Neues aus dem Ausland am Mittwoch

Neues aus dem Ausland am Mittwoch

Schotte bekommt zwei neue Hände: «neues Lebensgefühl»

DREGHORN: Steven Gallagher, Transplantationspatient, liebt seine neuen Hände. «Diese Hände sind unglaublich, alles ging so schnell», sagte der 48-Jährige der britischen Nachrichtenagentur PA. «Seit dem Moment, als ich von der Operation erwachte, konnte ich sie bewegen.» Der Schotte ist vermutlich der erste Patient, dem wegen der rheumatischen Autoimmunkrankheit Systemische Sklerose gleich beide Hände transplantiert wurden. «Es hat mir ein neues Lebensgefühl gegeben», sagte Gallagher.

Er finde einige Sachen noch immer schwierig. Knöpfe zumachen könne er beispielsweise nicht, dafür aber sich ein Glas Wasser einschenken. Wichtiger aber sei ein grundsätzliches Gefühl. «Die Schmerzen vor der Operation waren entsetzlich. Ich habe so viele Schmerzmittel genommen, das war unvorstellbar, und nun habe ich keine Schmerzen mehr», sagte der Vater dreier Töchter.

Gallagher war vor 13 Jahren an Sklerose erkrankt, nachdem er einen ungewöhnlichen Ausschlag im Gesicht bekommen hatte. Nach einigen Jahren begannen seine Finger sich zu krümmen. «Meine Hände begannen, sich zu schließen bis es eigentlich nur noch zwei Fäuste waren. Meine Hände waren unbrauchbar, ich konnte nichts mehr machen, außer Dinge mit zwei Händen zu heben.» Auf Anraten von Spezialisten und nach Gesprächen mit seiner Ehefrau entschied sich der Dachdecker zur Operation. Mitte Dezember 2021 wurden dem Mann aus dem Ort Dreghorn in einer zwölfstündigen Behandlung dann zwei neue Hände transplantiert.


USA wollen schärfere Sanktionen gegen Nordkorea erzwingen

NEW YORK: Nach erneuten nordkoreanischen Tests mit atomwaffenfähigen Raketen wollen die USA schärfere Sanktionen gegen Pjöngjang erzwingen. Eine entsprechende Resolution solle «in den kommenden Tagen» von den Amerikanern im UN-Sicherheitsrat zur Abstimmung gebracht werden, sagte ein US-Regierungsbeamter am Mittwoch. Das Land solle mit Strafmaßnahmen geschwächt werden, «die die Fähigkeit Nordkoreas weiter einschränkt, seine rechtswidrigen Programme für Massenvernichtungswaffen und ballistische Flugkörper voranzutreiben». Bei einer Abstimmung vor dem mächtigsten UN-Gremium drohen allerdings Vetos von China und Russland.

Nordkorea hatte am Mittwochmorgen (Ortszeit) in kurzen Zeitabständen drei ballistische Raketen in Richtung offenes Meer im Osten abgeschossen, von denen eine offenbar eine Interkontinentalrakete (ICBM) gewesen ist. Zudem mehren sich die Anzeichen für einen bevorstehenden neuen Atomversuch durch Nordkorea.

Der jüngste Raketentest erfolgte zu einem Zeitpunkt wachsender Unsicherheit in der Region. Es war bereits die 17. Runde von Raketentests durch Nordkorea in diesem Jahr. Das Land will nach Meinung von Experten sein Raketenarsenal modernisieren und möglicherweise auch den Druck auf die USA erhöhen, damit diese konkrete Verhandlungsvorschläge vorlegen.


Kolumbien geht Hinweisen zu Tod von Rebellenführer nach

Bogotá (dpa)- Kolumbien prüft nach eigenen Angaben Hinweise auf den Tod eines ehemaligen Farc-Kommandeurs. «Informationen des Geheimdienstes weisen auf den mutmaßlichen Tod von 'Gentil Duarte' im Bundesstaat Zulia in Venezuela bei Zusammenstößen zwischen Gruppen von Drogenhändlern und Terroristen hin», sagte der kolumbianische Verteidigungsminister Diego Molano bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Demnach hatte der Guerilla-Kämpfer Namens Miguel Botanche Santanilla nach zwei Militäroperationen in Kolumbiens Nachbarland Venezuela Zuflucht gesucht. «Falls sich dies bestätigen sollte, ist es ein weiterer Beweis, dass das Maduro-Regime Gruppen von Drogenhändlern und Terroristen in ihrem Land beschützt», sagte Molano. Miguel Botanche Santanilla wäre bereits der vierte Anführer von abtrünnigen Farc-Kämpfern, der in Venezuela gestorben ist.

«Gentil Duarte» und mehrere weitere Farc-Kommandeure waren nach der Verabschiedung des Friedensvertrags zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Farc-Guerilla 2016 von den Rebellen ausgeschlossen worden. «Gentil Duarte» hatte zwar an den Friedensverhandlungen in Havanna teilgenommen, trug aber den Friedensprozess nicht mit und wurde einer der Anführer der Farc-Dissidenten.

Kolumbien litt 52 Jahre lang unter einem bewaffneten Konflikt, 220.000 Menschen kamen ums Leben kamen, Millionen wurden vertrieben. Durch den Friedensvertrag verbesserte sich die Sicherheitslage. Aber vor allem in ländlichen Gebieten ist die Gewalt zurück. Tausende Farc-Dissidenten kämpfen mit Verbrechersyndikaten, die ebenfalls ins Drogengeschäft verwickelt sind, in früheren Farc-Gebieten um Einfluss.


Dutzende Tote bei Anschlagsserie

KABUL/MASAR-E SCHARIF: Bei einer Anschlagsserie in Afghanistan sind mehr als ein Dutzend Menschen getötet worden. Einer der Angriffe habe sich gegen Gläubige in der Hazrat-Zakarya-Moschee in der afghanischen Hauptstadt Kabul gerichtet, teilte ein Polizeisprecher am Mittwoch mit. Mindestens 22 Verwundete seien in ein Krankenhaus der italienischen Nichtregierungsorganisation (NGO) Emergency gebracht worden. Fünf von ihnen waren der NGO zufolge bei ihrer Ankunft bereits tot.

In der nordafghanischen Stadt Masar-e Scharif sind mindestens neun Menschen bei drei aufeinanderfolgenden Explosionen getötet und fünfzehn weitere verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die Sprengkörper seien in drei Kleinbussen platziert worden. Bei den Opfern handle es sich ausschließlich um Zivilisten, darunter Frauen und Kinder.

In den vergangenen Monaten wurden mehr als 100 Menschen bei Angriffen auf Moscheen, religiöse Minderheiten und Schulen getötet. Die Terrormiliz Islamischer Staat hat sich zu den meisten Anschlägen bekannt. Die sunnitischen Extremisten betrachten Schiiten als Abtrünnige vom wahren Glauben, obwohl auch sie Muslime sind. Die militant-islamistischen Taliban sind nach ihrer Machtübernahme im August 2021 nach 20 Jahren wieder an der Macht.


Links-Liberaler Golob zum Ministerpräsidenten Sloweniens gewählt

LJUBLJANA: Das slowenische Parlament hat den Unternehmer und Quereinsteiger Robert Golob (55) zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Für den Chef der neuen links-liberalen Freiheitsbewegung (Gibanje svoboda) stimmten am Mittwochabend 54 der 90 Abgeordneten, wie Medien berichteten. Er löst den rechtsnationalen Regierungschef Janez Jansa ab, der bei der Wahl am 24. April mit seiner Slowenischen Demokratischen Partei (SDS) unterlag. Golob wird in einer Koalition mit den Sozialdemokraten (SD) und der Linken (Levica) regieren.

In seiner Rede unmittelbar vor der Abstimmung sagte Golob, dass sich sein Kabinett an sozialer Gerechtigkeit, Solidarität und dem Aufbau einer wissensbasierten Gesellschaft orientieren werde. Als erste Prioritäten bezeichnete er die Linderung der Nöte des Gesundheitswesens sowie die Eindämmung der steigenden Energie- und Lebensmittelpreise.

Jansa hatte nur etwas mehr als zwei Jahre regiert. Die Macht hatte er im März 2020 infolge des Zerfalls der damaligen Mitte-Links-Koalition errungen. Der enge Verbündete des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban pflegte einen konfrontativen Regierungsstil.

Kritiker beschimpfte er oft unflätig über den Kurznachrichtendienst Twitter. Ähnlich wie Orban ging Jansa mit repressiven Maßnahmen gegen die Justiz, Medien, Demonstranten und Zivilorganisationen vor.


