser Art gekommen. Danach sprudelte rund fünf Monate lang immer wieder Lava aus dem Erdinneren, die aus einem unterirdischen vulkanischen System namens Krýsuvík stammte. Wie damals hat sich die erneute Eruption in den vergangenen Tagen mit einer Serie teils kräftiger Erdbeben angekündigt. Wissenschaftler hatten deshalb mit einem zeitnahen Ausbruch gerechnet.


Waldbrand im Südwesten der Peloponnes - Dorf geräumt

ATHEN: Wegen eines Waldbrandes im Südwesten der griechischen Halbinsel Peloponnes sind am Mittwochmittag die Bewohner der Ortschaft Mesochori aufgerufen worden, das Dorf zu verlassen. Neben 65 Feuerwehrleuten mit 15 Löschzügen seien vier Löschflugzeuge und zwei Löschhubschrauber im Einsatz, wie der Staatssender ERT berichtete. In der Region herrschte starker Wind.

Unter den Löschkräften seien auch 15 Finnen, die im Rahmen des neuen EU-Programms zur Waldbrandbekämpfung in Griechenland im Einsatz sind, hieß es weiter. Bis Ende Juli kämpften auch deutsche Feuerwehrleute aus Baden-Württemberg auf der Peloponnes gegen die Flammen.

In Griechenland herrscht derzeit in vielen Regionen erhöhtes Waldbrandrisiko. Für morgen hat die Feuerwehr unter anderem für Mittelgriechenland samt der Hauptstadt Athen, für Teile der Peloponnes, die Kykladen-Inseln und Kreta ein «sehr hohes» Risiko ausgegeben. Niederschlag gab es in weiten Teilen des Landes seit Wochen nicht.


Acht Verletzte nach Explosionen bei Chemiefabrik

BERGERAC: Bei Explosionen und einem Brand an einer Chemiefabrik in Südwestfrankreich sind am Mittwochnachmittag acht Menschen verletzt worden. Wie es in einer Mitteilung der zuständigen Präfektur Dordogne hieß, wurde einer von ihnen schwer verletzt. Die Stadt Bergerac teilte mit, dass die Verletzten in Krankenhäuser gebracht wurden. Französischen Medienberichten zufolge handelt es sich bei der Fabrik um einen Hersteller von Zellulosenitrat. Dies wird unter anderem für Schießpulver und Sprengstoff verwendet.

Die Explosionen ereigneten sich laut Präfektur in einer Lagerhalle. Das Feuer sei eingedämmt worden und breite sich nicht aus. Der Sender France Info berichtete mit Verweis auf die Präfektur zudem, dass es durch die Explosionen und den Brand keine Giftgefahr gebe. Wie es zu dem Vorfall kam, war vorerst unklar.


Wassermangel in Niederlanden - Notfallplan in Kraft getreten

DEN HAAG: Nach anhaltender Trockenheit herrscht in den Niederlanden nun offiziell Wassermangel - die Regierung hat einen Notfallplan in Gang gesetzt. Künftig werde ein zentrales Krisenteam die Wasservorräte verteilen. Dabei habe die Sicherheit der Deiche und Naturschutz Priorität, teilte der zuständige Minister für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, Mark Harbers, am Mittwoch in Den Haag mit. Wenn die Trockenheit weiter anhalte, würden einschneidende Maßnahmen ergriffen.

Der Minister versicherte, dass es ausreichend Trinkwasser gebe. Er rief aber Bürger auf, sparsam mit Wasser umzugehen. «Jeder kann etwas beitragen. Daher bitte ich alle Niederländer, gut darüber nachzudenken, ob sie ihr Auto waschen oder das Planschbecken vollständig füllen müssen.»

Grund des Wassermangels sind die geringen Regenfälle, eine hohe Verdunstung und geringerer Zustrom von Süßwasser über die Flüsse aus den Ausland. In mehreren Regionen wurden bereits besondere Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören Sprühverbote für Bauern.