Politischer Eklat bei Pressekonferenz zu Schul-Amoklauf in Texas

UVALDE/WASHINGTON: Bei einer Pressekonferenz zu dem verheerenden Amoklauf an einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas ist es zu einem politischen Eklat gekommen. Der Demokrat Beto O'Rourke unterbrach am Mittwoch eine laufende Pressekonferenz des republikanischen Gouverneurs von Texas, Greg Abbott, und kritisierte diesen für seine Haltung zu den Waffengesetzen im Land. O'Rourke, der im November bei der nächsten Gouverneurswahl in Texas als Herausforderer gegen Abbott antreten will, warf dem Republikaner vor, nichts gegen die grassierende Waffengewalt in den USA zu unternehmen. «Sie tun nichts», kritisierte O'Rourke.

Abbott reagierte auf die Vorwürfe nicht, während andere Offizielle O'Rourke zur Ordnung riefen und ihn dazu aufforderten, den Saal zu verlassen. Ein Mann rief O'Rourke zu: «Sie fallen aus dem Rahmen, und Sie sind peinlich.» Ein anderer Mann beschimpfte den Demokraten wüst und sagte: «Ich kann nicht fassen, dass Sie ein kranker Bastard sind, der aus einer Sache wie dieser ein politisches Thema machen will.» O'Rourke verließ nach der verbalen Auseinandersetzung den Raum.

Eine Verschärfung der Waffengesetze in den USA scheitert seit vielen Jahren an einer grundlegenden Uneinigkeit zwischen Demokraten und Republikanern in dieser Frage. Während viele Demokraten seit langem eine substanzielle Verschärfung der Vorschriften für Waffenbesitz im Land fordern, sind viele Republikaner vehement dagegen. Abbott argumentierte auch am Mittwoch, strengere Gesetze seien nicht die Lösung, um Amokläufe wie den jüngsten in Uvalde in Texas zu verhindern. Ein Schütze hatte dort am Dienstag in einer Grundschule 19 Kinder und zwei Lehrer erschossen.

O'Rourke hatte von 2013 bis 2019 für die texanische Grenzstadt in El Paso im Repräsentantenhaus gesessen und sich später als Kandidat für einen Senatssitz und als parteiinterner Präsidentschaftsbewerber der Demokraten national einen Namen gemacht. Durchsetzen konnte sich O'Rourke in beiden Fällen nicht.


Gouverneur von Texas nach Massaker: «Es hätte schlimmer sein können»

WASHINGTON: Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hat nach dem Massaker an einer Grundschule der Polizei gedankt. «Die Realität ist, so schrecklich wie das, was passiert ist, es hätte schlimmer sein können», sagte Abbott am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. «Sie haben unglaublichen Mut bewiesen, indem sie in die Schüsse liefen, nur um Leben zu retten», sagte er über die Einsatzkräfte. «Es ist eine Tatsache, dass sie durch ihre schnelle Reaktion vor Ort in der Lage waren, auf den Bewaffneten zu reagieren und ihn auszuschalten. Sie waren in der Lage, Leben zu retten.» Leider seien es nicht genug Leben gewesen.

Ein 18 Jahre alter Schütze hatte am Dienstag in einer Grundschule in der Kleinstadt Uvalde das Feuer eröffnet und 19 Schulkinder und zwei Erwachsene getötet. Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Der Schütze war nach dem Massaker in der Robb Elementary School nahe San Antonio von der Polizei erschossen worden.


UN: Verfügbarkeit von Waffen treibt Gewalt

NEW YORK: Nach den Schüssen an einer Grundschule in Texas sehen die Vereinten Nationen einen Grund für diese und andere Taten in der Verfügbarkeit von Waffen. «Wenn Waffen verfügbar sind, gibt es Gewalt, und Zivilisten zahlen den Preis», sagte Sprecher Stephane Dujarric am Mittwoch in New York. Dieses Thema stehe auch in den Vereinigten Staaten von Amerika zur Debatte.

Ein 18-Jähriger hatte am Dienstag in einer Grundschule in Uvalde nahe San Antonio 19 Kinder und zwei Lehrer getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. In vielen Teilen der USA ist es vergleichsweise einfach, Waffen zu kaufen. Die Dichte an Pistolen und Gewehren in den USA ist sehr hoch. UN-Generalsekretär António Guterres hatte die Tat verurteilt.


Bus stürzt in Mexiko Abhang hinunter - sieben Migranten tot

MEXQUITIC DE CARMONA: Bei einem Unglück eines Busses mit Migranten in Mexiko sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen und 30 verletzt worden. Der Reisebus stürzte am Mittwoch nahe der zentralmexikanischen Gemeinde Mexquitic de Carmona 30 bis 50 Meter tief einen Abhang hinunter, wie die örtliche Polizei auf Facebook mitteilte. Nach lokalen Medienberichten hatte der Fahrer die Kontrolle über den Bus verloren und war von der Straße abgekommen, woraufhin sich das Fahrzeug überschlug.

Die Zivilschutzbehörde des Bundesstaates San Luis Potosí teilte mit, bei den Opfern handele es sich um Migranten aus Honduras, El Salvador und Kuba. Der Bus war der Polizei zufolge in Richtung USA unterwegs. Mexiko ist ein Durchgangsland für viele Tausende Menschen, die etwa vor Gewalt und Armut aus ihren Heimatländern flüchten und in die USA auswandern wollen.


Gouverneur: Schütze von Texas hat über Tat auf Facebook geschrieben

WASHINGTON: Der Amokläufer an einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas hat nach Angaben von Gouverneur Greg Abbott seine Pläne kurz vor der Tat auf Facebook angekündigt. Er habe zunächst geschrieben, dass er seine Großmutter erschießen werde, sagte Abbott am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Sein zweiter Beitrag lautete demnach, dass er auf seine Großmutter geschossen habe. Etwa eine Viertelstunde vor der Ankunft an der Schule habe der 18-Jährige geschrieben, dass er in einer nicht namentlich genannten Grundschule um sich schießen werde, sagte der Gouverneur.

Abbott zufolge war der Schütze nicht vorbestraft. Es sei aber nicht sicher, ob der Amokläufer irgendwelche Eintragungen als Jugendlicher hatte. Das müsse noch ermittelt werde. Psychische Erkrankungen seien nicht bekannt, so Abbott. Der Gouverneur gab auch bekannt, dass der Schütze seiner Großmutter ins Gesicht geschossen habe - sie überlebte. In der Schule sei er dann in einen Klassenraum eingedrungen, der mit einem anderen verbunden gewesen sei.

Der 18-Jährige hatte in einer Grundschule in Uvalde nahe San Antonio 19 Kinder und zwei Lehrer getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde.


Deutschen Radfahrer auf Mallorca überfahren: Bewährungsstrafe

PALMA: Ein Mann, der im angetrunkenen Zustand auf Mallorca einen deutschen Radfahrer überfahren und schwer verletzt sowie anschließend Fahrerflucht begangen hatte, kommt relativ glimpflich davon: Der heute 39 Jahre alte Spanier wurde von einem Gericht in Palma zu knapp zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, wie die Zeitung «Diario de Mallorca» und andere Medien der spanischen Insel am Mittwoch berichteten. Zudem muss er das Opfer, dem seinerzeit ein Bein amputiert werden musste, mit 180.000 Euro entschädigen. Die Staatsanwaltschaft hatte zweieinhalb Jahre, das Opfer als Nebenkläger acht Jahre Freiheitsentzug gefordert. Die mallorquinische Justiz bestätigte auf Anfrage diese Informationen.

Der Zwischenfall ereignete sich im April 2017 auf einer Landstraße in Llucmajor im Süden Mallorcas. Der Mallorquiner verlor die Kontrolle über seinen Lieferwagen, stieß gegen das Rad des damals 57 Jahre alten Deutschen und verletzte ihn schwer. Ohne sich um den Verletzten zu kümmern, fuhr er davon. Der Fluchtfahrer versuchte sich unweit der Unfallstelle zu verstecken, wurde aber wenig später von der Polizei ausfindig gemacht. Bei einem Test wies er 0,90 Milligramm Alkohol pro Liter Atemluft auf. In Spanien sind höchstens 0,25 Milligramm zugelassen.