Bei der Verteilung des Süßwassers hat die Sicherheit der Deiche höchste Priorität. Sie drohen durch Trockenheit instabil zu werden. Knapp 60 Prozent der Niederlande wird von Deichen, Dämmen und Dünen geschützt. Etwa 30 Prozent des Landes liegt unter dem Meeresspiegel und wird durch Deiche und ein ausgeklügeltes System von Pumpen, Kanälen und Mühlen trockengehalten.


Iranische Delegation reist für Atomverhandlungen nach Wien

TEHERAN: Eine iranische Delegation will für eine Fortsetzung der Atomverhandlungen nach Wien aufbrechen. Chefunterhändler Ali Bagheri und sein Team werden sich innerhalb der nächsten Stunden auf den Weg machen, wie die Regierung am Mittwoch mitteilte. Auch EU-Koordinator Enrique Mora, der in den Gesprächen als Vermittler auftritt, kündigte auf Twitter eine Reise nach Wien an.

Die Bemühungen zur Wiederbelebung des Abkommens von 2015 haben das Ziel, das iranische Atomprogramm einzuschränken. Im Gegenzug sollen Sanktionen fallen. Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte das Abkommen 2018 einseitig aufgekündigt und neue, scharfe Sanktionen verhängt. Danach sah sich auch Teheran nicht mehr daran gebunden. Die Verhandlungen stocken seit Monaten. Hintergrund sollen in erster Linie Differenzen zwischen Teheran und der US-Regierung über den Status der iranischen Revolutionsgarden sein. In den USA stehen die Revolutionsgarden auf einer Liste von Terrororganisationen.

Die Internationale Atomenergiebehörde warnte jüngst, der Iran benötige nur noch wenige Wochen, um das Ausgangsmaterial für eine Atombombe zu produzieren. Teheran betont stets, Nukleartechnologie nur für friedliche Zwecke zu nutzen.


Mehr als 100 mutmaßliche Fälle von Menschenhandel

ANTWERPEN: Zahlreiche Arbeiter auf einer Baustelle in Belgien sind mutmaßlich Opfer von Menschenhandel geworden. Insgesamt seien bisher 174 Menschen in dem Zusammenhang identifiziert worden, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft in Antwerpen am Mittwoch mit. Sie arbeiteten den Angaben zufolge auf einer Baustelle des österreichischen Chemieunternehmens Borealis im Antwerpener Hafengebiet. Die Anzahl möglicher Opfer könne sich im Laufe der Ermittlungen noch ändern, hieß es.

Belgische Medien hatten bereits vergangene Woche über den Fall berichtet. Die Anzahl der möglichen Opfer war jedoch zunächst viel geringer. Die belgische Nachrichtenagentur Belga schrieb, die Arbeiter hätten sechs Tage die Woche zu einem Lohn von bis zu 650 Euro im Monat arbeiten müssen - meist ohne Arbeitserlaubnis.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen mutmaßlichen Verstößen gegen belgische Arbeitsgesetze. Mehrere Arbeiter hätten den vorläufigen Status von Opfern des Menschenhandels erhalten, hieß es. Sie kommen demnach unter anderem aus der Türkei und den Philippinen und können nun eine Bescheinigung erhalten, um weiter in Belgien arbeiten zu können.

Borealis kündigte vergangene Woche an, die Arbeiten an der Baustelle aufgrund der Ermittlungen zwischenzeitlich zu unterbrechen und den Vertrag mit dem Subunternehmen, das für die Anstellung der Arbeiter zuständig war, auszusetzen, wie aus einer Stellungnahme hervorging.


Polizei erschießt Mieter bei Zwangsräumung

KÖLN: Bei der Zwangsräumung einer Wohnung in der westdeutschen Stadt Köln hat die Polizei einen Mann erschossen. Bei dem Toten handelte es sich um den 48 Jahre alten Mieter der Räumlichkeiten, wie Polizei und Staatsanwaltschaft nach dem Einsatz am Mittwochmorgen im Stadtteil Ostheim mitteilten.

Zuvor habe er nach bisherigem Ermittlungsstand Polizisten mit einem Messer angegriffen. Nach einem «erfolglosen Einsatz» von Pfefferspray und der Androhung des Schusswaffengebrauchs sei schließlich geschossen worden. Der Mann sei davon tödlich verletzt worden.

Der 48-Jährige war von den Behörden offenbar schon zuvor als gefährlich eingeschätzt worden. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft hatte er schon zuvor Drohungen ausgesprochen, sollte es zu einer Räumung kommen. Die mit der Räumung beauftragte Gerichtsvollzieherin habe daraufhin bei der Polizei um Unterstützung gebeten. Wie viele Polizistinnen und Polizisten an dem Einsatz schließlich beteiligt waren, war zunächst noch unklar.

Der Tote war nach Angaben der Staatsanwaltschaft polizei- und gerichtsbekannt. Zuletzt sei er im Juni 2022 beim Amtsgericht Köln angeklagt worden. «Der Anklage lag der Vorwurf zugrunde, Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet zu haben, nachdem der Beschuldigte seinen Suizid angekündigt und sich gegen die ihm zu Hilfe eilenden Polizeibeamten mit Tritten zur Wehr gesetzt hatte», berichtete Oberstaatsanwalt Bremer.


Montenegros Regierungschef unterschreibt umstrittenen Kirchenvertrag

PODGORCIA: Abgeschirmt von der Öffentlichkeit hat der montenegrinische Ministerpräsident Dritan Abazovic einen umstrittenen Kirchenvertrag mit der serbisch-orthodoxen Kirche unterzeichnet. «Eine wichtige Frage wurde ad acta gelegt», schrieb er am Mittwoch auf Facebook.

Der Vertrag gilt als umstritten, weil er der von Serbien aus gelenkten Kirche Sonderrechte einräumt. Deren Führung hat sich mit der staatlichen Unabhängigkeit Montenegros nie wirklich abgefunden. Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik war 2006 - damals im Einvernehmen mit dem serbischen Staat - unabhängig geworden. Heute versucht die Regierung in Belgrad über die Kirche und lokale pro-serbische Parteien und Organisationen wieder mehr Einfluss im Nato-Land Montenegro zu erlangen.

Die Vertragsunterzeichnung könnte aber zum Sturz der Regierung von Abazovic führen. Der zunehmend für Belgrader Interessen eintretende Regierungschef steht der öko-liberalen Kleinpartei URA vor, die im Parlament auf die pro-montenegrinische Präsidentenpartei DPS angewiesen ist. Beteiligt an dem Bündnis ist auch eine größere pro-serbische Partei.

Staatspräsident Milo Djukanovic hatte bereits vor Tagen angekündigt, dass die DPS im Falle der Unterzeichnung des Kirchenvertrages im Parlament einen Misstrauensantrag gegen Abazovic stellen wird.


Verklappung von Fukushima-Kühlwasser rückt näher - Weiter Sorgen

TOKIO: Japans umstrittener Plan zur Verklappung riesiger Mengen radioaktiven Kühlwassers aus der Atomruine Fukushima im Meer stößt weiter auf Bedenken. Der Gouverneur der Präfektur Fukushima, Masao Uchibori, sowie örtliche Bürgermeister forderten am Mittwoch die Zentralregierung auf, Maßnahmen zu ergreifen, um Reputationsschäden für Meeresprodukte zu verhindern. Zuvor hatten sie allerdings ihre Genehmigung zur Errichtung von Anlagen einschließlich eines Untersee-Tunnels erteilt, um das aufbereitete Wasser aus der Atomruine wie geplant nächstes Frühjahr in den Pazifik zu leiten.

Auch mehr als elf Jahre nach dem Super-Gau am 11. März 2011 in Folge eines Seebebens und eines Tsunamis müssen die zerstörten Reaktoren mit Wasser gekühlt werden. Das anfallende verstrahlte Wasser wird gefiltert in riesigen Tanks gelagert. Nach Angaben des Betreibers Tepco geht im Herbst der Platz für die Tanks aus. Die Regierung entschied daher, dass mehr als 1,25 Millionen Kubikmeter des kontaminierten Wassers gefiltert und verdünnt ab kommenden Frühjahr ins Meer geleitet werden. Hierzu soll ein rund ein Kilometer langer Tunnel ins Meer gebaut werden, durch den das Wasser verklappt wird.