Das Opfer musste damals im Krankenhaus Son Espases in Palma 17 Operationen unterzogen werden. Am Ende konnte sein rechtes Bein nicht gerettet werden. Der Elektromeister kann seit 2019 zwar wieder arbeiten, ist seit dem Unfall aber natürlich stark eingeschränkt.


Holocaust-Überlebende Margot Friedländer erhält Ehrendoktorwürde

BERLIN: Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer (100) ist mit der Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin ausgezeichnet worden. Sie verkörpere auf eine herausragende Weise eine Form von Demokratieerziehung, die Verstand und Herz gleichermaßen anspreche, erklärte die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann.

Friedländers Impuls sei so wichtig in einer Zeit, «in der sich einerseits immer weniger Zeitzeugen des Holocaust noch zu Wort melden und in der sich andererseits die Zusammensetzung der Gesellschaft rapide verändert», zitierte die Hochschule am Mittwoch aus der Laudatio. Jeder und jede könne zu einem sekundären Zeugen werden. Aber junge Menschen müssten dazu auch ermutigt, ermächtigt und gebildet werden. «Hier haben die Schulen und Universitäten eine Mitverantwortung», so Assmann.

Die Ehrendoktorwürde für Friedländer war vom Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften vorgeschlagen worden. Friedländer hat für ihr Engagement als Zeitzeugin bereits das Bundesverdienstkreuz bekommen, sie ist Berliner Ehrenbürgerin.

Ihre Familie wurde nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sie selbst wurde in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Nach dem Krieg ging sie 1946 mit ihrem Mann Adolf Friedländer in die USA. Einige Jahre nach dessen Tod kehrte Margot Friedländer in ihre alte Heimat Berlin zurück. Der Film «Don't call it Heimweh» und ihr Buch «Versuche, dein Leben zu machen» erzählen ihre Geschichte. Bei ihrer Arbeit als Zeitzeugin liegen ihr besonders junge Menschen am Herzen.


Bedrohte Frau bekommt mit «SOS»-Zettel Hilfe in Apotheke

ILLKIRCH-GRAFFENSTADEN: Eine von ihrem Mann begleitete Frau hat in einer Apotheke bei Straßburg im Elsass neben dem Rezept einen Zettel mit dem Wort «SOS» vorgelegt, weil sie sich massiv bedroht fühlte.

Die Apothekerin im Vorort Illkirch-Graffenstaden verstand den Notruf der 36-Jährigen und verständigte unverzüglich die Polizei, wie der Sender France Info am Mittwoch berichtete. Die Beamten waren schnell zur Stelle und nahmen den Mann fest, er kam in Untersuchungshaft. Wie die Frau den Beamten schilderte, soll der Mann verbal aggressiv gewesen sein und sie mit dem Tod bedroht haben. Deswegen habe sie sich vorher nicht getraut, ihn anzuzeigen. Die Polizei lobte die schnelle Reaktion der Apothekerin.


VW: EU-Kommission gibt Europcar-Übernahme durch Green Mobility frei

WOLFSBURG/LUXEMBURG: Der Volkswagen-Konzern darf eigenen Angaben zufolge zusammen mit Attestor Limited und Pon Holdings nach Freigabe durch die EU-Kommission den französischen Autovermieter Europcar übernehmen. Damit sei die letzte Bedingung für das Übernahmeangebot erfüllt worden, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Bereits im November hatte die französische Finanzmarktaufsicht AMF grünes Licht für eine Übernahme durch die Green Mobility Holding gegeben.

Diese will mehr als 90 Prozent der Europcar-Aktien erwerben. Bereits bei der Übernahme-Ankündigung hatte die Holding nach eigenen Angaben Zusagen zur Annahme eines entsprechenden Angebotes von Europcar-Aktionären erhalten. Diese machten 68 Prozent der im Umlauf befindlichen Aktien aus. Sollte Green Mobility mit der Übernahme erfolgreich sein und das Ziel von mehr als 90 Prozent der Aktien schaffen, soll der Angebotspreis von 50 auf 51 Cent pro Aktie steigen. Die Annahmefrist für das Angebot endet am 10. Juni.

Früheren Angaben zufolge wollen die Wolfsburger Europcar vom reinen Autovermieter zum Service-Netzwerk für die eigenen Angebote umbauen. Dabei solle ein Dienstleistungsangebot rund ums Auto entstehen.


VW schließt Millionenvergleich bei Massenklage im Dieselskandal

LONDON/WOLFSBURG: Der Automobilkonzern Volkswagen hat nach einer britischen Massenklage im Dieselskandal einen Vergleich in Höhe von rund 227 Millionen Euro (193 Mio Pfund) geschlossen. Geklagt hatten mehr als 90.000 Besitzer von Diesel-Fahrzeugen der Volkswagen-Marken VW, Audi, Seat und Skoda wegen manipulierter Emissionsdaten. Das Verfahren, das im Januar 2023 am Londoner High Court verhandelt werden sollte, gilt als größte je vor einem englischen Gericht vorgebrachte Sammelklage.

Im Rahmen des Vergleichs seien keinerlei Eingeständnisse von Haftung, Kostenverursachung oder Verlust gemacht worden, betonte der Konzern in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Klägerseite am Mittwoch. Zugleich entschuldigte sich VW aber bei seinen Kunden für den Einbau der Manipulationssoftware und kündigte an, deren Vertrauen zurückgewinnen zu wollen. «Der Vergleich ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Volkswagen Group, um die zutiefst bedauerlichen Vorfälle bis zum September 2015 hinter sich zu lassen», sagte VW-Chefjurist Philip Haarmann der Mitteilung zufolge.

Der Geschäftsführer der Anwaltsfirma Slater and Gordon, die etwa 70.000 Kläger vertrat, zeigte sich «immens stolz» auf das Ergebnis. «Der Vergleich macht einen langen, komplexen und teuren Gerichtsprozess überflüssig, und wir sind erfreut, dass wir diese Einigung für unsere Klienten als Ergebnis der Sammelklage erreicht haben.»

Eine sogenannte Abschalteinrichtung hatte bei dem in Millionen Autos verbauten Dieselmotor EA189 erkannt, ob der Wagen in einer Testsituation war. Nur dann war die Stickoxid-Reinigung ganz aktiviert, während auf der Straße ein Vielfaches an Schadstoffen in die Luft geblasen wurde.


Mercedes-Benz stellt 2023 auf Automatik um

STUTTGART: Mercedes-Benz wird 2023 aus der Produktion von Fahrzeugen mit Schaltgetriebe aussteigen. Die Umstellung auf Automatikgetriebe erfolge modellspezifisch beim Umstieg auf neue Fahrzeuggenerationen, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit Sitz in Stuttgart am Mittwoch mit. «Mit zunehmender Elektrifizierung sehen wir, dass sich die Kundennachfrage in Richtung Elektromobilitätskomponenten, Batterien und (teil-)elektrischer Antriebssysteme verlagert», sagte der Sprecher. Dementsprechend würde Mercedes-Benz «nach und nach keine Schaltgetriebe mehr anbieten».

Im aktuellen Portfolio seien noch Modelle der A- und B-Klasse sowie des CLA mit Schaltgetriebe erhältlich. Der Umstieg stünde 2023 an, wann genau, wollte das Unternehmen aus Wettbewerbsgründen nicht mitteilen. Zuvor hatten die «Stuttgarter Zeitung» und die «Stuttgarter Nachrichten» darüber berichtet (Mittwoch).


Niederlande: Deutscher nach 28 Jahren vom Mord-Vorwurf freigesprochen

DEN HAAG: 28 Jahre nach dem gewaltsamen Tod seines Schwiegervaters auf einem niederländischen Campingplatz ist ein deutscher Mann nun endgültig von jeglicher Schuld freigesprochen worden. Es gebe keinerlei Beweise für die Schuld des heute 59-Jährigen, teilte der Gerichtshof am Mittwoch in Den Haag mit. 1995 war der Mann aus Bottrop wegen Totschlags zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden.

1994 war der Schwiegervater des Mannes auf einem Campingplatz im Küstenort Petten im Norden von Amsterdam erstochen worden. Der Mann hatte die Tat zunächst gestanden, diese Erklärung aber später wieder zurückgezogen. Er wurde 1994 freigesprochen. Doch im Berufungsverfahren verurteilten ihn die Richter zu fünf Jahren Haft. Der Deutsche hat einen Teil der Strafe verbüßt.