Der Plan habe in der Bevölkerung nicht ausreichend Verständnis gefunden, sagte Gouverneur Uchibori bei einem Treffen mit dem Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Koichi Hagiuda. So gebe es noch immer Bedenken hinsichtlich erneuter Reputationsschäden. Der Minister versicherte, dass die Sicherheit gewährleistet werde. «Wir werden Informationen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse im ganzen Land und im Ausland bereitstellen», sagte er.

Auch Umweltschützer sowie Japans Nachbarländer wie China und Südkorea sind empört und haben eine Absage der Verklappungspläne gefordert. Das Kühlwasser in der Atomruine wird zwar behandelt, doch das Filtersystem ALPS kann das Isotop Tritium nicht herausfiltern. Japan argumentiert, Tritium sei in geringer Menge unschädlich für Menschen.


Jetzt schon mehr als 500 Tote nach Fluten

ISLAMABAD: Nach gewaltigen Überschwemmungen in Pakistan ist die Zahl der Toten auf über 500 gestiegen. Das meldete die Nationale Behörde für Katastrophenmanagement am Mittwoch. 502 Menschen, darunter 191 Kinder, seien durch die Wassermassen ums Leben gekommen. Die Fluten zerstörten demnach 40.000 Häuser, Behörden warnten diese Woche zudem vor einem Ausbruch von Epidemien. Seit Beginn der Monsunzeit im Juni leidet Pakistan unter ungewöhnlich starkem Monsunregen. Experten machen den Klimawandel mitverantwortlich.

Die Provinz Belutschistan im Südwesten des Landes sowie die Millionenstadt Karachi im Süden erlebten Ende Juli nach Angaben pakistanischer Meteorologen Rekordregen. Mindestens 50.000 Menschen wurden in Belutschistan aus ihren Dörfern gebracht. Die pakistanische Klimaschutzministerin Sherry Rehman warnte aufgrund zunehmender Naturkatastrophen vor einer «existenziellen Krise» ihres Landes.


Südkorea ruft wegen Spannungen um Taiwan zum Dialog auf

SEOUL: Aus Sorge um die wachsenden Spannungen um Taiwan zwischen China und den USA hat Südkorea zum Dialog aufgerufen. Die Regierung wolle mit allen beteiligten Staaten in engem Kontakt bleiben, sagte ein Vertreter des Präsidialamts am Mittwoch dem öffentlich-rechtlichen südkoreanischen Sender KBS zufolge mit Blick auf den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan. Die Grundlage dafür sei die Notwendigkeit, «Frieden und Stabilität in der Region durch Dialog und Zusammenarbeit» zu erhalten.

Südkorea ist die nächste Station Pelosis auf ihrer Asien-Reise. Der Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses in Taiwan hatte scharfe Warnungen Chinas ausgelöst, das die Inselrepublik als Teil seines Territoriums ansieht und offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh strikt ablehnt. Südkorea ist ein enger Verbündeter der USA.

Der Beamte des Präsidialamts äußerte die Hoffnung, dass Pelosi ihre Reise planmäßig fortsetzen werde. Ihr Besuch in Südkorea werde begrüßt. Am Donnerstag will sich Pelosi mit Parlamentspräsident Kim Jin Pyo in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul treffen. Ein Treffen mit Staatspräsident Yoon Suk Yeol war demnach nicht geplant.


Pelosi setzt Asien-Reise nach Besuch in Taiwan fort

TAIPEH: Nach ihrem Besuch in Taiwan ist die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, am Mittwoch zur nächsten Station ihrer Asienreise in Südkorea weitergeflogen. Zuvor hatte die US-Spitzenpolikerin in Taipeh noch Menschenrechtsaktivisten getroffen, darunter den früheren Führer der 1989 blutig niedergeschlagenen Demokratiebewegung in China, Wuer Kaixi.