Der Hohe Rat, das höchste Gericht der Niederlande, ordnete 2021 die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Grundlage dafür war ein rechtspsychologisches Gutachten, nachdem das Geständnis des Mannes falsch war. Die Richter folgten dem Gutachten. Nachdem das angebliche Geständnis vorlag, hätten die Ermittler auch keine weiteren Nachforschungen in dem Fall angestellt. Dabei habe es deutliche Hinweise auf einen anderen Tatverdächtigen gegeben. Auch die Staatsanwaltschaft hatte auf Freispruch plädiert.


Experte zu Nato-Streit und Syrien: Erdogan will Wähler gewinnen

ISTANBUL: Hinter dem Nato-Streit und der Androhung einer Syrien-Offensive von Seiten der Türkei steckt nach Ansicht von Experten auch eine Wahlkampagne. «Weil Präsident Recep Tayyip Erdogan innenpolitisch schlecht dasteht, will er unbedingt außenpolitisch punkten», sagte Hüseyin Bagci, Vorsitzender des türkischen Foreign-Policy-Instituts der dpa am Mittwoch. Die Unterstützung der Bürger für den Präsidenten und seine AKP war zuletzt zurückgegangen.

Die Türkei blockiert derzeit die Aufnahme von Schweden und Finnland in die Nato und begründet das mit deren angeblicher Unterstützung von «Terrororganisationen» wie der verbotenen kurdische Arbeiterpartei PKK und der syrischen Kurdenmiliz YPG. Am Mittwoch verhandeln finnische und schwedische Delegationen mit türkischen Vertretern in Ankara dazu. Bei dieser Blockade-Haltung versammle Erdogan einen Großteil der türkischen Öffentlichkeit hinter sich, die die PKK und YPG als Sicherheitsbedrohung wahrnehme, sagte Bagci.

Erdogan hatte zudem am Montag eine mögliche neue Offensive in Nordsyrien angekündigt, wo Ankara bereits Gebiete kontrolliert. Der Diskurs über syrische Flüchtlinge in der Türkei hat sich im Zuge der Wirtschaftskrise stark verschärft. Die Kontrolle weiterer Gebiete in Syrien könnte entsprechend auch für deren Rückführung genutzt werden, sagte Bagci. Die Türkei baut in den von ihr besetzten Gebieten bereits Häuser für Syrer, die die Türkei wieder verlassen.

Die nächsten regulären Wahlen sollen 2023 stattfinden. Erdogan kann aber auch vorgezogene Neuwahlen per Dekret einleiten. Die Zustimmung für den Präsidenten und die regierende AKP war zuletzt zurückgegangen.


Drei kleine Bären in Bulgarien in die Freiheit entlassen

ATHEN: Die griechische Tierschutzorganisation Arcturos hat drei Bärenkinder in einem bulgarischen Nationalpark ausgewildert. Die rund zwölf Monate alten Tiere seien als Babys von dort übernommen worden, um sie aufzupäppeln, teilte die Organisation am Mittwoch mit. Sie waren ohne Mutter aufgefunden worden - das Muttertier sei entweder ums Leben gekommen oder habe den Nachwuchs verlassen. Nun veröffentlichte Arcturos ein Video der Auswilderung, die bereits Mitte Mai stattfand.

Bei der Auswilderung durften sechs Kinder dabei sein und Fragen stellen. «Wir müssen sichergehen, dass die Tiere groß genug sind, um zu überleben», erklärte ein Arcturos-Mitarbeiter den jungen Tierfreunden. Die Tiere erhielten jeweils ein GPS-Halsband, um ihre weiteren Bewegungen und Routen zu verfolgen. Das Halsband soll nach rund eineinhalb Jahren Beobachtungszeit per Fernbedienung gelöst werden.

Arcturos hat in den vergangenen Jahrzehnten Dutzenden Bären das Leben gerettet. Zurzeit leben 20 Tiere unter dem Schutz der Organisation. Elf kleine Bären seien bereits erfolgreich ausgewildert worden. Wie Wildtierbiologe Giorgos Mostakis der Deutschen Presse-Agentur sagte, werden die Tiere zuerst in eine Art Bären-Kindergarten gebracht, wo sie so wenig wie möglich Kontakt mit Menschen haben. Danach werden sie stufenweise in immer größere Anlagen verlegt, um zu lernen, ihr Fressen selbst zu finden. Diejenigen, die es schaffen, werden ausgewildert.

Tiere, die zu lange in schlechter Haltung oder in Käfigen verbracht haben, bleiben in den Anlagen von Arcturos weit im Nordwesten Griechenlands. Dort können Interessierte sie nach einer Anmeldung beobachten. «Wir freuen uns über jeden Besuch. Aber bitte immer ganz ruhig und leise sein», sagt Biologe Mostakis.


Massaker in Texas: Alle Todesopfer waren in einem Klassenraum

WASHINGTON: Der Amokläufer an einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas hat das Blutbad nach Angaben der Polizei in einem einzelnen Klassenraum angerichtet. Alle Toten seien in einem Klassenraum gewesen, in dem sich der Täter zuvor verbarrikadiert hatte, sagte Polizeisprecher Chris Olivarez am Mittwoch dem US-Sender CNN. Olivarez berichtete, dass es sich bei den Todesopfern um 19 Kinder und zwei Lehrer gehandelt habe. Der 18 Jahre alte Schütze war nach dem Massaker am Dienstag in der Robb Elementary School in Uvalde nahe San Antonio von der Polizei erschossen worden.

Olivarez sagte, der Täter habe bei seinen Großeltern gelebt und zunächst auf seine Großmutter geschossen - sie sei weiterhin am Leben. Er sei anschließend mit einem Fahrzeug geflohen und habe nahe der Schule einen Unfall gebaut. Die Polizei sei dann darüber alarmiert worden, dass eine Person mit einem Gewehr in die Schule eindringe. Bei Ankunft der Sicherheitskräfte habe der Schütze das Feuer eröffnet und zwei Polizisten verletzt. Dann habe er sich in einem Klassenraum verschanzt und damit begonnen, «auf Kinder und Lehrer zu schießen, die sich in der Klasse befanden».


Orca vor nordfranzösischer Küste und in der Seine gesichtet

HONFLEUR: An der nordfranzösischen Kanalküste sowie in der Seine wird seit mehreren Wochen immer wieder ein Orca beobachtet. Das Auftauchen des Wales dort sei extrem selten und bisher noch unerklärlich, berichtete der Sender BFMTV am Mittwoch. Experten sorgen sich aber um die Gesundheit des Tieres. Nach Angaben der Forschungsgruppe Meeressäuger (GEEC) wurde das Tier erstmals am 5. April von der Besatzung eines Trawlers etwa 30 Kilometer vor der normannischen Küste gesichtet. Seitdem wurde der Orca immer wieder entlang der Küste, in der Seine-Mündung sowie selbst rund 60 Kilometer flussaufwärts in der Seine bei Yainville entdeckt.

Üblicherweise seien Orcas eher vor den Küsten Schottlands, Islands und Norwegens zu Hause sowie weiter südlich im Atlantischen Ozean im Golf von Biskaya, erklärte ein GEEC-Experte. Die von dem Fischerboot aus gemachten Videoaufnahmen seien derart klar, dass es keinen Zweifel daran gebe, dass es sich um einen Orca handele.

Spekuliert wird, ob der Wal sich in den Ärmelkanal verirrt hat, weil er erkrankt ist und sich in den ruhigeren Gewässern dort leichter ernähren kann. Möglicherweise handele es sich auch um ein Jungtier, dass seine Gruppe verlassen habe und nun isoliert sei. Nachdem der Orca zunächst noch bei guter Gesundheit schien, halten Beobachter ihn inzwischen für abgemagert und sehen Hinweise auf Pilzbefall. Ganz allein seien seine Überlebenschancen schlecht, meinten die Experten.


Innenministerin Faeser kritisiert Macht der US-Waffenlobby

BERLIN: Nach dem Amoklauf an einer texanischen Grundschule mit mindestens 19 getöteten Kindern hat sich Bundesinnenministerin Nancy Faeser kritisch über die vergleichsweise laxen Waffengesetze in den USA geäußert. «Es ist entsetzlich, dass so viele Kinder und eine Lehrerin getötet wurden. Und es ist schlimm, wie mächtig die Waffenlobby in den USA noch immer ist - trotz so vieler schrecklicher Verbrechen», schrieb die SPD-Politikerin am Mittwoch auf Twitter. Nach der Bluttat eines gerade 18-Jährigen war in den USA erneut eine Debatte über eine schärfere Regulierung des Waffenbesitzes entbrannt.