Ihr Besuch war der ranghöchste aus den USA in der demokratischen Inselrepublik seit einem Vierteljahrhundert. Pelosi traf mit Präsidentin Tsai Ing-Wen und Parlamentsvertretern zusammen. Die Visite löste Spannungen aus, da Peking einen Machtanspruch auf Taiwan erhebt und die Insel als Teil der Volksrepublik ansieht. Daher lehnt China offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh strikt ab und hatte die USA vehement vor einem Taiwan-Trip Pelosis gewarnt.

Außer Wuer Kaixi traf Pelosi im Jingmei Menschenrechts- und Kulturpark südlich von Taipeh auch den früheren Hongkonger Buchhändler Lam Wing-kee sowie den sozialen Aktivisten Lee Ming-chee, die beide in China gefangengehalten worden waren. Lee Ming-che war gerade erst nach einer fünfjährigen Haftstrafe wegen «Untergrabung der Staatsgewalt» aus China nach Taiwan zurückgekehrt.

In der Diskussion, an der auch andere Menschenrechtsvertreter teilnahmen, sei es um die Frage gegangen, wie Menschenrechte in China, Hongkong und besonders auch in der Region Xinjiang gefördert werden könnten, berichteten Teilnehmer.


Island rechnet wegen Magmabewegungen mit zeitnahem Ausbruch

REYKJAVIK: Auf der Nordatlantik-Insel Island wird angesichts einer neuen Erdbebenserie mit einem erneuten Vulkanausbruch gerechnet. Neue Satellitenaufnahmen von der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik zeigten deutliche Magmabewegungen unterhalb der Erdoberfläche zwischen den vulkanischen Bergen Fagradalsfjall und Keilir, berichtete der Rundfunksender RÚV. Geowissenschaftler halten es daher für sehr wahrscheinlich, dass in den kommenden Tagen oder Wochen ein Ausbruch auf der Halbinsel beginnen wird.

Der isländischen Wetterbehörde zufolge ist der Magmazufluss unter dem Fagradalsfjall etwa doppelt so schnell wie bei der Eruption im Frühjahr 2021. Damals war in dem Gebiet über Monate Lava aus der Erde gesprudelt, was sich zuvor mit einer starken Erdbebenserie angekündigt hatte. Auch diesmal bebt die Erde unterhalb der Reykjanes-Halbinsel wieder unentwegt: Tausende Erschütterungen wurden von den Behörden seit dem Wochenende verzeichnet, darunter am Mittwochmorgen ein weiteres mit einer Stärke von deutlich über 4,0.


G7-Außenminister besorgt über Chinas Taiwan-Kurs

BERLIN: Die großen sieben westlichen Industrienationen (G7) haben sich besorgt über Chinas Verhalten im Konflikt um Taiwan geäußert. In einer gemeinsamen Stellungnahme der G7-Außenminister, die am Mittwoch vom Auswärtigen Amt in Berlin veröffentlicht wurde, heißt es mit Blick auf die chinesischen Reaktionen auf den Taiwan-Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi: «Es gibt keinen Grund dafür, einen Besuch als Vorwand für aggressive militärische Aktivitäten in der Taiwanstraße zu benutzen.»

Deutschland führt in der Siebenergruppe derzeit den Vorsitz, zu ihr gehören auch Frankreich, Großbritannien, Italien, die USA, Kanada und Japan.

Als Reaktion auf den Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses will China bis Sonntag Manöver mit Schießübungen rund um die Insel abhalten. Dazu wurden sechs Sperrgebiete ausgewiesen. Pelosi war am Dienstag als ranghöchste Besucherin aus den USA seit einem Vierteljahrhundert in der demokratisch regierten Inselrepublik eingetroffen. Inzwischen ist sie wieder abgereist. Peking sieht Taiwan als Teil der Volksrepublik an.


Nach Gasaustritt in indischer Textilfabrik Dutzende in Krankenhaus

NEU DELHI: An einer indischen Textilfabrik ist ein Gas ausgetreten und hat mehr als 100 Arbeiterinnen verletzt. Die Frauen litten unter Atembeschwerden oder Übelkeit, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte. Fast alle seien nach dem Vorfall vom Dienstagabend in einem Industriegebiet im Bundesstaat Andhra Pradesh auch am Mittwochnachmittag (Ortszeit) noch im Krankenhaus. Warum und welches Gas austrat, blieb zunächst unklar. Die Fabrik stellt Kleidung für den internationalen Markt her.