Faeser schrieb, in Deutschland gelte ein striktes Waffenrecht, das die Waffenbehörden entschieden und mit aller Wachsamkeit durchsetzen müssten. «Vor allem müssen wir Extremisten sehr konsequent entwaffnen. Dort, wo es notwendig ist, werden wir das Waffenrecht weiter verschärfen.»

Der 18-Jährige hatte während der Unterrichtszeit in der Robb Elementary School in Uvalde nahe San Antonio um sich geschossen. Auch mindestens zwei Erwachsene starben. Medienberichten zufolge soll der Schütze die verwendete Waffe vor rund einer Woche kurz nach seinem 18. Geburtstag gekauft haben.


Ein Toter bei Angriff auf Forstarbeiter im Süden von Chile

LUMACO: Bei einem Angriff auf Forstarbeiter im Süden von Chile ist ein Mann ums Leben gekommen. Der 66-Jährige sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen, teilte das Innenministerium in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) mit. Unbekannte hatten zuvor in der Region Araucanía auf einen Bus mit Arbeitern geschossen und mindestens fünf Menschen verletzt. Das Todesopfer war von einer Kugel in den Kopf getroffen worden. «Es gibt keine Rechtfertigung für diese Gewalt», sagte Innenministerin Izkia Siches.

Im Süden des südamerikanischen Landes kommt es immer wieder zu Überfällen und Brandanschlägen auf Forstbetriebe, Fahrzeuge und Häuser. Der Verdacht richtet sich auch gegen radikale Gruppen der Mapuche, die seit Jahrzehnten für die Rückgabe ihrer Ländereien kämpfen. Die Regierung hat den Ausnahmezustand verhängt und zusätzliche Sicherheitskräfte in die Region verlegt.


Daimler Truck bekommt US-Auftrag für bis zu 800 E-Lkw

LEINFELDEN-ECHTERDINGEN: Der Lastwagenhersteller Daimler Truck hat in den USA einen Einzelauftrag für bis zu 800 E-Lkw erhalten. Dazu wurde mit dem Lebensmittellieferanten Sysco eine Absichtserklärung unterzeichnet, wie das Unternehmen am Mittwoch in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart mitteilte.

Die ersten E-Lkw der zu Daimler Truck gehörenden US-Marke Freightliner werden voraussichtlich noch in diesem Jahr an den Kunden gehen. Die Lieferung solle bis 2026 abgeschlossen werden. Finanzielle Einzelheiten des Deals wurden nicht mitgeteilt.

Sysco wolle einen größeren Teil seiner Lkw-Flotte mit alternativen Kraftstoffen betreiben, berichtete Daimler Truck. Der Hersteller hatte unlängst angekündigt, das Modell eCascadia in Serie zu bauen. Der E-Lkw basiert auf dem Cascadia, dem nach Unternehmensangaben meistverkauften Lkw für Langstrecken in Nordamerika.

Daimler Truck ist mit rund 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus eigener Sicht der weltweit größte Hersteller von Lastwagen und Bussen.


47 Patientinnen sexuell missbraucht: Haft für Arzt in Glasgow

GLASGOW: Weil er über mehrere Jahrzehnte fast 50 Patientinnen sexuell missbraucht hat, muss ein pensionierter Hausarzt in Großbritannien für zwölf Jahre in Haft. Ein Gericht in Glasgow verurteilte den 72-Jährigen am Mittwoch in insgesamt 54 Fällen. «Sie haben diese Verbrechen gegen Ihre Patientinnen hartnäckig über 34 Jahre verübt», sagte Richter Iain Armstrong. «Sie haben das Vertrauen in die Medizin untergraben, in dem Sie das Vertrauen zerstörten, das diese Frauen hatten.»

Zu den 47 Opfern zählen auch vier Mädchen, die zum Tatzeitpunkt jünger als 16 Jahre waren. Die Taten fanden zwischen 1984 und 2018 statt, vor allem in der Praxis des Mannes im Gebiet North Lanarkshire bei Glasgow, aber auch in einer Polizeistation und einer Notaufnahme.

Dabei küsste und umarmte der Arzt die Frauen, berührte ihre Brüste und machte unangemessene Kommentare. Der Mann hatte die Vorwürfe zunächst bestritten. Seine Verteidigerin Janice Green betonte zum Schluss des Prozesses, ihr Mandant habe «äußerstes Bedauern» gezeigt und akzeptiere, dass eine Freiheitsstrafe unumgänglich sei.


Hillary Clinton: «Wir werden zu einer Nation der gepeinigten Schreie»

WASHINGTON: Nach dem Massaker an einer texanischen Grundschule hat die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton die politische Pattsituation beim Vorgehen gegen Waffengewalt kritisiert. «Gedanken und Gebete sind nicht genug. Nach Jahren von nichts anderem werden wir nun zu einer Nation der gepeinigten Schreie», schrieb die Demokratin am Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter. «Wir brauchen einfach Parlamentarier, die bereit sind, die Plage der Waffengewalt in Amerika zu stoppen, die unsere Kinder umbringt.»

Auch ihr Ehemann und früherer US-Präsident Bill Clinton mahnte rasches Handeln an. «Wir schulden diesen Familien - und den Familien, die ähnliche Verluste erlitten haben, wie erst vergangene Woche in Buffalo - Taten. Genug ist genug», twitterte der 75-Jährige. Die Amerikaner stimmten dem mit überwältigender Mehrheit zu. Es sei nun an den gewählten Vertretern aller Parteien, vernünftige Maßnahmen zu finden, um die Sicherheit von Kindern und Gemeinden zu gewährleisten. «Propaganda und Paranoia haben uns zu lange davon abgehalten, uns hierbei gegenseitig zu helfen. Wir können es besser machen - und besser sein. Der Zeitpunkt zum Handeln ist jetzt», hieß es weiter.

Ein 18 Jahre alter Angreifer hatte nach Angaben der Polizei am Dienstagmittag in der Grundschule in der Kleinstadt Uvalde um sich geschossen. US-Medien zufolge kamen mindestens 19 Kinder und zwei Erwachsene ums Leben. Der Schütze sei von Beamten getötet worden.

Im Vergleich zu Europa ist das Waffenrecht in den USA allgemein sehr lax. Initiativen zur Verschärfung des Waffenrechts auf Bundesebene scheiterten bislang unter anderem am Widerstand vieler Republikaner und der mächtigen Waffenlobby.


Bundespräsident zu Massaker in USA: Trauer und Schmerz unermesslich

BERLIN: Nach dem Amoklauf an einer texanischen Grundschule mit mindestens 19 getöteten Kindern hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erschüttert über die Bluttat geäußert. «Der grausame Tod wehrloser Kinder, die voller Neugier und Lebensfreude am Anfang ihres Lebens standen, macht mich fassungslos. Trauer und Schmerz der Eltern, Geschwister, Freunde und Familien sind unermesslich. Es gibt keine passenden, heilenden Worte im Angesicht solchen Leids», schrieb Steinmeier am Mittwoch an US-Präsident Joe Biden.

Das deutsche Staatsoberhaupt sprach Biden und dem amerikanischen Volk, auch im Namen aller Bundesbürger, sein Beileid aus. «Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer. Ihnen gilt unser ganzes Mitgefühl. Den Verletzten wünsche ich eine rasche Genesung.»

Weiter schrieb Steinmeier: «Und der amerikanischen Demokratie, der wir Deutsche so vieles zu verdanken haben, wünsche ich die Kraft und den Zusammenhalt, um das Problem der Waffengewalt an der Wurzel zu packen. Wir stehen an Ihrer Seite.» Nach der Bluttat war in den USA erneut eine Debatte über eine schärfere Regulierung des Waffenbesitzes entbrannt.

Ein 18-Jähriger hatte während der Unterrichtszeit in der Robb Elementary School in Uvalde nahe San Antonio um sich geschossen. Auch mindestens zwei Erwachsene starben. Medienberichten zufolge soll der Schütze die verwendete Waffe vor rund einer Woche kurz nach seinem 18. Geburtstag gekauft haben.


76 Migranten nach Schiffsunglück vor Tunesiens Küste vermisst

TUNIS/ROM: Nach einem Schiffsunglück werden vor der Küste Tunesiens UN-Angaben zufolge 76 Migranten vermisst. 24 Menschen seien gerettet worden, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Mittwoch über Twitter mit. Die Rettungsoperation nahe der Stadt Sfax laufe weiter. Das Boot hatte demnach aus der Stadt Suwara im Westen Libyens abgelegt. IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo twitterte, mittlerweile seien in diesem Jahr 650 Menschen im Mittelmeer gestorben. «Und dennoch wird der Appell, das System der Patrouillen zur Suche und Rettung im Meer zu stärken, nicht gehört», schrieb er.

Bereits in der Nacht zuvor war es zu einem weiteren Schiffsunglück vor Tunesien gekommen, als ein überfülltes Holzboot mit 110 Menschen kenterte, wie die deutsche Rettungsorganisation Resqship mitteilte. Deren Segelboot «Nadir» habe zusammen mit dem Segelboot «Astral» der spanischen Hilfsorganisation Open Arms die ins Wasser gestürzten Menschen an Bord oder auf Rettungsinseln befördern können.

Als sich am Morgen Boote der tunesischen Küstenwache näherten, sei bei den Schiffbrüchigen Panik ausgebrochen, weil sie nicht wieder zurück nach Tunesien gebracht werden wollten, hieß es in einer Mitteilung von Resqship. Die Menschen sprangen teilweise von den Rettungsinseln ins Wasser. Die Küstenwache ordnete daraufhin an, dass die Segelboote alle Menschen aufnehmen. Die «Astral» machte sich mit den Überlebenden auf in Richtung der italienischen Insel Lampedusa, wo sie auf die Erlaubnis hoffte, anlegen zu können.

Im Mittelmeer kommen immer wieder Migranten ums Leben, die auf überfüllten und oft seeuntüchtigen Booten nach Europa wollen. Vor allem Tunesiens Nachbar Libyen ist wegen der instabilen politischen Lage infolge des dortigen Bürgerkriegs zu einem wichtigen Transitland für Migranten geworden, die nach Europa wollen.


Israel und Türkei setzen auf engere wirtschaftliche Zusammenarbeit

JERUSALEM/ISTANBUL: Israel und die Türkei wollen im Zuge der Wiederannäherung ihre wirtschaftlichen Beziehungen stärken. Eine engere Zusammenarbeit könne auch dabei helfen, besser mit Meinungsverschiedenheiten umzugehen, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem Amtskollegen Jair Lapid in Jerusalem. Nach dem ersten Besuch eines türkischen Außenministers seit 15 Jahren erwarte man Fortschritte in den diplomatischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen, so Lapid.

Zwischen den einst engen Bündnispartnern Türkei und Israel war es 2010 zum Zerwürfnis gekommen. 2016 kam es zu einer Wiederannäherung. Seit der Gaza-Krise 2018 aber, die rund um die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem eskaliert war, haben die beiden Länder keine Botschafter mehr im jeweils anderen Land. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Israel in der Vergangenheit wiederholt attackiert und das Land etwa als «Terrorstaat» bezeichnet.

Am Vortag hatte Cavusoglu in Ramallah auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dessen Außenminister Riad Malki getroffen. Die Normalisierung mit Israel geschehe unabhängig von der Unterstützung der Türkei für die «palästinensischen Angelegenheit», so Cavusoglu. Er glaube, dass sich die Annäherung mit der Regierung in Jerusalem auch positiv auf die Palästinenser auswirke.

Bei dem Treffen der Minister nun schienen vergangene Spannungen kaum eine Rolle mehr zu spielen. Auf eine Einladung Cavusoglus in die Türkei antwortete Lapid, so lange es Döner Kebab gebe, werde er kommen.


Aushubarbeiten für Fehmarnbelt-Tunnel zur Hälfte abgeschlossen

FEHMARN/RØDBYHAVN: Beim Bau des Fehmarnbelt-Tunnels ist ein weiteres Etappenziel erreicht. Die Hälfte der Aushubarbeiten für die 18 Kilometer lange Verbindung zwischen der deutschen Ostseeinsel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland sei geschafft, teilte eine Sprecherin des Bauherrn Femern A/S mit. Bislang seien rund acht Millionen Kubikmeter Meeresboden ausgebaggert worden. Insgesamt dürften bei dem Bauprojekt etwa 19 Millionen Kubikmeter anfallen. Zuvor hatten die «Lübecker Nachrichten» darüber berichtet.

Der größte Teil des Aushubs wird demnach für die Landgewinnungsflächen bei Rødbyhavn in Dänemark genutzt. Ein Teil des Materials werde auch auf der Tunnelbaustelle auf Fehmarn für den Bau von Überführungen, Rampen und Dämmen eingesetzt.

Die Grabungsarbeiten hatten im Sommer 2021 begonnen. Das Absenken der 89 Tunnelelemente ist nach Angaben von Femern A/S voraussichtlich ab 2024 vorgesehen. Der rund sieben Milliarden Euro teure, vierspurige Straßen- und Eisenbahntunnel soll laut gegenwärtigen Planungen im Jahr 2029 eröffnet werden. Er soll die Fahrzeit von Hamburg nach Kopenhagen mit dem Zug auf rund zweieinhalb Stunden verkürzen.


Fuchs Petrolub beteiligt sich an Elektrolyt-Hersteller für Batterien

MANNHEIM/MÜNSTER/KAISERSLAUTERN: Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub steigt ins Batteriegeschäft ein. Man übernehme dazu 28 Prozent der Anteile an der E-Lyte Innovations GmbH, teilte der Mannheimer MDax-Konzern am Mittwoch mit. Das Unternehmen aus Münster entwickelt und produziert den Angaben zufolge Flüssig-Elektrolyte, die als wesentlicher Bestandteil von Lithium-Ionen-Batterien unter anderem für die E-Mobilität verwendet werden. In ihnen läuft der Ladungsaustausch zwischen den Zellpolen innerhalb des Batteriesystems ab.

Insgesamt investiere Fuchs Petrolub rund acht Millionen Euro in das neue Tätigkeitsfeld, hieß es weiter. Der Erwerb weiterer Anteile an E-Lyte Innovations sei möglich. Die Aktie legte im Vormittagshandel um rund 1,5 Prozent zu.

Mit dem Kauf setze Fuchs den Fuß auf ein neues Terrain außerhalb der klassischen Einsatzgebiete für Schmierstoffe, sagte Vorstandschef Stefan Fuchs. «Die Welt ändert sich rasant, und wir wollen nicht nur Schritt halten, sondern der Zukunft aktiv begegnen: mit dem Einstieg in einen sehr spannenden, global stark wachsenden Markt mit erheblichem Geschäftspotenzial.»

Im nächsten Schritt will Fuchs Petrolub gemeinsam mit E-Lyte Innovations am Standort Kaiserslautern die notwendige Fertigungsinfrastruktur schaffen. Investiert werden soll insbesondere in die Anlagen und in die Laborausstattung. Die Produktion soll im Sommer 2023 starten.


Scholz bekundet Beileid nach Massaker an Grundschule in Texas

BERLIN: Nach dem Amoklauf an einer texanischen Grundschule mit mindestens 19 erschossenen Kindern hat Bundeskanzler Olaf Scholz den Hinterbliebenen und Verletzten sein Beileid bekundet. Das «unfassbare Massaker» lasse sich kaum in Worte fassen, twitterte der SPD-Politiker am Mittwoch auf Englisch. Er sprach «unseren amerikanischen Freunden» sowie Präsident Joe Biden sein Beileid aus.

SPD-Chefin Saskia Esken schrieb auf Twitter von unfassbarer Trauer und unfassbarer Wut. «Wieder sind unschuldige Menschen, ja: Kinder! in den USA Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Sie sind auch Opfer derjenigen, die gegen alle Vernunft eine schärfere Regulierung des Waffenbesitzes verhindern!»

Die Chefin der Grünen im Bundestag, Britta Haßelmann, schrieb auf Twitter von erschütternden Nachrichten. «Wann endlich gibt es schärfere Waffengesetze?!», fragte auch sie.

Ein 18-Jähriger hatte während der Unterrichtszeit in der Robb Elementary School in Uvalde nahe San Antonio um sich geschossen. Auch mindestens zwei Erwachsene starben. Medienberichten zufolge soll der Schütze die verwendete Waffe vor rund einer Woche kurz nach seinem 18. Geburtstag gekauft haben.


BMW startet Batterierecycling in China

MÜNCHEN: BMW baut in China ein Recycling für seine ausrangierten Elektroauto-Batterien auf. Eine 100-Kilowattstunden-Batterie enthalte rund 90 Kilogramm Nickel, Lithium und Kobalt. Diese Rohstoffe würden großteils zurückgewonnen und für neue Zellen verwendet, teilte der Autokonzern am Mittwoch in München mit. Das spare Ressourcen und senke den CO2-Ausstoß um 70 Prozent.