1984 passierte in Indien eine der schlimmsten Chemiekatastrophen. Damals entwichen aus einer Pestizidfabrik in Bhopal Tonnen der hochgiftigen Verbindung Methylisocyanat. Nach Angaben von Menschenrechtlern starben mehr als 20.000 Menschen, Hunderttausende erkrankten.


Israel nach Festnahme von Dschihad-Führer weiter in Alarmbereitschaft

TEL AVIV: Israel ist nach der Festnahme eines Anführers der Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad (PIJ) weiter in erhöhter Alarmbereitschaft. Gebiete rund um den Gazastreifen blieben den zweiten Tag in Folge gesperrt, teilte die Armee am Mittwoch mit. Dies geschehe, um einen Vergeltungsangriff auf Zivilisten zu verhindern.

Am Montagabend war bei einem israelischen Anti-Terror-Einsatz PIJ-Führer Bassem Saadi in der Stadt Dschenin im Westjordanland festgenommen worden. Der militärische Arm der Organisation, Saraja al-Kuds, drohte daraufhin mit Angriffen. Die PIJ ist besonders im Gazastreifen aktiv und verübt von dort regelmäßig Raketenangriffe auf Israel. Sie ist eng mit Israels Erzfeind Iran verbunden.

Von der Sperrung betroffen sind mehrere Straßen, die nach Gaza führen, zudem wurde der Zugverkehr zwischen angrenzenden Städten eingestellt. Der Grenzübergang Erez wurde geschlossen. Er wird täglich von Tausenden von palästinensischen Arbeitern genutzt. Es wird erwartet, dass das Gebiet auch in den kommenden Tagen gesperrt bleibt.

Im Gazastreifen leben rund zwei Millionen Einwohner unter sehr schlechten Bedingungen. Die von der EU als Terrororganisation eingestufte Hamas hatte 2007 gewaltsam die Macht an sich gerissen. Israel verschärfte daraufhin eine Blockade des Gebiets, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Staaten begründen die Maßnahme mit Sicherheitsinteressen.


Wegen Trockenheit: Gartenschlauch-Verbot in südenglischen Regionen

KENT: In den südenglischen Regionen Kent und Sussex dürfen wegen der anhaltenden Trockenheit vorerst keine Gartenschläuche und Rasensprenger mehr benutzt werden. Der Versorger South East Water kündigte am Mittwoch ein temporäres Verbot an, das ab dem 12. August bis auf weiteres gelten soll. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 1000 Pfund (rund 1200 Euro).

Im Südosten seien nur acht Prozent der sonst üblichen Durchschnittsmenge an Regen gefallen. Auch im August und September gehen die langfristigen Prognosen von ähnlichen Witterungen aus.

«Die Nachfrage nach Wasser hat diesen Sommer alle bisherigen Rekorde gebrochen», hieß es in einer Mitteilung des Versorgers. Man habe täglich zusätzliche 120 Millionen Liter aufbereitet - so viel, als würde man vier zusätzliche weitere Städte versorgen. Nun sehe man sich gezwungen, den Verbrauch zu beschränken. Damit wolle man den Alltagsgebrauch absichern und die Umwelt schützen, hieß es.

Zuvor war ein solches Verbot bereits auf der Isle of Man verhängt worden. Nach offiziellen Daten war der Juli der trockenste Monat in Großbritannien seit 1935.


Zahl der Toten nach Unwettern im Iran bei mindestens 90

TEHERAN: Im Iran ist die Zahl der Toten nach den schweren Unwettern der letzten fünf Tage auf mindestens 90 gestiegen. In den letzten 48 Stunden seien mehr als 20 weitere Leichen gefunden worden, gab der Rote Halbmond am Mittwoch bekannt. Landesweit suchten Rettungskräfte weiterhin nach Vermissten. 24 der 31 Provinzen des Landes, einschließlich der Hauptstadt Teheran, waren in den letzten Tagen von den Unwettern betroffen, so der Rote Halbmond laut Nachrichtenagentur IRNA. Über das Ausmaß der Schäden gibt es noch keine genauen Angaben.