China ist der größte Markt für E-Fahrzeuge, bis 2025 dürften dort etwa 780.000 Tonnen an ausgemusterten Batterien anfallen. Das Land hat Autobauer verpflichtet, ein Rückverfolgungssystem einzurichten, um Recycling sicherzustellen. BMW-Regionalchef Jochen Goller sagte, die Abhängigkeit von Rohstoffen müsse wegen der Verknappung und der steigenden Preise verringert werden.


Biden will Gemeinde in Texas nach Amoklauf an Schule bald besuchen

WASHINGTON: Nach dem verheerenden Massaker an einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas will Präsident Joe Biden die betroffene Gemeinde bald besuchen. Biden sagte am Mittwoch im Weißen Haus in Washington, er wolle «in den nächsten Tagen» mit seiner Ehefrau Jill nach Texas reisen und sich dort mit Familien treffen. Er wolle ihnen sein Mitgefühl zeigen und der Gemeinde etwas Trost spenden in einer Zeit von Schock, Trauer und Trauma.

Erneut beklagte der Präsident das Ausmaß an Waffengewalt in den USA. «Ich habe einfach satt, was da vor sich geht», sagte Biden und warb einmal mehr für eine Reform der Waffengesetze im Land. Viele Änderungen könnten einen Unterschied machen, ohne dass sich dies negativ auf den zweiten Verfassungszusatz auszuwirken würde.

Das Recht auf Waffenbesitz in den USA ist in der Verfassung verankert. Der entsprechende Passus stammt aus dem 18. Jahrhundert. Biden betonte, bei der Verabschiedung des zweiten Verfassungszusatzes habe es bestimmte Waffen noch gar nicht gegeben. Dass ein 18-Jähriger heute einfach in ein Geschäft gehen könne, um Kriegswaffen zu kaufen, sei nicht richtig. «Das ist gegen den gesunden Menschenverstand.»

Ein Schütze hatte am Dienstag in einer Grundschule in der kleinen Stadt Uvalde in Texas 19 Kinder und zwei Lehrer getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Der 18-Jährige hatte Ermittlern zufolge im März innerhalb weniger Tage in einem Geschäft zwei Sturmgewehre und Munition gekauft.


AWI: Erderwärmung bedroht sibirische Tundra - Mehr Klimaschutz nötig

BREMERHAVEN: Die Tundra in Sibirien mit ihrer besonderen Pflanzen- und Tierwelt ist durch die Klimakrise massiv bedroht. Da die Temperaturen in der Arktis rasant steigen, verschiebt sich die Baumgrenze von Lärchenwäldern immer weiter nach Norden und verdrängt die weiten Tundraflächen, wie eine Studie des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und der Uni Potsdam im Fachblatt «eLife» zeigt. Demnach bleiben bei konsequentem Klimaschutz bis Mitte des Jahrtausends etwa 30 Prozent der sibirischen Tundrafläche übrig. «In allen ungünstigeren Entwicklungs-Szenarien droht stattdessen der Totalverlust eines einzigartigen Naturraums», teilte das AWI am Mittwoch mit.

«Für den Arktischen Ozean und das Meereis wird die aktuelle und künftige Erwärmung erhebliche Konsequenzen haben», sagte die Leiterin der Sektion Polare Terrestrische Umweltsysteme am AWI, Ulrike Herzschuh, laut Mitteilung. Auch an Land werde sich die Umwelt drastisch verändern. «Im schlimmsten Fall wird die Tundra bis Mitte des Jahrtausends nahezu vollständig verschwinden.»

Für die Studie nutzten die Forschenden eine Computersimulation. Demnach braucht es eine deutliche Reduktion der Treibhausgase, um zumindest Teile der Kältesteppe zu retten. Die Umweltschutzorganisation WWF forderte laut AWI-Mitteilung, die Schutzmaßnahmen und Schutzgebiete in den betroffenen Gebieten schon jetzt auszuweiten, um Rückzugsgebiete für die einzigartige Biodiversität der Tundra zu erhalten.


Iran will an Hinrichtung von schwedischem Mediziner festhalten

TEHERAN: Iran will an der Hinrichtung eines schwedischen Mediziners festhalten, der in einem umstrittenen Spionageprozess zum Tode verurteilt wurde. «Das Urteil ist rechtkräftig, nur muss die Staatsanwaltschaft über den Zeitpunkt (der Hinrichtung) entscheiden», sagte Justizsprecher Massud Setajeschi laut Medienberichten am Mittwoch. Diplomatische Lösungen, wie etwa einen Gefangenaustausch, schloss der Sprecher aus.

Die Vollstreckung der Todesstrafe war für den 21. Mai in Teheran angekündigt worden. Der Katastrophenmediziner und Dozent Ahmad-Resa J. wurde 2016 bei einem Besuch im Iran verhaftet, weil er für den israelischen Geheimdienst Mossad gearbeitet haben soll. Ein Revolutionsgericht verurteilte ihn deshalb zum Tode. Das Urteil wurde 2017 vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Ein Jahr später erhielt J. die schwedische Staatsbürgerschaft. Das Urteil wurde von Diplomaten kritisiert.

Es sei es «bewiesen», dass der Mediziner mit der Weitergabe geheimer Staatsdokumente an den israelischen Geheimdienst mehrmals die nationale Sicherheit des Landes gefährdet habe, hieß es von iranischer Seite Anfang Mai. Der Iran und Israel sind seit über 40 Jahren miteinander verfeindet. Doppelstaatler werden im iranischen Rechtssystem nur als Iraner behandelt.

Iran wies zudem Berichte zurück, wonach der Fall in Zusammenhang mit einem Gerichtsverfahren in Schweden gegen den Iraner Hamid N. stehe. Dem ehemaligen Justizbeamten wird vorgeworfen, an Massenhinrichtungen und Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. N. droht lebenslange Haft.


Deutsche Firmen beklagen Visa-Hemmnisse

PRETORIA: In Südafrika sehen sich die dort tätigen deutschen Unternehmen durch eine schwächelnde Infrastruktur, vor allem aber auch aufgrund von Visa-Hemmnissen ausgebremst. Das geht aus einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK) hervor, die am Rande des Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Johannesburg vorgelegt wurde. Insgesamt 95 Prozent der befragten 453 Mitgliedsfirmen wiesen darin auf Probleme bei der Beschaffung von Visa für Fachkräfte im Land hin.

Scholz hatte vor seinem Rückflug nach Deutschland am Dienstagabend an einer Veranstaltung zum 70-jährigen Bestehen der AHK in Johannesburg teilgenommen. Ihr gehören mehr als 600 Unternehmen an - darunter Konzerne wie Siemens, Volkswagen, Mercedes-Benz, Continental oder BMW.


Palästinenser: Jugendlicher bei Konfrontation mit Armee getötet

RAMALLAH/TEL AVIV: Ein 16-Jähriger ist nach palästinensischen Angaben bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten im besetzten Westjordanland getötet worden. Der Jugendliche sei von einer Kugel am Kopf getroffen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah am Mittwoch mit. Die Konfrontationen hätten sich ereignet, als Soldaten das Josefsgrab in Nablus für einen Besuch von Siedlern gesichert hätten.

Die Armee teilte auf Twitter mit, dass es während eines vorher abgesprochenen Besuchs von Gläubigen am Josefsgrab zu gewalttätigen Zusammenstößen mit Hunderten Palästinensern gekommen sei. Diese hätten Steine und Brandflaschen auf Soldaten geworfen. Die Soldaten hätten auf einen Verdächtigen geschossen, der eine Brandflasche geworfen habe. Dieser sei getroffen worden.

Nach der Überlieferung ist das Josefsgrab die letzte Ruhestätte der biblischen Gestalt Josef, Sohn des Patriarchen Jakob. Juden, Christen und Muslime verehren das Grab gleichermaßen. Juden dürfen den Ort nur mit Genehmigung betreten.


Vestager bereitet Europäer auf dauerhaft höhere Preise vor

BRÜSSEL: Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Margrethe Vestager, stimmt die Menschen in Europa auf dauerhaft höhere Preise ein. Ein großer Teil der europäischen Industrie basiere auf «sehr billiger Energie aus Russland, auf sehr billiger Arbeitskraft aus China und auf hochsubventionierten Halbleitern aus Taiwan», sagte sie dem «Handelsblatt» (Mittwoch).