Medienberichten zufolge sollen wegen Überschwemmungen mehr als 20.000 Häuser beschädigt worden und Zehntausende Menschen obdachlos geworden worden sein. Präsident Ebrahim Raisi versprach den Betroffenen Finanzhilfen. Wegen der aktuellen Wirtschaftskrise ist jedoch unklar, wann die Hilfsgelder ausbezahlt werden.


Bluttat in Kindergarten : Drei Tote, sechs Verletzte

PEKING: Bei einem Angriff in einem Kindergarten in Südostchina hat es drei Tote und sechs Verletzte gegeben. Wie die Polizei in Anfu in der Provinz Jiangxi am Mittwoch berichtete, sei der Täter maskiert gewesen und nach der Attacke geflüchtet. Nach ersten Ermittlungen gehe die Polizei davon aus, dass es sich vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus dem Ort handele. Es war zudem von einer «Mordwaffe» die Rede. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

Solche Angriffe auf Kindergartenkinder oder Schüler sind in China nicht selten. Bei früheren Verbrechen wollten sich Täter wegen empfundener Ungerechtigkeiten irgendwie an der Gesellschaft rächen und suchten sich dafür oftmals die schwächsten Mitglieder aus.

Deswegen herrschen an Schulen und Kindergärten in China schon lange strenge Sicherheitsmaßnahmen. Auch steht Wachpersonal an den Eingängen. Meist werden weder Eltern, Verwandte noch andere Personen auf das Schul- oder Kindergartengelände gelassen. Sie können ihre Kinder nur am Eingang abgeben und dort wieder abholen.


Sorge vor Hackerangriff bei Abstimmung um Johnson-Nachfolge

LONDON: Die Aussendung der Stimmzettel für die Nachfolge des scheidenden britischen Premiers Boris Johnson an die Mitglieder der konservativen Tory-Partei hat sich wegen Sicherheitsbedenken verzögert. Der Geheimdienst GCHQ habe davor gewarnt, dass Hacker die Abstimmung beeinflussen könnten, berichtete der «Telegraph» am Mittwoch unter Berufung auf Insiderquellen. Eine konkrete Bedrohung eines feindlichen Staates soll es demnach jedoch nicht gegeben haben.

Eigentlich hatten die Stimmzettel Anfang der Woche an die mindestens 160.000 Parteimitglieder verschickt werden sollen. Nun soll es möglicherweise bis zum 11. August dauern, bis sie in den Briefkästen landen. Allerdings dürfte noch genügend Zeit bleiben, um das entsprechende Kreuzchen zu machen: Die Abstimmung läuft noch bis Anfang September. Am 5. September soll verkündet werden, ob die bisherige Außenministerin Liz Truss oder ihr Rivale und Ex-Finanzminister Rishi Sunak in die Downing Street einziehen wird.

Alternativ zum Postweg sollen die Mitglieder auch online abstimmen können. Ursprünglich war auch geplant gewesen, dass die Stimmberechtigten ihre Entscheidung nachträglich noch ändern können. Dies soll nach den Sicherheitsbedenken nun nicht mehr möglich sein.

Einer neuen Umfrage im Auftrag der «Times» zufolge soll Favoritin Truss ihren Vorsprung gegenüber Sunak ausgebaut haben. Demnach sollen 60 Prozent der Mitglieder die erzkonservative Kandidatin als Regierungschefin bevorzugen, für Sunak sprachen sich 26 Prozent aus. Am Abend wollten die beiden Kandidaten in Cardiff zu einem weiteren sogenannten «Hustings», also einem Wahlkampfauftritt vor Parteimitgliedern, aufeinander treffen.


BMW verdient weniger

MÜNCHEN: Der Autobauer BMW muss in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld Gewinneinbußen hinnehmen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im Konzern lag im zweiten Quartal mit 3,43 Milliarden Euro zwar um knapp ein Drittel unter dem Vorjahreswert, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Allerdings hatten die Münchener vor einem Jahr von der Auflösung von Kartellrückstellungen in Höhe von einer Milliarde Euro profitiert, zudem kamen im abgelaufenen Quartal milliardenschwere Sonderkosten für die Mehrheitsübernahme des chinesischen Gemeinschaftsunternehmens BMW Brilliance Automotive (BBA) hinzu.