Europa sei nicht naiv gewesen bei diesen Risiken, sondern gierig. Solche Abhängigkeiten könnten die europäischen Staaten nicht einfach als Teil des Geschäfts akzeptieren, sagte Vestager. Europa müsse seinen Handel diversifizieren und höhere Preise in Kauf nehmen. Das Recycling müsse ausgebaut werden. Zahlen müssten für diese Veränderungen letztlich die Verbraucher.

Angesichts der steigenden Gaspreise zeigte sich Vestager vorsichtig optimistisch. Wenn es gelinge, dass die Europäer gemeinsam verflüssigtes Erdgas einkaufen, könne das die Preise stabilisieren und senken, stellte sie nach Angaben des Blattes in Aussicht. Vor staatlichen Preisdeckeln auf Gas warnte sie hingegen: Der mit dem subventionierten Gas erzeugte Strom würde dann in die Nachbarländer abfließen.


Autoverband: Wieder weniger Nutzfahrzeuge in der EU neu zugelassen

BRÜSSEL: Die Nachfrage nach neuen Nutzfahrzeugen in der Europäischen Union nimmt weiter stark ab. Im April seien mit 125.034 Exemplaren rund 27,1 Prozent weniger gewerblich genutzte Fahrzeuge neu zugelassen worden als im Vorjahresmonat, teilte der Branchenverband Acea am Mittwoch in Brüssel mit. Seit dem Jahresbeginn verzeichnete der Verband damit ein Minus von einem Fünftel gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zwischen Januar und April seien insgesamt 536.408 Nutzfahrzeuge neu zugelassen worden.

Im April mussten die Hersteller in den vier Schlüsselmärkten Frankreich, Spanien, Deutschland und Italien wie schon in den Vormonaten herbe Rückgänge hinnehmen. In allen Segmenten seien weniger Fahrzeuge neu registriert worden, hieß es.

Besonders schlecht stand es dabei um die leichten Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gewicht, deren Neuzulassungszahl um 30,2 Prozent unter die Marke von 100.000 fiel. Vor allem in Spanien ließ das Interesse nach, dort waren Fahrzeuge dieser Kategorie um 41 Prozent weniger gefragt. In Deutschland ging die Neuzulassungszahl um ein Drittel zurück.


Xi Jinping weist Einmischung bei Menschenrechten zurück

PEKING: Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat sich gegen eine Einmischung in innere Angelegenheiten unter dem Vorwand der Menschenrechte ausgesprochen. Vor dem Hintergrund internationaler Vorwürfe über Menschenrechtsverstöße und die Verfolgung von Minderheiten in China wandte sich der Präsident am Mittwoch in Peking bei einem Videogespräch mit UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet bei deren China-Besuch gegen eine «Politisierung» der Menschenrechte oder «zweierlei Maß» bei deren Betrachtung. «Länder brauchen keine gängelnden Lektoren.»

Obwohl die Vereinten Nationen eigentlich die universelle Gültigkeit der Menschenrechte garantieren, bekräftigte Xi Jinping in dem Gespräch die chinesische Position, dass unterschiedliche Wege einzelner Länder respektiert werden müssten. «Menschenrechte haben einen historischen, spezifischen und praktischen Kontext.» Mit unterschiedlichen nationalen Bedingungen, Historien, Kulturen, sozialen Systemen und Ebenen wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung müssten Länder ihren passenden Pfad der Menschenrechte erkunden, relativierte Xi Jinping deren Bedeutung.

Mit der früheren chilenischen Präsidentin ist erstmals seit 17 Jahren wieder eine UN-Menschenrechtskommissarin in China. Bachelet will diese Woche auch Xinjiang in Nordwestchina besuchen, wo nach Angaben von Menschenrechtlern Hunderttausende von Uiguren und Mitgliedern anderer Minderheiten in Umerziehungslager gesteckt worden sind. Am Vortag sorgten Enthüllungen internationaler Medien aus einem «Xinjiang Police Files» genannten Datenleck für Aufsehen, die Ausmaß und Härte der Verfolgung und Masseninternierung von Uiguren und Mitgliedern anderer Minderheiten in Xinjiang aufzeigten.


Mindestens 14 Tote bei Einsturz von Einkaufszentrum im Iran

TEHERAN: Beim Einsturz eines im Bau befindlichen Einkaufszentrums im Südwesten Irans sind mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen und 29 weitere verletzt worden. Die Rettungsarbeiten seien noch nicht beendet und müssten auch am dritten Tag nach dem Einsturz fortgesetzt werden, sagte Innenminister Ahmad Wahidi laut Medienberichten am Mittwoch. Rettungskräfte vor Ort befürchten, dass die Zahl der Toten weiter steigen könnte, da noch ungefähr 50 Menschen unter den Trümmern begraben seien. Die Ursache des Einsturzes ist noch unklar.

Kritiker monieren allerdings, die Bauarbeiten seien schlampig, Ziel seien geringe Kosten. Das zehnstöckige Einkaufszentrum Metropol in der Hafenstadt Abadan war am Montag eingestürzt. Unter den Toten soll sich auch der Besitzer der Passage befinden. Zunächst hieß es, dass er verhaftet worden sei, aber dann wurde seine Leiche unter den Trümmern gefunden und von Familienmitgliedern identifiziert. Medienberichten zufolge wurden im Zusammenhang mit dem Einsturz elf Menschen festgenommen, unter ihnen auch der Projektmanager.


Zwei Jahre nach George Floyd: Strengere Regeln für US-Bundespolizei

WASHINGTON: Zwei Jahre nach dem brutalen Tod des Afroamerikaners George Floyd setzt US-Präsident Joe Biden strengere Regeln für die Bundespolizei durch. Ohne das Vertrauen der Öffentlichkeit könnten die Sicherheitsbehörden ihre Aufgaben nicht erfüllen, sagte Biden am Mittwochnachmittag (Ortszeit) in Washington. Er unterzeichnete einen entsprechenden Erlass - es waren auch Angehörige von Floyd im Weißen Haus. Biden holte Floyds Tochter Gianna auf die Bühne.

Die neuen Regeln betreffen dem Weißen Haus zufolge mehr als 100.000 Bundespolizistinnen und -polizisten. Demnach soll eine neue nationale Datenbank für polizeiliches Fehlverhalten geschaffen werden. Bürgerrechtsverletzungen durch die Polizei sollen künftig besser untersucht und verfolgt werden. Der Erlass sieht außerdem vor, dass neue Richtlinien für Körperkameras verabschiedet werden. Diese müssen dem Weißen Haus zufolge vorschreiben, dass die Kameras bei Aktivitäten wie Festnahmen oder Durchsuchungen aktiviert werden. Die Freigabe von Filmmaterial nach Vorfällen mit schweren Körperverletzungen oder Todesfällen in Gewahrsam soll beschleunigt werden.

Künftig solle für die Bundespolizei auch ein weitgehendes Verbot bestimmter Würgegriffe gelten, hieß es weiter. Auch Durchsuchungen, bei denen sich die Polizei nicht zuvor an der Tür bemerkbar machen muss, sollen beschränkt werden. Zudem solle der Kauf von Militärausrüstung mit Bundesmitteln eingeschränkt werden. Eine Liste mit verbotenen Ausrüstungsgegenstände werde erweitert, hieß es.

Der Tod des Afroamerikaners Floyd am 25. Mai 2020 bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis hatte in den USA Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Videos dokumentieren, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Der weiße Beamte Derek Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Seine Kollegen schritten trotz Chauvins Handeln nicht ein. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein - und starb.


Südkorea: Nordkorea testet offenbar Interkontinentalrakete

SEOUL: Nordkorea hat nach Angaben des südkoreanischen Militärs offenbar mindestens eine atomwaffenfähige Interkontinentalrakete (ICBM) getestet.

Nordkorea habe am Mittwochmorgen (Ortszeit) innerhalb einer Stunde drei ballistische Raketen in Richtung offenes Meer im Osten abgefeuert, teilte Südkoreas Generalstab mit. Davon sei die erste möglicherweise eine ICBM gewesen. Sie sei etwa 360 Kilometer weit geflogen. Zu Interkontinentalraketen zählt man Raketen, die eine Reichweite von mehr als 5500 Kilometern haben. Ob Nordkorea bewusst die Flugdistanz auf einige Hundert Kilometer beschränkt hat, war zunächst unklar. UN-Resolutionen untersagen dem Land die Erprobung von ballistischen Raketen jeglicher Reichweite, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf befördern können.

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