BMW verdiente im zweiten Quartal immerhin mehr als von vielen Analysten erwartet. Für das Gesamtjahr senkte BMW den Absatzausblick für Pkw wegen des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Der Konzernumsatz wuchs im zweiten Quartal trotz des Rückgangs bei den Auto-Auslieferungen. Er legte vor allem dank des Zukaufs in China im Jahresvergleich um 21,6 Prozent auf fast 34,8 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich lag der Konzernüberschuss bei 3,05 Milliarden Euro. Vor einem Jahr waren es 4,79 Milliarden Euro gewesen.


Infineon erhöht erneut Prognose

NEUBIBERG: Die Geschäfte beim Halbleiterkonzern Infineon brummen. Schon zum dritten Mal in Folge hat der Konzern seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr erhöht, wie er am Mittwoch mitteilte. Sowohl der Umsatz als auch die Marge sollen ein Stück besser als ursprünglich geplant ausfallen. Schon im abgelaufenen dritten Quartal war es steil nach oben gegangen. Allerdings sieht Konzernchef Jochen Hanebeck auch Risiken. Der starke Dollarkurs hilft dem Unternehmen dagegen.

Konkret steigerte Infineon im dritten Geschäftsquartal von April bis Juni seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 33 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern wurde mehr als verdoppelt und lag bei 517 Millionen Euro. Das neue Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr liegt nun bei rund 14 Milliarden Euro und damit eine halbe Milliarde höher als bisher. Rund 140 Millionen davon gehen auf das Konto des stärkeren Dollar. Die angestrebte Marge beim Segmentergebnis stieg um einen Punkt auf 23 Prozent.

«In einer schwierigen Großwetterlage ist Infineon dank seines differenzierenden Portfolios weiterhin gut unterwegs», sagte Hanebeck. Er sieht zwar auch Risiken für die Wirtschaft wie die steigenden Energiekosten, Rohstoffpreise und Zinsen. Doch grundsätzlich sei der Halbleiterbedarf nach wie vor hoch.


Japan besorgt über Chinas Manöver bei Pelosi-Besuch in Taiwan

TOKIO: Chinas militärische Manöver während des Besuchs der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan lösen in Japan Besorgnis aus. Das Gebiet nahe Taiwan, in dem China ab Donnerstag Manöver plane, überschneide sich mit Japans exklusiver Wirtschaftszone, sagte Japans Regierungssprecher Hirokazu Matsuno am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur Kyodo. Man habe Peking die Besorgnis übermittelt. Japan ist ein wichtiger Verbündeter der USA.

Am selben Tag traf Pelosi in Taipeh mit der taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen zusammen. Es ist der ranghöchste Besuch aus den USA in einem Vierteljahrhundert in der demokratischen Inselrepublik. China hat gegen Pelosis Besuch stark protestiert und begann als Reaktion weitreichende Manöver in sechs Gebieten in Gewässern rund um Taiwan.

Peking sieht Taiwan nur als Teil der Volksrepublik an, lehnt offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh strikt ab und hatte die USA vehement vor einem Taiwan-Trip Pelosis gewarnt. Chinas Nachbarstaat Japan ist so wie seine Schutzmacht USA seit langem besorgt über das zunehmende Machtstreben Pekings in der Region.


Pelosi trifft Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen

TAIPEH: In den Spannungen mit China ist die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, am Mittwoch in Taipeh mit der taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen zusammengetroffen.

Es ist der ranghöchste Besuch aus den USA in einem Vierteljahrhundert in der demokratischen Inselrepublik. China protestierte stark und begann als Reaktion weitreichende Manöver in sechs Gebieten in Gewässern rund um Taiwan. Peking sieht Taiwan nur als Teil der Volksrepublik an, lehnt offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh strikt ab und hatte die USA vehement vor einem Taiwan-Trip Pelosis gewarnt.

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